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Es ist die Vergangenheit, die uns prägt, die Gegenwart, die uns ausmacht und die Zukunft, die uns verunsichert. Feline muss schnell erwachsen werden, als sie mit 10 Jahren in eine neue Welt rutscht. Sie spürt das es etwas in ihrer Vergangenheit gab, was ihr in diesem Leben fehlt. Als sie findet wonach sie sucht, weiß sie, wie viel sie bereit ist zu geben, um es nie wieder zu verlieren. Denn das was wirklich zählt ist Liebe.
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Seitenzahl: 283
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Mady Chambers
Wo du auch sein wirst
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Epilog
Impressum neobooks
Wo du auch sein wirst
Mady Chambers
Für die großen Lieben meines Lebens,
sie wissen wer gemeint ist.
Und für den Einen.
Damals.
Es war ein sonniger Morgen, in einem kleinen verschlafenen Ortsteil einer großen Stadt, etwas außerhalb in einem kleinen Waldstück gelegen. Bereits jetzt war es schon so warm, dass sogar die Vögel sich schattige Plätze suchten. Die Luft flirrte um die besonders heißen Stellen und gab einem das Gefühl sich in einer Wüstenstadt zu befinden. Feline spielte mit ihrem kleinen Bruder im Garten ihres herrschaftlichen Hauses. Es war eine wunderschöne Villa. Prunkvoll und gepflegt. Die gesamte Anlage war ganz bewusst angelegt worden, um jedem Besucher zu zeigen, dass hier das Geld wohnte.
Sie wohnte dort mit ihren Eltern und da es genug Zimmer gab, musste sie sich mit ihrem Bruder noch nicht mal ein Zimmer teilen. Oft genug fragte sie sich, wozu man so viele Zimmer brauchte, wenn es nicht genug Menschen gab, die dort drin wohnen konnten.
Große Holzfenster ließen in jeden Raum genug Licht, riesige, hohe Decken ließen die Zimmer noch größer wirken. Wenn man noch so klein war wie Feline, dann konnte man schnell das Gefühl haben in dem großen Haus verloren zu gehen. Es gab aber auch genug Platz um sich zu verstecken, wenn der Vater böse auf einen war, oder der Bruder einen ärgerte. Feline wuchs in einer Zeit auf, in der die Frauen den Männern gehorchen sollten, oftmals nicht arbeiteten und zu Hause für Kinder und Haushalt verantwortlich waren. Jedoch hatte Felines Mutter eine Haushälterin, deshalb fragte sie sich oft, was ihre Mutter eigentlich dann den ganzen Tag tat. Feline selbst wurde schon in ihrem jungen Alter dazu erzogen zu gehorchen. Zunächst ihren Eltern und der Haushälterin, aber dieser nur bedingt. Später dann einmal ihrem Ehemann. Feline hatte jedoch ihren eigenen Kopf und hielt es oftmals nicht für nötig, jeder Anweisung Folge zu leisten. Das Haus war auf einer kleinen Anhöhe gelegen, mit einer eigenen Zufahrt und einem riesigen Teich vor dem Grundstück. Der Teich war öffentlich und durfte auch von anderen Menschen benutzt werden, der Garten des Hauses allerdings nicht, da durften nur sie hin.
Oft stand Feline vor dem alten Zaun und schaute hinunter auf das Wasser, sie beobachtete die fremden Familien, die Enten fütterten oder spazieren gingen. Bei dieser Hitze gingen jedoch nicht viele Menschen vor die Tür. Sie zogen es dann vor in ihren kühleren Häusern zu verweilen und auf den Abend zu warten, um hinaus zu gehen. Sie selbst durfte nur selten hinunter und alleine schon gar nicht.
Entweder musste sie die Haushälterin mit Bitten und Betteln überreden, oder ihre Mutter erbarmte sich mitzugehen. Das waren aber sehr seltene Ausflüge.
An diesem Morgen spielte Feline wie gesagt mit ihrem kleinen Bruder Charlie im Garten. Charles war 6 und Feline 10 Jahre alt. Normalerweise hörte Charlie immer auf das was sie sagte und das gefiel ihr ganz gut. Sie kam sich dann wie eine Erwachsene vor und konnte bestimmen, was das Kind tun sollte. Da sie sonst nicht allzu viel zu bestimmen hatte, nutzte sie diese Gunst solange sie noch konnte. Sie wusste, dass es kommen würde und Charlie über sie bestimmen würde. Es wurde immer wärmer im Garten und die große Tanne spendete noch keinen Schatten, die Sonne stand zu hoch. Feline sehnte sich danach ihre Füße in den kühlen Teich zu hängen und mit dem Wasser zu planschen. Sie versuchte über den Rasen zu laufen, ohne die Gänseblümchen kaputt zu machen.
Von ihrer Mutter oder der Haushälterin war weit und breit nichts zu sehen.
„Charlie, wenn ich den Ball über den Zaun fallen ließ, würdest du ihn holen wollen?“
Ihr kleiner Bruder zog die Stirn in Falten und legte den Kopf schief. Er war nicht dumm, obwohl er erst 6 Jahre alt war, wusste er genau was er durfte und was nicht.
