Wo liegt eigentlich Seetage? - Renate Nottorf - E-Book

Wo liegt eigentlich Seetage? E-Book

Renate Nottorf

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Beschreibung

Renate Nottorf wurde im Jahre 1949 in Winsen an der Luhe geboren, ist dort aufgewachsen und hat unter Anderem, in ihrem Roman: DURCHGEKNALLT WIEDERGEBOREN, bereits darüber geschrieben. In diesem zweiten, autobiografischen Roman, nimmt sie Dich an die Hand und geht lachend mit Dir auf Kreuzfahrtschiffe, um die Destination Seetage zu suchen. Ob an Land auf Familienfeiern, auf hoher See auf dem FKK Deck, oder im Rettungswagen, der Klabautermann ist dabei und hat seine Finger im Spiel. Es bleibt kein Auge trocken vor Lachen, wenn die Situationen die Lachmuskeln zu Höchstleistungen animieren. Mit Delfinen schwimmen und in der Südsee spazieren gehen, ist ebenso angesagt, wie einen Tempel im Himalaya aufzusuchen. Einfach mal 5 grade sein lassen und in der Destination Seetage humorvolle, erlebnisvolle Stunden erleben.

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Im Hier und Jetzt

LEBEN

Aus tiefstem Herzen

LIEBEN

So viel und so oft du kannst

LACHEN

Jeder Tag des Lebensist ein besonderer, einzigartiger Tag.

Gehe einmal mit mir an den Seetagen durch heitere, nicht immer ernst zu nehmende Episoden.

Laß dich entführen in die Geschichten, die das Leben schreibt.

Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff Kaffeekränzchen auf dem Hausboot Familienfeiern, die aus dem Ruder laufen Enkel, die den Blutdruck boostern Freunde, die eigentlich Feinde sind sowie Meditationen:

schwimme mit Delfinen, gehe in einen Tempel, spaziere am Südseestrand.

All das und mehr, wird neben weiteren, heiteren Geschichten einmal durch ein Fernrohr näher betrachtet und dann mit, oder auch ohne Rettungsring über Bord geworfen.

Viel Spaß beim Lesen

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Herzkatheder sucht Panikattacke für gemeinsame Unternehmungen

Kapitel 2

der späte Vogel verarscht den Wurm

Kapitel 3

ein Seetach auf ´m Hausboot

Kapitel 4

Segleranzug oder Rolex?

Kapitel 5

Enkel Seeh-Tag mit Zauberstab

Kapitel 6

ein Rettungsring aus Platin

Kapitel 7

von Tee-süchtig zu See -tüchtig

Kapitel 8

die Kuh-sine liebt Aquamarine

Kapitel 9

Seemannsgarn als Abendgarderobe

Kapitel 10

Seerenade auf Deck 14

Kapitel 11

Fisch-Frikassee ist keine Bowl

e

Kapitel 12

Wasserbett oder totes Meer

Kapitel 13

WEISS-heiten am Fuß

Kapitel 14

Klabautermanns Cousin

Kapitel 15

Dekadenz trifft Demenz

Kapitel 16

Schwimmen mit Delfinen 1 Schwimmen mit Delfinen 2

Kapitel 17

Seetagsübung, visualisiere Dir einen Spaziergang am Südseestrand

Kapitel 18

Seetagsübung, visualisiere Dir einen Spaziergang in einen Tempel

…Du triffst in diesem Buch auf:

Zank alias Dieter, Ehemann, Meckerer, Rudelführer, kann auch ganz nett sein, seit 57 Jahren mein Begleiter.

Gawain, Sohn und notorischer Nörgler, seit 1976 trage ich seine Nabelschnur als Kette um den Hals.

Anna, Enkelin und Erzieherin ihres pubertierenden inneren Kindes

Lena, Enkelin mit Biß, hat Feingefühl fürs Grobe ist bodenständig

Theresia, Schwiegermutter mit Größe 32+ und einem Überseekoffer voll Lippenstifte

Gustav, verstorbener Schwiegervater, der grad von Wolke7 auf uns schaut und endlich mal lacht

