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Der Roman führt durch viele Lebensstationen einer Pontos-Griechin, die im Norden Griechenlands unter einfachsten Lebensbedingungen aufgewachsen ist: Schon als Kind ist sie es gewohnt, hart zu arbeiten. So versäumt sie oft den Schulunterricht, der nur bis zum 13. Lebensjahr andauert. Als junge Erwachsene verlässt sie ihre Familie, um der Gewalt des Vaters und dem Druck der streng kulturellen Erziehung zu entgehen. Ungelernt sucht sie ihre Zukunft als Gastarbeiterin in Deutschland. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt im Erleben der Kultur, den Erfahrungen der Protagonistin als Gastarbeiterin in Deutschland und in den Episoden ihres Liebeslebens.
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Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2015
Heike Trojnar
Wie ein Esel mit Holz
Copyright: © 2015 Heike Trojnar
Lektorat: Der Textautomat
Coverbild: Heike Trojnar
Satz: Erik Kinting / www.buchlektorat.net
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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Inhalt
Kuhmist und Lehm
Das Unglück
Ein besonderer Tag im Mai
Die Dorfhochzeit
Lernen, spielen, arbeiten
Eiskalte Tage, romantisch und gefährlich
Zeiten der Fürsorge
Schlangenbiss und Tabakernte
Zur Gastarbeit in Deutschland
Kyra verliebt sich
Kyra wird schwanger
Unterdrückung und Gewalt
Betrogen und verlassen
Die Straftat
Armut und Hoffnung
Der lange Marsch zur Arbeit
Kuhmist und Lehm
Es ist Frühling in Zentralmakedonien, im Regionalbezirk Pella. Die Sonne verwöhnt die Natur, rosa und pinkfarbene Pfirsichblüten knuddeln sich dicht an die Zweige und die Holunderbüsche tragen üppig weiße Blüten voll mit kleinen gelben Bällchen. Kristallklare Bäche sprudeln durch trockenes, steiniges Buschland, vorbei an Platanen-Alleen und durch grüne Wiesen, die ganze Dörfer umhüllen.
Heute vor fünf Jahren wurde Kyra hier geboren. Es war eine schwere Geburt für ihre Mutter Loukia, die sie als achtes Kind zur Welt brachte. Mit den Eltern aus Russland geflüchtet, musste Loukia aus Gründen der Armut mit 14 Jahren heiraten. Als ihr Mann starb, verlor sie den Anspruch auf ihr Land. Ihr zweiter Mann Philippos Anassaros baute eine Wohnstatt für seine Familie, die im Jahr 1941 bei einem Angriff der italienischen Wehrmacht ausbrannte. Nach einer langen Zeit in der Obhut bei Verwandten ist nun die Zeit des Wiederanfangs gekommen, mit dem Bau eines kleinen Eigenheims am Rande des Dorfes, dort wo sich die Ebene zu einem kleinen Hügel erhebt.
Kyra stampft in einer verbeulten Wanne in einem riesigen Brei aus Kuhmist, Lehm, Stroh und Wasser, während sich ihre vier Jahre jüngere Schwester quengelnd im Gras wälzt. Kyra wartet nicht auf Geburtstagsgäste, weil hier in Griechenland der Namenstag gefeiert wird und der fällt bei ihr auf den Monat Juli.
Ein scharfkantiger Strohhalm sticht in ihre Wade und sie schreit auf. Kyras Vater Philippos sieht mit grimmiger Miene zu ihr hinüber. Er ist ein schlanker, drahtiger Mann, Mitte 40, mit einem dreckigen grau-weißen Unterhemd und einer braunen Stoffhose bekleidet. Er schlägt Nägel, an denen schon der Rost genagt hat, in zugesägte Bretter, die ihm sein Nachbar geschenkt hat. Er gestaltet schlichte Formen, um einfache Lehmsteine darin zu modellieren.
„Ah, schon wieder!“, klagt Kyra und reibt sich die verkratzten Waden. Ihr langes Kleid, das sie bis zum Oberkörper gerafft hat, rutscht hinunter und sie bemüht sich, vom Stoff wieder ein Stück von der braun-grauen Masse zu entfernen. Kyras Vater klatscht seine Hand wütend an das Holz und springt dann auf. Mit schnellen Bewegungen nähert er sich seiner Tochter. Seine zornigen Augen blicken sie durch schmale Spalten an und er wippt bedrohlich mit dem Hammer. „Du sollst arbeiten und nicht jammern!“, befiehlt er ihr, „sonst wird nichts aus unserem neuen Zuhause.“ Dann dreht er sich zu seiner Frau hinüber, die dem Esel die Hufe auskratzt.
