When the Raindrop falls - Stephanie Frotscher - E-Book

When the Raindrop falls E-Book

Stephanie Frotscher

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Beschreibung

Fünf Jahre sind vergangen, seit Haylie sich von Ricky getrennt hat. Als die beiden in Florida spontan aufeinandertreffen, flammen erneut alte Gefühle auf. Doch Haylie erfährt von einem großen Familiengeheimnis, das sie zunächst völlig aus der Bahn wirft. Während sie versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen, tobt ein gewaltiger Hurricane über Palm Beach. Können Haylie und Ricky in diesem tosenden Sturm wieder zueinanderfinden und gemeinsam das Geheimnis lüften? Ein packender New-Adult-Roman voller Spannung, Gefühlschaos und unerwarteter Wendungen.

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Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Triggerwarnung

Dieser Roman enthält potentiell triggernde Inhalte.

Dazu gehören Panikattacken/Angststörung, Alkoholmissbrauch, Fremdgehen, Naturkatastrophen, Trauer und Tod.

Bitte lies dieses Buch nicht, wenn dich eines dieser Themen triggern könnte. Pass auf dich auf.

Für alle, die im Regen stehen.

Eines Tages wird die Sonne wieder für euch scheinen.

Playlist

Florida!!! – Taylor Swift feat. Florence + The Machine

There She Goes – The LA’s

One Day – Tate McRae

Kiss The Rain – Yiruma

The One That Got Away – Katy Perry

she’s all i wanna be – Tate McRae

Midnight Rain – Taylor Swift

After The Rain – Alicia & Jasmina

Centuries – Fall Out Boy

The Moment I Knew (Taylor’s Version) – Taylor Swift

Inhaltsverzeichnis

Was bisher geschah …

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Epilog

Nachwort & Danksagung

Was bisher geschah …

Zusammenfassung aus „When the Ocean calls“

Haylies Traum ging in Erfüllung, als sie in den Semesterferien ihr Praktikum in einem New Yorker Buchverlag absolvieren durfte. Sie zog zunächst vorübergehend in ein Apartment für Praktikant*innen, wo sie sich kurzerhand trotz ihrer sozialen Ängste in ihren Nachbarn Lark verliebte und schließlich mit ihm eine Beziehung einging. Ihr Kollege Ricky hingegen ging ihr anfangs komplett auf die Nerven, doch von Zeit zu Zeit entwickelte sie auch für ihn Gefühle.

Als dann herauskam, dass Lark ein Betrüger ist, da er Steuern hinterzieht und Ricky dieses Geheimnis schlussendlich aufdeckte, entschied sich Haylie schließlich für Ricky und die beiden führten eine glückliche Beziehung.

Doch Haylie hatte auch zunehmend mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Immer häufiger musste sie an ihre große Jugendliebe Ryan denken, der sich auf brutalste Weise das Leben nahm und auch ihre Mobbingerfahrungen aus der Schule holten sie immer wieder ein. Als sie mit Rickys Hilfe einen Therapieplatz bekam, um sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit zu stellen, schien endlich alles ins Lot zu kommen. Doch als sie von Ricky erfuhr, dass er nach Florida gehen wollte, um dort kreatives Schreiben zu studieren und seinen Traum zu leben, brach für sie eine Welt zusammen.

Obwohl Haylie anfangs noch gewillt war, eine Fernbeziehung mit Ricky zu führen, wurde ihr schnell bewusst, dass sie das nicht kann, und trennte sich kurzerhand von ihm. Fünf Jahre später ist Haylie eine erfolgreiche Bestsellerautorin. Eines Tages erhält sie ein unerwartetes Paket: Rickys erstes veröffentlichtes Buch – mit der Widmung Für Haylie.

Prolog

Ricky

Für Haylie.

Jeden Tag und jede Nacht denke ich beinahe ununterbrochen an sie. Natürlich machten meine Gedanken auch nicht Halt, während ich mein Buch geschrieben habe. Jedes Wort habe ich insgeheim an sie gerichtet. Daher schrieb ich diese Widmung und recherchierte nächtelang nach ihrer privaten Adresse, die natürlich nicht so einfach zu finden war. Haylie ist mittlerweile Bestsellerautorin und auch wenn wir keinerlei Kontakt mehr haben, habe ich ihre Karriere immer auf Social Media verfolgt. Jeden Tag checke ich alles ab, nur um herauszufinden, was sie gerade macht und vor allem, ob sie glücklich ist. Und jeden Tag seit der Trennung vermisse ich sie ein bisschen mehr. Das ist jetzt fünf Jahre her.