Hansi, Witwer, nach Gustav nun Theresias Moderator, Sponsor und Putzhilfe

Julia, Fußpflegerin auf Partnersuche

Wiebke, schmarotzende Cousine

Volker, Wiebkes hochwichtiger Mann

Bernie, einäugig, der liebste Jack Russel Rüde

Lilli, Bettschläferin, die Muse von Bernie

Gismo, der Kater hat uns adoptiert

…und oder weitere Gestalten

Kapitel 1

Spieglein, Spieglein, in meiner Hand, ich bin die Ausgeschlafenste, hier auf der Bettkant. Jede Person, die besser aussieht als ich, ist jünger, oder geliftet. So beginne ich jeden meiner Tage. Wenn ich mich selbst nicht schön finde, wie kann ich es dann von Anderen erwarten. Mir gehen die meisten Menschen eh am Arsch vorbei, denn ich kann es nicht 7,8 Milliarden Menschen recht machen. Wichtig ist für mich, daß ich mir selbst alles recht mache und zufrieden bin. Wenn ich zufrieden durch den Tag gehe, kann ich Zufriedenheit verbreiten, das ist doch auch ein schöner Beitrag für die Allgemeinheit.

Der Spiegel in meiner Hand vibriert leicht und ich schaue nochmal hinein. Bin ich das wirklich? Vor vielen, vielen Jahren traf ich einmal eine sehr alte Fee im Wald. Sie zupfte ihre Hörgeräte zurecht und sagte dann zu mir: „Du bist aber ein hübsches, kleines Mädchen. Ich erfülle Dir 2 Wünsche, sage sie mir nun und sie werden später in Erfüllung gehen.“

Mit großen Augen schaue ich die alte, faltige Frau mit den gelben, schon löchrigen Zähnen an und sage zu ihr: „Wenn ich einmal groß bin, möchte ich schöne Zähne und keine Falten haben.“ Sie nickt, fuchtelt mit ihrem Zauberstab vor meiner Nase herum und sagt: “Geht in Ordnung, wird so gemacht.“ Dann geht sie weiter, ich gehe nach Hause und vergesse die Angelegenheit. Nun sitze ich hier vor dem Spiegel und sehe mich mit schönen Falten, aber wenig Zähnen. Die Alte hatte ihre Hörgeräte wohl abgestellt und die Wünsche verwechselt. Egal, wenn man wenig Zähne hat, kann man sich auch nicht überall dran festbeißen. Schöne Falten sind außerdem halt die Landkarte meines Lebens.