„Jetzt hole endlich Wasser! Ich habe Durst und die Kuhscheiße ist zu trocken! Wie soll ich da gute Lehmquader formen?“ Er steht gekrümmt da wie eine Raubkatze vor dem Sprung, sodass seine Frau sofort seinen Anweisungen nachkommt und einen Sack mit zwei großen Taschen auf den Rücken des Esels legt, um darin zwei Tonkrüge zu verstauen. Dann schnalzt sie kurz mit der Zunge und führt das Tier den Hügel hinunter. „Und du hilfst ihr!“, herrscht Philippos Kyra an. Diese steigt aus der Wanne und trottet lehmverschmiert ihrer Mutter hinterher. Es geht über die Wiese, sanft den Hügel herab zu einer der drei Wasserstellen im Umkreis, dort wo das Quellwasser besonders kühl und klar ist. Es ist ein schweigsamer Marsch über den Wiesenpfad, bis auf das laute „Iaa-hh“ des Esels, wenn Kyras Mutter ihn zu sehr am Seil zieht. Kyra geht barfuß und weicht den Silberdisteln und Zwergsträuchern gekonnt aus, indem sie vorbeispringt oder darüber hüpft. Weiter unten steht das Gras höher und es beherbergt rote Schildblumen, deren Blüten ein wenig an Schildkrötenköpfe erinnern und Bartfaden-Stauden, die ihre Knospen dieses Jahr schon recht früh leuchtend rot zeigen. Wie kleine Laternen ragen sie aus den Stängeln. Ein Stück weiter plätschert klares Wasser aus einer kleinen Schlucht zwischen dicken, schroffen Kalksteinen hindurch und sammelt sich in einem Steinbecken. Zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere, fangen das frische Nass in drei großen Tonkrügen auf, die sie mit einem kleinen Leiterwagen transportieren.
Kyras Mutter, die sonst eher eine sanfte Natur hat, weist ihre Tochter an, ihr Kleid straff nach unten zu ziehen, damit es auch die Fersen bedeckt. „Kleide dich in Zukunft so wie sich das gehört!“, ermahnt sie ihre Tochter, „sieh nur, wie wirr deine Frisur wieder ist. Ich möchte nicht, dass die Leute schlecht über uns reden.“ Dann fährt sie mit ihren Fingern durch Kyras langes, schwarzes Haar und bleibt unweigerlich an ein paar kleinen, verfilzten Stellen hängen. „Au, lass das!“, jammert das Mädchen und lässt den Kopf nach hinten fallen, um dem ziehenden Schmerz an der Kopfhaut zu entgehen. Die Mutter streicht ein kleines Haarbüschel von ihren Fingern und bereitet sich auf die Begegnung mit den Frauen vor. „Kalispera!“, grüßt Kyras Mutter und die ältere der beiden Frauen zieht schnell eine Seite ihres Kopftuchs über den Mund. Die andere meint, dass sie das immer tut, wenn sie Fremde sieht, weil sie sich wegen ihrer Zahnlücken schämen würde. Als die zwei Ankömmlinge näher kommen, ruft die Alte am Brunnen: „Ja das ist doch die Loukia Anassarou mit ihrer Tochter! Hast du nicht noch eine ältere Tochter, die in die Jugend gekommen ist und was machen deine zwei Söhne? Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen“, fragt sie neugierig. Kyras Mutter, ganz unvorbereitet, erzählt knapp, dass die ältere Tochter ein paar Tage bei Skidra auf einem Hof arbeite, weil dort die Bauersfrau in den Wehen liege, der älteste Sohn beim Militär sei und der jüngere Sohn dem Vater beim Hausbau helfen müsse und fleißig in der großen Grube Lehm steche. „Ach, und was für eine kleine, hübsche Tochter!“, bemerkt die jüngere Frau, „sie wird bestimmt auch mal einen wunderbaren Bräutigam finden.“ „Meine jüngste Enkelin heiratet bald“, bemerkt die Alte und hält sich den Rücken, um sich besser aufrichten zu können. „Ich bin so froh! Der junge Sohn vom Weinbauer hat um ihre Hand angehalten. Sie wird eine gute Mitgift bekommen.“ Die Jüngere der beiden blickt verschämt, aber lächelnd auf den Boden. Die Alte krächzt weiter: „Wir haben viele Vorbereitungen zu erledigen. Ich habe einige Stoffe in Édessa gekauft und werde ein wunderschönes Brautkleid nähen. Kommt doch zu unserer Hochzeitsfeier!“ Loukia macht einen höflichen Knicks: „Ich werde meinen Mann fragen.“ Kyra möchte den Esel weiter zum Brunnen führen, doch er rührt sich, stocksteif, nicht von der Stelle. „Metaxas, was ist los?“, fragt sie ihn und klopft ihm auf das Hinterteil. „Du blöder störrischer Esel!“, schimpft sie, doch das Lastentier tritt nicht einmal einen Schritt nach vorne. Dann hört Kyra von der linken Seite einen zischenden Laut. Fast ist sie geneigt, genauso zu erstarren, denn dieser Laut ist ihr nicht fremd. Sie dreht sich dennoch langsam um und erkennt auf einem grau-braunen Steinklotz, gut getarnt, eine Hornotter. „Eine Schlange!“, ruft sie erschreckt, „da, da kriecht sie, Hilfe!“ Die Viper zieht ihren Kopf zurück. Mit ihren schrägen Augen und dem Horn an der Schnauze wirkt die Schlange sehr bedrohlich.