In den letzten Jahren habe ich mich voll und ganz auf meine Karriere als Autor fokussiert. Mit Erfolg. Eigentlich läuft alles wie geplant. Ich habe einen Bestseller geschrieben, lebe in einer tollen Wohnung direkt in Strandnähe und Florida ist für mich ein echtes Zuhause geworden.

Und ich habe eine Freundin. Mit der ich zusammenlebe.

Sie ist Surferin, das typische Beachgirly mit langem, blondem Haar und der perfekten Bikinifigur. Und sie arbeitet als Model, wie könnte es auch anders sein?

Kennengelernt haben wir uns tatsächlich während meines Studiums in einem Studierendenclub, in den mich mein damaliger Mitbewohner Ray mitgeschleift hat. Ich hatte damals absolut gar keinen Bock, weil ich Partys überhaupt nicht ausstehen kann. Also stand ich gelangweilt irgendwo am Rand, bis mich eine übermütige Blondine anrempelte und ihren Piña Colada über mein Lieblings-Bandshirt schüttete. Normalerweise wäre ich vollkommen ausgerastet, aber da war etwas in ihrem Blick, das mich irgendwie an Haylie erinnerte. Also wollte und konnte ich kein Arschloch sein und irgendwie kamen wir ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass Stella nicht nur gut aussah, sondern auch eine tolle Gesprächspartnerin war. Und so unterhielten wir uns die ganze Nacht, und na ja, dann ging alles so schnell, dass sie am nächsten Morgen in meinem Bett aufwachte.

Mittlerweile sind Stella und ich schon vier Jahre zusammen, doch jedes Mal, wenn ich sie ansehe, muss ich an Haylie denken. Ich weiß, dass es falsch ist, doch ich kann nichts dagegen tun. Ich liebe Stella, aber sie ist eben nicht Haylie. Immer, wenn mir das bewusst wird, bekomme ich Angst. Stella hat es verdient, geliebt zu werden, und ich möchte sie auf keinen Fall verletzen.

Seit der Veröffentlichung meines Romans plagt mich das schlechte Gewissen wegen dieser verdammten Widmung. Stella habe ich in dem Glauben gelassen, Haylie sei meine verstorbene Urgroßmutter. Sie weiß nichts von Haylies und meiner Geschichte. Weil ich Angst habe, dass sie mich auch noch verlässt und ich dann für immer allein sein werde. Seit der Trennung leide ich unter Verlustängsten, daher darf ich Stella um keinen Preis verlieren. Es sei denn, Haylie käme zu mir zurück, doch das wird vermutlich nie passieren. Wer weiß, ob sie mein Paket überhaupt geöffnet hat. Vielleicht hat sie mich schon längst vergessen …

Kapitel 1

Ricky

Findest du, dass ich in dem Kleid dick aussehe?“ Stella sieht mich mit einem verzweifelten Blick an, der mir vermittelt, ich solle auf keinen Fall etwas Falsches sagen. Ich bin ehrlich, ich hasse solche Fragen. Sie sieht gut aus, verdammt gut, und das weiß sie eigentlich auch.

„Nein, überhaupt nicht, das Kleid sieht echt toll aus“, erwidere ich.

„Wirklich? Ich bin mir so unsicher …“

„Dann zieh halt ein anderes an“, entgegne ich schulterzuckend.

Genervt stöhnend verlässt sie den Raum und verschwindet im Schlafzimmer, wo sie allem Anschein nach einem anderen Kleid sucht.

Ich verstehe sowieso nicht, warum sie sich die Mühe macht, so ewig nach dem perfekten Outfit zu suchen, obwohl wir nur ins Kino gehen wollen. Stella hat überhaupt keinen Grund, nervös zu sein. Ganz im Gegensatz zu mir.

