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Die Wahrheit wird endlich ans Licht kommen: »Winterfold Manor – Der Garten der verbotenen Träume« von Harriet Evans jetzt als eBook bei dotbooks. 50 Jahre hat Martha mit ihrem Mann im prächtigen Winterfold Manor verbracht und sich ihr scheinbar idyllisches Leben als Ehefrau und Mutter aufgebaut. Nun, zu ihrem 80. Geburtstag, ruft sie ihre Kinder zurück nach Hause: Die ehrgeizige Historikerin Florence, die immer in der Vergangenheit zu leben scheint, David, der verzweifelt versucht, seine fragile Ehe zu retten … und Daisy, die ihrer Familie vor so vielen Jahren den Rücken kehrte. Sie alle sollen zurückkommen nach Winterfold, in das Haus, das sie gleichzeitig mit so viel Glück und so viel Schmerz verbinden. Und schon als Martha die Einladungen schreibt, weiß sie, dass das, was sie ihrer Familie endlich enthüllen will, sie für immer auseinandertreiben könnte – aber stärker noch als ihre Angst ist die Hoffnung, dass es ihnen einen ganz neuen Anfang ermöglicht … »Eine wirklich überragende moderne Saga mit sehr lebensnahen Charakteren.« Sunday Mirror Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Familiengeheimnisroman »Winterfold Manor – Der Garten der verbotenen Träume« von Harriet Evans wird alle Fans der Bestseller von Lucinda Riley und Felicity Whitmore begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Über dieses Buch:
50 Jahre hat Martha mit ihrem Mann im prächtigen Winterfold Manor verbracht und sich ihr scheinbar idyllisches Leben als Ehefrau und Mutter aufgebaut. Nun, zu ihrem 80. Geburtstag, ruft sie ihre Kinder zurück nach Hause: Die ehrgeizige Historikerin Florence, die immer in der Vergangenheit zu leben scheint, David, der verzweifelt versucht, seine fragile Ehe zu retten … und Daisy, die ihrer Familie vor so vielen Jahren den Rücken kehrte. Sie alle sollen zurückkommen nach Winterfold, in das Haus, das sie gleichzeitig mit so viel Glück und so viel Schmerz verbinden. Und schon als Martha die Einladungen schreibt, weiß sie, dass das, was sie ihrer Familie endlich enthüllen will, sie für immer auseinandertreiben könnte – aber stärker noch als ihre Angst ist die Hoffnung, dass es ihnen einen ganz neuen Anfang ermöglicht …
Über die Autorin:
Harriet Evans wurde in London geboren. Sie arbeitete viele Jahre als Lektorin in Buchverlagen, bis sie beschloss, lieber selbst Romane zu schreiben. Heute ist Harriet Evans erfolgreiche Autorin zahlreicher Liebesromane, mit denen sie immer wieder u.a. auf der Sunday-Times-Bestsellerliste steht.
Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Liebesromane »Die Sterne über Keeper House«, »Eine Liebe in Langford«, Der Himmel über Chartley Hall« und »Ein halbes Leben zwischen uns«.
Außerdem erschienen bei dotbooks ihre Familiengeheimnisromane »Summercove House – Das Buch der verborgenen Wünsche« und »Winterfold Manor – Der Garten der verbotenen Träume«.
Die Website der Autorin: harriet-evans.com/
Die Autorin bei Facebook: facebook.com/harrietevansbooks/
Die Autorin auf Instagram: instagram.com/harrietevansauthor/
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eBook-Neuausgabe Februar 2024
Die englische Originalausgabe erschien erstmals 2014 unter dem Originaltitel »A Place for Us« bei Headline, London. Die deutsche Erstausgabe erschien 2015 unter dem Titel »Der Garten der verbotenen Träume« bei Knaur Taschenbuch
Copyright © der englischen Originalausgabe 2014 by Harriet Evans
Copyright © der deutschen Erstausgabe 2015 bei Knaur Taschenbuch. Ein Unternehmen der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München.
Copyright © der Neuausgabe 2024 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive
von © shutterstock
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (vh)
ISBN 978-3- 98952-051-6
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Bei diesem Roman handelt es sich um ein rein fiktives Werk, das vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit spielt oder geschrieben wurde – und als solches Dokument seiner Zeit von uns ohne nachträgliche Eingriffe neu veröffentlicht wird. In diesem eBook begegnen Sie daher möglicherweise Begrifflichkeiten, Weltanschauungen und Verhaltensweisen, die wir heute als unzeitgemäß oder diskriminierend verstehen. Diese Fiktion spiegelt nicht automatisch die Überzeugungen des Verlags wider oder die heutige Überzeugung der Autorinnen und Autoren, da sich diese seit der Erstveröffentlichung verändert haben können. Es ist außerdem möglich, dass dieses eBook Themenschilderungen enthält, die als belastend oder triggernd empfunden werden können. Bei genaueren Fragen zum Inhalt wenden Sie sich bitte an [email protected].
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Harriet Evans
Winterfold Manor: Der Garten der verbotenen Träume
Roman
Aus dem Englischen von Tina Thesenvitz
dotbooks.
Für Bea und Jockey in Liebe
»The family – that dear octopus from whose tentacles
we never quite escape nor, in our inmost hearts,
ever quite wish to.«
Dodie Smith, Dear Octopus
August 2012
Der Tag, an dem Martha Winter beschloss, ihre Familie zu zerstören, begann wie jeder andere.
Sie erwachte früh. Das tat sie immer, doch in letzter Zeit konnte sie dann nicht mehr einschlafen. In diesem Sommer war sie manchmal schon um fünf Uhr auf und angezogen gewesen – zu viel, worüber sie nachdenken musste. Es hatte keinen Sinn, im Bett zu liegen und sich aufzuregen.
An diesem Morgen war sie um halb fünf wach. Als sie die Augen aufschlug und die Erinnerung ihren Körper überschwemmte, wusste Martha, dass ihr Unterbewusstsein wohl begriff, wie ungeheuerlich das war, was sie vorhatte. Sie setzte sich auf und streckte sich, spürte die schmerzenden Knochen, den stechenden Schmerz im Knie und griff nach ihrem alten Pfauenfedermorgenmantel aus Seide. Dann durchquerte sie leise das Schlafzimmer, mied wie stets das eine knarzende Bodenbrett und schloss wie stets die Tür lautlos hinter sich.
Doch David war nicht da. Sie konnte an den Fingern beider Hände die Nächte abzählen, die sie getrennt verbracht hatten, und diese hier gehörte dazu. Er war nach London gefahren, um sich um die Ausstellung zu kümmern, und Martha hatte vor, ihren Plan heute in die Tat umzusetzen, bevor er zurückkam und versuchte, sie davon abzubringen.
Ende August ging die Sonne noch früh über den Hügeln von Winterfold auf, und die schweren Bäume filterten das orange-rosafarbene Licht. Bald, flüsterten sie, während der Wind nachts durch die Blätter rauschte, bald werden wir vertrocknen und sterben; wir werden alle irgendwann mal sterben. Denn es war Sommerende, und der Pflug stand am westlichen Himmel. Schon konnte sie die Kühle in der Abendluft spüren.
War es, weil der Herbst auf dem Weg war? Oder war es ihr achtzigster Geburtstag? Was hatte diesen Wunsch, die Wahrheit zu sagen, hervorgerufen? Sie glaubte, dass es vielleicht diese Ausstellung im nächsten Jahr war. »David Winters Krieg« sollte sie heißen. Deshalb, sagte er, sei er nach London gefahren, um sich mit dem Galeristen zu treffen und seine alten Skizzen durchzugehen.
Doch Martha wusste, dass das eine Lüge war. Sie kannte David und wusste, dass er log.
Das hatte den Anstoß zu alldem gegeben. Jemand in der Galerie in London hatte beschlossen, dass die Zeit reif sei für so eine Ausstellung, und dabei nicht geahnt, was für einen Schaden er anrichten würde. Zu denken, dass die Vergangenheit tot und begraben war und niemandem schaden konnte! »Hat David Winter nicht ein paar ziemlich gute Sachen über das ausgebombte London gemalt?« – »David Winter? Der Wilbur-Cartoonist?« – »Genau.« – »Himmel, keine Ahnung, alter Junge. Wo kam er noch mal her?« – »Aus dem East End, glaube ich. Könnte interessant sein. Nicht nur Cartoon-Hunde und so.« – »Gute Idee. Ich werde ihm schreiben und fragen.«
Und dann wurden Pläne gemacht und Ereignisse in Bewegung gesetzt und langsam und unausweichlich würde die Wahrheit ans Licht kommen.