Sie rollt ihren gezackten Körper spiralförmig zusammen. „Achtung, das Luder springt gleich!“, warnt die alte Frau, nimmt ihren krüppeligen Gehstock fest in die Hand und nähert sich der Hornotter. „Auf, komm zu mir! Ich bin alt und zäh“, verrät sie der Schlange in altgriechischem Dialekt. Diese windet sich in Richtung der alten Frau und zischt erneut. Dann schnellt sie nach vorne und reißt ihr Maul auf, verfehlt jedoch die mutige Frau. Sofort rollt sie ihren kräftigen Körper wieder zusammen und starrt aufmerksam auf die Drohende. Ein weiteres Mal springt sie, zielt auf das faltige Gesicht der Alten. Doch diese wehrt sich. Mit gekonntem Schwung schlägt sie der Otter an den dreieckigen Kopf, die Schlange wird zur Seite gewirbelt und klatscht auf den Boden. Einen Moment lang scheint sie bewegungsunfähig und verschwindet dann rasch ins nächste Gebüsch. „Giagia, wie bist du stark!“, lobt die jüngere Frau. „Ha, ha!“, antwortet ihre Großmutter, „das ist nicht meine erste Schlange. Außerdem muss ich das Kind beschützen und dich, meine stolze Braut.“
Das Unglück
Philippos befestigt die Dachlatten mit Hilfe seines Sohnes an seinem Haus. Kyra ist in der Vorschule und die jüngste Tochter Éleni ist bei ihrer Tante. Timon müsste an diesem Morgen im Schulunterricht sein, aber sein Vater hat ihm das Lernen für heute verboten. Der Hausbau ist ihm wichtiger. Philippos sieht zufrieden aus und hat sich an diesem Tag schon einige Male selbst gelobt. Ihm ist es gelungen, ein stabiles Eigenheim zu bauen. Es besitzt drei Zimmer und an jeder Wandseite sind zwei Aussparungen für Fenster. Außen hat Kyras Vater einen Holzofen gefertigt. Er steht auf einem Sockel aus Ziegelsteinen. Das Backgewölbe aus Lehm ist rund geformt. Dies war nicht einfach zu fertigen. Seine Familie hat, falls es ihr möglich war, in dieser Zeit Abstand zu ihm gesucht, weil er immer wieder wütend sein Werkzeug durch die Gegend warf und niemand so recht wusste, ob so ein Geschoss irgendwann einen menschlichen Körper treffen würde. Aus der Mitte des Ofendachs entspringt ein Rohr, das ins Haus führt und verzweigt durch die Zimmer verlegt ist. Somit soll auch im Winter für Wärme gesorgt sein. Einige der Nachbarn haben in den letzten Tagen schon damit begonnen, am Fluss dicke Bündel Schilfgras zu holen. Die Schilfhalme sind in dem warmen Klima besonders hart geworden und es gibt viele gerade gewachsene Exemplare, die jetzt darauf warten, auf das Dach gedrahtet zu werden. „Loukia, ich habe Hunger! Wie lange dauert es eigentlich noch, bis ich etwas zu Essen bekomme?“, nörgelt Philippos. Seine Frau sieht erschrocken zu ihm hinauf. Ihr Gesicht ist von der Hitze des Ofens gerötet. Sie weiß, dass die Brote noch eine halbe Stunde auf dem heißen Stein liegen müssen und auch die Gemüsepfanne noch nicht fertig ist. Die älteste Tochter, Frideríki, hat zu lange gebraucht, bis sie das Holz mit der Schubkarre gebracht hat. Loukia hat sie nicht gescholten, dafür aber die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und dann gefaltet, als wolle sie dafür beten, dass das Feuerholz heute schneller abbrennt. Sie hat darauf verzichtet, die Kohle- und Aschereste mit einem nassen Strohwisch zu sammeln, sondern hat alles gleich ausgekehrt und die Brotlaibe und das Gemüse rasch in das heiße Loch gesetzt. Die Brote hat sie diesmal vor dem Backen mit Wasser benetzt, damit sie eine glänzende Kruste bekommen und so besonders lecker aussehen, wie sie das manchmal tut, um den Ärger ihres Mannes zu besänftigen. Nun traut sich Loukia nicht, ihren Mann zu vertrösten, denn bei dem letzten Versuch hat er sie mit dem Besenstiel geschlagen. Sie wendet sich schnell dem Tonkrug zu, um Wasser in die Kanne zu füllen. „Möchtest du nicht zuerst einmal Wasser trinken?“, lenkt sie ihn ab, „die Sonne trocknet schnell die Kehle aus.“ „Nimm die Leiter und bring es mir!