What if I love you - Selina Hoffbauer - E-Book

What if I love you E-Book

Selina Hoffbauer

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Beschreibung

Kein Hindernis ist zu groß, wenn zwei Herzen füreinander schlagen. Doch ist ihre Liebe stark genug für ein ganzes Königreich? Eine Nacht zerstörte ihr Leben und auch wenn es die 19-jährige Lilyana nicht zugeben möchte, geht es ihr alles andere als gut. Sie verschließt ihr Herz vor der Wahrheit und lebt nur für die kleine Ella. Doch auch wenn sie sich nichts sehnlicher als Normalität wünscht, zieht ihr der gutaussehende Edmund einen Strich durch die Rechnung. Er ist nicht nur der Typ von jener Nacht, sondern auch noch der verborgene Kronprinz dieses Landes. Schnell verstrickt sie sich in ein gefährliches Spiel aus Lügen, Geheimnissen und verbotenen Gefühlen, bei dem am Ende nicht nur ihr Herz auf dem Spiel steht...

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Seitenzahl: 304

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Buchbeschreibung:

Kein Hindernis ist zu groß, wenn zwei Herzen füreinander schlagen. Doch ist ihre Liebe stark genug für ein ganzes Königreich?

Eine Nacht zerstörte ihr Leben und auch wenn es die 19-jährige Lilyana nicht zugeben möchte, geht es ihr alles andere als gut. Sie verschließt ihr Herz vor der Wahrheit und lebt nur für die kleine Ella. Doch auch wenn sie sich nichts sehnlicher als Normalität wünscht, zieht ihr der gutaussehende Edmund einen Strich durch die Rechnung. Er ist nicht nur der Typ von jener Nacht, sondern auch noch der verborgene Kronprinz dieses Landes. Schnell verstrickt sie sich in ein gefährliches Spiel aus Lügen, Geheimnissen und verbotenen Gefühlen, bei dem am Ende nicht nur ihr Herz auf dem Spiel steht...

Über den Autor:

Selina Hoffbauer wurde 2006 in Riesa, einer Stadt in Sachsen, geboren. Schon seit sie klein ist, fasziniert sie die Welt der Bücher und nach dem Lesen entdeckte sie das Schreiben für sich. "What if I love you" ist dabei ihr Debütroman und Band 1 der Reihe.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1: Lilyana – 9 Monate später

Kapitel 2: Edmund

Kapitel 3: Lilyana

Kapitel 4: Edmund

Kapitel 5: Lilyana

Kapitel 6: Edmund

Kapitel 7: Lilyana

Kapitel 8: Edmund

Kapitel 9: Lilyana

Kapitel 10: Edmund

Kapitel 11: Lilyana

Kapitel 12: Edmund

Kapitel 13: Lilyana

Kapitel 14: Edmund – 1 Woche vorher

Kapitel 15: Lilyana

Kapitel 16: Edmund

Kapitel 17: Lilyana

Kapitel 18: Edmund

Kapitel 19: Lilyana

Kapitel 20: Edmund

Epilog: Lilyana

Prolog

Es gibt Tage im Leben, da möchte man am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und heulen. Genau heute war so ein Tag. Meine Gedanken waren schwer wie Blei und ließen mich auch diese Nacht wieder nicht zur Ruhe kommen. Das Herz in meiner Brust zappelte so enorm schnell, dass ich manchmal sogar das Gefühl hatte, kaum noch Luft zu bekommen. Die Situation, die sich vor mir auftat, schien so unausweichlich und das erzeugte eine tiefe Angst in mir.

Vom vielen Weinen waren meine Augen verklebt und wegen des unregelmäßigen Schlafes konnte ich sie nur mühsam öffnen. In der Hand hielt ich ein Ultraschallbild. Klein und spärlich beleuchtet vom Morgenlicht erblickte ich ein Embryo - mein Baby! Es war ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass ein Menschenleben in einem heranwuchs, doch mit achtzehn schwanger und damit die größte Enttäuschung seiner Eltern zu sein, verlieh dem Ganzen einen negativen Hauch. Es war eine schwere Last, die man mit sich herumtrug, und die einen zu erdrücken versuchte.

Die Erinnerungen an meinen Geburtstag, woraus sich diese Situation ergeben hatte, verblassten immer mehr, was mich in den Wahnsinn trieb. Bloß die Aura des geheimnisvollen Mannes an der Bar würde mir nie entschwinden, da war ich sicher. Klar, im Nachhinein war die Nacht ein Fehler, doch als ich am nächsten Morgen alleine in einem fremden Bett aufwachte, war es bereits zu spät. Diese gewisse Vertrautheit zwischen uns musste ich mir eingebildet haben, denn er war gegangen und das Leben blieb nicht stehen, sondern lief weiter. Und meines von nun an mit Baby ohne Vater.

Diese Ausgangslage belastete mich enorm und ich kam mir so benutzt vor. Und dann waren da auch noch meine Eltern. Sie waren verdammt streng und religiös, so dass man dachte, sie wären mit dem floreanischen Gott und dem Königreich Florea höchstpersönlich verheiratet. Eine Schwangerschaft ohne Ehe und in dem Alter waren generell nicht gerne gesehen, jedoch nicht strengstens untersagt, sowie bei uns zu Hause. Doch den ausgeprägten Glauben, den meine Eltern hatten, besaß ich nicht mehr, denn wenn es einen Beschützer dort oben im Himmel gab, der für das Rechte sorgte, warum herrschten dann in unseren Ländern so große Disparitäten. Es war widerwärtig, zu sehen, wie manche Menschen mit ärmeren Leuten umgingen. Meinen Eltern war das egal. Sie himmelten eh alles und jeden an - nur nicht ihre Kinder.

