Wölfe im Land - Helga Lesneg - E-Book

Wölfe im Land E-Book

Helga Lesneg

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Beschreibung

Teilweise Realität, teilweise Wunschdenken. Wölfe und Bären fallen in die DDR ein, aus dem Nichts. Erst stellen sich Kinder ihnen in den Weg. Erwachsene weichen dem aus. Nach Jahren werden die Verhältnisse so schlimm, das dauerhaft Wolfsjäger ernannt werden. Diese Tierüberfälle sollen den Menschen sagen, das es so nicht weiter geht. Einigen Menschen fallen diese Zusammenhänge auf, sie bemühen sich um Besserung. Am Ende des Kampfes gegen die Tiere (Mutter Natur) gehen Menschen mit den Tieren gemeinsam - Schützen gemeinsam das Leben und den Erhalt allen Lebens.

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Seitenzahl: 1310

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Eine Stadt inmitten von Deutschland. Viel Industrie ist hier zu Hause, hauptsächlich Schwerindustrie. Der zweite Weltkrieg ist noch gar nicht so lange beendet. Viele Männer sind auf dem sogenannten Feld der Ehre geblieben. Die zurückgebliebenen Frauen haben zu allem Leid und Elend dieser Zeit nun auch die größte Arbeitslast zu tragen. Denn vieles muß aufgebaut werden, dazu muß das Leben wieder in Gang kommen. Die kleine Industriestadt liegt inmitten eines flachen, fruchtbaren Landstriches. Es gibt in dieser Gegend also auch viel Landwirtschaft. K. ist zu einer Kreisstadt avanciert. Die reine sowjetische Verwaltungszeit ist zwar schon vorbei, doch muß von der Besatzungsmacht alles wichtige bejaht werden. Die Menschen, die angestammt hier im Osten Deutschlands leben, können zum größten Teil der neuen Macht noch nicht vertrauen. Viele verweigern sich den neuen Machthabern noch. Bestärkt wird das auch durch Verhaftungen aus nichtigen Gründen. In deren Folge wird von den Betroffenen nur sehr selten über die Zeit der Haft gesprochen. Jeder geht seinen Verpflichtungen nach, doch die wenigsten machen mehr. Da es hier im Osten für die ja meistens noch jungen Kriegswitwen keine staatlichen Renten gibt und die Halbwaisenrenten eine reine Schöntuerei sind, müssen die meisten Frauen arbeiten gehen. Das ist für sie und ihre Familien lebensnotwendig! Es gibt zwar schon Kindergärten, doch noch viel zu wenig. Ohne eine liebe Oma ist das Leben noch viel schwerer zu bestehen.

Hanni hat das große Glück, noch beide Großeltern zu besitzen!

Die Großeltern betreiben einen kleinen Laden, Obst und Gemüse gibt es hier. Da der Opa viele Menschen kennt, haben ihre Angehörigen es vielleicht ein bißchen leichter als andere. Sie hat noch einen großen Bruder, das ist aber nicht immer eine reine Freude! Dann gehören noch eine Tante und ein Onkel zur Familie. Als der Onkel aus der Kriegsgefangenschaft kam, an einem Wochenende, da war Hanni bannig verdattert. Sie war damals an die fünf Jahre alt und kannte den Onkel nur aus Erzählungen. Und dann klingelt jemand an der Haustür und die aufmachende jugendliche Tante von Hanni hängt einem wildfremden Mann am Halse! Hanni selbst mußte mit dem Fremden erst einmal warm werden. Doch das ist nun schon einige Jahre her. Mittlerweile geht Hanni, ebenso wie ihr Bruder Micha schon einige Jahre zur Schule. Das Leben der Kinder ist ein ganz normales Leben, im Sommer gehen sie baden, im Winter wird Schlittschuh gefahren. Die Schule gehört wie für viele andere Kinder in der Welt zu den leider nicht zu umgehenden Unannehmlichkeiten. Hannis Schule ist das Schloß der Stadt.

Schlösser haben einen Graben mit Wasser um sich herum, zumindestens die meisten. Wenn im Winter alles verschneit ist kann man mit dem schwer errungenen Ranzen den Hang hinunter sausen. Dumm ist nur, das das blöde Ding dabei völlig die Farbe verliert, Hanni rutscht gewissermaßen auf der blanken, äußerlich Leder vortäuschenden, Pappe. Ihre Mutter ist verständlicherweise nicht erfreut, als sie das Ergebnis betrachtet. Das gibt erst eine ordentliche Gardinenpredigt, ehe Hanni eine alte Ledertasche zugewiesen wird für den Schulkramtransport! Die Frauen müssen aus der Not eine Tugend machen und sich immer wieder an die Nähmaschine setzen, um die lieben Kleinen stets ordentlich zu bekleiden. Da wird jedes Stoffstück so oft wie nur immer möglich gewendet und noch einmal neu verwendet! Von modischer Bekleidung ist da nur selten zu sprechen. Hanni trägt auch viele Sachen von Micha mit auf. Maulen gibt es da nicht! Es ist, also verhältnismäßig leicht für ein Mädchen, als Junge angesehen zu werden. In der Industriestadt K. läuft das Leben wie in vielen anderen Orten in der Zeit. Hannis Heimatstadt hat den großen Vorteil, daß es hier nur geringfügige Zerstörungen gegeben hat.

Die Winter haben noch Schnee und Eis im Angebot. In der Schloßschule ist Unterrichtsschluß, die Kinder kommen einzeln und in Gruppen aus dem altem Gebäude. Sie Knäueln sich an der Brücke, die über den zugefrorenen Schloßgraben führt. Auf dem Eis wird schon geschlittert. Eine größere Gruppe Jungen bemüht sich, das Eis zu Schollen zu zerschlagen. Sie wollen Schollen laufen. Auch ein paar Mädchen sind mit im Spiel, alle häuslichen Ermahnungen gleich nach Hause zu gehen, sind vergessen. Hanni ist bei solchen Unternehmungen immer mit von der Partie! Das macht ja auch so richtigen Spaß! So geht es jeden Tag nach Schulschluß, eine gute halbe, dreiviertel Stunde lang. Dann erst beginnt sich die Truppe zu zerstreuen und strebt dem Mittagstisch zu. Häufig versorgt die Oma die Enkelkinder mit dem Mittagessen, damit die Mutter ruhig zur Arbeit gehen kann. Hanni geht nun ebenfalls mit Uwe, Erika und Ria nach Hause. Die Ohren werden auf Durchzug gestellt, um der Strafpredigt der Oma zu entgehen.

Dann heißt es, erst einmal Hände waschen, Mittagbrot essen - keine allzu beliebte Beschäftigung Hannis. Dazu gibt es auch noch die unbeliebte Kohlrübensuppe! Aber auch das geht vorbei. Dann werden Schularbeiten, unter der Aufsicht der Oma gemacht.