Das letzte Mal im Kino war ich mit Haylie, damals in New York, als alles noch gut war. Seitdem habe ich einen riesigen Bogen um alle Kinos gemacht aus Angst, sie könnten mich zu sehr an Haylie erinnern. Aber da Stella nichts von der ganzen Sache weiß und ich mich nicht auf ewig aus der Affäre ziehen konnte, habe ich zugestimmt, als sie heute Morgen fragte, ob wir ins Kino gehen wollen, weil scheinbar irgendein Romance-Film laufen soll, den sie unbedingt sehen will. Und nun sitze ich hier und sterbe vor Aufregung.

„Wir können los.“ Stella tritt etwas verunsichert aus dem Schlafzimmer hervor. Sie hat sich für ein schwarzes, knielanges Etuikleid entschieden und sieht wahnsinnig sexy darin aus. Und ihr unsicheres Lächeln erinnert mich wieder an …

„... dass der Film für einen Oscar nominiert wurde? Also muss er einfach gut sein!“

Dank Stellas beinahe ununterbrochenem Redefluss werden meine Gedanken an Haylie in den Hintergrund gedrängt. Und das ist auch gut so, rede ich mir ein.

Im Kino herrscht ein reges Treiben und nachdem wir uns Popcorn geholt haben - Stella Süßes und ich Salziges - setzen wir uns auf unsere Plätze in der letzten Reihe.

Der Film ist schnulziger, als ich erwartet hatte, und Stella lehnt verträumt ihren Kopf an meine Schulter. Inmitten dieser ganzen Liebespärchen und beim Anblick dieses übertrieben kitschig-romantischen Films fühle ich mich mit einmal sehr unwohl. Bilder von meinem letzten Kinobesuch tauchen vor meinem geistigen Auge auf. Bilder von Haylie, wie sie mich mit ihrem verträumten Blick in den Bann zieht. Haylie, wie sie mich anlächelt, als gäbe es nur mich auf der Welt. Haylie, wie sie meine Hand hält. Es ist immer wieder Haylie.

Noch nie habe ich mich so sehr auf den Abspann gefreut wie jetzt, denn endlich ist diese qualvolle Tortur vorbei.

„Der Film war sooo schön, fandest du nicht auch?“, fragt Stella begeistert.

Ja, ganz toll, diese ekelhaft kitschige Schnulze, in der mich jede verdammte Szene an meine Ex erinnert hat. Könnte nicht schöner sein.

„Ja, war cool.“

„Ich würde ihn am liebsten gleich nochmal sehen!“ Bloß nicht …

„Einmal reicht mir“, erwidere ich mit einem nervösen Lachen, doch so schnell gibt Stella nicht auf.

„Ach, komm schon! Bitte, bitte, bitte …“

„Baby, ich habe nachher noch ein Meeting mit meinem Lektor wegen meines nächsten Romans. Aber du kannst gerne nochmal ins Kino gehen, wenn du magst. Hier.“ Ich reiche ihr zwanzig Dollar und sie seufzt, gibt sich aber schließlich damit zufrieden und drückt mir einen kurzen Abschiedskuss auf die Lippen, bevor sie wieder im Kino verschwindet.

Das mit dem Meeting war gelogen. Das mit dem zweiten Buch auch. Vorerst zumindest. Weil ich keine Inspirationsquelle mehr habe, aus der ich schöpfen kann. Haylie war die Inspiration für meinen ersten Roman, aber seit sie aus meinem Leben verschwunden ist, gehen mir die Ideen aus. Sehr zur Enttäuschung meines Lektors, der mich ständig dazu drängt, ein paar Seiten zu schreiben. Doch egal, wie oft ich es versuche, es kommt nichts Gutes dabei heraus.

Ich fühle mich schlecht damit, Stella so oft anzulügen. Aber ich kann ihr nicht die Wahrheit sagen, sonst riskiere ich eine weitere Trennung und noch mal überlebe ich sowas nicht. Zu gern würde ich mit jemandem darüber sprechen, doch der einzige Freund, den ich hier vor Ort habe, ist Ray und von ihm kann ich mir nur wieder doofe Kommentare anhören. Außerdem steht er auf Stella und wenn ich ihm unter die Nase reiben würde, dass ich sie womöglich nicht genug liebe, würde er sich wahrscheinlich ohne Rücksicht auf Verluste auf sie stürzen.