Meine Katze Gismo und die beiden Jack Russell Terrier Bernie und Lilli lieben mich so, wie ich bin. Hauptsache der Fressnapf ist gefüllt, die Spaziergänge mit den Hunden sind ausgedehnt und der Kater wird stündlich gebürstet und geknuddelt. Schön ent-spannt gehe ich in diesen neuen Tag, den ich mir selbst gestalte und Einzigartig mache. Einzigartig bin ich selbst natürlich auch. Ich bin einzig und nicht immer artig. Dadurch kommt nie Langeweile auf in dieser, meiner Chaoten Familie. Im näheren Dunstkreis dieser Familie, leben neben mir, mein Ehemann der Dieter, alias Zank, Sohn Gawain und die Schwiegermutter Theresia. Alle sind zum Glück, grade mal außerhalb meines Blickfeldes. Die Arbeit auf meinem Schreibtisch in meiner Detektei, lasse ich heute morgen mal liegen. Die Terrier nörgeln an meinen Waden herum und möchten in die Baumschule, um sich eine Maus zu teilen. Gismo macht es sich derweil in den beiden Hundekörbchen gemütlich. Genüßlich legt er jeweils 2 Beine in eine Bettstelle und streckt seinen Schwanz wie einen Blitzableiter nach oben. Die Terrier bleiben bei dem Anblick auf Abstand, bis der Gott der Krallen die Betten wieder freigibt. Die Beiden schauen mich fragend an und Lilli hat bereits die Hundeleinen im Maul, während Bernie mit dem Schwanz wedelt. Hier muß ich einmal anmerken, daß mein Ehemann Zank in 51 Jahren Ehe nicht gelernt hat, mit dem Schwanz zu wedeln, wenn er mich sieht. Zank ist der alias Name meines Ehemannes Dieter. Den Zank bekam er auf einer virtuellen Geburtsurkunde von mir verliehen. Wir sind seit 51 Jahren verheiratet und täglich läuft bei uns die Seifenoper „Krieg und Frieden.“ Hunde sind halt die treueren und besseren Weggefährten, als alte Männer. Der alte Mann an meiner Seite verkrümelt sich drei mal wöchentlich ins Fitness Studio. Bei uns Zuhause ist die Stimmung ja meist in der Kloschüssel am fröhlichsten, wenn gekackt wird. Somit verpieselt mein Mann sich dorthin, wo andere Frauen ihn anhimmeln und toll finden. Die Damen sind fast allesamt alleinstehende Witwen und auf der Suche nach einem geeigneten Spender für eine Urlaubsreise, oder kulturelle Veranstaltungen. In meinem Bekanntenkreis ist auch eine 7 fache Witwe, die ihre Männer geliebt und gern beerbt hat. Ihre Hobbys sind übrigens, Pilze sammeln und daraus eine Suppe zu kochen. Strohwitwe hingegen spiele ich gerne mal und verreise alleine. Man will ja auch mal etwas Spaß im Leben haben. Damit meine ich keine anderen Männer, dann kann ich ja Zuhause bleiben. Spaß habe ich immer dann, wenn ich einfach mal ein paar Tage die Putzfrau, Köchin, Waschfrau, Mutter, Schwiegertochter, Tiersitter und was noch so in einer Ehe anliegt, vergessen kann. Die Rolle der Schwiegertochter ist mir nicht auf den Leib geschrieben. Jedenfalls nicht bei der Schwiegermutter, die meinen Weg mit mir durchs Leben läuft. Von Anfang an, bin ich nicht ihre Wunschkandidatin und sie hat wirklich ihr Bestes gegeben, unsere Ehe zu verhindern. Die Versuche sind alle gescheitert, jetzt habe ich sie an der Backe und überlege manchmal, die 7 fache Witwe nach dem Rezept für die Pilzsuppe zu fragen. Es ist Sommer, Mitte Juli, also erstmal in die Baumschule, Sonne tanken und durchatmen. Die Terrier entwischen wie jeden Tag, hinter dem ersten Baum und ich pfeife mir die Seele aus dem Leib. Atemyoga ist damit nicht zu vergleichen, es wird eher eine Lachnummer draus. Die Terrier zeigen mir die Mittelkralle und von meiner einsetzenden, schlechten Laune, können 10 Teenager 1 Jahr lang pubertieren. Im Sonnenschein umarme ich erstmal einen dicken, krummen Baum und hole mir Kraft und Lebenshilfe. Die kann nur ein krummer Baum geben, denn der lebt sein Leben. Ein gerader Baum wächst heran zu einem Brett. Dann kann ich ja gleich Zuhause bleiben und mit dem Wohnzimmerschrank reden. Wie ich nun so dastehe, aufrecht und mit den Füßen nach Halt suchend wie eine Wurzel, schaue ich in den Himmel und ….. mein Handy klingelt penetrant.

„Wer stört?“ grunze ich genervt in das Mikrofon. „Frisörin Malonka hier, sind Sie die Schwiegertochter von Frau Theresia N.?“ flötet eine Stimme, mit polnischem Akzent aus dem Handy in mein Ohr.

„Leider ja,“ antworte ich lakonisch und frage: „Was ist denn los? Hat sie Blähungen durch das Haarfärbemittel bekommen, oder haben sich ihre Nasenhaare von selbst getrimmt?“ „Viel Schlimmer ist alles, sie hatte vorhin einen Herzinfarkt und liegt nun im Notarzt Wagen vor dem Salon,“ kommt eine hektische Ansage in meine Ohrmuschel. „Sie sollen sofort herkommen. Ihre Mutter schreit im Krankenwagen, ist aber nicht bereit, Angaben zu machen, die der Notarzt ganz dringend benötigt.“

Meine superschlauen Terrier haben mal wieder den 7. Sinn eingeschaltet und laufen ohne Anpfiff neben mir her, direkt zu meinem Smart Cabrio. Lilli springt auf den Beifahrersitz und Bernie legt sich auf das Armaturenbrett, um das Navigationsgerät zu machen. Zwei Minuten später halten wir vor Mutter Theresias Lieblings Schönmacherei in der Ortsmitte. Zwischenzeitlich stehen bereits an die hundert Zuschauer neben dem Krankenwagen und horchen auf die Schreie und Geräusche, die aus dem Fahrzeug nach außen dringen. „Hilfeeeee…ich sterbe, warum hilft mir keiner?“ dringen messerspitze Schreie an mein Ohr und der Notarzt kommt mir aufgeregt entgegen.

