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Widukind - die Antwort auf die "Scheinbarkeit", die Weltlichkeit unserer Gesellschaft. Widukind zahlt heim. Widukind schmerzt. Widukind verwirrt oder klärt, spiegelt dich. Widukind - der Aufruf an die Seele, die Sprache der Herzen zu sprechen und den Gedanken zu beenden. Widukind ist.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2017
CARSTEN KLATTE: „Widukind“
© Periplaneta - Verlag und Mediengruppe Edition Periplaneta, Dezember 2011 Inh. Marion Alexa Müller, Bornholmer Straße 81a, 10439 Berlin www.periplaneta.com - [email protected] Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Übersetzung, Vortrag und Übertragung, Vertonung, Verfilmung, mechanische, elektronische oder fotografische Vervielfältigung, eine kommerzielle Verwertung des Inhaltes, gleich welcher Art, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.
Ungekürzte, digitale Ausgabe der Printausgabe ISBN: 978-3-940767-86-8
Zu diesem Buch ist eine CD erschienen:
Widukind Audio CD: EAN: 4260132552297
Widukind MP3 Download: ASIN: B005YN1RM8
E_Book-Version: 1.25:
Lektorat: Nadine Heßdörfer, Thomas Manegold Fotos: Gert Schober Satz & Konvertierung: Thomas Manegold
Widukind ist:
Carsten Klatte (Gesang, Musik, Texte)
Yve Darksound (Gesang, Musik, Videos)
www.periplaneta.com
periplaneta
Wir stehen zusammen als ein Bollwerk gegen die Zeit. Unser Kampf vollzieht sich im Stillen, in unseren Seelen und in unserem Geiste. Unser Widerstand ist unsere Ausdauer, nicht zu zagen und zu wanken im geistigen Tempelbau einer neuen Zeit.
Nur wer in sich ruht, vermag dem Sturm auf die Zeit zu widerstehen, somit ist es oberstes Gebot, sich selbst zu kultivieren, frei von temporären Bezügen, jedoch unabdingbar treu gegenüber den Bindungen und Verpflichtungen gegenüber der Welt, welche ein menschliches Leben mit sich bringt.
Unser Kampf ist ein innerer Kampf, es ist ein geistiger Kampf. Es ist der Kampf des Einzelnen gegen die Masse, es ist der Kampf des Erwachten gegen den schleichenden Schlaf des Zeitgeistes.
Der Mensch ist das geistige Wesen, was er verkörpert.
Die Kultur des Körpers in Harmonie zum Geist, der Respekt gegenüber dem Leben und die Liebe zu sich selbst, all dies sind die Bausteine des Fundamentes, auf dem das Wesen Mensch auf diesem Planeten seine Existenz aufbaut.
Das Recht auf die eigene Freiheit, selbstbestimmt an der eigenen Entwicklung zu partizipieren, ist unveräußerlich. Und ein jeder, der dieses Recht in Frage stellt, stellt sich selbst in Frage.
Der Kampf zur Wiederherstellung des Ursprünglichen beinhaltet die Einsetzung und Wahrung der ursprünglichen eigenen Rechte der Person, welche sich erst einmal selbst erkennen muss, um sich auch selbst zu praktizieren. Der Raum, den eine Person dafür braucht ist unangefochtener Boden und sollte ihr garantiert sein für alle Zeit.
Da dem jedoch nicht so ist, ist es Teil unseres Kampfes, diesen Raum zu schaffen, ihn zu wahren und ihn zur Not auch zu verteidigen, selbst wenn es mit dem Verlust des eigenen Raumes, gar des eigenen Lebens verbunden ist.
Dies ist die Stunde der Weisung, es ist die Stunde des Wolfes, es ist die Stunde des Sturmes...
Lasset uns also stark sein, jeder für sich, so dass wir alle füreinander wie die Sterne sind am Firmament eines neuen Himmels, welcher uns schützt und eint beim geistigen Tempelbau einer neuen Zeit.