“, fordert Philippos. Loukia lehnt eine Holzleiter an die Hauswand. Ihr Mann macht keine Anstalten, danach zu greifen, um einen zusätzlichen Halt zu geben und wehrt die Bemühungen seines Sohnes ab, der Mutter zu helfen. Loukia klammert sich mit der rechten Hand an den Holm und tritt auf die erste Sprosse. Es fällt ihr schwer das Gleichgewicht auf einer Leiter zu halten und ihr Mann beobachtet sie mit einem provokanten Lächeln. Die Kanne wackelt in ihrer linken Hand und es spritzt Wasser im Schwall auf den trockenen Boden. „Wenn du dich so ungeschickt anstellt, kannst du gleich nochmal zum Brunnen gehen!“, frotzelt Philippos. Loukia zieht sich am Holm weiter nach oben und sie verzieht ihr Gesicht, weil sich ein Spreißel in ihre Haut geschoben hat. Dann reißt sie ihre linke Hand mit der Kanne empor, ein kläglicher Versuch ihrem Mann das Wasser zu reichen. Dabei verliert sie das Gleichgewicht und torkelt auf den Sprossen. Philippos packt nun die Leiter und reicht seiner Frau die Hand. Loukia möchte aber die Kanne nicht verlieren und rutscht mit ihrem Fuß an den Sprossen herunter. Dann kippt sie mit ihrem Po auf die harte, unnachgiebige Erde und schreit auf. „Bist du zu blöd dir helfen zu lassen?“, kritisiert sie Philippos. Loukia stöhnt und dreht sich schwerfällig zur Seite. Timon bückt sich, springt dann mit einem Satz auf ein Grasbüschel und rutscht dann zu seiner Mutter hin, um ihr hilflos, aber zart über die Wange zu streichen. „Mama!“, ruft es aus der Entfernung. Frideríki lässt ein dickes Bündel Schilfgras von ihrer Schulter fallen, um den Hügel hinauf zu ihrer Mutter zu eilen. Dann fällt sie auf ihre Knie und tastet ihre Mutter nach Verletzungen ab. „Mama, was fehlt dir?“, fragt sie verzweifelt. „Sie ist auf ihren Allerwertesten geplumpst!“, bemerkt Frideríkis Vater spöttisch. „Ja, dann hilf ihr doch!“, klagt seine Tochter ihn an. „Ich helf‘ dir gleich, wenn du keinen Respekt vor mir hast!“, zischt Philippos und windet sich zornig zwei Sprossen hinunter, als hätte er Beute gewittert. „Deine Mutter soll lernen, mit ihren Problemen alleine zurechtzukommen. Ich kann nicht immer zur Stelle sein, wenn etwas passiert. Frideríki sieht ihn mit einer Mischung aus Unverständnis, Angst und Wut an. Ihr Vater dreht sein Gesicht weg und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Dann befiehlt er knapp: „Schaff mir deine Mutter aus den Augen und decke den Speisetisch. Ich habe Hunger und Durst.“ Frideríki beugt sich über ihre Mutter. „Kannst du aufstehen?“ Loukia nickt schnell, kann sich dann aber doch nur mit großen Schmerzen auf die Knie rollen. Eine Nachbarin, die ebenfalls mit einem Packen Schilf beladen war, eilt hinzu, um Timon und Frideríki dabei zu helfen, Loukia aufzurichten und sie beim Gehen zu stützen. Nachdem die Verunglückte gekrümmt auf einer Matratze liegt, macht sich die Nachbarin auf die Suche nach ein paar Kräutern, die gegen Prellungen und Verstauchungen helfen sollen. Timon reibt seiner Mutter den Rücken und hört abrupt damit auf, als er den schrillen Pfiff seines Vaters hört. Er weiß, dass dies eine Aufforderung ist, ihn in Eile aufzusuchen. Frideríki sieht kurz in den Ofen, der würzigen und kräftigen Duft verströmt und setzt sich dann zu ihrer Mutter. Sie schaut Loukia lange mitleidsvoll an, bevor sie fragt: „Mama, warum hast du Vater geheiratet?“ Loukia schließt die Augen: „Kind, das Leben spielt oft anders, als man möchte. Dein Vater hat mich in meiner Armut gefunden und war an mir interessiert. Die Schwiegermutter meines vorherigen Mannes war wohlhabend mit viel Landbesitz und eine kalte, unbarmherzige Frau. Kaum war ich Witwe, hat sie mich weggeschickt. Dann kam dein Vater. Er hat mir geholfen und ich habe ihn gebraucht. Weißt du, wir hätten nicht immer bei der Tante wohnen können. Dein Vater ist fleißig und schafft uns ein neues Zuhause.“ „Aber Mama, wie sollen wir das aushalten?“ Loukia schweigt und auch Frideríki findet keine Worte mehr.