Manchmal kann sie ein bißchen unterschlagen, aber immer klappt das nicht. Heute wird von der Zwölfjährigen alles ordentlich erledigt, sie ist zum Schlittschuh laufen mit Klassengefährten verabredet. Zuvor muß aber noch ein Brot geholt werden, und für die Schweine der siebenköpfigen Familie Kartoffeln abgekeimt werden. Danach aber kann es losgehen! Die Schlittschuhe geschnappt und ab in Richtung Buschteich. Für ein paar Pfennige, die der Pächter für das sauberhalten der Eisfläche erhebt, kann man hier Schlittschuh laufen. Auf der Eisfläche ist immer viel los.

Da wird versucht, Eiskunstlauf zu demonstrieren, Eisschnellauf ist auch sehr beliebt. Die größeren Jahrgänge männlichen Geschlechts jagen den Mädchen sehr gern die Kopfbedeckungen ab. Da verschwindet manche Pferdeschwanzspezialmütze auf nimmer wiedersehen, das gibt dann wieder Ärger zu Hause mit den Müttern.

Da fegen wieder ein paar Bengel hinter den Mädchen her, das Ufer hoch und rein in die Büsche, Hanni konnte ihr Kopftuch gerade noch retten. Meist sind andere junge angehende Damen die geplagten. Hanni ist zwar groß, aber rank und schlank - noch ohne jede Andeutung weiblicher Formen. Und das ist zu ihrem Leidwesen bei den Jungen nicht so beliebt, sie ist den Jungen ihres Umfeldes mehr ein guter Kumpel, als ein Mädchen. Mit haschen und jagen ist der Nachmittag schnell vorbei, die Dunkelheit hat die Kinder eingeholt. Also Schlittschuhe ab und nach Hause. So und ähnlich verlaufen die Tage, immer in einem gewissen Gleichklang.

Doch plötzlich ist alles ganz anders! In diesem Winter, die Kinder sind in der Schule, läßt ein anschwellendes Heulen die Menschen aufhorchen. In Hannis Klasse ist die Aufmerksamkeit der Kinder wie weggewischt. Was sind das für Geräusche? Die Sirene, welche die Feuerwehr ruft, ist es nicht. Hanni sagt leise zur Nachbarin Bärbel, das klingt wie, wenn unser Hund heult, aber viel lauter.

Bärbel tippt sich eindeutig an die Stirn, du spinnst! Der Russischlehrer hat seine Not, die Aufmerksamkeit der Kinder wieder für seinen Unterricht zu sammeln. Nur gut, daß eine Unterrichtsstunde nur fünfundvierzig Minuten hat, und diese Stunde ist die Letzte für heute. Als die Schulglocke das Ende verkündet, gibt es einen fliegenden Start. Jeder möchte wissen, was in der Stadt los ist. Die engen Wendeltreppen des alten Gemäuers sind für die Kinder keine Schwierigkeit, zwei Stufen auf einmal nehmend rennen sie auf den Schloßhof. Hier ist nichts außergewöhnliches zu entdecken. Trotzdem schlagen die Diskussionswogen hoch. Die Meinungen gehen von ausgerissenen Löwen über technischer Fehler der Sirene bis zu Hannis Hunden.

Woher so viele Hunde kommen sollen kann keiner erklären. Denn viele Tiere müssen es auf jeden Fall sein, dem Lärm nach. Die Kinder gehen in ihren üblichen Gruppen nach Hause. Uwe, Erika, Rainer, Ria und Hanni sind schon mitten in der Stadt, Erika schon in der Tür ihres Elternhauses, da kommen aus der Neustadt hoch drei, vier schmale graue Hunde. Hechelnd nähern sie sich den erstaunten Kindern. Kurz bevor sie sie erreichen, erwachen diese aus ihrer Erstarrung und beginnen um ihr Leben zu laufen. Hanni schlägt die Schultasche dem nach ihr schnappenden Tier auf den Kopf. Dann geht die wilde Jagd die Straße weiter bis sie mit den anderen Klassengefährten hinter der Haustür von Uwes Wohnung erst einmal in Sicherheit sind. Uff, schwer atmend stehen sie im Hausflur. Was war denn das? Keiner weiß was los ist, sie stehen im Hausflur und die Gedanken jagen durch die Köpfe der Kinder.

Angst haben sie alle, Uwe ist zu Hause, aber die anderen müssen noch weiter. An der Tür wird gekratzt, es schnüffelt hörbar an der Ritze der Tür. Dann ein Aufheulen, das in einem mehrstimmigen Heulkonzert endet, um einer den Ohren wehtuenden Ruhe Platz zu machen. In der Straße scheint völlige Ruhe zu herrschen. Erst nach Minuten ängstlichen verharrens wagen die Jungen die Tür spaltbreit zu öffnen. Es regt sich nichts, und wie benommen betreten Ria, Hanni und Rainer die Straße. Uwes Mahnung, sich zu beeilen klingt reichlich zittrig für den großen, kräftigen Jungen.

Die Klassengefährten nehmen die Beine in die Hand und laufen, was die Beine hergeben. Ein flüchtiges tschüs und Hanni ist zu Hause, während die anderen weiterlaufen. Beide Großeltern sind aufgeregt und heilfroh, daß beide Enkelkinder zu Hause sind.

Hannis Bruder kam eine halbe Stunde vor ihr nach Hause. Heute versucht jeder in der Familie die nächsten Nachrichten im Radio zu erhaschen. Doch es dauert eine ganze Zeit, ehe der erste Bericht über das Geschehen kommt. Und was da gesagt wird ist nichts, was die Menschen beruhigen könnte. Derzeit scheint aber auch nicht eine Menschenseele zu wissen, was da passiert ist. Erst, als am Abend alle Familienmitglieder am Tisch sitzen, legt sich die Unruhe im Elternhaus. Der Disput in der Familie geht beim Abendessen um die eigenartigen Ereignisse des Tages. Opa stellt nach Hannis Bericht kategorisch fest, das sind Wölfe, ihr könnt mir glauben. Wir haben Wölfe in Jugoslawien gesehen, während des Krieges. Der Onkel von Hanni hat da so seine Zweifel, wer weiß, was ihr gesehen habt! Wo sollen hier in Mitteleuropa denn Wölfe herkommen? Die Tiere sind doch schon seit Jahrzehnten ausgerottet, hält er dem Vater entgegen. Trotzdem müssen die Kinder zu ihrer Zeit ins Bett, da macht ihre Mutter keine Abstriche.

Am nächsten Morgen erklärt ihnen die Oma, das Polizei im Einsatz ist, um die Bevölkerung vor den verwilderten Hunden zu schützen. Von dieser Annahme gehen die Behörden erst einmal aus, bis Fachleute genaueres sagen können. Das sind die etwas sparsamen Nachrichten, die am Abend in den Spätnachrichten kamen. Ihr seht also, es wird nichts mit dem Schulfrei! Leider, kann sich Hanni nicht verkneifen. Nach dem Frühstück verlassen die Geschwister das Haus, mit einer ganzen Wagenladung von Ermahnungen und Verhaltensmaßregeln versehen. Bald an jeder Straßenecke stehen bewaffnete Polizisten und sehen nervös die Straße hinunter. Hanni lacht ihrem Bruder Micha zu, du, die haben aber auch mehr Angst, als Vaterlandsliebe! Micha ist es auch recht mulmig zumute, er mahnt Hanni sich lieber zu beeilen. Ganz großer Bruder, immer kehrt er den Erzieher heraus-Hanni brabbelt es etwas unverständlich hervor. Furchtbar sind große Brüder!

