Wetten ... ich KLICK dich - Barbara Kühne-Hellmessen - E-Book

Wetten ... ich KLICK dich E-Book

Barbara Kühne-Hellmessen

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Beschreibung

Nie gab es so viele Partner-Vermittlungsplattformen wie heute. Da sollte es doch locker möglich sein, den passenden Partner zu finden. Vor allem, wenn einem auf diversen Internetseiten versprochen wird: Jetzt anmelden, registrieren und schon morgen glücklich verliebt sein. Ein Hoch auf die Technik. KLICK und los geht's denkt sich Sandra. Aber sie staunt nicht schlecht, was sich dort alles, unter Pseudonymen getarnt, tummelt. Sie lüftet so manches Geheimnis. Als sie per Zufall auf einer dieser Plattformen ihren Ex-Partner Markus entdeckt und anmailt, hofft sie für einen kurzen Moment, dass ihre Liebe vielleicht noch eine Chance hat. Doch Markus, alias sailor07, setzt sie nach dem zweiten Mail kurzerhand auf die "schwarze Liste". Die Liste, die eigentlich für Störenfriede kreiert wurde. So gemein. Doch dann kommt ihr ein genialer Gedanke: Wäre es möglich - hinter einer Pseudonym-Maske verborgen - an ihren Ex-Freund Markus heranzukommen? Könnte sie sogar herausfinden, weshalb er damals ihre Beziehung so abrupt beendet hat? Würde er einer moonlight_38 sein Herz öffnen? Sandra setzt alles auf eine Karte ...

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EPUB
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Seitenzahl: 416

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Barbara Kühne-Hellmessen

Wetten … ich KLICK dich

moonlight_38 an sailor_07

Copyright: © 2015 Barbara Kühne-Hellmessen

Cover: Véronique de Céa + klein & halm

Titelfoto: Ingimage

Satz: Erik Kinting / www.buchlektorat.net

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

1. Partnersuche, so einfach geht das heute?

BiepBiiieb … DiddelDiddel … BiepBiiieb …

Woher kommt er nur, dieser merkwürdige Klingelton? Nein, es ist nicht die Haustürglocke und nein, es ist nicht der Timer des Backofens und nein, es ist auch nicht die Spülmaschine, welche bettelnd signalisiert, dass sie gerne ausgeräumt werden will. Selbst mein sonst so aktives Handy gibt sich völlig unschuldig und liegt reglos in meiner Handtasche. Hilfe! Wie ein Spürhund nehme ich die akustische Fährte auf:

BiepBiiieb … DiddelDiddel … BiepBiiieb …

Das Signal führt mich ergebnislos von meiner Küche ins Esszimmer, dann ins Wohnzimmer, dann zum kleinen Gang vor meinem Büro. Und dort, ja dort werden meine suchenden Ohren belohnt, der Ton ist hier unüberhörbar laut. Hier muss er sein, der Tatort!

BiepBiiieb … DiddelDiddel … BiepBiiieb …

Erstaunt stehe ich vor meinem angestaubten Festnetz-Telefon. Wer ruft denn in der heutigen Zeit noch aufs Festnetz an? Und wer hat dem Telefon diesen albernen Klingelton verpasst? Da muss ich wohl mal ein ernstes Wörtchen mit meiner experimentierfreudigen Tochter Julia reden. Verärgert pflücke ich den Hörer aus der Akkustation. Hoffentlich ist da jetzt nicht so ein aufdringliches Meinungsumfrageinstitut am anderen Ende dran oder so ein klebrig-penetranter Telefonverkäufer. Auf den hätte ich nun wirklich gar keine Lust. Im Moment ist mir nämlich überhaupt nicht danach, mir ein Loch in den Bauch fragen zu lassen, geschweige denn, mir irgendein „bei uns ist es viel billiger-Produkt“ aufschwätzen zu lassen. Und wehe, es meldet sich so eine überdrehte Glücks-Lotterie-Tante aus dem hohen Norden Deutschlands, die Abos verkaufen möchte, dann werde ich, dann werde ich …

BiepBiiieb … DiddelDiddel … BiepBiiieb …

„Münster“, melde ich mich beinahe knurrend.

„Hallo, Saaandra-Schnucki“, säuselt es überschwänglich am anderen Ende der Leitung. „Ich hab ja schon soooo lange nichts mehr von dir gehört. Mir ist leider vorgestern mein Handy geklaut worden mit all meinen gespeicherten Kontaktdaten. So ein Horror! Jetzt versuche ich mühsam, die Handynummern meiner Freunde herauszufinden und neu zu speichern. Mensch, das ist vielleicht eine Detektivarbeit! Bei dir ist mir eingefallen, dass du auch einen Festnetz-Anschluss hast. Da habe ich im Online-Telefonbuch nachgeschaut und dich dort tatsächlich gefunden. Viele haben ja heutzutage gar keine Festnetz-Nummer mehr. Was bin ich happy, dass du nicht dazu gehörst.“

Mir schlackern nur so die Ohren von dem pausenlosen Geplapper am anderen Ende. Das kann nur eine sein: Melanie, Melanie Breger! Ich bin baff. Sie denkt noch an mich, wer hätte das gedacht? Wir waren mal „dicke“ Freundinnen und haben uns mindestens einmal pro Woche getroffen, bis, ja bis Superman Stefan im Frühling ganz unerwartet in ihr Leben schneite und sich auf einmal alles nur noch um ihn drehte.

„Hey Melly, so schön, von dir zu hören!“, rufe ich erfreut und bin erleichtert darüber, dass mir durch Melanies Anruf der hartnäckige und zeitraubende „Irgendwas-Verkäufer“ erspart bleibt. „Ist ja ne halbe Ewigkeit her, dass wir miteinander geplaudert haben“, und etwas säuerlich geht mir durch den Kopf: Genau genommen ein geschlagenes halbes Jahr! Gnädigerweise bekam ich von ihr in diesem halben Jahr gerade mal drei schnulzige SMS, worin sie den guten alten Zeiten nachtrauerte und mich unbedingt sehen wollte. Wenn wir dann endlich ein Treffen miteinander verabredeten, sagte sie jedes Mal kurzfristig mit irgendeiner fadenscheinigen Ausrede ab. Wie mich das nervte.

„Ja“, hallt es fröhlich zurück, „war ne verdammt lange Zeit, aber glaube mir, ich habe dich schwer vermisst, ehrlich!“

Ich verdrehe die Augen, schwer vermisst, und ehrlich, dass ich nicht lache. Aber netter Versuch. Während ich noch mit den Augen kullere, doppelt sie nach.

„Hach, war das schön, als wir damals jeden Freitag so unbeschwert um die Häuserblocks gezogen sind und die leckeren Drinks in der Mochito-Bar genossen haben. Weißt du noch, wie wir uns über die einfältigen Anmachsprüche der verrückten Kerle dort vor Lachen kringelten?“

Meine Pupillen kommen zum Stillstand. „Klar, weiß ich das noch, ich leide doch nicht an Vergesseritis, obwohl die Sprüche eigentlich mehrheitlich dir und deiner sensationellen Oberweite gegolten haben.“

Meine letzte Aussage scheint Melanie zu gefallen, mindestens genauso gut, wie sie sich damals in ihrer Rolle als Venusfalle gefallen hat.