„Nein, das dürfen wir nicht.“ Er machte dicke Backen.
„Aber es ist dein einziger Ball und du bekommst sicher keinen Neuen.“
Er stemmte seine kleinen Fäuste in die Seiten und schürzte schmollend die Lippen.
„Du darfst den Ball nicht da runter werfen.“
Mit einem „ups“ ließ Feline den Ball fallen, er rollte über die kleine Straße die zwischen der Anhöhe des Hauses und dem Teich verlief und mit einem „Platsch“ landete er im Wasser. Dicke Kullertränen sammelten sich in den Augen ihres kleinen Bruders.
„Oh man, Jungs weinen nicht, du Baby.“
Seine Unterlippe zitterte und Feline wusste, dass es gleich Geschrei geben würde, wenn sie nicht sofort etwas unternahm.
„Ist ja gut, du Baby, ich gehe und hole ihn.“
Das Zittern beruhigte sich und die Zornesfalte in Charlies Stirn glättete sich ebenfalls ein wenig.
Feline schlüpfte durch ein Loch im Zaun hinter einer Hecke und Charlie rannte schnell an die lange Seite des Gartens um sie beobachten zu können. Sie schlängelte sich durch die, von den Kutschen hinterlassenen, Pferdeäpfel und schon stand sie direkt am Wasser. Der Ball hatte sich in ein paar Ästen verheddert die ins Wasser ragten. Er war also nicht ohne weiteres raus zu fischen. Sie sah sich nach einem langen Stock um, fand einen ein paar Meter von ihr entfernt und versuchte damit nach dem Ball zu angeln. Fast hatte sie ihn erwischt, da sprang er durch das schwappende Wasser noch weiter weg und trudelte in die Mitte des Sees.
Charlie fing oben am Zaun schon wieder an zu jaulen und Feline legte einen Finger auf ihre Lippen um ihm zu zeigen, dass er still sein soll. Es half nichts, sie musste also um den Teich ein Stück herum gehen um vielleicht von der anderen Seite an den Ball zu kommen. Fast bekam sie ein schlechtes Gewissen, da sie ihre Mutter und die Haushälterin hinterging, aber sie war zu beflügelt vom Reiz des Verbotenen und außerdem musste sie den Ball ja wieder zurückholen. Sie hüpfte den Weg um den Teich weiter, ihr weißes Kleidchen mit den roten gestickten Blumen drauf flatterte dabei ihm Wind. Sie hätte viel lieber Hosen angehabt wie Charlie und ein Hemd. Das war sicher viel bequemer.
Ihre blonden Locken hatte ihre Haushälterin heute früh zu Zöpfen hochgeflochten. Feline mochte diese Frisuren nicht, sie drückten und machten Kopfschmerzen, aber ihre Mutter wollte es so.
„Du siehst aus wie eine kleine Dame“, sagte sie dann immer. Welches kleine Mädchen wollte schon wie eine alte Dame aussehen?!
Eine kleine Weggabelung brachte Feline zum Stehen. Links ging es weiter um den Teich herum, rechts schimmerte irgendwas auf dem Boden einer kleinen Lichtung.
Die Bäume um den Teich waren hochgewachsen und machten es in manchen Ecken schwer zu erkennen was auf dem Weg vor einem lag. Trotz der hellen Sonne. Aber irgendetwas blitzte dort und Feline war einfach zu neugierig. Sie zuckte mit den Schultern. Ärger würde sie sowieso bekommen.
Sie blickte noch einmal in Richtung Haus und konnte Charlies kleinen dicken Arme durch den Zaun winken sehen. Sie wusste dass er Angst hatte, dass sie beide Ärger bekommen könnten. Berechtigt, vermutete Feline. Das würde als geringste Strafe mit Hausarrest enden, wenn nicht mit schlimmerem. Sie lief schnell zu der Lichtung, die vom Teich wegführte und näherte sich dem Blitzen. Zwischen zwei Bäumen an einer Gabelung lag eine große viereckige Glasscheibe auf dem Boden. Das Gras um die Bäume war relativ hoch gewachsen, so dass Feline näher ran gehen musste um genau zu sehen was darunter war. Die war ihr noch nie aufgefallen.
Die Scheibe lag wie ein Deckel auf einem viereckigen Tunnel, der senkrecht in die Erde ragte.
Das Glas stand nur ungefähr 15 cm aus der Erde heraus. Zwischen Tunnel und Glas war ein kleiner Luftraum, da die Scheibe auf kleinen Säulen unter jeder Ecke lag.
Feline versuchte durch die Scheibe in den Tunnel nach unten zu blicken, aber sie sah nur ein paar grüne Pflanzen, die sich von unten an das Glas drückten und den Tunnel hinunterwuchsen. Oder hinauf dachte sie. Ob das Glas sie halten würde? Wenn sie sich oben drauf stellte, konnte sie vielleicht besser sehen was darunter lag?
Sie legte den Kopf schief und setzte vorsichtig einen Fuß drauf. Sie testete wie stabil es wirklich war, dann verlagerte sie ihr Gewicht nach vorne und zog den zweiten Fuß hinterher.