„Wird auch Zeit, daß Sie kommen. Ihre Mutter liegt im Wagen. Sie hat einen schweren Herzinfarkt und muß sich auch übergeben, so schlecht geht es ihr,“ werde ich von dem aufgeregten Doktor empfangen. „Meine Mutter ist tot, das ist meine Schwiegermutter und sie hat ein sehr gesundes Herz,“ antworte ich dem besorgten Arzt und will die Tür zum Krankenwagen öffnen. „Da können Sie jetzt nicht hinein, mein Kollege gibt ihr gerade eine Infusion und versucht, ihre Mutter zu beruhigen,“ gibt er spitzfindig, etwas von Oben herab von sich. „Wie heißt der Hausarzt ihrer Mutter, sie ist nicht in der Lage uns das mitzuteilen und wir benötigen Infos aus der Krankenakte,“ fordert er nun mit etwas gemäßigter Stimmlage.

„Meine Schwiegermutter ist Hypochonder und war vor 3 Monaten zuletzt im städtischen Krankenhaus mit einem angeblichen Herzinfarkt. Alles wurde eingehend untersucht und auch ein Herzkatheder wurde gelegt. Diagnose: gesundes, altersbedingtes, gut funktionierendes Herz. Sie geht 4 x jährlich in die umliegenden Krankenhäuser, hat jedesmal irgend etwas Schlimmes, woran sie gerade stirbt,“ teile ich dem höchst ungläubig guckenden Arztmann mit. „Das glaube ich Ihnen nicht, hören Sie doch mal hin, was da gerade im Wagen abgeht,“ sagt er schnaufend zu mir und rollt seine Augen nach Oben. „Dann rufen Sie doch schnell mal im Krankenhaus an, hier sind die Daten des Hypochonders,“ überreiche ich dem blöd aus der Wäsche guckenden Arzt die Versichertenkarte meiner Schwiegermutter. Die habe ich immer im Portemonnaie, weil ich sie an den ersten Tagen des Quartals bei zig behandelnden Ärzten einlesen lasse. Theresia arbeitet dann nach und nach alle Ärzte ab, weil in den Wartezimmern so schöne, lesbare Mappen über die Königshäuser liegen. Der wenig sympathische Arzt nimmt den Zettel, steigt in den Krankenwagen und ruft sofort im Krankenhaus an. Da die Scheibe herunter gelassen ist, höre ich dann sein erstauntes:

„Ahaaa, Ohhho, Jaaaa, das ist ja wirklich sehr interessant, vielen Dank.“ Mit irgendwie schuldbewußter Miene, kommt er nun auf mich zu, entschuldigt sich bei mir und öffnet den Krankenwagen. Theresia stöhnt auf der Liege weiterhin sehr laut und gibt von sich, daß sie gleich stirbt, wenn sie keine Tabletten, oder wenigstens eine Spritze bekommt.

„Liebe Frau N., ich habe soeben mit dem städtischen Krankenhaus telefoniert. Sie waren vor 3 Monaten dort und laut der Diagnose haben Sie absolut kein Herzproblem,“ sagt der Arzt höflich, aber bestimmt und auch ein kleines bisschen genervt, zu der angeblich todkranken Theresia.

„Nanu, das ist ja interessant. Dann kann Frau Malonka ja jetzt meine Haare waschen, schneiden, färben und föhnen,“ sagt Theresia fröhlich, springt von der Liege, um sich dann noch in der Tür des Krankenwagens wie ein Model, im Bad der Menschenmenge zu sonnen. Die Friseurin Frau Malonka ist ziemlich sauer, läßt sich das aber nicht so anmerken, um ihre beste Kundin nicht zu verlieren. Immerhin ist Theresia mindestens 2 x wöchentlich im Salon, denn in Theresias Kreisen wäscht man sich die Haare nicht selbst. Frau Malonka flüstert mir zu: „Bringen Sie bitte ihre liebe Mutter sofort nach Hause, ich fahre heute Abend zu ihr und mache ihr die Haare. Jetzt muß ich meine anderen Termine einhalten. Das ganze Prozedere läuft hier ja schon weit über 2 Stunden.“

„Okay, ich bringe meine Schwiegermutter, die alles Andere, aber bestimmt nicht lieb ist, nun nach Hause. Rufen Sie mich bitte nicht wieder an, wenn diese Frau so eine Nummer abzieht. Nächstes mal rufen Sie den Psychologen an, hier ist die Nummer für Ihre Kartei,“ sage ich zu der freundlichen Friseurmeisterin und ziehe die Schwiegermutter Theresia in den offenen Smart.

