Beschreibung

In seinem neuen Buch lässt der bekannte Professor Hans-Joachim Eckstein seine Lieder sprechen. Er erzählt auf sehr persönliche Weise, wie einige von ihnen entstanden sind. Außerdem legt er die zugrunde liegenden Bibeltexte aus und interpretiert die Liedgedichte. Viele Leser werden sich freuen, die Geschichte sowie die biblischen Hintergründe von Liedern zu erfahren, die sie persönlich in ihrem Leben begleiten. Enthalten sind u.a. die Klassiker "Gib mir Liebe ins Herz", "Herr, wenn es stimmt", aber auch aktuelle Kompositionen wie "Möge Gottes Segen mit dir sein" und "Gott sei mit dir. Wie ein Adler".

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Seitenzahl: 216

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SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe,die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigenStiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher

Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

Dr. Hans-Joachim Eckstein ist Professor für Neues Testament,Referent und Autor von Sachbüchern und Meditationen,Aphorismen und Gemeindeliedern.

www.ecksteinproduction.com

Dr. Eva-Maria Jäger ist Professorin für Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule Liebenzell,Psychologische Psychotherapeutin und Künstlerin.

www.evamariajaeger.de

ISBN 978-3-7751-5821-3 (E-Book)

ISBN 978-3-7751-5-789-6 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book:CPI books, Leck

Copyright 2017: Hans-Joachim Eckstein

Verlagsrecht dieser Ausgabe:

SCM Hänssler in der SCM-Verlagsgruppe GmbH

Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-haenssler.de · E-Mail: [email protected]

Die Bibelstellen wurden eigenständig übersetzt,wo möglich, in Anlehnung an die Lutherbibel, revidiert 2017,© 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, zitiert.

Umschlaggestaltung: Christina Burfeind, Hamburg

Titelbild: Tischenko Irina (shutterstock.com)

Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

INHALT

Über den Autor

Einführung

Wenn ich bedenke

Gott sei mit dir

Du bist ein Wunsch

Der kleine Hund

Gib mir Liebe ins Herz

Sieh die Sterne hoch am Himmel

Meine Last ist leicht

Petrus, sieh nur zu Jesus

Fürchte dich nicht

Heb deine Augen auf

Lobt den Herrn

Jeder Schritt sei dein, Herr

Herr, ich liebe dich

Vater, lass mich allezeit

When I get the blues

Bleibe bei uns, denn es wird Nacht

Herr, wenn es stimmt

Herr, mit dir bin ich gekreuzigt

Vor uns liegt ein weites Land

Sei getrost und fürchte dich nicht

Ich ahne jenseits meiner Fragen

Schau vor allem auf Jesus

Wir sind dein – Abendlied

Du bist das Licht in meiner Nacht

Dennoch bleibe ich bei dir

Möge Gottes Segen mit dir sein

Du in mir, ich bin dein

Ich höre mich neue Lieder singen

Was du gabst

Nichts kann dich mehr trennen

Gottes Friede sei mit dir

Ein Nachklang: Am Anfang waren Bekenntnis und Lied

Anhang – Die Psalmen als Grundlage der geistlichen Lieder

Anmerkungen

Verzeichnis der Bibelstellen

Alphabetisches Verzeichnis der Lieder

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

ÜBER DEN AUTOR

Hans-Joachim Eckstein schreibt und komponiert von seiner Jugend an eingängige geistliche Lieder, die mit ihren ermutigen den Texten zu Vertrauen, Zuversicht und Lebensfreude einladen.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

EINFÜHRUNG

»Gott sei mit dir! Er behüte dein Leben! Wie seinen Augapfel schütze er dich! Er trage dich wie ein Adler auf Flügeln, er leite dich ewiglich.« – Sich in die Höhe zu schwingen und aufzusteigen »wie ein Adler« ist eine befreiende und beglückende Vorstellung. Zu vertrauen, loszulassen und getragen zu werden sind biblische Umschreibungen des befreienden Glaubens, um den es in dem vorliegenden Buch geht.