“Erinnerst du dich noch an Martins Super-Anmache?“, blüht sie verbal auf. „Weißt du, Martin, der glatzköpfige Bodybuilder mit dem imposanten Drachen-Tattoo auf dem Oberarm? Der, der mir damals beim Freestyle Tanzen so sabbernd auf meinen Busen starrte. Der, der mir dann vor der Damentoilette auflauerte und wissen wollte, ob die beiden Hübschen denn schon Namen hätten? Er sei nämlich bekennender Busen-Fetischist und so tolle Brüste wie die meinen müssten unbedingt Namen haben. Er hätte gute Vorschläge, wie zum Beispiel Hanni und Nanni oder das doppelte Lottchen. Und als ich dann zu ihm sagte, dass er … Ach sorry, da quatsche ich dir die Ohren voll und hab ganz vergessen, dich zuerst einmal zu fragen, wie es dir geht?“

Meine Gedanken sind unterdessen völlig in Melanies bunte Männerwelt abgeschweift. Ich rufe auf meiner Großhirn-Festplatte verzweifelt den Namen Martin ab. Martin, der glatzköpfige Drachen-Tattoo-Träger? Martin, der sabbernde Freestyle-Tänzer? Martin der bekennende Busenflüsterer? Oh mein Gott, wer war das gleich nochmal? Hilfe! Vielleicht hab ich doch bereits erste Anzeichen von Alzheimer. Kleiner Trost für meine Hirnzellen: Meine Freundin ist ein männerverschlingender Vamp. Die Verehrerliste auf ihrem Handy scheint endlos lang zu sein: Anton, Peter, Hans, Michael, Marco, Stefan, Bruno, Emilio, Christian, Claude, Frank, Roger, Simon, Urs, Martin…

Ich kenne keine andere Frau, die abhängiger von männlicher Aufmerksamkeit ist, als Melanie. Sie hält es keine fünf Minuten aus, um nicht zwanghaft auf ihrem Handy nachzusehen, ob sie eventuell eine SMS ihrer Herren verpasst hat. Wenn sich längere Zeit nichts tut, wird sie nervös, nervöser, ganz nervös, schlecht gelaunt, schlechter gelaunt, ganz schlecht gelaunt. Dann tippt sie wie wild: „Ich denk grad an dich“-Anstupser oder „Wie geht es dir“-Anfragen und versendet diese gleich in globo an alle gespeicherten Herren-Nummern. Sie bleibt so lange ungenießbar, bis endlich die ersten BipBipBip-Töne neue SMS-Nachrichteneingänge ankündigen. Dann heitert sich ihre Laune schlagartig auf und sie wird ruhig, ruhiger, ganz ruhig, gut gelaunt, besser gelaunt, ganz gut gelaunt und wieder genießbar. Stopp! Aber jetzt will sie zuerst mal wissen, wie es mir geht. Braves Mädchen!

„Danke der Nachfrage“, antworte ich vorsichtig. „Mhm, lass mich überlegen. Eigentlich geht es mir soweit ganz gut. Ich bin gesund und das ist doch schon viel wert, gell?“

„Wie bitte?“ Melanie hatte immer schon ein feines Gespür dafür, wenn ich etwas zwischen den Zeilen andeuten wollte.

„Soweit ganz gut – häh? Was willst du damit sagen? Soweit heißt für mich nicht ganz. Also was jetzt?“

Ertappt! Irgendwie mag ich aber jetzt keinen Seelenstriptease hinlegen.

„Das heißt, mir gehts ziemlich gut.“

Melanie äfft mich nach. „Soweit ganz gut, ziemlich gut? Blablabla! Du warst schon immer eine lausige Lügnerin! Hey Sandra, raus mit der Sprache, ich merk doch, das irgendwas nicht stimmt, was ist los mit dir? Komm erzähl! Du weißt, ich bin eine gute Zuhörerin.“

Mag sein, aber ich mag nicht! Jetzt hat sie mich so lange hängen lassen, ich schweige wie ein Grab.

„Sandra, lass dir helfen. Komm erzähl! Na komm schon. Bitteeee!“, doppelt sie nach.

Oh, oh, ich spüre, wie es eng um mein Herz wird und mein Schweigevorsatz dahinschmilzt, wie der mutig gefallene Schnee an Ostern.

„Erzählen? Was soll ich groß erzählen? Nichts ist los! Und das leider im wahrsten Sinne des Wortes, jedenfalls was die Liebe anbetrifft. Wouhuhuuu … Wouhuhuuu … hier heult eine einsame Steppenwölfin.“

Melanie wirkt völlig überrascht.

„Was, nichts ist los? Das verstehe ich nicht, du bist doch mit Markus zusammen?“

„Das war einmal, der hat vor drei Wochen mit mir Schluss gemacht und seitdem leide ich wie ein Hund.“

„Jöööh, ach Schnucki, das ist ja schrecklich. Ihr habt doch so gut zueinander gepasst. Was ist denn passiert?“

Ich schlucke schwer und bemühe mich krampfhaft, nicht loszuheulen. „Keine Ahnung, wenn ich das wüsste, dann ginge es mir wahrscheinlich besser. Es kam aus heiterem Himmel, wie ein Blitzschlag, nur ohne Donner.“

Melanie gibt sich damit nicht zufrieden. „Das glaub ich dir nicht. Ohne Vorwarnung, ohne vorherigen Zoff? Dein Markus wirkte immer so souverän und wohlüberlegt. Irgendwie passt das nicht zusammen. Oder steckt da etwa sein Guru Bernd dahinter?“

Ja, Bernd, der Coach und Lebensberater von Markus war sicher nicht ganz unbeteiligt an dieser Aktion. Mein Ex-Freund traf nämlich keine einzige Entscheidung, ohne nicht vorher nach dessen Meinung gefragt zu haben. Immer, wenn wir etwas lautstärker diskutierten oder über eine Sache nicht gleicher Anschauung waren, dann schrieb er meine Aussagen minutiös auf einen Block auf und sagte, er könne mir leider nicht sofort darauf antworten, er müsse da unbedingt zuerst den fachmännischen Rat von Bernd einholen. Für mich war das ein absoluter Kommunikationskiller. Manchmal kam es vor, dass ich sein Feedback erst Wochen später bekam, weil Bernd gerade im Ausland weilte. Meistens war das Thema dann für mich gar kein Thema mehr, es hatte sich unterdessen auf seine Weise gelöst. Aber Markus wollte halt einfach keinen Fehler machen. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn wir alle unsere kommunikativen Unstimmigkeiten vorher mit Bernd besprochen hätten. Eine Art platonische „Ménage à trois“ sozusagen. Seiner Meinung nach wäre das der beste und einzige Weg zu einer perfekten, harmonischen Beziehung. Denn, erst wenn jedes Wort mit psychologischem Persil-Schein geäußert würde, könnte nichts mehr schief gehen. Davon war Markus felsenfest überzeugt. Ich nicht. Mir fehlten dabei die Lebendigkeit und die Spontanität. Eine perfekte Beziehung war und ist nicht mein Ziel. Auf einen super-schlauen Psychologenspruch konnte ich dabei jedenfalls gut verzichten. Laien-Psychologe Bernd hatte diese massenweise und schön sortiert wie ein Supermarkt auf Lager, allesamt fleißig auswendig gelernt und allzeit abrufbereit. Er besaß ein absolutes Flair dafür, Menschen mit diesen plakativen Sprüchen zu faszinieren. Ob das vielleicht an seiner rot umrandeten Designer-Brille lag? Wie die Hypnose-Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch zog er seine Klienten in den Beratungsbann und zockte sie anschließend finanziell ab. Stolz fuhr er als Trophäe einen schnittigen schwarzen Jaguar. Nein, er war nicht mein Freund!

„Ob Guru Bernd dahinter steckt?“ wiederhole ich Melanies unbeantwortete Frage, „gut kombiniert! Ja, ich glaube wirklich, dass er ordentlich im Hintergrund mitgemischt hat. Vor allem, weil er mich nicht sonderlich akzeptierte, er hat mich immer als Konkurrenz gesehen. Vielleicht hatte er Angst davor, ich könnte ihm seinen besten Kunden ausspannen. Soll ich ihn mal fragen?“

„Quatsch“, schimpft Melanie, „lass das bitte bleiben! Der Fall ist eh gegessen. Was hat den Markus so gestört an dir?“

„Gestört an mir? Gute Frage, das wüsste ich auch gerne. Stell dir vor, er hat unsere Beziehung kurzerhand per SMS beendet. Ein Hoch auf die Neuzeit. Es war ihm gerade mal vier Sätze wert: Ich kann nicht mehr, habe einfach Angst vor einer neuen Partnerschaft. Du hast was Besseres als mich verdient. Es tut mir leid! Freundliche Grüße von Markus.“

Ich höre Melanie tief durchatmen. „Freundliche Grüße? Ich glaub, ich bin im falschen Film.“

„Ja, das hab ich auch geglaubt. Klingt doch völlig schräg, freundliche Grüße als Schluss-Strich unter eine zweijährige Liebesbeziehung zu setzen. Ich habe ihn dann per Mail gebeten, mir doch die Gründe seines Entscheids verständlich zu machen, aber er hat mich abgewimmelt wie eine lästige Schmeißfliege.“

„Was hat er dich?“

„Na, abgewimmelt halt. Er schrieb zurück, dass er dazu nichts sagen kann und ich soll das bitte respektieren.“ Geräuschvoll schnäuze ich mir die Nase. Das Thema hat mich mehr berührt als ich zulassen wollte.

