Wie's kommt so kommt's - Andreas Karg - E-Book

Wie's kommt so kommt's E-Book

Andreas Karg

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Beschreibung

Ich möchte mit diesem Buch Menschen helfen, die keinen Mut mehr haben weiter zu machen. Dort beschreibe ich wie ich trotz vieler Rückschläge niemals aufgebe und immer wieder weiter mache. Und geschriebene Rechtschreibfehler sollen in dieser ereignisreichen Geschichte nicht das Wichtigste sein. Ausschlaggebender ist die Sinnhaftigkeit, das Verständnis dieser bewegenden Geschichte!

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Seitenzahl: 306

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Andreas Karg - Kaufbeuren

WIE´S KOMMT SO KOMMT´S

Die Hoffnung stirbt zuletzt

(M)-eine Unfallgeschichte und der lange, schwere Weg der Genesung

Immer unter 0 und trotzdem zufrieden!

2020 – tredition GmbH

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Impressum:

Herausgeber: tredition Autor: Andreas Karg

Erscheinungs-jahr: 2020 -ort: Kaufbeuren

Verlag: tredition GmbH, mit Rechtschreibfehlern - unkorrigiert

Halenreie 40 – 44 22359 Hamburg

ISBN: 978-3-347-15856-6 (Paperback)

978-3-347-15857-3 (Hardcover)

978-3-347-15858-0 (e-book)

Vorwort:

Ich bin/war in dieser realen Geschichte ein 20 jähriger, junger Mann und ich möchte mit dieser Erzählung versuchen, ihnen zu zeigen, daß es etwas bringt nie aufzugeben und immer weiter zu machen.

Ich sprang, dem Tod nach einem Verkehrsunfall nochmals von der Schippe.

Ich schildere euch in dieser Geschichte „Meine Unfallgeschichte“ und der schwere, harte Weg der Genesung. Anstrengende Zeiten, die unter anderen mit Reha, Umschulung, verschiedene Ausbildungen/Berufe und alten „Freunden“ ziemlich schwer für mich waren. Zwei Jahrzehnte, die leider mehr negative wie positive Erlebnisse für mich hatten.

Ich möchte euch in dieser Geschichte zeigen, wie ich mit meiner Einstellung zum Leben jedes Problem zur Lösung brachte.

Oft lies mich nur mein seelischer Schmerz wissen, das ich noch am Leben bin.

Aber durch meine positive Lebenseinstellung und einfachen kleinen Tipps die ich euch hier vorstellen möchte, meistere ich mein oft schweres Leben.

Und auch die Wahl, meine Arbeit auf dem 2. Arbeitsmarkt weiter zu führen, war oder ist bestimmt nicht die Schlechteste.

Ich schildere Ihnen, wie ich es versucht und geschafft habe mich, mit all meinen kleinen, wie großen Fehlern anzunehmen und zu akzeptieren.

Da ich unfallbedingt jetzt nicht mehr gesund bin und froh sein muss, daß ich soweit wieder fast alles selbstständig erledigen kann, da entschuldigt in diesem Buch bitte, das ich in meinem eigenhändig geschriebenen Geschichte Rechtschreibfehler habe - aber diese Rechtschreib-Probleme sollen und dürfen nicht der Grund sein, daß ich diese Geschichte/ dieses Buch nicht veröffentlicht werden sollte!

Meine Unfallgeschichte und wie ich immer wieder den Mut fand/finde trotz ständiger Rückschläge weiter zu machen und nicht aufzugeben.

Auto-Biographie eines jungen Mannes (der auch du hättest sein können)der durch einen schweren Schicksalsschlag fast alles verloren hatte was er besaß, sogar den eigenen Glauben an sich selbst. Er wurde zwar nicht derselbe, aber vielleicht ein viel besserer Mensch.

Mit dieser Geschichte will ich zeigen und beweisen dass man die Hoffnung - selbst in aussichtslosen Situationen nie aufgeben darf!

Das Bedeutendste was in meinen jungen Leben passierte ist diese

„Horror“-Unfall-Geschichte

und ich schrieb sie auf solange ich mich daran erinnern kann. Ereignisse die ich nur teilweise noch wusste, erzählten mir meine mich liebenden Eltern, auf die ich stolz und froh bin sie zu haben!

Dieses Buch ist nicht sonderlich dick. Ich schrieb anfangs zuerst nur die 10 schwersten und schwierigsten Jahre in meinem Leben und schiebte es Jahr für Jahr immer vor mir her, dieses Buch weiter zu schreiben.

Da ich nicht große Ausschweifungen machte und nur das für mich bedeutendste und wichtigste hinein schreibe, wurde meine Geschichte, das Buch auch jetzt 20 Jahre nach diesem Unfall kein dicker Wälzer.

Mittlerweile – 20 Jahre nach diesem Unfall fühle ich mich richtig angekommen und mir geht es jetzt berufsmäßig, wohntechnisch und mit privaten Zukunftsplänen und Wünschen hervorragend.

Und ich bitte sie, dass sie es mir nachsehen, dass ich – ein zwar behinderter, aber doch normaler junger Mann bin. Ich habe vielleicht nicht alles in genau richtigem, hundertproentigem, guten deutsch geschrieben, ich habe vielleicht etwas doppelt geschrieben und der Satzbau, die Kommasetzung könnte manchmal nicht genau richtig stimmen, aber ich habe dieses Buch komplett selbstständig geschrieben. Ich konnte es mir finanziell auch nicht leisten einen Lektor korrektur lesen zu lassen. Auch die zeitliche Reihenfolge stimmt in so manch Abschnitten nicht so 100 prozentig genau.

Und wie ihr in dieser Geschichte lesen werdet, habe ich jetzt auch kaum Freunde, die dieses Buch berichtigen hätten können.