Martha kochte sich jeden Morgen eine Kanne Tee und sang dabei vor sich hin. Sie sang gerne. Sie benutzte immer denselben Becher, Töpferei aus Cornwall, mit blauen und cremefarbenen Streifen. Ihre verknöcherten Finger legten sich um das heiße Porzellan. Sie hatte jetzt Zeit zum Teetrinken, literweise und stark, wie sie ihn mochte. »Kräftig« hatte Dorcas das genannt. Das war ein gutes Somerset-Wort. Martha hatte es im Krieg gelernt. Im Alter von sieben Jahren war sie 1939 in Bermondsey evakuiert worden – vier Kinder in einem Zimmer, in dem Leben und Tod scheinbar so willkürlich waren, wie man eine Fliege erschlug oder verfehlte. Man hatte sie einfach in einen Zug geschubst, und am nächsten Morgen war sie in einem fremden Haus aufgewacht, aus dessen Fenster man nichts als Bäume sehen konnte. Sie hätte sich genauso gut auf dem Mond befinden können. Martha war nach unten gegangen und hatte geweint, und da hatte sie Dorcas erblickt, die an so einem Tisch wie diesem hier gesessen hatte. »Eine Tasse Tee, Liebes? Schön und kräftig ist er.«
Lange her. Martha trank ihre erste Tasse leer, dann breitete sie ihre Stifte und das glatte cremefarbene Papier aus. Bereitete sich auf den Augenblick vor, in dem sie sich fähig fühlte zu schreiben.
So viele Jahre nun in diesem schönen, ehrlichen Haus, in dem jeder Zentimeter mit Sorgfalt hergestellt und mit Liebe renoviert worden war. Sie waren jetzt seit fünfundvierzig Jahren hier. Zuerst hatte Martha geglaubt, sie würde niemals in der Lage sein, die Aufgabe anzugehen. Es war ein Chaos gewesen, als sie es das erste Mal gesehen hatten. Grüne Farbe bedeckte die original Arts-and-Crafts-Täfelung, morsche Bodenbretter, der Garten ein großer Komposthaufen aus fauligem braunem Mulch.
»Ich kann das nicht«, hatte sie zu David gesagt. »Wir haben nicht das Geld dafür.«
»Ich werde das Geld verdienen, Em«, hatte er erwidert. »Ich finde eine Möglichkeit. Wir müssen hier leben. Es ist ein Zeichen.«
Die Kinder waren auf und ab gehüpft und hatten sich an den Armen ihrer Eltern festgehalten, die kleine Florence war wie ein Äffchen gewesen und hatte vor Aufregung geschnattert. »Da oben ist eine große tote Ratte, und jemand hat versucht, sie zu fressen! Kommt rauf!«
Sogar Daisys Gesicht hatte aufgeleuchtet, als sie den vielen Platz sah, den Wilbur zum Herumrennen haben würde.
»Aber habt ihr denn das Geld?«, hatte sie besorgt gefragt. Daisy hörte zu viel mit, wie Martha wusste.
Und David hatte seine Tochter in den Arm genommen. »Ich werde das Geld verdienen, meine Kleine. Ich verdiene es. Für so ein Haus, wäre es das nicht wert?«
Martha würde sich immer daran erinnern, was Daisy als Nächstes sagte. Sie hatte darum gekämpft, wieder heruntergelassen zu werden, die Arme verschränkt und gesagt: »Nun, mir gefällt es hier nicht. Es ist zu hübsch. Komm, Wilbur.«
Sie war wieder ins Haus gelaufen, und Martha und David hatten sich lachend angeschaut.
»Wir müssen hier leben«, hatte sie gesagt, während sie den hellen Sonnenschein auf ihrem Gesicht gespürt hatte und die Kinder fröhlich hinter ihr geschrien hatten.
David hatte gelächelt. »Ich kann es kaum glauben. Du? «
»Sollen wir ihnen erzählen, warum?«
Ihr Mann hatte sie geküsst und ihr über die Wange gestrichen. »Nein, ich glaube nicht. Lass es unser Geheimnis sein.«
Heute hatten sie natürlich Geld, aber damals nicht. David war der Schöpfer von Wilbur, dem Hund, und Daisy, dem kleinen Mädchen, das glaubte, es könne ihn verstehen. Jeder Haushalt hatte ein Wilbur-Geschirrhandtuch, einen Stiftkasten, ein Buch mit Zeichnungen. Doch damals lag Wilbur noch in der Zukunft, und die Winters hatten nicht viel außer einander. Nur Martha und David wussten, was sie bis zu dem Moment durchgemacht hatten, als sie an jenem heißen Tag 1967 auf dem Rasen standen und beschlossen, Winterfold zu kaufen.
Sie hatte nichts vergessen, nichts, was vorher oder danach geschehen war. Die Geheimnisse, die sich jede Familie erwirbt, kleine Indiskretionen, winzige Scherze. Manche auch groß, zu groß, als dass sie sie noch ertragen könnte.
Die Morgensonne stand nun über den Bäumen. Martha ging in der Küche umher und wartete darauf, dass das Wasser für den Tee kochte. Sie hatte vor langer Zeit die Kunst der Geduld erlernt; hatte gelernt, dass Babys zu bekommen einen langsamer werden ließ, einem die Träume von der eigenen Karriere nahm und sie ganz langsam anknabberte. Auch sie hatte Künstlerin werden wollen, genau wie ihr Mann. Doch jede Schwangerschaft hatte sie fest an ihr Zuhause gebunden – jede Nacht, in der sie wach auf der Seite lag, die Bewegungen spürte, in denen ihr der Rücken weh tat, ihr Atem kurz wurde und sie nichts zu tun hatte, als auf das Baby zu warten. Und dann wurde man älter, und diese Babys wuchsen heran und verließen einen. Man konnte sie nah bei sich halten, aber eines Tages gingen sie fort, so sicher, wie die Sonne jeden Morgen aufging.
Bill war noch da, sagte sie sich, doch er war anders und nicht der Mann, von dem sie geglaubt hatte, dass er werden würde. Er war fast acht, als sie nach Winterfold zogen. Daisy und Florence verbrachten den ganzen Tag draußen im Garten oder im Baumhaus im Wald, sammelten Freunde, Dreck, Geschichten, die sie erzählen konnten. Bill jedoch blieb meistens drinnen, spielte mit dem Stabilbaukasten oder mit seinen Schlachtschiffen oder las in seinem Buch. Von Zeit zu Zeit kam er in die Küche oder ins Wohnzimmer, und sein süßes, ernstes Gesicht wirkte hoffnungsvoll. »Hallo, Mutter. Geht es dir gut? Kann ich dir helfen?«
Und Martha, die gerade dabei war, eine Dichtung zu reparieren oder ein Mauseloch zu stopfen – denn es gab immer etwas im Haus zu tun -, lächelte dann und wusste, was er wusste. Dass Bill seinen Besuch bei ihr aufgespart, dass er die Minuten gezählt hatte, weil er die ganze Zeit bei ihr sein wollte, ihm jedoch klar war, dass das nicht ging. Es war mädchenhaft, und Daisy neckte ihn schon deswegen, ganz zu schweigen von den Jungen in der Schule. Wenn sie also das Gefühl hatte, dass sie damit davonkam, umarmte sie ihn und gab ihm etwas zu tun – abwaschen, Gemüse putzen. Sie taten beide so, als ob er gar nicht da sein wollte, dass er nur versuchte, ihr zu helfen. Wo war er jetzt, dieser ernsthafte braunäugige Junge, der ihr jeden Tag vor Liebe das Herz gebrochen hatte?
Zumindest war er noch da. Ihre Töchter waren es nicht. Nach Bill kam Daisy, und in dem Moment, als sie sie Martha das erste Mal gegeben hatten, als sie ihr das erste Mal in die grünen Augen geblickt hatte, die so sehr ihren glichen, hatte Martha sie erkannt. Sie konnte ihren wütenden, wechselnden Gesichtsausdruck perfekt übersetzen, ihre Liebe zur Einsamkeit, ihre kleinen Pläne. Daisy war das Einzige, worüber sich Martha und David jemals in sechs Jahrzehnten grundsätzlich nicht einig gewesen waren. Die Menschen verstanden sie nicht. Aber sie hatten es ihnen gezeigt, oder?
»Daisy? O ja, ihr geht es sehr gut. Wir hören zurzeit nicht oft von ihr. Sie hat sehr viel zu tun, und das Gebiet, wo sie ist, verfügt über sehr schlechte Kommunikationsmöglichkeiten. Ab und zu schickt sie eine Nachricht. Aber wir sind so stolz auf sie.« Es war eine nette kleine Rede. Sie wusste, Daisy hatte sich gut entwickelt. Daisy war nicht so, wie alle glaubten. Während Florence ... Martha hatte oft das Gefühl, dass Florence wie eine Giraffe in einer Familie aus Aalen war. Sie liebte sie, war stolz auf sie, voller Ehrfurcht vor ihrem Intellekt und ihrer Leidenschaft und davor, dass sie gegen alle Widrigkeiten ihr eigener Herr geworden war – aber manchmal wünschte sie sich, sie wäre nicht so ... Florence.
Bill, Daisy, Florence. Martha sagte sich, dass sie ihre Kinder alle gleich liebte, doch in einem geheimen Teil ihrer selbst hatte sie einen kleinen Spruch: Bill war ihr erstes Baby, Daisy war ihr erstes Mädchen, und Florence war Davids. Sie wusste, dass es schrecklich klang, doch dieser kleine Spruch fiel ihr immer wieder ein. Sie bemerkte, dass sie ihn leise vor sich hin summte, während sie den Garten jätete, ins Dorf ging, sich die Zähne putzte. Wie ein Lied, das ihr im Kopf herumging. Als ob jemand es nachts spielen würde, während sie schlief. Sie merkte, dass sie Angst hatte, dass jemand ihr ins Herz schauen und sehen könnte, was sie getan hatte. Doch die Zeit für Geheimnisse war vorbei. Es kam. Alles kam zu ihr, und bald würde alles herauskommen.