Das Zitat und der Buchtitel stammen von einem der Lieder aus meiner Feder, die auf den folgenden Seiten beschrieben und »persönlich erlebt« werden. Dabei geht es freilich nicht um die Noten der Lieder – wie in dem »Liederbuch« – und auch nicht um die Möglichkeit, die Melodien anzuhören – wie bei den Audio-CDs. Vielmehr sollen die Noten erzählen und die Liedtexte erklingen. In diesem Buch wollen die Lieder ihr Geheimnis verraten.

Wie sind sie entstanden? Welche biblischen Aussagen und Zusagen stehen hinter den Liedtexten? Welche persönlichen Situationen und Erfahrungen kommen in den Melodien und Liedgedichten zur Sprache? Was ist der tiefere Sinn und die bleibende Bedeutung der persönlich gesungenen Wahrheiten? Welches Lebens- und Glaubensverständnis klingt in ihnen an? Manche Leser wollen auch gerne Näheres von den Liedern erfahren, die sie in ihrem Leben persönlich begleitet haben. So gewinnt der Untertitel »Lieder persönlich erlebt« eine vielstimmige Bedeutung.

Was die Entstehungszeit der interpretierten Lieder anbelangt, umspannt der zeitliche Bogen beinahe fünf Jahrzehnte – angefangen bei »Gib mir Liebe ins Herz« (1968) und »Herr, wenn es stimmt« (1969) bis hin zu »Du bist ein Wunsch, den sich Gott selbst erfüllt hat« (2015) und »Gott sei mit dir. Auf den Flügeln des Adlers« (2016). Dabei wurden alle Lieder einbezogen, die auf unseren von Winnie Schweitzer mit jungen Musikern eingespielten Audio-CDs »Lieder«1 und »Wie ein Adler«2 zu hören sind. In diesen aktuellen Aufnahmen findet sich eine Auswahl der beliebtesten und neuesten Lieder, deren Texte von mir verfasst und deren Melodien mit je einer Ausnahme selbst komponiert worden sind. Die Noten zu den besprochenen Liedern mit Gitarrengriffen finden sich ganz überwiegend in dem dazugehörigen »Liederbuch« mit 36 Liedern.3

Zu Beginn der Abschnitte wird jeweils der vollständige Liedtext als Grundlage abgedruckt. Der Stil der anschließenden Auslegung variiert von der anschaulichen Erzählung bis hin zu einer biblisch fundierten Einordnung und persönlich ermutigenden Anwendung der Texte. Um die Orientierung zu erleichtern, ist neben dem Inhaltsverzeichnis hinten ein alphabetisches Verzeichnis der Lieder beigefügt. Anmerkungen mit Quellenangaben sowie ein Verzeichnis der Bibelstellen finden sich ebenfalls am Schluss des Buches.

Immer wieder wird in den Liedtexten selbst und in ihren hier gebotenen Auslegungen Bezug auf die biblischen Psalmen genommen, die als Grundlage aller geistlichen Lieder gelten können. Der Anhang zu den Psalmen lädt deshalb mit seinen reichen Informationen über Motive, Gattungen und Aufbau zu einer eigenständigen und vertiefenden Lektüre der »Originale« und »Vorbilder« ein, mit denen wir als singende und betende Gemeinde bis heute leben.

Grundsätzlich lässt sich dieses Buch sowohl im fortlaufenden Zusammenhang als auch in beliebiger Auswahl und Reihenfolge der Artikel lesen. Die einzelnen Abschnitte bilden selbstständige Sinneinheiten und sind als abgeschlossene Interpretationen der Liedgedichte bzw. Liedtexte für sich genommen verständlich. Es liegt aber fraglos nahe, mithilfe der Einspielungen oder der Noten auch die Melodien zu den Texten auf sich wirken zu lassen oder – noch besser – auch selbst zu singen oder mitzusingen. Denn die Melodien und die Texte bilden jeweils eine beziehungsreiche Einheit, die einmal spannungsvoll und gegensätzlich, das andere Mal ganz harmonisch und vertiefend wirken kann.