„Hey, Sandra, Kopf hoch. Wer nicht will, der hat schon. Schau vorwärts! Es gibt noch so viele tolle Männer und das beste Heilmittel gegen Liebeskummer ist eine neue Liebe. Ich hab das schon mehrfach erprobt und es hat sich immer bestens bewährt!“

Ja, ja, das zum Thema männerverschlingender Vamp. Nur, mein Stil ist das ganz und gar nicht.

„Nein Danke, von Männern habe ich erst mal für ne Weile die Schnauze voll! Toll sind die immer nur am Anfang, bis sie dich erobert haben. Zuerst versprechen sie dir ewige Liebe und Treue, wollen dir die Sterne vom Himmel holen und dann …?“

Meine Gedanken schweifen ab und mein Erinnerungsvermögen meldet unschöne Erlebnisse. Vor zweieinhalb Jahren hat sich mein Ex-Mann nach 22-jähriger Ehe mit Fremdgehen und berechnenden Lügen aus der Partnerschaft verabschiedet. Und das, obwohl er als reformierter Pfarrer ganz andere Werte von der Kanzel herunter predigt und verkündet. Mir hat er aufgetischt, dass er kurz vor einem Burnout stehe und dringend zur Ruhe kommen müsse. Da das Pfarrhaus ja sein Haus wäre, müsste ich nun meine sieben Sachen packen und gehen. Auf meine vielen Fragen, ob denn da eine andere Frau im Spiel sei, hat er stets hoch und heilig geschworen: „Nein, sicher nicht, du kannst mir voll vertrauen!“ Als er mich endlich erfolgreich aus dem Haus gemobbt hatte, stellte sich heraus, dass er bereits seit neun Monaten intensiv eine Liebschaft im eigenen Dorf pflegte. Wie im schlechten Film hat das halbe Dorf bereits getratscht und gemunkelt, nur die naive Frau Pfarrer hat es nicht gemerkt. Von heute auf morgen war unsere fünfköpfige Familie zerstört.

Ein halbes Jahr nach dem erzwungenen Wohnsitzwechsel lernte ich Markus an einem Ski-Wochenende für Singles kennen. Er hatte mit der Kirche nichts am Hut, und das sprach schon mal für ihn, jedenfalls aus meiner Sicht. Sein Geld verdiente er als selbständiger Friseur mit eigenem Salon. Alles hat so gut und hoffnungsvoll begonnen. Markus gab mir das Gefühl, wieder wertvoll und geliebt zu sein. Wir teilten viele Gemeinsamkeiten, konnten miteinander philosophieren, kochen, tanzen, segeln, Ski- und Fahrrad fahren und das Leben genießen. Das hat unheimlich gut getan, neue Hoffnung gegeben. Die schwer traumatisierte Seele hat sich langsam regeneriert. Getrübt hat unsere Beziehung lediglich mein latentes Misstrauen, meine ständige Angst davor, dass auch Markus mich irgendwann so hintergeht, belügt und mein Vertrauen missbraucht. Er war ja schließlich tagtäglich von vielen attraktiven Friseurinnen umgeben. Versuchung pur aus meiner von Schmerz getrübten Sicht. Klar waren mir meine Schwachstellen bewusst und ich habe tapfer an meiner Verlustangst und meinem latenten Misstrauen gearbeitet, aber ich konnte einfach nicht von heute auf morgen aus meiner verletzten Haut heraus. Vielleicht war es auch noch zu früh für eine neue Liebe, die tiefen Wunden noch nicht wirklich verheilt. Und so verharrte ich notgedrungen in der Opferrolle.

Eigentlich ungerecht. Da hintergeht mich mein Mann und anstatt es ihm zur ausgleichenden Gerechtigkeit schlecht geht und er beziehungsunfähig ist, bin ich diejenige, die den schwarzen Peter gezogen hat und nicht mehr den Weg in eine vertrauensvolle Partnerschaft findet.

Sicher wäre ein verständnisvoller, geduldiger Begleiter in dieser Lebenssituation für mich hilfreicher gewesen als ausgerechnet Markus. Markus, dessen große Liebe sich nach zwanzig Jahren Ehe während eines gemeinsamen Salsa-Kurses mit einem dunkelhaarigen, feurigen Fernando aus der Beziehung tanzte. Markus, der kurze Zeit später von seiner Beate ohne mit der Wimper zu zucken, aber mit den gemeinsamen Kindern verlassen wurde. Markus, der grausam leidend zusehen muss, wie sie seither überglücklich mit Fernando zusammenlebt und auf heile Familie macht. Markus, der nach diesem Trauma ebenfalls die heißbegehrte schwarze Peter-Karte fest und beleidigt in den Händen hielt. Das konnte ja kein gutes Kartenspiel geben.

Vielleicht ist aus diesem Blickwinkel heraus gesehen seine plötzliche Schlussmach-Aktion nachvollziehbar. Mich hat sie hingegen völlig unerwartet getroffen, so wie ein hinterhältiger linker Haken im Boxkampf. Seither liege ich gefühlsmäßig hart getroffen am Boden. K.-o.-Schlag!

Wieso? Weshalb? Warum? Die Beweggründe von Markus hätten mich natürlich brennend interessiert. Aber er wollte das unbedingt für sich behalten. Sehr zu meinem Leidwesen. Alles Bitten und Betteln half nichts. Schweigen im Walde.

Nun ist mir irgendwie der Mut vergangen, mich nochmal auf einen Mann einzulassen, nochmal an die große Liebe zu glauben. Am liebsten hätte ich sowieso einfach nur meine Ruhe und ein großes, dickes Pflaster auf mein ach so verletztes Herz. Autsch, nun sind wir wieder bei meinem wunden Punkt angekommen! Den berühmten roten Knopf, auf den ich keinesfalls drücken wollte, denn die schmerzhaften Trennungs-Geschichten will ich nicht mehr ausgraben.

„Hallo? Sandra? Bist du noch da?“

„Ja, ja! Ich bin nur gerade ein wenig in die Vergangenheit gerutscht und habe festgestellt, dass es die Liebe bisher nicht besonders gut mit mir gemeint hat.“

„Oje, das kann ich gut verstehen. Aber nicht alle Männer sind so fies und feige wie deine beiden Verflossenen. Da hast du halt gleich zweimal in den falschen Topf gegriffen. Sei froh, dass du die beiden los bist, die waren es nicht wert, so eine tolle Frau wie dich zu haben. Nur solltest du dich vielleicht mal fragen, weshalb du auf solche Jungs abfährst, weshalb die in deinem Energiefeld zu finden sind?“

„Weshalb ich auf solche Jungs abfahre?“, belle ich empört. „Na Danke für Obst und Südfrüchte, nun willst du mir auch noch die Schuld dafür in die Schuhe schieben? Und was soll das bitte schön mit meinem Energiefeld zu tun haben? Du liest eindeutig zu viele esoterische Bücher!“ Melanie räuspert sich höflich. „Nur kein Neid meine Gute, ich kann auch nichts dafür, dass ich auf diesem Gebiet sehr gut informiert bin. Und sag nichts gegen meine Esoterikbücher, die haben mir schon viel weitergeholfen. Vielleicht kann ich dir das eine oder andere Exemplar mal ausleihen, damit du verstehst, was ich meine.“

„Nee Dankeschön, sonst werde ich auch noch so ein schlauer Erklärbär wie du!“

Jetzt muss Melanie lachen, lauthals und herzlich. „Ach, wie ich dich und deine freche Klappe vermisst habe. Wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen! Ich kann es dir dann bei einer Caipirinha oder einem Prosecco näher erläutern. So wie zu alten Zeiten!“

Ausgerechnet sie sagt das, sie, die doch seit einem halben Jahr nie abkömmlich war und immer nur von Stefan sülzte.