„Am Anfang war die Musik“
Ich grüße Sie. Ich freue mich, dass Sie diese Zeilen lesen und bereit sind für etwas Experimentelles, für mich. Ich hoffe, Sie finden alles was Sie suchen. Es ist ein wenig„Kill Your Friends“dabei und eine Prise„Edda“.„Illuminati“und„Empört Euch!“. Es ist Punk und gerade deshalb auch spirituell. Man findet die alten „Geister der Kunst“, Breton und Artaud, sich zankend mit dem Zeitgeist und Gott. Mit Allah, wenn man auch zwischen den Zeilen liest. Es ist eine Erfindung, die ich „Kopftheater“ nenne. Im Gegensatz zum Kopfkino, wo nur ein Film läuft, hoffe ich, dass Sie mitspielen. Seien Sie herzlich eingeladen und fühlen Sie sich frei.
„Soziale Plastik!“Schon mal gehört? Machen Sie sich keine Sorgen, wenn nicht. Wenn ja, wird es Ihnen nach der Lektüre dieses Buches schon wieder einfallen – sollten Sie es bis zum Ende schaffen – aber das ist eine andere Geschichte.
„Post-Neofolk“könnte man die Basis dieser„sozialen Plastik“bezeichnen. Neofolk ist ein Genre aus dem „Gothic“-Musikbereich. Post ist es deshalb, weil jede Art von Szene gerade im Begriff ist, der Globalisierung und dadurch der Gleichschaltung zu unterliegen und weil das vorliegende Projekt die „Grenzen“ des Genres einreißen soll. Warum überhaupt noch von „Szene“ reden? Wir sind und bleiben ALLE Underground, selbst wenn wir „Overground“ sind. Das ist auch der Grund, weshalb der „Underground“ heute nicht mehr funktioniert. Weil er sich selbst nicht erneuert. Vielleicht weil er lieber „Overground“ sein will. Er gräbt sich eben selbst das Wasser ab, aber auch das ist eine andere Geschichte.
Ich will eine Brücke schlagen, zwischen dem „Underground/Overground“ und der (nicht nur bildenden) Kunst und hierbei das „Selbstverständnis“ eines Künstlers in verschiedenen Situationen dokumentieren. Diese Situationen könnten sein: Politik, Existenzialismus, Religion und andere. Die Perspektive ist natürlich rein subjektiv und dient einzig der Kommunikation zwischen mir und Ihnen, einem weiteren, wichtigen Element der Kunst. Und eventuell dient es noch der Revitalisierung des „Undergrounds“. Denn da eine „Kunstkritik“ auch immer „Zeitkritik“ ist, KANN sie deshalb niemals „Mainstream“ sein.
Mit meiner künstlerischen Arbeit möchte ich erläutern, dass die Gesellschaft Künstler benötigt, die ihr „Kultur“ im ursprünglichen Sinne, also als „Wertesystem“ und nicht als „Markt“, wieder „schmackhaft“ machen. Das Mittel dazu ist der „Information Overload“, ein Phänomen unserer Zeit. Ziel meines Information Overloads soll ein Freiraum sein, eine „geistige Leere“ als Folge des „System-Crashs“, in die das Sein Einzug halten kann. Ein Zen Koan oder ein Mandala erfüllen eine ähnliche Funktion. Ich versuche es auf „westliche“ Art und verarbeite verschiedene „Denkebenen“ zu einem Konstrukt. Dieses stellt das eigentliche „Kunstwerk“, die soziale Plastik dar, da es mit meiner Person und Position im „echten“ Leben verbunden ist und aus ihm entspringt.
Mein Schaffen soll nur ein Beispiel sein. Als Mensch ist man, gerade in der Kunst, sein eigenes Experiment und deshalb rate ich nicht zur direkten Nachahmung. Die Absicht meines Schaffens ist es, Ihnen Grundgedanken zu vermitteln, die Sie in ihrem eigenen Leben umsetzen können, wenn Sie wollen. Seien Sie frei, wenn Sie können oder versuchen Sie es wenigstens.
Am Anfang war die Musik und so war es auch bei WIDUKIND. Wenn Sie also das „Gesamtkunstwerk“ im eigenen Geiste genießen, dann berücksichtigen Sie bitte die dazu gehörenden Lieder, welche auf der beiliegenden CD zu finden sind.