Das ist für mich und soll auch für euch der Beweis sein, dass es wirklich etwas bringt seine Wünsche und Hoffnungen nie aufzugeben und immer an sich weiter zu arbeiten!

Und auch, wenn mein Weg zu einem halbwegs, wunschlos glücklichen Leben nicht der ist, den man normalerweise geht, oder gehen sollte, so war/ist dieser Weg den ich gehe zumindest für mich der genau richtige.

Genauso, wie in diesem Buch beschrieben geschahen positive wie auch negative Ereignisse in meinem „neuem Leben“ seit meinem Unfall, die mich sehr berührten und die ich euch mitteilen möchte.

Ich hoffe, ich komme mit dieser für mich so erlebten Geschichte niemandem zu nahe.

Man sagte mir, dass dieses Buch äußerst ehrlich, wie ein Tagebuch geschrieben sei; da es aber sehr berührend und spannend ist, möchte man immer weiter lesen, um zu erfahren was jetzt als nächstes passiert.

Fett hinterlegte Absätze sind Songtexte, die meine noch erwähnte Liebe zur Musik zeigen.

Eben diese fett gedruckten Songtexte und meine momentane Gefühlslage in dieser Geschichte machen diese Songs mehr oder weniger zum

„Soundtrack meines Lebens“.

Ich kann oder will jetzt nicht behaupten , dass meine Methode mit Problemen besser fertig zu werden jedem hilft, aber mir bedeutet es etwas und tut mir wahnsinnig gut, wenn ich für mich vielsagende, berührende Musik höre.

Doch mich freut es mehr und es gefällt mir besser laute, rockige, deutsche, manchmal etwas aggressive Punk/Rock Musik zu hören, als ruhige, brave, emotionale Musik.

Wir sind stets von Hektik umgeben,wir tun

alles und lassen nichts.

dem Alltag voll und ganz ergeben,wir schaffen

was nicht zu schaffen ist.

Höher, schneller, weiter – stets über´s Ziel hinaus.

Ob wir wollen oder nicht,

keine Ende ist in Sicht.

Doch wichtig ist, dass du dich selber nicht vergisst.

LEB JEDEN TAG, LEB JEDEN TAG tu was du willst, tu was du magst

dieses Leben es ist dein, es gehört nur dir allein.

Dein Leben kann besonders sein, mach dich unsterblich es ist deins

DU HAST NUR EINS….

Mein früheres, gesundes und normales Leben

Ich wurde bei meinen Eltern in einem kleinen Dorf großgezogen und mein Leben hatte zu Kindes- und Schulzeiten so manch Höhen und Tiefen. Ich lebte mit meinen Eltern in Oberostendorf, einer 600 Einwohner Metropole, wo jeder eigentlich jeden kennt. Schulisch war ich nicht gerade der Beste, aber geforderte Leistungen (Tests) absolvierte ich stets gut.

Das Unterrichtsfach Sport war immer mein Lieblingsfach. Ich war sportlich immer einer der Besten und manchmal auch der Beste. Bei Bundesjugendspielen zum Beispiel, die einmal im Sommer, wie Winter stattfanden bekam ich jedes mal nicht immer nur eine Siegerurkunde sondern stets eine Ehrenurkunde - und ich wurde sogar 3 oder 4 Mal als Schulbester geehrt.

In meinen qualifizierenden Hauptschulabschluss den ich auch in Sport absolvierte glänzte ich mit Übungen wie Handstandüberschlag übers Pferd oder Flickflack (Salto rückwärts).

Für eine 1 benötigte man an 4 Sport Geräten ( Reck, Barren, Boden, Kasten/ Pferd insgesamt 34 Punkte - wo es beispielsweise für die Übung des normalen Handstandüberschlages 8 Punkte gab. Ich erreichte mit Zusatz-Bonuspunkten insgesamt 38 Punkte und dieses Ergebnis wertete mal besser als eine Eins. Ich wurde mit meinen Übungen mit einer 1 mit Stern bewertet. Außerdem war ich in einem Fußballverein auch sehr erfolgreich und hatte viel Spaß beim Training und bei den Spielen.

Ich war bei sehr vielen Mitschülern wegen meiner freundlichen, sportlichen, lustigen Art immer ein willkommener Freund. Ich war auch 1 Jahr Ringer. In meinem Nachbardorf ist ein kleiner, starker Ringer Club, der in der 2. Bundesliga rang. Da auch mein Bruder dort gerungen hat, ziemlich erfolgreich war und sogar mehrfach Schwäbischer und Bayrischer Meister in seiner Gewichtsklasse wurde, entschied ich mich auch Ringer zu werden.

Da ich erst mit 18 Jahren, also viel zu spät meine Ringerkarriere begann, wurde ich kein guter Ringer und gewann Kämpfe eigentlich nur, wenn meine Gegner 200 Gramm, oder so zu schwer waren, disqualifiziert wurden und nicht ringen durften.

Freunde - ja Freunde hatte ich unzählige. Schulfreunde, Vereinsmitglieder, Partykollegen, Saufbrüder, Wochenend-Kameradschaften,… und da ich in meinen Augen auch nicht hässlich war oder bin kam ich auch beim weiblichen Geschlecht gut an. Ich muss zugeben, ich hatte viele oberflächliche Partnerschaften wo es mir blöderweise aber nur um Bettgeschichten ging.

Als 15-jähriger hatte ich ein Mofa und war damit sehr mobil. Ich besuchte nach dem Schulunterricht oft Klassenkameraden um gemeinsam irgendwelches zu unternehmen.

Als ich einen Klassenkameraden am Samstagabend einmal besuchte und wir bei ihm Videos ansahen, verabschiedete ich mich erst nach 24 Uhr bei ihm. Ich musste nun etwa 9 km nach Hause fahren, schlief anscheinend sitzend auf meinem Mofa ein und ich stürzte in den neben der Straße verlaufenden Bach. Mir passierte außer ein paar Schürfwunden nichts – wenn mir so ein Sekundenschlaf später einmal mit dem Auto passiert könnte das mein Tod sein, so meine Gedanken.