Das Glas schien sehr dick zu sein und hielt sie problemlos. Sie kniete sich hin und hielt ihre Nase ganz dicht über der Scheibe. Sie war sehr schmutzig und ihre Kniestrümpfe jetzt mit Sicherheit auch.
Mutter würde schimpfen.
Aber sie war einfach zu neugierig. Der Tunnel war ganz dunkel, nur ein kleines Licht schien am Ende zu leuchten, aber was könnte das sein? Feline kniff ihre Augen zusammen.
Sie hörte ihren kleinen Bruder ihren Namen rufen. Aber er traute sich noch nicht richtig laut zu rufen. Er hatte zu viel Angst, dass ihre Mutter ihn hörte. Feline konzentrierte sich wieder auf den Tunnel und kniff die Augen erneut zusammen. Sie sah immer noch nur das kleine Licht.
Das Glas um ihre Knie fing an zu flimmern. Feline erschrak und wollte noch runter springen, aber es war zu spät. Mit einem Klack war das Glas verschwunden und sie fiel in den Tunnel, steil nach unten. Sie versuchte zu schreien, aber der Luftstrom der durch den Fall von unten nach oben zischte raubte ihr den Atem.
Sie fiel und fiel und fiel und konnte während des Fallens ihren ersten Schreck schon wieder vergessen und sah sich um, aber außer schwarz war nicht viel zu sehen. Sie fiel immer noch und versuchte nach unten zu schauen, das kleine Licht kam immer näher. Irgendwann musste doch der Boden kommen. Nach ein paar Sekunden sah sie tatsächlich einen grünen Boden auf sich zu rasen. Jetzt packte sie wieder die Angst, den Aufprall konnte sie doch nicht überleben, sie war viel zu schnell und würde sich schrecklich wehtun.
Es waren nur noch Zentimeter und ihr Po berührte den grünen Rasen und schleuderte sie wie ein Trampolin wieder in die Luft. Sie quietschte schrill, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie federte zurück auf den grünen Rasen und hopste dann nur noch etwas, bis sie schließlich zum Stillstand kam. Schnell versuchte sie sich aufzurappeln, der Boden war plötzlich nicht mehr weich sondern hart, wie normaler Rasen. Kein Trampolin mehr. Zwischendurch hatte sie schon gedacht, dass sie am anderen Ende der Welt hinauskommen müsste, so lange wie sie gefallen war. Sie strich sich das Kleid glatt, eher aus Gewohnheit, denn sie sollte immer ordentlich aussehen, und fing an sich umzusehen. Es war sehr hell, der Fall durch den dunklen Tunnel hatte ihre Augen an das dunkle Licht gewöhnt, deshalb war sie noch immer geblendet und musste die Augen zusammen kneifen. Nur langsam konnte sie ihre Umgebung ausmachen.
Über ihr schien der Himmel zu sein, strahlend blau. Sie stand auf einer kleinen Lichtung mitten in einem Wald. Die Bäume waren riesig, noch viel höher als in dem Wald bei ihr zu Hause. Wie konnte denn über ihr ein Himmel sein? Sie war doch in die Erde gefallen?
Heute.
Der Wecker riss sie augenblicklich aus einem tiefen Schlaf. Es gab Nächte da schlief sie so fest, dass ihre innere Uhr nicht richtig funktionierte und sie den Wecker erst gar nicht hörte.
„Mist Ding.“ Sie schlug mit der linken Hand blind nach dem Wecker. Die Schlafmaske hatte sie immer noch über den Augen und auch keine Lust sie abzumachen. Sie erwischte ihn fast und hörte noch wie er von dem Nachttisch auf den Boden fiel und munter weiter schrillte. Da sie den Wecker nicht ignorieren konnte, musste sie wohl aufstehen. Sie schob die Schlafmaske hoch und suchte mit den Füßen nach ihren Hausschuhen. Der Holzfußboden war morgens immer noch so kalt. Sie rutschte vom Bett und torkelte ins Bad. Früh aufstehen war wirklich nicht ihr Ding. Sie machte die Dusche schon mal an, damit sie auch heiß war, wenn sie drunter stieg. Der Boiler brauchte immer etwas Vorlauf. Wasserverschwendung, aber kalt duschen kam nicht in Frage. Nicht um die Uhrzeit.
Sie streifte ihr Nachthemd aus und putzte sich schon mal die Zähne. Als sie unter die Dusche stieg war das Wasser noch nicht wirklich heiß, aber wenn sie nicht zu spät zur Arbeit kommen wollte, dann hieß es jetzt Luft anhalten und schnell machen.
Sie prustete und beeilte sich wie eine Wilde sich schnell die Haare zu waschen. Innerlich verfluchte sie ihre geizige Vermieterin, dass sie diesen uralten Boiler nicht schon vor Jahren ausgetauscht hatte. Geizhals. Zum Glück war der Boiler das einzig veraltete in ihrer Wohnung. Sie war komplett mit dunklen Holzdielen ausgelegt und die Möbel waren ein wildes Sammelsurium von diversen Flohmärkten. Sie liebte es, es war bunt und passte nicht zusammen und genau das war für sie das harmonische an ihrer Wohnung. Auch die Tapeten waren nicht dezent, sondern in verschiedenen Pastelltönen. Sie hatte jedes einzelne Detail ganz bewusst ausgewählt. Sie fühlte sich wohl und so sollte es schließlich auch sein. Nach dem Duschen wickelte sie sich in ein dickes Handtuch.