Würde noch jemals wieder jemand herkommen wollen, sobald die Wahrheit ans Tageslicht gekommen wäre? Es gab ein festes Unterhaltungsprogramm in Winterfold, das im Detail nie sehr variierte. Ihre Weihnachtsparty war der größte Abend im Kalender weit und breit – Glühwein, der aus einer riesigen zwei Fuß hohen Kanne auf dem Aga ausgeschenkt wurde, Marthas berühmter Lebkuchen, der, in Sterne geschnitten, an Bändern an dem großen Christbaum hing, der im Wohnzimmer neben der Terrassentür stand, wie er das seit Jahren getan hatte und immer tun würde. Die Party zum Valentinstag, wenn die Kinder runde, herzförmige Sandwiches bekamen und die Gäste zu viel Schlehengin tranken und mehr als ein Liebesfehler spät in der Nacht bei der Rückkehr ins Dorf begangen worden war (Billy, der als Teenager eines Abends spät von einer anderen Party zurückkam und aus dem Bus stieg und schwor, er habe Mrs. Talbot aus der Post Mrs. Ackroyd, die Wirtin des Green Man, auf der anderen Seite der Bushaltestelle küssen sehen). Jedes Jahr Feuerwerk am Abend des Guy-Fawkes-Tags, ein höchst beliebtes Ostereiersuchen, und immer gab es im August ein Sommerfest, um das herum die Leute ihren Urlaub planten – ein Zelt auf dem Rasen und Papierlampions, die entlang der Auffahrt hingen.
Nichts veränderte sich, nicht mal nach dem katastrophalen Sommerfest – war es 1978 oder 1979 gewesen? -, das in die Legenden des Dorfes eingegangen war. In Wahrheit wusste keiner, warum, oder hätte erklären können, inwiefern es bei Martha und David anders war. Ihr Haus war schön, das Essen köstlich, die Gesellschaft immer warm und lustig. Martha wollte immer nur betonen, dass man willkommen war. Wer immer man war. Ob man eine Fernsehschauspielerin war, die in dem Herrenhaus oben auf dem Hügel wohnte, oder der Briefträger, der stehen blieb, um mit Mr. Winter jeden Tag im Sommer über Kricket zu plaudern. Dass es keine »Gang« gab. Sie und David hatten nur immer ein Heim schaffen wollen, einen Ort, der ganz anders war als ihre Vergangenheit. Wollten ihren Kindern eine Kindheit schenken, die ihnen bleiben würde. Zusammen hart arbeiten. Glücklich sein.
Eine Amsel hüpfte durch das Gras im Garten, und ihr grellgelber Schnabel pickte in der Erde. Sie sah mit hellem, glasäugigem Blick zu Martha auf, die am Fenster saß, den Stift erhoben, und sie begegnete ihrem Blick, bis sie in eine Hecke schoss. Martha trank noch einmal von ihrem Tee und zögerte alles noch eine Sekunde hinaus. Sie genoss die letzten Momente der Stille, denn sie wusste, dass in dem Augenblick, in dem sie zu schreiben begann, etwas in Bewegung käme, eine Zeitbombe, die nur darauf wartete, loszugehen. Sie würde die Einladungen verschicken, und dann käme die Party, und sie, Martha, würde ihnen allen endlich erzählen können, was sie getan hatte. Und danach wäre nichts mehr wie vorher.
Eine einzelne Träne fiel auf den abgeschabten Küchentisch. Sie setzte sich aufrecht hin und sagte zu sich: »Komm schon, altes Mädchen. Es ist Zeit.«
Vorsichtig kratzte der Stift über die Fläche, Linien kreuzten und drehten sich, bis sie schließlich etwas formten, ein Haus, ein langes, niedriges Haus – das Dach, die hölzernen Pfeiler, die alte Haustür. Darunter schrieb sie in ihrer schönen Schrift:
David & Martha Winter
würden sich über Eure Anwesenheit
auf einer Party zur Feier von Marthas 80. Geburtstag freuen.
Es wird etwas Wichtiges verkündet werden.
Drinks mit Freunden am Freitag, den 23. November 2012.
Mittagessen nur für die Familie
um ein Uhr am Samstag, 24. November.
Winterfold, Winter Stoke, Somerset
U.A.w.g.
Es war ein Fehler. Er hätte nicht wiederkommen sollen.
David Winter saß alleine in der Ecke des Pubs und versuchte, nicht so offensichtlich fehl am Platze auszusehen, wie er sich fühlte. In seine alte Gegend zurückzukehren war das eine. Sich hier zu treffen – er war verrückt gewesen, es vorzuschlagen, aber ihm war kein anderer Ort eingefallen. Das Lyons war eine Bank geworden, und die anderen alten Kneipen in der Umgebung waren alle weg oder so edel, dass sie keine richtigen Pubs mehr waren.
Er schloss und öffnete seine schmerzenden Hände und sah erneut blinzelnd auf die Uhr. An manchen Tagen fühlte er sich besser als an anderen. Und an manchen Tagen fühlte sich die schwarze Wolke an, als ob sie ihn mit ihrer kissenhaften Weichheit ganz verschlänge, so dass er bereit war, darin davonzuschweben. Er war so müde. Dauernd. Bereit, sich hinzulegen und zu gehen. Und doch konnte er es nicht, noch nicht.
Vor siebzig Jahren, als er ein Junge war, war das Spanish Prisoners der rauheste Pub in der Gegend gewesen, und das sollte etwas heißen. Man sagte, dass der Ripper hier einstmals getrunken habe. Dass ein Barmädchen ermordet worden sei und unter der Bar begraben liege. Die Klischees hier waren nicht lustig, sie stimmten. Es gab nichts, was David nicht über dunkle Ecken, verschreckte Frauen und Angst wusste, das sich einem so tief in die Knochen bohrte, dass man nicht wusste, ob man es den Rest seines Lebens abschütteln, sich jemals von ihrem Schatten befreien konnte.
Das Spanish Prisoners hatte nach Tabak, Pisse und Schweiß gestunken, nach Schimmel und Abwässern und nach Starkbier. Es gab dort Männer, die sich daran erinnern konnten, dass man Schafe die Islington High Street hinunter zum Smithfield-Markt getrieben hatte, die sich an den Tod der alten Queen erinnerten, die Söhne hatten, die im Burenkrieg gefallen waren. Davy Doolan hatte die Pennies gesammelt, wenn seine Mutter Klavier spielte und darauf wartete, ihrem Mann nach Hause zu helfen. Das heißt, wenn er sich dazu entschloss, nach Hause zu gehen. Der Pub war nach außen eine große georgianische Schachtel mit typischen Londoner Ziegeln und großen Fenstern, und es war ein Rätsel, wieso es im Innern so ein Kaninchenstall war. Man musste furchtlos oder am Verdursten sein, um dort hineinzugehen.
Heute, 2012, war es nicht mehr wiederzuerkennen. Ein leuchtender Tempel für die Religion des Kaffees und der Kleinbrauereien, und David wünschte sich, dass ihm seine Hände nicht so verdammt weh täten, dass er nicht sofort ein Notizbuch herausholen und zu zeichnen anfangen konnte. Das Holz glänzte, das Glas funkelte. Die Bierliste war so lang wie Davids Arm. Er hatte nicht gewusst, wo er anfangen sollte, und hatte sich schließlich für einen Orangensaft entschieden. Der Barkeeper hatte einen Bart, eine Brille mit Schildpattrahmen, und als er nach seiner Schicht an David vorbeiging, hatte dieser mit seinem Zeichnerblick für Details bemerkt, dass er Shorts, Socken und Slipper trug und eine bedruckte Leinentasche bei sich hatte. Vorher jedoch hatte er David ein winziges Glas handgepressten Orangensaft präsentiert und höflich gesagt: »Vier Pfund bitte.«
Vier Pfund für ein Glas Orangensaft? Er dachte daran, wie Martha lachen würde, wenn sie ihn sähe, wie er, praktisch zum ersten Mal, über die Kosten von etwas meckerte. Doch Martha war nicht hier, und er konnte es ihr nicht erzählen. Er musste mit seinem Märchen für diesen Londonbesuch fortfahren. Und er hasste es, seine Frau anzulügen.
Es war nicht ganz ein Märchen. Es gab eine Ausstellung seiner frühen East-End-Werke. Als der Anruf kam, hatte er zugestimmt, oder nicht? Mit einer müden Bereitwilligkeit. Die Zeit lief ihm davon. Vierzehn Tage, nachdem die Galerie angerufen hatte, um es ihm vorzuschlagen, hatte David schließlich die Zeichnungen hervorgeholt, die seit Jahrzehnten in harten, in Leinen gebundenen Ordnern in seinem Schrank im Arbeitszimmer lagen. Er hatte gewartet, bis Martha weg war. Hatte die Zähne zusammengebissen, und zuerst war es gut gewesen, doch dann plötzlich zu viel geworden, sie wieder anzusehen, ebenso wie die Last dessen zu spüren, was er da vor sich hatte. Er hatte einfach den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und wie ein kleines Kind geweint. Und er konnte nicht damit aufhören, musste Martha sagen, er gehe ins Bett wegen neuer Kopfschmerzen. Da hatte er es gewusst, wusste, dass er sie anrufen und sie anflehen musste, ihn wiederzusehen.
»Davy?«
Die Berührung seines Arms ließ David zusammenzucken.
Erschrocken sah er auf.
»Steh nicht auf.«
»Natürlich ...« Er kämpfte sich hoch, sein Atem ging schnell, jedes Schlucken bedeutete eine Anstrengung. »Natürlich stehe ich auf. Cassie, meine Liebe.« Er legte ihr die Hand auf die Schulter.
Sie starrten sich an, standen sich nach vierundvierzig Jahren gegenüber.
Sie war genauso groß wie er, groß für eine Frau, das hatte er an ihr geliebt. Und ihre Augen waren kühl, klar und grau, als ob sie einen durchschauen und auslachen würden. Ihr aschblondes Haar war glatt und am Hinterkopf sorgfältig hochgedreht. Sie trug keinen Ehering. Sie sah ... stilvoll aus.
»Du bist immer noch groß«, sagte er. »Groß und schlank und schön. Ich würde dich überall erkennen.«
Sie spielte mit dem Gürtel ihres Mantels und wandte den Blick nicht von ihm ab. »Dasselbe kann ich von dir nicht sagen, Davy. Du siehst ... Nun, ich hätte dich nicht wiedererkannt.«
Er lächelte schwach. »Lass mich dir was zu trinken holen.«
»Nein, Davy. Ich hole es. Du setzt dich.«
Sie kam mit einer Rum Cola zurück. »Fünf Pfund achtzig! Fünf Pfund achtzig, Davy, was für eine Abzocke!«
Ihr betrübtes Lächeln entspannte ihn. Er zeigte auf seins. »Vier Pfund hat das gekostet.«
»Die Welt ist verrückt geworden.«
»Du hast ja so recht, Cassie.«
Es entstand eine verlegene Pause. Sie nippte an ihrem Getränk. David räusperte sich. »Dir ... geht es also gut?«
»Ja, danke.«
»Wo wohnst du?«
»In einer Wohnung bei der Essex Road. Ich bin zurückgekommen.«
»Das freut mich«, erwiderte er und fühlte sich unbehaglich.
»Es ist nicht mehr dasselbe. Alle sind weg. Hier gibt es vor allem Banker und Anwälte oder jüngere Leute. Ich kenne keinen mehr.« Unter ihrem schweren Pony füllten sich ihre Augen mit Tränen. »Ein langer Weg zurück in die Muriel Street, aus der du stammst, oder?«
Er nickte. Er gehörte nicht hierher. Er hatte gehofft, er könnte danach umhergehen, doch die Angst ging in diesen Straßen für ihn um, wie es immer gewesen war. Plötzlich wünschte er sich, er wäre zu Hause und säße in seinem sonnigen Arbeitszimmer, während Martha in der Küche sang und Daisy und Florence ... Cat war doch noch da, oder? Nein, Cat war auch fort. Sie waren alle fort.
»Hast du Kinder? Tut mir leid, ich weiß ... nichts über dich.«
Er lachte verlegen halb auf.
»Du weißt doch, dass ich nicht wollte, dass wir in Kontakt bleiben«, gab sie zurück. »Schau, wir haben jeder unser eigenes Leben. Nein, ich habe keine Kinder, Davy. Terry und ich haben nie welche bekommen.« Ihre wässrigen Augen waren erneut auf ihn gerichtet. »Du verstehst, was ich meine.«
Er legte die Hand auf ihre. »Ja, Cassie.«
»Was ich nicht verstehe, ist, warum du mich sehen wolltest. Nach all der Zeit.«
David rutschte auf seinem Platz herum. »Ich werde sterben«, sagte er. Er lächelte sie an, versuchte den immerwährenden Schmerz nicht zu beachten. Ihre grauen Augen wurden groß.
»Davy, wirklich? Krebs?«
Er liebte diese Vokale. Diese Londoner Stimme. Er hatte den Akzent fast verloren, konnte es nicht abwarten, dass er sich verflüchtigte. »Nein, mein Herz.« Er ballte die Faust, wie der Arzt es ihm gezeigt hatte. »Der Muskel stirbt. Er will nicht mehr arbeiten. Eines Tages werde ich einfach – zisch. Und das war es dann.«
Da kamen ihr erneut die Tränen. Kleine schwarze Kreise befleckten den frisch gewachsten Holztisch. »O Davy.«
Er hatte es Martha nicht erzählt. Nur sein Sohn Bill wusste Bescheid. Während Cassie ihn umarmte, seinen Kopf an ihre bebende Schulter zog und sie sanft und leise weinte, kam es David in den Sinn, dass sie die einzige Verbindung zu dem Ort war, von dem er kam. Jahrelang hatte er versucht, ihn wegzustecken, nach vorne auf das goldene Leben zuzugehen, von dem er sich geschworen hatte, dass er und Martha es verdienten, nur um jetzt wie besessen erneut danach zu suchen. Er dachte an das Treffen, das er heute Morgen mit dem Leiter der Galerie in der Dover Street gehabt hatte.
»Ich meine, es gibt einige, bei denen ich mich frage, ob wir sie zeigen müssen. Sensibilität und so. Wollen wir das hier einbeziehen?« Jeremy, der Leiter der Galerie, hatte die Wasserfarben, den Stift und die Tinte zu ihm geschoben.
David hatte es angeschaut, wie er es mit allem tat, das er zeichnete, hatte die Arme an den Körper gedrückt, eine kleine Gedächtnisstütze, um ihn daran zu erinnern, was es war, warum er es gemacht hatte und wie es gewesen war. Tatsächlich erinnerte er sich gut an die Szene, eine ausgebombte Reihe von Wohnungen in Limehouse. Er war am Morgen nach der schlimmen Nacht dorthin gegangen. V2-Raketen hatten London getroffen, als der Krieg fast vorbei war, und sie waren schlimmer als die Bomben des Blitzkriegs. Man hörte sie erst, wenn sie auf einen zuflogen, wenn man nicht auf ihrem Weg lag. Wenn sie direkt auf einen zukamen, wusste man es erst, wenn es zu spät war.
David schlief nicht viel, seit die Bombe ihre Straße getroffen hatte. Er träumte davon, wie er Mum und auch seine Schwester aus den Trümmern zog und mit ihnen dorthin rannte, wo sie in Sicherheit waren. Nicht zu den Bunkern, sondern weit weg, aus der Stadt hinaus, dort, wo es Bäume gab und keine Toten und keinen Dad, der groß und schwarz auf ihn zukam und nach Altbier und dem typischen Männergeruch stank.
Er war an jenem Morgen früh aufgewacht. War gegangen und gegangen, wie er es gerne tat. Er konnte stundenlang gehen, keiner kümmerte sich schließlich darum, wo er steckte. Er war den Kanal entlang nach Limehouse gegangen, vorbei an den ausgebombten Lagerhäusern, den verlassenen Schiffen, dem Dreck. Ein Mädchen schlief auf einer Bank, der Lippenstift verschmiert, der grüne Tweedrock um die Beine zerknüllt. Er fragte sich, ob sie zu jener Sorte Mädchen gehörte, und er wäre stehen geblieben, um sie zu zeichnen, doch ein Polizist auf einem Rad kam vorbei und verscheuchte ihn. Er ging weiter und weiter, weil John, ein Junge aus seiner Straße, ihm gesagt hatte, dass es hier üble Typen gebe.
Die Skizzen, die er an jenem Morgen von der Szene im Victoria Court gemacht hatte, wurden das Gemälde, das er an diesem Morgen fast siebzig Jahre später in der weißen, gedämpften Galerie in Mayfair gesehen hatte. Und er konnte sich noch immer daran erinnern, wie es sich anfühlte – schluchzende Frauen, deren Haar sich aus ihren Kopftüchern gelöst hatte, betäubte Männer, die sich durch die Trümmer wühlten. Es war sonst ganz ruhig. Eine Wand stand noch zur Straße hin, und er hatte sich hingesetzt und gezeichnet, eine Parodie auf ein Stillleben der Ecke eines Zimmers.
Streifen gelber Tapete, die mit Bändern bedruckt waren, flatterten im Morgenwind. Die Seite einer Tasse, ein Paket Reis, ein Zinnteller, blaue Farbe, die sich löste. Und ein Kinderarm, wahrscheinlich von einem Kleinkind, dessen Baumwollärmel ausgefranst war, wo er sich durch die Wucht der Explosion vom Körper gelöst hatte. Die kleinen rosafarbenen Finger eingerollt.
»Natürlich beziehen wir es ein«, sagte er.
Jeremy hatte gezögert. »David, ich finde es wundervoll, aber es ist sehr düster.«
»Krieg ist sehr düster«, hatte David erwidert, während der Schmerz ihn fast besinnungslos werden ließ. »Entweder wir machen das oder nicht. Wenn du freche Schmuddelkinder willst, die in den Trümmern spielen, vergiss es.« Er hatte den Kopf gesenkt und sich erinnert, und die anderen Männer schwiegen.
Abend eher versüßt.
Als er nun Cassie umarmte, wurde ihm klar, dass er sie nicht mehr kannte und dass er tun musste, weshalb er hergekommen war. Er lehnte sich zurück und tätschelte ihre Hand.
»Wein nicht, Liebste. Lass mich dir sagen, warum ich dich treffen wollte.«
Sie putzte sich die Nase. »Okay, mach es wieder gut. Du Schuft hast mich nach all den Jahren zum Weinen gebracht. Du bist derjenige, der mich verlassen hat, Davy.«
»Fang nicht damit an. Habe ich dir nicht geholfen?«
»Du hast mir das Leben gerettet. Und das meines kleinen Mädchens später. Das weiß ich, ich werde es immer wissen. Davy...« Sie seufzte tief auf. »Ich wünschte, alles wäre anders, du nicht?«
»Ich weiß nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich wäre nie nach Winterfeld gegangen, wenn es nicht so gewesen wäre. Ich hätte Martha nie kennengelernt. Und nicht die Kinder gehabt.«
»Sag mir ihre Namen, alle.«
»Bill ist der Älteste.«
»Wo ist er?«
»Oh, Bill ist nie weit weggegangen. Lebt im Dorf, ist Arzt. Eine Säule der Gemeinde, kann man sagen. Verheiratet mit einem netten Mädchen, Karen, viel jünger als er. Zweite Ehe. Er hat eine erwachsene Tochter, Lucy. Dann ist da Daisy. Sie ist … nun, wir sehen sie nicht mehr so oft. Sie ist in Indien. Arbeitet für wohltätige Zwecke. Sehr hingebungsvoll. Sammelt Geld für diese Schulen in Kerala.«
»Himmel! Wie oft kommt sie nach Hause?«
»Es ist traurig, sie kommt eigentlich nie.«
»Nie?«
»Seit Jahren nicht mehr. Sie hat auch eine Tochter, Cat. Die lebt in Paris. Wir haben sie aufgezogen, nachdem Daisy ... weg ist.«
Cassie wirkte fasziniert. »Sie hat ihr eigenes Kind verlassen?«
»Ja. Aber es ist schwer, Daisy zu erklären. Sie war ... sie ist schwer zu verstehen. Wir sind sehr stolz auf sie.«
Es war so eine einfache Lüge, sobald man sich daran gewöhnt hatte. Er dachte zurzeit dauernd an Daisy, fragte sich, was falsch mit ihr gelaufen war, ob es seine Schuld war, etwas in seinen Genen.
»Und die andere, Davy, wie heißt sie?«
»Florence ist das Baby. Aber sie ist auch sehr groß.«
Ihr Blick begegnete seinem. »Genau wie ihr Vater.«
»Genau wie ihr Vater, und wir stehen uns sehr nahe. Sie ist ...« Er zögerte. »... sehr akademisch. Sie ist Professorin, Cassie. In Kunstgeschichte. Lebt in Florenz.«
»Lebt in Florenz und heißt Florence?«
Er lächelte. »Das stimmt. Sie ist...«
Ein müßiger Kellner kam herbei und fragte sie, ob sie etwas zu essen wollten. Er brach den Zauber. David sah auf seine Uhr und sagte nein, und Cassie steckte ihren Geldbeutel in die Handtasche. Sie schnalzte mit der Zunge. »Also sag mir, was du willst.«
David holte tief Luft und beachtete nicht den flatternden Schmerz in seiner Brust. »Ich will, dass du nach Winterfold kommst. Alle kennenlernst, bevor ich sterbe.«
Sie lachte. Es überraschte ihn, das große Lachen aus dem Bauch heraus mit einem Hauch von Hysterie, und es ging immer weiter, bis die anderen Trinkenden sich umdrehten, um zu sehen, worüber die beiden alten Leute in der Ecke da lachten.
Als sie aufhörte zu lachen, schluckte sie und trank den Rest ihrer Rum Cola aus.
»Nein«, sagte sie, »auf keinen Fall. Du hast dein schönes Leben dort, ich habe meines. Das ist der Deal, den wir haben. Ich wünschte, es wäre anders, aber das ist es nicht. Vergiss die Vergangenheit, Davy.«
»Aber wir müssen alles in Ordnung bringen. Ich will, dass alles gemacht wird, bevor ... Ich weiß nicht, wie lange ich noch habe. Es könnte noch Monate dauern, es könnten Jahre sein, aber ...«
Sie packte sein Handgelenk, und ihre Augen waren hell. »Davy, du hast immer gesagt, dass ich schlauer sei als du. Also hör mir zu. Lass die Vergangenheit ruhen. Vergiss, dass du mich gesehen hast, ja?«
»Aber bedeutet dir die Familie denn gar nichts?« David versuchte sie festzuhalten, doch sie zog ihre Hand weg und stand auf.
»Doch, mein Lieber, das tut es. Sie bedeutet Schmerz und Elend und Leid, und du hast schon genug damit zu tun. Nütze die Zeit, die du noch hast, und genieße sie«, sagte sie, band ihren langen Schal um und sah ihn nicht dabei an. Ihre Stimme bebte, doch sie beendete das Gesagte fest: »Lass es sein, Davy. Gott segne dich.«
Karen Winter saß an der Bar, während das Mädchen vor ihr ihre Finger hielt und an ihren Nägeln zog. Draußen fiel beständig Regen aus einem metallisch grauen Himmel und verwandelte den goldenen Stein von Bath in schmutzigen Sand. Menschen eilten an dem Nagelstudio vorbei. Die beschlagenen Scheiben ließen ihre Umrisse dumpf verschwimmen. Karen starrte ausdruckslos auf den Musikkanal auf dem Schirm über ihrem Kopf. Ihr Blick folgte dem Video, ohne etwas aufzunehmen.
Die Einladung war heute Morgen gekommen, als sie gerade hinausgehen wollte. Was bedeutete sie? Was zum Teufel hatte Martha vor?, hatte sie gerätselt. War es eine Drohung? Karen neigte sonst nicht zur Innensicht. Sie handelte erst und dachte später nach. Wenn ihre Stieftochter Lucy bei ihnen wohnte, ließ sie Karen abwechselnd die Wände hochgehen und brachte sie zum Lachen mit ihrer Amateurschauspielerei. Sie blieb lange im Bett, seufzte am Telefon, schickte wie wild SMS und kritzelte jeden einzelnen Gedanken in ein Buch, das sie Tagebuch nannte, was Karen ziemlich anmaßend fand. Dann stürzte sie am Mittag in die Küche und sagte, sie habe nicht gut geschlafen wegen der Dinge in ihrem Kopf. Karen, die nur zehn Jahre älter war als Lucy, wollte dann immer erwidern: Kannst du nicht die Geschirrspülmaschine ausladen und gleichzeitig Dinge im Kopf haben? Karen war eine Liebhaberin von Ratgebern und wusste, dass das hauptsächliche Prinzip für ein effektives Leben charakterliches Ethos war.
Genau das brauchte Lucy. Sie, Karen, hatte es und ... Na ja, egal.
Sie seufzte, und Coralie sah auf. »Okay, Miss?«
»Klar.« Karen zuckte mit den Schultern. Das Nagelstudio war warm, winzig und überfüllt. Es summte von dem lockeren Geplauder von Frauen in Salons. Sie konnte Gesprächsfetzen hören: M&S hatte Ausverkauf für Kleider; ein Kind wollte keine Nudeln essen; jemand fuhr nach Menorca auf eine Pauschalreise. »Hab letzte Nacht nicht viel geschlafen«, sagte sie aus keinem besonderen Grund.
»Ach nein! Das ist schlimm. Warum?« Coralie klopfte auf Karens Hände, verteilte Creme darauf und rieb beide nacheinander ein.
Karen wollte sich mit den Fingern im Gesicht kratzen, eine Angewohnheit, seit sie klein war, wenn sie verlegen war. Sie atmete langsam ein und sah zu, wie Coralie geschickt den glänzenden Klecks aus Grundierung auf einen Nagel auftrug. »Familienangelegenheiten.«
»Ach, Familie.« Coralie lachte. »Huch.«
Karen lächelte. »Meine Schwiegermutter gibt ein Fest. Könnte darauf verzichten. Sie verstehen?«
»Klar, ich weiß.« Coralie verdrehte die Augen. »Wo leben sie?«
»Gleich südlich von hier. Es heißt Winterfold.« Sie sah Coralie an, erwartete, dass sie es erkannte, und lächelte dann. Warum zum Teufel sollte sie? Wie die Leute »Winterfold« mit gesenkter Stimme sagten, wie »Die Queen« oder »National Trust«. Aber die Winters waren berühmt, sie umgab eine Art Glanz. Ihre Partys waren legendär. Sie kannten jeden meilenweit, und das alles wegen Martha. Sie hatte einen Schrank voller Wolldecken für Picknicks im Sommer. Sie machte Schlehengin, sie legte grüne Tomaten ein, sie nähte Wimpel zum Geburtstag. Sie erinnerte sich an Jahrestage und brachte Lasagne zu frischgebackenen Eltern, kam aber nicht vorbei, um zu gurren, überbrachte sie nur und ging wieder. Sie wollte nicht die beste Freundin sein, sie gab einem nur das Gefühl, willkommen zu sein, gab einem etwas zu trinken und hörte zu.
Karens einziger Versuch, etwas Ähnliches zu schaffen, ihre und Bills Neujahrsparty im letzten Jahr, war eine Katastrophe gewesen. Susan Talbot, die die Post und den Dorfladen führte und deshalb offenbar bei Laune gehalten werden musste, weil sie ihn sonst schließen und Winter Stoke wieder ins Mittelalter zurückfallen würde, war zu nah an Karens schwedisches Kerzenarrangement gekommen, über das sie in einer Zeitschrift gelesen hatte, und ihr Haar hatte Feuer gefangen. Es hatte die Stimmung verdorben, dreißig Leute waren zu viel in einem Haus ihrer Größe, und der Geruch nach verbranntem Haar wollte nicht verfliegen, selbst nachdem sie alle Türen und Fenster aufgemacht hatten.
Es war irgendwie symptomatisch für sie und Bill, dachte sie. Sie führten kein »gastliches Haus«. Wenigstens brachte seine Tochter ein bisschen Leben ins Haus, selbst wenn sie chaotisch und lebhaft war. Lucy brachte Bill zum Lächeln. Leute schienen vorbeizukommen, wenn sie da war. Lucy war eine Mischung aus ihren Großeltern. Wärme strahlte von ihr aus wie bei David, sie konnte ein Essen aus Bratkartoffeln und einem Paket Schinken zaubern und es in ein köstliches Wintergericht verwandeln, und der Wein floss, und Lachen erblühte im Haus wie eine Wüste nach dem Regen ... Karen hatte Susan zur Entschuldigung Gutscheine für einen Besuch bei Toni und Guy gekauft, und Susan war zutiefst beleidigt gewesen. Wenn Lucy für die Katastrophe mit den schwedischen Kerzen verantwortlich gewesen wäre, hätte diese, das wusste Karen ganz sicher, innerhalb von Sekunden alle zum Lachen gebracht, und noch mehr Getränke wären geflossen, und sie hätte Susan Talbot erwärmt von der Aufmerksamkeit und dankbar für den kostenlosen Haarschnitt nach Hause geschickt.
Danach im Bett hatte Karen wütend zu Bill gesagt: »Ich bin sicher, deine Eltern bauen niemals so einen blöden Mist bei ihren Partys. Immer nur wir.«
Bill hatte gelacht. »Du warst nicht bei der Sommerfestkatastrophe dabei.«
»Was?«
»Ach, das ist Jahre her. Unser Hund Hadley ...« Er hatte angefangen zu lächeln und dann gesagt: »Es war wirklich schrecklich. Aber alle sind bis drei geblieben, im Regen. Ich meine mich zu erinnern, dass es eine Conga gab. Komisch, nicht?«
Nein, es war nicht komisch. Karen hatte sich einfach umgedreht und so getan, als ob sie schliefe. Natürlich. Sie hatten eine Party gegeben, und es war schrecklich schiefgelaufen, aber natürlich gehörte das alles zum Spaß dazu, oder? Ach, diese Winters!
Vielleicht hatte sich damals der Krater unter ihrer Ehe gebildet, und niemand sah es. Karen hasste sich dafür, dass sie gemein wegen ihrer Schwiegereltern war, doch sie konnte nicht anders. Winterfold war nur ein Haus, verdammt noch mal, keine Kathedrale. Sie waren nur eine Familie.
»Es ist der Achtzigste meiner Schwiegermutter. Sie haben ein schönes Haus«, erzählte sie Coralie. »Ganz in der Nähe. Ja, sie geben ein Familienfest.«
Coralie wirkte verständnislos. »Schön. Warum wollen Sie nicht hin?«
Karens Wangen zuckten. »Weil... wir sind so anders. Ich passe nicht dorthin.« Sie kannte Coralies Familiennamen nicht und wusste nicht, wo sie lebte, aber es war leichter, es zu ihr zu sagen als zu ihm. Sie war jetzt vier Jahre mit Bill verheiratet. Sie kannte jedes Grübchen und jede Sommersprosse an seinem schlanken Körper, sie wusste, wie er seine Eier gekocht haben wollte und was er meinte, wenn er »Hm« sagte, und doch wusste sie nicht, wie sie sagen sollte: Ich passe nicht dorthin.
Coralies sanfte Finger drückten die winzigen Knochen an Karens Hand, und sie fuhr zusammen. »Passen?«
»Wie ... Ich gehöre nicht dorthin. Ach, ist doch egal.«
»Sie kommen sich dumm bei ihnen vor, ich weiß.« Sie nahm den hellen Nagellack von der Ablage und schüttelte ihn. Karen starrte ihn an.
»So ungefähr.« Sie dachte an den Ausdruck in Marthas Gesicht, wenn sie sie hören könnte. Wusste sie, dass sich Karen so fühlte? Oder Bill? Oder seine verrückte Schwester Florence? Florence nahm Karen kaum zur Kenntnis. Es war, als ob es sie gar nicht gäbe. Karen lachte leise bei sich. Sie erinnerte sich an das erste Mal, als sie Bill getroffen und der ihr erzählt hatte, dass er eine Schwester habe, die Gemälde studierte.
»Schaut... sich den ganzen Tag nur Gemälde an? Wirklich? Das ist ihr Job?«
»Ja, tut mir leid«, hatte Bill erwidert, als ob sie etwas Witziges gesagt hätte, und sie war rot geworden. Dieser ruhige Mann, der zehn Jahre älter war als sie und doch auf seltsame Weise so gut aussah, so faszinierend, so höflich. So leicht zu necken war er damals gewesen. Sie hatte mit ihm reden wollen, nur um seine sanfte Stimme zu hören und das Licht in seinen Augen zu sehen, wenn er sie anschaute. Doch sie hatte sich schon beim ersten Mal zum Narren gemacht.
Komisch, dass sie jetzt an das erste Mal dachte, als sie ihm begegnet war. Sie erinnerte sich, dass sie gedacht hatte: Dieser Typ ist ein bisschen älter als ich, aber er könnte der Vater meiner Kinder sein. Sie hatte sofort das Gefühl gehabt, dass sie jemanden Sicheren, Ruhigen, Witzigen gefunden hatte. Aber sie hatte sein Alter nicht richtig erraten, er war siebzehn Jahre älter als sie, fast alt genug, um ihr Dad zu sein. Er war geschieden und hatte eine Tochter im Teenageralter. Sie hatte einiges falsch verstanden, oder? Und jetzt bezahlte sie dafür. Bezahlte dafür, dass sie nicht dazu passte.
Karen hörte ihr Telefon mit einer SMS summen. Sie blickte in ihre Tasche, da ihre Hände gefangen waren, dann sah sie mit rasendem Herzen wieder auf und versuchte, ruhig zu wirken.
Plötzlich sagte sie: »Kann ich doch eine andere Farbe haben? Ich will kein Hell mehr.«
»Gut. Welche Farbe wollen Sie dann?«
Coralie zeigte zur Wand hinter sich, wo die Flaschen mit Nagellack in bunten Reihen standen wie Süßigkeiten. Karen nickte. »Fifth Avenue, bitte. Der Dritte von hinten.«
Coralie griff hinter sich und zog die dritte Flasche vom Regal, dann schaute sie unten nach. »Ja«, sagte sie beeindruckt, »das ist Fifth Avenue. Woher wissen Sie das?«
»Ich weiß es einfach.« Karen hob die Schultern.
»Helles, sexy Rot.« Coralie zog eine von Karens schlanken, gebräunten Händen zu sich und schraubte den weißen Verschluss auf. »Gehen Sie heute Abend aus?«
»Nein, wir bleiben zu Hause.«
»Aha!« Coralie lächelte. »Sie wollen gut aussehen, ja? Ein Abend mit dem Gatten.«
»So ähnlich.« Karen versuchte zu lächeln.
»Meine Güte«, sagte Florence Winter, während sie die Straße entlangeilte und die Einladung wieder in ihre voluminöse, aber vollgestopfte Strohtasche steckte. »Was bedeutet das?«
Sie war erregt. Aus heiterem Himmel war diese außergewöhnliche Nachricht auf die kalten Steinfliesen ihrer Wohnung geknallt, als sie ihren Kaffee trank. Vor Jahren hatte ihr Bruder Bill gescherzt, dass sie deshalb zum Studium nach Italien gegangen sei, um so viel Kaffee zu trinken, wie sie wollte. Diesen Scherz machte er nicht mehr – sie lebte dort jetzt seit zwanzig Jahren. Außerdem musste man heutzutage lange nach einem anständigen Tabacchi suchen, in Florenz gab es nur irische Pubs – die Italiener waren erstaunlicherweise verrückt danach – oder seelenlose Pizzerien, die ein ständig wechselndes Karussell aus japanischen, amerikanischen, französischen oder deutschen Touristen bedienten.
Florence kam sich heute nicht mehr illoyal vor, wenn sie zugab, dass die schlimmsten Touristen oft die Engländer waren. Sie waren entweder streitsüchtig, fettleibig oder sauer, weil sie in diesem Loch voller Kultur, aber mit wenig Unterhaltung saßen, oder im Gegenteil verzweifelt bemüht zu beweisen, dass sie Italiener waren, indem sie mit den Armen wedelten und grazie mille und il conto per favore sagten, als ob sie das zu Italienern machen würde, als ob nicht jeder Kellner Englisch wie ein Einheimischer spräche, weil das heutzutage die einzige Möglichkeit war, voranzukommen. Es deprimierte sie, entweder Scham über ihre Heimat oder Traurigkeit über die Welt, die sie bewohnte, zu empfinden. Florenz, einst die edle Blume der Renaissance, wurde zur Geisterstadt, eine historische Themenparkhülle, gefüllt mit sich bewegenden Besucherströmen, die von rosafarbenen Schirmen und Mikrofonen vorwärtsgetrieben wurden. Und trotzdem liebte sie es von ganzem Herzen.
Vor vielen Jahren, als sie ein kleines Mädchen war, hatte sie ihren Vater gefragt, warum man sie Florence genannt habe.
»Weil wir auf unserer Hochzeitsreise dort waren. Wir waren so glücklich«, hatte David ihr feierlich geantwortet. »Ich habe deiner Mutter das Versprechen abgenommen, wenn wir jemals ein kleines Mädchen bekämen, es Florence zu nennen, um uns jeden Tag daran zu erinnern, wie verliebt wir hier waren.«
»Warum habt ihr dann Daisy nicht so genannt? Sie war doch die Erste.«
Ihr Vater hatte gelacht. »Sie war keine Florence. Du schon.« Und er hatte sie auf den Kopf geküsst.
Als Florence noch klein war, bestand ihr Geburtstagsgeschenk darin, mit ihrem Vater einen Tag nach London zu fahren. Pa war ihr der liebste Mensch auf der Welt. Sie machten stets dasselbe: Sie gingen in die National Gallery, um sich die Gemälde der italienischen Renaissance anzuschauen, und schenkten dabei besondere Aufmerksamkeit dem Lieblingsbild ihres Vater, der Verkündigung von Fra Filippo Lippi. Florence liebte die Geschichte des keuschen Mönchs, der mit der goldhaarigen Nonne durchbrannte, und sie liebte Davids ruhigen, hingerissenen Gesichtsausdruck, wenn er den schönen Engel mit den dichten Locken ansah, den anmutigen Bogen von Marias geneigtem Kopf, als sie von ihrem Schicksal erfuhr. »Das schönste Kunstwerk der Welt«, sagte ihr Vater jedes Mal sichtlich bewegt.
Dann gingen sie fünf Minuten bis zur Jermyn Street und aßen in einem altmodischen englischen Restaurant zu Mittag – Brights, wo die Kellner alle schrecklich alt und förmlich waren und die Tischdecken aus schneeweißem Leinen. Florence kam sich immer so erwachsen vor, wenn sie Ingwerbier aus einem riesigen Kristallkelch trank, ein Steak von der Größe ihres Kopfes aß und dabei ein richtiges Gespräch mit ihrem Vater führte. Sie sprachen ausnahmsweise mal nicht über Wilbur, denn alle wollten ihn immer nach dem dämlichen Hund fragen. Wenn sie mit Pa ausging, wollte jeder wissen, ob sie Daisy sei. Florence hasste das, wenn auch nicht so sehr, wie es Daisy getan hätte, wenn sie es gewusst hätte.
Sie konnte ihn bei diesen Mittagessen alles fragen, und deshalb sprachen sie nicht über langweilige Dinge wie Daisys Launen oder die Mädchen in der Schule. Sie sprachen über Dinge, die er auf seinen Reisen gesehen hatte, denn er war in seiner Jugend überall gewesen.
»Bevor du Ma geheiratet hast und sie uns bekam.«
»Ma ist auch mitgekommen. Wir waren beide Künstler, wir wollten die Welt sehen. Dann haben wir euch bekommen. Und dann zogen wir nach Winterfeld. Danach wollten wir nicht mehr oft weg.«
Florence begriff nicht wirklich, warum sie nach Winterfeld gezogen waren, wenn sie in London hätten leben können. Sie wollte in London leben, aber immer wenn sie ihren Vater nach seiner Jugend hier fragte, bekam sie dieselbe Antwort: »Ich habe London nie so gemocht.«
Er sprach nie direkt von seiner Kindheit. Sagte nie: Deine Granny hatte blaue Augen. Oder: Wir haben in dieser oder jener Straße gewohnt. Nur indirekte Anspielungen auf Ereignisse, die ihm passiert waren. Florence vergötterte ihren Vater und wollte so viel wie möglich über ihn erfahren, also entlockte sie ihm, so viel sie konnte. Über Mr. Wilson zu hören, den Kunstlehrer in der Schule, der David länger hatte bleiben lassen und ihm Bastelpapier und Pastellfarben mit nach Hause gegeben hatte. Der Junge in der nächsten Straße, der ohne Nase geboren wurde ... Pa schwor, dass das stimmte. Dann der Sommermorgen, an dem er den Zug nach Bath nahm und stundenlang ging, bis er Winterfold sah, und wie er sich geschworen hatte, dass er eines Tages zurückkommen würde. Damals liebte er es zu gehen. Er ging während des Krieges in die Stadt zu Konzerten in der National Gallery. Alle Gemälde waren abgenommen und in einen Keller in Wales gebracht worden. Stattdessen spielten die Leute dort Klavier. Einmal gab es Luftalarm, und er musste stundenlang mit den anderen versteckt im Keller bleiben, Büroangestellte aus der Gegend, junge Liebespaare, die sich mittags trafen, alte vornehme Männer. Alle hatten große Angst, sangen Lieder, und einer der alten vornehmen Männer gab David einen Karamellbonbon.
Jahre später war Florence wieder in der National Gallery und hielt wie so oft einigen Studenten einen Vortrag vor Uccellos Schlacht von San Romano. Ihre Gedanken wanderten, und sie merkte, wie ihr klarwurde, dass ihr Vater während des Blitzkrieges wirklich klein gewesen war, neun oder zehn. Der Gedanke, dass er sich in diesem Alter allein in der Stadt herumtrieb, und das noch mitten im Krieg, kam ihr erschreckend vor. Als sie es ihm gegenüber später erwähnte, hatte er gelächelt. »Ich war erwachsen für mein Alter. Du hattest eine behütete Kindheit, Flo.«
»Ich bin froh«, hatte sie erwidert, denn sie war nie glücklicher, als wenn sie mit einem oder mehreren Büchern sicher eingesponnen war, ungestört von Hunden, der Familie oder Daisys spezieller Behandlung.
Und er hatte gesagt: »Nun, das ist doch gut.«
Manchmal fragte sich Florence, ob ihre Kindheit zu behütet gewesen war. Sie war fast fünfzig und hatte das Gefühl, dass sie ihr Leben besser in den Griff bekommen sollte, doch immer mehr kam es ihr vor, als ob das Leben von ihr wegtriebe wie ein unkontrollierbarer Zug. Das kleine Mädchen, das zu groß war für die abgelegten Sachen seiner größeren Schwester, das nur lesen und Bilder anschauen wollte, war nun Professorin am British College of Art History in Florenz, Autorin zweier Bücher, Beiträgerin von mehreren weiteren, Gastprofessorin am Courtauld Institute of Art History in London und ab und zu eine Stimme im Radio. Letztes Jahr war sie in Melvyn Braggs In Our Time gewesen, nur dass sie das meiste herausgeschnitten hatten, was sie gesagt hatte. (Wenn Florence nervös war, neigte sie zu Abschweifungen, und es war dann oft unmöglich, aus dem Chaos das ursprüngliche Thema herauszukristallisieren.)
Allein in ihrer Wohnung, wenn sie schrieb oder nachdachte, war alles klar. Wenn sie laut sprach, wenn sie mit Menschen redete, geriet sie ins Stolpern. Die Wirklichkeit fand sie schwierig.
Als Florence das letzte Mal im Juli wieder in England gewesen war, war sie zum Essen bei ihrem Kollegen vom Courtauld, Jim Buxton, gewesen. Jim war ein alter Freund von ihr aus Oxford, immer noch ein guter, lieber Freund. Er war mit Anna verheiratet, einer Professorin für Islamische Studien an der HCL, die sich die meiste Zeit an weit abgelegenen Orten wie Taschkent aufhielt, mindestens sechs verschiedene Sprachen sprach und, ehrlich gesagt, Florence Furcht einflößte. Sie lebten in Islington, nicht weit entfernt vom Stadtzentrum, aber wegen mehrerer Missgeschicke, darunter eine kaputte Brille und eine klappernde Stiefelsohle, kam Florence zu spät und war nervös. Als Jim sie den anderen Gästen vorstellte, stand eine – eine bekannte Lektorin bei Penguin namens Susanna – halb auf, gab ihr die Hand und sagte: »Oh, die berühmte Prof. Winter! Wir haben Sie im Radio gehört, wie Sie über Masaccio sprachen. Ich stimme Ihnen weitgehend zu, bis auf die Vertreibung von Adam und Eva. Es ist stark vereinfachend, das so zu sagen – oh!«
Denn Florence, die immer noch ihre Leinentasche, die ihr als Handtasche diente, in der Hand hielt, hatte sich einfach nur verneigt (so dass ihr das Kleingeld aus den Taschen fiel) und war rückwärts aus dem Raum gegangen. Die Stiefelsohle war umgeknickt und hatte sie fast zum Stolpern gebracht. Sie ging in das untere Bad und saß fünf Minuten auf der Toilette. Sie wusste, dass sie sich entschuldigen musste, wenn sie wieder auftauchte, war sich klar, dass sie das mit der kaputten Brille erklären sollte, die der Grund war, weshalb sie in den falschen Bus gestiegen war, und das mit der abgegangenen Sohle, die ihre Fahrt arg behindert hatte. Doch sie schaffte es nie, eine Möglichkeit zu finden, sich höflich für etwas zu entschuldigen, so dass der Moment vergangen war.
Als sie zurückkam, waren alle im Esszimmer versammelt. Und so hatte sie ihren Platz eingenommen. Die anderen Gäste ignorierten sie mehr oder weniger, doch Florence war das egal. Sie zog es beinahe vor, dass diese Susanna sie für völlig irre hielt. Das hieß, dass sie sich nicht mit geselligen Situationen abgeben musste. i
Am nächsten Tag hatte sie Jim in seinem Büro aufgesucht.
»Tut mir leid wegen gestern Abend, Jim, dass ich mich in deinem Klo versteckt habe. Ich war ein bisschen außer mir, als ich kam. Genauso wie mein Stiefel. Hä, hä.«
Und Jim hatte mit einem Lächeln entgegnet: »Mach dir keine Sorgen. Susanna ist furchtbar. Ich fand, das hat mir meinen Abend eher versüßt.«
Ja, immer mehr wurde sie von diesem Gedanken verfolgt, der Frage, der sie nicht entkommen konnte. Was war das fehlende Teil, von dem sie wusste, dass es existierte, das sie aber nie sehen konnte? Was, wenn sie die letzten zwanzig Jahre mit denselben Gemälden vergeudet hatte, an denselben Ideen gearbeitet hatte und zu keinen wertvollen Schlüssen gekommen war? Nur Meinungen aus einer Zeitschrift oder einem Buch immer neuen Studenten vor die Nase geschoben, genauso wie ein Banker dafür bezahlt wurde, Geld herumzuschieben? Sie liebte Florenz, doch war sie nur aus einem einzigen Grund hiergeblieben – wegen eines Mannes, den es kaum kümmerte, ob sie da war oder nicht?
Nein, sagte sie sich in ihren beschwingteren Momenten, es kümmerte ihn.
Florence eilte über den Ponte Trinità Dabei nahm sie die Touristen kaum wahr, die den Ponte Vecchio bevölkerten, der voll war von winzigen Läden. Sie konnte die moderne Welt fast zu effektiv aussperren; wenn Lorenzo il Magnifico zu Pferd über die Brücke galoppiert wäre und in seinem besten Renaissance-Italienisch gefragt hätte, ob sie ihn in seinen Palazzo begleiten wolle, wäre Florence nicht überrascht gewesen.
Sie war immer noch so vertieft in die Vorstellung, was Lorenzo de Medici an einem normalen Tag in der Stadt tragen würde, dass sie, als sie um die Ecke zum College bog, nicht darauf achtete, wohin sie trat. Sie merkte, wie sie über etwas stolperte und mit dem seltsam trunkenen Gefühl verlorener Schwerkraft zu Boden stürzte.
»Attenzione! Signora, bitte passen Sie auf!«, sagte eine wütende Stimme, die ihr Herz zum Rasen brachte, als sie auf den Pflastersteinen lag, Arme und Beine in der Luft wie ein umgedrehter Käfer. »Èmolto – oh, du bist es. Meine Güte, pass auf, wo du gehst, ja?«
Florence rappelte sich allein hoch, während Peter Connolly die Lederriemen ihrer Tasche mit solcher Kraft von seinem Bein entfernte, dass sie fast aufschrie. »O Gott«, sagte sie und sah zu Boden, »wo ist meine Brille?«
»Ich habe keine Ahnung.« Er rieb sich den Fuß und sah sie kalt an. »Das hat verdammt weh getan, Florence. Du ...« Er verstummte und sah sich um.
Die herankommenden Studenten beobachteten sie neugierig. Den byronhaften, leicht exzentrischen, aber trotzdem beeindruckenden Prof. Connolly, der den unglaublichen Bestseller über die Renaissance geschrieben hatte, der die Medici in eine derbe Seifenoper verwandelte, als eine BBC-Serie daraus gemacht wurde – er war berühmt, ihre Mütter schauten ihn sich an! Und diese seltsame Prof. Winter mit dem verrückten, zerzausten Haar, die nach ihrer Brille suchte. Das Plastikgestell war zerbrochen, und oft rutschten die Gläser heraus, wenn sie sich vorbeugte, aber sie bemerkte es nicht mal. Jemand hatte sie in der letzten Woche Queen vor sich hin singen hören, als sie an den Uffizien vorbeiging. Ziemlich laut.
Florence drehte sich alles im Kopf. Sie sah verwirrt zu Peter und strich sich das Haar aus den Augen. Er war zurzeit so anders, seit das verdammte Buch erschienen war und er begonnen hatte, dem Sirenengesang des Ruhms zu lauschen. Immer schlau und gestylt auf eine telegen angemessen zerzauste akademische Weise. Ganz anders als der gelockte, leicht hoffnungslose Mann, den sie einst gekannt und geliebt hatte – so sehr geliebt, dass sie ...
»Hier.« Peter Connolly zog ihre Tasche wieder hoch, so dass sie ihr über der Schulter hing und nicht mehr an ihrem Handgelenk baumelte.
»Haha! Oh, lassen Sie mich los, Prof. Connolly!«, japste Florence, legte die Hand aufs Herz und ließ dabei mehrere Sachen zu Boden fallen. Sie hatte gedacht, das würde lustig klingen, doch wie so oft, wenn es ihren Mund verlassen hatte und in der Luft hing, klang es nur schrecklich. Sie sah wie immer verrückt aus, die irre alte Schachtel, die niemand jemals geliebt hatte oder jemals in Zukunft lieben konnte, vor allem nicht Prof. Connolly.
Er bückte sich und hob etwas vom Straßenrand auf. Die Studenten waren inzwischen weitergegangen.
»Du hast das hier fallen lassen.« Er schaute neugierig nach unten. »Hübsche Einladung. Ist das deine Familie? Seltsame Art, Leute auf eine Party einzuladen. Was heißt das am Ende?«
Florence nahm ihm die Einladung sanft aus der Hand und biss sich auf die Lippe.
»Danke. Sie ist von meinen Eltern. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Ich werde wohl nach Hause müssen.«
»Verlässt du Florenz wieder, Florence?« Er lächelte knapp. »Ich muss sagen, wir gewöhnen uns daran, dich zu vermissen.« Er wippte auf den Fersen und tippte sich an einen imaginären Hut.
»Warum, brauchtest du mich für etwas?«
Er sah sie völlig erstaunt an. »Meine Güte, nein. Warum solltest du das glauben?«
Noch eine Kränkung, noch ein kleiner Hieb, doch ihr war das egal. Sie kannte sein kleines Geheimnis und war froh, es sicher bei sich zu tragen, bis er das Gefühl hatte, er könne sie wieder brauchen. Florence senkte den Kopf wie eine Dame, die einem Ritter Lebewohl sagte.
»Dann, Peter, muss ich dir jetzt, aber nicht für immer Lebwohl sagen«, entgegnete sie, auch wenn das völlig falsch herauskam. Er war zur Drehtür gegangen und hatte sich nicht mal verabschiedet. Sie humpelte zum Eingang und sah dabei auf die Einladung, und ihr fiel wieder auf, wie seltsam sie war. Ma wollte sie alle wieder zurückhaben.
Warum? War es wegen Dad? War es wegen Daisy?
Und Florence erkannte plötzlich, dass sie den Grund kannte, obwohl sie es sich bis zu diesem Moment nicht überlegt hatte
Joe Thorne lehnte sich mit seinem ganzen Gewicht auf die glatte Eichenbar, verschränkte die Arme und sah sich um.
Es war Mitte des Vormittags und Wochenmitte, und er hatte gehofft, dass der Pub, na ja, nicht gerade überfüllt wäre, aber zumindest ein paar alte Stammgäste mit einem Pint aufweisen würde, vielleicht ein paar Gäste, die zu einem frühen Mittagessen da waren? Aber nein. Der namengebende Baum draußen warf nur Düsternis in den Raum. Es war zu früh in der Saison für ein flackerndes Holzfeuer. Die Fässer waren voll, und die Gläser glänzten.
Und das Lokal war leer.