Ein besonderer Gewinn mag darin liegen, die Liedinterpretationen in Haus-, Bibel- und Gemeindekreisen samt biblischen Belegen zu behandeln und die dazugehörigen Lieder gemeinsam mit eigener Begleitung zu singen, zur Tonaufnahme mitzusingen oder zumindest gemeinsam anzuhören. Bei der Veröffentlichung der zweiten Audio-CD haben wir mit den an der Einspielung beteiligten Musikern ein »Gesprächskonzert« veranstaltet, bei dem die einzelnen Lieder im Stil der vorliegenden Texte eingeführt und auf die persönliche Situation angewandt wurden. Diese Art der Verbindung von Musik und Verkündigung, von Singen und Andacht hat sich nicht nur in diesem Fall als sehr reizvoll und anregend erwiesen.

Sehr dankbar sind wir Frau Prof. Dr. Eva-Maria Jäger für ihre Bereitschaft, zu zahlreichen der interpretierten Lieder Skizzen anzufertigen, die zusätzlich zum Verweilen, Nachdenken und Austauschen einladen.

Predigten mögen wir vergessen, und die Erinnerung an einzelne Andachten oder gelesene Texte kann gelegentlich kurz sein. Ein Lied aber, das uns einmal angesprochen und inspiriert hat, begleitet uns über Jahre hinweg. Es meldet sich manchmal nach langer Zeit zurück und ist uns in einer kritischen Situation ein treuer Tröster und Berater. Denn beschwingende Lieder beflügeln das Herz; und die Worte und Bilder der Texte erreichen uns nirgends so unmittelbar, ganzheitlich und bleibend wie durch die Sprache der Musik.

Hans-Joachim Eckstein

WENN ICH BEDENKE

WHEN I REMEMBER

Wenn ich bedenke, was der Herr getan,dann kann ich niemals mehr zurück.Nein, dann kann ich niemals mehr zurück.Wenn ich bedenke, was der Herr getan, dann kann ich niemals mehr zurück.

When I remember what He’s done for me, I’ll never go back any more. No, I’ll never go back any more.When I remember what He’s done for me,I’ll never go back any more.4

»When I remember …« – Erinnerungen spielen in unserem Leben eine entscheidende Rolle. Von guten Erinnerungen mögen wir noch lange zehren und aus ihnen immer wieder neue Zuversicht gewinnen. Sie können uns beflügeln und uns vergegenwärtigen, was uns wichtig ist. Andererseits können schlechte Erinnerungen uns auch belasten und ängstlich machen. Haben wir gute Erfahrungen gemacht, dann nehmen wir neue Herausforderungen unerschrocken an. Wir vertrauen darauf, dass sich unsere positiven Erlebnisse erneut bestätigen werden. Sind wir aber von Erinnerungen an Enttäuschungen und Verletzungen, an Scheitern und Schmerzen bestimmt, dann mag uns der Mut fehlen, gegen alle Erfahrung etwas Neues zu wagen. Es kommt also offensichtlich darauf an, dass wir uns an den richtigen – das heißt den lebensfördernden und bestärkenden – Erinnerungen orientieren.

Das Kennenlernen dieses englischen kleinen Liedes ist bei mir jedenfalls mit positiven und ermutigenden Erinnerungen verbunden. Hörte ich es doch zum ersten Mal bei meiner allerersten großen Reise, die ich als Siebzehnjähriger allein – ohne Familie oder Jugendgruppe – ins ferne Nordengland unternahm. Was das Abenteuer noch steigerte, war das »Fortbewegungsmittel«: ein kleines Mokick, das mit gerade einmal 40 Stundenkilometern die über 1100 Kilometer Entfernung unter die Räder nahm. Im Übermut der Jugend bedeutete das eine Nonstop-Reise von 36 Stunden einschließlich Fähre! Abreise war um 5:00 Uhr morgens, Ankunft um 17:00 Uhr des nächsten Tages – rechtzeitig zu einer Tasse englischen Tees!