Mein Vater der ein Autohaus besitzt und betreibt, versprach mir als kleines Kind schon mehr oder weniger sein Geschäft - wenn ich mal groß bin und Automechaniker gelernt habe. So erlernte ich nach meiner Schulzeit den Beruf des KFZ-Mechanikers.

Ich war wie schon zu Schulzeiten nicht gerade der Beste aber gefordertes wurde mit Zufriedenheit erledigt. Nach 3,5 jähriger Lehrzeit absolvierte ich die Gesellen-Prüfung mit Erfolg.

Irgendwann mal in meiner Lehrzeit bekam ich dann Post vom Wehrdienst. Ich lies mich mustern, wollte aber „ausgemustert“ werden. Ich versuchte zu erklären dass ich keinen Dienst an einer geladenen Waffe leisten kann (war aber seit ich 12 war in einem Sport-Schützen Verein).

So wurde ich

:-(     leider   :-(

ausgemustert.

Zivildienst und Bundeswehr –

ich trag lieber den Müll raus, als ein Gewehr....

Ich bewarb mich als Zivildienstleistender in einem Klinikum in Kaufbeuren und wurde im März 1999 eingestellt. Kaufbeuren ist eine Kleinstadt und liegt etwa 14 km von meinem Heimatort Oberostendorf entfernt.

Ich wurde eingesetzt auf einer Drogen-Entgiftung-Station und hatte mit Patienten zu tun die etwa in meinem Alter waren; aber eben drogensüchtig.

Diese 20-30 jährigen Patienten begleitete ich auf Stadtspaziergängen, musste manche „Patienten“ zu bestimmten Therapien bringen, …

Meine Hauptarbeitszeit absolvierte ich auf Station und spielte mit „meinen“ Patienten Tischfußball. Ich war sehr gut darin und wurde von manchen Patienten als Kicker-König bezeichnet.

Ich wäre wegen meiner hilfsbereiten, freundlichen Art laut damaliger Stationsleiter genau richtig für einen Pflegeberuf und man versuchte mich zu überzeugen dass ich einen Pflegeberuf erlernen sollte, aber mit einem fast versprochenem Autohaus im Rücken dachte ich gar nie daran, etwas anderes zu lernen.

Große Träume, es war eine geile Zeit.

Große Träume und ein Stück Unsterblichkeit.

Große Träume, gerne denke ich zurück,

an die unbeschwerten Jahre –

Freundschaft und Glück, Freundschaft und Glück....

Damals dauerte der Zivildienst noch 12 Monate und hätte für mich noch bis Ende März 2000 gedauert.

Nach 9 Monaten Zivildienst stand die große Jahreswechsel ins neue Jahrtausend vor der Tür. Ich nahm mir Urlaub bis 7.1.2000. Weihnachten hab ich mich reichlich beschenken lassen und dann stand die große Jahrtausendwende vor der Tür.

Mit viel Traaaraaahhh und Party kam ich mit Freunden gut ins Jahr 2000.

Das ist unser Tag, das ist unsre Zeit

und sie fliegt nicht mehr an uns vorbei,

denn das ist der Moment

an dem du einmal hängst,

wenn du irgendwann zurück denkst.

Das ist der Moment.

Das ist der Moment....

Mein Unfall:

Da ich ja eben noch ein paar Tage Urlaub hatte und es Wochenende war fuhr ich und ein Freund am Samstag den 2.1.2000 mit ca. 8 anderen Freunden ins Kino in den Film „ Tötet Mrs.-Tingle“. Anschließend, da der Abend noch jung war machten wir eine kleine Kneipentour. Ich fuhr mit meinen Freunden 2-3 Kneipen ab. Wir blieben dann aber in einer Kneipe in dem Ort wo meine Fahrgäste lebten. Wir spielten Dart und hatten großen Spaß

Mein Leben war einfach toll!

Da der Abend und die Nacht immer später wurde und ich mich immer müder fühlte beschloss ich etwa um 3: 30 Uhr, mich auf den Heimweg zu machen, weil ich schlafen wollte. Da es glatt war und ich zwar nicht viel, aber doch etwas Alkohol getrunken hatte, sagte ein Freund noch; Komm lass dein Auto stehen, übernachte doch bei mir. Ich dachte mir nur, die 5 km nach Hause schaff ich jetzt auch noch, verabschiedete mich und fuhr los. Ich muss zugeben; es war spiegelglatt und ich war sehr müde.

Die Unfall Fahrt:

Die Kneipe in der wir waren, war 2 Ortschaften von meinem Heimatort entfernt. Vom ersten bis zum zweiten Ort ist die Strecke sehr kurvig und bedarf gewisse Konzentration. Die ersten 2 km geschafft, so – nur noch einen Ort von Zuhause entfernt, nur noch 3 km.

Auf dieser 3 km langen Strecke ist der Straßenverlauf fast nur gerade.

Ich fuhr - meine Augen schlossen sich kurz - ich hatte einen Sekundenschlaf - kam rechts von der Spur ab, wachte auf - zog nach links und stieß auf der linken Straßenseite mit etwa 100 km/h gegen einen Baum.

Da um diese Uhrzeit kein anderes Auto unterwegs war, wurde mein total kaputter Wagen erst um ca. 6 Uhr gefunden. Etwa 2,5 Stunden lag ich dort halbtot in meinem Auto - ohne Hilfe. Der Krankenwagen wurde alarmiert, die Sanitäter und Helfer konnten mir aber da ich eingeklemmt war nicht helfen. Die Feuerwehr musste ausrücken und ich wurde aus meinem Auto herausgeschnitten.