„Abmachen, du? Ich denke, du bist mit Stefan komplett ausgefüllt und möchtest ganz auf ihn eingehen und ganz für ihn da sein, weil er der Mann deines Lebens ist!“

„Stefan? Der Mann meines Lebens? So ein Quatsch! Vergiss Stefan! Mit dem habe ich vor drei Tagen Schluss gemacht, der hatte echt nen gröberen Webfehler!“

Aha, deshalb ruft sie mich an! Das ist der wahre Grund! Sie ist wieder Single! Was ist die Frau doch berechnend! Aber der Webfehler interessiert mich mehr als der Anrufgrund.

„Nen gröberen Webfehler? Was für nen Webfehler denn?“

„Der hatte einen absolut krankhaften Putzfimmel!“

„Wow, super, so ein Mann sollte mir mal über den Weg laufen, dann wäre wenigstens meine Wohnung immer schön sauber und auf Vordermann gebracht! Und das soll ein Fehler sein?“

„Wenn ich sage krankhaft, dann meine ich auch krankhaft. Und dann ist das überhaupt nicht mehr witzig, meine Gute.“

„Ui, hört sich irgendwie dramatisch an. Hast du mir ein Beispiel?“

„Ein Beispiel, du willst ein Beispiel? Kannst du haben. Als ich ‚zum Beispiel‘ mal bei ihm am Tisch saß und mir lässig mit den Fingern durchs Haar gefahren bin, kam er mit dem Tischstaubsauber an und meinte, er müsse jetzt erst mal meine Schuppen wegsaugen, damit wir den Tisch wieder zum Essen benutzen können.“

„Ups! Und ich dachte, Stefan ist so ein toller Mann und du bist total glücklich mit ihm?“

„Ja, am Anfang hab ich das vor lauter rosaroten Glückshormonen auch gedacht. Erst so nach und nach kamen dann seine Putzmacken zum Vorschein und wurden immer unerträglicher. Du wirst es nicht glauben, ich hatte mal nen hübschen, kuscheligen Mohair-Pulli an, als ich ihn besuchte. Der Spinner hat mich doch tatsächlich nicht in seine Wohnung gelassen. Vor seiner Eingangstür musste ich den Pulli ausziehen und in eine Plastiktüte stecken, weil der sonst so rumfusselt und ne Riesensauerei anrichtet. Zum Glück hatte ich unter dem Pulli noch ein T-Shirt an, sonst wäre ich glatt oben ohne im Hausflur gestanden.“

Ich halte mir den Bauch vor Lachen. „Nein, Melanie, nein, ich glaube es nicht. Und das hast du dir gefallen lassen?“

„Stell dir vor, hab ich! Aber eigentlich wollten wir ja über eine neue Liebe für dich reden.“

„Ja, ja, jetzt würde ich auch ablenken, wenn ich du wäre. Hihi, wie oberpeinlich. Und ausgerechnet du willst mir jetzt eine neue Liebe aufschwätzen, wo du doch selbst so einen Joker gezogen hast?“

Ich habe sie ertappt, ätsch-bätsch. Mal schaun, wie sie sich jetzt aus der Affäre zieht.

„Ach, das mit Stefan, das war ein Ausrutscher! Immerhin habe ich es noch rechtzeitig gemerkt, bevor er mich irgendwann mit dem Staubsauger eingesaugt und in seinem Mülleimer entsorgt hätte. Der hat übrigens jedes Mal, wenn ich von ihm weggegangen bin, alle Räume mit einem Desinfektionsspray abgesprüht. Wenn das nicht eine deutliche Sprache für seinen Tick ist, dann weiß ich auch nicht mehr.“

“Höhöhöhöööh!“

„Hör ja auf mit diesem fiesen Lachen, sonst komm ich glatt durchs Telefon und würge dich eigenhändig. Ich will dir damit nur sagen, dass ich nicht aufgebe und wie du alle männlichen Wesen in die gleiche Kompost-Tonne werfe. Es gibt nach wie vor Männer mit Charakter, glaub mir. Und Hand aufs Herz, was gibt es Bereicherndes, als zu wissen, wo man hingehört? Was gibt es Schöneres für eine Frau, als so einen Fels in der Brandung, so eine starke, kraftvolle Schulter zum Anlehnen, hmh?“

Autsch, schon wieder ruht ihr Finger zielsicher auf meinem wunden Punkt.

„Okay, okay, ich gebe es ja zu“, winsle ich wehmütig. „Ab und zu vermisse ich sie auch, diese starke, männliche Schulter zum Anlehnen. Und ich vermisse ihn auch, diesen Fels in der Brandung und das Gefühl, dass da jemand ist, der unterstützend hinter einem steht. Und ich hasse es, immer alle Entscheidungen alleine treffen zu müssen, vor allem, wenn es um die Kinder geht, die ich ja schließlich nicht alleine in die Welt gestellt habe. Nur, wer will schon eine getrennt lebende Frau mit drei Kindern, eine verlassene Frau mit einem Haufen Schwierigkeiten?“

„Stopp! Stopp, meine Liebe …

Ich hab ihre Mitleidstaste erwischt, ich kenne sie, gleich kommt ganz viel Balsam für meine Seele, ich seufze schon mal genüsslich vor mich hin und mache es mir auf dem Sofa bequem.

… nun mach dich bitte nicht schlechter als du bist! Deine Kinder sind keine Babys mehr, die brauchen keinen Vater-Ersatz. Und deine Probleme sind auch nicht abschreckender als die anderer Leute. Du bist ne mega tolle Frau, lass dir ja nichts anderes einreden. Glaube mir, es gibt auch Männer, welche genauso einen Typ Frau wie dich suchen.“

Schmacht, so könnte ich Melanie stundenlang zuhören. Und sie scheint meine Sehnsucht durchs Telefon durch zu spüren.

„Du hast so viel zu geben, mit dir kann man die berühmten Pferde stehlen und das gleich dutzendweise. Ach Sandra, wenn ich ein Mann wäre, ich würde keinen Augenblick zögern und dich vom Fleck weg heiraten!“

Alte Schmeichlerin. Ein geschlagenes halbes Jahr hast du mich warten lassen! Zum Glück kann sie meine Gedanken nicht hören. „Ach Melanie, warum bist du nicht als Mann auf die Welt gekommen? Warum können Männer nicht solche Qualitäten wie Frauen entwickeln in punkto Konfliktbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit? Ich denke, Männer sind einfach nicht für Probleme geschaffen. Die wollen am liebsten alle nur Friede, Freude, Eierkuchen. So locker und proper wie bei der Vorzeige-Familie in der Waschmittelwerbung!“

„Ach komm, Sandra, jetzt hörst du dich richtig verbittert an. Du bist doch sonst immer so ne Frohnatur. Wo bleibt dein berühmter Humor?“

„Humor? Ja, der kann einem bei diesem Thema schon mal kurzfristig abhanden kommen. Aber du hast Recht. Meckern bringt nichts und vor allem lockt es nicht gerade den Traummann an?“

„Anlocken? Na, anlocken musst du die Männer sowieso nicht. Wenn ich früher mal mit dir gemeinsam zum Mittagessen in die Stadt wollte, hattest du meistens bereits ein Date mit einem deiner Geschäftskollegen. Heiß begehrt, umschwärmt und ausgebucht. Weshalb um Gottes Willen lässt du denn keinen von denen bei dir anbeißen?“

„Weil ich mich nicht gerne beißen lasse und schon gar nicht von einem Kollegen aus dem Geschäft!“

Melanie gähnt laut hörbar. „Ach, wie antiquiert. Die neuesten Studien haben ergeben, dass der Arbeitsplatz immerhin an dritter Stelle steht, wenn es um das Entstehen von Beziehungen geht. Wieso tust du dann so kompliziert? Du kennst dort so viele Männer, da wird doch wohl noch einer darunter sein, der deinen Anforderungen entspricht?“

Tja, wo sie Recht hat, hat sie Recht.