Haare föhnen und glätten, anziehen, etwas Make Up und sie hatte ihr Morgenprogramm geschafft. Sie hatte von Natur aus ziemlich wilde blonde Locken, die zu allen Seiten abstanden und ihr ständig in die Augen fielen.
Das morgendliche Glätten nahm zwar ordentlich Zeit in Anspruch, aber sie fand, dass sie so einfach erwachsener aussah. Seriöser vielleicht.
Sie löffelte schnell ein paar Cornflakes, schnappte sich ihre Aktentasche und stöckelte in ihren halsbrecherischen Pumps die steile Treppe hinunter. Das Kostüm das sie trug war für sie die reine Folter. Aber in der Redaktion wurde das eben so erwartet und ihre Chefin sah es gar nicht gerne, wenn man in Freizeitklamotten im Büro aufschlug. Also beugte sie sich dem Druck. Ihre Chefin war sowieso schon ungenießbar, auch wenn man die richtigen Klamotten anhatte.
Zum Glück war die Redaktion fußläufig erreichbar und auf dem Weg gab es einen kleinen Wagen, der Kaffee und Bagels verkaufte. Sie war morgens immer in Eile. Oliver ihr Standverkäufer wusste das, sie hatten mittlerweile eine eingespielte Morgenroutine entwickelt. Ihr Bagel mit Frischkäse und ihr Kaffee standen schon an der Seite bereit. „Guten Morgen Schönheit.“
„Guten Morgen Oli.“ Sie warf das Geld in sein Trinkgeldglas, schnappte sich die Tüte und den Kaffee und schenkte ihrem morgendlichen Lebensretter ein Lächeln. Sie flirtete immer gerne ein bisschen mit ihm. Er war zwar nicht ihr Typ, aber er war irgendwie süß. Sie quetschte sich in die Drehtür zu ihrem Bürogebäude und schaffte es gerade noch in den Fahrstuhl zu hechten, dessen Türen sich gerade schließen wollten.
25. Stock. Eigentlich hatte sie Höhenangst, aber das Großraumbüro in dem sie saß hatte nur an einer Seite Fenster und sie hatte bei den Gangplätzen damals freie Auswahl gehabt. Alle wollten viel lieber am Fenster sitzen und den Blick über die ganze Stadt genießen.
Ohne Höhenangst, hätte sie das sicher auch gewollt. Im Büro herrschte schon reges Treiben. Das hatte eine Nachrichtenredaktion wohl so an sich. Sie hatte andere gesehen, deshalb wusste sie, dass es bei anderen Zeitungen nicht anders war.
Vor ihrer Festanstellung hatte sie ein paar Praktika gemacht, nur um festzustellen, dass keine andere Redaktion sie wollte. Außer sie sah den Sinn als Journalistin darin, Kaffee zu kochen.
Dabei war sie eine gute Journalistin, aber der Markt war so überflutet von guten Journalisten, dass sie ihr meistens nur Stellen als Assistentin anboten. Dafür hatte sie nicht studiert, dachte sie. Sie hatte einfach noch keine Berufserfahrung und ohne wurde man einfach ungerne eingestellt. Jedoch hatte sie bei der NewsTown Glück und bekam ihre Zusage vor 3 Jahren. Das war ihre Rettung, denn arbeitslos zu sein, war keine Option. Aber ohne diese Zusage wäre das Wirklichkeit geworden.
Ihre Chefin stolzierte schon in ihrem gläsernen Büro auf und ab und so wie es aussah machte sie wieder jemanden durch ihr Telefon zur Schnecke. Sie hatte die blonden Haare fein säuberlich zu einer Hochsteckfrisur aufgetürmt. Keine einzige Strähne verirrte sich hinaus.
Die schmalen Lippen hatte sie immer in einem feuerrot geschminkt, dadurch wirkten sie noch schmaler. Meisten trug sie zu enge knallige Kostüme. Für viele ihrer Kollegen war sie der leibhaftige Teufel.
„Guten Morgen, du bist ja pünktlich. Bist du aus deinem Schlafgemach gepurzelt?“
„Guten Morgen dir auch. Und ja ich bin auch mal pünktlich. Ich will ja schließlich nicht das mich der Drache zum Frühstück verspeist.“
Sie duckte sich hinter ihrem Schreibtisch weg. Jeder Schreibtisch war von sogenannten Lärmschutzwänden umgeben, aber sie fand außer dass sie hässlich waren, erfüllten sie eigentlich keinen Zweck. Naja man konnte sie von innen mit Bildern bekleben, aber viel schöner wurden sie dadurch auch nicht. Den Nachbarschreibtisch hatte damals Jannes ergattert, ihr liebenswerter schwuler Leidensgenosse und Lieblingsfreund. Wahnsinnig schwul und außergewöhnlich herzlich und er war eine absolute Tratsch Tante.
