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Alles scheint dazu verdammt, sich zu wiederholen. Und so scheinen wir alle gefangen in diesem endlosen Strom von Wiederholungen. Und so ist vielleicht auch dieses Buch nicht mehr als eine Wiederholung. Doch bedeutet eine Wiederholung immer auch gleich eine Hoffnungslosigkeit? Die Frage ist, was man daraus macht.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2022
Dominik Mutter
Wiederholungen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Erster Teil
Zweiter Teil
Impressum neobooks
Wiederholungen
Ein kurzer Kurzroman
Dominik Mutter
Impressum
Texte: © Copyright by Dominik MutterUmschlag: © Copyright by Dominik MutterVerlag: Dominik Mutter
Burgstrasse 48604 [email protected]
Druck: epubli, ein Service der
neopubli GmbH, Berlin
Erstes Kapitel
Wie das Feuer der Hölle traf der Wasserregen auf seine Haut, doch fühlte er sich wohl und geborgen in dieser täglichen Tortur. Der sanfte und feuchte Dampf schmiegte sich um seinen Körper und hüllte ihn ein in diesem Vakuum von Geborgenheit und Wärme. Kaum hatte er den Quell des flüssigen Glücks abgedreht, bahnte sich die umliegende Kälte, durch jeden Spalt und jede Ritze, einen Weg in diesen Garten Eden. Schnell ergriff er das Duschtuch und hüllte sich, nachdem er seinen Körper grösstenteils trocken gerubbelt hatte, in das weiche Stück Stoff. Erst jetzt sah er sich, auch wenn widerwillig, dazu gewappnet, die Türe zur Dusche aufzuschieben und sich der Welt zu stellen. Die Heizung kämpfte stetig gegen die winterliche Kühle der Aussenwelt doch reichten ihm ihre Kräfte nie zu Genüge; immer fand die Kühle einen Weg in das fragile System von Wärme. Er fuhr zusammen, als sein Telefon, dass in diesem Moment nahe seiner Person gelegen hatte, plötzlich zu klingeln begann. Der zweite Wecker, den er, neben zwei weiteren, jeweils einschaltet, erinnerte ihn daran, dass die Zeit noch immer vorbei geht und er sich etwas sputen sollte. So verrichtete er seine Morgenroutine etwas schneller als gewohnt. Aus verschiedenen Tuben drückte er seine Cremes, schmierte seinen Körper ein und hüllte sich, nachdem er alles hinter sich gebracht hatte, in eine Wolke lieblichen Dufts. Noch fehlte das Zähneputzen, doch dieses schob er sich auf, bis nachdem er seinen Kaffee getrunken hatte. Die Kaffeemaschine grummelte, rüttelte und spuckte das schwarze Gold hinaus aus einer gewölbten Nase, hinein in die zu grosse Tasse. Während des Prozesses stand er da, liess diese unangenehm lauten Geräusche auf sich wirken. Des Kaffees Pegel wurde etwas gehoben durch die Milch, die er danach in etwas zu grosser Menge hineinschüttete. Begierig nahm er nun auch seinen ersten Schluck. Alles in ihm begann aufzuwachen, dabei gleichermassen sowohl seine Eingeweide als auch sein Geist, der begann an Klarheit zu gewinnen. Doch entgegen jedem vorangehenden Tage, löste das Getränk in ihm nicht den Drang aus auf die Toilette zu rennen, doch machte sich in ihm ein starkes Unwohlsein breit. Eine starke Übelkeit überkam seinen Magen und für einen kurzen Moment fürchtete er den Inhalt desselben wieder zu verlieren; dabei liess er es sich am vorangehenden Abend ziemlich gut gehen und hatte, wie bereits öfters, über den Hunger gegessen. Ein kurzer Blick auf die Uhr jedoch erinnerte ihn wieder an seinen bevorstehenden Aufbruch und da er, aufgrund der aufgekommenen Übelkeit, keinen Schluck des Gesöffs mehr herunterbrachte, schüttete er die Brühe weg in den Abfluss des Spülbeckens und eilte in das Badezimmer. Das geöffnete Fenster hatte mittlerweile der Vormacht des Winters die Herrschaft zurückgegeben und ein Frösteln überkam ihn augenblicklich, als er die Türe aufgestossen hatte. Er verrichtete nun in diesem winterlichen Raum seine Zahnhygiene und unterdrückte die Übelkeit, die immer und immer wieder die Kontrolle über seinen Körper zu übernehmen drohte. Bis er die Wohnung zu verlassen hatte, blieben ihn noch etwas mehr als zehn Minuten, doch der Gedanke daran, dass er eben genau in zehn Minuten das Haus zu verlassen habe, verhinderte, dass er irgendetwas gescheites zustande brachte. So blieb er den Grossteil der Zeit untätig Sitzen, nachdem er seine Schuhe gebunden hatte. Seine Tasche stand, bereits gepackt, neben ihm, wartend, bis er sie ergriff und durch die Türe schritt. Nachdem diese hinter ihm ins Schloss gefallen war, gefolgt von einem metallischen Klicken, überprüfte er noch einige Male, ob die Türe auch wirklich verschlossen war, und er drehte den Schlüssel einige Male noch zum Anschlag.