Und sehen Sie mir so einiges nach...
und lächeln Sie...
Willkommen im ersten offiziellen Kopftheater der Welt.
Ich begrüße Sie und freue mich, dass Sie die Entscheidung getroffen haben, dem beizuwohnen, was sich uns hier und jetzt darbieten wird. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung.
Wir zeigen Ihnen heute das Stück WIDUKIND! Es ist ein mentaler Einakter in mindestens drei Ebenen und durchaus geeignet für alle anderen Hemisphären. Nichts ist so, wie es scheint und alles ist natürlich gewollt, hat aber aus guten Gründen keinerlei Bezug zum aktuellen Geschehen. Alle Parallelen sind rein zufällig und es besteht keine Gefahr für Leib und Leben.
Kommen Sie! Kommen Sie herein und nehmen Sie Platz. Für Ihre Garderobe ist gesorgt, wie auch für Ihr leibliches Wohl. Erleben Sie die Ansichten eines Künstlers, das Spiel eines Scharlatans und sanfte Verse derTheologia Naturalis. Hören Sie die scharfen Gedanken der Zeit, wie Sie sich durch die Giebel des Kopftheaters nagen sägen und gehen Sie vorher am besten noch einmal aufs Klo. Denn Sie werden keine Minute missen wollen, wenn es erstmal heißt:
„WIDUKIND regt sich, deine Seele erhebt sich.“
Hereinspaziert!
Das erste offizielle Kopftheater präsentiert:
WIDUKIND, ein Stück im Stück.
Ein Einakter mit zwei Personen.
(Sie und ich.)
(Drücken Sie eine beliebige Taste um fortzufahren.)
Wir schreiben das Jahr 2055.
Wir haben wohl endlich alle das Alter erreicht, in dem wir eine Ahnung davon besitzen, was es heißt, einmal „die Hosen heruntergelassen zu haben“.
Wieso auch nicht!? Wir überlebten 2012, wir haben 2022 überstanden und bestimmt auch irgendwelche Klon-Kriege, von denen wir damals noch nicht einmal zu träumen wagten, es sei denn wir hießen Gerold Luckhardt.
Wir schreiben das Jahr 2055 und ich bin der Graue, nein der Weiße, hatte ich doch im Rahmen meines Forschungsprojektes Mensch das Anrecht auf ein, Sie werden lachen, deutsches Leben, welches mich bis heute leben und sterben lässt, Sie wissen ja, „deutsches Anrecht, deutsche Pflicht“... Ich habe mir das Recht verdient, zu fressen und zu scheißen, ein Arschloch zu haben und das auch noch zu betonen! Im Kontext zur „Admiralität der Norm“ verkünde ich meinen Brüdern im Geiste: „Ja, ich habe geschissen!“
Und wie! Ich habe mir meinen Meister Beuys in den Arsch gesteckt, Hämorrhoiden dabei erstochen und „soziale Plastik“ als Tätowierung auf meinem Penis stehen!
Ich bin die geile Sau, die sich nicht die Beine rasiert! Ich stinke. Ich darf das, es gehört zu meinem Job.
Wieder werden Sie lachen. „Künstler“, werden Sie sagen, „sind wir doch alle, mittlerweile in Version 2.0, Realitätsbeschaffungsprogramm B/21.“ Und diesmal irren Sie.
Es war einmal Christoph Schlingensief, der sagte, „die soziale Plastik sei doch irgendwie verwirklicht worden, wenn Politiker eigentlich Theaterpreise kassieren und Männer sich die Beine rasieren“, auch er irrte sich gewaltig.
Die „Soziale Plastik“ als Erkennungsmelodie des Gesamtwerkes Beuys´, ist noch nicht einmal ansatzweise verwirklicht worden, leben wir doch immer noch in einer kulturellen Tiefebene, welche notdürftiger nicht sein könnte. Wo in aller Welt gestalten denn Künstler hier „Gesellschaft“?!
Ich schlich mich ein. So machten es die meisten.
