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Gerade wer nicht krampfhaft sucht, findet überraschend die Dinge, die wirklich glücklich machen. Denn bei der Lebensreise weht der Wind oft scheinbar wie er will und so wird auch der Leser mitunter in Regionen geschickt, die recht unerwartet am Horizont auftauchen. Die humorvolle Lesereise beginnt in den wilden 68er Zeiten, führt durch mexikanische Dschungelpfade, in Kinderläden und Männergruppen, ins Kloster und zu steinernen Kultplätzen und berichtet auch von der Sache mit dem lieben Geld. Ein entspanntes Lesevergnügen erwartet sie.
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2020
Buch
Die humorvolle Lesereise beginnt in den wilden 68er Zeiten, führt durch mexikanische Dschungelpfade, in Kinderläden und Männergruppen, ins Koster und zu steinernen Kultplätzen, berichtet auch von der Sache mit dem lieben Geld und endet vorerst erst einmal in den Zeiten der Großen Finanzkrise.
Mitunter werden bei der Reise auch unerwartete Regionen aufgesucht.
Ein entspanntes Lesevergnügen erwartet sie.
Autor
Horst Kraberg, Nordsee, Berlin, schließlich Nordhessen; verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Beruflich war er als Bildungsreferent in verschiedenen Bereichen tätig und organisierte lange Jahre in einer Bildungsstätte ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Offenheit, Kreativität und Neugier zeichnen ihn aus.
Ehrenamtlich ist er bei einem Kinderhilfswerk und bei der Organisation von Kulturveranstaltungen engagiert.
Vorwort
Was sie vorher wissen sollten
Als alles anfing
Die 68er-Beziehung
Der Indianer
Männer
Reisen
Kloster
Die Steine
Die Stellvertreter
Die Sache mit dem lieben Geld
Out-door
Epilog:Aufbruch zur neuen Reise
Wenn sie jetzt anfangen, dieses kleine Büchlein zu lesen, möchte ich gleich ein paar Dinge richtig stellen. Erwarten sie ja nicht, dass ich nun alle intimen Geheimnisse meines Lebens vor ihnen ausbreiten werde. Erwarten sie auch nicht, dass alles, was sie lesen werden, sich genau so abgespielt hat, wie beschrieben. Vielleicht sollten sie sich auch nicht so sicher sein, dass der Autor auch alle Ereignisse wirklich selbst erlebt hat. Vielleicht hat er ja auch nur eine blühende Phantasie und große Ohren, wenn andere tolle Geschichten erzählen.
Das nur vorab.
Erwarten können sie allerdings schon einige recht spannende Ereignisse auf der Lebensreise des Autors (mit einigen mitunter recht unerwarteten Sprüngen), eingebunden in die politischen, kulturellen Geschehnisse seit den 68er Jahren bis in die Zeit als die Finanzen kollabierten.
Ich werde sie mitnehmen auf meine zahlreichen Reisen, werde sie teilhaben lassen an meiner Männergruppe und auch an meinem Klosteraufenthalt, ich werde ihnen die Welt der Steine nahe bringen, sie in die Geheimnisse des Geldes einweihen und ich werde auch von Dingen berichten, über die sonst meist geschwiegen werden muss.
Mit einem Satz: Freuen sie sich auf eine spannende Lesereise.
Als alles anfing
„Wie wurde ich eigentlich wie ich bin?“ Das war die zentrale Frage als ich damals meinte, nun wäre es endlich an der Zeit, zumindest Teile meiner bisherigen Lebensreise aufzuschreiben.
Allerdings werde ich jetzt nicht damit anfangen hier meinen ersten Schrei als Baby zu Papier zu bringen oder vielleicht noch weiter zurückzublicken, was denn z. B. mein Großvater als Marinesoldat damals gemacht habe oder ähnliches. Nein, anfangen möchte ich meinen Bericht so in der Zeit, als ich anfing, aktiver am Leben teilzunehmen. Das war in den letzten Klassen meiner Gymnasialzeit.
Das erste Mal, dass in der Zeitung mit Foto von mir berichtet wurde (allerdings als Teil einer größeren Gruppe), war bei einer Demo gegen die Notstandsgesetze, die vor allem von uns Schülern organisiert wurde.
Das war damals eine richtige Sensation in unserer doch recht spießigen Heidegegend.
Warum ich mich allerdings schon sehr früh als Schüler für Politik interessiert habe und andere nicht, das kann ich ihnen gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach schon sehr früh – vielleicht angeboren, vielleicht auch von meinem Vater angestoßen – einen starken Drang zur Gerechtigkeit. Wollte mich einfach gern für die „Entrechteten“ einsetzen.