Zweites Kapitel
Am Anschlag war jedoch auch er mit seinen Kräften. Denn sobald er die Wohnung verlassen und den Weg zur Bushaltestelle hinter sich gebracht hatte, war er bereits heftig ausser Atem. Seine Glieder schwächelten und für einen kurzen Moment drohte die Welt vor seinen Augen schwarz zu werden. Der Bus liess etwas auf sich warten und dies begann ihn langsam unruhig zu machen. Wiederholt blickte er abwechselnd auf die Uhr an seinem Handgelenk und seinem Smartphone. Da erblickte er endlich in der Ferne das so erhoffte lange Quadrat, in das sich daraufhin alle Menschen hinein quetschten, wie die Sardinen in die Büchse. So fühlte er sich in seinem Zustand nun auch. Die Nähe zu den Körpern der anderen Passagiere trieb den Schweiss in seine Poren und die Hitze in seinen Kopf. Er erinnerte sich an seine Übelkeit und die Tatsache des Eingeschlossen-Seins trieb diese nun noch etwas weiter in die Höhe, ausgelöst durch die Angst und die Scham, die es bedeuten würde, sich in aller Öffentlichkeit im Bus zu übergeben. Als der Bus zum Halt kam, eilte er aus dem stickigen Gefährt und hin zu dem Gleis, an dem der Zug ihn weiter in seinem Weg bringen sollte. Aufgrund der Verspätung befürchtete er schon, diesen verpassen zu können. Er schaffte es jedoch auch diesmal rechtzeitig aufs Perron und reihte sich erneut ein in die Reihe von Wartenden. Seine Atmung war flach und heftig, Schwäche machte sich in seinem Körper breit. Einige Sekunden konzentrierte er sich darauf, tief einzuatmen und die Ruhe in seinen Körper zurückzubringen. Von weitem erspähte er dann auch das rote Näschen der Lokomotive, die den herannahenden Zug verkündete. Mit sich brachte dieser einen Schwall der eisig kalten Luft dieses Wintermorgens und auch einige der wenigen Schneeflocken, die in diesem Moment begannen, langsam vom Himmel herunter zu gleiten. Schnell bahnten sich deshalb auch, in Anbetracht dieser Kälte, die Menschen ihren Weg in den Zugwagen. Dabei verhielten sie sich, als ob es ein Wettbewerb wäre, darum, wer zuerst hineinkommen könnte. Sie stellten sich den aussteigenden in den Weg und stiessen diejenigen zur Seite, die sie möglicherweise daran hindern könnten, ins Innere des Zuges zu gelangen. So erging es nun auch Fauchery, der, von einem breitschultrigen, bärtigen Mann zur Seite gestossen wurde, und dabei beinahe das Gleichgewicht verlor. Doch auch er gelangte schlussendlich in den überfüllten Wagen und quetschte sich in eines der wenigen Abteile, die noch einen freien Platz hatten; dabei bahnte er sich seinen Weg vorbei an den Knien der anderen Passagiere, die wie Steine seinen Pfad versperrten. Er starrte ins Nichts. Und gelegentlich streifte sein Blick die leblosen Gesichter der anderen Passagiere. Auf diese Art und Weise legte er den Weg zur Arbeit zurück und wechselte von einem überfüllten Gefährt ins Nächste. Dabei vergass er für einen Moment auch seine Übelkeit und die Kraft schien etwas in seinen Körper zurückzukehren. Dennoch erreichte er seinen Schreibtisch, inmitten der vielen anderen, ihn umgebenden, stark ausser Atmen und triefend vor Schweiss. Es folgte das endlose Getippe, das Starren ins Nichts, unterbrochen von gelegentlichen Pausen, um Kaffe zu trinken oder Nahrung zu sich zu nehmen. Auf die Nahrungsaufnahme machte sich jedoch die Übelkeit wieder bemerkbar und der Akt der Verdauung raubte Faucherys Körper jeglichen Rest seiner Energie.