„Hast du schon von Emma und Jan aus dem Archiv gehört?“ Er rollte auf seinem Schreibtischstuhl neben ihren Schreibtisch, damit sie ihn sehen konnte.
„Nein, wie könnte ich denn etwas vor dir gehört haben?“ Sie zwinkerte ihm zu.
„Jaja, dabei hast du es doch gerne, dass ich dich immer auf den neusten Stand bringe.“
„Natürlich, das weißt du doch.“
„Na gut, wenn du es unbedingt wissen willst, also, sie sollen es in der Kaffeeküche getrieben haben.“
„Igitt. Ich werde mir meinen Kaffee jetzt also nur noch außerhalb des Büros holen. Wolltest du mir das mitteilen?“ Sie verzog angewidert das Gesicht.
„An deiner Stelle würde ich das definitiv so machen. Ich bin auf Tee umgestiegen.“
„Aber nur weil Kaffee dich noch mehr aufdrehen würde und das würde ja keiner aushalten.“
„FELINE“, donnerte es aus der Ecke des verglasten Kastens von Büro, das ihre Chefin ihr Eigen nannte. Der Vorhof zu Hölle, wie es alle anderen gerne beschrieben.
„Das hast du nun davon, dass du mich immer ärgerst.“, neckte Jannes sie, aber auch er war zusammengezuckt.
„Scheiße.“ Sie raffte ihre Unterlagen zusammen und hoffte, dass sie nur für die nächste Ausgabe gebrieft werden wollte. Ihre Notizen lagen quer auf ihrem Schreibtisch verteilt. Ordnung zu halten fiel ihr nicht nur in ihrer eigenen Wohnung nicht leicht. An manchen Tagen war sie froh, dass sie ihre Computermaus fand. Der Schweiß brach auf ihrer Stirn aus. Nichtsdestotrotz straffte sie ihre Schultern, legte ihr blondes Haar ordentlich über ihre eine Schulter und eilte zu der bösen Königin.
„Guten Morgen Louise. Ich hoffe du hattest ein schönes Wochenende?“
Oh Gott es war erst Montag, dachte Feline, sie hatte also noch die ganze Woche vor sich.
„Setz dich und schließ die Tür.“
Sie tat wie ihr geheißen und setzte sich mit wackeligen Knien auf einen der roten Sessel vor dem Schreibtisch ihrer Chefin. Jeden Tag das Gleiche. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem sie keine Angst mehr vor ihr hatte, irgendwann. Bestimmt.
Leider war sie momentan auf ihr Gehalt angewiesen, ihre kleine Wohnung konnte sie sich sowieso schon nur mit Ach und Krach leisten und sie hatte auch keine Familie die sie finanziell oder auch emotional hätte auffangen können. Sie hatte nur ihre schwule Familie, bestehend aus Jannes. Und der hatte auch keine Kohle.
Er hatte schließlich denselben ziemlich schlecht bezahlten Job wie sie. Louise setzte sich auf ihren hohen, wie sollte es auch anders sein, roten Lederbürostuhl, überschlug die Beine und zeigte mit ihrem spitzen Bleistift auf Feline. Die Spitze bohrte sich quasi zwischen ihre Augen in ihr Gehirn. Feline beobachtete den Stift genau, um zur Seite hechten zu können, falls Louise sich doch noch entschließen sollte ihr den Stift in den Kopf zu rammen.
„Was macht der Artikel über die Brandstiftung in Brooklyn?“ Ihre Stimme war nasal und fast piepsig, aber doch scharf wie ein Rasiermesser.
„Fast fertig. Er muss nur noch einmal durch die Korrektur und kann dann gedruckt werden.“
Louises Lippen wurden schmal. Oft ein Zeichen dafür, dass sie keinen Einwand hatte, was eher selten der Fall war.
„Welche Story steht als nächstes auf deiner Liste?“
Sie hasste solche Fragen, Feline hatte viele Ideen, aber nie war auch nur eine ansatzweise gut genug um vor dem kritischen Urteil ihrer Chefin zu bestehen. Sie fragte sich dann immer warum Louise diese Frage überhaupt stellte. Vermutlich nur um sie zu schikanieren und ihre Ideen sofort zu zerschmettern. Feline versuchte trotzdem immer wieder ihr Glück. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss.
„Ich habe neulich eine interessante Geschichte gehört. Ich sprach zufällig mit einer alten Dame im Supermarkt an der Kasse.“
Louise verdrehte bereits die Augen. Feline beeilte sich um nicht unterbrochen zu werden, auch wenn Schnelligkeit Louise nicht davon abbringen würde ein knallhartes und voreiliges Urteil zu fällen.
„Wir kamen ins Gespräch über Familien und sie sagte mir, dass sie keinerlei Erinnerungen an ihre Familie hat. Sie hat sie nie kennengelernt und würde sie so gerne finden, weiß jedoch nicht wo sie anfangen soll.“
„Ach Feline, solche rührseligen Geschichten haben wir doch schon tausendmal gelesen. In jeder schlechten Fernsehshow werden diese Wiedervereinigungen gefeiert und die Zuschauer können sich zu Tode heulen.“
Sie hätte kaum abschätziger klingen können. Kein Wunder, dachte Feline, wäre sie in meiner Familie würde ich sie auch nicht wiederfinden wollen.
