Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen - Thomas Mayer - E-Book

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen E-Book

Thomas Mayer

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Beschreibung

All das Geld auf Ihrem Girokonto ist von privaten Geschäftsbanken erzeugt. Aus dem Nichts. Geht die Bank Konkurs, ist Ihr Geld weg. Die Banken profitieren fürstlich an dem Privileg, Geld erzeugen zu können. Öffentlich diskutiert und beschlossen wurde das nie. Höchste Zeit, dies zu ändern. Mit Vollgeld steht ein Geldsystem bereit, das über Jahrhunderte erprobt ist. Es ist ohne Risiko einführbar. (Fast) alle profitieren davon.

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Thomas Mayer Roman Huber

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen

und wie Vollgeld das ändert

Thomas Mayer Roman Huber

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen

und wie Vollgeld das ändert

Tectum Verlag

Thomas Mayer

Roman Huber

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen und wie Vollgeld das ändert

© Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2018

ePub: 978-3-8288-7002-4

(Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4070-6 im Tectum Verlag erschienen.)

 

 

Umschlagabbildung: © vdl-2018|i-stockphoto

Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de

 

 

 

 

 

 

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind

im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Kein zähes Vorwort – Lieber sofort rein ins Vollgeld

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen – Probleme unseres heutigen Geldsystems

Die Giralgeldschöpfung der Banken – ein profitabler Selbstbedienungsladen

Schranken der Bankengeldschöpfung

Wie das Geld unter die Leute kommt

So funktioniert Vollgeld

Vollgeld-Reform konkret

Jetzt gibt`s Vollgeld und was ändert sich für die Bankkunden?

Geht Vollgeld den Banken ans Portemonnaie? Was ändert sich für die Finanzinstitute?

Wie die Wirtschaft von einer Vollgeld-Reform profitiert

Die Vorteile des Vollgeldes

Vollgeld ist einfach & verständlich

Vollgeld ist so sicher wie Bargeld

Vollgeld schafft freien Wettbewerb und Gerechtigkeit

Vollgeld rentiert sich für den Staat

Reduktion der Staatsverschuldung

Vollgeld macht EU-Bürokratie überflüssig

Schaffung einer handlungsfähigen Zentralbank

Eindämmung von Finanzblasen

Vollgeld verringert die Kluft zwischen Arm und Reich

Ungleichheit durch Schuldgeldsystem

Wachstumsfreiheit statt Wachstumszwang

Warum dürfen private Firmen eigentlich unser Geld herstellen?

Die Technik der Verschleierung

Vollgeld kontrovers

Geld & Demokratie: Vollgeld braucht Gewaltenteilung

Anhang

Anmerkungen

Weitere Informationen

Kein zähes Vorwort – Lieber sofort rein ins Vollgeld

Wer stellt eigentlich unser Geld her? Eine überflüssige Frage, denken Sie … Das Geld stellt doch eh die Zentralbank her … was soll das Ganze? … Buch zuklappen … Warten Sie, nur noch ein paar Worte …

Wie Sie denken die meisten Menschen – übrigens auch Politiker, Finanzjournalisten, Studenten der Wirtschaftswissenschaften, deren Professoren und Banker. Sie alle sehen das Monopol der Geldherstellung sicher in den Händen der Zentralbank.

Doch den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass

• rund 90 Prozent des von uns verwendeten Geldes, nämlich all das Geld, das auf unseren Girokonten liegt (Giralgeld oder Buchgeld genannt), nicht von den demokratisch legitimierten Zentralbanken, sondern durch private, gewinnorientierte Geschäftsbanken erzeugt und in Umlauf gebracht wird.

• dieses Privileg der Banken, elektronisches Geld zu erzeugen, gesetzlich nicht geregelt ist.

• mit einer Änderung dieser Praxis der Geldherstellung die Staatsverschuldung innerhalb einiger Jahrzehnte weitgehend getilgt werden könnte.

• mit einer Abschaffung der Geldproduktion durch private Banken ein Geld- und Bankensystem geschaffen werden könnte, das bei Bankenpleiten und Finanz-Crashs nicht ins Wanken kommt.