Das Ziel war ein internationales Jugend- und Konferenz-Zentrum der Fackelträger/Torchbearers in einem ehrwürdigen alten Gemäuer, das die so geheimnisvolle wie vielversprechende Adresse hatte: Capernwray Hall bei Carnforth/Lancashire. Hier erlebte ich das erste Mal eine christliche Gemeinschaft von jungen Menschen aus den verschiedensten Ländern und Sprachen, eine geistliche Begegnung zwischen jungen Christen aus den verschiedensten Kirchen, Konfessionen und Gemeinden. Unvergessen ist mir die abschließende Abendmahlsfeier geblieben, in der wir aus jeder Nation und Sprache unseren Beitrag zur Liturgie unserer Feier leisteten. Wir verstanden einander zutiefst, ohne die Sprache des jeweils anderen sprechen zu können.

Hier gewann ich eine erste Vorahnung der endgültigen Gemeinschaft mit Jesus Christus und der Einheit aller Christen. Sie verbindet die dankbare Erinnerung an all das, was ihr Herr für sie getan hat und bleibend tut. Wer diese Gemeinschaft derer, die Jesus Christus dankbar lieben, einmal geteilt hat, möchte niemals mehr zurückkehren in ein altes Leben vor dieser Erfahrung der Zuwendung und Wertschätzung, der Hoffnung und gemeinsamen Freude.

Neben den Predigten und Vorträgen in englischer Sprache beeindruckte mich das gemeinsame Singen von Chorussen, die mir allesamt neu und in ihrer Eingängigkeit und Fröhlichkeit faszinierend waren: »When I remember what He’s done for me, I’ll never go back any more!« Die Rückfahrt bot genug Gelegenheit, diese Gewissheit beglückt und – im Hinblick auf den bevorstehenden Alltag – auch selbstermutigend dem Wind entgegenzusingen. Die anschließende Übersetzung dieses wie weiterer Lieder ins Deutsche sollte für mich der Anfang allen Textens, Komponierens und Schreibens werden.

»Wenn ich bedenke, was der Herr getan, dann kann ich niemals mehr zurück!« – Es hat gewiss keinen Sinn, nur in der Vergangenheit zu leben; aber wenn wir uns Wesentliches aus der Vergangenheit vergegenwärtigen, kann es uns helfen, ganz in der Gegenwart zu leben und unserer Zukunft zuversichtlich entgegenzuschauen. So sollten wir auch nur insoweit in die Vergangenheit zurückblicken, als es uns vorwärtsbringt. Denn darum erinnern wir uns in der Gegenwart doch so gerne an unsere Vergangenheit: um ihrer noch ausstehenden Zukunft willen! Das Schönste an unserer Vergangenheit waren nicht die damaligen Umstände an sich, sondern dass wir eine Zukunft hatten, auf die wir zulebten! »Niemals mehr zurück!«, sondern vorwärts in die Zukunft, ist die Losung der Hoffnung und der dankbaren Gewissheit. Glücklich, wer zurückfindet zu dieser Heiterkeit der Hoffenden, die das Schönste noch vor sich wissen!

Eines ist dabei noch ganz entscheidend: Es sind nicht die Erinnerungen an unsere eigenen vergangenen Taten und Fähigkeiten, Gefühle und Erfahrungen, die uns tragen können, wenn uns die Zukunft verloren geht. In Trauer und Hoffnungslosigkeit können wir uns gerade nicht von unserer verlorenen Vergangenheit her verstehen. Unsere eigenen vergangenen Möglichkeiten mögen uns den Verlust eher noch schmerzhafter machen. Die Erinnerung an unsere besseren Zeiten lässt dann alles nur noch schlimmer erscheinen. Es ist deshalb das Gedenken an all das, was Jesus Christus, unser Herr, für unser Leben in Zeit und Ewigkeit getan hat, das tröstet und ermutigt. Es ist die Erinnerung an sein Tun, die uns voranbringt und wieder zuversichtlich singen lässt.

Übrigens, es ist weniger entscheidend, wie schnell man vorwärtskommt und wie weit die Strecke ist – und seien es gefühlte 1100 km bei 40 km/h. Wichtig ist allein, dass man in die richtige Richtung fährt und durchhält, bis man am Ziel ankommt. – »I’ll never go back any more – niemals mehr zurück!«

Gott sei mit dir. Auf den Flügeln des Adlers

GOTT SEI MIT DIR

AUF DEN FLÜGELN DES ADLERS

Refrain:

Gott sei mit dir! Er behüte dein Leben!Wie seinen Augapfel schütze er dich!Er trage dich – wie ein Adler – auf Flügeln,er leite dich ewiglich.