„Nein, ich meinte nicht verlorene Verwandte zu finden, sondern ich dachte eher an Ahnenforschung. Wo kommt man her, welchen Ursprung haben wir. Haben wir mal einem adeligen Kreis angehört, oder einem Heerführer.“Louise zog die Augenbrauen zusammen.
„Ich dachte daran, dass wir uns 2 oder 3 Personen nehmen und ihre Abstammung verfolgen, ob es Gemeinsamkeiten zwischen ihren Ahnen und ihnen gibt.“
Während Feline sprach, kramte Louise schon wieder in ihren Unterlagen und signalisierte meisterhaft ihr Desinteresse. Sie sah sie über den Rand ihrer spitzen Brille an, als hätte Feline kein einziges Wort gesagt.
„Ich habe hier eine Story von der ich möchte, dass du ihr nachgehst. Am Hafen soll es einen illegalen Fischhandel mit Edelfischen geben.“
Sie warf ihr die Akte mit den Informationen zu.
„Naja und wenn du dann noch Zeit findest, kannst du dich ja deiner kleinen Geschichte widmen.“ Ihr Ton hätte kaum abschätziger sein können, jedoch machte das Feline nichts aus. Das war das allererste Mal seit 3 Jahren, dass die Eiskönigin ihr nicht untersagte an einer Story zu arbeiten, die sie ihr vorgeschlagen hatte. Sie musste sich zusammenreißen nicht aus dem Büro zu hüpfen. Denn wenn Louise eines mit Sicherheit nicht leiden konnte, dann war es ihre Mitarbeiter glücklich gemacht zu haben. Also stand Feline mit einem Nicken langsam auf, raffte ihre Sachen zusammen und ging eiligen Schrittes aus dem Büro, bevor Louise es sich noch anders überlegte.
„Schick mir Paul rein, der Idiot hat es tatsächlich geschafft einen Tippfehler in der Titelstory zu übersehen.“, blaffte Louise. Der arme Paul, dachte Feline. Paul war schon seit 8 Jahren Teil des Teams. Er war groß und schlaksig und ein wirklich netter Kollege. Aber auch er ließ sich, wie alle anderen auch, von Louise einschüchtern. Sie schickte Paul voller Mitleid in das Büro der dunkeln Königin. Er ließ den Kopf hängen und hetzte in ihr Büro. Denn Warten mochte Louise noch weniger.
Feline ließ sich auf ihren Stuhl fallen und innerhalb von Sekundenbruchteilen erschien Jannes Kopf neben der Lärmschutzwand.
„War es sehr schlimm?“
„Du wirst es nicht glauben, ich darf meinen Artikel recherchieren!“
Jannes klappte die Kinnlade runter.
„Wie hast du das geschafft? Hast du ihr ein Kinderherz geopfert?“
„Keine Ahnung, ich glaube ihr hat das Thema gefallen. Natürlich hat sie mir noch so einen dämlichen Artikel über illegalen Fischhandel aufgedrückt, aber ich darf trotzdem für meine Story recherchieren.“ Feline jubilierte innerlich.
Jannes schüttelte verwundert den Kopf.
„Unglaublich, versau es bloß nicht.“
„Niemals.“ Feline war wild entschlossen ihre erste eigene Story gedruckt zu sehen.
Sie brannte vor Eifer und Aufregung sich Personen zu suchen, die für ihre Nachforschungen in Frage kamen. Doch bevor sie das Thema voll konzentriert angehen konnte, musste sie erst diesen Fischartikel fertig machen. Sie schnappte sich also ihre Tasche und ihr Diktiergerät und fuhr mit dem Taxi zum Hafen.
Die Fischerboote kamen immer gegen Nachmittag wieder in den Hafen, vorher jedoch, waren die Hilfsarbeiter in den Umschlagplätzen zugange und bereiteten alles vor. Auch der Koordinator war in seiner Blechhütte am Hafen und teilte die Dienste ein. Feline klopfte an seine Blech Tür. Die Koordinatoren bekamen oft am meisten von dem mit, was hier im Hafen so vor sich ging. Sie waren quasi die Zwischenhändler.
„Ja?“ blaffte eine rauchige, verlebte Stimme.
„Entschuldigen Sie bitte, dass ich störe. Ich bin von der NewsTown und recherchiere für einen Artikel über den Fischhandel.“ Eine tiefe Furche bildete sich auf seiner Stirn, jedoch weiteten sich seine Augen als er Feline sah. Ihr Kostüm saß so eng, dass er sofort ihre Kurven mustern konnte. Sie hatte in den letzten Wochen ein bisschen zugenommen. Sie fand das aber nicht weiter schlimm, sie hatte nur kein Geld um sich neue Klamotten zu kaufen. Sie war von Natur aus eher dünn und freute sich, dass sie endlich ein paar Kurven hatte. Jedoch brachte ihr Gegenüber sie im Moment dazu, das fast zu bereuen. Er war stark übergewichtig, rauchte zu viel und so wie es aussah trank er auch mehr Alkohol als Wasser. Der übervolle Aschenbecher und die leeren Whiskyflaschen neben seinem Schreibtisch verrieten ihn. Sein teigiges Gesicht wurde von einem leichten Schweißfilm bedeckt. In der Hütte war es nicht sehr heiß, aber vermutlich wurde ihm vom Drehen seines Schreibtischstuhles schon zu warm.