Unser Buch ist ein, ja, leidenschaftliches Plädoyer für Vollgeld. Denn Vollgeld schafft ein verblüffend einfaches sowie sicheres Geld- und Bankensystem, das viele Probleme des bestehenden, sehr ungerechten Geldsystems löst.

 

Was ist Vollgeld?

 

Nun, Vollgeld bedeutet, dass unser Geld ausschließlich von der Zentralbank erzeugt wird – von niemand anderem.

 

Bis wir Autoren uns mit dem Thema Vollgeld beschäftigten, glaubten auch wir, dass Geld einzig von den Zentralbanken ausgegeben wird. Irrtum … denn heute sind lediglich Münzen und Banknoten Vollgeld. Als gesetzliche Zahlungsmittel machen sie aber nur etwa 10 Prozent der umlaufenden Geldmenge aus. Zirka 90 Prozent sind jedoch elektronisches Geld, das die Banken ganz einfach per Knopfdruck erschaffen und damit ihre Geschäfte u.a. Kredite, Immobilien, Aktienkäufe finanzieren.

 

Konkret heißt das, wenn wir einen Kredit von einer Bank erhalten, schöpft diese das Geld dafür aus dem puren Nichts. Wir hingegen müssen hart arbeiten, um der Bank das Geld plus Zinseszins zurück zu bezahlen. Sonst pfändet sie unser Haus, obwohl sie vorher das Geld des Kredites aus dem Nirgendwo erschaffen hatte! Eine fiese Ungerechtigkeit? Ja, das kann man so sehen.

 

Bankkunden glauben, die Guthaben auf ihren Konten seien echtes Geld. Ein Trugschluss! Ein Konto ist lediglich eine Forderung des Kunden, oder anders ausgedrückt, ein Versprechen der Bank auf echtes Geld. Ein Kontoguthaben ist aber keineswegs ein gesetzliches Zahlungsmittel.

 

Den Banken untereinander ist ihr eigenes Buchgeld zu unsicher, deshalb handeln sie miteinander nur elektronisches Vollgeld der Zentralbank. Daran sieht man, welchem Geld sie selbst vertrauen. Wir Kunden sollen uns aber mit Zahlungsversprechen der Banken zufriedengeben und bekommen auf unsere Konten ungedecktes Geld, kein Vollgeld!

 

Das ist der Grund, warum wir uns für Vollgeld einsetzen. Wir wollen erreichen, dass elektronisches Geld auf unseren Konten zu Vollgeld wird! Während elektronisches Geld, das von einer Bank erzeugt wurde, sich in Luft auflösen kann, wenn die Bank in Konkurs geht, ist Vollgeld von der Zentralbank und somit von der ganzen Volkswirtschaft gedeckt und damit krisensicher.

 

Dabei ist Vollgeld keine Revolution oder fundamentale Alternative zum bestehenden System, sondern ein naheliegender, nächster Schritt. Schließlich haben wir bereits über Jahrtausende hinweg mit den Geldmünzen ein erprobtes Vollgeldsystem. Vor über hundert Jahren wurde den Banken verboten, Papiergeld selbst zu drucken. Seitdem dürfen nur noch Zentralbanken GeldSCHEINE herstellen. Doch mit der Digitalisierung des Geldes verlieren Geldscheine zunehmend an Bedeutung, inzwischen wird sogar schon über die völlige Abschaffung des Bargeldes diskutiert. Deshalb muss dringend das Herstellungsmonopol der Zentralbanken auf elektronisches Geld ausgeweitet werden. Dann können Banken kein eigenes Geld mehr erschaffen, sondern nur noch Geld verleihen, das sie von Sparern, Investoren oder der Zentralbank zur Verfügung gestellt bekommen haben.

 

Vollgeld heißt, dass die Gelderzeugung durch die Zentralbank wieder in den Händen des demokratischen Staates und somit der Bürgerinnen und Bürger liegt, und nicht einer kleinen Kaste von Finanzinstituten überlassen wird. Geld ist ein schützenswertes Gut, denn es ist die Grundlage des Wirtschaftens und damit Lebensgrundlage der Menschen.