Ich mogelte mich am Türsteher vorbei und nun sage ich es noch einmal: „Ja, ich habe geschissen!“
Ich habe sie alle mit künstlerischem Exkrement bekleckert!
Ich habe mich geformt, denn ich hatte in einer Informationsschrift der Universität der Künste Berlin gelesen: „Die hauptsächliche Arbeit des Künstlers ist die Arbeit an sich selbst.“
Ich habe mich daran gehalten.
Ich bin vorbei am Zeitgeist, direkt auf den Geist zu, habe ihn ausgeschimpft,„warum er so lange auf sich warten ließe“und habe ihn gefressen. Und nun scheiße ich ihn aus wie ein Exkrement.
Das istKünstlertum.
Und? Scheißen Sie auch „geist-reich“? Oder sind Sie eher „geist-geil“? Dann fressen Sie jetzt meine Scheiße. Aber machen Sie sich keine Sorgen um EHEC oder Cholera,„diese“Scheiße ist kostbar wie Ambra. Sie riecht nicht, sie schmeckt nicht und wirkt wie pures LSD. Diese Scheiße ist besessen von einem Gott.
Es war einmal, da wurschtelte ich mich durch mein germanisches Bewusstsein, als sich plötzlich eine Art Tür öffnete – es war die Rune Tyr – und ich verlor den Verstand. Denn ich war auf einmal sehr interessiert an allem was nordisch, runisch, überhaupt heidnisch oder antik war. So wie zum Beispiel „Demokratie“, eine antike, heidnische Erfindung, Sie wissen schon...
Ich betrachtete mein antikes, heidnisches Ahnenerbe und... ich sehe, Sie haben es bemerkt...
Schon treten Komplikationen auf, so nach dem Motto „welche Art von Gehirnhälfte soll das jetzt verarbeiten“, aber machen Sie sich weiterhin keine Sorgen. Ich sage Ihnen doch, es ist Scheiße.
Aber ich erlebte eine Überraschung. Analog zu den Ideen der Antike, und analog zum Pantheismus, der unser aller Ideen vergöttlicht, erkannte ich den Makel unserer Zeit.
Wir lassen es uns nicht nehmen, unser eigenes Leben führen zu wollen und merken dabei gar nicht, dass wir gar keins haben.
Fremdbestimmt ziehen wir gleich und schreiben„Individuation“darauf und„wehe dem“, der sich doch eigene Gedanken macht.
(Kassettenrekorder an.)
Die Indianer in Amerika. Die Aborigines in Australien. Wer kennt den „Geist der Ahnen“ noch!?
(Kassettenrekorder aus.)
Ich als Norddeutscher ging da schon mal einen Schritt weiter und verband mich vorgeburtlich mit meinen Göttern. Das ist nun schon lange her. Irgendwann kam dann der Gott Heimdal und ergriff von mir Besitz. Er war sehr verwundert.
„Welche Kleinkackerei geht eigentlich hier ab?“ und „Was denken sich die Menschen eigentlich dabei, wenn sie nicht denken?“, fragte er.
„Weißt du“, sprach er weiter, „früher wäre das alles nicht gelaufen. Die hätten den Hitler gleich erschlagen und ins Moor geworfen. Wie kommt jemand überhaupt auf die Idee,Germanentum und Faschismuspassten zusammen? Wenn es früher im Original doch hieß: ,Odin gib uns Regen und wenn nicht, du Arsch, wird ab morgen ein anderer Gott verehrt!‘…?!?! Was wird hier an ,Geben und Nehmen‘ nicht verstanden?“
Im Buch des Dzyan, das eine Frau namens Helena Blavatsky aus Asien mit in den Westen brachte, wird„Odin“als der 56. Buddha bezeichnet, welcher in den Norden kam, um zu lehren.
Das „Siegesbewusstsein“ sei die Fürsorge, die er seiner Umwelt entgegen bringt, weiß er doch wohl, dass er nichts ist ohne sie. Das im ausgehenden 19. Jahrhundert entstandene Interesse an einer größeren „Dimension von Historie“ und die Frage, welchen Platz man in ihr hat, war genug Futter, um genau das zu erreichen, was schon die französische Revolution geschafft hatte. Werte in ihr Gegenteil zu verkehren und sie trotzdem noch als gegeben zu „verkaufen“. So entstand dann halt mal „unsere Gesellschaft“.