So wurde ich nun „befreit“ und schwer verletzt nach Kaufbeuren ins Krankenhaus gebracht. Meine Eltern wurden früh morgens informiert, dass sich etwas Schlimmes mit Ihrem Sohn zugetragen hat. Sie fuhren zu mir ins Krankenhaus, wo ich aber gerade in einen Rettungshubschrauber verfrachtet wurde. Da ich mit dem Kopf aufs Lenkrad prallte und schwere Gesichts- und Kopfverletzungen hatte, wurde ich nach Augsburg ins Zentral-Klinikum geflogen.

Dort lag ich 10 Wochen im Koma.

Meine Nase musste aus dem Gesicht heraus operiert werden und ich kann seit diesem Zeitpunkt leider nichts mehr riechen. Ich kann mich durch meine schweren Kopfverletzungen auch nicht mehr an irgendwelche Gerüche erinnern.

Da auch mein linkes Auge vom Augapfel herausgerissen war, wurde es mir wieder eingesetzt, mein Unterkiefer war mehrfach gebrochen und wurde mit Metallschrauben fixiert. Auch mein Oberschenkel und mein Oberarm waren gebrochen und mussten mit Metallplatten und Schrauben/ Nägeln fixiert werden. Und da ich eben schwere Kopfverletzungen hatte war ich auf meiner linken Körperseite komplett gelähmt.

Ich wisch den Schweis von meiner Stirn,will das alles nicht verliern.

Halte fest an diesem Tag,

ich spür mein Herz noch Schlag für Schlag.

Und mit jedem Atemzug,fühle ich ein bisschen mehr.

Ich bin lange noch nicht tot, gib mein Leben wieder her.

Ich will den Tag noch einmal leben,will die Sonne nochmal sehen.

Will den Regen und den Windnoch einmal spür´n.

Ich will die Liebe nochmal geben,will den Hass nochmal erleben.

Will die Leiden und denSchmerz noch einmal fühl´n....

Die Woche darauf stand mein Verkehrsunfall in der regionalen Zeitung wo es hieß:

Es ereignete sich am 03.01.2000 früh morgens ein schlimmer Verkehrsunfall. So wie es aussah hätte ein Beifahrer nie überleben können und der Fahrer, ein 20 jähriger, junger Mann aus Oberostendorf überlebte schwer verletzt und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Die ärztliche, genaue Diagnose für meine Kopfverletzungen war

– Schweres Schädelhirn Trauma/Frontalhirn Syndrom und Prosopagnosi/Gesichterblindheit.

Und wie auch schon in so manch´ Fernsehberichten erwähnt: Ja man kann sich, zwar nur bruchstückhaft an die Zeit im Koma erinnern, aber man kann – zumindest ich konnte mich an manches erinnern. Obwohl man es nicht zeigen kann, oder sich danach nicht mehr genau daran erinnern kann, jeder Besuch von Verwandten, Freunden, Bekannten tat/tut gut und hilft.

Ich kann mich noch an ein besonderes „Ereignis“ im Koma erinnern.

Alle Ärzte, Schwestern, Pfleger die zu mir ins Zimmer kamen stellten sich, obwohl ich bewusstlos im Koma lag, persönlich bei mir vor.

- Grüß Gott Herr K. ich bin ihr Arzt - Doktor... ,

- ich bin die Schwester... die ihnen täglich Ihre benötigte Infusionen „ansteckt“,

- ich bin die Schwester S... die sie etwas dreht und lagert damit sie sich nicht wund liegen.

Im Nachhinein erzählten mir noch meine Eltern dass ich mein Gesäß, meine Beine blutig, wund, eitrig und offen gelegen hatte.

Und genau an diesen Punkt kann ich mich erinnern da ich in einem Lehrgang als Zivildienstleistender etwa 3 Monate vor meinem Unfall lernte wie man einen Patienten richtig lagert. Ich kann mich zwar glücklicherweise nicht mehr an den Schmerz meiner offenen Körperstellen erinnern, aber wusste noch wie ich gelagert wurde – ich wurde von einer unangenehmen Stelle immer auf eine andere unangenehme Stelle gelegt. Man machte meinen Eltern wenig Hoffnung, dass ich wohl jemals noch aufwachen würde und wenn ich aufwachen sollte wohl immer ein Pflegefall bleiben würde.

Da mich meine Eltern so lieben, wurde ich von ihnen zweimal wöchentlich besucht – und das obwohl dieses Krankenhaus nicht in unmittelbarer Nähe liegt.

Ich wurde etwa die ersten 3 Wochen im Koma nicht künstlich ernährt. Da man wohl dachte, er wird wohl eh nicht überleben. Vor diesem Unfall war ich immer sehr, sehr schlank, oder dürr und wog bei einer Größe von 183 cm nur 70 – 72 kg, aber als ich dann nur noch 42 kg wog und fast am Hungertod gestorben wäre bekam ich nun endlich eine PEG gelegt und wurde nun künstlich ernährt. Trotz Bewusstlosigkeit hielt meine Mutter bei Besuchen immer meine regungslose Hand, bemerkte zwar keinerlei Gegenreaktion, glaubte aber immer fest daran dass ich irgendwann mal wieder aufwache und gesund werden würde.

Ich hatte sehr viel Kraft in mir, ich gab nicht auf und wollte einfach wieder aufwachen. Mit meiner gelegten Magensonde – PEG gab es aus undefinierbaren Gründen das Problem, das diese künstliche Ernährung nicht in meinen Magen floss sondern in meinem Bauchraum landete. Durch die fehl gelandete, künstliche Ernährung entzündete sich mein Bauchraum und ich bekam eine Bauchfellentzündung und musste - „mal wieder“ operiert werden. Zuerst wurde mir die künstliche Nahrung aus meinem Bauchraum entfernt, dann wurde alles säuberlich gereinigt. Man erkannte bei der Operation dass auch ein Teil des Magens entzündet war und man nahm mir ein kleines Stück entzündeten Magen ab. Bei dieser Operation wäre ich nochmals fast gestorben.