 

In der Schweiz wurde die Vollgeld-Initiative mit über 110.000 gültigen Unterschriften eingereicht, so dass die Bürgerinnen und Bürger über die demokratische Kontrolle ihres Geldwesens abstimmen können (www.vollgeld-initiative.ch). Auch in Deutschland gibt es Initiativen für Vollgeld (www.monetative.de), ebenso in vielen anderen Staaten (www.internationalmoneyreform.org).

 

Dieses Buch will Ihnen kompakt Vollgeld darstellen. Wer mehr wissen will, findet auf den genannten Webseiten sowie in unserem Online-Ergänzungsbuch: www.vollgeld.info weitere, tiefer gehende Informationen.

 

Wenden wir uns nun also der zentralen Frage des Buches zu: Sollen private, profitorientierte Unternehmen wie Banken tatsächlich unser Geld herstellen oder demokratisch legitimierte Institutionen? Wer macht`s besser?

 

Viel Spaß beim Lesen und Grübeln über volle Bankkonten.

 

Thomas Mayer und Roman Huber

im Januar 2018

 

Wie Banken Geld aus Nichts erzeugen – Probleme unseres heutigen Geldsystems

Stellen Sie sich vor, Sie schenken einer Bank Ihr Geld, damit die Bank es Ihnen dann ausleiht und Sie dafür Zinsen bezahlen. Das gibt’s nur in Absurdistan? Keineswegs, genau so funktioniert unser derzeitiges Geldsystem!

 

Und wir sind selbst schuld daran, denn wir haben den Banken – ohne es zu bemerken – die Herstellung von elektronischem Geld überlassen. Richtig, private Firmen stellen den größten Teil unseres Geldes her! Nicht die Zentralbanken. Es kommt noch besser: Der Staat zahlt ihnen sogar Zinsen, damit Geld über Kredite in Umlauf kommt. Anstatt selbst das notwendige Geld zu erzeugen und auszugeben, müssen sich unsere Staaten bei Banken verschulden.

 

Eine kleine Finanzelite profitiert von dieser Art der Gelderzeugung. Still und leise arbeitet sie mit ihrem von der Gesellschaft gestohlenem Monopol, offiziell gibt es dieses gar nicht und sie ist schlau genug, es nicht publik zu machen. Kein Parlament und keine Regierung hat sich je über das Monopol der Erzeugung von Giralgeld durch private Banken Gedanken gemacht – geschweige denn es beschlossen. Die Quittung haben wir Bürgerinnen und Bürger in den letzten Finanzkrisen hart zu spüren bekommen: Bündelweise und unkontrolliert stopften die Banken selbstgeschaffenes Giralgeld in die Märkte, gaben ungesicherte Kredite für Häuser, für Spekulationen, blähten die Geldmenge immer weiter auf – bis es zum Crash kam …

 

Wie konnte es dazu kommen?

Die Giralgeldschöpfung der Banken – ein profitabler Selbstbedienungsladen

Der Ökonom Richard Werner, der an der Universität Southampton Internationales Bankgeschäft lehrt, ließ 2012 in Frankfurt eine Umfrage unter tausend Bürgern durchführen. Die Frage lautete: „Wer erzeugt und verteilt das Geld?” 84 Prozent der Befragten gaben an, dass entweder die Zentralbank oder die Regierung das Geld in Umlauf bringe. Auf die Frage „Würden Sie einem System zustimmen, in dem die Mehrheit der Geldmenge durch meist private, auch profitorientierte Unternehmen produziert und verteilt wird und nicht durch staatliche Organe?”, antworteten 90 Prozent mit: „Nein, das wollen wir nicht.“ Leider funktioniert unser heutiges Geldsystem aber genauso.1

Fakt ist, die Zentralbanken erzeugen den geringsten Teil unseres Geldes, nämlich nur das Bargeld – Geldscheine und Münzen. Den Festtagsbraten, das Giralgeld, teilen die Banken unter sich auf – alle Banken außer den Zentralbanken, also alle Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen etc. Alleine in Deutschland gibt es über 2.000 Banken mit 38.000 Zweigstellen.