Und? Sind wir Christen? Sind wir Heiden?
Sind wir „so frei“, das zu entscheiden?
Erstmal sind wir Ärsche und dann vielleicht gerade einmal Satanisten (auf der „dunklen“ Seite der Prägung). Haben wir doch tatsächlich die Dreistigkeit zu behaupten, wir hätten eine Wahl, im Sinne von Analyse und Synthese als materielle „Scheiße“, obwohl wir die gar nicht haben. Wenn wir sie hätten, hätten wir auch Wissen über alles, was uns zu dem macht, was wir sind. Und da kommen wir zurück zu Heimdal.
Heimdal war derart verstört, in einem so zerrütteten Körper wie meinem Platz zu nehmen, dass er sofort in seinen nächst kleineren Avatar schrumpfte. Und das war der von WIDUKIND.
WIDUKIND, der Sachsenmann, der sich von Karl dem Großen hatte taufen lassen und sich wahrscheinlich nach germanischer Sitte begraben ließ, kannte sich in solchen Fällen einfach besser aus und Heimdal kannte wiederum WIDUKIND besser als diesen„Scheiß“.
(Antonin Artaud lächelt.)
Sicherlich sind wir alle Rassisten. Auf eine nette Art sind wir ja auch alle Ärsche, jedenfalls sollten wir das sein, also nett.
Sicherlich sind wir Rassisten, weil es eben vielerlei Rassen gibt und wir nur „einmal“ da sind. Ich entschuldige mich bei den multiplen Persönlichkeiten für diesen Satz.
Sicherlich sind wir auch alle Ärsche, selbst wenn einige es gut verstehen, das bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu ignorieren. Die sind jedoch braun, gelb, weiß, rot und was weiß denn ich, groß, dunkel, fleckig…
Argumentationen über das Blut dienen dem Unverständnis gegenüber der eigenen Wurzel und somit anderen. Und sie dienen der Angst vor der eigenen Auslöschung, denn auch diese„kristallisiert“sich wo? Im Blut. Wer es beherrscht, beherrscht das„Leben“, also ist es Schwachsinn, es zu ignorieren. Es hat also nichts mit Blutlinien und kranken Theorien zu tun, es ist die Freiheit des Einzelnen, was auch immer damit anzufangen. Nichts ist vorbestimmt, aber alles hat seinen Platz. Wem„kocht“das Blut oder wem„gefriert“es nicht auch manchmal. Wer es beherrscht, beherrscht sich selbst in einem wichtigen Aspekt.
WIDUKIND gab sich überrascht.
In einer zerstörten Welt ist es nicht wichtig, dass deutsch drin ist, wenn es drauf steht, es ist nur wichtig, dass man versteht, wo es herkommt und was es mal war. Denn was es ist, muss sich ja ständig neu offenbaren, was das Gegenteil von definieren ist.
„Und was ist dann neuerdings deutsch?“, fragte WIDUKIND.
Ich erschrak.
„Oha.“ WIDUKIND schaute mir zu und verstand gar nichts mehr.
Man merkte durch seine einfache Präsenz sehr schnell und deutlich, wie sehr man selbst verstrickt war in die scheinbar moderne „aufgeklärte“ Welt von rechts, links, oben und unten. Wie schmählich es war, trotz allem immer noch mit den alten Instinkten am Werk zu sein und es durch die ganze Aufgeklärtheit gar nicht zu merken. So zum Beispiel, die Gefahr nicht sehen zu können, was die Umweltverschmutzung bewirkt. Und das nur, weil sie nicht greifbar ist wie ein Tiger und ihre Folgen erst in zehn Jahren auftreten können.