So lebe ich nun mit einem etwas kleineren Magen und ich bin jetzt schon oft mit einer kleinen Kinderportionen total satt.

Dann passierte es endlich – nach 10 Wochen Koma Zeit wachte ich auf.

Doch ich wusste nicht was passierte und wo ich im Moment bin. Auf Grund meiner Kopfverletzungen wusste ich absolut nichts mehr.

Ich hatte ein schweres Schädelhirntrauma und musste leider alles wieder neu erlernen.

Sprechen, laufen, rechnen und schreiben, ja selbst das Schuhe binden konnte ich nicht mehr und selbst auf der Toilette musste ich mich wieder zurecht finden, ich musste einfach alles wieder neu erlernen,

Als ich wieder erwachte kamen alle Ärzte und Schwestern zu mir und erzählten mir wer sie seien und was sie für eine Aufgabe an mir hatten und wie sie mir behilflich waren. Sie sagten: Ich bin Herr... - ich bin seit 10 Wochen ihr behandelnder Arzt,

Ich bin die Schwester... - ich habe ihnen täglich Ihre Infusionen erneuert,

Ich bin die Schwester S... (die Schwester die mich lagerte) - ich erkannte den Namen wieder und zeigte sofort auf meine offenen Beine. Alle Beteiligten sagten keinen Ton wussten aber, was ich meinte und wussten sehr wohl wer hier Ihre Arbeit nicht richtig erledigte.

Obwohl es mir sehr schlecht ging, war mein großes Glück, dass mich mein Vaters 2 Monate vor diesem Unfall bei einer Versicherung gut absicherte.

Mir wurden ca. 20.000 Euro von einer Unfallversicherung zugesprochen, für 1 Jahr und 8 Monate Reha und Krankenhausaufenthalt bekam ich noch ein Krankenhaus-Tagegeld (täglich 45 Mark/ca. 20 Euro). Weil ich nach diesem Unfall als schwerbehindert galt, bekam ich nochmals viel Geld und und da ich nach einem Jahr noch genauso behindert war wurden mir noch einmal ca. 20.000 Tausend Euro ausbezahlt. So hatte ich durch diesen Unfall insgesamt ca. 79.000 Euro bekommen.

Zeiten meiner Rehabilitation:

Im Anschluss an Augsburg wurde ich nach Burgau in eine Früh-Reha verlegt.

Hier lernte ich mit viel Arbeit wieder alles, was ich zum Leben brauchte von Neuem. Dort wo ich immer raus aus meinem Bett wollte und heraus zu stürzen drohte, wurde ich aus medizinischen Gründen ins Bett hinein fixiert.

Da man mir ja die Fixiergurte nicht zu stramm anspannen durfte und immer wieder aus meiner Fixierung heraus kam wurde aus Sicherheitsgründen eine Matratze ohne Bettgestell auf den Fußboden gelegt, auf der ich nun liegen sollte. Um die Matratze herum wurden große Polsterquader gelegt, damit ich nicht heraus komme aus meinem „Nest“.

Als mich meine Eltern besuchten und mich zusammengezogen „auf dem Boden liegend“ vorfanden, kamen meiner Mutter fast die Tränen. Dort in Burgau – Monate nach meinem Unfall bemerkte ich einmal zufällig beim allmorgendlichem anziehen, dass ich links gar nichts mehr sehe. Ich zog mir mein T-Shirt halb über meinem Kopf, das rechte Auge war unterm T-Shirt verdeckt, links hatte ich „freie Sicht“ sah aber alles nur ganz Schwarz. Da ich ja noch nicht 100%-tig richtig sprechen konnte, fragte ich mit „Händen und Füßen“ und viel Gestik meine Mutter danach, ob es sein könnte, dass ich links nichts mehr sehe. Sie sagte: „Ja mein Junge, man sagte uns, es könnte passiert sein, das der Sehnerv durchtrennt wurde“. Nun musste ich lernen nur mit einem Auge aus zukommen, was mir allerdings nicht besonders schwer viel, da ich ja noch ein anderes, gesundes Auge hatte. Da mein anderes, gesundes Auge aber immer geschützt werden musste, sollte ich von nun an eine Brille tragen. Es hieß eine Brille muss ich tragen, da beispielsweise wenn ich bei kleinen Kindern, die im Sandkasten spielen Sand in mein gesundes Auge geschmissen bekomme, ganz erblinden könnte.

Ich bin jetzt auf meinem linken Auge nicht ganz blind – es heißt ich habe laut Optikern noch eine 2 -4 prozentige Sehkraft. Wenn ich mein gesundes, rechtes Auge schließe sehe ich links zwar nur schwarz, aber Personen, Gegenstände sehe ich noch dunkler. Mein kaputtes Auge ist jetzt sehr empfindlich. So tränt mein linkes Auge z.B. immer wenn ich Zugluft oder hohen Temperaturunterschieden ausgesetzt bin. So „weine“ ich bei kaltem Wetter immer, wenn ich vom Warmen hinaus ins Kalte muss.

Deshalb kaufte und trage ich eine teure Brille mit großen, gebogenen Gläsern damit ich nicht so viel von der kalter Zugluft ab bekomme. Mein Auge ist bei warmen Wetter zwar besser vor Zugluft geschützt, tränt bei Kälte aber dennoch oft.

So trage ich im Winter meine „große Brille“ und im Sommer eine schmalere, sportlicher aussehende Brille.

Einmal, als mich meine Eltern in Burgau spazieren fuhren, meinte ich Nasenbluten zu bekommen.

Meine Eltern gaben mir ein Taschentuch, ich putzte mir die Nase, aber kein Blut, das Taschentuch war aber feucht und aus meiner Nase tropfte kein Nasensekret, sondern sowas wie Wasser. Sie brachten mich zurück zur Klinik und Ärzte bestätigten dann das diese Flüssigkeit kein Wasser sei, sondern es handelte sich hierbei um Gehirnflüssigkeit. So etwas hatte ich glücklicherweise nie mehr und es hieß dass durch zu hohen Hirndruck Gehirnflüssigkeit heraus geflossen sei.