Zeit blieb mir nicht mehr viel, es ihnen zu sagen, denn mein Babybauch wuchs langsam aber stetig. Wie automatisch glitt die rechte Hand zum Bauch und streichelte vorsichtig über die kleine Wölbung. Ich entwickelte mich immer stärker zum Klischee einer schwangeren Frau.

Von Gefühlsschwankungen bis zu seltsamen Essenkombinationen und Heißhungerattacken.

Es war zum Fürchten, doch das Gefühl Mutter zu werden, erwärmte mich von innen heraus. Ich hatte eine Wahl – Abtreiben oder Behalten - das war mir durchaus klar. Mein Herz hatte die Entscheidung schon von Anfang an gefällt, wäre da nicht noch der Verstand, den jeder Mensch besaß. Für das Baby setzte ich viel aufs Spiel: meine Eltern, das Studium, Josh und meine Zukunft. Ebenfalls blieben bei mir Zweifel und Sorgen über das Finanzielle und die Versorgung. Wäre ich überhaupt eine gute Mutter? Andererseits könnte ich frei sein, mein Leben neu anfangen und dem Traum von einem eigenen Café nachkommen.

Zahlreiche Gedankengänge und Entscheidungen, die mich nicht zur Ruhe kommen ließen.

Ans Bett gelehnt saß ich da und dachte darüber nach, als es an der Tür klopfte. Um diese Uhrzeit war das eher ungewöhnlich, weshalb ich überrascht aufsah.

„Lil, alles gut? Darf ich reinkommen?“, drang es gedämpft durch die Tür.

Hastig wischte ich die Tränen fort, die sich gelöst hatten, versteckt das Bild und öffnete Joshua, meinen 3 Jahre älteren Bruder, die Tür.

Besorgt musterte er mein Gesicht und erkannte sofort, dass ich geweint hatte.

„Komm rein“, flüsterte ich leise zurück, damit unsere Eltern nicht aufwachten.

Gemeinsam nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz und mein Bruder zog mich an sich.

Erstaunt sah ich zu ihm: „Was ist, Josh?“

Da er größer als ich war, schaute er leicht zu mir hinab und runzelte die Stirn, ehe er anfing zu sprechen: „Seit Tagen geisterst du herum und siehst bedrückt aus. Du versuchst es, zu verstecken. Das sehe ich dir an.“

Er hielt kurz inne und suchte meinen Blick. Erst als ich Josh direkt ansah, sprach er weiter: „Deine Augen - sie sind matt und glänzen nicht mehr, es sei denn, du hast mal wieder geweint. Du schläfst nicht und hast riesige Augenringe.“

Leise seufzte er: „Selbst jetzt, um drei Uhr morgens liegst du wach. Am Anfang dachte ich, es sei Liebeskummer und hätte am liebsten den Mann vondeinem Geburtstag, von dem mir Jess erzählt hat, eine reingehauen, weil es scheiße ist, dich so traurig zu sehen.“

Die ehrliche Sorge in seiner Stimme raubte mir den Atem.

„Doch ich denke, es ist etwas anderes. Irgendetwas Tieferes und du glaubst, dass du mit keinem darüber reden kannst. Und ich möchte nicht, dass du das Gefühl bekommst, ich wäre nicht für dich da.“

Seine Worte gingen mir nicht mehr aus dem Kopf und ob ich es wollte oder nicht - er hatte mich durchschaut.

Wenn es eine Person gab, auf die ich immer zählen konnte, dann war das mein Bruder. Egal wann, wo und warum - er war da. Es zu verschweigen, würde mir mehr schaden, als helfen.

Beruhigend streichelte er mir über den Rücken und das erste Mal seit Tagen fühlte ich mich wieder geborgen und geliebt. Ich sah ihn an. Er hatte die Wahrheit verdient. Die Angst vor seiner Reaktion saß tief in mir. Still wartete er ab, bis ich selbst anfing zu erzählen.

„Ich habe einen großen Fehler begangen“, murmelte ich an seine Schulter und unterdrückte ein Schluchzen.

„An meinem Geburtstag vor 3 Monaten haben mich die Mädels abgefüllt.“

Ich räusperte mich, da mir die Sache so unangenehm war und schwer auf meinen Schultern lastete.

„Und obwohl ich irgendwann von allein auf Cola umgestiegen bin, war es schon zu viel.“

Bei der Erinnerung an diese Nacht zog sich alles in mir zusammen. Laute Musik, heftige Bässe, Alkohol und Rauch. Ein dichter Nebel nahm einen ein, wenn man die Bar erst einmal betreten hatte.

„Ich habe zwei hinreißende Männer an der Theke kennengelernt.“

Ich schnaubte. Hinreißend waren sie, bis sie bekommen hatten, was sie wollten.

„Sie waren beide nur 1 Jahr älter. Klar war ich auf der Hut und Jess wäre jeder Zeit da gewesen, aber sie waren so anziehend und vertraut, also sprach ich sie an.“

Das Erlebte so vor Josh auszusprechen, kostete mich viel Kraft. Er musste etwas ahnen, da seine rechte Hand meine fest drückte.

„Der eine hatte einen goldenschimmernden Wuschelkopf und tiefblaue Augen.“

Die einzigen Dinge an ihm an die ich mich erinnerte.

„Sein Freund interessierte mich eher weniger. Sie waren beide charmant, doch bei dem einen verspürte ich diese gewisse Vertrautheit.“

Ich schluckte und hielt tapfer die aufsteigenden Tränen zurück.