Seufzend mache ich mich auf in die nächstgelegene Bar. Früher habe ich nie Alkohol getrunken, doch seit der Trennung trinke ich ab und an. Okay, vielleicht auch mehr als nur ab und an.

Ich betrete die Bar und gehe zielgerichtet zu meinem Stammplatz, einem eingesessenen Barhocker mit braunem Kunstlederbezug und Metallbeinen, bei denen schon die Lackierung abblättert.

„Hi, Ricky, was darf’s denn sein? Das Gleiche wie immer?“, begrüßt mich Johnny, der Barkeeper, der nicht nur gleichzeitig der Besitzer meines Stammlokals, sondern auch Rays Vater ist.

„Ja, das Gleiche wie immer …“, entgegne ich gedankenversunken.

Eine Minute später reicht Johnny mir den Scotch und ich trinke das Glas in einem Zug leer.

„Noch einen, bitte.“

So geht es den ganzen Abend lang. Ich trinke die Gläser aus, als wären sie mit Wasser gefüllt, und Johnny schenkt mir nach. Bis ich irgendwann fast vom Hocker kippe. Als ich bemerke, dass ich mich kaum noch aufrecht halten kann, verabschiede ich mich und mache mich auf den Heimweg.

Ich bin zu betrunken, um darüber nachzudenken, was ich tue. Also hole ich mein Handy hervor und öffne Instagram, suche Haylies Profil und sende ihr eine Sprachnachricht.

Kapitel 2

Haylie

Völlig in meine Arbeit versunken sitze ich an meinem Schreibtisch und schreibe an einem neuen Kapitel. Nachdem mein zweites Buch ein Bestseller wurde, bat mich der Verlag, an einem neuen Projekt zu arbeiten, für das ich nur noch ein halbes Jahr Zeit habe. Und nachdem ich eine Runde meditiert habe und in mich gegangen bin, hatte ich plötzlich eine richtig gute Idee im Kopf, die ich natürlich sofort zu Papier - oder in meinem Fall zu PC - bringen musste.

Ich lausche dem sanften Plätschern des Regens, der an die Fensterscheibe prasselt, und stelle mir vor, genau diesen Moment einzufangen und niederzuschreiben.

Doch plötzlich holt mich ein Vibrationsgeräusch in die Realität zurück und meine Kreativitätsphase verebbt. Genervt ausatmend werfe ich einen Blick auf mein Handy, denn jetzt ist es sowieso zu spät.

Scheinbar hat mir wieder irgendjemand auf Instagram geschrieben. Seit ich Bestsellerautorin bin, bekomme ich täglich unzählige Nachrichten, glücklicherweise überwiegend positive. Und obwohl ich nie alle sofort lese, weil es einfach zu viele sind, erweckt eine Nachricht in meinem Posteingang meine Aufmerksamkeit.

Als ich seinen Namen lese, beginnt mein Herz sofort zu rasen.

Ricky Emper.

Zitternd öffne ich den Chat. Noch nie zuvor hat er mir seit unserer Trennung geschrieben. Seit fünf Jahren haben wir keinerlei Kontakt mehr und obwohl ich anfangs noch sehr oft an ihn dachte, änderte sich das irgendwann. Das Leben musste weitergehen und ich war felsenfest davon überzeugt, damals die richtige Entscheidung für uns beide getroffen zu haben. Bis ich vor ein paar Tagen dieses Buch mit der Post erhielt, auf dem sein verdammter Name stand. Weil er es geschrieben hat. Für mich.

Verwundert betrachte ich den Chatverlauf. Er hat nichts geschrieben, stattdessen finde ich dort eine Sprachnachricht.

„Hayliieeee … ich halte das nicht mehr länger aus! … Weißt du, es sind jetzt fünf Jahre … FÜNF JAHRE! … und ich vermisse dich jeden Tag mehr und denke ständig an dich. Wir müssen uns sehen, bitte, Haylie … ich liebe dich immer noch wie damals und brauche dich in meinem Leben! Bitte …“

Fassungslos starre ich auf das Display. Spiele die Nachricht erneut ab. Und noch mal. Und noch mal. Aber Rickys Worte ändern sich nicht. Und auch, wenn mir bewusst ist, dass er betrunken ist, weiß ich umso mehr, dass Betrunkene immer die Wahrheit sagen.