 

Im Euro-Raum waren von 2008 bis 2015 im Durchschnitt 5.174 Milliarden Euro im Umlauf, die von den Statistikern auch „Geldmenge M1“ genannt wird. Sie bestand aus 932 Milliarden Euro Bargeld der Europäischen Zentralbank (EZB) und 4.243 Milliarden Euro Giralgeld der privaten Banken. Diese Finanzinstitute stellten also 82 Prozent aller Euros her.

In der Schweiz waren von 2003 bis 2015 im Durchschnitt 392 Milliarden Franken im Umlauf. Von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kamen 47 Milliarden Franken Bargeld, die Banken erzeugten 345 Milliarden Franken an Giralgeld, also 88 Prozent aller Franken.

Die Banken produzieren fast unser ganzes Geld!

 

Und das auch noch für lau: Die elektronische Gelderzeugung auf Girokonten ist für die Banken so gut wie umsonst. Sie müssen sich nur zu einem geringen Teil bei der Zentralbank „refinanzieren“, sozusagen Rückendeckung holen. Diese Deckung wird „Mindestreserve“ genannt und beträgt im Euroraum lediglich ein Prozent des erzeugten Geldbetrages, in der Schweiz 2,5 Prozent. Diese Guthaben bleiben bei der Zentralbank stehen und kommen nicht in Umlauf. Nur hinter einem winzig kleinen Teil des Buchgeldes der Banken steht also echtes Zentralbankgeld als Sicherheit.

Was ist die Geldmenge M1?

Sie besteht aus allen umlaufenden Münzen und Geldscheinen sowie allen Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten. Spargelder, über die man nicht täglich verfügen kann, sind nicht in der Geldmenge M1 enthalten, sondern je nach Kündigungsfrist in der Geldmenge M2 und M3.

Verleiht die Zentralbank denn gar kein Geld?

Man liest doch immer in der Presse, dass die „Zentralbanken den Banken Geld leihen“, den „Leitzins festlegen“ oder gar „die Märkte mit Geld fluten“? Also muss es doch auch Buchgeld der Zentralbank geben …

 

Das gibt es, es kommt nur leider nicht in Umlauf. Kein Mensch oder Unternehmen bekommt Zentralbank-Buchgeld zu sehen. Nur die Banken haben ein Konto bei der Zentralbank, ihre Kontonummer ist die Bankleitzahl. Die Chefbuchhalter der Banken arbeiten zwar mit Zentralbank-Buchgeld, doch zum Shoppen können sie es auch nicht benützen. Man kann damit nämlich nicht das machen, was Menschen normalerweise mit Geld tun. Es dient nur dem internen Zahlungsverkehr zwischen den Banken und regulatorischen Zwecken.

 

Es bestehen also zwei voneinander getrennte Geldkreisläufe – einer aus Zentralbank-Buchgeld und einer aus Banken-Buchgeld. Sie bilden die Grundstruktur unseres Geldsystems.

 

Giralgeld der Banken ist kein gesetzliches Zahlungsmittel

Das Recht auf Geldschöpfung war immer das Königsrecht. In der Demokratie sind wir Bürgerinnen und Bürger nun der Souverän. Aber wir sind unaufmerksame Könige, wir haben das Geldschöpfungsrecht weitgehend den privaten Banken überlassen. Zwar werden die Münzen nach wie vor von den Staaten geprägt und das Papiergeld von Zentralbanken gedruckt. Doch die Digitalisierung der Geldherstellung haben wir Königinnen und Könige verschlafen.

Bis 1960 fand bargeldloser Zahlungsverkehr fast ausschließlich zwischen Banken und großen Unternehmen statt. Papier- und Münzgeld herrschte vor, Löhne wurden bar in Lohntüten verteilt. Erst in den 60-er Jahren kam das Girokonto für alle auf. Heute ist Bargeld nur noch für Kleineinkäufe beliebt, das Meiste läuft per Überweisungen oder Kreditkarten. Laut Zahlungsverkehrsstatistik der Deutschen Bundesbank betrug 2008 der Wert der bargeldlosen Zahlungen 73.788 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen Barzahlungen im Wert von nur ca. 700 Milliarden Euro – das entspricht weniger als ein Prozent aller Zahlungen.2