„Etwas, was ich nie zuvor erlebt hatte. Das machte ihn gerade so anziehend.“

Angestrengt suchte ich nach meinen verlorenen Erinnerungen: „Wenn ich mich richtig erinnere, hieß der schwarzhaarige Mann Max oder irgendetwas mit Maximilian und der Blondschopf Eddie. Ich weiß es aber nicht genau. Nachdem wir uns unterhalten haben, hat er mich auf komische Art und Weise gefragt, ob ich tanzen möchte…“

Josh stockte in seiner Bewegung und horchte auf: „Wie komisch?“

„So galant und Form vollendet. So spricht heute keiner mehr.“

Ein Schmunzeln schlich sich auf meine Lippen, bevor es wieder in sich zusammenbrach, da es so weh tat.

„Es war eigenartig. Ich glaube, Max hat ihn daraufhin in den Rücken geboxt.“

Josh sein Blick haftete fest auf mir. So als wollte er jede Mimik und Gestik meinerseits genau studieren und in seinem Kopf abspeichern.

„Ich habe ja gesagt. Wir haben fast kein Lied ausgelassen und ich dachte ja, er würde mich anfassen oder küssen, doch das hat er nicht. Wir beide waren mit einer der letzten tanzenden Paare und es liefen zum Schluss die langsamen Songs. Und wir tanzten auch diese. Es war so romantisch wie in einem Märchen“, ein Seufzen entwich mir bei dieser kurzen, aber intensiven Erinnerung.

„Wir drehten uns noch ein Mal im Kreis und er blieb schließlich vor mir stehen. In dem Moment wünschte ich nichts sehnlicher, als das wir uns endlich küssten.“

Josh spannte sich kaum merklich an und krallte seine Finger fest in die Decke.

„Von ihm, aber auch von mir ging so eine tiefe Leidenschaft und ein intensives Verlangen aus. Doch er tat es einfach nicht. Nein, dieser Eddi bat mich stumm um Erlaubnis.“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf darüber.

„Erst als ich nickte, hat er mich dann an sich gezogen und geküsst. Mein ganzer Körper kribbelte, als hätte ich tausend Ameisen auf der Haut. Diese Worte sind alles, was mir im Gedächtnis geblieben war:

„Lily, ich möchte dich kennenlernen. Du löst Gefühle in mir aus, denen ich auf den Grund gehen will. Das macht mir Angst.“

Ich bekomme jedes Mal wieder eine Gänsehaut.“

Schwer schluckend dachte ich an diesen Moment zurück. Ich erzitterte leicht, worauf mir Josh beruhigend über den Rücken strich.

„Es war im wahrsten Sinne des Wortes zu schön, um wahr zu sein. Danach haben wir wohl miteinander geschlafen, aber mir fehlen die Erinnerungen ab dem Moment.“

Ich ließ meinen Kopf in meine Hände fallen und ärgerte mich über meine Leichtgläubigkeit und Naivität an dem Abend.

„Am nächsten Tag lag ich in einem fremden Bett und er war weg“, kamen mir die letzten Worte schwer über die Lippen.

„Das alles und die Gefühle waren pure Einbildung von mir – wer verliebt und findet sich schon am ersten Tag?!“

Wir schwiegen eine Weile, bis ich leise hinzufügte: „Und jetzt bin ich schwanger.“

Tränen brannten erneut in meinen Augen und Josh atmete tief ein.

Er war geschockt, aber anstatt mir Vorwürfe zu machen, sagte er nur: „Wir bekommen das schon hin.“

Seine Stimme war ruhig, viel zu ruhig, was mir Sorge bereitete.

„Jetzt verstehe ich einiges und nun ist mir klar, wovor du solche Angst hast.“

Ich nickte stumm. „Wie willst du es unseren Eltern sagen, ohne dass sie dich zwingen, es abzutreiben, wenn du hierbleibst?“

Tief atmete ich ein. Die Tatsache ausgesprochen zu hören, zeigte mir, wie unausweichlich alles war.

„Wir wissen beide, wie sie sind. Ein uneheliches Kind und dann noch in dem Alter würden sie nie akzeptieren. Aber ich kenne meine kleine Schwester. Egal ob es schwer wird, du möchtest das Baby haben, oder? Du würdest es nie abtreiben. Dafür liebst du es jetzt schon zu sehr, stimmst?“

Ich zuckte kurz zusammen, stimmte ihm aber leise zu.

„Gemeinsam bekommen wir das hin. Fang dein Leben von mir aus neu an und sprich mit unseren Eltern und wenn sie so bescheuert sind, dich wirklich gehen zu lassen, dann zieh in eine andere Wohnung. Sie können stolz sein, eine Tochter wie dich zu haben. Vergiss das nie! Ich werde zu jeder Zeit da sein, egal welche Entscheidung du fällst.“

Ich nickte zaghaft: „Danke.“

Er drückte mir einen Kuss auf die Stirn: „Immer, das weißt du.“

Für mich blieb nur eine Wahl und ich war fest entschlossen, es durchzuziehen. Irgendwann wurden meine Augen dann doch schwer und so schlief ich ein, umgeben von einer wohligen Wärme.

Kapitel 1

Lilyana 9 Monate später

Vor drei Monaten war es so weit und Ella wurde gesund und munter geboren. Es gab nichts Schöneres auf der Welt, als zu wissen, dass man eine Tochter hat. Die letzten Wochen hatten mich dabei stark geprägt.