1. Er führe dich über Höhen und Tiefen;in seinem Schatten sei bewacht!Er, der stets hörte und sah, die ihn riefen,gibt auch auf dich täglich acht!

2. Unter den Flügeln des Höchsten geborgen,kannst du nun zuversichtlich sein.All deine Schrecken und all deine Sorgenwerden an seiner Hand klein.

3. Flieg wie ein Adler, lass los und vertraue!Er will dir Kraft und Stärke sein.Auf ihn, der liebevoll bei dir ist, schaue!Er lässt dich niemals allein.5

5. Mose 32,10-13; Ps 103,5; Jes 40,29.31

»Wie ein Adler« – was für ein faszinierender und geheimnisvoller Vergleich! Doch woher kommt dieses inspirierende Bild? Was ist sein Ursprung? Es stammt aus der alten Überlieferung der Errettung Israels aus Ägypten und der Bewahrung und Führung des Volkes in der Wüste durch Gott selbst (2. Mose 19,4; 5. Mose 32,10-13). Gott umfing sie und hatte acht auf sie und behütete sie »wie seinen Augapfel«. »Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm es und trug es auf seinen Flügeln« (5. Mose 32,11).

Welch ein spannungsvoller Kontrast! Das Volk Israel hat die Unterdrückung in Ägypten und den von Gefahren begleiteten Auszug hinter sich. Es steht vor dem Abschluss der mühseligen Wanderung durch die Wüste. Das ist die vordergründige Erfahrung und die wahrgenommene Wirklichkeit der Wüstengeneration. Zugleich aber gilt von Gott her eine Realität, die die Israeliten im Staub der Wüste gewiss häufig aus den Augen verloren. Ursprung und Ziel ihrer Reise waren durch Gottes Erwählung und seine fürsorgliche Bestimmung vorgegeben. Während all der Zeit ihres Zweifelns und ihrer Anfechtung hatte Gott auf sie acht.

Allein schon das erste Bild in 5. Mose 32,10 (vgl. Psalm 17,8) ist überwältigend. Nichts behandeln wir Menschen vorsichtiger, nichts an uns schützen wir behutsamer als unsere eigenen Augen. Gott liegen die von ihm erwählten und erlösten Menschen so sehr am Herzen wie sein eigener Augapfel. So unvergleichlich wertvoll sind sie für ihn, so behutsam begleitet er sie, und so aufmerksam sorgt er für sie.

Das zweite Bild, das des Adlers, wird in den biblischen Aussagen gleich nach mehreren Gesichtspunkten entfaltet. Zunächst wird an die beeindruckende Beobachtung angeknüpft, dass Vögel ihre Jungen mit ihren ausgebreiteten Flügeln vor Angreifern schützen und diese sich »unter ihrem Schatten« verstecken und bergen können. So muss derjenige, der sich an die Jungvögel heranmachen will, den Kampf mit dem ausgewachsenen Adler aufnehmen. »Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe«, betet der Psalmsänger (Psalm 57,2; vgl. Psalm 63,8). Dem zu Gott Fliehenden wird verbindlich zugesagt: »Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln!« (Psalm 91,4).

In diesem Sinne ist auch bei unserer Ausgangsstelle, 5. Mose 32,11, davon die Rede, dass der Adler achtsam und schützend über seinen Jungen schwebt. – »Unter den Flügeln des Höchsten geborgen, kannst du nun zuversichtlich sein. All deine Schrecken und all deine Sorgen werden an seiner Hand klein.«

Zugleich wird hier aber auch daran erinnert, dass die Elterntiere zur rechten Zeit ihre Jungen zum eigenen Fliegen anhalten und sie bei ihren Flugversuchen umso achtsamer begleiten. Es ist von dem »Ausführen seiner Jungen«, dem Aufstören zum Flug, die Rede. So musste Israel, so sollen alle, die zu Gott gehören, in ihrem eigenen Leben selbst und unter seiner fürsorglichen Begleitung »das Fliegen lernen«: das Erwachsenwerden, das Loslassen, das Verlassen des Vertrauten und das Vertrauen in das neue Getragen- und Begleitetwerden. – »Er führe dich über Höhen und Tiefen; in seinem Schatten sei bewacht! Er, der stets hörte und sah, die ihn riefen, gibt auch auf dich täglich acht!«