Die damaligen politischen Geschehnisse flossen zudem auch in unserer Provinz stark in den Schulalltag ein. Da wurde oft diskutiert, auch wenn der Lehrer das eigentlich nicht wollte. Das war schon eine gute Schulung für mein späteres politisches Leben.
Auch kamen da vielleicht bei mir so pubertäre Auflehnungen dazu.
Wenn da ein autoritärer Pauker kam, dann reizte mich das total, dann versuchte ich gleich gegenzuhalten. Wenn die dann noch von ihren glorreichen Soldatenzeiten erzählten, dann war es ganz aus bei mir. Ein Lehrer, der durfte für mich ruhig kantig sein und seine Linie fahren, aber halt auch mit Respekt vor uns Schülern, sonst hatte ich auch keinen Respekt vor ihm. Manche meinten später, das wäre antiautoritär gewesen.
Ich fand das einfach normal.
Als es damals um die sog. Notstandsgesetze ging, da haben wir dann in unserer Schule schon mal angefangen mit dem selbstbestimmten Lernen und so.
In der Uni in Berlin hat sich das dann fortgesetzt bei mir. Kaum an der Uni angekommen tat ich mich auch schon mit anderen Uni-Neuen zusammen, die auch politisch aktiv sein wollten. Den Gedanken der Räte fanden wir alle als Organisationsform gut und weil es so eine Gruppe noch nicht am Fachbereich gab, organisierten wir uns halt selber, auch wenn wir gerade erst angekommene Erstsemester waren. Es kamen dann auch schnell immer mehr, die bei uns mitmachen wollten. So war ich schnell im politischen Unigeschehen engagiert.
Denken sie nun aber bitte nicht, dass ich so ein stahlharter politischer Kämpfer wurde. Nein, für mich und meine Freunde war damals Politik nicht so eine bierernste Sache. Politik sollte für uns auch Spaß machen. Die Phantasie wollten wir an die Macht bringen, und nicht Leute, die schon alle längst tot waren, wie Lenin, Stalin und so.
Wir waren mehr so für das Lebendige, mit direkter Demokratie und so.
Allerdings muss ich schon zugeben, dass es manchmal für andere recht schwer mit uns war, die Profs hatten es jedenfalls nicht leicht. Wir waren schon recht kritisch, wussten alles besser – das sowieso – dann noch undogmatisch-spontan, kreativ und phantasiereich – und dann auch noch sooo sympathisch – das konnten die Profs aber natürlich nicht zugeben.
Ich glaube, ich könnte jetzt so richtig ins Schwärmen kommen, was für ein toller Haufen wir damals waren. War einfach richtig schön damals.
Klar gab es auch damals doofe Zeiten. So diese Wohngemeinschaftsrunden, die waren schon ätzend. Dieser ganze Psychokram.
Obwohl, wir hatten auch wirklich tiefgehende Diskussionen, so z.B. um die Käsefrage. Ob man den Käse rund oder gerade aufschnitt, hat ja wirklich viel mit der Persönlichkeit zu tun. Im Kleinen steckt das Ganze, oder so.
Taktisch wurde man damals auch richtig gut für das spätere Leben geschult; etwa bei der Frage des Abwasches.
Soll ja immer noch ein schwieriges Feld sein, hör ich manchmal. Obwohl das heute mit den Geschirrspülern nicht mehr diese Dimension hat wie früher.
Damals in den WGs war das schon eine der dringlichsten Fragen, die Jahrzehnte später dann ganze Kohorten von Familientherapeuten beschäftigen sollte.
Das Küchensystem ist ja ein wichtiger familiärer oder wg-mäßiger Mikrokosmos, in dem sich oft die Familiengeschichten vieler Generationen bündeln und überlagern. Schon damals stellte ich mir die Frage, was eine gute Lösung für den Abwasch sei. Mir war damals sofort klar, es gibt mehr als eine Lösung. Aber klar war auch, jede Lösung wirkt in das Küchensystem zurück und natürlich auch in die WG insgesamt.
Wählte man z.B. den Lösungsansatz, dass man solange wartet mit dem Abwasch bis sich eine mitleidige Seele erbarmte und den Abwasch machte, dann war man bei manchen WG-Frauen oft nicht so gut angeschrieben oder vielleicht sogar als Macho verschrien; das konnte aber natürlich wiederum bei den männlichen WG-Leadern teilweise richtig gut angekommen. Also da konnte es schon Wechselwirkungen geben.
Ich wählte meist eine Lösung, die für alle gut war. Ich überredete die Mitbewohner dazu, doch am besten eine Currywurst essen zu gehen.
Damit sparte ich mir das Kochen und den Abwasch. Und alle waren glücklich.