Dabei trennen die Beiden nur zwei Jahre. Michas Weg ist ein anderer, als Hannis- sie besuchen zwei verschiedene Schulen.

Heute passiert aber auf dem Weg zur Schule reinweg gar nichts. Alles ist ruhig. In der Schule ist für Hannis Klasse heute eine Klassenarbeit in Mathe fällig. In der gestrigen Aufregung hat sie da gar nicht mehr dran gedacht, Mist. Hoffentlich kann Bärbel wenigstens ein paar Aufgaben, sie wird ihr wieder einmal aus der Patsche helfen müssen. Aber so verbissen sieht Hanni das Problem nicht. Sie arbeiten oft Hand in Hand, jeder hat so seine speziellen Lieblingsfächer. Bio, Deutsch, Geschichte sind zum Beispiel Hannis Stärken. Da bekommt Bärbel dann ihre Hilfeleistungen zurück. Nun, solch Schülerverhalten ist so alt, wie die Schule selbst. Dem heutigen Tage folgen weitere ganz normale ruhige Tage. Man hört und sieht in der Stadt nichts von Hunden, geschweige von Wölfen. Allerdings gibt es in der Zeitung Berichte über gerissene Rinder und Schafe. Mal in dem Dorf, dann wieder an ganz anderer Stelle. Die Zoologen sind sich immer noch nicht einig, wohin die grauen schmalen Tiere nun eigentlich gehören.

Die Schuljugend hat ihre normalen Belustigungen wieder aufgenommen. Mangels Schnee hat man sich jetzt mehr auf das Fahrrad fahren verlegt. Da unterbricht ein Zeitungsartikel alle Aktivitäten, in einem kleinem Ort am Kreisrand ist eine Frau von den grauen Teufeln angefallen und böse zugerichtet worden. Nur, weil ein paar Männer ihr zu Hilfe eilten, hat sie überlebt. Dann überschlagen sich die Schreckensberichte. Im Brandenburgischen ist ein Vater mit seiner Tochter von den Tieren bei lebendigen Leibe zerrissen und gefressen worden. Nun hagelt es für alle Kinder Verbote. Zur Schule bringen die Eltern ihre Kinder.

Draußen spielen gibt es nicht, aus Angst, die Wölfe tauchen in der Stadt auf. Die Polizeipatrouillen beruhigen die Menschen nicht mehr. Überall macht sich Unruhe breit, um die Bevölkerung zu beruhigen werden Busse eingesetzt, die direkt in jeder Straße halten. Sie bringen die Menschen zur Arbeit, die Kinder zur Schule und zurück. Das ist ein immenser Aufwand, den sich der junge Staat wirtschaftlich gar nicht leisten kann. Und doch muß versucht werden, die Menschen vor Schaden zu bewahren. Schon um der Welt zu zeigen, der Sozialismus schützt seine Bürger.

In Hannis Klasse schwingen die Jungen große Reden, wie man den Wölfen begegnen könnte. Sie benutzen aber trotzdem lieber den Bus zum hin und her kommen. Mittlerweile ist es als Tatsache anerkannt, beglaubigt und abgestempelt, die ins Land eingefallenen Tiere sind Wölfe! Kein Zoologe kann bisher erklären, woher die vielen Tiere kommen. Die Wissenschaft ist ziemlich sprachlos über die Ereignisse. Die eingesetzten Polizeikräfte sind den angreifenden Tieren gegenüber recht hilflos.

Sie gehen nur mit Schußwaffen gegen die Tiere vor, und das nur aus einigermaßen sicherer Entfernung. Den Wölfen scheint das nichts auszumachen. Im Gegenteil, sie werden immer mehr. Die Kinder sind die ständigen Aufenthalte in den schützenden Wänden der Wohnungen und Schulen mehr als überdrüssig. Sie wollen draußen spielen. In der Stadt sind seit ein paar Tagen einige halbwüchsige Jungen dabei, gegen die Wölfe vorzugehen, wenn sie draußen spielen. Sie haben sich von der Mutter die größten Messer ausgeborgt, meist ohne Mutters Erlaubnis einzuholen. Hin und wieder gibt es ein paar Kratzer ab, aber es bleibt in vertretbaren Grenzen. Zu Hause ahnt niemand von dieser Beschäftigung der Söhne. Jede Familie glaubt zudem den Jungen beim Schulfreund in Sicherheit.

Auch in Hannis Kopf überschlagen sich die tollsten Gedanken und die verrücktesten Ideen. Sie mag das eingesperrt sein gar nicht.

Die Großeltern, so überlegt sie, müßten doch eigentlich gar nicht merken, wenn sie raus geht. Sie haben ja im Laden zu tun, Micha hat sich vehement gegen einen Ausflug nach draußen ausgesprochen. Ihm sind die Tiere zu angsteinflössend, außerdem haben sie verdammt scharfe Zähne. Obwohl er von der Familie sogar noch bestärkt wurde, sich ruhig zu Fuß zu Freunden aufzumachen. Nur Hanni hat ein kategorisches nein gehört auf ihre Frage! Nur weil Micha ein Junge ist, darf er Dinge tun, die Hanni einfach nicht erlaubt sind. Das ist einfach grenzenlos ungerecht!

Aber in ihrer Familie wird ganz konservativ gelebt und gehandelt. Ein Mädchen hat sich eben anzupassen und unterzuordnen, basta. Also muß sie sich was einfallen lassen. Sonst fällt ihr irgendwann die Decke auf den Kopf. In Omas Küchenfach weiß sie auf jeden Fall einige geeignete Messer, die sie sich ausborgen könnte. Ganz ohne eine Waffe möchte sie nicht auf die Straße gehen, die Wölfe brauchen ihrer Meinung nach eine scharfe Antwort auf ihre scharfen Zähne. Nun muß sie nur noch eine gute Idee haben, einen guten, plausiblen Grund für den Trip nach draußen. Na, ich glaube Bärbel wird wieder einmal ihr Fell zu Markte tragen müssen. Bloß informieren muß sie die Freundin, sonst kann es viel Ärger geben. Also, beschließt sie einfach, morgen werde ich mich nach draußen absetzen, dann wird es sich ja zeigen, was passiert.

Der nächste Tag beginnt wie alle Tage in Hannis Leben. Am Morgen geht es natürlich mit dem Bus zur Schule, aus Tarnungsgründen. Der Unterricht ist so, wie immer. Russisch bringt Hanni fast zur Verzweiflung, diese verflixten Vokabeln. Wenn sie glaubt sie kann die fremden Worte, denkste, bei einer Kontrolle ist viel zu viel wieder weg. Man könnte wirklich auf die Bäume klettern, vor lauter Zorn! Nur gut, daß heute auch Biologie auf dem Stundenplan steht. Das baut wieder auf, denn da ist sie firm. In der großen Pause können die Kinder heute sogar auf dem Schulhof toben. Die Brückenzugänge sind durch feste Bohlentore geschlossen worden. Nun kann nach menschlichem ermessen nichts passieren. Das Quieken, Johlen, Lärmen ist für die beaufsichtigenden Lehrer kaum zu ertragen. Sie müssen aufpassen, wie die Kettenhunde, damit niemandem Schaden zugefügt wird.