„Ich bin wieder da!“, ruft die Nachbarin. Sie streckt ein Ei in die Höhe und wippt in der anderen Hand einen struppigen Bund grünen Krautes. „Das bringt eine schnelle Linderung. Loukia, ich mache dir erst einmal einen Umschlag aus Eiweiß und Petersilie und dann sammle ich Arnikablüten. Die müssen aber trocknen, bevor ich einen Sud bereiten kann.“
„Und wer denkt an mich?“, beklagt sich Philippos, „ich habe Hunger!“ „Ich richte die Mahlzeit“, antwortet Frideríki schnell. „Es wäre schön, wenn Ánna uns beim Essen Gesellschaft leistet“, schlägt Philippos vor. Ánna nickt, setzt sich auf einen der glatt gehobelten Holzblöcke und zieht ihr geblümtes Kleid straff über die Knie, während Frideríki den breiten Holzspatel packt und die dampfenden Köstlichkeiten aus dem Ofen holt. „Es riecht köstlich!“, lobt die Nachbarin höflich, „habt ihr auch immer ein wenig Sauerteig für die nächsten Brote übrig?“ „In unserem kleinen, sehr sauberen Krug haben wir frische Hefe angesetzt und die Gärkörbe tu‘ ich bei Restwärme in den Ofen, damit die Keime absterben“, erklärt Frideríki etwas trotzig und die Nachbarin blickt beschämt auf den Boden. Philippos ist mit seinem Sohn vom Dach geklettert und zieht eine Flasche Anisschnaps aus dem Krug mit kühlem Quellwasser. Er holt ein paar Gläschen aus einem Karton und beißt dann in den Flaschenkorken, um ihn mit einem lauten Schnalzer an die Luft zu befördern. „Bekomme ich auch etwas?“, fragt eine zarte Stimme im Hintergrund. „Du wartest, bis du an der Reihe bist!“, weist Frideríki ihre Schwester zurecht, die gerade von der Vorschule gekommen ist. „Wo ist Mama?“ fragt Kyra. Alle schweigen. Die Nachbarin sieht in die Runde und da von der Familie niemand antwortet, ergreift sie die Initiative und wendet sich dem Mädchen zu: „Deine Mutter ist von der Leiter gefallen. Es ist aber nicht schlimm. Sie muss sich jetzt einfach schonen.“ „Jetzt wird gegessen!“, beschließt Philippos und eröffnet mit seinen Worten das Mahl. Er schenkt Ánna einen Schnaps ein und häuft das Gemüse auf ihren Teller. „Dein Vater ist sehr aufmerksam“, lobt die Nachbarin. Frideríki glotzt wütend auf den Brotlaib, von dem sie Scheiben schneidet. Ánna versucht, die bevorstehende Hochzeit im Dorf anzusprechen, doch niemand scheint an einem Gespräch interessiert zu sein und so schweigt auch die Nachbarin.
Ein besonderer Tag im Mai
Es ist jetzt schon zwei Wochen her, dass Philippos Familie in das neue Haus eingezogen ist. In einem Zimmer nächtigt das Ehepaar Anassaros und in dem anderen die Kinder.