Bernie und Lilli schlecken sofort die völlig durchgeschwitzte, übel riechende Theresia von Oben bis Unten ab. Die Terrier und ich, fahren die ehemalige Miss Phönix in ihr Schloss, wollen uns selbst aber nicht allzu lange dort aufhalten.

„Da war ja mal ordentlich was los heute beim Friseur,“ sagt Theresia im Hausflur zu mir. „Was hast Du denn da gemacht, Du schneidest doch Deine Haare immer selbst. Geh doch auch einmal zu Frau Malonka in den Salon, die kann Dich richtig hübsch machen,“ flötet sie noch wichtig hinter mir her, als ich schon wieder an der Haustüre bin.

„Hübsch bin ich von Natur aus, da brauche ich Deine Empfehlungen in keiner Weise. Ich wünsche Dir noch einen schöneren Tag, als ich ihn hatte und Du trinke mal bitte viel Wasser, sonst trocknet Dein Gehirn noch weiter ein,“ wünsche ich der Mutter meines Zank und fahre mit den Terriern nach Hause. Am Kaffeetisch im Garten, treffe ich auf meinen Ehemann, der im Sonnenschein eine riesige Portion Vanille Eis mit Sahne verzehrt.

„Bist du mit den beiden Terriern in der Baumschule gewesen, haben sie schön ihre Häufchen gemacht und Mäuse gejagt?“ fragt mich eine eiskalte, vanillefarbene Stimme aus einer Kaffeewolke heraus.

„Wir waren alle Drei in unserem Revier. Die zwei Rabauken haben sich gerade in die Büsche geschlagen und ich habe meine Bäume begrüßt, da hat mich die Friseurin deiner Mutter Theresia angerufen. Deine Mutter spielte vorm Salon die Hauptrolle in einer Hypochonder Seifenoper und der Notarzt wollte mich als Übersetzer ihres Geschreis dabei haben. Du kennst ja ihre Shows, die sie 3-4 x jährlich abzieht. Ihre Hose klemmt, das bewirkt eine Panikattacke und ihr Blutdruck steigt auf 250. Ein Notarzt wird gerufen, sie kommt ins Krankenhaus und bleibt mindestens 1 Woche dort. Es kommt jedesmal zu einer Magenspiegelung, gerne im Anschluss daran eine Darmspiegelung. Sie legt im hohen Alter auch noch großen Wert auf eine gynäkologische Untersuchung,“ antworte ich leicht gereizt. „Da Dein Vater Gustav, ja nun schon vor einer Weile in die geistige Heimat zurück gekehrt ist, fummelt dann wenigstens mal irgend jemand an ihr herum.“

Zank nimmt den Eislöffel aus dem Vanillemund, schüttelt den Kopf echauffiert und meint lakonisch: „Ohje, die alte Leier wieder. Hoffentlich ruft sie nachher nicht an, daß sie wieder bei uns schlafen will. Dann muß ich wieder den ganzen Abend Schlager und Volksmusik im Fernseher ansehen und sie wandert nachts stundenlang durch die Räume, stöhnt rum, quengelt und nervt.“ Wir denken beide, in diesem Moment nochmal an den letzten, einprägsamen Aufenthalt in der Klinik zurück.

Alles beginnt so schön, vor ein paar Wochen. Ich plane mit Theresia einen Urlaub auf Teneriffa. Sie soll einmal auf andere Gedanken kommen und ich lechze auch danach. Die Schwiegermutter ist Feuer und Flamme. Sie beauftragt mich, ein tolles 5 Sterne Hotel zu suchen und eine Wellness-Woche zu buchen. Jeder zahlt selbstverständlich selbst. Damit habe ich kein Problem und begebe mich umgehend auf die Suche. Als Kind einer proletarischen Familie, die von den Nachbarn immer als ‚Rucksackdeutsche‘ betitelt wurde, habe ich ja gelernt zu sparen.