Um von diesem Krankenhaus heraus zu kommen benötigten die Pflegekräfte immer einen wöchentlich geänderten Tür-Code den man eingeben musste damit sich die Eingangs Türe öffnete. Ich weiß nicht mehr genau warum und wie; aber meinen Eltern wurde erzählt, dass ich immer diesen Tür Code heraus bekam. Ich wollte zwar kein einziges Mal raus aus dieser Reha-Einrichtung, aber ich wusste – ich hätte können. Ich merkte mir von dem Pflegepersonal die Handbewegungen beim Drücken des Tür Codes „genau richtig“ und probierte danach immer aus, ob sich die Türe damit öffnen ließe.

Ich konnte mich ja an nichts mehr erinnern, trotzdem wusste ich aus unerklärlichen Gründen eine Handynummer. Ich rief eines Tages mal diese Nummer, die mir im Kopf war, an. Es meldete sich ein Mädchen, sagte ihr wer ich bin und fragte sie, woher ich sie kenne? Sie sagte mir wir kennen uns von einer Party im Oktober 1999 – also vor meinem schlimmen Unfall. Da sie mir damals ein bisschen Hoffnung auf eine Beziehung machte, verstand ich mich mit diesem Mädchen blendend. Ich rief sie, als ich in Burgau war, fast täglich an und hab sie wohl auch ein wenig damit genervt. Sie sagte mir irgendwann – stellt euch vor, ich habe seit Samstag wieder einen Freund und freute sich sehr darüber.

Mir hat sie damit einen Dolch ins Herz gestoßen. Sie machte mir Hoffnung und sagte: Wenn ich jemals wieder solo bin, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit mit dir zusammenkommen. Sie hatte nach diesem Freund noch einige neue Beziehungen und ging mir seitdem immer aus dem Weg, oder legte einfach auf wenn ich anrief. :-(

Erinnerungen an Burgau:

Heute kann ich mich noch gut an ein paar Geschichten aus meiner Früh-Reha in Burgau erinnern.

Die eine ist die das gegenüber von unserer Reha Einrichtung einmal wöchentlich ein Imbissbuden Auto hielt das Döner Kebab verkaufte. Dort bestelle ich immer einen Döner ohne Tomate, extra scharf.

Extra scharf deshalb weil ich, wie erwähnt nichts mehr rieche und ihr wisst, wer z.B. einen starken Schnupfen hat oder total verschnupft ist- also kaum noch etwas riecht - schmeckt auch weniger – so schmecke ich eben nichts mehr.

Nur wenn daß Essen höllisch scharf ist, habe ich das Gefühl etwas zu schmecken.

Deshalb versalze ich z.B. auch immer meine Suppe, weil ich sonst nur warmes Wasser schmecke oder ich benutze als Ketchup eine scharfe Cilly Sauce. Mit Tabasco Sauce würze ich auch z.B. immer meine Gulasch-Suppe. So würze ich jedes Essen, das mir aufgetischt wird immer extrem scharf. Tomaten esse ich deshalb nicht, weil – irgendwie total unsinnig, ich schmecke ja eben kaum noch etwas, ich Thomaten schon damals total heikel fand und noch irgendwie wusste, dass ich noch nie Tomaten mochte. Zum Beispiel den weichen Geschmack wenn ich auf Tomaten beiße, oder den komischen Geschmack von sämtlichen Fischgerichten widerspricht mir irgendwie und mochte ich noch nie und esse ich auch heute nicht mehr.

Die andere Sache, an die ich mich in Burgau noch erinnern kann ist: Als ich einmal die Therapie Logopädie (Sprachtherapie) hatte und ich auch hier 2 x wöchentlich von meinen Eltern besucht wurde und mein Vater mich bei einer Therapiestunde begleitet hatte, folgendes: es wurden mir Bilder gezeigt die ich erkennen musste und laut und deutlich sagen sollte was ich auf diesem Bild sehe. z.B. Ball, Haus, Kuh, Regenschirm … dann wurde mir ein Bild gezeigt von einem Traktor. Ich wurde gefragt, was ist das? Ich sagte „Zugmaschieh“, das Bild wurde mir erneut gezeigt, Andreas was ist das?

Ich - a Zugmaschieh. Die Logopädin sagte: Aber Nein Andreas, das ist ein Traktor, zeigte mir das Bild erneut und fragte nochmals - was ist das? Ich: „a Zugmaschieh“.

Nein Andreas! Meine Vater sagte – doch, mein Junge hat recht, bei uns zu Hause im Dialekt ausgesprochen isch des a Zugmaschieh.

Die dritte Sache, die ich noch weiß ist folgende: Als mich eben meine Eltern oft besuchten und mich in Burgau mit dem Rollstuhl herum fuhren sagte ich unbewusst immer und immer wieder – Aua Aua, Aua Aua. Alles an mir wurde untersucht – keine Beschwerden wurden ausfindig gemacht – also mir tat eigentlich nichts weh.

Da hat wohl mein Unterbewusstsein den ganzen Schmerz, den ich ertragen musste verarbeitet „und mich Aua, Aua,... sagen lassen“.

An was ich mich noch erinnere, ist eine Geschichte mit einem Mädchen, die sich etwas in mich verliebte. Dieses Lady war, wenn keine Therapien anstanden sehr oft in meiner Nähe und unterhielt sich gerne mit mir. Sie sagte mir auch, dass sie eine Beziehung mit mir möchte. Ich war von dieser Idee nicht begeistert, weil mir dieses Mädchen optisch absolut gar nicht gefiel. Sie war hässlich, irgendwie total bescheuert und sie war nicht sehr groß und wog gut über 100kg.

