Werbespot(t) - Joe Deerman - E-Book

Werbespot(t) E-Book

Joe Deerman

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Beschreibung

"Hier erzählt einer seine Lebensgeschichte, d.h. eigentlich nicht seine Lebensgeschichte, sondern die Geschichte seiner Lebenskrise. Und er erzählt diese Geschichte gut. Der Autor beobachtet sich selbst und seine Umwelt mit Präzision; die ihn überfallenden und so gar nicht in seine Hochglanz-Werbewelt passenden Angstgefühle, die Erleichterungswirkung des Alkohols, das Auf und Ab der Gefühle, die Reaktionen der Umwelt, schließlich die Landung bei denen, deren Aufgabe es ist Menschen wie ihm zu helfen. Auch wenn der Rausch zum Thema gehört, die Sprache bleibt nüchtern. Ohne falsche Sentimentalität, ohne allzu viel Selbstmitleid, ohne Pathos und Deutungsballast werden die Ereignisse wiedergegeben. Reinhold Aßfalg Psychologe und Buchautor (Die letzte Runde) Verkürzte Fassung

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Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Joe Deerman

Werbespot(t)

Burnout mit Happy End?

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Absturz

Impressum

Kapitel 1

Werbespot(t)

Burnout mit Happy End

„Hier erzählt einer seine Lebensgeschichte, d.h. eigentlich nicht seine Lebensgeschichte, sondern die Geschichte seiner Lebenskrise. Und er erzählt diese Geschichte gut. Der Autor beobachtet sich selbst und seine Umwelt mit Präzision; die ihn überfallenden und so gar nicht in seine Hochglanz-Werbewelt passenden Angstgefühle, die Erleichterungswirkung des Alkohols, das Auf und Ab der Gefühle, die Reaktionen der Umwelt, schließlich die Landung bei denen, deren Aufgabe es ist Menschen wie ihm zu helfen. Auch wenn der Rausch zum Thema gehört, die Sprache bleibt nüchtern. Ohne falsche Sentimentalität, ohne allzu viel Selbstmitleid, ohne Pathos und Deutungsballast werden die Ereignisse wiedergegeben.

Reinhold Aßfalg

Psychologe und Buchautor (Die letzte Runde)

Vorwort

Peter ist einer der vielen Unauffälligen, der unter einer durch Burnout ausgelösten Depression leidet. Er könnte auch Klaus, Günther oder Eva heißen. Er/Sie könnte Generaldirektor(in,) Würstchenverkäufer(in), oder Gabelstaplerfahrer(in) sein. Die Geschichte ist real und beinhaltet Ängste bis hin zu Panikattacken und Depression, die der Autor selbst erlebt hat. Doch jeder „Leidende“ hat seine eigene Geschichte, unabhängig seines sozialen, oder beruflichen Status. Der Autor hat versucht diese Geschichte so pathosfrei, wie es ihm möglich ist zu erzählen. Denn wo Gefühle abgestorben sind, lassen sie sich nicht beschreiben. Die Depression lässt keine Gefühle zu, die Depression ist stumpf und beinhaltet ein unerträgliches Nichts, das zu einem unsagbaren Schmerz der Seele mutiert.

Absturz

Er war nach außen hin ein lebenslustiger, umtriebiger Mensch, dabei nachdenklich und sensibel. Er konnte stundenlang in irgendwelchen Jazz- und Blueskneipen rumhängen, setzte sich nicht selten selber ans Klavier und begeisterte die Zuhörer mit seinem ihm eigenen „Blues“ und seiner rauchigen Stimme. Er hatte Chancen bei Frauen, viele Freunde und genoss es, unter Leute zu gehen. Aber er konnte sich auch wochenlang einkapseln, sich vergraben.

Peter, zweiundvierzig Jahre alt, eins neunzig groß, fünf und achtzig Kilo schwer, mittellanges, braunes Haar. Ein interessanter Typ, meinten nicht wenige. Er war AD (Art Director) in einer global agierenden Werbeagentur und avancierte gerade zum CD (Creativ Director). Er hatte Erfolg. Auch stimmte das Gehalt, so dass er sich neben einem Jaguar Coupe´ X J6 Baujahr 1978 noch eine Harley leisten konnte. Aber er spürte auch, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Er hatte, seit er denken konnte, den Hang zur Melancholie, oder anders ausgedrückt, er hatte Phasen tiefster Traurigkeit, die er sich nicht erklären konnte. Aber das bemerkte kaum einer, denn seine „Da musst du durch Erziehung“ ließ bei ihm kein Schwächeln zu und die Jahre im Internat waren für ihn Freiheitsberaubung, über die er kaum sprach. Vielleicht verursachte auch sein ständiges analytisches Denken diese Episoden. Darum suchte er auch einen Psychologen auf, aber geholfen hatte das nicht wirklich, es hatte nur ungeheuer viel Geld gekostet.

Seine „Familienstory“, meinte er längst überwunden zu haben …….

Mittwoch

Während der Fahrt zu einem Kunden bekam er plötzlich Schweißausbrüche, ihm wurde übel. Er stellte sich auf einen Parkplatz, ging ein paar Schritte und holte tief Luft. Das tat gut. Nach fünf Minuten war alles vorüber und er fuhr wieder los. Er war spät dran.

