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In diesem Buch erzählt der Autor Eric Chapmann die Geschichte von Thomas Zenger, der in Nürnberg geboren wurde und in Eckental (Mittelfranken) aufwuchs. In dieser Biographie schildert er alle Höhen und Tiefe seines Lebens, seine vielen Begegnungen und Erlebnisse. Die eigenwillige, stellenweise mundartgeprägte Erzählweise wird den Leser fesseln, ihn zum Nachdenken, Lachen, Träumen oder auch vielleicht zum Weinen anregen. Das Leben von Thomas Zenger: eine Komödie, eine Tragödie und doch auch eine unheimlich schöne "Cinderellastory", wie sie nur das wahre Leben schreiben kann. Mit "WHEN YOUR DREAMS ARE FALLING IN THE DUST – Wenn das Leben Wellen schlägt" möchte der Autor den Leser dazu bringen, für einen kurzen Moment innezuhalten, um einmal wieder zu realisieren, was um ihn herum passiert und vielleicht wieder mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Dieses Buch möchte unterhalten, zum Nachdenken anregen, zeigen, dass das Leben trotz allem immer weitergeht, und trösten. Vielleicht hilft es ein wenig, sich zu besinnen und sich wieder auf die wahren Werte, die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Denn Leben ist, was einem begegnet, während man auf seine Träume wartet.
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Seitenzahl: 708
Veröffentlichungsjahr: 2013
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When your dreams are falling in the dust
Wenn das Leben Wellen schlägt
Eric Chapmann
Ein Buch aus dem WAGNER VERLAG
Lektorat: Hilke Bemm, Affing
Umschlaggestaltung: A. Königseder
Titelfoto: A. Königseder
1. Auflage
ISBN:978-3-86683-893-5
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
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im Internet überhttp://dnb.d-nb.deabrufbar.
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Zum Wartturm 1, 63571 Gelnhausen.
© 2011 by Wagner Verlag GmbH, Gelnhausen
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Das neue Jahr war erst wenige Tage alt, dennoch hatte das verschneite, fast schon an ein Wintermärchen erinnernde Frankenland seinen ersten Todesfall zu beklagen.
Einige Krähen zogen am Himmel, der ein tristes fast schon schmutziges Grau trug, und ließen sich auf den nackten, kahlen Ästen der Bäume nieder. Vereinzelte Schneeflocken tanzten verloren durch die Luft. Langsam, aber bestimmt bahnte sich die eisige Kälte ihren Weg durch die Mäntel der Anwesenden auf dem Friedhof. Es war nur eine kleine Trauergemeinde, die dem verstorbenen die letzte Ehre erwies, dennoch war diese Beisetzung eine der außergewöhnlichsten, der ich je beiwohnen durfte.
Die Predigt des Pfarrers fiel sehr ausführlich, würdevoll und für meinen Geschmack etwas zu lang aus. Zu meinem Erstaunen wurde nicht wie gesungen. Nur der Posaunenchor spielte an vorgegebenen Stellen erst „One Moment in Time“, später „True Colors“ und beim Ausmarsch, als der schwere dunkelbraune Massivholzsarg mit den glänzenden Messinggriffen, von dem gut zwei Drittel durch ein gewaltiges Bouquet aus dunkelroten Rosen und weißen Lilien verdeckt wurden, zum Grab eskortiert wurde, erklang: „I will always Love You“.
Die Anwesenden schienen merklich ergriffen, da es sich um die Lieblingsstücke des Verstorbenen handelte, die eine sehr große Bedeutung in seinem Leben gehabthatten. Wir bekundeten den Hinterbliebenen unser Beileid, dann löste sich die Trauergemeinde langsam auf. Auch für mich war es nun an der Zeit, dieses Kapitel abzuschließen und nach Hause zu fahren.
Doch Manchmal kommen Sie wieder, was auch ich einige Wochen später feststellen musste, als auf einmal ein Buch mit dem Titel: „Zenger – Always & Forever“ für Furore sorgte und Herrn Zenger, den wir ja beerdigt hatten, zu einem sagenhaften Comeback verhalf.
Die Kritiker überschlugen sich, da es so etwas in dieser Form noch nie gegeben hatte, und Zenger, der nun in aller Munde war, erreichte das letzte Ziel, welches er sich zu Lebzeiten gesetzt hatte.
Nun war die ganze Wahrheit Schwarz auf Weiß für jedermann erhältlich, und schnell verstummten die Spekulanten sowie jene, die haltlose Gerüchte und Vermutungen in die Welt gesetzt hatten.
Dieser Mann schaffte es, mich sowie viele andere sogar noch nach seinem Tod zu überraschen, denn niemand wusste, dass sich in einem der drei Ordner auf seinem Regal seine wahre Geschichte verbarg. Diesmal keine erfundene, geschönte, aus den Fingern gesogene Cinderella-Story.
Nein, eine wahre Erzählung, die das Leben schrieb, nach dem Motto: Der böse Wolf brennt mit der Großmutter durch und zündet vorher den Wald an!
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Aus daten- und personenschutzrechtlichen Gründen wurden alle Namen der beteiligten Personen geändert.
Ich bin Eric Chapmann und wünsche Ihnen gute Unterhaltung bei der Lebensgeschichte: „ZENGER –Always & Forever“, die ich Ihnen nun erzählen möchte.
Seit 15 Jahren bin ich nun schon als Anstaltspfarrer bei einer Justizvollzugsanstalt in Mittelfranken beschäftigt. Mancher fragt sich jetzt wohl, wie man an so einem unwirklichen Ort wie einem Gefängnis über so viele Jahre arbeiten kann. Sicher, es ist kein Traumjob, aber der Mensch findet sich mit so vielem im Leben ab, außerdem hatte ich hier ja eine Aufgabe zu erfüllen. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit lag darin, den Insassen seelischen – manchmal auch moralischen Beistand zu leisten. Was im Gottesdienst, bei Gesprächs- beziehungsweise Bibelkreisen und Einzelbesuchen auf Verlangen einzelner Gefangener umgesetzt wurde.
Es muss in der Vorweihnachtszeit gewesen sein, als ich auf meinen Streifzügen durch die Gänge der JVA jemanden in einem der Hafträume einen wie er es nannte „Schwank aus seiner Jugend“ erzählen hörte. Hier wurde gelacht, gejohlt, ausgelassene Stimmung herrschte, keine Spur vom tristen Knastalltag, und es wurde um eine Tafel Schokolade gewürfelt.
Diese drei waren ein nicht alltägliches Bild, da sich die meisten der Häftlinge eher zurückziehen und auf ihren Zellen lieber diverse Talkshows verfolgen. Egal, wann ich in diesem Gang an diesem Haftraum vorbeikam, hier waren Stimmung und Party angesagt. Die Würfel flogen und eine Geschichte, die offensichtlich aus dem richtigen Leben stammte, jagte die nächste. Sie wurden stets vom selben Häftling mit voller Begeisterung und Hingabe erzählt, diese wie er sagte “Crazy Little Memorys“. Sein Repertoire schien unerschöpflich, und er war ein Meister was Mimik und Gestik betraf, mit denen jener Gefangene manche Passagen unterlegte. Mich faszinierte diese unglaubliche Leichtigkeit, fast wie bei einem Schauspieler auf der Bühne, mit der er die anderen beeinflusste, manipulierte und allen suggerierte, was sie gut zu finden hatten oder was nicht. Allerdings beeindruckte mich auch seine Einstellung, die er allen unverblümt aufs Auge drückte, frei nach dem Motto: Wenn dir nicht passt, was ich sage, dann schwirr ab!
Da ich an diesem Nachmittag nicht in Eile war, stand ich neben der Tür und hörte dem munteren Treiben zu. Kurz darauf machte der Geschichtenerzähler eine Pause, und die Titelmelodie eines Films lief im Hintergrund, als einer der drei meinte: ,Boah, geil, das kenn ich. Das sind Survivor!
Der Zweite darauf: ,Ja, the Weiber!
Beide lachten kurz über diesen Gag bis der Dritte, also der Geschichtenerzähler, der die anderen ungläubig ansah, feststellte: ,Du bist ja vielleicht ein abgefucktes Arschloch! Nein, ein hässliches, unwürdiges, dummes, abgefucktes Arschloch! Survivor? Tut so viel Blödheit nicht weh? Ey Alter, das ist America mit The last unicorn, die haben auch A horse without no name gesungen. Halt doch einfach dein Maul wenn du schon rein gar nix weißt, oder!
Er schüttelte den Kopf.
Der andere fügte hinzu: ,Du bist ja so blöd, ey, Amerika, des weiß man doch!
Ein finsterer Blick traf auch ihn: ,Sei du mal ganz ruhig! Du kleiner, drogensüchtiger Stricher bist ja noch blöder als der hier, also halt dein Maul und würfel endlich!
Das Spiel ging weiter, als ob nichts gewesen wäre, denn jetzt waren ja auch alle durch den Geschichtenerzähler informiert, was Sache ist. Offensichtlich schien dieser zu gewinnen, denn als ich in die Tür trat und meinte: ,Hier geht’s ja zu wie im Casino. Wer gewinnt? sah er mich nur kurz an und meinte zu seinen Jungs: ,Oh, habt ihr Tunten schon den Pfarrer für eure Beerdigung bestellt?
