Wohin die Dinge gehen - Betti Anders - E-Book
Beschreibung

In einer kleinen Stadt am Fluss begegnen sich zwei Geheimnisse, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Das eine handelt vom ewigen Leben, das andere vom endgültigen Tod. Selma ist sechzehn Jahre alt, als ihre Welt an einem tristen Samstagabend aus den Fugen gerät. Alles beginnt mit einem unheimlichen Traum und mit dem Fremden auf der Kaimauer, der dafür sorgt, dass sie sich selbst nicht mehr wiedererkennt. Während Viktor erbittert darum kämpft, seinen Hunger zu beherrschen, entdeckt Selma ihre eigene, dunkle und wilde Seite. Ihr Leben verwandelt sich in einen Irrgarten aus Angst, Verlockung - und tödlicher Gefahr, denn die junge Frau besitzt eine Gabe, die sie in den Mittelpunkt einer grausamen Verschwörung rückt.

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Seitenzahl:617

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Über die Autorin

Widmung

Prolog

Teil I

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Teil II

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Teil III

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Epilog

Betti Anders

Wohin die Dinge gehen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

© 2014 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

Der Umschlag verwendet Motive von shutterstock.com

crow A. Fichna 2014, lace Vikpit 2014, face vita khorzhevska 2014

eISBN: 978-3-8271-9866-2

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Die Geschehnisse in diesem Roman sind reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden.

Über die Autorin:

Betti Anders, geboren und aufgewachsen in Hameln, entwickelte im Rahmen ihres Soziologie-Studiums an der Universität Bielefeld ein tiefes Interesse an der grundlegenden Beschaffenheit zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie beschäftigte sich intensiv mit erkenntnistheoretischen Ansätzen und der Funktionalität und Dysfunktionalität von Moral und Ethik.

Seit vielen Jahren lebt und arbeitet sie wieder in ihrer Heimatstadt, ist dreifache Mutter und genießt das Leben in der Provinz. Bei aller Düsternis ist ihr erstes Buch „Wohin die Dinge gehen“ auch eine Hommage an die Stadt am Fluss und ihre eigene Jugendzeit in der Enge und Geborgenheit der Kleinstadt.

Meinen Kindern

Folgt euren Träumen bis an die Grenze,

und wo es nicht mehr weitergeht,

wagt noch einen einzigen Schritt.

Was ihr dort findet, gehört euch.

Ganz und gar und für immer.

Und so lang du das nicht hast,

Dieses: Stirb und Werde!

Bist du nur ein trüber Gast

Auf der dunklen Erde.

(J. W. v. Goethe)

PROLOG

Das Telefon klingelte.

Zwischen den schwarzen Säulen der Buchenstämme klang der „Imperial March“ seltsam passend, so als wollte er etwas ankündigen, das sich auf den Weg gemacht hatte. Der Wald schwieg und lauschte auf die blechernen Töne. Wolken füllten den Himmel, unter der Erde suchten die Baumwurzeln nach Nahrung, dazwischen knisterte das Laub seinem Zerfall entgegen. Sonst geschah nichts. Nichts rührte sich. Nichts antwortete. Niemand ging ran.

Die Krähe legte den Kopf schief und beäugte ihre Beute. Misstrauisch und irritiert. Langsam senkte der Vogel seinen Schnabel, bis die Spitze kaltes Fleisch berührte. Etwas sollte gegeben und empfangen werden. So sah es aus, so fühlte es sich an. Weich und kalt und tot. Essbar. Aber selbst die Fliegen waren sich nicht sicher. Nur wenige hatten sich hierher verirrt, obwohl die Herbstsonne warm und kräftig schien. Und auch sie mieden das Gesicht im Laub, das so blind und taub und stumm zum Himmel starrte; blinder und tauber und stummer als etwas Totes sein durfte. Die tiefe Wunde am Hals war nach Tagen noch sauber, zartrosa und unberührt. Stattdessen krochen Fliegen und Käferdurch andere Öffnungen in den Körper, damit weitergehen konnte, was weitergehen musste. Der Vogel schlug frustriert mit den Flügeln. Er war hungrig, aber für ein kluges Tier gab es noch andere, ältere Instinkte. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas verweigerte sich, wollte nicht gehen und nicht bleiben, steckte irgendwo dazwischen fest.

Als Gesicht getarnt, mit zum Lächeln verzogenen, bleichen Lippen und glasigen Augen, klaffte ein Loch mitten zwischen den Dingen.

I.

1.

Ein anderer Ort, Wochen später. Abends.

Selma träumte. Vielleicht war es auch eine Erinnerung, die sie im Schlaf besuchte. Sie war klein und reichte ihrer Großmutter grade bis zur Hüfte. Zusammen standen sie auf der kleinen Terrasse vor Omas Haus. Der Gemüsegarten war kahl und grau. Der Frost hatte alle Farben ausgeblichen und einen Schleier aus Eiskristallen über Kohlbeete und Apfelbäume geworfen, in denen Dutzende hungriger Krähen saßen. Selmas Blick blieb an dem kleinen Gartenteich vor der Terrasse hängen. „Das Wasser ist weg!“, sagte sie, aber ihre Großmutter lächelte und antwortete: „Nein, Schatz, das Wasser ist nicht weg. Es sieht jetzt nur anders aus.“ Selma lag eine Frage auf der Zunge, aber bevor sie sie ganz begriffen hatte, wandte die Großmutter ihr das Gesicht zu. Um ihren Kopf wehte Licht wie feiner Nebel im Wind. Sie lächelte immer noch und schaute auf einen Punkt vor Selmas nackten Füßen. Die Wärme ihrer Haut hatte den Raureif schmelzen lassen, sie stand bis zu den Knöcheln in einer trüben Wasserlache.