Kyra schreckt aus dem Schlaf hoch. In ihrem Albtraum wurde sie von frechen Kobolden belästigt, die in Griechenland in der Weihnachtszeit gefürchtet werden. Sie reibt sich die Augen und spürt einen Druck auf der Blase. Es ist ihr zuwider, nachts Wasser lassen zu müssen und sie kriecht mürrisch unter der Decke hervor. Sie tapst auf den glatten Lehmboden und hüpft mit dem nächsten Schritt auf einen bunten Läufer, der ihren nackten Füßen mehr Wärme bietet. Es flackert nur ein zartes Licht von der Öllampe am Hauseingang, die Tag und Nacht in dem kleinen Glasschrein vor der Marien-Ikone brennt. Leise versucht sie die Türe zu öffnen, jedoch lässt sich ein leises „Knarcks“ nicht vermeiden. Die Nacht glotzt sie dunkel an, denn der Mond steht nur schlank am Himmel und schenkt wenig Licht. Sie reibt sich wieder die Augen und wartet einen Moment, bis sie ein paar Schatten sieht und sich orientieren kann. Sie überlegt sich, ob sie sich nicht lieber direkt ans Haus setzt, hat aber die Befürchtung, dass ihr Vater dies bemerkt. Dann wagt sie den Gang zu den Büschen, hinter denen die Jauchegrube ist. Das Gras ist feucht und sie beschleunigt ihr Vorhaben. Ein stachliger Wachholderstrauch kratzt an ihren nackten Armen. Sie weicht ungeschickt aus und sackt dabei fast auf die Knie, zischt ein wütendes Schimpfwort in die einsame Stille, zieht ihre Unterhose herunter und setzt sich auf das Loch des Holzkastens. Sie blickt ängstlich in die Umgebung und hofft, dass kein fieser Kobold auf sie wartet. Fliegen surren aufgeregt unter ihr und sie ist genervt, weil es eine Weile braucht, bis sich ihre Schleusen öffnen. Es plätschert laut und in dem Moment der Erleichterung vergisst Kyra ihre Furcht. Sie atmet durch und reibt sich mit einem Blatt trocken. Dann blickt sie auf und erschrickt. Was ist da vorne? War da nicht ein Funkeln? Das Herz schlägt schneller. Da ist es wieder! Zwei schräge grün-gelbe Augenpaare. Kyra schreit auf, schrill und ungehalten. Ihre Hose hängt ihr noch an den Oberschenkeln, aber sie rast los, stolpert zur Haustüre. Dort läuft sie direkt in die Arme ihres Vaters. „Das war doch nur eine Katze“, tröstet er, „jetzt geh wieder schlafen. Du musst morgen früh raus.“ Doch Kyra gelingt es nicht, wieder ins Land der Träume einzutauchen. Sie ist noch aufgewühlt und auch ein wenig aufgeregt vor dem morgigen Tag.
Kyra sieht durch das Fenster im Flur. Es reicht weit nach unten und somit braucht die Fünfjährige keinen Stuhl, um das Naturschauspiel des Morgengrauens zu beobachten. Es bricht blau-grau mit lila Schleiern durch die dunkle Nacht. Kurze Zeit später taucht violett und orangefarben die Helligkeit am Horizont auf und die Sonne folgt zögernd in zartem Gelb.
Es ist der 1. Mai und gemäß des griechischen Brauchtums nutzen die Mädchen und Frauen die frühe Stunde, um auf die Wiesen zu gehen und Blumen für eine Blumenkranz zu suchen. Es heißt, dass denen, die zuerst ihr Zuhause mit diesem geflochtenen Kunstwerk schmücken, das ganze Jahr über Glück beschieden sein soll.
Kyra schleicht zu ihrer Schwester und rüttelt ein wenig an ihr. Sie wacht auf und krächzt: „Lass das! Lass mich schlafen!“ Dann probiert sie einen Weckversuch bei ihrer Mutter, die überrascht die Augen öffnet, laut gähnt und ihre Tochter dann müde ansieht. „Mama, es ist Zeit zum Blumenpflücken.“ „Lass mir noch ein bisschen Ruhe“, flüstert Loukia und holt ihre Tochter für einen Moment unter die Decke.
Draußen beginnen die Lerchen zu zwitschern und die Amseln erzählen der Welt in buntem Gesang von ihrem Dasein. Nachdem sich die Singdrossel mit ihrem „Titeritit“ in den Chor reiht, gibt sich Loukia einen Ruck, aufzustehen. Sie wäscht nur rasch ihr Gesicht, kämmt ihre weißen Haare und steckt sie zu einem Dutt zusammen. Sie reibt sich ihr Steißbein, das seit dem Sturz immer noch nicht verheilt ist. Dann zieht sie ihrer Tochter und sich eine Strickjacke über, um mit Kyra das Haus zu verlassen.