Nun erscheint in 5. Mose 32,11 in diesem Zusammenhang schließlich noch ein dritter Aspekt, der zunächst überraschen mag. Es ist hier nämlich nicht nur von dem schützenden Fliegen oberhalb der Jungen die Rede, sondern ausdrücklich davon, dass die – noch unbeholfen flatternden, unsicheren und schnell ermüdenden – Jungen »auf seinen Flügeln getragen« werden. Dies wird in der Auslegung immer wieder diskutiert, da bei den uns vertrauten Adlern ein solches Verhalten neuzeitlich erst vereinzelt beobachtet wurde – zum Beispiel bei Steinadlern, die ihre Jungen bei ihren ersten hilflosen Flugversuchen durch Unterfliegen auffangen, um sie dann oben erneut zum Üben anzuhalten.

Allerdings ist bei dem hier bezeichneten Tier wohl nicht an die uns vertrauten Arten von Adlern gedacht, sondern an den schon durch seine enorme Größe höchst eindrücklichen Gyps fulvus (»Gänsegeier«; hebr. nescher), dessen Körperlänge bis zu 110 cm und dessen Spannweite bis zu 280 cm betragen kann. Er siedelt noch heute – neben Südeuropa, Nordafrika und Zentralasien – auf der Arabischen Halbinsel. Er lebt in bis zu 3000 m Höhe und wurde im Flug bis zu 3500 m Höhe beobachtet. Morgens steigt er zur Nahrungssuche auf und fliegt dabei bis zu 60 km weit entfernt von seiner Kolonie. Während Jungvögel generell bei ihrem Flüggewerden mit dem Risiko des Abstürzens durch Unachtsamkeit oder Schwäche leben, wurde vom Gyps fulvus (»Gänsegeier«) immer wieder überliefert, dass er nicht nur direkt am Nest, sondern auch bei seinem ruhigen Flug über große Weiten seinen Jungen mit seinen weitspannenden Flügeln Halt und Hilfe bot.

Die ornithologische, das heißt vogelkundliche Debatte unter Fachleuten mag gerne noch weiter andauern, was aber in der Sache für Israel bezeichnet ist, könnte nicht berührender dargestellt sein: Gott sagt zu, sein Volk bei der gefahrvollen, aber zielführenden Reise in das ferne »verheißene Land« fürsorglich zu begleiten und liebevoll zu überwachen – von den ersten »Flugversuchen« und gefahrvollen Niederungen bis hin zu den höchsten Höhen und fernsten Zielen.

Nun kamen in der Anwendung des Bildes von dem schützenden und umsichtig sorgenden »Adler« das alte Israel wie auch wir – als die in Christus zum Volk Gottes Berufenen – unwillkürlich als die »jungen Adler« in den Blick. Wie die Jungvögel von ihren Eltern fürsorglich zum eigenen Fliegen und Aufsteigen angehalten und bei ihren Flugversuchen umsorgt werden, so dürfen die, die auf Gott vertrauen und auf seine Begleitung und Befähigung hoffen, im Wortsinn »beflügelt« aufleben und erstarken. So verwundert es nicht, dass die Wendung »wie ein Adler« an anderen Stellen auch ganz ausdrücklich auf uns als Menschen bezogen wird: »Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler …« (Jesaja 40,31). In Psalm 103,5 beschreibt der von Gottes Barmherzigkeit und Gnade überwältigte Beter die – wörtlich – »beschwingende« und beglückende Wirkung der Fürsorge Gottes mit den Worten »dass du wieder jung wirst wie ein Adler«.