Drittes Kapitel
Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden und die Welt bloss noch erleuchtet durch das künstliche warme oder kalte Licht, als Fauchery endlich seinen Kopf erhob und vom Bildschirm abgewendet hatte. Lange rieb er seine müden Augen und erhob sich, versteift, von seinem Bürostuhl. Kein Krümel von Kraft war mehr in seinem Körper und er sehnte sich nach nichts stärker als nach seinem Bett. Als er aus dem Bürogebäude hinaus in den finsteren Abend schritt, begann sein Kopf zu schmerzen. Mit starkem, stechendem Schmerz ausgehend von seinen Schläfen, breitete sich der Schmerz in seinem ganzen Schädel aus. Gleichzeitig begann die Welt vor seinen Augen zu verschwimmen, beziehungsweise verlor er seinen Fokus. Er hatte Mühe sich auf etwas zu fokussieren oder die Buchstaben auf den Anzeigen am Bahnhof zu lesen. Auch die Nachrichten auf seinem Smartphone bereiteten ihm Schwierigkeiten und ermüdeten seine Augen und seinen Geist bloss noch mehr. Eine Nachricht, von unbekannter Nummer, liess ihn verunsichern; er wusste nicht, von wem sie stammen könnte. Bloss der Name, mit der sie unterzeichnet war, liess ihn vermuten, dass er die Person tatsächlich kenne. Doch Fauchery hatte nicht lange Zeit sich Gedanken darüber zu machen, denn bereits rief das überfüllte Tram, der überfüllte Zug und der ebenso überfüllte Bus seinen Namen. Die Temperaturen begannen zu sinken und seine viel zu dünne Jacke liess die kalte Luft ungehindert hineindringen, tief hinein bis in seine Knochen. Der Schmerz in seinem Kopf, den er endlich für überwunden glaubte, kehrte noch stärker zurück und die, auch wenn schwache, Beleuchtung im Bus blendete seine Augen und stach in sein Gehirn wie eine Nadel. Die Busfahrt ging vorbei, ohne, dass Fauchery irgendetwas davon wahrgenommen hatte. Bloss an die gelegentlichen Rucker, ausgelöst durch das wiederholte Bremsen und Beschleunigen, konnte er sich etwas erinnern, da sie ihn jedesmal einen grossen Kraftaufwand gekostet hatten, indem er sich mit Mühe und Not an der Schlaufe aus Plastik festhielt, die von einer der Stangen herabhing. Das hydraulische Zischen der Türen riss ihn aus seiner Trance und er wurde der Mauer gewahr, die sich zwischen ihm und dem Ausgang aufgetürmt hatte. Er verpasste es rechtzeitig auszusteigen und war deshalb genötigt, von der nächsten Bushaltestelle aus, nach Hause zu laufen, was ihn einen zusätzlichen Zeitaufwand von fünf Minuten kostete. Als er aus dem Gefährt gestiegen war, kam ihm augenblicklich wieder der kalte Wind dieses Winterabends entgegen, und begrüsste ihn zurück in der Aussenwelt. Hastig legte er deshalb den Weg von der Bushaltestelle zurück in sein beheiztes Zuhause zurück, wo ihn augenblicklich ein starker Niesanfall überwältigte. Vor Kälte zitternd und schwächelnd, legte er sich, ohne noch etwas zu sich zu nehmen, in sein Bett und wickelte sich ein in die dicke, noch kalte Decke.
Erstes Kapitel
Was sich an einem Tage ereignet, wiederholt sich an dem darauffolgenden. Wie ein Automat erledigte er mittlerweile seine Morgenroutine, wobei sie sich an diesem Tage etwas in die Länge zog. Die Erkältung raubte ihm die Energie und machte seine Handlungen und sein Denken langsamer. Nur schwer war er aus dem Bett gekommen und verbrachte lange Zeit damit, diesen Augenblick hinauszuzögern. Jedoch mühte Fauchery sich noch rechtzeitig aus dem Haus und hin zu der Bushaltestelle, wo sich erneut dasjenige wiederholte, was sich am Tage zuvor ereignet hatte. Hineingepfercht in die überfüllten Gefährte aus Metall, Schulter an Schulter, Rücken an Rücken. Wieder starrte er auf das blaue Licht des Monitors und wendete seinen Blick nur dann ab, wenn ein Huster oder Nieser ihn ruckartig zwangen, seinen Kopf abzuwenden und seinen ganzen Körper durchschüttelte. Und so verging die Zeit zum Mittagessen nur langsam, da Fauchery keinen klaren Gedanken fassen konnte. Die Menschen um ihn herum begannen zu bemerken, wie sehr er in seiner Arbeit nachliess. Und auch als die Mittagspause endlich angekommen war, sass Fauchery bloss dort, ohne sein Essen anzurühren. Er brachte nichts runter. Nur schon der Gedanke an Essen erregte in ihm einen starken Schwall von Übelkeit. So verzog er sich, als die Menschenmassen sich begannen zu lichten, ebenfalls wieder zu seinem Schreibtisch und liess sich schwer in den schwarzen Bürostuhl fallen. Schwärze begann sich auch schnell wieder am Himmel abzuzeichnen und kündete das lang ersehnte Ende des Tages an. Fauchery wusste nicht mehr, wie viel Zeit des Nachmittags er wach war oder in seinem Geiste abgeschweift war. Er packte seine Sachen zusammen, liess das Licht auf dem Bildschirm verschwinden; die Dunkelheit gewann die Macht über das Bürogebäude. Fauchery trat hinaus in den kalten Winterabend und legte schnellen Schrittes den Weg zur Tramhaltestelle zurück.