Wieder war da die Frage, aber sie wollte sich einfach nicht in Worte verwandeln lassen. In der Luft lag jetzt ein seltsamer, metallischer Geruch. „Du musst genau hinsehen, Selma!“ Die Stimme ihrer Oma klang drängend. Und traurig. Widerwillig senkte Selma erneut den Blick. Ihr Gesicht spiegelte sich in dunkelroter Flüssigkeit. Das Metall füllte nun nicht nur ihre Nase, sondern kroch über ihre Zunge die Kehle herunter. Sie würgte entsetzt und schrie.

„Shit!“ Mit einem Ruck saß Selma kerzengerade im Bett und fuhr sich mit der Hand über den Mund. Sie hatte sich im Schlaf auf die Zunge gebissen. Schon wieder. Verwirrt vor Schmerz und ein kleines bisschen entrüstet über ihr unsanftes Erwachen blinzelte sie in die Dunkelheit. Die Gänsehaut auf ihren Armen sah im Mondlicht gruselig aus. Die hässlichen Buckel schienen sie an etwas erinnern zu wollen, was schon dabei war zu verblassen. Sie gab ihrem Hirn exakt fünf Sekunden, die wie erwartet verstrichen, ohne dass ein klarer Gedanke auftauchte. Wenigstens auf eins konnte sie sich verlassen, wenn es um den Inhalt ihres Schädels ging: Er war selten zu irgendwas nütze.

Wie zur Bestätigung kam auch die Botschaft, die die Leuchtziffern des Weckers zu ihr herübersimsten, erst mit einiger Verspätung an: Verschlafen! Verschlafen, verschlafen, verschlafen! In einer halben Stunde wollte Tom sie abholen. Um zehn waren sie mit den anderen im Puppenhaus verabredet. So wie eigentlich jeden Samstag seit Beginn ihrer persönlichen Zeitrechnung. Der fiel – was für ein Zufall – mit ihrem ersten Besuch im Puppenhaus zusammen. Was im Übrigen für so ziemlich jeden Jugendlichen im Umkreis von zwanzig Kilometern galt; jedenfalls für jeden, dessen Playlist sich abseits der Top Ten abspielte. Erst wenn man alt genug war oder aussah, um am Puppenhaus-Türsteher vorbeizukommen, bekam das Dasein in dieser verfluchten Kleinstadt so was wie einen Sinn. Das Leben „davor“ war nicht der Rede wert, genauso wenig wie das Leben „ohne“. Höchste Zeit also, sich in Bewegung zu setzen und wenigstens den Versuch eines Stylings zu unternehmen. Wenn Lisa sie nachher ohne vollständiges Make-up erwischte, war der Abend so gut wie gelaufen.

Schon der erste Blick in den Badezimmerspiegel verriet, dass die Lage aussichtslos war. „Na prima”, murmelte sie, während sie mit beiden Händen ihre Haare zu bändigen versuchte. Lisa würde eine Menge zu lachen haben, so viel stand fest. Wenigstens etwas Gutes hatte das kleine Schönheitsschläfchen allerdings bewirkt: Die dunklen Ringe unter ihren Augen waren fast nicht mehr zu sehen. Sie sah tatsächlich einigermaßen ausgeschlafen aus, auch wenn sie sich nicht einmal ansatzweise so fühlte.

Sie konnte den Spiegel mit der Neonröhre nicht ausstehen. Er hing direkt gegenüber der Dusche und wartete bloß darauf, dass ein sechzehnjähriges Mädchen mit Selbstzweifeln in seine Falle tappte. Aber heute würde er leer ausgehen. Bis auf die Haare natürlich ... Sie hatte schon nachmittags geduscht. Bei Tageslicht und ohne das gnadenlose Flimmern der Neonröhre war die ganze Sache nur noch halb so schlimm. Normal schlimm eben.

Nicht dass sie sich nicht ansehen mochte: Ihr Gesicht war ziemlich okay, der Mund sogar um einiges besser als das. Nur ihr Körper bereitete ihr Kopfzerbrechen: die Beine zu staksig, die Schultern spitz und irgendwie eckig, der Bauch flach, aber ohne Muskeln. Und die Brust wollte einfach keine Größe erreichen, die den Kauf eines BHs gerechtfertigt hätte. All das musste sie jetzt zwar nicht sehen, dran denken tat sie leider trotzdem. Aus dem Spiegel blickte ihr ein entsprechend frustriertes Gesicht entgegen. Sie versuchte ein Lächeln, das irgendwie missglückte. Scheißspiegel. Und Scheißtraum. Wieder richteten sich die Härchen auf ihren Armen auf; wieder dachte sie an etwas, ohne zu wissen, was es war. „Du Freak!“, knallte sie ihrem Spiegelbild an den Kopf und wartete auf eine Reaktion.Als diese ausblieb – was für eine Überraschung –, seufzte sie einmal und machte sich an die Arbeit. Noch eine Viertelstunde, dann musste sie wenigstens einigermaßen vorzeigbar aussehen. Wie gesagt: Die Lage war aussichtslos. Aber so was von ...

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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