„Stimmt, kennen tu ich dort schon viele. Ich bin in unserem Betrieb ja auch Kursleiterin und schule hauptsächlich Männer zum Thema Kommunikation. Glaub mir, ich weiß was Männer für Plaudertaschen sein können. Mir graut es alleine schon vor dem Gedanken, dass in meinem Kurs einer sitzen könnte, der über meine ganz intimen Qualitäten Bescheid weiß. Stell dir vor, er gibt dieses delikate Insiderwissen süffisant in der Kurspause zum Besten. Nein Danke! Da stellen sich bei mir panikartig alle Nackenhaare einzeln auf. Und außerdem sind die meisten von denen selbst in partnerschaftliche Krisenherde verwickelt. Einige sind verheiratet und suchen zur Abwechslung nur ne lockere Affäre. Andere sind zielstrebig nur auf ein erotisches Abenteuer aus. Ich nicht! Ich sehne mich nach einer verbindlichen Partnerschaft. Deshalb meine Devise: Finger weg von verheirateten Männern, Finger weg von Männern in festen Beziehungen und Finger weg von Männern aus der Firma. Somit bleibt nicht mehr viel übrig.“

„Blödsinn! Es gibt zurzeit so viele Singles auf den Plattformen, wie nie zuvor, da wird doch wohl noch was Passendes für dich darunter sein!“

„Viele Singles auf den Plattformen? Auf welchen Plattformen denn bitte schön?“

„Na, auf den Partner-Such-Plattformen im Internet, da reden doch heute alle drüber.“

„Partner-Such-Plattformen im Internet? Häh?“

„Sag bloß, du weißt nicht, was das ist?“

„Nee, was in aller Welt soll das denn sein? Gibt es da tatsächlich eine Art virtuellen Menschenmarkt, wo man sich einen Partner wie in einem Warenhauskatalog aussuchen kann? Wo man in aller Ruhe Menschen so lange miteinander vergleicht, bis man sich den absolut perfekten Partner bestellt? Und wenn man Geld sparen will, am besten einen vom Wühltisch mit Spezialrabatt, ein sogenanntes Schnäppchen! Und das erst noch mit dreiwöchigem Umtauschrecht oder sogar mit voller Rückgabe-Garantie? Noch besser wäre ja, zwei bekommen und nur einen bezahlen.“

Melanie regt sich langsam über meine Phantastereien auf. „Nein, ich meine damit eine Computer-Plattform, auf der sich Menschen virtuell kennen lernen können. Interessiert es dich? Ja oder nein?“

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Ich kenne diesen warnenden Unterton. Melanie ist eine echte Diva und schnell beleidigt. Ich lenke lieber ein. „Ja, ja es interessiert mich!“

„Na siehst du. Und jetzt schön der Reihe nach. Zuerst musst du dort ein Suchprofil erstellen.“

„Was, ich soll ein Suchprofil im Internet erstellen, damit nachher die ganze Welt sieht, dass ich auf Männerjagd bin? Oberpeinlich! So ausgehungert bin ich nun auch wieder nicht. Nein, das mache ich nicht. Ich möchte mich lieber in der realen Welt finden lassen, so richtig romantisch, wie in den Liebesschnulzen.“

Melanie lacht hämisch. „Und woher sollen denn bitte schön irgendwelche Männer auf die Idee kommen, dass ausgerechnet du dich finden lassen willst? Möchtest du dir etwa ein Schild um den Hals hängen, wo dick und fett drauf steht: Bitte finde mich, häh? Oder meinst du, die können Gedanken lesen? Wir reden hier von Männern, schon vergessen? Die ticken nicht so wie wir Frauen! Bei denen muss man schon ein bisschen nachhelfen! Und nirgends geht das besser als im Internet.“

Ich hab wirklich keinen blassen Dunst, wie das mit dem Internet gehen soll. Das liegt daran, dass ich mit dem World Wide Web immer noch etwas auf Kriegsfuß stehe. Ich hatte schon lange vor, mich damit ein wenig vertrauter zu machen. Nur, bisher fehlte mir einfach immer die Zeit dazu. Aber nun habe ich anscheinend eine Spezialistin gefunden. „Und wie mache ich das konkret?“

Am anderen Telefonende höre ich den langsam erwachenden Erklärbär tief Luft holen. „Also komm, das weiß doch heute jeder Teenager!“

Pfui, manchmal kann sie so richtig herablassend sein. „Ach ja, dann ist hier ein etwas älterer Teenager, der es noch nicht weiß!“ Nun habe ich mich geoutet. Soll sie doch über mich lachen, soll sie doch!

„Ok, weil du’s bist. Ich erkläre es dir gerne mit ein paar simplen Beispielen, damit du es nachvollziehen kannst.“ Melanie fährt zu Hochtouren auf. Ich bastle mir schon mal eine angenehme Rückenstütze mit den Sofakissen, denn nun kommt er, der absolut entfesselte Erklärbär.

„Also, wenn du zum Beispiel ein Auto suchst, dann suchst du heute zuerst im Internet. Da gibt es mehrere Anbieter, zum Beispiel www.autosuche.com. Dann machst du Klick. Dann folgt die Suchmaske, die füllst du aus und dann machst du wieder Klick. Und schwuppdiwupp hast du dein Traumauto. Und wenn du eine Wohnung suchst, dann suchst du unter www.immobilien.com, machst Klick, gibst deine Suchkriterien ein, machst wieder Klick und schwuppdiwupp hast du deine Traumwohnung. Und wenn du einen Partner suchst, dann machst du das genauso.“

„Genauso?“ Ich bin fasziniert von der Einfachheit des Systems. „Suche ich dann im Internet unter www.heiratswütige.com und mache Klick oder suche ich unter www.männermarkt.com und mache Klick?“

„Nee, Schnucki, du bist einen Gang zu schnell, du musst doch vorher zuerst noch die Suchmaske ausfüllen. Aber du warst schon verdammt nahe dran!“

„Bin halt einfach ein schlaues, altes Mädchen, gell?“

„Eigentlich schon und deshalb erstaunt es mich umso mehr, dass du nicht von alleine drauf gekommen bist.“

Ei, ei, wir wollen doch nicht gleich überheblich werden. Die tut ja gerade so, als ob es nur diese Möglichkeit für Männerbekanntschaften gäbe. Nur weil sie diesen ominösen Internetlink kennt.

„Hey, bin ich denn hinter dem Mond aufgewachsen, dass ich noch an Fügung und Schicksal glaube, dass ich in der Hoffnung lebe, der richtige Mann wird mir schon zum richtigen Zeitpunkt über den Weg laufen?“

„Ja, bist du! Heutzutage laufen einem die Männer nicht mehr einfach so über den Weg, die sitzen nämlich zuhause vor ihren PCs und flirten in Chatrooms oder surfen auf Partnervermittlungs-Plattformen rum.“

„Aha, darum sind die Straßen so leergefegt.“

Melanie ignoriert meine Provokation. „Kleiner Witzbold! Übrigens, bei Karin, dem kleinen, molligen Giftzwerg aus meinem Büro, hat es voll funktioniert. Die hat vor vier Monaten einen ganz tollen Mann übers Internet kennen gelernt und ist jetzt mega glücklich und über beide Ohren verknallt. In sechs Wochen heiratet sie!“

„Waaas? Echt? Du meinst doch nicht etwa die falsche Ziege, die dich immer hinter deinem Rücken bei deinem Chef angeschwärzt hat. Ist das wirklich wahr, die hat einen abgekriegt und heiratet?“

„Ja, wenn ich’s doch sage!“

Nun hält Melanie die gesammelten Trümpfe meiner Sehnsucht in ihrer Hand und spielt sie genüsslich aus. „Stell dir vor, wenn es sogar bei Karin geklappt hat, dann machst du das mit links. Die schwebt inzwischen im siebten Himmel und schwärmt pausenlos von ihrem Peter. Einem Peter, der sie auf Händen trägt, der ihr jeden Wunsch von den Lippen abliest. Er ist Mitinhaber einer großen Firma, hat Geld ohne Ende, fährt einen edlen Porsche Panamera, hat eine Villa am Zürichsee und das Beste: Er hat ihr diesen wunderschönen Solitär-Diamantring zur Verlobung geschenkt, so einen, von dem wir beide immer geschwärmt haben, weißt du, diesen mit der genial schönen Fass…“

„Ich will auch“, unterbreche ich bettelnd, „ich will auch so einen Peter! Bitte verrat mir den Link. Biiitteeee!“ Melanie hat mich überzeugt. Ich knie bereits vor dem Telefonhörer, um meiner Stimme mehr Nachdruck zu verleihen. „Bitte, bitte!“ „Ok, ok. Hast du was zu schreiben? Also, versuchs mal mit folgendem Link: Wewewe …“

„Brrrr! Halt! Stopp! Ich muss mir erst noch einen Kugelschreiber besorgen. Moment, Moment. Immer wenn man so ein Ding sucht, ist keines aufzufinden. Die scheinen sich in meinem Haushalt in Luft aufzulösen. Warte schnell, bin gleich wieder da.“

Hah, da, wenigstens einem Filzstift ist die Flucht noch nicht gelungen. Ich ergreife ihn und somit die Chance meines Lebens, denn jetzt kommt er, der ultimative Hinweis, der Hoffnungsschimmer für einsame Herzen.