Somit schließt sich der Kreis der ermutigenden und beflügelnden Belege zum Vergleich der Gottesbeziehung mit dem Motiv des Adlers. Wie schon die biblischen Zusagen in die Einladung und Ermunterung der ängstlich Festhaltenden und Verzagten einmünden, so bezieht das Motiv des Adlers auch zum Abschluss des Liedes uns selbst mit ein: »Flieg wie ein Adler, lass los und vertraue! Er will dir Kraft und Stärke sein. Auf ihn, der liebevoll bei dir ist, schaue! Er lässt dich niemals allein. Gott sei mit dir! Er behüte dein Leben! Wie seinen Augapfel schütze er dich! Er trage dich – wie ein Adler – auf Flügeln, er leite dich ewiglich.«

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

DU BIST EIN WUNSCH

1. Du bist ein Wunsch, densich Gott selbst erfüllt hat;bist ein Geschenk, dassich Gott selber macht.Du bist auf Erden, weiler dort im Himmel,schon eh du warst,an dich gedacht.

2. Du warst gewollt, alsdu auf diese Welt kamst,auch wenn kein Mensches dir jemals so sagt.Sollten dich Vaterund Mutter vergessen,ist einer da,der nach dir fragt.

3. Kennst du das Glück,wenn dich jemand erwartet?Ist es nicht schön, ganzwillkommen zu sein?Kennst du die Freude,wenn andre sich freuen,nur weil du kommstund du allein?

4. Mehr als den Sohnkann ein Vater nicht senden;wertvoll bist du, dasser dir alles gibt.Mehr als sich selbst kannder Sohn dir nicht schenken;ahnst du es jetzt,wie sehr er dich liebt?6

Röm 8,28-39; Joh 6,37.39; 15,16; Eph 1,4-11

Wer bin ich? Was macht mein Leben wertvoll? Wann erfahre ich mein Wirken als sinnvoll und beglückend? Woher beziehe ich Motivation und Zuversicht für meine Lebensentfaltung? Wozu bin ich auf dieser Welt und zu wem gehöre ich?

Nicht jeder stellt sich diese Fragen so ausdrücklich, aber praktisch sind wir alle immer wieder durch sie bestimmt. Oft stehen nicht vernünftige Gedanken am Anfang unseres Bewusstseinsprozesses, sondern die Folgen ungelöster Probleme bringen uns dazu, die angemessenen Fragen zu stellen.

Dies alles betrifft uns gewiss in der Orientierungsphase des Erwachsenwerdens. Aber auch an späteren entscheidenden Schwellen können uns die Grundlagen unseres Lebens unvermittelt fraglich werden: bei der Erfahrung von Verlust und Versagen oder in der Verunsicherung durch einschneidende Veränderungen. Manche erleben auch mitten in ihrem routinierten Alltag plötzlich eine fundamentale Krise, die sie darauf hinweist, dass sie alte Abwertungen, Verletzungen und Irritationen wohl zurückgestellt, aber offensichtlich noch nicht heilsam überwunden haben.

Ob wir selbst uns und unser Leben als bedeutsam und wertvoll empfinden, hängt weniger von unserem äußeren Reichtum, gesellschaftlichen Status oder Schätzwert ab als von der Wertschätzung, die wir persönlich durch andere erfahren.

Nur die Aufwertung und Anerkennung der Liebe kann uns glaubhaft vermitteln, dass wir einzigartig und bedeutsam sind. Kennen wir diese Liebe, dann können wir uns selbst und unser Gegenüber positiv wahrnehmen und erkennen. Aber wie schwer ist es, andere anzuerkennen, wenn wir selbst nicht erkannt worden sind!

So gründet auch unsere eigene Beziehungsfähigkeit in unserer persönlichen Beziehungsgewissheit; und beide werden durch unsere eigene Beziehungserfahrung und Beziehungswirklichkeit gebildet. Wenn wir uns geliebt wissen, dann können wir auch offen werden und hoffen; und wenn wir hoffen, dann können wir auch lieben und vertrauen.

Wer von uns vermag aber mit Sicherheit zu sagen, dass er bei seiner Geburt gewollt war? Wer kann in der festen Zuversicht leben, dass er für seine Freunde und Angehörigen nicht nur nützlich und vertraut, sondern bedeutend, liebenswert und unentbehrlich ist? Haben wir jemanden, der sich an uns freut – einfach, weil wir da sind? Gibt es jemanden, der uns nie mehr vermissen wollte? Wie dem auch sei – von Gott her gilt für dein Leben in jedem Fall die verbindliche Zusage und feste Gewissheit: Du bist ein Wunsch, den Gott sich selbst erfüllt hat! Du bist ein Geschenk, das Gott sich selbst gemacht hat!