„Und wie kann ich Ihnen da helfen, Lady?“
„Sie könnten mir ein paar Fragen beantworten.“„Kommt darauf an was für Fragen“, grummelte er vor sich hin. Offensichtlich hatte er schon mal schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht. Wie die meisten Menschen die etwas zu verbergen hatten, dachte Feline.
„Ach, es sind ganz harmlose Fragen. Sehen Sie mich doch an, könnte ich böse Hintergedanken haben?“, sie lächelte ihr schönstes Lächeln. Es klappte, er knickte ein. Sie hasste es sich so unter Wert zu verkaufen und mit ihrem Äußeren zu kokettieren, aber es brachte sie, gerade in solchen Situationen, wenigstens an ihr Ziel.„Setzen Sie sich doch erst mal.“
Alles in ihr widerstrebte sich auf den dreckigen Stuhl zu setzen, der vor dem Schreibtisch stand. Aber um des Friedens willen und vor allem für die Story setzte sie sich und versuchte mit so wenig von ihrem Körper den Stuhl tatsächlich zu berühren.
„Wie war noch mal Ihr Name?“ Er musterte sie mit seinen kleinen Augen und sie fühlte sich mehr als unbehaglich, ließ sich jedoch nichts anmerken.
„Oh, entschuldigen Sie bitte, mein Name ist Feline March. Wie bereits erwähnt, arbeite ich für die NewsTown an einem Artikel über den Fischhandel.“
„Wollen Sie denn gar nicht wissen wie ich heiße?“ Er setzte ein ekelhaftes Lächeln auf und Feline fühlte sich noch unwohler. Er versuchte offensichtlich sie anzumachen.
„Calvin Dimp. Ihr Name steht vorne auf dem Schild an Ihrem Büro.“
Er zeigte mit seinem kleinen Wurstfinger auf sie. Sein Fingernagel war viel zu lang und sie musste bei dem Anblick fast würgen, beherrschte sich dann aber doch.
„Sie sind clever, ich mag intelligente Frauen.“Himmel, lass das hier schnell vorbei gehen, Feline schickte ein schnelles Stoßgebet zum Himmel und konzentrierte sich wieder darauf, weshalb sie eigentlich hier war.
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne direkt mit meinen Fragen beginnen.“
Sie lächelte distanziert und geschäftsmäßig. Er sollte sich bloß nicht zu viele Hoffnungen machen.„Alles was sie wollen“, schmalzte er.
„Mit welchen Fischarten handeln Sie hier normalerweise?“Sie zog ihr Diktiergerät hervor und startete die Aufnahme.„Hey, was soll das sein? Nehmen Sie unser Gespräch etwa auf?“
„Das ist reine Routine Mr. Dimp. Das gehört zu meinem Job und ist einfach viel zuverlässiger als Notizen. Ich vergesse so leicht die wichtigen Dinge.“ Sie warf eine Haarsträhne über die Schulter.
„Na gut. Ähm, Fischarten ja? Also wir haben hier viele verschiedene, besonders die Einheimischen, die hier vor unserer Küste rumschwimmen. Davon bekommen unsere Fischer am meisten ins Boot.“
„Verstehe. Importieren Sie auch exotische Fische? Ich meine, es gibt doch sicher auch Kunden die Außergewöhnliches bevorzugen oder?“
„Na klar, wir sind hier ein riesen Hafen Schätzchen. Da kommen ab und zu natürlich auch mal ein paar Schiffe aus dem Ausland an und bringen uns auch außergewöhnliche Tiere.“„Die sind doch aber sicher schrecklich teuer oder?“
Er lachte und sein riesiger Bauch wackelte wie Pudding.
„Für die armen Menschen sicher viel zu teuer.“„Finden Sie denn dann überhaupt Abnehmer?“„Es gibt immer welche die an den außergewöhnlichen Dingen interessiert sind.“
Er zwinkerte ihr zu und ihr wurde schlecht.Sie versuchte sich zu beruhigen und sagte sich still, einfach weiter machen, du hast ihn gleich.„Ganz unter uns Mr. Dimp, gibt es auch verbotene Fische, die hier über den Ladentisch gehen? Es gibt doch sicher auch Interessenten für solche Dinge oder?“
Sie lehnte sich ein Stück zu ihm vor um ihm zu zeigen, dass sie natürlich nur ein Geheimnis mit ihm teilen wollte und um ihn in ihren Ausschnitt sehen zu lassen.
Er schielte zuerst in ihren Ausschnitt und dann auf das Diktiergerät. Offenbar hin und hergerissen, wieviel er preisgeben sollte um sie zu beeindrucken.„Mr. Dimp, ignorieren Sie das einfach. Ich kann es auch gerne einfach wieder in meine Tasche tun.“Sie sagte schließlich nicht, dass sie es ausschalten würde, also log sie wenigstens nicht. Er nickte.