„Sandra! Wo bist du? Wird das heute noch was mit dem Stift? Was machst du denn so lange – du popelst doch nicht etwa an einem Pickel in deinem Gesicht herum? Das kannst du dir ab jetzt schlichtweg nicht mehr leisten. Wenn du mal auf so einer Partner-Such-Plattform bist, dann geht das ziemlich rassig mit einem Date. Und du willst doch attraktiv aussehen, oder?“

„Yes my dear, das will ich und den Link will ich auch, also, spuck ihn endlich aus!“

„Also, der Link heißt www.treff-michdoch.com. Das ist zwar einer von vielen, aber ein echt guter. Du wirst sehen, rucki, zucki hast du einen neuen Freund gefunden. Ich bin übrigens seit gestern auch mit einem Portrait drauf. Wir könnten uns ja in zwei bis drei Wochen mal treffen und unsere Erfahrungen austauschen, was meinst du?“

„Ja, könnten wir, falls es dann überhaupt schon was zu erzählen gibt.“

„Glaub mir, bis dahin gibt es schon ne ganze Menge zu erzählen! Hey, ich hab gerade ne super Idee. Weißt du, was wir machen?“

„Nee!“

„Du hast doch immer gerne Herausforderungen?“

„Oh ja, her damit!“

„Dann fordere ich dich jetzt heraus.“

„Machs nicht so spannend.“

„Ok, hör gut zu. Also jede von uns hat ab heute drei Wochen Zeit, um möglichst viele Dates hinzukriegen. Die Dates gelten aber nur, wenn das Profil des Mannes deinen Traummann-Vorstellungen entspricht, also nicht irgendein Ersatzmännchen, kapiert?“

„Kapiert!“

„Nach drei Wochen gilt dann Showdown und Hosen runter! Dann treffen wir uns und zeigen uns gegenseitig unsere Datinglisten. Diejenige mit den meisten Dates gewinnt. Und damit es einen Schwierigkeitsgrad mehr hat, zählen nur die Dates, die von den Herren vorgeschlagen wurden. Sonst wäre es zu einfach. Abgemacht?“

„Abgemacht! Die Wette gilt!“

Mein Herz schlägt höher. Ich kleine treue Beziehungsmaus trete gegen den preisgekrönten Männervamp an, ich, Sandra Münster! Warte nur, Melanie, dir werde ich es zeigen. Was du kannst, das kann ich auch! Wäre doch gelacht! Immerhin habe ich schon viele raffinierte Tricks von dir gelernt. Übermütig foppe ich sie. „Pass bloß auf, in drei Wochen habe ich meinen Traummann gefunden. Spielst du dann meine Trauzeugin?“

„Ist doch Ehrensache! Hochzeiten sind immer gut, dann gibt es endlich mal wieder gratis ne warme Mahlzeit! Also, lass uns loslegen. Mal sehen, wer von uns dann wen zuerst zur Hochzeit einlädt. Bei mir als Konkurrentin musst du dich warm anziehen, das ist dir hoffentlich bewusst. Und nicht vergessen, ein Date zählt nur, wenn es nicht von dir selber vorgeschlagen wird.“

„Logisch, sonst wäre es ja keine Kunst. Übrigens, hast du am nächsten Sonntag schon was vor? Julia und ich planen eine Radtour mit anschliessendem Picknick? Hast du Lust uns zu begleiten? Julia hat schon viel nach dir gefragt, die würde sich sicher riesig freuen, wenn du dabei bist. Sie liebt ja deine spannenden Männergeschichten!“

„Au ja, ist gebucht. Ich habe noch nichts vor und sportliche Betätigung ist dringend bei mir angesagt. Ich bin leider wieder meinen berüchtigten Trennungsschmerz-Fressattacken zum Opfer gefallen. Mein Hintern ist in die Breite gegangen wie ein Hefeklops, dagegen muss ich dringend was unternehmen. Wo wollen wir uns treffen?“

„Am besten hier bei uns, so um 11 Uhr.“

„Perfekt. Soll ich was mitbringen?“

„Ja, dein leckerer Reis-Salat wäre sehr willkommen!“

„Mach ich gerne. Sonst noch was?“

„Nein, alles andere besorge ich.“

„Super! Grüss Julia ganz lieb von mir! Und jetzt verrat mir bitte noch deine Handynummer, damit ich sie auf meiner neuen SIM-Karte abspeichern kann.“

Stimmt, deshalb hat sie ja vor einer halben Stunde angerufen.

Hat richtig gut getan, mir ihr zu plaudern, wie zu alten Zeiten.

Ich diktiere gut gelaunt meine Handynummer und freue mich auf das Wettabenteuer. „Ciao Melanie.“

„Ciao meine Liebe, schön dass wir uns wieder haben!“

2. Klick und Doppelklick

Dass ich da nicht schon früher drauf gekommen bin. Per Mausklick den Mann fürs Leben finden! Wow, so genial einfach funktioniert das heutzutage. Kein Mensch braucht da mehr einsam zu bleiben. Hurra! Was für eine tolle Erfindung ist doch das Internet. Achtung, aufgepasst, all ihr beziehungsfähigen, liebevollen, kommunikationsfreudigen und attraktiven Männer im World Wide Web: Jetzt komme ich!

Hochmotiviert klappe ich mein Netbook auf und drücke auf on. Von mir aus kann es losgehen! Voller Hoffnung schnappe ich mir den Zettel mit dem Plattformnamen drauf und tippe www.treff-michdoch.com in die Suchmaske ein. Als ob es sich dabei um eine Zauberformel handelt, murmle ich beschwörend: „Hokuspokus Fidibus“, bevor ich die Entertaste drücke, „Simsalabim, ich wünsche mir den Idealpartner.“

Ein wohlklingendes, dumpfes „Blubb“ verrät mir, dass mich mein Computer verstanden hat, denn ich befinde mich unversehens mitten auf der Frontseite der Treff-michdoch-Homepage. Mit der Schlagzeile: So haben sich Paare hier gefunden, wird einem der Mund gleich am Anfang bereits tüchtig wässrig gemacht. Wenn man der Aufforderung: Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren folgt, dann erscheinen wie durch Zauberhand herzberührende Begegnungs- und Liebesgeschichten.

Eine Lovestory reiht sich an die andere. Lauter Happy Ends. Einfach klicken und seitenweise Glücksberichte lesen. Lasst mal sehen!

Erfolgsgeschichte lesen(KLICK):

Robert (41) und Anja (36): Partnerglück per Mausklick.