Ich war stolz darüber, diesen Schritt gegangen zu sein, denn immer wenn ich meine Kleine im Arm hielt, verspürte ich eine tiefe Dankbarkeit und Liebe. Mühsam verdrängte ich mir jedes Mal die Tränen der Freude, sobald ich sie ansah.

Sie hatte seine Haare - blond mit niedlichen Locken und seine blauen Augen. Doch die weiblichen Gesichtszüge und die Stupsnase waren definitiv von mir sowie ihre vollen Lippen.

Ella erinnerte mich oft an ihn und klar weckte dies eine tiefe Trauer in mir, aber ich war froh, dass ich so einen Teil von ihm immer bei mir tragen würde – in meinem Herzen. Auch wenn die letzten Konturen des Abends von Tag zu Tag mehr verblassten, so war ich dankbar dafür, denn er schenkte mir damit das schönste Wesen auf Erden. Ella war ein Sonnenschein.

Mit einem Lächeln dachte ich noch einmal an die vergangenen Tage zurück, ehe ich aufstand. Während sie noch schlief, stellte ich mich kurz unter die Dusche und steckte anschließend meine Haare kunstvoll hoch. Ich schminkte mir ein dezentes Tages-Make up und starrte mich dann im Spiegel an.

Ich sah blasser und müder aus als sonst und trotzdem strahlte ich eine gewisse Lebensenergie aus. Gleichzeitig fehlte mir aber etwas. Doch dieses Etwas überspielte ich zu jeder Zeit mit einem ermunternden Lächeln.

Ich sah die Angst in meinen Augen, die sich fragte, wie lange ich noch durchhielt.

Allein die Willenskraft und die Liebe zu Ella in mir ließ mich das alles durchstehen. Ändern konnte ich diese Situation eh nicht mehr.

Zufrieden mit dem Make-up verließ ich das Bad und nahm das Babyphone mit. Unten in der Küche angekommen, schaute ich aus dem Fenster. Josh hatte beschlossen, ein paar Tage Urlaub bei uns zu machen, daher hatte ich für diesen Tag noch einiges zu erledigen. Das Gästezimmer war hergerichtet und ich wollte, dass alles perfekt war, da er das erste Mal unser neues zu Hause sehen würde.

Ich hatte mir ein kleines Strandhaus in Aqua gekauft und ein eigenes Café gegenüber des „Starhotels“ aufgemacht. In meinem Laden mit inbegriffen, war eine Bibliothek voll mit Büchern und das Hotel gehörte meiner neuen besten Freundin Emma. Sie hatte mich damals aufgenommen und wir hatten sofort einen guten Draht zueinander. Dafür war ich ihr sehr dankbar. In dem Haus, wo wir wohnten, hätten locker vier Personen Platz und doch war es klein gehalten. Eher wie ein Ferienhaus, für das man mal eine Woche in den Urlaub fuhr, jedoch man zu viert, auf lange Zeit gesehen, nicht leben wollte.

Ich liebte aber die Verbundenheit mit der Natur und für uns zwei war es vollkommen ausreichend. Die Ruhe und Zufriedenheit, die dieser Ort mit sich brachte, waren magisch. Ich fühlte mich hier unbeschwert und frei.

Draußen strahlte schon zum frühen Morgen die Sonne, also schloss ich die Tür auf und trat hinaus an die frische Luft. Es wehte eine leichte Brise. Ich schnitt die auf dem Feld blühenden Korn- und Mohnblumen ab und band sie zu einem Strauß zusammen. Ich zog die Meeresluft, die vom Wind ans Land getragen wurde, tief in meine Lungen und schaute aufs Meer hinaus, während ich in Gedanken versank.

Als Ella noch nicht da war, saß oder stand ich öfter hier draußen und habe den Tag genossen.

Immer wenn ich hier war, durchströmte mich eine tiefe Zufriedenheit und ich vergaß den Stress der letzten Tage, Wochen und Monate.

Durch das Babyphone nahm ich wahr, dass Ella plötzlich anfing, herum zu quengeln. Sie war in dieser Hinsicht anhänglich und merkte sofort, wenn niemand da war, um sich um sie zu kümmern.

Meine Eltern hatten früher behauptet, ich sei genauso gewesen. Ich hoffte immer noch vergebens auf ihre Akzeptanz mit Ella. Nicht einmal, als das Baby kam, zeigten sie Interesse an uns und an dem Tag gab ich es enttäuscht auf.

Nur mein Bruder war für mich da. Josh und Emma standen mir zur Seite, in dem Zeitpunkt, als mir der Gedanke kam, alles hinzuschmeißen. Bei der Erinnerung kamen mir schon wieder die Tränen.

Ich wischte sie hastig weg und lief zurück ins Haus, legte die Blumen ab und trat dann nach oben in das Schlafzimmer. Es war groß und in der Mitte stand ein schwarzes Doppelbett. Angrenzend sah man ein kleines Kinderbett, das in einem kräftigen Rosa kontrastvoll strahlte. Gegenüber vom Bett gelang man direkt zum Kleiderschrank und daneben befand sich eine zweite Tür zum Bad. Es war überaus praktisch, zwei Wege zu ein und demselben Bad zu haben. Ein großes Fenster prangte auf der linken Seite des Raumes und eine kastanienbraune Kommode stand auf der rechten. Es war stilvoll eingerichtet und trotzdem nicht übertrieben.

Ich stellte mich neben das Babybett. Ella hörte sofort auf zu quengeln und öffnete dabei nur ein Auge. Skeptisch starrte sie mir entgegen, was mich schmunzeln ließ, ehe ich sie hochnahm.