„Ja das wäre mir deutlich lieber.“ Sie ließ das Gerät in ihre Tasche gleiten.
„Also, wie sieht es mit den verbotenen Tieren aus?“ Sie zwinkerte ihm wieder zu.
Nach dem Gespräch stand Feline abrupt auf. Sie hatte alle Informationen die sie benötigte und übel war ihr dazu auch noch.
Er plauderte wie ein Wasserfall und es war einfach nur grausam was sie den armen Tieren antaten. Sie würde seinen Namen als anonyme Quelle nennen, aber sie würde ihn an eine Tierschutzorganisation weitergeben. Allein durch den Artikel würden die Tierschützer schneller auf diese Verbrecher aufmerksam, als er seinen nächsten Schluck Whisky trinken konnte.
Sie schnappte sich ihre Tasche nickte ihm zu und ging schnellen Schrittes aus dieser verseuchten Blechhütte.
Sie brauchte frische Luft.
Er war erstaunt über ihren schnellen Aufbruch, aber der Whisky den er während seiner Erzählungen in sich reingeschüttet hatte, ließ ihn zumindest bis morgen vergessen haben, was er dort gerade alles ausgeplaudert hatte.
Sie sog die Luft am Hafen tief ein. Es roch zwar nach Fisch, aber das war immer noch tausendmal besser als der Zigarettengeruch gemischt mit abgestandenem Schweiß.
Sie straffte sich und ging den Pier entlang in Richtung Promenade. Dort würde sie am schnellsten ein Taxi bekommen, dass sie zur Redaktion zurück brachte. Sie bog gerade um die Ecke, als ihr eine Gestalt entgegenschlenderte. Eine Hand in der Hosentasche seiner Jeans in der anderen Hand eine Zigarette.
Sie kannte die Gestalt.
Jeremy King.
Er tauchte ständig da auf, wo sie auch war. Das war das Problem als Journalist, die Konkurrenz war einem ständig auf den Fersen, oder eben umgekehrt. Man musste schnell sein um die guten Geschichten zu bekommen.
Er war es auch, der ihr schon die besten Storys vor der Nase weg geschnappt hatte und sie durfte sich dann bei der Eiskönigin das Donnerwetter abholen, wie es denn sein könne, dass die Konkurrenz die Story zuerst brachte.
Sie hasste ihn und sie hatte mehrere Gründe:
Er schnappte ihr ständig die Storys weg
Wegen 1. bekam sie zusätzlich den Zorn ihrer Chefin zu spüren
Er sah unverschämt gut aus
Er wusste, dass er unverschämt gut aussah
Er setzte dieses Wissen ohne Hemmungen ein
Man könnte jetzt sagen, dass Feline nicht viel besser war, schließlich hatte sie Calvin Dimp auf genau die Art manipuliert. Aber sie fand, dass das was ganz anderes war.
Sie war schließlich nicht mit ihm ins Bett gestiegen. Bei dem Gedanken daran wurde ihr wieder übel und sie verdrängte ihn ganz schnell.
"Da ist ja die schönste Journalistin in ganz New York." Er grinste sie breit an.
Sie nickte. "Jeremy."
"Warum so unterkühlt? Ich vermute mal Sie haben Ihre Story schon in der Tasche."
"Ganz recht. Und diesmal kommen Sie zu spät."
Es war zum verrückt werden, wie konnte ein Mann so gut aussehen? Er hätte auch direkt aus einer Hugo Boss Werbung spazieren können.
Er hatte fast schwarze Haare, sie waren etwas unordentlich geschnitten, aber es sah gewollt aus, er hatte diesen Out-of-bed-Look. Sein 3-Tage Bart sah nicht nach Faulheit aus, sondern wie ein Fashion Statement. Und nicht nur sein Kopf sah aus wie von einem Hugo Boss Model, an seinen Körper wollte Feline gar nicht erst denken.
Als wäre das noch nicht genug, kamen noch stahlblaue Augen hinzu, wie bei einem Husky.
Nach ihrer Meinung war es eine Frechheit so auszusehen und dann auch noch so erfolgreich in seiner Branche zu sein.
Sie konnte mit ihrem Charme vielleicht einen Calvin Dimp beeindrucken, aber er konnte dasselbe mit Präsidenten Gattinnen und politisch hochrangigen, bevorzugt geschiedenen oder unglücklichen, Frauen machen. Dabei sprangen definitiv die besseren Storys raus.
Der kleine Hafenkoordinator, der mit ein paar illegalen Fischen handelte war da nicht so eine große Sache.
„Vielleicht bin ich gar nicht wegen der Story hier, sondern wegen Ihnen?“
Feline schnaubte.
„Ja sicher. Sie können Ihren Charme gerne woanders versprühen. Bei mir zieht das nicht.“
Er sah an ihr herunter und sein Blick blieb an ihren Beinen hängen.
Wie gerne hätte sie jetzt eine Hose an.
„Schade eigentlich.“ Er grinste frech.
„Chauvi.“ Sie zischte erhobenen Hauptes an ihm vorbei.