Ein Zimmer in einem renommierten 5 Sterne Hotel bekomme ich pro Person für knappe 2000 €, inklusive Flug und Wellness-Woche. Alternativ bekomme ich ein 5 Sterne Hotel mit all den Leistungen und Flug für 1050 €, last Minute. Das Angebot läuft aber so, daß wir nicht wissen, welches Hotel es wird. Für mich ist das überhaupt keine Frage und ich buche die günstige Variante. Es sind noch genau 19 Tage bis zum Urlaub und am Tag 18 fragt mich Theresia, welches Hotel wir denn nun vor Ort bekommen. Das habe ich ihr alles schon vor der Buchung, lange und ausgiebig erklärt. Sie ist aber bei der Ausschüttung des Verstandes leider abkömmlich gewesen und das rächt sich nun.

„Wir erfahren es erst 3 Tage vor der Anreise. Es stehen 4 Hotels im Prospekt und eines davon wird es sein. Die sind alle sehr gut und wir zahlen ja fast nur die Hälfte des Preises,“ erkläre ich noch einmal das gebuchte Prozedere. Theresia verdreht die grünblau geschminkten Augen und sagt: „Eigentlich möchte ich schon wissen, wo ich hinkomme und wohne. Das ist ja total blöde so. Kannst Du bitte noch einmal anfragen, wo wir wohnen werden?“

„Das kann ich gerne machen, aber wir erfahren es wirklich erst 3 Tage vor der Anreise,“ erkläre ich nochmal die Buchung. Theresia bekommt einen blöden Hustenanfall und fühlt sich irgendwie nicht gut. Das ignoriere ich aber völlig, weil das ein gezielt aufgeführter Akt in jeder ihrer Shows ist.

Tag 17 vor der Anreise. Meine Schwiegermutter ruft an, fragt nach dem Hotel und ich erkläre ihr noch einmal, daß wir einen wunderschönen Urlaub bekommen und sie muß sich wirklich keine Sorgen um den Standard des Hotels machen. Die macht Theresia sich aber doch. Es folgt wieder mal ein Hustenanfall mit lautem Geschnaufe und Gestöhne.

Tag 16 vor Reiseantritt ruft mich ihre Nachbarin gegen 10:00 Uhr an und fragt, wie der Stand der Reise ist. Ich frage die nette Frau, ob sie jetzt als Dolmetscherin für Zanks Mutter tätig ist und erkläre noch einmal, warum wir eine Last Minute Reise machen. Frau Hartmann findet das Super und will es sofort an Theresia weitergeben.

Tag 15 vor Reiseantritt ist nicht mehr zu toppen an Schwachsinn. Um 11:15 Uhr ruft mich meine Schwiegermutter keuchend an und sagt, daß sie ins Krankenhaus muß, ich soll die Reise nun absagen. Ich fahre sofort zu ihr und treffe sie, am Eßtisch sitzend, umarmt von einer Panikattacke, der Nachbarin und einem Eierlikör, an. Heulend erzählt sie, daß sie gerade beim Arzt war und dieser gesagt hat, sie muß ins Krankenhaus. Ich habe die Schnauze gestrichen voll und erkläre ihr, daß wir diese Reise nun voll bezahlen müssen, wenn wir so kurz vorher absagen. Das ist der Theresia völlig Schnuppe und ich sage die Reise noch an ihrem Eßtisch telefonisch ab. Halleluja, ein Wunder geschieht. Der Eierlikör wird auf Ex getrunken, die Panikattacke verabschiedet sich durch die Terrassentür und meine Schwiegermutter blüht auf, wie eine ausgetrocknete Rose.

„Hol sofort Deinen Notfall Koffer aus dem Schlafzimmer, ich fahre jetzt zum Doktor und hole die Einweisung fürs Krankenhaus,“ meckere ich sie an und sage noch: „Die Stornokosten für die Reise zahlst du aber, basta.“

Den Hausarzt erwische ich gerade noch und da ich eine Generalvollmacht für Theresia habe, kann ich ihn nach ihrer Krankheit fragen und dem Grund der Einweisung ins Krankenhaus. Seine Antwort läßt mich sofort zur Salzsäule erstarren. Gegen meine Gewohnheit, scheiße ich nun aufs Karma und schwöre innerlich schon gewaltige Rache.