Sie trug einen weißen kurzen Strampler, da es nachts noch recht warm war. Auf ihrem Kopf kringelten sich die blonden Locken und sie sah mich gespannt an. Sie war das süßeste Baby, das ich je zu Gesicht bekommen hatte.

„Heute kommt dein Onkel Josh und besucht uns. Dann kannst du ihn auf Trab halten“, ich lächelte sie an und als hätte sie mich verstanden, gluckste sie vergnügt.

„Er wird bis zu meinem Geburtstag bleiben. Der verwöhnt dich nur nach Strich und Faden. Aber wer kann dir auch widerstehen.“ Zusammen liefen wir zum eigentlichen Kinderzimmer und ich wickelte sie zuerst. Ella hasste wickeln und wurde dabei immer so hibbelig, also sang ich ihr jedes Mal ein Lied vor. Sie beruhigte sich sichtlich.

Mein Talent im Singen war sehr ausgeprägt, da ich als Kind viele Gesangstunden hatte. So kam es auch, dass ich mit meinen Liedern und Klavierkünsten regelmäßig im Hotel auftrat.

Nach der Schwangerschaft hatte man in unserem Königreich natürlich erst einmal Elternzeit, doch wir brauchten das Geld leider mehr, als dass ich hätte verzichten können.

Ab und zu öffnete ich sogar das Café. Viele Leute kamen dann und mir wurde der neuste Klatsch und Tratsch berichtet. Es gab oft anstrengenden Tage, keine Frage, doch der Austausch und das Arbeiten waren mir wichtig und diese Freude überwog.

Ich war fertig mit Ella, knöpfte ihren neuen Body wieder zu, verließ den Raum und lief über die Treppe nach unten, in die Wohnstube. Sie war gemütlich und liebevoll eingerichtet mit einem Sessel, einer Couch, einem Fernseher und Regalen voller Bücher.

Behutsam legte ich Ella in einen hochgesetzten Kinderauslauf und schaute überrascht auf, als es plötzlich an der Tür klingelte.

Ich riss den Kopf in Richtung Wanduhr. Acht Uhr fünfzehn zeigte sie an. Josh konnte es nicht sein, denn er würde erst gegen zehn auftauchen. Schnell lief ich zur zu Tür und schloss sie auf. Emmas Gesicht trat in mein Blickfeld.

„Hey, Emma. Was machst du hier? Mit dir habe ich ja gar nicht gerechnet. Solltest du nicht im Hotel sein?“

Wir umarmten uns und ich ließ sie eintreten. Sie drehte sich zu mir und grinste: „Es gibt großartige Neuigkeiten fürs Starhotel.“

Ihre strohblonden Haare strahlten heute außergewöhnlich hell und ihre grünen Augen glänzten erleichtert. Dazu kam noch ihre zierliche Statur, die vor Aufregung leicht zitterte. Emma hatte vor kurzem das Hotel ihrer Tante übernommen. Dieses wurde vor allem in den Saisonzeiten gebucht und sie war auf so viele Faktoren angewiesen, dass es nicht immer perfekt lief.

Ich freute mich jedes Mal für sie, wenn es bergauf ging: „Na los, erzähl schon! Ich merk doch, wie du fast platzt vor Freude.“

Sie holte noch einmal tief Luft: „Ins Hotel… die Suite…einfach... Monate… ich freue ... Ah, das ist so toll.“

Ich verstand nur die Hälfte und schüttelte belustigt den Kopf: „Und jetzt nochmal langsam bitte.“

Und dann erzählte sie mir, dass zwei junge Männer, etwa unser Alter, beschlossen hatten, für zwei Monate in der Suite Urlaub zu machen. Sie wollten einen Preis von vierhundert Euro pro Tag statt für zweihundert Euro bezahlen. Überrascht zog ich die Augenbraue hoch. Niemand blätterte freiwillig einfach mal das Doppelte hin. Das wäre ja der reinste Wahnsinn. Und dann noch über 2 Monate.

Doch sie schien in Gedanken schon wieder woanders zu sein. Emma war manchmal sehr zappelig. Sie plapperte manchmal ununterbrochen, was einen verrückt werden ließ.

„Aber erzähl, wie geht es dir?“, fing meine Freundin schließlich an. Überrascht glitt mein Blick zu ihr.

„Ich habe diese Nacht kaum ein Auge zu gemacht. Alle zwei Stunden wurde Ella wach. So unruhig war sie noch nie. Josh kommt heute ebenfalls. Er wird mit mir hoffentlich über unsere Eltern sprechen. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber ich vermisse sie. Seine eigene Tochter so im Stich zu lassen, enttäuscht mich. Ich habe nie mit Luftsprüngen gerechnet, doch etwas Verständnis wünsche ich mir von ihnen schon. Wenn man so allein gelassen wird, entwickelt man erste Zweifel und Ängste. Ob Miete bezahlen oder neue Sachen für Ella – ich habe das Gefühl, dass ich ihr nichts bieten kann. Und das Schlimmste ist, dass Josh mir heimlich jeden Monat 300 Euro überweist. Er und Jess legen für uns zusammen und im Gegenzug kann ich mich gar nicht revanchieren.“

Erst als die erste Träne auf meine Wange traf, bemerkte ich, dass sich meine Augen mit Wasser gefüllt hatten.