Die Kinder sind wie von allen Ketten los! Man merkt ihnen die Befreiung von der wochenlangen Stubenhaft an!

Doch auch die beste und längste Pause geht vorbei. Die Lehrer atmen auf, bis auf einen Zusammenstoß zweier Kinder ist nichts passiert. Die Nase des Mädchens hat auch schon wieder aufgehört, zu bluten. Nach der durchtobten Pause sind die Kinder viel disziplinierter, als in den Wochen zuvor. Die Reststunden vergehen, wie im Flug und es klingelt zum Schulschluß. Die Busse bringen die Kinder schnell in ihre häuslichen Bereiche. Für die Hortkinder erfolgt der Transport natürlich später.

Nachdem Hanni zu Hause Mittag gegessen hat, heißt es erst einmal abwaschen, Schularbeiten machen. Dann ist es günstig, zu fragen, ob noch etwas erledigt werden muß. Sonst wird man zu einem ungünstigen Zeitpunkt gesucht. Erst als alles besorgt ist, nimmt sie sich ein Stück Kuchen vom Sonntag und erklärt der Oma, ich fahre zur Bärbel. Das ausgeguckte Messer aus dem Küchenschrank hat sie schon sorgsam in einem Beutel verstaut.

Spätestens achtzehn Uhr bist du zu Hause, der Ruf erreicht sie noch an der Tür. Dann betritt Hanni die Straße, unscheinbar und heute nur eine Wollmütze auf dem Kopf. Das Kopftuch würde viel zu sehr auffallen. Sie marschiert zur Stadtmitte, sieht sich diese und jene Auslage im Schaufenster an. Nur wenige Menschen beleben das Straßenbild, jeder sieht zu, seinen Weg schnell zu beenden. Ein Patrouillenauto der Polizei fährt an Hanni vorbei.

Kurz, nachdem der Wagen um die Ecke ist, hasten die Leute eilig in die Häuser. Hanni wird zum mitkommen aufgefordert, von einer älteren Dame. Doch sie überhört es elegant. Auf das, was jetzt auf sie zukommt, hat sie ja gewartet. Sie stellt sich mit dem Rücken zur Wand des hinter ihr liegenden Hauses, nimmt das Messer in die rechte Hand.

Die herankommenden Wölfe verlangsamen ihr Tempo, sie spüren, daß ihnen hier ernsthafter Widerstand gegenüber steht. Sie nähern sich einzeln schnuppernd dem Mädchen, wenn sie die Hand vorbewegt springen sie seitlich zurück. Tiere und Mensch tasten sich gegenseitig ab, wie weit ein jeder gehen kann. Das kräftigste Tier der fünf Wölfe umfassenden Gruppe duckt sich, federt sich ab und springt auf Hanni zu! Sie reagiert, als wenn neben ihr viele andere Jäger stehen. Aus uraltem Wissen heraus wehrt sie im richtigen Zeitpunkt mit einem kräftigen Messerstich das wütende Tier ab. Er ist nur verletzt, aber wie es scheint doch ziemlich eingeschränkt in seiner Beweglichkeit. Die anderen Wölfe verhalten sich abwartend, zögern einen Angriff heraus. Da geht Hanni zum Angriff über, der ihr zunächst lauernde Wolf bekommt das Messer auf einer Rippe zu spüren. Eine kleine Drehung der Hand und die Klinge geht dem aufheulenden Tier in den Brustkorb.

Nun muß sie ganz schnell die Hand mit dem Messer hochreißen und den nächsten Wolf abwehren. Auch das gelingt, sie tritt ein kleines Stück zur Seite, um nicht von dem zusammensackenden Tier umgerissen zu werden. Den vierten Wolf kann sie gleich anschließend erlegen. Das erste verletzte Tier zieht sich knurrend, mit hochgezogenen Lefzen, hinkend zurück. So steht Hanni ganz plötzlich zwischen den Tierkadavern, und alles ist still. Wie benommen wischt sie das Messer am Fell eines Tieres ab, steckt es ein und geht die Straße weiter. Niemand hat so richtig mitbekommen, was eigentlich passiert ist. Hanni muß das Geschehen erst einmal verdauen, dazu gehört, hier zu verschwinden. Man muß sie nun wirklich nicht erkennen.

Da es auf der Straße völlig ruhig bleibt, kommen auch wieder Menschen aus den Häusern, die ihrem unterbrochenem Tagewerk weiter nachgehen. An dem blutigem Platz, wo die erlegten Wölfe liegen, sammeln sich Schaulustige. Ein ansässiger Geschäftsmann hat die zuständige Behörde informiert, so daß binnen kurzem ein Auto kommt und die Kadaver auflädt. Das Gerede über die, offensichtlich mit dem Messer getöteten Wölfe kann man damit nicht zum aufhören bringen. Die Jungen, die sich ebenfalls gegen die Wölfe stellen, arbeiten auch mit Äxten.

Hanni ficht das ganze Geschwätz nicht weiter an. Am nächsten Morgen sagt sie der Freundin, du ich habe gestern ein tolles Erlebnis gehabt. Neugierig sieht Bärbel Hanni an, was gab es denn so tolles? Das rätst du nie, erklärt sie ihr. Aber ich bin gar nicht so, du darfst nur mit niemandem darüber reden, das mußt du mir versprechen, Bärbel! Na klar, ich sage niemandem ein Wort. Ich war gestern in der Stadt - mehr nicht, fällt Bärbel ihr ins Wort.

Quatsch, du mußt mich ausreden lassen. Ich bin nicht mit dem Bus zum Kaufhaus gefahren, wie du zu glauben scheinst. Zu Fuß war ich im Städtchen, wenn irgendwer dich fragt, ich war bei dir! Ich hoffe, das hast du nun gefressen, oder? Mein Gott, warum so ein Aufriß um das bißchen in die Stadt gehen! Ja, verstehst du denn nicht, ich war zu Fuß, um mit den Wölfen zu reden - grinsend eröffnet sie das der Freundin! Die fällt fast vom Stuhl. Du mußt doch völlig bescheuert sein, kann Bärbel noch sagen, dann fängt die nächste Stunde an. Damit ist die Diskussion erst einmal beendet. Nachdem der Unterricht beendet ist, haben sie noch Zeit zur weiteren Erörterung des Geschehens. Hannis Erzählung bringt Bärbel ganz aus der Fassung. Du mußt doch völlig verrückt sein, Hanni, wie kannst du so was machen! Hannis Erklärung, das es ein ganz tolles Gefühl sei, kann Bärbel nicht verstehen. Doch sie verspricht ihr, immer zu sagen, wir waren zusammen, wenn es notwendig ist. Damit ist diese Geschichte für die beiden erst einmal abgeschlossen. Nach Schulschluß gehen die Kinder zu den Bussen, um nach Hause zu fahren.