Ich sagte ihr dass ich lieber noch ewig solo bleibe, bevor ich mit ihr etwas anfange. Sie war danach am Boden zerstört und sehr wütend auch mich. Wohl aus Rache hat sie immer mit meinem Gedächtnisproblem gespielt – was mich jedes Mal sehr deprimierte. Sie fragte mich immer, wenn sie mich sah : „Na Andreas, weißt du noch wie ich heiße“ – Immer und immer wieder. Sie sagte mir zwar jedes Mal ihren Namen wieder, aber ich vergaß leider es Hirnverletzungs-bedingt schon nach 2 Minuten wieder. Sie sagte mir – streng dich doch mal an – gib dir doch Mühe – oder bist du blöd. Und wenn ich es nach kurzer Zeit eben nicht mehr wusste sagte sie zu mir – du bist doch total bescheuert, absolut blöd bist du. Und nach ein paar Tagen, als sie mich täglich etwa 50-mal fragte konnte ich mir ihren Namen mit einer witzigen, gemeinen Eselsbrücke merken.

Ich sagte mir – das Mädchen war super fett und sie hieß Karolin, Da kam ich auf eine logische Eselsbrücke. Ich dachte mir immer nur – was hat dieses Mädchen zu viel. Zu viel Kilogramm, zu viel Gewicht, zu viel Kalorien, Kalorien – Karoline. Und als ich dann immer wieder ihren Namen wusste wurde es für sie uninteressant mich immer wieder zu fragen. Ihr werdet noch lesen, dass ich dank mancher Eselsbrücken manch Höhen erleben konnte.

Hast du wirklich dran geglaubt,dass die Zeit nicht weiter geht.

Hast du wirklich dran geglaubt,dass sich alles um dich dreht.

Es war nicht alles Gold, was glänzte und doch, es war schön

Es war nicht alles Gold, was glänzte,du trägst Narben der Zeit– die nie vergehn....

Doch ich muss mein Leben leben, meinen Wegalleine gehen,

machs gut du schöne Zeit auf Wiedersehn, aufWiedersehn....

Halt da ist noch eine Sache, an die ich mich sehr gut erinnere -

Am 26.03.01, an meinem 22. Geburtstag bekam ich Besuch von meinen Eltern und meine Mutter hat mir zum Geburtstag meinen Lieblingskuchen gebacken. Einen Erdbeer-Kuchen. Meine Mama versuchte mich zu „füttern“. Zum Schluss hatte ich mehr Kuchen in den Haaren, am Kinn, im Gesicht, als im Mund.

So lernte ich eben in Burgau das Nötigste zum Leben. Ich war für etwa 4 Monate in dieser Früh-Reha Einrichtung. Anschließend wurde meinen Eltern empfohlen, dass es für mich das Beste wäre, wenn man mich im Anschluss nach der Früh Reha Burgau nach Gailingen weiter verlegen würde, da sich dieses Zentrum am besten mit Hirnschädigungen, wie ich hatte auskennen. Gailingen liegt hinter dem Bodensee, direkt an der Schweizer Grenze.

So wurde ich im Juli 2001 viele Kilometer weit entfernt nach Gailingen verlegt. Dort wurde mir unter anderen auch gelernt, wie ich mich am Bahnhof zu Recht finde und wie ich eigenständig umsteigen muss. Da dies nach einer Weile gut klappte, durfte ich nun alle zwei Wochen Freitags 6,5 Stunden mit dem Zug nach Hause fahren.

6,5 Stunden deshalb weil ich 8-mal umsteigen musste und immer auf den Anschlusszug warten musste. Einmal weiß ich noch, hatte der Abfahrtszug in Gottmadingen etwa 55 Minuten Verspätung,

Ich dachte mir nur – nicht so schlimm – muss ja eh am nächsten Umsteigebahnhof in Singen eine Stunde warten. Ich kam in Singen an, lief zum Abfahrtsgleis und stieg ein. Wir fuhren los, orientierte mich nicht wohin der Zug fuhr und nach etwa 45 Minuten kam ein Schaffner, um mein Ticket abzustempeln. Er sagte: „ Sie sitzen im falschen Zug.“ Ich sagte Ihm, dass ich in Singen umsteigen musste und ich hätte eh eine Stunde auf den Anschluss -Zug warten müssen. Da mein Abfahrtszug Verspätung hatte, dachte ich mir – egal, muss in Singen ja eh eine Stunde warten und stieg einfach auf meinem Abfahrtsgleis ein. Der Schaffner erklärte mir: Wenn ein Zug mit Verspätung in einen Bahnhof einfährt, bleibt der Zug dann solange, wie er zu spät eingetroffen ist am Bahnhof stehen. Total bescheuert finde ich – aber egal. Ich sollte am nächsten Bahnhof aussteigen und sollte mich darum selber kümmern, wie ich weiter fahren muss um zu Hause anzukommen. Der nächste Halt sagte er ist in grob 25 Minuten in Neu Ulm. Ich – was Neu Ulm, ich wollte von Singen eigentlich nach Lindau, eine ganz andere Richtung wie Neu Ulm. Kam aber nach etwa 8 Stunden über eine große Umweg Fahrt zu Hause an.

Sonntag -nachmittag wurde ich dann von meinem Vater wieder nach Gailingen gefahren. Mit dem Auto waren es nur 2,5 Stunden. Auf diesen Autofahrten nervte ich glaube sehr oft meinen Vater weil ich immer wieder fragte: GZ – was heißt das? LH – was ist das... ? HSK – wo ist das...? Mü - wo ist denn das...?