„Ständig breche ich grundlos in Tränen aus. Das ist doch nicht mehr normal.“

Tröstend legte sie mir einen Arm um die Schulter. Sie lächelte zu Ella hinüber, die sich vergnügt mit sich selbst beschäftigte: „Sag das noch einmal, dass du ihr nichts zu bieten hast, und wir sind keine Freunde mehr. Schau dich doch um. Sie hat dich und deine Liebe zu ihr. Das ist es, was zählt und nicht das Geld, Lily!“

Ich zog eine Augenbraue hoch, jedoch war sie noch nicht fertig: „Ernsthaft! Ich hätte es nie so weit gebracht wie du. Außerdem ist in nächster Zeit volles Haus. Du kannst immer auf mich zählen und gemeinsam schaffen wir das. Leider muss ich jetzt wieder los, der Check-in in die Suite kam nämlich sehr plötzlich. Ich hab dich lieb, Lily.“

Innig nahmen wir uns in die Arme: „Danke, ich dich auch.“

Sie war schon zur Tür raus, als sie sich mir noch einmal zu wandte: „Wie feierst du denn dein Geburtstag in 4 Tagen?“

„Keine Ahnung. Zu Hause? Schließlich ist Ella noch da.“

Sie nickte traurig, obwohl sie es mit einem Lächeln verschwinden ließ, sah ich es ihr an. Ein Blick in ihr Gesicht reichte und mir war klar, dass sie mit den Gedanken schon wieder im Hotel war.

„Wir reden später! Tschüss.“

Kopf schüttelnd lief ich zurück zu Ella. Es waren gerade mal zehn Minuten vergangen, also beschloss ich, mit ihr eine Runde zu gehen. Ich nahm sie wieder aus dem Gestell heraus und zog ihr leichte Sachen zum Spazierengehen an. Sie passte gerade noch so in die weiße Jacke von Josh, die ich so liebte.

Auf einmal klingelte mein Handy und ich dachte schon, es wäre Emma, die etwas vergessen hatte. Schnell eilte ich vom Kinderwagen in die Wohnstube und griff danach. Eine unbekannte Nummer?

„Hallo, Lilyana Vogtmann hier. Was kann ich für Sie tun?“

Ein Rauschen am anderen Ende der Leitung war zu hören, ehe eine Antwort folgte: „Guten Morgen, Miss. Hier ist Edmund. Ich stehe hier vor ihrem Laden und lese, dass sie geschlossen haben, für den Notfall aber verfügbar sind. Ich bräuchte eine Cremetorte für zwei, da es bei uns einen wichtigen Anlass zum Feiern gibt.“

Ich runzelte die Stirn. Eine ganze Torte für zwei Personen?

Mein Blick glitt zu Ella. Sie wirkte unzufrieden und so versuchte ich, mich zu beeilen: „Es könnte klappen. Bis wann bräuchten sie die denn? Ich brauche immer erst den Zeitraum, um fest zusagen zu können.“

Edmund räusperte sich: „Wenn es funktionieren würde bis morgen um drei.“

Nicht mal ein Tag. Das ist kurzfristig. Josh und ich hatten viel zu bereden. Man lädt doch niemanden ein und backt dann als Dank Torten für fremde Leute. Schnell überlegte ich mir einen Plan: „Nur für zwei Personen? Welche Wünsche haben Sie? Frucht, Nuss oder Schokolade? Und warum…“

Mitten im Satz unterbrach ich mich selbst. Meine Stimme klang zum Ende hin immer genervter. So sprach man nicht mit seinen Kunden. Ich war einfach zu gereizt und hatte keinen Nerv dafür. Eigentlich half ich gerne anderen Menschen und hatte ein offenes Ohr für jeden, doch heute war nicht mein Tag. Frustriert starrte ich auf den Notizblock vor mir.

„Und warum was?“

Seine Stimme klang belustigt durch das Telefon, was mich umso mehr ärgerte.

Ich ging nicht auf seine Frage ein, sondern stellte ihm die Fakten klar und deutlich hin: „Eine Cremetorte braucht seine Zeit und Sie sind spät. Trotzdem möchte ich Ihnen helfen, also mache ich eine Himbeercremetorte mit lockerem Boden. Dazu brauche ich jetzt nur noch ihre Adresse, da ich nicht im Laden bin, sowie ihren vollen Namen. Haben Sie und Ihr Freund irgendwelche Allergien?“

„Nein, keine Allergien. Bitte geben Sie die Torte doch an der Rezeption im Starhotel ab. Ich lasse der Hotelleitung ihr Geld zustellen. Danke und seien sie pünktlich, damit das Ganze dem Preis auch wert ist!“

Er legte einfach auf und dabei triefte seine Stimme vor Überheblichkeit.

Eine Unverschämtheit!

Ich schaute zu Ella, die mich mit großen Augen anstarrte. „Na komm. Wir gehen jetzt erst einmal spazieren.“

Es war ein herrlicher Junitag. Der Wind wehte angenehm und die Sonne strahlte schon in den Morgenstunden mit ihrer vollen Kraft. Ella gluckste hin und wieder vergnügt und wir entspannten uns allmählich. Die Vögel zwitscherten und von weitem hörte man das Meer sachte rauschen.

Ich schob den Kinderwagen in Richtung Hotel und begegnete Hanna auf dem Weg dorthin. Sie arbeitete bei Emma und war eine etwas ältere Dame. Sie strahlte, als sie uns entdeckte und während wir noch das Gelände des Starhotels betraten, eilte sie schon auf uns zu.

„Hallo ihr beiden. Am besten du gehst schleunigst zu Emma. Sie ist total durch den Wind. Ich kümmere mich in der Zeit um Ella“, begrüßte sie uns hastig.