Also antworte ich, ohne weiter nachzudenken.

Wenn du mich sehen willst, ich bin am Donnerstag aus beruflichen Gründen in Palm Beach.

Lass uns achtzehn Uhr vor Valerie’s Bookshop treffen.

Ohne Emojis, prägnant und nüchtern sende ich die Nachricht ab. Und als ich sehe, dass er sie gelesen hat, überkommt mich das Gefühl, gerade einen riesigen Fehler gemacht zu haben. Man trifft sich doch nicht mit seinem Exfreund, oder?

Als keine Antwort mehr zurückkommt, lege ich das Handy beiseite und mir wird schlecht. Was, wenn Ricky nicht mehr der Ricky ist, den ich kenne? In fünf Jahren kann man sich sehr verändern, und schließlich habe auch ich mich verändert. Aber nun gibt es kein Zurück mehr. Und selbst, wenn es nicht so gut laufen sollte, bin ich sowieso zwei Tage später wieder in New York. Ich habe nichts zu verlieren, solange ich distanziert genug bleibe.

Kapitel 3

Ricky

Stöhnend und mit pochendem Schädel wache ich auf. Mir ist kotzübel und sobald ich die Augen öffne und das grelle Tageslicht mich blendet, kneife ich sie sofort wieder zusammen. Nach ein paar Minuten öffne ich sie langsam wieder und blicke in Stellas wütendes Gesicht.

„Von wegen, du hattest einen Termin mit deinem Lektor! Oder ist das eure Arbeitsmoral - gemeinsames Komasaufen?“

Stellas Stimme ist viel zu laut, wodurch mein Kopf augenblicklich noch heftiger zu pochen beginnt. Ich würde zu gern antworten und mich rechtfertigen, aber es gibt keine Rechtfertigung für mein Verhalten. Das weiß ich selbst.

„Sorry …“, mehr bekomme ich nicht über die Lippen, weil meine Kehle wie Feuer brennt.

„Sorry?! Mehr nicht? Nicht mal eine Erklärung bin ich dir wert? Ganz ehrlich, ich weiß nicht, warum du mich derart angelogen hast und vor allem, warum du dich einfach unter der Woche betrinkst, aber es kann so nicht weitergehen! Ich war immer ehrlich zu dir, aber du bist so oft gar nicht richtig bei der Sache, hörst mir kaum noch zu, wenn ich mit dir rede und …“

Übelkeit überkommt mich und ich kann mich glücklich schätzen, dass Stella scheinbar wenigstens ein kleines bisschen Mitleid mit mir hatte und einen Eimer neben unserem Bett platziert hat. Hastig greife ich danach und kotze mir die Seele aus dem Leib.

„Ich lasse dich dann besser mal allein. Wenn du irgendwann in der Lage bist, das Bett zu verlassen und bereit für ein Gespräch bist, lass es mich wissen.“ Mit diesen Worten verlässt Stella die Wohnung. Ich habe keine Ahnung, wohin sie geht, aber bestimmt zu einer ihrer unzähligen Freundinnen, um über mich zu lästern. Haylie war nie so …

Plötzlich durchfährt es mich wie ein Blitz, weil ich eine leise Ahnung habe, dass ich gestern irgendwas Unüberlegtes getan haben könnte. Also öffne ich Haylies Instagram-Profil und …

„Oh, fuck! FUCK!!!“, fluche ich. Ich habe ihr eine verdammte Sprachnachricht geschickt! Betrunken, nach fünf Jahren Funkstille. Und sie hat geantwortet. Sie will sich in zwei Tagen mit mir treffen.

Ach.

Du.

Scheiße.

Panik macht sich in mir breit. Seit Monaten habe ich dieses Gefühl immer wieder verdrängt, das sich immer dann zu Wort meldet, wenn ich an Haylie und unsere gescheiterte Beziehung denke. Doch je mehr ich versuche, die Panik in mir zu unterdrücken, umso stärker versucht sie mit aller Macht, an die Oberfläche zu gelangen.

Atmen.

Ich muss atmen.

Ein. Und aus. Und ein. Und aus.

Hastig springe ich auf und gehe ein paar Schritte durch die Wohnung, um mich irgendwie zu beruhigen. Vielleicht wird es ja ganz nett.