Der Tau hat die Natur mit feinen Tropfen benetzt und dünne Nebelschwaden schweben wie Gespenster über die Wiesen. Kyra trägt Sandalen und die Grashalme streifen das kühle Nass zwischen ihren Zehen ab. Die Fünfjährige zappelt mit den Füßen, als könne sie so das Wasser abschütteln und ihre Mutter zieht es vor, auf dem Pfad zu gehen, auf dem die Gräser platt getreten sind. Auf den Wiesen bei den Eschen und Eichen blüht eine Vielzahl von Blumen. In wilder Romantik strecken sie sich der Sonne entgegen und wetteifern in bunter Farbenpracht. Kyra und Loukia nehmen den Weg zum Bach. Er plätschert nur noch kleinlaut über die zackigen Steine. Es gab zu wenig Niederschlag in letzter Zeit. Hinter den Schilfgräsern raschelt es und Kyra erschrickt. Dann erkennt sie ein Kind aus der Nachbarschaft, das angestrengt versucht, gelbe Blumen von den langen Stielen zu reißen. Seine Mutter winkt sofort mit dem Zeigefinger. „Mama, da ist Filíppa. Warum darf sie keine Blumen pflücken?“, ruft Kyra aufgeregt. „Sie darf nur keine Sumpfdotterblumen sammeln, die sind giftig“, erklärt Loukia, „sieh nur, da sind wilde Vergissmeinnicht. Die kannst du mir gleich bringen. Ich rupfe lange Grashalme. Wir wollen doch die Ersten sein, die einen hübschen Kranz nach Hause bringen.“ Kyra stürzt sich in die Wiese und pflückt die Blumen, die ihr besonders gefallen. Margeriten blühen in Hülle und Fülle und Kyra reißt gleich ein ganzes Büschel ab. Dann zupft sie einzelne Pflänzchen, die sie vereinzelt findet, wie Klatschmohn, Schlüsselblume und die rote Lichtnelke, die mit Blüten in Form kleiner Trichter gerne von Schmetterlingen besucht wird. Kyra ist stolz auf ihren Strauß und bringt ihn ihrer Mutter. „Das ist schon genug“, meint Loukia, „du kannst noch etwas spielen gehen, wenn du willst. Ich bringe den Blumenkranz alleine nach Hause.“ Das lässt sich Kyra nicht zweimal sagen, springt zu den Knackweiden am Bach und hüpft dann von Stein zu Stein. „Hey, Filíppa, komm, spiel mit mir!“, ruft sie dem Nachbarkind zu. Diese streckt freudig ihre Arme in die Höhe und folgt Kyra. Die Mädchen bespritzen sich mit Wasser, kreischen und schubsen sich frech, um dann wieder schüchtern den Blick zu senken. Sie kichern und singen, während Loukia den Heimweg antritt. „Wir gehen den Bach entlang“, schlägt Kyra vor, „vorne, wo sich der Bach teilt, haben wir letztes Jahr einen kleinen Staudamm gebaut. Mal gucken, ob der noch da ist.“ „Au ja“, jubelt Filíppa begeistert.
Der Boden des Flussbetts wird sandiger und die Kinder ziehen ihre Schuhe aus, um durch den weichen Grund zu stapfen. An der Verzweigung sind einige kleine Äste in wirrem Geflecht zwischen große Steine geklemmt, ein paar modrige Gräser hängen strähnig herab und lassen sich schicksalsergeben umspülen. Das Wasser, davon kaum gehindert, bahnt sich seinen Weg und gibt nur einen kleinen Teil frei, der schwach und ohnmächtig in einem schmalen Flussbett versickert. Irgendwo flattert eine Bachstelze davon und dann ist da in der Nähe ein leises, klagendes Winseln, dort wo sich der trockene Bachausläufer nach rechts gekrümmt hat. Filíppa horcht auf und stupst Kyra an: „Hast du das gehört?“ „Was?“, „Na, da drüben!“ Da ist es wieder, das elende, wimmernde Klagen. „Wer weiß“, mutmaßt Kyra, „vielleicht sind es Kobolde, die uns einen Streich spielen. „Ach Quatsch!“, Filíppa schleicht sich vorsichtig in die Richtung des merkwürdigen Geräusches und Kyra traut sich dies auch, aber in einigem Abstand. Mitten in dem erdigen Flussbett sitzt ein weißes, zitterndes Wollknäuel mit kleinen, herabhängenden Ohren. „Was ist das denn?“, fragt Filíppa. „Vielleicht ein Zwergschaf-Baby?“, überlegt Kyra. „Ach, Blödsinn!“ Als sich die beiden Kinder dem unbeholfenen Bündel nähern, robbt es auf die Kinder zu und schnuppert aufgeregt, als Filíppa ihre Hand nach ihm ausstreckt. „Du, das ist ein kleiner Hund“, stellt Kyra fest. Das kleine Tier wedelt mit seinem Schwanz, streckt seine Zunge heraus und versucht ein Stückchen Haut zu lecken. „Wir nehmen ihn mit!“, entscheidet Kyra und nimmt den kleinen Vierbeiner auf den Arm.
Die Sonne ist schon eine ganze Strecke nach oben gewandert und trocknet die glänzenden Tauperlen. Der Welpe wippt bei jedem Schritt in den Kinderarmen, raunzt und winselt. Filíppa meint, dass ihre Mutter schon drei Katzen zu versorgen hat und diese zurzeit nur Kartoffelschalen und Salat in ihrem Napf finden. Da hätte sie Angst, dass der kleine Hund womöglich verhungert oder gar von den Katzen gefressen wird. Daraufhin beschließt Kyra, dass der kleine Hund bei ihr bleiben muss. Sie möchte ihn beschützen und abends mit unter ihre Bettdecke nehmen. Und wenn Papa nicht will, dann würde sei ihn mit in die Berge nehmen. Da gibt es Höhlen, in denen sie den Hund verstecken kann. Filíppa verabschiedet sich und winkt Kyra zu.