Die Tage verlaufen wieder normal, von Wölfen ist im Moment nichts zu merken. Der Winter verliert an Stärke. Hin und wieder treibt es noch tüchtig den Schnee durch das Land, aber der Frühling ist nicht aufzuhalten. Die Krokusse blühen schon, da hat Hanni noch mal ein Tänzchen mit einer Gruppe von Wölfen.

Ähnlich, wie beim ersten Treffen geht auch dieses vor sich.

Einziger Unterschied ist eine Verletzung am linken Unterarm von Hanni. Nur gut, das die Mutter nicht mehr kontrolliert, ob ich mich gewaschen habe- das ist ihr Kommentar der Freundin gegenüber.

Verbandsmaterial ist für Hanni kein Problem, da ihre Oma ständig diese Dinge vorrätig hat für ihre Beine. Offene Beine brauchen immer Verbände.

Dann vertreibt der Frühling alle Grillen und Flausen, die Natur macht alles blitzblank. Vögel zwitschern und alles Getier hat Frühlingsgefühle, die nächste Generation muß in Auftrag gegeben werden, die Art soll ja erhalten werden. Alles geht seinen normalen Gang. Von Wölfen ist nichts zu hören und zu sehen. Sie sind anscheinend völlig vom Erdboden verschwunden. Die Menschen nehmen ihr normales Leben wieder auf. Den Kindern sind alle Aktivitäten außerhalb der festen Mauern wieder erlaubt.

Kreiseln, Rad fahren, Ball spielen, rennen und toben- alles ist wieder erlaubt. Dementsprechend jagen und toben sie draußen herum. Die Schulen halten ihre Zöglinge alle noch fest, noch sind keine Ferien. In Hannis Klasse erwarten alle sehnsüchtig die großen Ferien. Die Ferienzeit ist doch die Beste, da sind sie aller Verpflichtungen bar. Der Sommer ist, fast unbemerkt, ins Land gekommen. Im Stadtbad und im Strandbad herrscht nachmittags immer Hochbetrieb. Die großen Kinder aus Hannis Klasse spielen Turmhasche. Nebenher werden noch ein paar Schulprobleme beschwatzt. Dieser und jener von der Gruppe wundert sich über die seltsame Narbe an Hannis Arm. Unser Hund hat mich beim toben erwischt, so erklärt sie den Freunden die Narbe.

Die Tage vergehen im normalen Alltagstrott und die Ferien sind fast greifbar. Doch vor dieser Ergötzung sind erst einmal noch die Zeugnisse zu verkraften. Denn sie sind alle keine Musterkinder, so das jeder mit dieser oder jener schlechteren Note rechnet. Das muß dann dem jeweiligen Elternhaus begründet und erklärt werden.

Dazu kommen dann noch Vorschläge, wie die Zensuren zu verbessern sind. Bei Hanni heißt es dann immer wieder, nimm dir ein Beispiel an deinem Bruder! Micha ist viel ehrgeiziger als Hanni, der kriegt es fertig, Stunden an einer Mathematikaufgabe zuzubringen! Für Hanni ist diese Zeitverschwendung unbegreiflich.

Dazu kann sie den Winkelzügen der höheren Mathematik oftmals einfach nicht folgen. Wenn sie dann noch anfängt, zu fragen, warum und wozu diese unverständliche Rechnerei- dann herrscht in ihrem Kopf eine völlige Ratlosigkeit vor. Aber da alles vorbei geht, wird auch das diesjährige Zeugnis, von der Mutter unterschrieben und erst einmal zu den Akten gelegt.

Nun sind Ferien, da kann man länger schlafen, abends darf man noch mal eine Stunde auf der Straße spielen. Die Bäume wachsen aber auch für Hanni nicht in den Himmel. Zu Hause heißt es helfen. Von der Oma angeleitet hat sie täglich für das Mittagbrot zu sorgen. Wenn das Essen besonders gut gelungen ist, gibt es ein dickes Lob vom Onkel. Dann gehört zu ihren Aufgaben der Einkauf für die Familie und der Abwasch. Auch ist für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Dazu wird auch oft die Hilfe der Kinder für die Großmutter nötig. Kartoffeln abkeimen, Blumenkohl von seinen Blättern befreien oder Gurken für das Einlegen vorbereiten.

In dem Geschäftshaushalt, in dem Hanni aufwächst ist immer Arbeit vorhanden. Da der Vater Hannis nicht aus dem Krieg zurück gekommen ist, lebt die Mutter mit ihren beiden Kindern bei ihren Eltern. Den Nachmittag hat sie meistens für sich. Wenn das Wetter mitspielt, geht es ins Schwimmbad. Hanni ist zwar keine Supersportlerin, aber schwimmen ist eine feine Sache. Dort trifft sie immer irgendwelche Klassengefährten. Man kann aber auch im Hof des Elternhauses mit Spielgefährten von der Straße spielen.

Puppen sind immer noch Hannis Freunde, ebenso Bücher.

Vierzehn Tage fährt Hanni mit ihrem Bruder in ein Ferienlager von Mutters Betrieb. Das ist auch immer mit viel Spaß und dem kennenlernen von unbekannten Ecken des Landes verbunden. Die Kinder haben regelmäßig ihre Freude an dem Aufenthalt im Lager.

An der primitiven Ausstattung der meisten Lager stören sich die Kinder nicht. Es macht ja auch viel Spaß, den Kumpel über sich durch ein anheben der Beine fast aus dem Doppelstockbett zu kippen! Das geht recht einfach zu realisieren, da nur lose Bretter die mit Stroh ausgestopften Matratzen tragen. Das die Waschgelegenheiten recht dürftig sind, ist auch kaum von Belang.

Man kann herrlich spritzen im Waschraum, das ist einfach Spitze!

Zudem ist in jener Zeit auch bei vielen Kindern zu Hause ein Bad eine Seltenheit. Aber es wird viel unternommen mit den Kindern.

Fahrten zu Sehenswürdigkeiten, Museumsbesuche, wenn das Wetter schlecht ist. Hanni war sogar auf dem Brocken mit einem Ferienlager, als das noch möglich war. Dazu werden viele Spiele gespielt, die man in größeren Gruppen spielen kann. Zum Beispiel Völkerball oder Treibeball, auch die Betreuer der Kinder spielen mit. Wenn wirklich jemand mal verletzt wird, so wird derjenige von Hannis Mutter versorgt. Sie ist seit ein paar Jahren immer als Betreuerin der Kinder dabei und wurde zur Sanitäterin ausgebildet.