Aber inwiefern können und dürfen wir diese Zusagen ausgerechnet auf uns persönlich beziehen? Es ist das Besondere an der Liebe, dass sie uns das Bewusstsein unseres unermesslichen Wertes und unserer außergewöhnlichen Bedeutsamkeit gibt. Das Besondere an der Liebe Gottes ist, dass sie dieses Bewusstsein der Einzigartigkeit jedem Einzelnen unter Milliarden von Menschen zu schenken vermag.

Dabei haben wir als Töchter und Söhne Gottes, die diese Liebe unseres Vaters im Himmel erkennen, gleich eine zweifache Perspektive. Wir sind gewollt, wo wir herkommen; und wo wir hingehen, werden wir erwartet. Etwas Schöneres als diese Wertschätzung durch die Liebe Gottes werden wir nicht einmal im Himmel erfahren. Und wenn wir von dieser Zuversicht schon hier und jetzt erfüllt sind, verändert das alles an unserem Leben auf der Erde. Denn nichts ist für unser Leben so folgenreich wie die Erfahrung der voraussetzungslosen Liebe.

Aber wie kommen wir dahin, dass wir von diesem Wissen der Zuneigung Gottes mehr als bisher bestimmt werden? Es ist ein Lernprozess des Erkennens und des Bewusstmachens im täglichen Leben. Mehr lieben kann uns Gott gar nicht, als er es schon immer getan hat und uns in Christus und in seinem Evangelium zeigt – aber wir können immer mehr erkennen, wie sehr er uns liebt. Wir brauchen nicht erst Gott von uns aus zu lieben, damit er uns lieben kann, sondern wir wachsen in unserer Liebe, wenn wir erkennen, dass er uns schon immer vollkommen geliebt hat. »Mehr als den Sohn kann ein Vater nicht senden; wertvoll bist du, dass er dir alles gibt. Mehr als sich selbst kann der Sohn dir nicht schenken; ahnst du es jetzt, wie sehr er dich liebt?«

Könnten wir uns nur eine Sekunde mit den Augen dieser Liebe Gottes sehen, dann hätten sich unsere Selbstzweifel gleich für eine ganze Ewigkeit gelöst. »Du bist ein Wunsch, den sich Gott selbst erfüllt hat!« – Und Gott will dir zu einer solchen Erfüllung werden, wie du sie dir selbst nicht einmal zu wünschen gewagt hast.

Du bist ein Wunsch

DER KLEINE HUND

EIN MORITATENGESANG7

1. Es war einmal ein kleiner Hund,ganz hungrig und verzagt.Einen alten Knochen hatt’ er noch,doch der war abgenagt.Den hielt er mit den Zähnen festund gab ihn keinem her.Der roch zwar noch nach etwas Fleisch,doch sättigte er nicht mehr.

2. Auf welche Weise gibt der Hundwohl seinen Knochen her?Halt ihm doch mal ein Kotelett hin,dann fällt die Wahl nicht schwer.Er wählt ganz flink das bessre Teilund lässt den Knochen losund stürzt sich auf das leckre Fleisch.Nun ist die Freude groß.

3. Lach nicht zu laut über diesen Hund,sonst lachst du über dich.Auch du hältst einen Knochen fest:dein tief gekränktes Ich.Doch Gott bietet dir viel Bessres an,so lass das Alte sein!Genieß das Leben, das er schenkt,du bist nicht mehr allein!8

Womit soll man Unvergleichliches vergleichen? Wie soll man Unbegreifliches auf den Begriff bringen? Wie kann man, was kein Auge je gesehen hat, vor Augen stellen, und wie zu Gehör bringen, was noch kein Ohr gehört hat? Kann ein Mensch von sich aus verstehen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben? Muss es nicht Gott selbst erst durch seinen Geist dem Menschen ins Herz geben (Jesaja 64,3; 1. Korinther 2,9 f.)?