Irritiert schaute ich auf. „Warum ist sie verwirrt? Ist etwas passiert?“ Besorgt betrat ich das Gebäude und eilte zu ihrem Büro.

Auf dem Weg dorthin stieß ich jedoch mit einer Person zusammen: „Oh, das tut mir leid!“

Ich blickte auf und erkannte, dass es Emmas Dad war. Er lächelte mich liebevoll an: „Es tut gut, dich mal wiederzusehen Lily. Wie geht es euch?“

Ich strahlte ihn an: „Bei Ella ist alles in bester Ordnung. Sie ist halt eine kleine Kämpferin.“

Er schüttelte leicht den Kopf: „Und wie geht es dir?“

Ich wich seiner Frage aus und er seufzte traurig. Zu meinem Erstaunen nahm er mich einfach nur in den Arm: „Lily, du weißt, dass du immer auf uns zählen kannst.“

Ich nickte den Tränen nahe und flüsterte: „Ja. Ich weiß. Danke.“

Er war diskret genug, um es dabei beruhen zu lassen, und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich blickte mich kurz um.

Der Eingang war liebevoll gestaltet und in grün gehalten. Ledersessel boten die Gelegenheit, sich hinzusetzen und die Rezeption wirkte freundlich und einladend. Es war echt ein schönes Hotel. Schade, dass dies nicht alle erkannten.

Ich klopfte an und war schon mit dem Fuß im Zimmer, als ich Emma zusammen mit einem fremden Typen rumknutschen sah.

„Heilige Scheiße“, entwich es mir und sie starrte erschrocken zu mir an.

Verflucht Hanna! Kein Wunder das sie durch den Wind war bei so einem Prachtexemplar. Schnell drehte ich um und verließ das Büro.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und ließ ich mich in einen der Ledersessel fallen und atmete hörbar aus.

Ich fasste es nicht!

Emma kannte diesen Mann bestimmt noch nicht mal einen Tag und sie landete schon im Bett mit ihm. Er war sexy keine Frage. Sein Rücken war stark definiert und seine Haare waren schwarz wie die Nacht.

„Halt Stopp. Zu viele Details Lily!“, murmelte ich vor mich hin und blickte auf.

Die goldene Uhr an der Wand gegenüber stach mir ins Auge. „Apropos Uhr! Ich habe die Zeit total vergessen“, fluchte ich. Es war schon neun Uhr dreißig. Eine halbe Stunde noch! Hastig stand ich auf und hinterließ an der Rezeption eine Nachricht für Emma und verließ das Gebäude so schnell, wie ich es betreten hatte. Der Tag war viel zu verkorkst und hektisch. „Das konnte nur schief gehen!“, murmelte ich mir selbst zu.

„Sorry Lily, mein Flieger hebt jetzt erst ab. Du musst mindestens mit zwei Stunden Verspätung rechnen.“

Traurig starrte ich auf den Hörer, den ich auf Lautsprecher gestellt hatte: „Ok!“

„Da trifft man sich einmal und dann so was. Entschuldige bitte!“

Ich nickte für mich: „Hauptsache du kommst heil an und da habe ich jetzt wenigstens Zeit, die Torte zu backen.“

Unser Gespräch endete. Ella war auf dem Rückweg eingeschlafen und schlummerte friedlich vor sich hin. Ich hatte quasi sturmfrei. Ich lief ins Schlafzimmer und zog mir kurze Shorts und ein T-Shirt an.

Unten angekommen, band ich mir meine Schürze um. Ein Spruch zierte diese:

„Ich bin gerade in die Küche gekommen - ohne Worte! Habe das Licht ausgemacht, jetzt geht’s.“

Eine unordentliche Arbeitsfläche sah man bei mir selten, doch manchmal wenn mich alles nervte, brachte der Spruch einen wenigstens zum Lachen.

Ich trat an die kleine Kochinsel und holte die nötigen Zutaten aus den Regalen. Es landete Sahne, Himbeeren, Sahnesteif, Vanillezucker und vieles mehr auf der Platte und ich legte los. Es war großartig, in der Küche zu stehen und etwas zu kreieren, was deinen Stempel trug. Es entspannte mich und ich ließ das Radio leise im Hintergrund vor sich her dudeln.

Zu meiner Überraschung schlief Ella durch und ich war schon eine Stunde später mit der Cremetorte fertig. Es duftete nach frischen Himbeeren und süßer Creme. Himmlisch. Ich stellte die fertige Torte in meinen Kühlschrank und beseitigte ich das kleine, aber doch sichtbare Chaos. Dabei konnte ich nicht widerstehen die Schüssel auszukratzen. Die Himbeercreme zerfloss förmlich auf der Zunge. Es schmeckte süß und sauer zu gleich. Ich hatte etwas zu viel gemacht, daher verwendete ich den Rest für mich und Josh zum Kaffee.

Ich zog die Schürze aus und wechselte zufrieden mein T-Shirt, da es einige Spritzer abbekommen hatte. Das war bei mir nicht unüblich. Es gab keinen Backtag, wo ich nicht mindestens einmal gekleckert hatte.

Ella wachte gerade auf, als ich mit allem fertig war. Sie war ein Baby, das ständig Hunger hatte. Darüber war ich jedoch froh, da sie damals viel zu dünn auf die Welt kam. Umso mehr freute ich mich, dass sie so fleißig aß. Ich nahm Ella aus der Babyschale, fütterte sie und bespaßte sie, bis die Zeit um war und Josh kam.