„Ihre Mutter kam einmal wieder mit fürchterlichen Schmerzen und zitterte am ganzen Leib. Eine intensive Untersuchung ergab überhaupt nichts und sie tobte herum. Da sagte ich ihr, wenn sie mir nicht glaubt, dann müsse sie eben in ein Krankenhaus gehen. Sie hat die Praxis dann verlassen, nicht ohne mich noch als unfähig und blöde zu betiteln. Ich kenne sie ja und weiß, daß sie bei ihrem Psychologen besser aufgehoben ist, darum nehme ich es ihr nicht allzu übel.“

Ich nehme es meiner Schwiegermutter sehr übel und die Einweisung fürs Krankenhaus stecke ich sofort in meine Tasche. Frau H. sitzt noch immer bei der lustigen, zwischenzeitlich schmerzlosen, angetrunkenen Theresia am Tisch und beide planen eine Shopping Tour in die City, für den kommenden Tag.

„Wo ist Deine Tasche fürs Krankenhaus?“ frage ich sauer aufstoßend. „Ich habe die Einweisung für die Klinik mitgebracht und wir Zwei fahren in spätestens 5 Minuten hier los, zieh Dich an.“ Theresia ist sichtlich geschockt und winkt ab.

„Die Reise ist doch nun abgesagt und es geht mir inzwischen eigentlich wieder ganz gut hier.“ Mir bestimmt nicht und ich hole den blauen Überseekoffer aus dem Schlafzimmer, den Theresia als Notfallkoffer für Klinikaufenthalte nutzt. Er ist bestückt mit Designer Nachthemden und einem Brokat Bademantel mit Nerzkragen. Lippenstifte, Parfüms und eine diamantene Zahnspange für die Nacht, runden das Bild ab. Wir bringen die erstaunte Nachbarin zur Haustür und ich fahre die Hypochonderin in die Klinik. Dort treffen wir um 17:00 Uhr in der Notaufnahme ein. An der Rezeption sitzt eine Sumu Ringerin, die sieht erst auf den Überseekoffer und dann auf meine Schwiegermutter. Wie ein bissiger Rottweiler, knurrt sie die modisch gestylte, Größe 32+ tragende, rosig geschminkte Theresia an:

„Was suchen Sie denn hier, wir veranstalten heute bestimmt keine Casting Show.“

Schnell schiebe ich die kranke, alte Frau in die Wartezone und die Einweisung über den Tresen. Der Rottweiler zieht die Lefzen hoch und sagt, wir sollen uns setzen und warten, bis der Doktor kommt. Es ist Freitag Abend, inzwischen 18:00 Uhr und es kann etwas dauern. Es dauert etwas, bis fast 21:45 Uhr. Nun fliegt die Sicherheitstür auf und ein Teenager im weißen Kittel fährt auf einem bunten Skateboard bis in die Wartezone.

„Frau Theresia N., folgen sie mir bitte ins Untersuchungszimmer, rappt der Junior Doc uns ins Ohr. Völlig fertig sitzt Theresia auf ihrem Stuhl, ich ziehe sie hinter mir her und folge dem Skateboard Fahrer ins Untersuchungszimmer. Dem Doktor erkläre ich kurz, daß ich das Sprachrohr der todkranken Frau bin und er gibt mir sein Okay. „Was kann ich für Sie tun?“ fragt er meine Schwiegermutter und sieht mich dabei an. Die kranke Alte wird wieder putzmunter, streicht sich den toupierten Pony aus der Stirn und sagt frech zu dem jungen Arzt:

„Sie will ich nicht als Arzt, holen Sie sofort eine ältere, kompetente Ärztin her, die mich dann untersucht. Sowas mit Ihnen, läuft bei mir hier nicht. “

Der sprachlose Doktor weist gereizt Theresia in die Schranken ihrer sichtlichen Alterssturheit. „Es ist bereit 22:00 Uhr beste Frau, ich habe den Nachtdienst. Entweder sagen Sie mir jetzt, welche Gebrechen Sie haben, oder Sie fahren umgehend in ein anderes Krankenhaus.“

Theresia sieht ihre Felle schwimmen und spult schnell die Liste ihrer umfangreichen Gebrechen ab. „Starke Herzschmerzen, auch Magenschmerzen, Sehstörungen und mir tut einfach alles weh.“ Der Doktor misst erstmal den Blutdruck. Vor lauter Aufregung ist der bereits bei 210 zu 120. Das EKG wird gemacht, zeigt aber keine Auffälligkeiten. Sicherheitshalber soll Theresia ein paar Tage stationär aufgenommen werden und sich mal intensiv durchchecken lassen.

„Wenn ich dann hierbleibe, möchte ich aber unbedingt eine gynäkologische Untersuchung haben,“ sagt die 89 jährige, mit einer forschen Ansage.