Autokennzeichen raten machte mir anscheinend großen Spaß :-)

In Gailingen hatte ich anfangs so Therapien wie Mathematik, Deutsch-Unterricht und Krankengymnastik. Nach ein paar Monaten und nach einem Gespräch mit meinen Eltern, wo ihnen gesagt wurde, dass ich den Beruf des Automechanikers wegen meiner linksseitigen Blindheit und meinem verlorenem Feingefühl nicht mehr ausüben sollte/durfte, wurde beschlossen das ich einen Beruf neu erlernen sollte. Da ich im Hinterkopf ja immer noch das Autohaus meines Vaters hatte, entschied ich mich für irgend eine Bürotätigkeit.

Büroarbeit benötigt man ja auch in einem KFZ-Betrieb.

So bekam ich dann Therapiestunden wie Schreibmaschinen schreiben und Betriebsfachkunde, wo ich in einer Übungsfirma lernte, Bestellungen, Rechnungen, Angebote zu schreiben und zu beantworten. Das Schreibmaschinen-schreiben wurde mir nach einiger Zeit erleichtert und ich durfte wegen meines Gedächtnisproblems (vergaß ja immer wieder die Stellen wo die Buchstaben standen) mit Sichtkontrolle schreiben. Als ich dann eben wieder selbstständig laufen und mich mitteilen konnte lief ich ca. 2 x wöchentlich 400 Meter über die Rhein Brücke in die Schweiz. Halt immer nur bis zum Grenzposten.

In Gailingen wurde auch untersucht, ob ich tatsächlich nichts mehr rieche. Eine dortige Ärztin hielt mir verschiedenste stark riechende Kräuterer vor die Nase und ich wurde gefragt, ob ich etwas rieche. Mir wurden Knoblauch, verschiedene Öle und Kräuter vor meine Nase gestreckt – ich roch aber rein gar nichts. Dann probierte sie zuletzt den für gesunde Menschen ätzenden Geruch des Giftes Ammoniak aus, das ich auch roch. Die Ärztin sagte mir ich rieche diesen Geruch nicht über meine Nase, sondern über den „Gefahrensinn“, den jeder Mensch hat. Man könnte mich also nicht bewusst vergiften, da der „Gefahrensinn“ sich meldet und sagt – HALT - da stimmt etwas nicht.

Dort in Gailingen kann ich mich noch an mehr Sachen erinnern wie zum Beispiel mein damaliger Zimmerkollegen, der in der Nähe meines Heimatortes lebte, oder an ein paar nette, kranke, junge Damen die ich gerne sah, oder an die Fahrt jeden Donnerstag nach Singen, die nächst größere Stadt neben dem Dorf Gailingen.

Nur Besuch bekam ich hier keinen mehr.

Aus irgend einem Grund dürfen hier stationäre Reha-Patienten nur jedes zweite Wochenende zu Hause übernachten.

Jedes Wochenende wo ich nicht nach Hause fahren durfte und in Gailingen bleiben musste machten wir oft große Touren irgendwo hin. Wir waren am Affenberg in Salem, auf der Insel Mainau, am Reinfall von Schaffhausen... oft in Singen oft im Kino... Apropo Singen, ich kaufte mir unzählige CDs mit Rock Musik in einem CD Laden. Mir gefiel und gefällt Rockmusik einfach super gut. Und da ich eben irgendwie noch den Rhythmus im Blut habe – spielte als Kind Flöte und Keyboard, wollte ich irgend ein neues Instrument lernen. Weil ich mir ja schlecht Noten oder so was merken konnte, hieß es, lerne doch ein wenig Schlagzeug. Das machte mir dann richtig viel Spaß. Es hieß zwar beim Schlagzeug musst du nur bis 4 zählen, aber 4 mit dem linken Bein, 4 mit dem rechten Bein, 4 mit dem rechtem Arm... - meine Schlagzeug-Künste hörten sich vielleicht nicht besonders gut an, aber mir hat es großen Spaß gemacht.

Zu dieser Zeit, als ich in Burgau und Gailingen-Reha-Patient war begann ich einem neuem Hobby nach zu gehen. Ich fing an, etwas zu sammeln. Aber nicht wie man sich denkt „normale“ Sachen wie Briefmarken, oder alte Münzen. Ich fing an auf Reha Ausflügen und Restaurant Besuchen, verschiedene Bierdeckel mitzunehmen und zu sammeln. Da die Firma, die gegenüber meinem Elternhaus Getränke verkauft und verschiedene Bierfilze als Werbegeschenke erhielt, die normalerweise nach einer gewissen Zeit weggeschmissen werden, bekam ich auch dort sehr viele verschiedenen Bierfilze. Außerdem bestellte ich bei eBay bei anderen Personen die dieses Hobby mit mir teilen auch 2-3-mal für etwa 15€ - 150 verschiedene Bierfilze.

So vermehrten sich meine verschiedenen Bierfilze auf 1983 Stück, die ich zu Hause in meinem großen „Kinderzimmer“ an der Holzdecke mit Reißnägel befestigt „ausstellte“.

Diese Zimmer-Holzdecke war prall gefüllt mit den verschiedensten Bierdeckeln, bevor mein Bruder dieses Zimmer renovierte und alles neu gestrichen/gemacht hat.

Als ich 2005 von zu Hause auszog beendete ich dieses Hobby. Spaß-halber sagte ich zu Bekannten die meine Zimmerdecke bestaunten immer – wenn ich mal 2000 verschiedene Bierfilze zusammen bekomme mag ich versuchen diese 2000 verschiedene Biere zu trinken :-)

In der Reha in Gailingen war ich in Betriebsfachkunde wegen meines Gedächtnisproblems nicht der Beste, so wurde ich im Anschluss an diese Reha für eine Umschulung als Büropraktiker angemeldet. Meine Reha Zeit in Gailingen endete nach 1 Jahr und einer Woche. Aus Spaß machte ich noch Scherze, was ein guter, neuer Beruf für mich wäre.

Ich könnte doch Politiker werden. Ich rede jetzt sehr gerne und viel und das was ich verspreche vergesse ich ja sowieso!

Meine Zeit als König