Das Briefing verlief wie gewohnt. Es ging um die Markteinführung eines neuen Süßriegels. Alle benahmen sich so wichtig, als ob das klebrige Zuckerstückchen die Welt retten könne. Auf der Rückfahrt stellte sich wieder das Gefühl ein, keine Luft mehr zu bekommen. Er begann zu schwitzen, zitterte, ihm wurde schwindelig. Die Autos schossen unerbittlich an ihm vorbei. Vergeblich suchte er nach einer Ausfahrt oder einem Parkplatz. Stattdessen tauchte vor ihm die schier endlos erscheinende Mosel-Tal-Brücke auf. Der Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er umklammerte das Lenkrad bis die Fingernägel weiß und blutleer wirkten. Aber was tun? Er musste über diese Brücke, es gab keine Ausfahrt mehr. Hinter ihm blinkten schon einige Autos auf.

Er schaute auf den Tacho. Fünfzig Stundenkilometer und das auf der Autobahn. Er hatte keine Kraft das Gaspedal durchzudrücken, seine Muskulatur fing an, sich völlig zu verkrampfen. Er erreichte die Brücke und wechselte die Fahrbahn, fuhr auf der linken Seite, um nicht ins Tal blicken zu müssen. Er schaute weder nach links noch nach rechts, sondern nur auf das Ende der Brücke. „Geschafft!“. Er sah das P für Parkplatz, riss sich zusammen und setzte den Blinker. Erschöpft schlief er ein. Als er aufwachte schaute er auf die Uhr. Mindestens zwei Stunden hatte er geschlafen. Seine Finger taten ihm weh, aber ansonsten hatte er keine Symptome. Er fuhr los und es war so, als sei nichts geschehen.

Donnerstag

Er stand vor dem Fahrstuhl, um in seine Werbeagentur zu gelangen, die im achten Stock eines Frankfurter Hochhauses lag. Er drückte auf die Acht und der Fahrstuhl bewegte sich nach oben. Wie immer.

Plötzlich bekam er wieder diese Beklemmungen. Er begann zu schwitzen, rang nach Atem. Die Tür öffnete sich und er befand sich in seinem jahrelang gewohnten Stockwerk. Kreidebleich betrat er die Agenturräume und wankte ins Büro. Er riss die Schranktüre auf, holte eine Flasche Bourbon heraus und nahm einen kräftigen Schluck. Das tat gut. Sofort hörte das Zittern auf und die verkrampfte Muskulatur entspannte sich spürbar. Er setzte sich in seinen Bürosessel und atmete tief durch. Seine Assistentin begrüßte ihn freundlich mit Küsschen und sagte lächelnd: „na, Du fängst ja früh an“. Dabei warf sie einen kritischen Blick auf die fast leere Flasche.

Er begann sich auf seine Präsentation für den Freitag vorzubereiten, ging noch einmal alle Anzeigenmotive durch und machte letzte Änderungen. Es wurde spät und er verließ als letzter die Agenturräume. Er stand vor dem Fahrstuhl und plötzlich begann sich die Angst wieder zu melden. Er beschloss die Treppe zu benutzen.

Zuhause angekommen, schenkte er sich ein Glas Rotwein ein, setzte sich entspannt auf die Couch und schloss die Augen. Etwas später hörte er den Telefonbeantworter ab. Heute Abend hatte er keine Lust mehr auszugehen. Er war müde.

Freitag

Tag der Präsentation einer neuen Imagekampagne für ein globales Finanzdienstleistungsunternehmen. Er stand mit seinem Kontakter vor dem Fahrstuhl der imposanten Firmenzentrale des Kunden. „Die bauen sich ihre eigenen Tempel, auf Kosten ihrer Klientel“, dachte er und die Angst machte sich wieder bemerkbar. Er war froh, nicht alleine zu sein und unterhielt sich intensiv mit seinem Team-Kollegen. Die in schwarz gestreiftem Hosenanzug bekleidete Marketingleiterin begrüßte die Beiden freundlich und bat sie Platz zu nehmen, die Geschäftsleitung würde gleich erscheinen. „Die sieht aus, als ob Frauen in solchen Positionen einer Uniform bedürfen“ und stellte sie sich im Neglischee´ vor. Dabei schaute er auf sein eigenes Outfit und musste lächeln. „Sind wir Kreative, oder Bestattungsunternehmer?“. Dabei warf er einen Blick auf seinen Kollegen, aber dessen dunkles Outfit sah ja ebenso aus.

Eine gertenschlanke Sekretärin bot ihnen Kaffee an, den sie beide dankend annahmen. Er wollte gerade die Tasse an den Mund führen, als er erschrocken bemerkte, dass seine rechte Hand zitterte und er nicht in der Lage war, die Tasse zu halten. „Nervös?“ fragte der Kontakter lächelnd und klopfte ihm dabei auf den Schenkel. “Wir werden das schon in trockene Tücher wickeln“, sagte er väterlich und machte sich auf den Weg zur Toilette.

Er versuchte es nun mit der linken Hand. Es funktionierte. Diese Hand zitterte nicht und so konnte er den heiß ersehnten Kaffee doch noch genießen.

Die Präsentation lief wie am Schnürchen, die Kampagne wurde abgesegnet und die Beiden verließen beschwingt das Firmengebäude. Am Auto angekommen, überfiel ihn wieder dieses sonderbare, bisher nie gekannte Gefühl. Er bat seinen Kollegen, das Steuer zu übernehmen und setzte sich auf den Beifahrersitz. Man fuhr, sich angeregt unterhaltend, zurück nach Frankfurt. Sein Kollege hatte weiter nichts bemerkt.

Er verbrachte das Wochenende alleine, obwohl er drei Einladungen hatte, u.a. auch die seines besten Freundes Jürgen.