Alle Blicke waren auf mich gerichtet, alle schwiegen und er wendete sich mir zu: ,Na, Pastor, hast du dich verlaufen, wartest du auf den Bus oder willst du uns vielleicht bekehren? Wenn Letzteres, kein Bedarf! Ach ja, das hier ist eine Privatparty–und Tschüss!
Mit diesen Worten hat er mich voll abblitzen lassen, also zog ich es vor, zu gehen.
Nachdem sich die Würfelrunde kurz vor dem Einschluss auflöste, kam einer der beiden Mitspieler zu mir und klärte mich auf: ,Machen Sie sich nichts daraus, der Zenger hat gerade eine Trennung hinter sich, dann war heute so ein Tag, wo alle mit ihren Problemen zu ihm gerannt sind, weil er ja in der Gefangenenmitverantwortung der Sprecher für unser Haus ist und als Vorarbeiter in einem Saal mit dreißig Verrückten hat er es auch nicht gerade leicht.
Ich nickte zustimmend, und er fuhr fort: ,War eben ein schlechter Zeitpunkt, sonst ist er nicht so drauf. Ein Tipp von mir: Wenn du mit ihm über Gott oder die Kirche reden willst, dann lass es lieber. Thomas Zenger sagt von sich selbst: Ich suche mir aus verschiedenen Glaubensrichtungen das heraus, was mir gefällt, wie zum Beispiel. Ostern, Hanukkah, Weihnachten und so weiter. Alles andere tut er ab mit Worte wie: Ich glaube nur an das, was ich sehen, spüren oder anfassen kann, und alles, was dazwischen liegt, mag eine schöne Metapher sein, aber auch nicht mehr.
Er sah mich erwartungsvoll an und ich fragte: ,Wie kommt man denn zu dieser Einstellung? Ich meine, er ist höchstens dreißig, aber mit Sicherheit nicht älter.
Darauf er: ,Thomas ist siebenundzwanzig Jahre alt. Draußen war er ein Selbstständiger und hat schon einiges durchmachen müssen. Hm ... ein Lächeln machte sich in seinem Gesicht breit und er fuhr fort ,letzte Woche hatten wir eine Diskussion mit ihm über das Christkind und den Weihnachtsmann beziehungsweise die die wahre Figur des Weihnachtsfestes ist. Was er gesagt hat, war sehr ergreifend, da Thomas uns durch diese Aussage die für ihn wahre Bedeutung von Weihnachten vor Augen hielt, die wir längst vergessen hatten. Ich glaube, er sagte es ungefähr so: Für mich ist es egal, ob Santa Claus, der Weihnachtsmann oder das Christkind das echte Symbol der Weihnacht ist. Alle drei, so verschieden sie auch sind und interpretiert werden, tragen doch dieselbe Botschaft in sich. Vielleicht glaube ich nicht an viel, aber trotzdem bin ich überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod und einen Gott gibt. Weil die Menschen schon damals unfähig und selbstzerstörerisch waren, tat Gott in seiner unermesslichen Güte ein Wunder, um für die Menschheit ein Zeichen zu setzen und um sie wieder auf den rechten Weg zurückzubringen. Am vierundzwanzigsten Dezember wird der Welt der Retter und Erlöser durch die Jungfrau Maria geboren. Gottes Sohn, der Messias, als Zeichen des Friedens, der Liebe und Hoffnung für die Menschen auf Erden. Ähm ...
Offensichtlich hatte er hier den Faden verloren und kam ins Stocken, als plötzlich aus dem Hintergrund zu vernehmen war: ,Und was macht die Menschheit mit dem Sohn Gottes ihrem Erlöser? Sie nageln ihn ans Kreutz in ihrer unergründlichen Stumpfsinnigkeit.
Hinter uns lehnte Herr Zenger an der Wand und führte die Erzählung fort: ,Vielleicht sind uns damals unsere Sünden vergeben worden, aber was ist noch übrig von Freude, Frieden, Liebe und Hoffnung?
In Zeiten von Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Aids, Krieg, Amokläufern und Kindesmissbrauch? Die Menschheit richtet sich selbst zugrunde, ohne es zu merken. Weil es früher schon schwer war, einfach an etwas zu glauben, schufen sie sich vor langer Zeit Figuren. Symbole der Weihnacht, die die Sehnsüchte, Erinnerungen, Wünsche, Hoffnungen und Träume der Menschen in sich trugen.
Wieso brechen bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes, wenn ein Mädchen als Nürnberger Christkindl, einem Symbol für das Gute in der Welt, seinen Prolog spricht, Menschen aller Altersgruppen vor Freude oder auch Ergriffenheit in Tränen aus? Hatte Gott, der allmächtige Vater, nicht seinen Sohn, einen Jungen zu den Menschen geschickt?
Was haben der Weihnachtsmann, Santa Claus und seine Rentiere damit zu tun? Sie sind alle die Boten der Weihnacht. Jener Nacht, in der der Welt der Retter geboren wurde. Zeugen der Geburt von Gottes Sohn, dem höchsten Fest aller Christen überall auf der Welt. Sie wecken Erinnerungen in den Menschen, bringen ihnen Freude und Zuversicht, lassen sie wieder glauben und hoffen. Weihnachtliche Figuren als Sinnbilder höchster Reinheit und der Gnade Gottes, als Träger der Sehnsüchte, Wünsche und Träume der Menschheit. Santa Claus, Weihnachtsmann oder Christkind–jeder überbringt auf seine Art und Weise die Botschaft und den Geist der wahren Weihnacht an jene, die an sie glauben. Denn wenn die Menschheit eines Tages aufhört oder nicht mehr fähig sein wird, zu hoffen oder an etwas zu glauben, dann ist sie zur ewigen Verdammnis bestimmt und auf alle Zeit verloren.
Mit diesen Worten endete Herrn Zengers Erzählung. Er schlenderte zufrieden in seine Zelle und schloss die Eisentür hinter sich.
So langsam wurde es spannend für mich, also nahm ich mir vor, herauszufinden, warum Herr Zenger, der so gar nicht in das Bild dieser JVA passte, hier war. Wobei einige der sonst so üblichen Haftgründe in diesem Fall von vornherein für mich auszuschließen waren.
Er sah nicht aus wie einer, der mit Drogen, Betäubungsmitteln und deren Konsumenten zu tun hatte, für so was war sich Herr Zenger eindeutig zu fein. Körperverletzung schloss ich auch aus, da er sich mit Sicherheit nicht selbst die Hände schmutzig machen würde. Diebstahl oder Schwarzfahren auch eher unwahrscheinlich für ein solches Format.
Alle meine Vermutungen ließen sich auf keinen Fall dieser Person zuordnen, da jede Logik dagegen zu sprechen schien, also sah ich mich gezwungen, die Initiative zu ergreifen und mit ihm zu reden.
Hier siegte meine Neugierde, aber ob ich dazu auch die nötige Courage haben würde? Das würde sich zeigen.
Am Tag danach sollte es dann so weit sein. Ich wartete im Gang, bis Herr Zenger von der Arbeit aus dem Betrieb kam, und fragte, ob er vielleicht etwas Zeit für mich hätte, da ich mit ihm reden wolle.
Ein musternder Blick traf mich, gefolgt von: ,Oh, Pfarrer, wenn du mir jetzt die Story von deiner Kirche, der Bibel oder Gott erzählen willst, das läuft bei mir nicht!
Dann ließ er mich eiskalt stehen und verschwand in seiner Zelle.
Das konnte ich mir nun wirklich nicht bieten lassen, folgte ihm und meinte: ,Erzählen Sie mir doch mal eine Geschichte, zum Beispiel, warum Sie hier sind.
Was schon recht mutig war, denn der ein Meter neunzig große und locker über hundert Kilo schwere, dunkelhaarige Typ mit Schnauzbart, der nun mit dem Rücken zu mir stand, hätte sich auch umdrehen und mir ohne Vorwarnung eins auf die Fresse geben können.
Spannung lag in der Luft. Er blieb mit dem Rücken zu mir stehen und seufzte: ,Warum schaust du nicht einfach in meiner Akte nach oder fragst so eine dumme Wachtel hier vom Haus?
Dieses Thema schien ihn offensichtlich zu langweilen, also sagte ich: ,Okay, dann erzählen Sie mir eine andere Geschichte.
Herr Zenger drehte sich zu mir um, zündete sich eine Zigarette an und sagte: ,Ja, genau. Ich steh früh um sechs Uhr auf, geh um Viertel vor sieben auf Arbeit, zieh mir mittags den Schlangenfraß hier rein, halb fünf am Nachmittag ist Feierabend, zwanzig Uhr ist Einschluss und um dreiundzwanzig Uhr geh ich ins Bett, wie jeden Tag. Noch Fragen, oder war´s das? und schaute mich erwartungsvoll an.
,Ich meinte eine Geschichte aus Ihrem Leben draußen.
Er schmunzelte. ,Was ist denn mit dir los? Hast du selber kein Leben, oder warum willst jetzt unbedingt was aus meinem hören? Packst du das überhaupt, wenn ich dir mal erzähl, was da wirklich abgegangen ist? Nicht, dass du noch Alpträume bekommst oder nachts nicht mehr schlafen kannst.