Zuhause arbeitet Philippos vor dem Haus. Auf einem breiten Baumstumpf zerschmettert er mit einer wuchtigen Axt dicke Holzscheiben, die zur Seite sprengen, sich im Gras verteilen und von Timon aufgesammelt werden. Er bemerkt seine herannahende Tochter nicht, bis Frideríki, die gerade die Jüngste der Familie mit einem Brei füttert, Kyra einen Aufschrei der Missbilligung entgegen schleudert. „Typisch wieder, meine verspielte Schwester! Was bringst du mit? Das können wir hier nicht brauchen!“ Kyra drückt das zitternde Hündchen fest an ihr Herz, vor lauter Angst, es wieder zu verlieren. Das weiße Knäuel wehrt sich mit quietschendem Kläffen. „Als ob wir nicht schon genügend Mäuler zu stopfen hätten!“, kritisiert Frideríki weiter. Philippos senkt die Axt und streicht mit seinem linken Zeigefinger nachdenklich über seinen Schnurrbart, während Frideríki mit schimpfendem Zeigfinger und geballter Faust gestikuliert. Kyra weiß, dass ihr Vater sofort aufbraust, wenn ihm etwas nicht gefällt, aber nun zögert er und sie nutzt die Chance, ihm den süßen Fund zu präsentieren. „Sieh mal, Bapa!“, ich hab‘ was gefunden. Es sieht aus wie ein Minischaf mit Schlappohren. Ich will es behalten.“ „Das ist ein anatolischer Hirtenhund“, erkennt Philippos, „wenn er groß ist, kann er auf unsere Tiere aufpassen. Ich habe bald eine Kuh und ein Schwein, wenn ich mit der Umzäunung fertig bin. Du bist jetzt zuständig, ihn zu füttern!“ „Au ja, Bapa!“ Kyra hüpft begeistert zur Haustüre. „Halt!“, ruft ihr Vater, „das Hundevieh bleibt draußen. Er soll sich gleich an die raue Natur gewöhnen. Lass dir von deiner Mutter zeigen, wie man einen Korb flechtet. Dann hat dein Hund auch einen Schlafplatz.“ „Wie soll ich ihn denn nennen?“, fragt Kyra. Philippos runzelt die Stirn: Er sieht aus wie ein kleiner Bär. Aber Mikro Arktos wäre ein zu langer Name. Ruf ihn doch Arktos!“ „Arktos! Ja, das ist ein schöner Name!“, bestätigt Kyra. Sie holt ein wenig Stroh und setzt den Vierbeiner darauf. Dann betritt sie das Haus, schlüpft in ihre Filzschlappen und sucht die restliche Milch, die vom Frühstück übrig geblieben sein muss. Währenddessen schleicht die getigerte Katze vom Nachbarn heran. Der Welpe bemerkt sie nicht. Er ist leise knurrend mit den starren Halmen beschäftigt, auf welchen er herumkaut. Dann macht die Getigerte einen Satz nach vorne, dreht sich gelenkig und streckt ihre Krallen. Die Tatze zischt durch die Luft und fegt an dem Hundeköpfchen vorbei. Sie faucht und Philippos auch: „Du kleines, hinterlistiges Monster! Du belästigst niemanden mehr und meine Tochter erschreckst du auch nicht mehr in der Nacht!“ Er lockt das schlanke Raubtier zur Haustüre, öffnet sie und macht einen Schritt hinein. Mit erhobenem Schwanz trippelt die Katze hinterher. Vorsichtig setzt sie eine Tatze über die Schwelle und streckt den Kopf neugierig in den Raum. Sie schleckt sich die Zunge über die dünnen Lippen, als hoffe sie, den Eintritt ins Schlaraffenland gefunden zu haben. Dann schlägt Philippos blitzschnell die Haustüre zu, die in ihrer gnadenlosen Mechanik gegen den schmalen Hals des Tieres knallt und ihn im selben Schwung in den Türrahmen quetscht. Es kracht scheußlich und der Katzenkopf sinkt schlapp auf den Lehmboden. Nebenan pfeift Kyra heiter, weil sie Getreidebrei für sich und das Hundebaby gefunden hat. Philippos packt den Katzenkadaver schnell am Schwanz und trägt ihn hinter das Haus. Dort liegt ein Plastiksack, in welchen er das tote Tier entsorgt.
Die Dorfhochzeit
Frideríki streift einen silberfarbenen, gewundenen Reif über den Arm und betrachtet sich im Spiegel. Sie streckt ihre Beine nach vorne und stampft wütend mit dem Fuß auf den Boden. Das Kleid ist zwar eng genäht, sodass ihre Figur betont wird, aber sie vermisst den Ausschnitt, der einen Teil ihrer Brüste unbedeckt llassen würde. Die Schneiderin im Ort sollte es hochgeschlossen bis zum Hals anfertigen und in der Länge bis über die Fersen.
Die heutige Hochzeit im Dorf hat in den letzten Tagen für große Aufregung gesorgt. Im Haus des Weinbauers wurde gebacken,