Robert:

Zuerst habe ich Anja eine kostenlose Gruß-Nachricht auf Treff-michdoch.com gesendet. Ich habe ihr einfach mitgeteilt, dass mich ihr Profil angesprochen hat und ich sie gerne kennen lernen würde. Kurz darauf erhielt ich eine nette Antwort von ihr. Auch sie hatte Interesse. Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass wir viele Hobbys und Gemeinsamkeiten haben. Ein aufregender Mail-Schriftwechsel ließ deshalb auch nicht lange auf sich warten. Nach vier/fünf Nachrichten war das Interesse aneinander so groß geworden, dass wir ein erstes Date in einem italienischen Restaurant vereinbarten. Danach war nichts mehr wie zuvor – ich war sofort überzeugt, dass wir perfekt zusammen passen. Glücklicherweise sah Anja das genauso wie ich! Wir wurden schnell ein Paar und führen seitdem eine ausgesprochen harmonische und erfolgreiche Beziehung. Wir ergänzen uns perfekt in allen wichtigen Dingen. Bei meiner Anmeldung hätte ich mir einen solchen Erfolg nicht einmal im Traum vorstellen können. Ich bin unendlich dankbar, dass es diese Möglichkeit der Partnersuche gibt. Mir hat Treff-michdoch.com den größten Wunsch meines Lebens erfüllt. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

Anja:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich die Mailnachricht von Robert in meiner Mailbox fand. Als ich sein Profil näher angeschaut habe, hatte ich schon ein gutes Gefühl, deshalb habe ich ihm auch gleich zurück geschrieben. Daraus entwickelte sich dann ein schöner Kontakt, wir schrieben uns seitenweise Briefe. An Robert gefiel mir sehr, dass er so viel zu erzählen hatte. Einfach schön, wenn ein Mann so kommunikativ ist.

Als ich dann seine Stimme das erste Mal am Telefon hörte, da wusste ich, dass ich diesen Mann unbedingt kennen lernen muss. Wir trafen uns dann zum ersten Mal in einem italienischen Restaurant und schon beim ersten Blickkontakt bekam ich weiche Knie. Da war er endlich, der Mann, auf den ich so lange gewartet hatte. Der Mann, von dem ich glaubte, dass es ihn wahrscheinlich in echt gar nicht gibt.

Als Robert mir dann seine Liebe gestand, da war ich hin und weg und fühlte mich wie im siebten Himmel. Zwei Monate später sind wir zusammengezogen und seitdem glücklich.

So toll, dieser Robert war sofort überzeugt, dass er und Treffmichdoch-Anja perfekt zusammen passen. Damit nicht genug, nach nur zwei Monaten sind die beiden bereits zusammengezogen und führen seither eine glückliche und harmonische Beziehung. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ich scheine definitiv etwas Wichtiges verpasst zu haben. Meine Neugierde steigt.

Eine andere Erfolgsgeschichte lesen(KLICK):

Claudia (47) und Christian (55): Aus Neugier wurde Liebe:

Claudia:

Es kostete mich schon ein wenig Überwindung, online nach einem passenden Partner Ausschau zu halten. Von einer guten Freundin bekam ich den Tipp, es doch einmal bei treff-michdoch.com zu versuchen. Am Anfang wusste ich nicht, was mich hier erwarten würde. Bis zum Tag meiner Anmeldung im Internet. Da entdeckte ich das Foto von Christian bereits auf der ersten Seite. Er gefiel mit auf Anhieb. Ich wurde neugierig und wollte ihn näher kennen lernen, deshalb schickte ich ihm eine Nachricht. Meine Kontaktanfrage war der Anfang unserer Liebe. Von da an fand ein reger Nachrichtenaustausch zwischen uns statt. Nach und nach wurde unser Verhältnis immer vertrauter und wir begannen uns regelmäßig zu treffen. Wir stellten immer mehr Gemeinsamkeiten fest und wollten schon bald nicht mehr ohne einander leben. Ich bin so froh darüber, dass ich die Partnersuche über das Internet einmal ausprobiert habe. Dank treff-michdoch.com habe ich Christian kennen und lieben gelernt – und jetzt sind wir schon fast ein halbes Jahr glücklich verheiratet!

Christian:

Was soll ich viel schreiben. Ich bin einfach nur happy, dass ich so eine tolle Frau wie Claudia kennen lernen durfte. Und ich bin überzeugt, dass wir uns im „normalen“ Leben niemals begegnet wären, da wir völlig unterschiedliche Freundeskreise haben. Im Internet spielt das keine Rolle, da gibt es keine Grenzen. Schon nach dem ersten Treffen war mir klar: Diese Frau will ich heiraten, mit dieser Frau möchte ich alt werden!

Das tröstet mich, auch Claudia kostete es zuerst Überwindung, online auf Partnersuche zu gehen. Sie wurde dafür aber umgehend belohnt, denn auch bei ihr und Christian ging es super rasant zur Sache. Fotos gesehen, einander geschrieben, sich getroffen und kurz darauf geheiratet. Bei diesem Tempo kann ich ja morgen schon Brautkleider aussuchen gehen. Kann man das noch toppen? Was wohl die nächste Geschichte verspricht?

Eine andere Erfolgsgeschichte lesen(KLICK):

Myriam (29), Kaufmännische Angestellte, und Patrick (33), Bauzeichner

Myriam:

Anfangs war ich schon mehr als skeptisch, was die Partnersuche im Internet betrifft. Aber nach der Anmeldung bei Treff-michdoch habe ich meine Meinung ziemlich schnell geändert. Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist, Kontakt mit interessanten Männern herzustellen. Besonders angetan war ich von den Mails, die mir Patrick schrieb, sie waren so einfühlsam. Da nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte ihn nach seiner Telefonnummer. Kurze Zeit später verabredeten wir uns persönlich und aus dem anfänglichen Flirten entwickelten sich schnell echte Gefühle. Ich war mir auf einmal sicher, dass ich mit ihm eine feste Beziehung führen wollte. Seitdem ich ihn richtig kenne, ist nichts mehr wie es vorher war. Es ist, wie wenn mein Leben neue Farben bekommen hätte und wieder bunt und lebenswert ist. Manchmal kann ich kaum begreifen, dass es mir so leicht fiel, mich neu zu verlieben. Einfach schön!!

Patrick:

Als selbständiger Architekt hatte ich immer viel zu wenig Zeit, um auf die Piste zu gehen. Das Internet schien mir da eine gute Alternative zu bieten. Ganz besonders gefiel mir an dem Portal, das man dort auch erfährt, wer wirklich zu einem passen könnte. Mit einem kostenlosen Partnercheck kann man sich die Suche wesentlich vereinfachen. Dann sucht nämlich das Internet für einen. Das finde ich viel einfacher, als selbst x-Portraits auf Gemeinsamkeiten abzusuchen. Der Partnercheck-Test hat mir dann auch Myriam vorgeschlagen und ich habe ihr umgehend eine Mailnachricht geschickt. Ein wenig hatte ich schon Bedenken, ob sie wohl antworten wird. Aber sie tat es!

Nach den ersten Nachrichten fragte sie mich nach meiner Telefonnummer. Ich war beeindruckt von ihrem Mut und es folgten einige anregende Telefonate. Schon bald wollte ich sie unbedingt treffen. Bei unserem ersten Date wurde mir klar, dass es mehr als nur eine kurze Episode werden wird. Dass sich alles aber so schnell ergeben würde, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich bin unglaublich glücklich, dass es mit uns beiden geklappt hat. Nie hätte ich gedacht, dass es so einfach sein würde. Ein Leben ohne Myriam kann ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen. Ich liebe sie wirklich von ganzem Herzen.

Ich bin fasziniert. Ja, man kann es tatsächlich noch toppen und zwar mit einem kostenlosen Partnercheck-Test! Das Internet übernimmt eigenständig die Suche und findet garantiert den passenden Partner oder die passende Partnerin. Da kann kein Fehlgriff mehr passieren. Mein Herz jubelt vor Freude, so simpel und garantiert erfolgsversprechend ist das auf dieser Plattform. Diesen Spezial-Test muss ich unbedingt machen, ich sollte nur herausfinden, wo man den Link dazu findet. Auf jeden Fall sieht die Sache hier sehr, sehr erfolgsversprechend aus.

Große Erleichterung entrinnt aus meinem tiefen Innersten: Nicht mehr lange und meine Sehnsucht hat ein Ende. Zum Glück leben wir nicht mehr wie zu Großmutters Zeiten, als man noch zur Dorfkirmes gehen musste, um jemanden kennen zu lernen. Wir Privilegierten der Neuzeit müssen uns nur vor den PC setzen und können diesem getrost die Suche nach dem passenden Partner auf dem „Menschenmarkt“ überlassen. Ob mit oder ohne Bart, ob mit oder ohne Haare, ob blond, brünett, schwarzhaarig oder graumeliert; ob grünäugig, braun- oder blauäugig – alles kein Problem. Nicht verzagen, PC fragen.