So einfach können manchmal die Lösungen und das Leben sein. War halt alles damals ganz anders als heute. Wir haben viel multikulturell gekocht. Couscous war bei uns in. Häufig gab es italienische Spaghettigerichte, spezielle französische Flambierpfannen und wenn ich dran war, halt deutsche Currywurst. Damals war das meiste noch nicht ökomäßig, dafür aber multikulturell. Waren halt noch ganz andere Zeiten.
Aber schön, aber schön, war es doch.
Etliche Momente von diesem so überschäumenden, euphorischen Gefühl sind natürlich auch dann Teil meines Ichs geworden.
Ein erstes kleines Antwortpuzzleteil für die Ausgangsfrage, wie ich eigentlich so wurde wie ich bin.
Die 68er-Beziehung
Gehören Sie auch zu den berühmtberüchtigten 68ern?
Ich irgendwie schon.
Diese Zeit hat mein Leben, mein Denken, mein Handeln ein gutes Stück geprägt, bis auf den heutigen Tag. Ich bekenne mich dazu ganz offen, auch wenn das bei vielen nicht so gut ankommt heute und sie vieles, was in ihren Augen nicht stimmt, den 68ern in die Schuhe schieben.
Und irgendwie haben die Kritiker ja auch teilweise recht.
Viele 68er sind wirklich mit schuld, dass man jetzt nicht mehr so große Gewinne mit Atom machen kann, dass es nicht mehr so einfach ist, überall die Landschaft mit Autobahnen zuzupflastern, dass Großprojekte noch einmal gründlich diskutiert werden. Die 68er sind vermutlich wirklich schuld, dass es immer mehr Öko-Produkte gibt und regionale, ökologische Landwirtschaft, hunderttausende von Arbeitsplätzen in der alternativen Stromerzeugung und vieles andere mehr.
Man muss ihnen deshalb natürlich auch nicht gleich einen Heiligenschein aufsetzen. Ich finde auch nicht alles gut, was die so machen.
Aber die Grundrichtung stimmt in meinen Augen.
Mein Zugang zu den 68ern war ja mehr so gefühlsmäßig.
Ich fand das damals schon irgendwie steif und auch manchmal recht bieder in Deutschland. Das Ganze mit dem korrekt geschnittenen Rasen, den man dann doch nicht betreten und auf dem man schon auf gar kein Fall Fußball spielen durfte. Vieles war auch schon sehr streng und autoritär, nicht nur in der Schule und beim Militär, sondern auch in der Uni oder in vielen Firmen.
Als sie dann z.B. in einer Uni bei einer hochheiligen Feier so ein Spruchband entrollten: „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“ oder als dann der Fritz Teufel vor Gericht, weil er zuerst nicht aufstehen wollte, beim Aufstehen seinen geilen Spruch los ließ: „Wenn es der Wahrheitsfindung dient“, da dachte ich schon bei mir, irgendwie haben die recht, ein bisschen Aufbruch in Deutschland könnte wirklich nicht schaden.
Dass es dann manchmal auch recht heftig kam, tja, es geht halt nicht alles glatt.
Heute wollen ja manche Leute alles wieder zurückdrehen, was durch die 68er so losgetreten wurde. In der Atompolitik hätte es ja fast schon geklappt, da brauchte man ja auch nur mit ein paar Energiebossen ein paar Absprachen treffen. Bei der Kindererziehung ist das schon irgendwie schwieriger, etwas rückgängig zu machen. Wer einmal – wie viele 68er - so ein bisschen antiautoritär und manchmal sogar direkt-demokratisch gedacht hat, dem fällt es halt schwer, so richtig autoritär zu handeln und wieder Zucht und Ordnung in die Schule zu bringen. Für die 68-Kritiker setzte damals dann die Verlotterung des ganzen Gesellschaftslebens und der Werteverfall ein, eine Neid-Kultur sei entstanden (mit Neid z.B. auf die hart erarbeiteten Gewinne der Konzerne oder auf die Bonusse der Bank-Manager), selbst Parlamentsbeschlüsse würden seitdem kritisiert; Verfall überall sei nun zu sehen.
Ich sehe das allerdings nicht so. Was mir heute fehlt, ist eher Respekt in allen Bereichen. Respekt für Schüler und auch für Lehrer. Respekt für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Respekt für Menschen in Arbeitslosigkeit, im Alter, im Rollstuhl oder bei Behinderung. Respekt für Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Sitte und Kultur.
In Sachen Respekt, da habe ich viel von den 68ern gelernt. Das werde ich doch wohl mal sagen dürfen, oder?
Es gab bei den 68ern auch ein paar Themen, die mir besonders am Herzen lagen.
Das war vor allem der Protest gegen Aufrüstung und gegen die Kriege der Großmächte, die diese gegen Länder der Dritten Welt (so hieß das damals noch)