Also ist alles in bester Ordnung, wenn wirklich ein Arzt benötigt wird, ist der ortsansässige im nu geholt. Die Frauen, welche die Truppe bekochen, sind immer hoch erfreut, wenn ihrer Arbeit soviel Aufmerksamkeit und Eifer gezollt werden. Berge von Lebensmitteln werden vertilgt. Wettessen wird manchmal von den Kindern veranstaltet! Sie helfen öfter dem Speiseplan etwas nach, dann werden von der ganzen Truppe Heidel- oder Himbeeren für eine Mahlzeit gesucht. Dementsprechend sehen die Kinder aber auch aus. Alles hat einen blau oder rot verschmierten Mund. Wenn man dann noch Grimassen macht, hat das einen sehr belustigenden Effekt.

Es sind frohe und unbeschwerte Tage im Ferienlager, doch leider gehen schöne Zeiten auch ganz schnell vorbei. Der Abschiedstag ist gekommen, der LKW mit Hänger, der die Kinder nach Hause holt, kam schon am Abend vorher. Nun wird alles Gepäck aufgeladen, dann werden alle Kinder und ihre Betreuer auf dem Motorwagen auf einfachen Holzbänken verstaut. Die Klappe ordentlich zugemacht, die Plane noch mal nachgesehen und eventuell festgemacht. Der Kraftfahrer, der die Kinder heim holt, ist ein gewissenhafter Mann. Er hat ja auch eigenen Nachwuchs bei seiner Fracht. Dann geht es in Richtung Heimat. Gut beraten ist der, der ein Kissen oder eine Decke zum unterlegen mit auf den Motorwagen genommen hat. So ein Utensil dämpft doch sehr angenehm das Gehopse des Fahrzeuges auf den nicht gerade glatten Straßen. Nach einigen Stunden Fahrt, die mit allen möglichen Geschichten und Spielen verkürzt werden, erreichen sie die Heimatstadt. Die Eltern sind schon am Betrieb, um ihre lieben Kleinen samt Gepäck in Empfang zu nehmen. Das ist ein tüchtiges durcheinander, ein Stimmengewirr und Gewusel, bis jeder sein Gepäck hat. Es wird von dem erlebten schon berichtet, dann ist dort ein nicht richtig zugemachter Koffer aufgegangen. Das gibt Gelächter und Geschimpfe. Aber nach und nach ist alles sortiert und zugeordnet, die Straße vor dem Betrieb leert sich. Ein letztes tschüs und macht es gut! Micha, Hanni und ihre Mutti beladen sich mit ihrem Gepäck und marschieren nach Hause zu den wartenden Angehörigen. Heute muß ein paar mal gemahnt werden, bis die beiden endlich ins Bett gehen. Zuviel haben sie zu berichten.

Am nächsten Tag kehrt langsam wieder der gewohnte Alltag ein.

Doch immer wieder fällt einem der Reisenden eine neue Episode ein, die erzählt werden muß. Die Ferien verlaufen nun weiter mit kleinen Arbeiten, spielen-an die aufgegebenen Hausaufgaben denkt noch niemand. Mit der Mutter fahren Micha und Hanni noch knappe zwei Wochen in das schöne Thüringen, um Urlaub zu machen. Das wird auch eine schöne Zeit. Sie gehen viel wandern, sehen sich die Umgebung an. Manchmal werden sie tüchtig naß von einem Gewitterguß. Da muß die Mutti dann Ruhe bewahren, obwohl sie auch kein Freund von Gewittern ist. Die Essenversorgung ist nicht immer das wahre, aber so ist das halt.

Sie sind froh, immer satt zu werden. Nur Hanni, der Familienmäkel, bedauert das fehlende Obst und Gemüse. Das wird aber nicht weiter beachtet, man kennt schließlich seine Pappenheimer! Selbst die Wartburg sehen sich die drei Reisenden an. Da können die Gedanken so richtig zu den alten Rittern wandern! Der Tintenfleck des Martin Luther, reizt zum Lachen, weil der Putz immer wieder abgepult wird. Hanni ist das zu hoch, was hat man von so einem Stück blauem Putz? Hi, hi das ist eh nicht mehr der originale!

Leider läuft die Uhr im Urlaub viel zu schnell, und der Heimreisetag ist schon heran. Nun nähert sich das Ende der Ferien mit ganz großen Schritten. Wehmütig denkt Hanni im Zug an die vor ihr liegenden Pflichten und Aufgaben.

Nach dem ersten Heimkehrtrubel kehrt wieder Ruhe ein. Erzählt wird zwar immer noch etwas vom Urlaub, aber Oma hat die schulischen Aufgaben nicht vergessen. Also heißt es Schulaufgaben machen, Tasche packen, erst danach kann sie den Ferienrest noch genießen. Bärbel wird besucht, die vergangenen Wochen schon etwas ausgewertet. Dann hat die geliebte, gehaßte Schule sie alle wieder. Mit beiden Beinen wird in die anstehenden Aufgaben hineingesprungen. Aufsatz, Mathearbeit, Arbeiten aus allen möglichen Richtungen werden geschrieben, zur Auffrischung des letzten Schuljahres. Innerhalb kürzester Zeit ist die Arbeitsatmosphäre wieder hergestellt. Mit allem, was dazu gehört, sprich guten Noten und Ausrutschern! Der Alltag hat sie alle wieder.

Schnell ist der Herbst durchs Land getobt, und der Winter hält seinen Einzug. Der Opa hat Hanni abends die ziehenden Kraniche gezeigt, besser ist aber, sie haben sie gehört. Mit lauten Rufen verständigten sich die nach Süden ziehenden Tiere. Die markanten Rufe hallen durch die abendliche Stille, da wird es Hanni doch eigen ums Herz. Schnee fällt zur Freude der Landwirtschaft auf Felder und Orte. Es friert Stein und Bein, manch einem Erwachsenem graust es bei dem Gedanken an den Vorjahreswinter!

Die Wölfe könnten wiederkommen, was dann? Die Experten behaupten zwar anderes, aber auch die können irren. Mit den üblichen Vergnügungen vertreiben sich die Kinder die freie Zeit.

Hanni ist nun dreizehn Jahre alt. Langsam kommen Fragen nach dem einzuschlagenden Berufsweg auf sie zu. Sie möchte mit lebenden Sachen zu tun haben, weiter weiß sie noch nichts.

Weihnachten ist gefeiert worden, der Jahreswechsel wurde vollzogen. Die Familie hat beides in Ruhe und mit netten Späßen begangen. Die Zeit geht schnell dahin und das Frühjahr blitzt schon ein wenig am Horizont auf. Da sind sie plötzlich wieder da.

Mit aller Gewalt fallen die grauen, gelben und bräunlichen Gesellen wieder im Kreisgebiet über Mensch und Tier her. Die Angst geht wieder um. Die Jungen, die im Vorjahr schon mit den Wölfen kämpften, sind wieder voll in ihrem Element. Sie sind mittlerweile zwischen vierzehn und siebzehn Jahren alt. Der Größte hat schon die Lehre angefangen, kann also nur nach Feierabend mit von der Partie sein. Er ist nicht nur der Älteste der Gruppe, er hat auch eine große, kräftige Figur. Hanni weiß, daß er Rainer heißt, aber Großer gerufen wird. Sie hat die Gruppe erst gestern, aus dem Stubenfenster heraus beobachtet, wie sie sich mit einem großem Wolfsrudel auseinandersetzten. Mit Messern und Beilen sind sie gegen die wütenden Tiere vorgegangen. Die Wölfe haben entsetzlich um sich gebissen. Drei Wölfe versuchten verbissen, den Großen unter sich zu kriegen. Doch mit dem gleichen Lebenswillen haut der mit gewaltigen Axthieben um sich.