Zweites Kapitel
Im Innern des Zugs stiess ein Schwall warmer und stickiger Luft auf Fauchery und raubte ihm jeglichen Rest von Kraft, die noch ihn ihm gesteckt hatte. Er zwängte sich in eines der Abteile, wo jeweils noch ein leerer Sitz, von den anderen Passagieren blockiert, übriggeblieben war. Die Menschen, gezwungen sich etwas zu bewegen und den Eindringling hineinzulassen, grunzten unzufrieden und machten so ihren Unmut kund. Von seinem Platz aus sah er in die so vertrauten Blicke auf den Gesichtern der Menschen um ihn herum; ein Blick, den er von sich selbst nur allzu gut kannte. Seine Augen waren müde und nur noch schwer erkannte er die Konturen der Gesichter. In dem unklaren Blick verkamen diese zu undefinierten und entstellten Massen und Fauchery wendete seine Augen ab. Durch die gläsernen Portale sah er die Finsternis, die bloss gelegentlich durch einige Lichtschimmer durchbrochen wurde, bis er in der Ferne wieder einen Hort der Lichtverschmutzung erblickte. Einer solchen begann er sich auch stetig zu nähern, als er seiner Destination näherkam. Kurz bevor der Zug im Bahnhof eingefahren war, begann die Lampe über Faucherys Kopf für einen kurzen Moment zu flackern; jedoch hatte sie sich ebenso schnell, wie das Flackern aufgetaucht war, wieder gefangen. Und Fauchery mass dem Ereignis weiter keine Bedeutung bei. Er erhob sich aus seinem Sitz und konnte zu seinem Glück der Person folgen, die ebenfalls gerade aussteigen wollte und somit die Hindernisse in seinem Weg, sich selbst, entfernt hatte. Dem schier endlosen Menschenstrom konnte er dann auch zu der Busstation folgen, denjenigen ausweichend, die gelegentlich in ihrem Gang innehielten oder sich in ihrem Weg umentschieden hatten.
Drittes Kapitel
Von der Kälte getrieben legte er den Weg von der Bushaltestelle zu seiner Wohnung, wie am Tage zuvor, in Eile zurück. Als er die Türe, die ins Treppenhaus führte, aufgestossen hatte, zeichnete die Strassenlaterne wunderliche Figuren an die Wände und Treppen, die sich vor ihm aufbauten. In diesem Wunderkabinett legte er den Weg hinauf zu seiner Wohnung zurück. An seiner Haustüre angekommen jedoch, schienen die lustigen Wesen zu verschwinden und sie waren wie ausgestorben. Dies erfüllte Fauchery mit einer unerklärlichen Traurigkeit, denn in seinem Delirium hatte er Freude an den lustigen, wenn auch unheimlichen Wesen gefunden. Niedergeschlagen trat er durch die Türe und liess diese heftig hinter sich ins Schloss fallen. Er zwang sich dazu, doch noch etwas zu sich zu nehmen, obwohl alles in ihm diesem Vorhaben widerstrebte. Bereits sah er vor Augen, wie er das, was er gerade zu sich genommen hatte, wieder erbrechen würde. Seine Angst erfüllte sich später dann auch, im Verlauf der Nacht. Fauchery sah sich im Verlauf der Nacht zu mehreren Zeitpunkten genötigt aufzustehen, um Linderung für seine Leiden zu suchen. Zwischendurch konnte er jeweils bloss einige Minuten schlafen, bevor irgendein Schmerz sich wieder bemerkbar oder die verstopfte Nase ihm den Schlaf geraubt hatte.
Erstes Kapitel