Im Radio lief ein Titel, der bei Herrn Zenger den Ausspruch: ,Oh geil, PCD-Hush; Hush! hervorbrachte.
Er spielte mit mir, hatte sichtlich Freude an meiner Unsicherheit, die er offensichtlich zu spüren schien.
Also fing ich an: ,Wissen Sie, ich bin ehrlich und bewundere Ihre Einstellung. Sie haben sicherlich schon einiges in Ihrem Leben mitgemacht, haben also etwas zu erzählen, und das würde ich gerne hören, oder ist das ausschließlich Ihren Kollegen vorbehalten?
Er drückte die Zigarette aus, sah aus dem Fenster. ,Es schneit wieder.
Er überlegte eine Weile und sagte dann: ,Das wäre ja gar nicht mal so dumm. Okay, morgen um neunzehn Uhr, du bekommst eine Stunde, und ich erzähl dir mal ein bisschen was.
Sein Gesicht verfinsterte sich wieder. ,Noch ein Tipp: Sei pünktlich, und jetzt raus hier, ich geh jetzt duschen!
Diese etwas schroffe Art, mich loszuwerden, kam mir eigentlich ziemlich recht, schließlich hatte ich eine Zusage, also genau das, weswegen ich gekommen war.
Wie es eben so ist, wenn man sich auf etwas freut, verging die Zeit am Tag darauf extrem langsam. Es muss einer der längsten Tage in der Geschichte der Menschheit gewesen sein, und es dauerte noch so lange.
Entweder hatte ich heute wirklich vergleichsweise wenig zu tun oder erledigte alle meine Termine und Aufgaben extrem schnell. Aber egal, kurz vor neunzehn Uhr machte ich mich auf den Weg.
Auf dem Gang herrschte ein reges Treiben und da Herr Zenger nicht in seinem Haftraum war, fragte ich einen Mitgefangenen, wo er sich wohl aufhalten würde.
Dieser antwortete kurz: ,Na, wo wird der wohl sein? Der ist in der Küche und verarscht unsere zwei Fetten und ging weiter.
Tatsache! Er saß in der Küche auf einem Tisch, was mich irgendwie an meinen fünfjährigen Sohn erinnerte, der dies auch mit Vorliebe tat, und meinte: ,Jetzt ist mir wieder eingefallen, an was ihr zwei mich erinnert! Kennt ihr den Film: King Kong und Godzilla zerstören Tokio?
Alter, ich schwör, wenn ich so fett wäre wie ihr, was ich ja Gott sei Dank nicht bin–ich mein, ich bin ja auch fett, aber ned so fett wie ihr!
Das ist überhaupt der Hammer, wie ihr durch die Gegend rennt, eure Outfits fallen ja schon unter sexuelle Belästigung! Ich würd‘ ja nicht so rumlaufen, aber weil ich ja nicht so bin, geb ich euch ‘nen Tipp: Wenn ihr schon so absolut sexy rumrennen müsst, dann besorgt euch wenigstens mal ‘nen BH oder besser gleich zwei!
Dies schien ihm zu gefallen, und nach einem flüchtigen Blick auf seine Uhr stellte er fest: ,Oh, schon so spät! Ich muss los, hab noch ein Date und für euch zwei: Zieht doch mal Klamotten in eurer Größe an, falls die auf diesem Planeten überhaupt verfügbar sind.
Also, Leute, ich muss los! Tschaui- Waui!
Er sprang vom Tisch und verschwand laut lachend in seiner Zelle.
Nach einem kurzen Klopfen an der Tür meinerseits war zu vernehmen: ,Wir kaufen nichts–wir haben schon alles! und als ich eintrat entgegnete mir ein äußerst gut gelaunter Herr Zenger: ,Ach, du bist‘s und pünktlich noch dazu. Ich finde ja, Zeit beziehungsweise Pünktlichkeit ist ein sehr guter Indikator für Zuverlässigkeit, und so was schätze ich sehr. Kaffee?
Ich nahm auf dem Bett Platz. ,Ja, gerne und sah mich um.
Herr Zenger meinte: ,Bin gleich wieder da, ich muss nur schnell ‘ne zweite Kaffeetasse besorgen! und schon war er verschwunden.
Nicht dass ich etwas anderes von ihm erwartet hätte, aber diese Zelle war nicht nur ordentlich, sondern auch so sauber, dass sie fast schon steril wirkte.
Ein Hauch von Zitrone lag in der Luft und vermischte sich langsam mit dem Duft des frisch gebrühten Kaffees auf dem Tisch.
Auf dem Wandregal standen drei Ordner, sechs mit verschiedenen Motiven beklebte Tabakdosen, die wie bei einer Wurfbude auf der Kirmes aufgetürmt waren, darunter Servietten mit weihnachtlichen Motiven, daneben ein Würfelbrett mit Becher. Neben dem Fernseher eine sagen wir „Auswahl“ an Duschgels, rechts daneben das Modell einer Villa aus Karton mit großen, angedeuteten Glasflächen, gelber Fassade, grünen Balkonen, Garagentoren und Dächern.
Die meisten der Zellen, die ich von meinen Besuchen her kannte, waren trist, schmutzig, nur mit dem Nötigsten bestückt, und die kahlen Wände sowie die komplette Zelle strahlte eine – nennen wir es Trostlosigkeit aus.
Nicht so hier, hier wurden Kreativität und Improvisationstalent gezeigt. Herr Zenger legte offensichtlich sehr viel Wert auf das Erscheinungsbild seines Haftraums. Alles hatte hier seinen Platz, machte einen sauberen, gepflegten, fast schon gemütlichen Eindruck.
Als ich mich der sehr reichlich und sehr eigenwillig dekorierten Pinnwand zuwenden wollte, kam Herr Zenger mit der Kaffeetasse zurück. Er setzte sich, schenkte den Kaffee ein, lächelte kurz und sagte: ,So, jetzt hast du sie dir angeschaut, aber hast du auch die Aussage der Bilder beziehungsweise der kompletten Pinnwand verstanden?
Ich überlegte kurz: ,Naja, wie es aussieht, sind Sie ein Autofan, und die Postkarten werden wohl von Freunden und Ihrer Familie sein.
Nach einem kurzen Nicken zündete er sich eine Zigarette an. ,Und weiter?
Das war mir jetzt fast schon peinlich, denn egal wie sehr ich mich auch bemühte, diese Bilder anzuordnen, um ihre Aussage zu finden, es gelang mir einfach nicht.
,Hm, ich fürchte, da müssen Sie mir helfen. Für mich ergibt das keinen Sinn, weil manche Bilder einfach nicht zusammenpassen. Okay, dass das alles koreanische und japanische Pkw sind, ist klar. Lucy von den Peanuts, auch klar. Der heilige Bonifatius neben der nackten Tatiana Gsell oder hier die heilige Familie und darunter ein Bild von Pamela Anderson, die lediglich einen Hauch von nichts trägt! Mag wohl sein, dass so was Geschmackssache ist, aber ich verstehe es nicht.
Herr Zenger sah mich an. ,Ich würde es so sagen: Es sind einfach Bilder, die mir gefallen, aus verschiedenen Bereichen und ohne speziellen Zusammenhang. Wenn ich die Pinnwand als gGnzes anschaue, dann ist es wie im Leben. Es sind oft die kleinen Komponenten, die auf den ersten Blick nicht zu passen oder stimmig zu sein scheinen, doch genau dieses Gegensätzliche macht das Leben als Ganzes einzigartig und interessant. Genau wie diese Pinnwand.
Darauf wäre ich mit Sicherheit nicht gekommen und war von dieser Aussage wirklich beeindruckt. Im Radio lief von Roxette Almost unreal, als es kurz an der Tür klopfte und ein junger, dunkelhaariger Mann mit Kinnbart, der einen äußerst geknickten Eindruck machte, im Türrahmen stand.
Herr Zenger musterte ihn kurz. ,Mei Hannes, arme scharfe Schnecke. Was kann ich für dich tun?
Der junge Mann erwiderte: ,Ich muss mal mit dir reden, wenn du Zeit hast.
Offensichtlich war hier Herrn Zengers Rat gefragt, also entschuldigte ich mich und wartete außerhalb der Zelle neben der Tür.
Da Zenger eine recht laute und durchdringende Stimme besaß, hätte ich auch gleich im Raum bleiben können, da man auch außerhalb den Inhalt dieses Gespräches laut und deutlich mitbekam. Der Dialog zwischen den beiden lief so ab.
Zenger: ,Du schaust ja furchtbar aus. Was ist denn wieder los?
Der Typ: ,Ach, ich hab heute sechs Briefe bekommen, da war einer von meiner Freundin dabei, und der hat mich runtergezogen.
Zenger: ,Wie lange bist du denn schon mit ihr zusammen?
Er: ,Sechs Monate, und jetzt ist sie ganz alleine draußen!
Zenger: ,Meinst du, sie macht Schluss?
Er: ,Vielleicht? Ich weiß es nicht.
Zenger zündete sich eine Zigarette an. ,So, und jetzt sag ich dir mal was. Schau mich an und versuch mal, nicht wie ein geprügelter Hund auf den Boden zu starren. Wenn ich mit jemandem rede, dann schaue ich demjenigen dabei in die Augen, und genau das erwarte ich jetzt auch von dir.
Ich weiß wie es ist, das erste Mal im Knast zu sein, bin ja selbst ein Erstmaliger, also brauchst du mir nichts vormachen. Dir bleiben, was das angeht, nur zwei Möglichkeiten: Entweder du machst so weiter wie gehabt, bist bloß noch deprimiert, tust dir selber leid und lässt dich von allem und jedem herunterziehen, oder du überdenkst mal deine Einstellung. Junge, du hast nur zehn Monate abzusitzen. Ich bin schon zwanzig Monate hier und häng nicht so durch wie du! Es ist ganz einfach mit der Tussy, und du weißt dann auch, wie du mit der dran bist. Entweder sie wartet, bis du entlassen wirst, weil du ihr etwas bedeutest, oder sie macht Schluss, weil sie ein Flittchen ist, lieber durch andere Betten fliegt und du ihr nicht annähernd so wichtig bist, wie du gedacht hast. Kommst mit sechs Monaten Beziehung doch noch gut weg, meine letzte hat vier Jahre gedauert und war objektiv gesehen völlig für den Arsch. Verstehst du was ich damit sagen will?
Leise antwortete der junge Mann: ,Ja, schon, aber …
Zenger unterbrach ihn: ,Hannes, hier gibt’s kein Aber, glaub es mir! Denk mal drüber nach! Du hast sechs Briefe bekommen von Leuten, denen du was bedeutest, sonst hätten sie dir wohl kaum geschrieben, oder? Du hast deine Familie und deinen Job noch draußen, besser kann es doch gar nicht laufen oder?
Nach kurzem Nachdenken äußerte Hannes: ,Trotzdem bin ich hier alleine!
Zenger schüttelte den Kopf. ,Ist doch nicht wahr! Wenn du wirklich alleine wärst, warum bist du dann hier bei mir? Überleg mal, ob du deinen Leuten draußen nicht was schuldig bist. Mach dir mal Gedanken, ob du die Zeit hier nicht sinnvoll nutzen kannst. Vielleicht gibt es ja was, für das du draußen nie die Zeit gehabt hast? Oder denk mal über eine Fort- oder Weiterbildung nach?
Der junge Mann sah ihn an. ,Meinst du, ich könnte hier den Quali nachmachen?
Zenger: ,Warum nicht? Gute Idee! Mach den Quali nach und vielleicht stellst du dich einfach mal hin und überlegst, ob es nicht sinnig ist, was ich zu dir gesagt habe. Du solltest deine Zeit hier als Chance nutzen. Zieh ein Resümee, überleg einfach, was du an dir selber ändern solltest, damit es dann nach deiner Entlassung für dich besser läuft. Dann setz dir ein Ziel, wie eben den Quali für hier drinnen, und arbeite darauf zu. Wenn du etwas tust, dann mach es für dich und für keinen andern sonst. Halt dich an die Regeln und behalte dein Ziel stets vor Augen! Ich weiß, dass es gerade für dich schwer ist, dir einzugestehen, dass du nicht alleine weiterweißt, aber dir muss auch klar sein: Egal was los ist, ob du Hilfe oder jemanden zum Reden brauchst oder ein Problem hast, meine Tür steht jederzeit für dich offen. Was ich dich schon immer mal fragen wollte, hast du ein Problem damit, dass ich zwei Jahre jünger bin als du?
,Na ja, am Anfang schon aber …
Der Meister unterbrach hier: ,Kein Aber! Ich habe mit einundzwanzig Jahren damals Fünfunddreißig- bis Vierundvierzigährige zu Assistant-Managern ausgebildet.
Die sind sich echt blöd vorgekommen, haben dann aber geschnallt: Der hat’s drauf und weiß was er tut! Alter ist relativ und die Lebenserfahrung macht’s. Wenn etwas ist, dann sag ich dir, was ich davon halte oder was ich tun würde. Was du am Ende daraus machst, ist deine Sache. Ich bin im Leben schon oft auf die Schnauze gefallen und jedes Mal wieder aufgestanden, und falls eine Aussage von mir, die du berücksichtigt hast, das bei dir fördert, dann habe ich mein Ziel erreicht!
Er schmunzelte und setzte fort: ,Ich sag es dir gleich – kann sein, dass ich dir manchmal Dinge reindrücke, die dir überhaupt nicht passen. In solchen Augenblicken solltest du dann darüber nachdenken, ob ich es bei genauerer Betrachtung nicht doch einfach nur gut mit dir meine. Das ist eben hin und wieder meine Art. Wie schaut’s jetzt bei dir aus? Bist du immer noch alleine?
Hannes stand auf. ,Nein, aber ich muss jetzt los und einen Antrag wegen dem Quali schreiben!
Zenger fragte: ,Machst du das für dich, oder weil du weißt, dass ich das für eine gute Idee halte?
Der junge Mann erwiderte: ,Das mache ich nur für mich, weil ich meine Entscheidungen für mich selbst im Leben treffen muss, und mir geht’s jetzt auch besser. Es wird zwar noch etwas dauern, bis ich alles umsetzen kann, was du mir gesagt hast, aber ich habe verstanden, dass mein Leben das ist, was ich daraus mache, und jetzt werde ich für mich das Beste daraus machen.
So ganz überzeugt klang er noch nicht.
Zenger lächelte. ,Optimal, nimm dir ruhig Zeit. Wenn etwas ist, ich bin da, und so langsam musst du los.
Hannes ging, wieder merklich motiviert, seiner Wege und ein äußerst zufriedener Herr Zenger lehnte neben mir am Türrahmen.
,Ja, so sind meine Kärwabuben, aber mein Hannes hat es halt schwer. Der ist ja noch so klein, jung und weiß noch nicht, was läuft.
Wir gingen wieder in die Zelle und ich fragte nach: ,Wie haben Sie das mit ‚noch so klein‘ gemeint? Sie müssten doch fast im selben Alter sein?
Er zündete sich eine Zigarette an. ,Ich bin zwei Jahre jünger als er. Aber egal, draußen kommt er sicher einwandfrei klar und hat fast alles unter Kontrolle, weil da auch sein gewohntes Umfeld ist. Hier drinnen schaut das etwas anders aus, man muss sich erst an das Eingesperrt- und Alleinsein gewöhnen. Das macht ihm heut’ noch gewaltig zu schaffen, aber er hat allen anderen gegenüber einen Vorteil, und das weiß er auch. Ich glaub’, es ist gerade in seiner Situation extrem wichtig, dass zumindest einer da ist, der ihm sagt, was läuft, ihm zuhört, manchmal hilft, ihn wieder aufbaut, wenn er am Boden ist.
Eben eine Art Vertrauensperson, auf die er sich verlassen kann. Als Erstmaliger kennt sich der arme Kerl halt nicht so aus, da ist alles neu und furchtbar.
Darauf ich: ,Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie diesen Part übernommen haben?
Ein überraschter Blick traf mich. ,Logisch, wer sonst? Der arme Kerl war ja total fertig mit der Welt, als er gekommen ist. Wir haben uns dann mal unterhalten, und weil er ja so nett, total knuffig und traurig war, bin ich eben sentimental geworden. Jetzt ist der Bub auf dem richtigen Weg. Wer weiß, was hier mit dem alles passiert wäre, wenn ich ihn den Freaks hier überlassen hätte, da darf ich gar nicht dran denken!
Ich wunderte mich. ,Was hätte denn schon passieren können?
Ungläubig antwortete er: ,Du lebst in einer Welt mit Blumen und Elfen oder, wo alles total super ist und man die Augen vor der Realität verschließt richtig? Schau doch mal raus auf den Gang, was da für ein Gesindel unterwegs ist! Das sind teilweise Freaks vom Feinsten!
Er schüttelte fassungslos den Kopf. ,Wie bist du denn drauf? Bei mir ist das was anderes. Wenn es einer von denen wissen will, dann geht’s hier ab! Frei nach dem Motto: Du läufst zu mir rüber und wenn du viel Glück hast, dann kannst du vielleicht noch zurückhumpeln. Weil ich äußerst fair bin, hab ich das übrige Gesindel von vorneherein schon mal informiert: Sollte der Hannes eine Schramme oder auch nur den kleinsten Kratzer haben beziehungsweise irgendwer auch nur versuchen, den Buben anzugehen oder anzufassen, so wird das dem Gesundheitszustand der betreffenden Person nicht besonders zuträglich sein, und mit hundertprozentiger Sicherheit kommt dann jede Wachtel und jeder Schließer zu spät. Volle Rückendeckung, sonst wäre er sicher schon öfter mit einem Veilchen rumgecheckt. Ich kenn doch die Freakshow hier. Da sind zwei bis drei Mann dabei, mit denen geht alles klar, voll gut drauf, die Jungs aber den Rest kannst absolut in die Tonne treten.
Ich fragte weiter: ,Kann es sein, dass Sie sich da vielleicht etwas zu sehr reinsteigern?
Zenger wandte sich mir zu: ,Natürlich nicht! Ich will nur, dass er hier klarkommt, seinen Job als Hausarbeiter gut macht, die Situation unter Kontrolle hat, seine Zeit hier drinnen sinnvoll nutzt, nach Zweidrittel auf Bewährung rauskommt und dann unbeschadet sein Leben in Freiheit weiterführen kann. Das ist das, was zählt, und da funkt mir keiner dazwischen!
Darauf ich: ,Weiß er das denn?
Er schnaufte kurz aus: ,Nein, und das bleibt auch so. Er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Dass ich nie etwas zu seinem Nachteil tun würde und dass ich es gut mit ihm meine. Mehr muss er auch gar nicht wissen. So, und jetzt ist dieses Thema vom Tisch!
,Gut, dann reden wir jetzt über Sie, deswegen bin ich ja schließlich gekommen.
Herr Zenger setzte einen äußerst erhabenen Gesichtsausdruck auf, der keinen Zweifel daran aufkommen ließ, dass er die Situation bestens unter Kontrolle hatte. Er fragte: ,Stellst du dir etwas Spezielles vor oder bleibt es mir überlassen?
Ich nippte an meinem mittlerweile kalt gewordenen Kaffee. ,Wie Sie wollen, das ist ihre Entscheidung. Ich bin da nicht festgelegt, außerdem steht es mir nicht zu, Ihnen Vorgaben bezüglich eines speziellen Themas zu machen.
Er lachte. ,Gute Antwort! und drehte die Lautstärke des Radios etwas höher.
,Das ist Jennifer Rush mit Destiny – also eines unserer Lieder von damals. Wenn ich schon die freie Auswahl habe, dann fangen wir am besten in den neunziger Jahren an.
Herr Zenger überlegte kurz und angestrengt. Drehte sich eine Zigarette, lachte kurz, nahm noch einen schnellen Schluck aus seiner Kaffeetasse und begann sichtlich vergnügt zu erzählen: “Okay, kommt jetzt total krass. Die dicke Maria ist die Kusine meines Vaters und seiner Schwester Renate. Sie wohnt in einem Hinterhaus, das vor Urzeiten ihre Mutti mal gekauft hatte. Der Maria ihr Typ hieß Joe, und die pummelige Tochter der beiden Lisa. Offiziell war der Joe ständig auf Montage, inoffiziell wohl eher im Knast, München Stadelheim, wo ihn seine Perle öfter besuchte.
Irgendwann, so mit einunddreißig Jahren, brauchte die dicke Maria unbedingt einen Führerschein, um am Wochenende an der Tankstelle die sexy Boy’s, von der ‚VWler-Gang‘ klarzumachen, die sich dort immer trafen, und laufen oder mit dem Fahrrad hinfahren war sogar für die Marie zu uncool!
Also schnell zu Mutti gecheckt, weil, dafür arbeiten ja noch uncooler als Radfahren ist, und sich die Kohle besorgt. So nach dem sechsten oder siebten Anlauf bei der praktischen Fahrprüfung hatte dann die Marie also einen Führerschein. Tja, weil Führerschein auch uncool ist, wenn man kein Auto hat, schauen wir bei Mutti vorbei und verklickern ihr, dass wir sofort ein Auto brauchen! Dafür arbeiten? Immer noch uncool und nicht mit Marias Maniküre verträglich! Das ‚La Sabine‘ bekommt einen dunkelgrünen achtziger Audi von der Mutti – kein Thema! Weil die Maria so toll ist und sich gern selber feiert, braucht sie natürlich ein Wunschkennzeichen. Klar braucht sie das, oder?
Sie hatte dann ERH-SM 31 auf dem Auto. SM heißt SUPER MARIE meinte Sie.
Ich schwöre, spätestens wenn die mit ihrer Leggins ausgestiegen ist war jedem klar, in echt heißt das Saufette Marie!
Das durften auch die VWler-Boy’s von der Tankstelle feststellen. Ich mein’, da denkst du an nichts Böses, hängst cool mit deinen Kumpels an der Tanke ab und man redet über Motoren oder sonst was, dann fährt das Mariamobil vor. Dann steigt da etwas aus, das aussieht wie Godzilla mit Leggins an und rollt in den Shop. Okay, alle Anwesenden rätseln, wie es sein kann, dass so ein riesiges Etwas in so ein kleines Auto passt. Das Marie checkt mit einer Dose Red Bull zu denen rüber und meint: ‚Ey, Servus! Ich bin die Marie, wast scho!‘ Als Nächstes sieht man nur noch eine riesige Staubwolke, und als sich die wieder legt, ist der Parkplatz – wo vorher fünfzehn VWs standen – leer. Nur die Marie steht mit ihrer Red-Bull-Dose noch da. Das würde mir zu denken geben Der Maria nicht!
Die hat kurz darauf herausgefunden, dass der Dorfmetzger jetzt belegte Brötchen verkauft. War total geil für die Marie. Weil, Brötchen selber belegen ja auch fast schon so was wie Arbeit, und Arbeit ist uncool! Da gehen wir lieber ins Solarium, malen uns unsere Krallen an oder versuchen, uns zu schminken, frei nach dem Motto: Man hört immer wieder, wie viele Leute auf dem Weg oder bei der Arbeit verunglückt sind! Ich geh da ja auf Nummer sicher. Oder habt ihr schon jemals gehört, dass jemand beim Fernsehen auf der Couch einen Unfall hatte?‘
Mei, man war halt nicht zum Arbeiten geschaffen. Ist ja auch total scheiße, wenn man früh aufstehen muss, also nicht bis Mittag im Bett liegen kann, deswegen scheiße drauf ist und dann auch noch körperliche Arbeit leisten soll! Das geht ja mal gar nicht! Das überlebt weder die Frisur, noch die Maniküre, geschweige denn die Marie länger als fünfzehn Minuten am Tag!
Ach, wir waren ja bei den Wurstbrötchen! Gut, das Maria düst in ihrem Mariemobil bei offenem Fenster mit einem Wurstbrötchen in der Hand durch die Gegend, bis ihr das belegte Brötchen in den Fußraum gefallen ist. Jeder andere hätte angehalten. Marie nicht. Sie fährt weiter und sucht das Ding im Fußraum. Diese Aktion ging so lange gut, bis die Maria voll in einen Rentner beziehungsweise dessen hundertneunziger Mercedes rein gedonnert ist. Wie kann der es auch wagen, zu bremsen, wenn das Mariemobil hinter ihm ist und die Dicke ihr Wurstbrötchen sucht?
Zum Glück gab es ja Mutti. Die hat das dann geregelt, denn Mutti weiß genau: Entweder Maria bekommt was sie will und sucht ihr dann mal ein hübsches Altersheim aus oder sie kann arbeiten bis sie tot umfällt!
Wenn du das jetzt schon witzig findest, dann schnall dich mal an! Ich hab noch zwei original Tante-Renate-Storys. Pass auf, geht los! Man stelle sich die komplette Familie beim Griechen zum Geburtstagsessen vor. Die Schwägerin von der Renate, nennen wir sie einfach mal Ingrid, hielt sich für extrem wichtig und war Vegetarierin, die einzige, ultrawichtige und absolut extreme Vegetarierin, natürlich, und drückt dir rein: ‚Du bist ein Luder, weil du das isst, und schuldig bist du auch, weil es nur wegen dir jetzt tot ist!‘
Nicht, dass sie noch das Heulen angefangen hat. Weil die Renate auch auf Spaß ansteht und Scampi hatte, außerdem der Ingrid genau gegenübersitzt, steckt sich die böse Renate die Köpfe der Scampi auf Mittel und Zeigefinger und meint: ‚Ingrid, schau mal‘, wedelt der Ingrid mit den Dingern vorm Gesicht rum und schreit: Laddl, laddl, laddl!‘ Ingrid kreischt, hat fast ’ne Herzattacke, und der Abend war gelaufen, weil die Ingi keinen Spaß versteht!
Eine hab ich noch: Renate und die Neigleins Hedwig checken ins ‚Boom–DiscoPoint‘ weil da ‚Construction‘ auftreten. Die haben damals Mitte der Neunziger Oh, Girl gesungen und alle waren voll geil auf die, vor allem die Hedwig. Heute kennt die Gruppe kein Schwein mehr, aber das waren halt die Neunziger. Auftritt läuft, die singen: ‚Oh Girl, come spend some time wich me, blah, blah, blah‘ und die Hedwig muss unbedingt backstage in die Garderobe, weil, da wohnen die ultimativen Souvenirs!
Also wird der Securitytyp erst mal a bissl scharf gemacht und mit fünfzig Mark schließlich aus dem Weg geräumt. Jetzt läuft die ultimative Renate-und-Hedwig-Garderobenfilze auf der Suche nach Souvenirs! Hedwig kreischt los: ‚Renate, geh her! Schnell!‘, wedelt mit Handtüchern wie verrückt rum ‚Oh Gott, die ham sich da die Hände dran abgetrocknet! Die darf man nie mehr Waschen!‘ Dann hat sie sämtliche Handtücher eingepackt, ein paar Haare aus dem Abfluss sichergestellt und war selig. Leider kennt heute keine mehr Construction, also vermute ich, die Handtücher sind zu Putzlappen umfunktioniert worden oder der Hund schläft jetzt darauf. Natürlich habe ich auch eine Theorie was aus den Haaren geworden ist, aber das erzähl ich jetzt besser nicht. Ich kann ja nicht verantworten, dass du heute Nacht noch Alpträume bekommst.“
Herr Zenger konnte sich kaum halten vor Lachen, zündete sich eine Zigarette an und fuhr fort: „Es muss so schrecklich für einen Klassikfan sein, wenn er sich die Walküre reinzieht und mitten im Stück kommt Waterloo von ABBA! Das totale Grauen!
Wir lebten im Zeitalter von Schallplatten und Musikkassetten und wo unser Dad mit Vorliebe auf seinem Mono-Kassettenrekorder – das Ding hat er heute noch! – vom Radio seinen ‚Sound‘ aufgenommen hat. Er fand es toll, wir total schrecklich!
Kann sich einer vorstellen, wie es ist, von Eckental in Mittelfranken bis nach Gatteo Mare, Italien, in einem Passat mit Stereoradio, sich stundenlang eine Dadkassette geben zu müssen, wo alle fünfzehn Minuten Mango Jerry In the Summertime jault?
Der Moment der Rache war da, als ich zu Weihnachten einen Kassettenrekorder samt Mikro bekommen habe. Wir waren die Milli-Vanilli- und MC-Hammer-Generation. Laut ist gut, lauter noch besser!
‚Mach die Affenmusik aus!‘ oder ‚Was ist das denn für ein Sound? Das ist ja zum Davonlaufen!‘, war also an der Tagesordnung. Und wir haben gelernt: Entweder stehst du auf coole Musik wie unsere oder du bist total out, und unsere Eltern waren in dieser Hinsicht so was von out, das konnte man sich gar nicht vorstellen!
Dazu fällt mir jetzt grad noch was aus meiner Schulzeit ein: Auch in der Hauptschule muss man Geburtstage feiern. Es war zwar bekannt, das es aus versicherungstechnischen Gründen untersagt war, das Schulgelände zu verlassen, aber Nicole, Birgit und mir war das so was von egal, das konnte sich keiner vorstellen.
Gegenüber waren das „Boom – DiscoPoint“ und die „Lagune“ mit einer Terrasse hintendran, wo wir natürlich heimlich geraucht haben. Nur Loser rauchen im Fahrradkeller und lassen sich vom Hausmeister dabei erwischen! Brave Schüler bleiben auf dem Schulgelände, böse nicht. War ja klar der Gruppe wir angehörten oder? Hey, wir waren jung also raus aus dem Schulbus und rüber auf die Terrasse!
Im Sommer hatte Nicole Geburtstag, und wir als korrekte Kumpels hatten zwei Flaschen Asti besorgt, die wir drei vor Unterrichtsbeginn auf unserer Terrasse weggeknallt haben. Birgit und mir ging es gut. Bis auf spontane Lachanfälle war alles super, aber Nicole war voll wie ein Haus. Okay, wir haben es dann geschafft, sie ins Klassenzimmer zu schleppen und sie dann auf ihren Stuhl zu wuchten. Hatte ich schon erwähnt, dass Nicole zuvor in den Schulbrunnen auf dem Pausenhof gekotzt hatte? Gut, erste Stunde. Englisch war angesagt, und Nicole war so abgrundtief scheiße in Englisch, das konnte man sich gar nicht vorstellen, aber ‚Fuck you‘ und ‚Bitch‘ konnte sie – kein Thema!
Der Unterricht beginnt, Nicole wird immer blasser, auch der Lehrer Hoffman hat gecheckt, dass da was nicht stimmt, und fragt Nicole, ob alles in Ordnung ist. Die schaut ihn an, meint: ,Boah, it‚s so hot here!‘ und fällt von Stuhl. Ich schau Birgit an.
‚Du, die kann Englisch!‘, darauf Birgit: ‚Scheiße, wir sind tot, und etz hauts die blöde Kuh auch noch vom Stuhl runter!‘
Derweil ist Nicole wieder aufgestanden, hat ihre Sachen gepackt und ist mit den Worten: ‚Ich muss heim! Ich hab meine Tage!‘ zur Tür rausgewankt.
Der Hoffman war ratlos, uns hat es vor Lachen fast zerrissen und sind nur haarscharf an einem Schulverweis vorbeigerauscht.
Ach ja, ich hatte damals von einer Bekannten ein Pärchen dzunarische Zwerghamster bekommen. Diese Sorte hatte damals noch kein Zoogeschäft, und weil es ja Zwerghamster waren, lief nix mit in einem normalen Hamsterkäfig einsperren. Also wurde ein altes Aquarium umfunktioniert. Hamsterhaus, Äste, Spielzeug, und was ein Hamster sonst noch so braucht, rein. Eine Fotorückwand dahinter und die Sache war auch noch dekorativ!
Meinen zwei Hamstern hat es darin so gut gefallen, dass sie sich explosionsartig vermehrten. Langsam wurde der Nachwuchs etwas ‚to much‘, aber ich konnte diesen ja im Zoofachgeschäft abgeben. Was die Inhaberin sehr freute, da diese Zwerghamster sonst nicht zu bekommen waren. Derweil produzierten meine Hamster wie besessen Nachwuchs. Dann musste ich in der Schule ein Referat halten und hatte einen meiner Hamster als Anschauungsmaterial dabei. Ja logisch, weil die so klein und niedlich sind, will jeder einen haben. Kein Thema, Hamster für alle! Alle wollten und brauchten unbedingt solche Hamster!
Auch Steffi Vogel braucht einen. Leider hatte ich ihr nicht nur das mit meinem umfunktionierten Aquarium erzählt, sondern auch, dass ich meine Hamster in einen Eimer setze und dann die Einstreu mit dem Staubsauger aus dem Aquarium sauge. Ein paar Wochen später ruft mich eine total hysterische und weinende Steffi Vogel an. Sie hat ihr Hamsteraquarium mit dem Staubsauger ausgesaugt, auf einmal hat es Flopp gemacht und das Hamsterhaus war leer! Hamsterwatte und Hamster vom Staubsauger gefressen!
Was soll sie jetzt bloß machen? Ihr Goofy ist im Staubsauger drin! Volle Panik, bis ich gesagt hab: ‚Hol halt den Hamster aus dem Staubsaugerbeutel raus, der geht doch hops darin.‘ Sie darauf: ‚Gute Idee!‘ und hat aufgelegt. Anscheinend hat Goofy die Aktion überlebt, da sie sich nicht mehr gemeldet hat.
Die Schulzeit war schon lustig bei uns. Wir waren damals in der fünften Klasse, und in der siebten Klasse war der Holger, dessen Mutter Irmgard die Vorsitzende des Elternbeirats war und jede Aktion im Keim erstickte, bei der ihrem Holger etwas passieren hätte können. Also alles was uns und unseren Mitschülern Spaß gemacht hätte. Es wurde deshalb zum wöchentlichen Event, bei der Schmitdleins-Family den Briefkasten in die Luft zu jagen, und dabei war es egal, ob da Post drin war oder nicht. Half ihnen auch nicht, dass sie ihren Briefkasten dann in die Nähe der Haustür verlagert haben. Trotzdem krachte es einmal die Woche im Ortsteil Forth, und allen war klar: Bei Schmidtleins ist mal wieder ein neuer Briefkasten angesagt.
In unserer Jahrgangsstufe war eine Klassenfahrt in den Freizeitpark Geiselwind geplant, und die sechsten sowie die siebten Klassen sollten auch mit. Am Tag nach der Bekanntgabe stand die Irmgard schon beim Rektor im Büro und malte den Teufel an die Wand, was da alles passieren kann. Leider wurde darauf die Klassenfahrt nur wegen dieser blöden Kuh abgesagt. Irmgard hatte leider nicht bedacht was ihrem Holger in der Pause auf dem Schulhof so alles passieren kann, und der hat gewaltig sein Fett abbekommen! Ich stelle es mir auch extrem scheiße vor, wenn du im Schulbus sitzt, der fährt los und deine Schultasche ist vorher einfach ausgestiegen beziehungsweise macht grad ihren Freischwimmer im Schulbrunnen. Das reichte uns natürlich noch lange nicht, hier war grauenvolle Rache angesagt! Die haben angefangen und die bösen Geister beschworen, also bekommen sie nicht, was sie brauchen, sondern was sie verdienen!
Freitag auf Samstagnacht haben dann böse Menschen die Voliere im Garten aufgemacht und alle Wellensittiche rausgelassen! Vögel darf man doch nun wirklich nicht einsperren! Etwa fünf Tage später sind dann überall tote Wellensittiche rum gelegen. Super, da tut man mal was Gutes, und kein Mensch sagt einem, dass die Dinger hopsgehen, aber hier war es der gute Wille, der zählte.
Irmgard hat das gecheckt und ist auch fast abgenippelt, aber die ultimative Dröhnung war: Als wieder bei Nacht und Nebel eine Trommel Waschpulver, vermutlich total aus Versehen, in den ultraprotzigen Swimmingpool der Schmitdleins gefallen ist. Und ausgerechnet an diesem Wochenende waren die nicht zu Hause. So ein Pech aber auch! Umwälzpumpen reagieren nämlich total lustig, wenn in ihnen sauviel Waschpulver, Wasser und Luft zusammenkommen! Am Tag darauf lagen in Schmitdleins Garten, mitten im Sommer, geschätzte fünfzig Zentimeter Schaum-Schnee, der durch den Jägerzaun quoll und die Straße vor dem Grundstück unbefahrbar machte. Da war jede Schaumparty in einer Disco ein Witz dagegen. Die Nachbarn versuchten, das Desaster mit Schneeschaufeln zu beseitigen, und sogar die Feuerwehr rückte an. Ein absolutes Spektakel vom Feinsten!
Die Irmgard und ihre Familie sind dann auch dazugekommen, haben das gesehen und schon rollte der Krankenwagen an. Irmgard ist ausgestiegen, hatte einen Herzinfarkt und durfte gleich in den Krankenwagen einsteigen und weiterfahren. Nach diesem Vorfall haben sie ihr Haus verkauft und sind verschwunden. Vielleicht hat die Irmi was daraus gelernt.
Ja, wir waren damals wirklich böse Buben und Mädchen, was auch der Lehrkörper des Öfteren feststellen musste. Unser absolutes Lieblingsopfer war die unglaublich dumme und hässliche Annelies aus Siebenbürgen. Das war ja vielleicht ein abgefahrenes Gestell die Alte, und keiner konnte sie ausstehen. Das die keiner leiden konnte, lag nicht an ihrer grauenhaften Stimme oder ihrem Mundgeruch. Es lag auch nicht an ihren fettigen, strähnigen Haaren oder daran, dass ihre Klamotten komplett aus den frühen Achtzigern waren und sie immer ausgeschaut hat als würde die ihr Geld auf dem Strich verdient. Nein, die Kuh hat von Anfang an so getan, als wäre sie etwas Besseres als wir, und das war ein Fehler!
Was meinst, wie die Annelies abging, als ihre Schultasche vom zweiten Stockwerk aus dem Fenster geflogen ist? Hat sich nicht so drüber gefreut!
Zum Glück war die Tusse nicht die Schlaueste. Die schöne Annelies sitzt vor Birgit, Nicole und mir. Die wollte wohl einen auf cool machen und hat ihre weiße Jacke voll legere über die Rückenlehne ihres Stuhls gehängt. Wieder ein schwerer Fehler, da wir ja hinter ihr gesessen sind! Natürlich hätten wir sie auch in Ruhe lassen können, aber in einem spontanen Anfall von Kreativität haben wir dann lieber blaue Tupfen mit unseren Füllfederhaltern auf ihre neue, weiße Jacke gezaubert.
In der Pause hat die Annelies das dann geschnallt, und dummerweise stand grade in dem Moment ein Fünftklässler mit einem Füller in der Hand neben ihr. Die Alte ist voll ausgeflippt! Hat dem armen Kind rechts und links eine reingehauen, es am Kragen gepackt und dann ist – Gott sei Dank – endlich die Pausenaufsicht dazwischengegangen. Wer weiß, was das durch geknallte Monster sonst noch mit dem armen Kerl angestellt hätte! Und als sie dann auch noch heimlich auf dem Mädchenklo geraucht hat und von unserem Rektor erwischt worden ist (den wir vorsorglich informiert hatten, weil es verdächtig aus dem Klofenster qualmte und die Hütte ja hätte abbrennen können), war es vorbei. Es folgten eine totale verbale Demontage und ein Schulverweis für unseren Darling.
Wir hatten unser Klassenzimmer im zweiten Stockwerk. Im Erdgeschoss direkt darunter wurde Englisch von Herrn Hoffman unterrichtet, der schon mindestens dreiHerzinfarkte hatte und auf jede Art von Störung absolut cholerisch reagierte. Unsere Klassenlehrerin kam eines Tages auf die Idee, ihre Topfpflanzen im Klassenzimmer dekorativ auf dem Fensterbrett zu parken, und wir durften das Grünzeug dann gießen. Das schimpfte sich bei der Frau dann Blumendienst und wechselte wöchentlich. Zeit für Spaß!
Also warten wir, bis die Lehrerin das Klassenzimmer verlässt, und werfen dann eine der Topfpflanzen aus dem Fenster und rein prophylaktisch noch eine hinterher. Die beiden Blumentöpfe schlagen wie Bomben vor Hoffmans Fenstern auf, der ganze Dreck spritzt voll an seine Scheiben. Perfekto! Okay, dann schmeißt man noch was von der Annelies hinterher, damit die gewiss am Tatort bleibt, am besten noch aus dem Fenster schaut und wie blöd schimpft und schreit.
Natürlich stand dann schon der geladene Herr Hoffman mit hochrotem Kopf in der Tür und brüllt: „Wer war das?“ Alles zeigt auf die Zuckerpuppe, und Birgit informiert ihn: „Ja, Mann, die ist total verrückt und schmeißt alles aus dem Fenster raus! Die war’s!‘ So was hat immer funktioniert. Der Hoffman hat die Annelies dann an ihren fettigen, strähnigen Haaren ins Direktorat geschleift, wo sie sich ihren zweiten Verweis abholen durfte.
Eigentlich hätte das schon gereicht, aber was heißt schon eigentlich, wenn man so was noch steigern kann? Ein paar Tage später erzählte ich Birgit: “Weißt was die über dich erzählt? Das du voll die Hure bist und es mit jedem zu jeder Zeit und überall treibst!” War klar das Birgit sich da voll drüber aufregt und ausflippt, a la: “Die beschissene Schlampe mach ich kalt!” Sie hat es echt geschafft sich ca. 20Minuten zurückzuhalten, bis Nicole meinte: “Wenn die Bitch so was üb mich erzählt hätte, dann wäre dir tot noch bevor ihr Kadaver auf dem Boden aufschlägt!” Das war zu viel des Guten. Birgit steht mitten in der Deutschstunde auf, checkt vor, baut sich vor der Annelies auf, diese schaut nach oben “Das ist für dich Schlampe!” und Terror Big haut der Braut ohne Vorwarnung eine rein! - kommt zurück und macht einen auf: “Was hat die de? War was los?” ‚La Lies‘ hat dann auch gecheckt, dass wir sie nicht so prickelt finden, und es vorgezogen, dem Unterricht einfach fernzubleiben. Gute Entscheidung, und wer braucht auch schon ein Abschlusszeugnis, wenn es doch Sozialhilfe gibt.“
Herr Zenger machte eine Pause. „Das ist Black Velvet von Alannah Myles!“ Seine Aufmerksamkeit galt kurz diesem Song. Er nippte an seinem Kaffee, drehte sich eine Zigarette und merkte an: „Böse Buben und Mädchen waren wir, wobei sich das ausschließlich auf Nicole, Birgit und mich bezog. Das war halt auch ’ne andere Zeit damals. Heute laufen die ja mit Waffen und Messern in den Schulen rum, stechen sich gegenseitig ab oder laufen Amok. Echt, das wird immer asozialer mit der Jugend! Wer braucht schon einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung? – Ey Alter, wir sind Rapper, knallharte Gangster, wir kommen aus dem Ghetto (wissen zwar nicht was das ist, aber auch egal) und zieh’n uns die Strumpfhose von Oma über den Kopf, weil das cool ausschaut und Promi-Rapper das auch so machen! Check das ab! Wir sind dumm wie Scheiße, aber machen einen auf dick! Zu arbeiten brauchen wir nicht, weil das zu uncool ist und wir kriegen eh Sozialhilfe, Alg2 und Hartz IV.Wir liegen bis Mittag im Bett und lachen die Arschlöcher, die arbeiten gehen, damit wir Stütze bekommen, noch aus!
So schaut das nämlich aus! Die Dummen und Faulen bekommen alles hinten reingeschoben, werden noch gefördert, aber die arme Sau, die täglich auf die Arbeit geht, wird abgezockt, bis nichts mehr geht.
Die Politiker machen auch nicht wirklich den Eindruck, als ob sie sich dafür interessieren. Klar, wenn ich ein Politiker wäre, dann wäre diese Thematik für mich auch belanglos, denn mein Gehalt und meine Rente sind sowieso in trockenen Tüchern. Ein Beispiel für abgrundtiefen Schwachsinn: Wie erhöhen die Löhne, damit der kleine Mann mehr in der Lohntüte hat, um es auszugeben, also die Wirtschaft anzukurbeln, und im selben Atemzug erhöhen wir schnell die Mehrwertsteuer. Ziehen ihm also die Lohnerhöhung sofort wieder aus der Tasche. Das ist politische Problemlösung in Deutschland! Faszinierend nicht wahr?“
Er schüttelte unter Lachen den Kopf. „Ich bin ja der Meinung, bevor Politiker über Rauchverbote diskutieren, sollten sie sich lieber mal Gedanken darüber machen, wie viele Menschen im eigenen Land auf der Straße verrecken, weil sie, ich sag es mal so, wie es ist, nichts mehr zu Fressen haben! Aber das interessiert uns nicht, weil es uns nicht selber betrifft, und wir gehen jetzt lieber die Raucher an! Es ist ja nicht so, dass der Staat an der Tabak- und auch der Alkoholsteuer nicht kräftig mitverdienen würde. Also leisten zumindest die Raucher einen wesentlichen finanziellen Beitrag zur Erhaltung dieses Landes! Ich möchte mal wissen wie viele Autobahnen, öffentliche Gebäude und so weiter nur aus den Einnahmen der Tabaksteuer finanziert und gebaut wurden. Wir sollten doch besser eine Nichtrauchersteuer einführen! Weil sich Nichtraucher unsozial den Rauchern und vor allem dem Staat gegenüber verhalten und quasi sich um Steuerabgaben drücken. Die meinen auch, wir rauchen nur so zum Spaß, aber man darf ja so was nicht sagen, sonst diskriminiert und kritisiert man ja die Nichtraucher und Politiker, die eigentlich uns diskriminieren sollen und wollen.
Ich bin mal gespannt, wann die USA wegen des Ozonlochs nicht nur die Automobilkonzerne, sondern auch die Achtiziger Jahre verklagen werden. Wegen der vielen FCKW-haltigen Haarsprays, die zu der Zeit ohne Ende benutzt wurden. Das wäre doch der Brüller schlechthin?“
Herr Zenger lachte laut, und als er sich wieder beruhigt hatte, fuhr er fort: „Wo waren wir? Ach ja, so langsam ging unsere Schulzeit dem Ende entgegen. Dann kam der letzte Tag. Die Zeugnisse hatten wir am Vortag schon bekommen, und die letzten Sommerferien waren nur noch wenige Stunden entfernt. Wie es sich für die Abschlussklasse gehört, wurde am letzten Schultag nur Unfug gemacht, und der Lehrkörper hatte vorsorglich schon mal seine Autos versteckt. Wer will schon sein Auto mit Klopapier umwickelt und mit Zahnpasta eingeschmiert auf dem Lehrerparkplatz vorfinden? Eben, keiner! Also verstecken wir unsere Autos und freuen uns darüber, was wir doch für schlaue Lehrer sind! Waren sie aber nicht!
Die Leutchen von der Parallelklasse hatten den Haupteingang mit Strohballen verbarrikadiert, aber leider den Nebeneingang vergessen. War wohl nix und so typisch! Wenn du etwas vernünftig erledigt haben willst, dann mach es einfach selber!
Big, Nik und ich wollten den Lehrkörper etwas näher zusammenbringen, und dafür war unser Physiksaal mit seinen zwei Ausgängen einfach ideal. Von unserer Klassenlehrerin den ersten Schlüssel besorgt, und dann ging es zum Hausmeister, dem wir eine Geschichte erzählten, und schon hatten wir beide Schlüssel und checkten ins Direktorat, wo wir bekannt gaben: „Die Abschlussklassen möchten die Gelegenheit nutzen, um sich beim Lehrkörper zu bedanken. Deshalb möchte sich alle Lehrer nun geschlossen in den Physiksaal begeben.“
Nach etwa zehn Minuten war die komplette Lehrerschaft inclusive Rektor und Hausmeister gespannt im Saal. Birgit baute sich mit einem teuflischen Grinsen im Gesicht vor ihnen auf und verkündete: „Ich hoffe, Sie haben alle genug Kaffee dabei. Das könnte ein langer Tag für Sie werden!“
Schon war sie draußen, beide Türen des Saals abgesperrt und die Schlüssel außen steckengelassen. So ein Pech aber auch! Muss schon peinlich sein, wenn man nach zehn Minuten erst schnallt, dass man mit 18 Kollegen, die man zum Teil überhaupt nicht leiden kann, und deren Kaffeetassen im Physiksaal eingesperrt ist und nicht mehr rauskommt!
Es machte sich recht schnell Unruhe, Gezeter und Gekreische im Saal breit, hat aber auch nichts gebracht. Und als Strafe für fünf grausame Schuljahre, in denen wir die hatten ertragen müssen, fanden wir das fast schon zu harmlos. Allerdings sah es total lustig aus, wie sich die ganzen Lehrer an beiden Oberlichtern der Türen die Nasen platt drückten. Und die konnten Klopfen und Wimmern, so viel Sie wollten – kein Mitleid, sondern Rache war angesagt und wurde gnadenlos durchgezogen!
So, die Lehrer und alle anderen Störenfriede waren weggesperrt, also konnten wir Phase 2 starten. Auf ins Direktorat! Dort saß die neue Sekretärin unseres Rektors in ihrem schicken, kleinen Vorzimmer und ahnte nichts Böses, was sich nun total schnell ändern sollte.
Birgit, Nicole und meine Wenigkeit stehen also auf einmal vor der verdutzten Frau Sartorius, was schon gereicht hat, um die Tante leichte Panik verfallen zu lassen. Big zu ihr: „Wo ist die Sprechanlage?!“ und stürmte das Rektorzimmer. Die Sartorius ist natürlich gleich hinterher und hat sich damit selbst disqualifiziert! Sie zwang uns quasi dazu, sie mit ihrem eigenen Paketklebeband an ihren Bürostuhl zu fesseln, und wenn sie nicht wie eine Irre geschrien hätte, dann hätten wir es auch nicht für nötig befunden, ihr einen Streifen Klebeband über den Mund zu kleben. Endlich wieder Ruhe auf der Baustelle. Also so was von unkooperativ die Frau! – Na ja, selber schuld!
Die supertolle Sprechanlage hatte leider zwei Knöpfe, wobei wir natürlich erst mal den für den internen Feueralarm erwischten. So was passiert eben, dafür hatten wir nun die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Schüler in den Klassenzimmern und gaben bekannt: „Nachdem alle Lehrer kurzfristig ausgefallen sind, ist das Schuljahr jetzt beendet. Geht alle nach Hause. Wir wünschen euch schöne Sommerferien. School´s out for Summer!”
Die Mitschüler waren also auf dem Heimweg und Phase 2 damit erfolgreich abgeschlossen. Jetzt hatten wir aber noch die Sekretärin am Hals. Wir hätten Sie natürlich in ihrem Vorzimmer stehen lassen können – aber hey, die braucht auch Spaß!
Wir schoben die Frau, die ja immer noch an ihren Bürostuhl gefesselt war, in den Aufzug. Nicole meinte: „Die will unbedingt Aufzug fahren!“, und so haben sie in den dritten Stock geschickt. Irgendwie hat die gute Frau Sartorius doch das Klebeband vom Mund bekommen und wie blöd im Aufzug um Hilfe geschien. Böser Fehler! Nicole holt den Lift runter in den ersten Stock, zieht den Bürostuhl mit der Sekretärin raus und meint zu ihr: „Hey Lady, du sollst doch nicht im Aufzug rumschreien! Du, Birgit, ich glaub, die will nicht mehr Aufzug fahren!“
Da kommt Birgit, schaut die Sartorius an, und meint: „Stimmt! Die will jetzt Karussell fahren!”, und dreht den Bürostuhl wie verrückt. Weil die es cool findet, dass die Tippse jetzt noch lauter schreit als vorhin im Aufzug!
Dann stoppt Birgit den Stuhl, nimmt der Sartorius die Brille von der Nase, setzt sie auf und meint: „Ey, Nicole, die will jetzt auch nicht mehr Karussell fahren!“ Darauf Nicole: „Vielleicht will sie lieber mit dem Stuhl die Treppe runterfahren! Ich wollte schon immer mal wissen, ob das geht!“ Danach war die arme Frau total fertig mit der Welt, und Nicole genau wie Birgit war vollkommen außer Kontrolle!
Weil wir zwar böse, aber dennoch fair waren, hatten wir den abnehmbaren Fenstergriff für den Fall der Fälle, vorsichtshalber im Physiksaal gelassen. Was sich im Nachhinein als Rettung für die Tippse vom Rektor herausstellte. Unser Herr Müller hatte den gefunden und ist erst über das Fensterbrett und dann über die Feuerleiter ausgebrochen, um dann unter lautem Schimpfen seine Kollegen zu befreien.
Wir hatten inzwischen die weinende Sekretärin an der Treppe geparkt und es vorgezogen, schnellstmöglich zu verduften. Für den Beinahe-Herzinfarkt vom Rektor, der seinen neuer 5er BMW auf vier Backsteinen geparkt und die Reifen mitsamt den Alufelgen im Schulbrunnen versenkt vorfand, konnten wir drei nun echt nichts!
War schon krass unsere Schulzeit, aber bei Weitem nicht so krass wie die Nachbarn meiner Eltern. Die waren echt die Härte und kaum zu überbieten. Unsere Nachbarin Anni hatte einen – nun sagen wir … sehr eigenen Geschmack, was ihre Klamotten anging.
Sommer, Sonne, Samstagnachmittag. Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse, und es war einfach verdächtig ruhig in der Nachbarschaft. Kaum gedacht, schon ging es los: „Erika, ich muss dir was zeigen! Ich komm etz mal rüber!“
Es dauerte keine zehn Sekunden und Crazy Anni stand im Garten. Auf der einen Seite war uns eh grad langweilig, auf der anderen wäre es ein Gebot der Fairness gewesen, dass sie einem wenigstens die Möglichkeit zum Flüchten lässt – aber Fehlanzeige!
Da stand sie nun, der Alptraum aller Männer. Diese Optik machte so ziemlich alles im Umkreis von fünfhundert Metern impotent!