Mit vereinten Kräften schaffen die Jungen schließlich, das Rudel zu teilen und zu vertreiben. Sechs Wölfe sind auf der Strecke geblieben, doch gab es auch Verletzungen bei den Jungen. Damit gehen sie zu einem jungen Arzt, der die Angelegenheiten versorgt und keinerlei Vorhaltungen macht. In Hannis Fingern hat es tüchtig gekribbelt, aber da mitzumischen traute sie sich dann doch nicht. Einmal wäre sie sicherlich erkannt worden vom Onkel.

Auch wäre es doch sehr fraglich, was die Jungen dazu gesagt hätten.

Doch Hanni kommt ein paar Tage später schneller zum Zuge, als sie je gedacht hätte. Sie soll schnell ein Brot holen, gleich zu Fuß, da es im Moment ganz ruhig draußen ist. Nun, sie ist so vorsichtig, ihr Messer mitzunehmen. Sie geht zum Hinterausgang hinaus, da ist der Weg kürzer. An der Straßenecke angekommen, sieht sie schon, was auf sie zukommt! Auf der leicht ansteigenden Straße sind die schnüffelnden, suchenden Wölfe weit zu sehen. Keine Menschenseele ist auf der Straße, alles liegt still und stumm.

Hanni überlegt in Windeseile, wo sie sich am besten den Rücken freihalten kann? Viel Zeit bleibt ihr nicht dazu. Sie ist zu einer ziemlich schmalen Haustür gerannt, hat ihre Tasche an die Türklinke gehängt. Da sind sie auch schon bei ihr, ohne sich aufzuhalten greifen die Tiere an. Zwei Wölfe springen zur gleichen Sekunde ab, prallen über Hanni zusammen und fallen um sich beißend an ihr herunter. Das gibt eine ordentliche Rißwunde am linken, zur Abwehr erhobenen Unterarm. Allerdings ist sie jetzt auch wütend und gibt mit gleicher Münze zurück. Binnen kurzem liegen mehrere Tiere in ihrem Blut. Sie verläßt etwas die Türnische und greift den überraschten Leitwolf an. Seine Flanke zeigt eine klaffende Wunde. Das Tier heult entsetzlich auf und dreht sich wimmernd im Kreis. Die übrigen drei Wölfe starten noch einen Angriff, doch werden sie von dem Mädchen auseinander getrieben. Das blanke Messer zeichnet dem einem noch die Brust, nimmt dem anderen von der Rute ein Stück. Das ganze geht ziemlich schnell vonstatten. Der Leitwolf verendet, noch mal aufheulend, der Rest verläßt so schnell wie möglich den Kampfplatz. Hanni kommt, schwer atmend, zu sich. Sie sieht die Tasche an der Klinke und da fällt ihr der erteilte Auftrag wieder ein. Doch erst muß sie sich einmal ihren Arm ansehen, hm, toll sieht das nicht aus. Dummerweise hat auch der Jackenärmel einen netten Riß abbekommen, ausgerechnet die Schuljacke! Mit dem Taschentuch bekommt die Verletzung einen notdürftigen Verband.

Dann rennt sie zum Bäcker, ihr Brot holen. Der nächste Weg führt sie zum Arzt, nicht zum Hausarzt der Familie, sondern zu dem jungen Mann, der auch die anderen Wolfsbisse behandelt. Der macht vielleicht Augen, als sie vor ihm steht! Ja, Mädchen, was ficht dich an? Er hat gleich mitbekommen, daß er ein Mädchen vor sich hat. Doch dann versorgt er erst einmal die immer noch blutende Wunde. Jetzt, sag mir um Gottes willen mal, was du dir dabei gedacht hast? Hanni sieht ihn verblüfft an, ich sollte doch Brot holen. Ernst erklärt er, die Tiere hätten dich töten können, denkst du nicht an deine Mutti. Quatsch, ich lasse mich doch nicht von den paar Wölfen abschlachten! Denken sie ernsthaft, ich gehe ohne mein Messer auf die Straße? Nein, die haben mit gleicher Münze zurückgekriegt! Drei Wölfe sind lebend davon gekommen, die anderen sind tot. Dem Mann verschlägt das erst einmal die Sprache. Dann kommt langsam, du bist also derjenige, der hier in der Stadt außer der Gruppe Jungen für tote Wölfe sorgt.

Weiß deine Mutter von deiner Tätigkeit, aber, was frage ich eigentlich. Die soll es auch nicht wissen, da macht sich nur Gedanken. Warum verbieten sie mir solche Sachen, während mein Bruder alles mögliche dürfte, aber nicht will! Trotz klingt in diesen Worten mit.

Dem Arzt wird die Sache zu schwierig, er ermahnt sie am nächsten Tag wieder zu kommen. Dann ist sie entlassen. Hanni setzt sich draußen in Richtung Heimat in Bewegung. Dabei grübelt sie über die Worte des Arztes nach. Sie kommt aber für sich zu dem Schluß, daß sie weitermacht. Irgendwer muß doch etwas gegen die Wölfe tun. Ein Mädchen kann das genauso wie ein Junge, Punktum! Was der nur will? Schwierig ist es am Abend aber schon, den verbundenen Arm zu verheimlichen. Doch sie schafft es irgendwie, die Nacht ist etwas unruhig, der Arm puckert! Jedoch am Morgen zählt nur der Sieg des Vortages. Die Schultasche wird nur rechts getragen, das geht dann schon. Bärbel wird gleich gesagt, sie möchte vorsichtig sein. Die sieht Hanni ganz erschrocken an, was hat es gegeben? Hanni zeigt ihr behutsam den verwickelten Arm. Du warst wieder auf Wolfsjagd! Pst, unterbricht Hanni die Freundin. Das muß doch nicht jeder hören! Bis die Biester dich doch noch frühstücken, schimpft Bärbel. Ganz bestimmt, erwidert Hanni bissig, du hast doch keine Ahnung! Der Doktor hat mir gestern schon genug vorgesülzt, das brauchst du nicht auch noch zu tun. Na, nur gut, daß du beim Arzt warst. Wenigstens eine gute Nachricht! Die Diskussion ist dann zu Ende, da der Schulalltag mit der Biologielehrerin seinen Einzug hält.