„Nun was ist deutsch, WIDUKIND?“, fragte ich neckisch zurück und wie ein Donner kam es geflogen:
„Meine Seele, du Lappen!“
„Wie kann es denn sein, dass seelenlose Allesfresser ein geistiges Attentat auf ein metaphysisches Konzept verüben können, nur weil sich die‚guten Restseelen‘der Rotte nicht dazu entschließen können, mitverantwortlich zu handeln, indem sie sich ihnen in den Weg stellen, um für ihre Kultur einzustehen?!“
„Welcher Redner vermochte es, denRath beim Thingdermaßen zu verwirren?“
Ich antwortete: „Es war wohl dieser Massenpsychologe Gustaf Le Bonscher, auf den sich Goebel und auch die Pilz-Zeitung berufen hat.“
Sehen Sie? Wir haben für alles eine Antwort. Deshalb fressen wir Scheiße. Erkennen Sie den Widerspruch? Wir erleben uns als etwas, was wir nicht sind. Ich brauche hier bestimmt keinen Arschgeweih-Mist anfangen, ich glaube Sie verstehen auch so. Sie sind doch offen für Essayisten wie mich.
Nun, da WIDUKIND und ich uns einig geworden sind, es hat gedauert, aber spätestens beim „Ein Braunes bitte!“ wurde uns beiden schnell klar, dass Handlungsbedarf besteht, wende ich mich der Gegenwart zu.
Sie wissen ja, wir schreiben das Jahr 2055.
Europa liegt in Trümmern. Nach dem Wirtschaftszusammenbruch und der Umweltkatastrophe bestimmt nur ein System das Geschehen, der Internationalsozialismus.
Es ist die Zeit des Krieges zwischen den Gnostikern und den Quadratköpfen, in der Mohammed, mit Christus vereint im Blute, den kybernetischen Guerillakrieg führt, um zumindest die erwachten unter den Kriegerseelen noch anzuleiten, den Weg zu sich selbst zu finden. Maria, die Frau von Jesus, hat ihn gefickt, nicht den Propheten, aber seine Nachkommen, so steht es doch geschrieben, oder stand es, soweit ich mich erinnere.
In dieser Zeit ist es einem selbst überlassen, was man aus sich macht. Es ist fast schon eine Renaissance der Antike, was das Potential und die Möglichkeiten angeht, nur keiner hat Wissen darüber. Niemand, oder kaum noch jemand erlangt soviel Zugang zu sich selbst, dass er sich befreien kann von der Suggestion der Seelenlosigkeit, dass er in der Lage ist, für sich selbst zu entscheiden.
Und deshalb gibt es auch nur einen Boden der umkämpft wird:die eigene Seele.
Vielleicht beginnen Sie jetzt langsam zu verstehen, warum ein Mensch in der Antike mit den Göttern ging und nicht ohne sie.Demos Kratosals Folge einer Hochkultur, das hat Beuys gemeint als er sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler!“
Vielleicht hätte er doch sagen sollen:
„Jeder Mensch ist ein Okkultist!“
Das hätte euch atheistischen Krämerseelen bestimmt besser gefallen, aber Kult und Kultur sind zweierlei. Satanismus ist nicht die Wurzel der Magie, er ist der Enddarm des Monotheismus. Da er das Göttliche verneint und sich darauf der Materialismus gründet. Kultur, als menschlicher Versuch, die Ordnung der Natur zu kopieren, ist aufgebaut auf heiliger Geometrie und ist somit als Gesellschaftsform älter als der Monotheismus, der sich ja auch nur aus dem monotheistischen Prinzip ableitete, welches es in jeder polytheistischen Kultur als ordnendes oder gebärendes Prinzip ergänzend gab. Eine polytheistische Kultur definierte sich ja nicht als solche, das musste der Monotheismus erstmal selbst erledigen, damit er sich abgrenzen konnte von all dieser „Toleranz“.
„Jeder Mensch ist ein Arsch!“
Das hättet ihr zumindest verstanden und lustig gefunden, oder ihr hättet es„irgendwie“verstanden. Jedenfalls ist das Scheiße-Thema jetzt durch.
„Jeder Mensch ist ein Künstler!“
Jeder Mensch birgt in sich den Weg zur Vervollkommnung, welcher das unerreichbare Ziel der Kunst zu sein scheint.