So, genug Schmachtfetzen gelesen, jetzt möchte ich es unbedingt selber erfahren, dieses große Liebesglück und klicke resolut auf das Feld: Weiter zur Suchplattform.

Blubb:

Hier verrät mir der Computer schon mal, dass sich 51% Frauen und stolze 49% Männer suchend auf dieser Plattform tummeln.

Und ein weiterer Button lädt mich gönnerhaft ein: Schauen Sie jetzt Ihre Partnervorschläge kostenlos an.

Klick.

Der PC knistert verheißungsvoll und dann erscheint sie, die Suchmaske:

ICH SUCHE (Mann/Frau gewünschtes bitte anklicken) KLICK: Mann

ALTER VON (gesuchtes Alter von/bis eingeben)

KLICK: von 40Jahre bis 50Jahre

E-MAILADRESSE EINGEBEN:

sandra.muenster(at)gmx.com

x ICH AKZEPTIERE DIE AGB UND DATENSCHUTZRICHTLINIEN (bitte ankreuzen)

KLICK.

Ich vertraue einfach mal blind, dass sich hinter diesen AGBs nichts Böses verbirgt und setze mein Häkchen, ohne diese gelesen zu haben. Jetzt, wo ich so kurz vor der Erfüllung meines Liebesglücks bin, mag ich sicher nicht noch seitenweise Spielregeln und Richtlinien lesen.

Und jetzt kommt der ultimative Button:

PARTNERSUCHE STARTEN.

KLICK.

Mein Herz klopft bereits zwei Takte schneller, während der Computer schnurrt wie ein zahmes Tigerkätzchen.

Blubb:

Fünf nette Herrenfotos erscheinen.

Was, nur so wenig? Unter den Fotos stehen merkwürdige Namen: Charmeur56, Tiger1056, Playboy007, Twister_one, Knuddelbär33. Was soll das denn? Haben die keine ordentlichen Namen? Mich interessiert brennend, wie groß die sind, was die beruflich machen, wie man mit ihnen in Kontakt treten kann! Wie erfahre ich das? Ich klicke probehalber auf das Foto. Nichts passiert. Das kann doch nicht sein!

Mutig drücke ich nochmals: Klick. Verdammt! Wieso geht das nicht? Hartnäckig mache ich Klick und Doppelklick. Der PC zeigt endlich Erbarmen und ein erklärendes Pop-up-Fenster erscheint: Bitte registrieren Sie sich! Erstellen Sie ein Profil und melden Sie sich mit einem Nicknamen an. Danach können Sie sich definitiv einloggen und Kontakt aufnehmen.

Ach so läuft das, ich bin noch gar nicht „scharf“ dabei.

Muss ich mir jetzt wirklich zuerst einen Nicknamen zulegen? Etwa so einen lächerlichen, wie die der angebotenen Herren? Nein, das mag ich nicht. Mein Name gefällt mir, und das mit dem Nicken überlass ich lieber anderen. Hartnäckig wie ich bin, tippe ich deshalb meinen Vornamen in das Kästchen: Sandra. Klick. Name bereits belegt, ist die knappe Antwort meines PCs. Und weil er wahrscheinlich Mitleid mit mir hat, macht er mir netterweise ein paar Ersatzvorschläge. Er wäre bereit Sandra gnädig zu schlucken, wenn ich mich für ein Sandra69, Sandra66 oder Sandra0815 erwärmen könnte. Nee danke lieber Computer, lass mal stecken. Wäre doch echt ein bisschen zu plump. Und Sandra4711 oder Sandra00 klingt auch nicht gerade attraktiv. Überredet! Dann versuche ich es nun doch mit einem Phantasienamen, obwohl sich alles in mir widerstrebt. Marylin klingt weiblich und erotisch, das könnte ich eventuell nehmen: bitte warten, bettelt der PC und dann folgt: Name bereits belegt. Schade, dann nehme ich Sonnenschein: bitte warten – Name bereits belegt. Hmh, ok, Schatzi: bitte warten – Name bereits belegt. Luna, Snoopy, Linda, Barbie, Romy, Rosalyn, Mondschein, Perle, Jade, Diamant, Traumfrau … bitte warten – Name bereits belegt:

… b e l e g t … b e l e g t … b e l e g t …

Mir fällt nichts mehr ein. Wieso tut der Compi so zickig? Ist der etwa weiblich? Und wenn alle meine Wunschnamen bereits belegt sind, wie viele Zig-Tausende von Frauen tummeln sich denn bereits auf dieser Plattform rum. Habe ich da überhaupt eine faire Chance? Genau in diesem Moment, schwups, da passiert mir ein fataler Tippfehler. Im Halbschatten meiner inzwischen müde gewordenen Augenlider entsteht anstatt der gewollten Sonnenfee nur ein halbbatziges Sunefee – und siehe da, dieser Schreibfehler gefällt dem Computer, er akzeptiert ihn freundlicherweise ohne Wenn und Aber! Dabei war das völlig ungewollt, so nach dem Motto: Nach müde kommt doof!

Ok, diese Hürde wäre geschafft. Hat mich zwar eine Menge Zeit gekostet, aber dafür kann er nun kommen, der Mär-Mär-Märchenprinz.

Denkste Puppe. Jetzt fängt der Ausfragezirkus erst richtig an. Zwei Seiten mit eng bedruckten Fragen warten auf mich. Das darf doch nicht wahr sein. Aber so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen. Alles hat schließlich seinen Preis, sonst wäre es nichts wert. Und irgendwann wird der neugierige Fragekatalog sicher ein Ende haben. Was solls? Ich fange einfach mal an:

Alter:

Ich scrolle so lange, bis die Zahl erscheint: 44. Viel lieber würde ich ja 39 nehmen. Meine Männerchancen wären damit eindeutig höher – und rein vom Optischen her würde ich auch locker noch mit diesem Alter durchgehen. Die Versuchung ist groß, sehr groß! Ja, ja, ich weiß, ich weiß, irgendwann käme die Stunde der Wahrheit. Spätestens beim ersten Treffen. Und „Frau“ sollte ja nicht gleich mit einer „Notlüge“ anfangen. Also bekenne ich mich zu meinem Alter.

Größe:

1,72 m. Bei diesem Punkt fällt es mir nicht schwer, ehrlich zu sein. Ich hoffe insgeheim, meine beinahe Mannequin-Größe wirkt auf alle kleineren Männer abschreckend, die überlasse ich netterweise gerne den kleinen putzigen Weibchen. Ich persönlich mag es nicht, wenn ich auf einen Mann herunterschauen muss. Somit wäre das eventuell schon mal geklärt.

Gewicht:

Ups! Moment – wenn wir schon beim genau nehmen sind, dann jetzt noch schnell auf die Waage gestanden und das aktuelle Gewicht eruiert: 58 kg (Super – ist ein guter Tag heute). Jeder kann sich da ausrechnen, dass ich nicht dick sein kann. Aber rechnen Männer so was überhaupt aus?

Augenfarbe:

Braun. Dabei habe ich olivgrüne Augen. Das bietet der Computer aber leider nicht an. Wahrscheinlich weil er weiß, dass bei olivgrün viele Männer bereits überfordert wären, die können nämlich nur was mit den Standardfarben anfangen wie blau, braun, grün. Mehr braucht es nicht, sonst wird es zu kompliziert.

Sternzeichen:

Zwillinge. Das ist das Sternzeichen, welches aussagt, dass sich dahinter eine attraktive und kommunikative Persönlichkeit verbirgt, bei der zwei Herzen in einer Brust schlagen. Ja, spannend und abwechslungsreich ist es mit einem Zwilling, da wird es keinem langweilig. Eventuell ist der eine oder andere Mann mit den zwei Herzen und der einen Brust bereits überfordert. Zwei Brüste und ein Herz wären denen allemal lieber, weil unkomplizierter. Ok, bei manchen könnten es zur Not sicher auch drei knackige Brüste und kein Herz sein.

Hobbys: