Wir um 2000 -  Band 3 - Werner M. Heinrich - E-Book

Wir um 2000 - Band 3 E-Book

Werner M. Heinrich

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Beschreibung

Wenigstens seit dem Ende des zweiten Weltkriegs bin ich, der Autor, ein bewusster Zeitzeuge eines ununterbrochenen gesellschaftlichen Wandels. Das bewog mich, für meine Enkel das aktuell erkennbare Weltbild im Jahr 2000 mit seinem Zeitgeist, an der aktuell erkennbaren Wirklichkeit zu reflektieren. Ursprünglich sollte nur für sie die Wirklichkeit durch die Beobachtung des Zusammenhangs von Physik und Transzendenz skizziert und zum Zeitpunkt ihrer Volljährigkeit an sie ausgehändigt werden. Doch, veranlasst durch die lebhafte Nachfrage nach einzelnen Kapiteln, habe ich mich zu einer Veröffentlichung des gesamten Inhalts unter dem Titel „Wir um 2000“ entschlossen. In drei Teilen wird aus der Perspektive der modernen Naturwissenschaft, der Religion und der Philosophie auf die Unvollständigkeit der rein rational erfahrbaren Welt verwiesen. Denn die nichtsichtbare Ordnungsstruktur der ganzheitlichen Welt ist die vollkommene und unveränderbare Wirklichkeit. 1.Teil : „Die Situation um die Jahrtausend-Wende“, beschreibt die komfortable Lage in Mitteleuropa, beeinträchtigt von unseren selbstverursachten Schwierigkeiten. Es werden die gelebten Situationen mit der eigentlichen Wirklichkeit in einen Vergleich gestellt. Eine Wirklichkeit, nach der wir leben könnten, fände die Priorität von Werten angemessene Beachtung. 2.Teil : „Der äußere und der innere Mensch“, schildert die unterschiedlichen bis gegensätzlichen Bedürfnisse des Menschen, von der Zeitlosigkeit vor seiner Geburt bis in den physischen Tod. Teil 2 veranschaulicht die Egostrategie im Gegensatz zu den Interessen für Spiritualität und betont die Nachhaltigkeit eines ganzheitlich gestalteten Lebens. 3.Teil : „Quantenphysik und das Evangelium des Johannes“, verweist auf den engen Zusammenhang von Geist und Struktur sowohl im Evangelium als auch im subatomaren Feld der modernen Physik. In der Konsequenz wird der Einfluss des Denkens auf die Materie – und Mystik als Schritt der menschlichen Evolution angesprochen.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Bedanken möchte ich mich bei meiner Frau Erika für ihre Anteilnahme. Sie ist leider im Februar 2013 verstorben.

Mit ihr hatte ich bei den meisten hier angeführten Argumenten einen engagierten Gedankenaustausch, der unserem Inneren zu einem Entwicklungsprozess mit nachhaltiger Wirkung verhalf. Ihr möchte ich diese Darlegungen widmen.

Mein Dank richtet sich auch an die Studiendirektorin Frau Inge Goblirsch, die Korrektur gelesen hat.

Zusätzlich bedanke ich mich noch bei den vielen

Helfern, die mir uneigennützig ihre Dienste zukommen ließen.

Sie bleiben mir mit ihrem Beistand in lieber Erinnerung.

Werner M. Heinrich

Inhalt

1.0 Die Situation um die Jahrtausend-Wende Band 1

2.0 Der äußere und der innere Mensch Band 2

Vorwort

3.0 Quantenphysik und das Evangelium des Johannes

3.1 Wellen / Teilchen – Dualismus und Wirklichkeit

3.2 Atome – Elemente für variable Konstruktionen

3.3 Das Kohärenzprinzip, die Einheit von allem

Literaturhinweis

Vorwort

Bei wohlwollender Betrachtung könnten die vorliegenden Aufzeichnungen als Aphorismen bezeichnet werden. Sie sind für meine Enkel gedacht und sollen ihnen Lebenserfahrungen auf ca. 300 Seiten DIN A4 en bloc vermitteln. Um sie zu sammeln, benötigte ich etwa 70 Jahre und mehrere Jahre, um sie niederzuschreiben.

Gleichzeitig verbinde ich an meine jungen Leser den Anspruch, sich mit den dargebotenen Themen vertraut zu machen, um ihr Bewusstsein auf einer Ebene zu halten, die es ihnen erlaubt, sich wirklichkeitsnah für die alltäglichen Herausforderungen zu qualifizieren, anstatt aus Ahnungslosigkeit in vermeidbaren Kalamitäten unterzugehen.

Schließlich wäre es mir eine Freude, wenn meine Nachkommen Familienwissen übernehmen, bewahren und vertiefen, so dass es schließlich zur Basis ihrer Persönlichkeitsentwicklung wird. Die Schere von Bildung und Unkenntnis wird sich künftig in der Bevölkerung noch deutlicher öffnen als bisher, daher ist es von Vorteil sich auf der richtigen Seite zu wissen.

Die von mir dargelegten Gedanken sind Bemerkungen zu Feststellungen und Sichtweisen, so wie sie sich mir um die Jahrtausendwende boten, oft außerhalb von den von der Tagespresse berichteten Ereignissen. Wirklich Interessantes, von dem die Welt voll ist, wie bleibende Werte oder der dynamische „Organismus“ der eigentlichen Wirklichkeit, findet in den Medien selten sachlichen Widerhall.

Wenn ich mich als Ingenieur jetzt mit der Transzendenz beschäftige, so eröffne ich für mich in meinem Denken ein interdisziplinäres Feld, dessen Bedeutung weniger auf einer breiteren – jedoch auf einer höheren, wirklichkeitsnäheren Ebene (n. Cusanus) zu sehen ist. Dort kooperieren Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft im System der Ganzheitlichkeit. Heute halten Ganzheitlichkeit nur wenige für möglich, weil wir das ausschließlich positivistische Weltverständnis immer noch nicht überwunden haben. Bei allem Respekt vor konsequentem Positivismus – wir verdanken ihm unseren technischen Fortschritt – ist zu bedenken, dass Naturwissenschaft allein die tief greifenden Probleme des Menschen nicht löst, sondern eher verschärft.

Dieses Faktum weist darauf hin, dass für den Erfolg ein gebührendes Maß an Religion und Philosophie im Tagtäglichen notwendig und auch bereits vorhanden ist. Niemand muss die Welt und ein stimmiges Leben neu erfinden.

Aus unserer Unkenntnis über die Wirklichkeit beurteilen wir ungezwungen Transzendentes vom Standpunkt der klassischen Physik her oder gemäß der empirischen Erfahrung. Notwendig wäre aber, Alltägliches vom Standpunkt der Transzendenz her zu begreifen.

So leben wir in heiterer Orientierungslosigkeit, ungebremst wider die Natur. Die Funktionen der Quantenmechanik, zusammen mit dem Potential des Neuen Testaments, repräsentieren diese Natur. Wir könnten deren Lehren nutzen.

Bei der Wahrnehmung unseres inneren Menschen, als auch des inneren Menschen anderer Personen, wird ein Netzwerk der Beziehungen deutlich und wirksam. Schließlich verblüfft noch die moderne Physik mit dem Hinweis, dass auch alle Objekte miteinander in Beziehung stehen und wir mit ihnen. Nichts ist so vereinzelt wie es uns erscheint.

Das zwischenmenschliche Beziehungsgeflecht kann durch Bewusstseinsinhalte wie Wohlwollen, Dankbarkeit oder Vergebung aktiviert werden. Diese wirken beispielhaft verbindend zu den Mitmenschen, nonverbal, zeitlos und über deutliche Entfernungen. Das zu wissen ist von unschätzbarem Wert, weil eine derartige Verbindung eine mächtige Funktion ausübt; im Gegensatz zur unnatürlichen Isolation des Individualisten oder Egoisten, der allein nicht wirklich lebensfähig ist.

Liebe Enkelkinder! Persönliche Sichtweisen aus der Erfahrung eines fast gelebten Lebens zu vermitteln, sehe ich als Erziehungsauftrag für Großeltern. Das veranlasste mich unter dem Eindruck der Gesamtsituation zum Jahrtausendwechsel mit der Aufzeichnung von Gedanken für Euch zu beginnen. Ich wünsche mir für Euch zukünftig so viel innere Freiheit, um den Moden Eurer Zeit seltener zu verfallen, und das klare Bewusstsein, dass Eure aktuelle Lebenssituation immer aus Euerm persönlichen Geist heraus geschaffen wurde.

Euer Opa.

3.0 Quantenphysik und das Evangelium des Johannes

… oder die Chance zum Beginn des 21. Jhs.

„ ... nur ganz wenige wissen, dass sich mit der Entwicklung der modernen Atomphysik und der Formulierung der Quantenmechanik im ersten Drittel unseres Jahrhunderts (20. Jh.) eine tief greifende Revolution in unserem naturwissenschaftlichen Weltbild vollzogen hat. .... Die heute wichtigsten Zweige der Technik sind ohne Quantenphysik nicht denkbar. Doch ungeachtet dieser umfassenden Anwendung und Verwertung und trotz ihrer philosophischen Brisanz sind die erkenntnistheoretischen Konsequenzen der neuen Physik kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.“ (Hans Peter Dürr, 1980)

Das veränderte Weltbild, von dem der Physiker H. P. Dürr redet, initiiert eine fundamentale Wandlung des menschlichen Bewusstseins, die mit einem Paradigmenwechsel bezeichnet werden kann. Es entsteht durch ein Umdenken von einer mechanistischen zu einer ganzheitlichen Welt. Und betrifft daher die ganze Natürlichkeit des Alltäglichen, im Gegensatz zur dualistischen Weltsicht, bei der die Welt in einen mechanistischen und einen spirituellen Teil gespalten ist, der noch dazu von unterschiedlichen Denkschulen speziell gedeutet wird.

Der aktuell bestehende Bruch zu einem ganzheitlichen Weltverständnis wird in dem kartesischen und newtonschen Missverständnis nach wie vor aufrechterhalten, weil es die klassische Naturwissenschaft nicht ermöglicht, über ihre Grenzen hinaus zu denken. Die im Grunde positivistische Sichtweise erklärt: es ist offensichtlich, dass alles aus separaten Objekten besteht, die untereinander beziehungslos ihr Eigendasein führen. Sogar der Geist hat nach Descartes nichts mit dem Körper zutun.

Der Bruch wird erfahrbar zwischen der positivistischen Vernunft und dem Glauben, zwischen der klassischen Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft, wie auch zwischen Wissen und Weisheit.

Physik und Philosophie des 17. Jhs. schufen zwei Kategorien, in die alle auftretenden Phänomene der menschlichen Erkenntnisfähigkeit bis heute getrennt sortiert werden, anstatt sie im Einen verwurzelt zu erkennen.

Der Bruch wird auch durch die Kirchen stabilisiert, in dem sie die grundsätzliche Unvereinbarkeit zwischen dem Irdischen und dem Geistlichen betonen – obwohl das Irdische Teil der Schöpfung Gottes ist – anstatt unter gewissen Gesichtspunkten eine taugliche Verbindung des Gemeinsamen zu suchen, das in der einen Wirklichkeit als grundlegend vorausgesetzt werden muss.

Heute ist die Spaltung weithin perfekt. Die Menschen können das Irdische in ihren Gedanken nicht verlassen und deswegen nicht in das Geistliche eintreten; so sagt es die Kirche. Es wäre jedoch dringend notwendig, sich auf die Verbundenheit zwischen Geist und Materie einzulassen und die offensichtlichen Wechselwirkungen zu erforschen.

Der Theologe Patrik Becker befürchtet, dass sich um das hohe Ziel der Theologie immer mehr die lähmende Gleichgültigkeit rankt, die ihren kraftvollen Kern verdeckt, wenn ihre empirische Zugänglichkeit, d. h. die praktische Erfahrung, die verifizierbare Veränderung, ausbleibt (52; S.12):

„Die Theologie … steht … vor einer ernsten Herausforderung. Wenn sie weiterhin an der Trennung der Disziplinen festhält und auf dem Standpunkt bleibt, Naturwissenschaft und Theologie hätten ein anderes Sprachspiel und würden einen anderen Zugang zur Wirklichkeit darstellen, dann verurteilen sie sich und ihre Inhalte zur empirischen Bedeutungslosigkeit.“

„Gleiches gilt für Gott: Wenn ich ihn in dieser Welt erspüren können will, wenn er in Beziehung zur Welt stehen soll, … dann muss es einen Punkt geben, an dem er empirisch bemerkbar wird. Ansonsten wird der Glaube an ihn zu einer rein subjektiven Interpretation ohne empirischen Bezug. Alles was relevant sein soll, muss irgendwann den Bereich der Empirie erreichen – und damit eine Schnittstelle zur Naturwissenschaft besitzen.“

Heutzutage wird es immer schwieriger die Wirkung Gottes in einer positivistisch geprägten Gesellschaft zur Sprache zu bringen. Die Theologie kann auf ein aktuelles göttliches Eingreifen nicht mehr verweisen. Historischen Ereignissen stehen zeitgenössische Denker skeptisch gegenüber, weil Wunder die Gesetze der Naturwissenschaft aufheben; und das kann keiner glauben.

Doch die Ganzheitlichkeit der Welt ist selbst naturwissenschaftlich nicht hinweg zu argumentieren. Sie ist heute eher durch die moderne Physik nachzuweisen.

Allein durch den Tatbestand des Lebens ist die Synthese von Geist und Materie an jedem Lebewesen sichtbar gegeben.

Außerdem ist Leben der einzige Zustand, der der Entropie entgegen wirkt. In allen anderen weltlichen Prozessen wird die Entropie (irreversible Unordnung) zunehmen, bestenfalls gleich bleiben.

Doch die naturwissenschaftlich orientierte Mehrheit glaubt, dass aus der zur Unordnung tendierenden Materie systemvolles Leben entsteht.

Aus einer neuen Weltsicht lassen sich auch neue Ansätze gegen die Glaubensmüdigkeit ableiten. Es muss die Anwendbarkeit des Glaubens im täglichen Leben gefunden und zur Erfahrung gebracht werden (Bereich der Empirie). Anwendbarkeit steht zur Wirklichkeit näher als Gesichtspunkte aus überholten Traditionen. Diese sind erschöpft, sie können in der westlichen Welt nicht mehr der menschlichen Fortentwicklung dienen. Noch nie waren die Menschen geistlich so orientierungslos wie heute. Die westliche Gesellschaft gleicht einem bislang eng geführten Fluss, der jetzt in seinem Delta unberechenbar ausufert.

Der Blick auf eine ganzheitliche Welt offenbart Zusammenhänge, die uns mehr von der eigentlichen Wirklichkeit aufzeigen und eine Neuorientierung erlauben bzw. erforderlich machen.

Wird bedacht, dass diese Zusammenhänge das Natürliche verkörpern, dann sind wir, solange wir sie nicht akzeptieren, sehr weit vom Natürlichen und seiner Wirklichkeit, entfernt. T. Torrance schrieb über C. Maxwell (7; S.3):

„ … er (Maxwell) legte es … darauf ab, zu betonen, dass die Naturwissenschaft unter einem ganz neuen Aspekt erscheint, wenn wir herausfinden, welche Bedeutung sie für unser tägliches Leben und unser Handeln in der Welt hat. … Bei Clerk Maxwell war das wissenschaftliche Verständnis des Universums und der Glaube an Gott zutiefst integriert.“

Um einen tieferen Einblick und ein besseres Verständnis über die Aussagen des Neuen Testaments zu erreichen, ist ein Studium der Quantenphysik sicher nicht erforderlich. Die Quantenphysik könnte aber die Disziplin sein, die bei einer Weiterentwicklung ihres philosophischen Aspekts zum Schnittpunkt mit der Religion führen kann und dann den Beweis erbringt, dass es nur eine Wirklichkeit gibt, die ihren Ursprung in dem einen Schöpfer dann erkennen lässt. Die Welt manifestiert so das Kohärenzprinzip (der Zusammenhang alles Seienden). Es wird sich dann auch offenbaren, dass der klassische Dualismus von Geist und Materie nur in unserem begrenzten Bewusstsein existiert.

Clerk Maxwell gibt zu bedenken (7; S.7):

„Gerade weil die von Gott geschaffene Welt letzten Endes eine einzige Einheit bildet, gibt es grundsätzliche Wesensverwandtschaften zwischen all ihren Gesetzen und sogar Analogien zwischen der Struktur des menschlichen Geistes und der äußeren Welt. Daher ist die Physik ... in der Lage uns wirklichkeitsgerechte Analogien bereit zu stellen, die wir dafür verwenden können, dem Wissen, das wir anderweit, wie etwa aus der christlichen Theologie, gewonnen haben, eine neue Akzentuierung und Klarheit zu geben.“

Schon die biblische Erkenntnis, dass Wahrheit zur Freiheit führt (Joh. 8/32), kann in analoger Weise auf die moderne Physik übertragen werden. Wenn wir ein Wirkprinzip in der Quantenphysik verstanden haben, kann die Rückführung ins Evangelium eine präzisere Vorstellung von den dort verkündeten Prinzipien liefern. Die Quantenphysik verweist darauf, dass die Wirklichkeit keine objektive Realität, sondern schwebende Potentialität ist (Dürr), in der der Geist steuernden Einfluss nimmt. Nichts anderes bekundet der Vers 6/63 von Johannes, der dem Geist die erste Priorität zuweist:

„Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts.“

In analoger Weise könnte in der Quantenphilosophie formuliert werden: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch gibt’s nicht.“

Die Quantenphysik weist darauf hin, dass die Materie bei genauer Betrachtung zu verschwinden beginnt. Sie verhilft uns zu einer anderen, klareren Bewertung der Phänomene, zu denen wir in Beziehung stehen, aus denen wir schließlich unsere Erfahrung schöpfen.

George Berkeley behauptete schon im 18. Jh. (4): „Körperliche Dinge bestehen nicht aus Materie, sondern sind komplexe Gebilde von Empfindungen oder Vorstellungen in jemandes Bewusstsein.“

Dürr äußert sich zum Verhältnis von Physik und Transzendenz:

„Eine konsistente Erklärung der Quantenphänomene kam zu der überraschenden Schlussfolgerung, dass es eine objektivierbare Welt, also eine gegenständliche Realität, wie wir es bei unserer objektiven Betrachtung als selbstverständlich voraussetzen, gar nicht >wirklich< gibt, sondern dass sie nur eine Konstruktion unseres Denkens ist, ...“

Demnach liegt es an unserem Denken, dass wir den Tisch oder den Stein als festen Gegenstand empfinden. Dabei erhebt sich die Frage, aus welchem Material bestehen dann die Atome bzw. ihre „Bausteine“ die Elementarteilchen, wenn die Gegenstände selber eine Konstruktion unseres Denkens sind. Die Antwort, dass die Elementarteilchen aus überhaupt keinem Stoff bestehen, ist mittlerweile weitgehend bekannt, aber sie verblüfft immer wieder, weil es die Vorstellungskraft unseres Verstandes übersteigt.

Dass Material nicht aus Material besteht, klingt wirr und zugleich bestechend. Es ist aber wahr, denn es ist mathematisch belegt und durch die Praxis verifiziert. Sogar positivistische Denker können dem zustimmen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Sprache nicht ausreicht, um den Charakter der Elementarteilchen treffend mit Worten zu schildern. Obwohl sie nicht aus Material bestehen, haben sie dennoch eine messbare Masse und eine Geschwindigkeit, mit der sie in ihrer Gitterstruktur schwingen.

Der Träger des Zustands ist ohne stoffliche Struktur, es ist der leere Raum oder das Feld, das voll mit Energie ist. Es ist kaum zu glauben, aber die ganze Welt besteht nicht aus totem Material, sondern ist voll mit immaterieller Dynamik. Um uns herum wabert und schwingt es, nichts ist starr.

Jedenfalls ist der Zustand abstrakt und kann nur mit ziemlich komplizierten Differentialgleichungen (Maxwell`sche Gleichungen) ausreichend beschrieben werden. Der Zustand zeigt sich als systematisches Gedankengebilde ohne die geringste Stofflichkeit, und daraus bestehen wir und die Welt.

Der Physiker James Jeans bezeichnet die Welt als eine Welt des Gedankens, die man nur mit Hilfe der Mathematik näher fassen könnte, und Werner Heisenberg sagt von den Elementarteilchen:

„Diese kleinsten Einheiten der Materie sind tatsächlich keine körperlichen Objekte im gewöhnlichen Sinne; sie sind Formen, Ideen, die nur in mathematischen Begriffen eindeutig ausgedrückt werden können.“

Der Nobelpreisträger Erwin Schrödinger versteht die Wirklichkeit als Geist, wenn er ausführt:

„Die Sprache hat sich der uralten Sustanzhypothese so ganz und gar angepasst, daß wir fast notgedrungen denken, wenn wir die Worte ´Form´ oder ´Gestalt´ hören, sie wären sinnlos, wenn wir nicht sagen, was diese Form oder Gestalt hat; es müsse, denken wir, doch ein Substrat sein als Träger der Gestalten. ... Aber wenn wir zu den letzten Partikeln kommen, die die Materie ausmachen, erscheint es sinnlos wiederum zu denken, dass sie aus irgendeinem Material bestünden. Sie sind sozusagen ´reine Gestalt´, nichts als Gestalt; was bei wiederholten Beobachtungen immer wieder auftaucht ist diese Gestalt, nicht ein einziges Stäubchen von Materie.“

Form ohne Substanz widerspricht dem Vorstellungsvermögen unseres Bewusstseins, denn unser Bewusstsein kann sich Form nur aus materiellen Träger-Strukturen denken; es muss noch lernen Form auch geistig zu verstehen.

Fritjof Capra beschreibt das Quantenphänomen als Beziehung von Beziehungen die geistig – und keine körperlichen Objekte sind.

Und R. Sheldrake zitiert den Physiker Sir Arthur Eddington, der 1928 schrieb:

„Der Geist beeinflusst den Körper, in dem er die Form quantenmechanischer Ereignisse im Gehirn durch Einflussnahme auf die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens präge.“

Möglicherweise wird hier schon eine Beziehung zum Placeboeffekt angedeutet.

Konkret schreibt Lothar Schäfer unter der Überschrift „Der Geist als Grundlage der Wirklichkeit“ (4; S.118):

„Elementarteilchen können in makroskopisch sichtbarer Weise auf den Fluss von Informationen reagieren, als ob sie von dem beeinflusst würden, was wir von ihnen denken.“

Praktisch bedeutet das: in Wirklichkeit sind alle erkennbaren Gegenstände nicht aus der trägen Substanz, die wir mit unseren Sinnen zu erkennen glauben. Natürlich läuft das unserer Erfahrung und dem gesunden Menschenverstand zuwider, wenn wir verstehen sollen, dass alle materiellen Gegenstände Trugbilder sind, auf die wir aber Einfluss ausüben können.

Die mit den Sinnen erkennbare materielle Realität wird veranstaltet von einem Zusammenspiel immaterieller Ereignisse und Prozesse.

Das sollte einmal in Ruhe reflektiert werden, denn die wahrnehmbare Wirklichkeit ist ein perfekter Bluff. Diese Schlussfolgerung verlangt von uns eine grundlegend andere Sicht aller irdischen Phänomene. Gleichzeitig eröffnet es neue Perspektiven, wenn uns die Quantenphysiker erläutern, dass die Materie eine Konstruktion unseres Denkens ist, d. h. einer Denkweise entstammt, die sich lediglich auf die Sinne gründet.

Es klingt beinahe mysteriös, wenn wir neuerdings durch die Quantenphysik erfahren, dass der Geist die Materie erreicht und seinen Einfluss geltend macht. Der gedachte Gedanke befindet sich nicht mehr neutral und einflusslos „neben“ der kompakten Substanz, sondern er wirkt auf sie ein, weil sie selber aus Prozessen besteht, die theoretisch sind, nicht materiell. Der Geist inspiriert das Geistige.

Um die moderne Naturwissenschaft wirklich zu verstehen, müssen wir nach den Kriterien der klassischen Physik erst einmal gestorben sein, damit wir nicht mehr der Beschränktheit des menschlichen Verstandes unterliegen. Das Raum-Zeit-Kontinuum beispielsweise kann nicht von Wesen verstanden werden, die den Raum und die Zeit noch für getrennt halten und getrennt handhaben. Es hat die Naturwissenschaft – genauso wie das Evangelium – ihre Wurzeln in der Transzendenz. Um die Wirklichkeit zu begreifen, leben wir alle viel zu kurz. Ein einziges Menschenleben reicht bei der unendlichen Komplexität nicht aus, um z. B. Einsteins Relativitätstheorie zu verstehen.

Deshalb können wir es nicht ohne weiteres akzeptieren, dass der traditionelle Begriff der festen Materie aufzugeben ist.