Es klingelte an der Tür. Voller Vorfreude lief ich zum Hauseingang und bevor meine Augen ihn erblickt hatten, sprang ich auf Josh zu und fiel in seine Arme. Tränen der Freude rannen mir übers Gesicht. Ich hatte ihn so vermisst, dass es fast schon schmerzte.

Ich blickte auf und wir sahen uns stumm und dankbar in die Augen. Mühsam unterdrückte er seine eigenen Tränen. Das Gefühl von Einsamkeit und Verzweiflung in mir wich.

„Endlich“, flüsterte ich tränenerstickt.

Dieser Moment wurde so mächtig, dass aus stummen Tränen laute, heftige Schluchzer wurden. Josh hielt mich fest.

„Ich bin da, Lil. Alles wird gut“, liebevoll gab er mir einen Kuss auf die Stirn.

Ich nickte, wischte mir rasch über die Augen. „Willkommen in meinem kleinen Reich.“

Er löste seinen Blick langsam von mir und sah sich um. Seine Augen strahlten. Josh war genau wie ich. Ihm waren diese Magie, dieser Friede und die Freiheit sofort bewusst.

„Komm, ich zeig dir erst einmal dein Zimmer. Mach bitte etwas leise, Ella schläft gerade“, ich führte meinen Bruder ins Haus und ihm entwich ein kleines „Wow“. Ich lächelte und zeigte ihm die Räume unterm Dach. Sobald wir weit genug weg von ihr waren, begann er zu reden: „Das hier ist wundervoll und Ella ist noch niedlicher geworden. Dir ist doch sicher bewusst, dass sie das nur von ihm hat.“

Er hatte es spaßig gemeint und trotzdem verkrampfte sich etwas in meiner Brust. Josh riss die Augen vor Schreck weit auf: „Das… das war nicht meine Absicht. Das wollte ich nicht, echt nicht. Ich fühl mich so bescheuert!“ Abwinkend führte ich ihn weiter und zwang mir ein Lächeln auf die Lippen.

Zum Schluss zeigte ich ihm sein provisorisches Gästezimmer.

„Wow, Lil! Das hast du wunderschön eingerichtet. Danke“, er lächelte mich etwas hilflos an und ich sprang ihn in die Arme, so dass er vor Schreck fast sein Gleichgewicht verlor.

„Ich bin echt froh, dass du da bist“, kam es mir flüsternd über die Lippen.

„Ich hab dich lieb, Lil!“

„Ich dich auch!“

Er ließ mich herunter und hielt mein Gesicht mit seinen zwei Händen fest, bevor ich mich hätte wegdrehen können: „Du siehst müde aus. Erschöpft und traurig. Es schmerzt, dich so sehen zu müssen. Ich mache mir Sorgen. Wie geht es dir? Willst du darüber reden?“

Wie von selbst schüttelte sich mein Kopf: „Diese Woche noch, aber nicht heute.“ Mit flehenden Augen sah ich ihn an und er nickte zögerlich: „Lass uns zu Ella gehen.“

Kapitel 2

Edmund

Der Wind wehte leicht und von der Terrasse des Hotels hörte man sacht das Meer rauschen. Die Sonne schien warm und ich fragte mich allmählich, wo Max steckte. Wir waren kaum da und er war schon verschwunden. Das ärgerte mich. Zu mal Max und ich uns gestritten hatten. Das Thema Veränderungen war bei uns zur Zeit sehr prägnant und das zerrte an meinen Nerven.

Das letzte Gespräch nagte an mir, so dass ich zur Wiedergutmachung extra eine Cremetorte für ihn bestellt hatte. Aber das war nicht alles, was mich beschäftigte.

Mein Vater übte zusätzlichen Druck aus, wollte, dass ich heirate, und endlich der Öffentlichkeit mein Gesicht zeigte. Das Ganze ließ mich verzweifeln und veränderte mich mit der Zeit. Max war dabei der einzige Mensch, der zu mir hielt.

Zu allem Überfluss war ich nach unserem Streit so sauer gewesen, dass ich die nette Bäckerin angefaucht hatte und auflegte. Wenn morgen keine Cremetorte kam, würde ich es ihr nicht verübeln. Die alte Frau dachte bestimmt nur das Schlimmste von mir.

Urlaub nannte mein Vater den Aufenthalt hier. Für mich war es pure Bestechung von ihm, stumme Erpressung. Er erhoffte sich davon eine entspanntere Situation im Königreich. Doch der König hatte damit nur das komplette Gegenteil bewirkt.

Wenigstens waren wir am Meer. In der Natur. Weit fort von zu Hause. Hier war es so friedlich, dass man fast nicht anders konnte, als zu entspannen. Die Hotelatmosphäre wirkte freundlich und wohlgesonnen. Ein perfekter Ort für einen längeren Urlaub.

Zu meiner Überraschung war die Hoteldirektorin in unserem Alter. Sie hatte das Hotel ihrer verstorbenen Tante übernommen und man sah ihr den Stolz, mit dem sie dieses führte, an. Es musste hart sein, aber es ging mich ja nichts an. Es sei denn, mein Freund Max und sie würden zusammenkommen. Schon bei der ersten Begegnung mit ihr hat es zwischen ihnen geknistert. Das hatte selbst ich gespürt. Bei der Erinnerung schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen. Ich wünschte ihm von ganzen Herzen, dass er glücklich wurde. Egal ob mit ihr oder einer anderen.

Aber nicht gleich am ersten Tag!

Seufzend verließ ich die Terrasse. Es war inzwischen drei Uhr nachmittags, ich klingelte beim Zimmerservice durch und bestellte einen großen Cappuccino und ein paar Nougatkekse dazu.