Unbemerkt von den Angehörigen ist Hanni immer mehr mit den Wölfen beschäftigt. Die Stadtobrigkeit überläßt diese Aufgabe ganz still und leise immer mehr der Jugend. Nur die kleine Gruppe Halbwüchsiger und Jugendlicher setzen sich mit den Wölfen auseinander. Von Polizei und ähnlichen Kräften sieht man immer weniger bei solchen Auseinandersetzungen. Die Presse spricht den kostenlosen Service an, doch es geschieht nichts weiter. Mit dem Frühlingseinzug erledigt sich das Problem von selbst, da die Wölfe wie im Vorjahr völlig verschwunden sind. Jeder geht seiner üblichen Beschäftigung nach. Die Klasse von Hanni ist nach den Sommerferien in die achte Klasse aufgerückt. Die Berufswahl rückt immer näher heran. Hanni möchte eigentlich mit der achten Klasse die Schule verlassen. Doch ihre Bemühungen um eine Lehrstelle sind nicht von dem erhofften Erfolg gekrönt. Für den gewünschten Beruf ist der POS-Abschluss erforderlich. Die sonstigen Möglichkeiten, wie Verkäuferin, sagen ihr aber auch gar nicht zu. Also erklärt sie dem netten Herrn, ich gehe dann doch lieber noch zur Schule. Das heißt, nun noch drei Jahre zur Schule zu traben.

Zum Ende des Sommers kann Hanni sich eine ganz einwandfreie Axt kaufen. Das gute Stück liegt sehr gut in der Hand und wird zu Hause gut versteckt. Doch der Winter wird ein milder Winter.

Eislaufen ist kaum möglich, da fast ständig Schmuddelwetter herrscht. Doch auch von den Wölfen ist nichts zu hören oder zu sehen. Den Jungen um den Großen und auch Hanni fehlen die Begegnungen, sowie der damit verbundene Nervenkitzel. Es ist schon ein Gefühl für sich, wenn man der blanken Natur gegenüber steht! Mensch gegen Tier- das ist noch ein gleichwertiger Kampf, da sie alle ohne Schußwaffen gekämpft haben. Doch gewöhnt sich jeder sehr schnell an die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit.

Im Frühjahr haben die Jugendlichen aus Hannis Klasse Konfirmation und Jugendweihe. Da werden alle ordentlich geputzt, die Familienfeiern in dieser Zeit reißen kaum ab. Es gibt Geschenke, wie Bettwäsche, Armbanduhr, Taschentücher und so einiges mehr.

Im Nu ist der nächste Winter heran, und mit ihm halten die Wölfe wieder ihren Einzug in Hannis Heimat. Ganz überraschend und heimlich sind sie von einem Tag zum anderen mitten in den Städten und Dörfern. Über der Bevölkerung schlägt der erneute Angriff der Tiere mit brachialer Gewalt zusammen. Sie dringen in Ställe ein, schlagen sich den Magen mit gerissenen Schafen und Rindern voll. Die Haustiere sind eine leichte Beute der Raubtiere, da sie sich nicht verteidigen können im engen Stall. Sie greifen selbst die Schulkinder beim aussteigen aus den Schulbussen an.

Hanni kann an einem Morgen gerade noch das schlimmste verhindern. Ein kleines Mädchen der Unterstufe ist von einem Wolf an der Hand gepackt worden und auf das Rudel zugezerrt worden. Da hat sie ihr Messer aus der Schultasche geholt und die Klinge dem frechen Tier ins Herz gejagt. Die Lütte schnappen und ganz schnell zum Tor rennen, ist alles eins. Dem Dienst habenden Lehrer sitzt das Herz noch in der Kniekehle. Doch dann kümmert er sich schnellstens um das verletzte Kind. Die Kinder haben ordergemäss im Sekretariat Bescheid gesagt. Ein Krankenwagen ist sehr schnell heran und bringt Lehrer und Kind ins Krankenhaus.

Der Mann ist heilfroh, daß nicht mehr passiert ist. Was hätte er den Eltern dann sagen sollen? Unter diesem Aspekt vergißt er völlig, nach der Schülerin zu sehen, die das Geschehen abgewendet hat.

Und Hanni ist froh, das niemand nach ihr fragt. Allerdings kann sie Bärbel nichts vormachen. Die sagt ihr auf den Kopf zu, das hast du gut gemacht! Meine Güte, ich hätte das nicht gekonnt. Ich habe dich in Aktion gesehen, das du da keine Angst hast!

Im Laufe des Schulvormittages hören sie dann, daß die Hand nur durchgebissen wurde, aber gute Heilaussichten bestehen. Das kleine Mäuschen ist nach Hause gebracht worden. Der Alltag fordert von den Jugendlichen die volle Aufmerksamkeit. Es geht auf den Zeugnistermin zu, Halbjahres- zeugnisse, damit muß man sich bewerben. Also möchte schon jeder sich anstrengen, um ein gutes Zeugnis zu erreichen. Da sind die Wölfe nicht so interessant, zumindestens während des Unterrichts.

Eine Woche später ist Hanni in der Stadt unterwegs, einkaufen für die Oma. Ihre Waffen hat sie natürlich bei sich. Sie ist doch froh, noch keine Einkäufe bei sich zu haben, als ein großes Wolfsrudel plötzlich aus einer Seitenstraße einbiegend auf sie zukommt.

Rücken an die Wand und dann geht es auch schon los. Die rechte Hand hält das Messer, die Linke hält die Axt, so werden sie empfangen. Es kommt zu einem mächtigem Gemetzel, das Heulen der Tiere hallt durch die leere Straße. Doch Hanni bekommt mitten im Gewühl plötzlich tatkräftige Hilfe. Der Große und zwei seiner Kameraden haben den Radau gehört und eilen ihr zur Hilfe. Von den Tieren entkommen nur zwei lebend, alle anderen bleiben tot oder verendend liegen. Alle jungen Leute sind vom Kampf erhitzt und außer Atem. Doch als sie sich beruhigt haben kommt die Frage, der Hanni eigentlich ausweichen wollte. Nun soll sie Farbe bekennen. Der Große fragt sie nach ihrem Namen. In Bruchteilen von Sekunden schießt ihr durch den Kopf, was machst du nun? Sage ich wahrheitsgemäß meinen Namen, dann bin ich für die Herren der Schöpfung doch gleich erledigt. Ganz egal, was sie von meiner sonstigen Tätigkeit auch halten- mit Mädchen wollen die ja nichts zu tun haben. Also kommt wie aus der Pistole geschossen, ich heiße Heiner. Der Große stellt sich und seine Freunde vor. Der Zappelkasper neben mir ist Roland, genannt Zappel. Der Knirps daneben ist unser Kolle, eigentlich heißt er Rolf, setzt er aber noch, wie entschuldigend dazu. Ja, und ich heiße Rainer, genannt der Große. Also, auf gute Kameradschaft und Zusammenarbeit, wenn du willst! Wir wissen, daß du nur allein auf Jagd gehst. Irgendwo ist das vielleicht doch ein bißchen sehr risikoreich. Wir verabreden uns immer zu zweit oder zu dritt, das ist doch sicherer. Wie alt bist du eigentlich? Fünfzehn, antwortet der neugebackene Heiner, ich gehe in die neunte Klasse. Es gibt aber eine Schwierigkeit, meine Angehörigen wissen nichts von meiner Tätigkeit. Allerdings wäre ich telefonisch erreichbar, wenn euch die Nummer etwas nützt? In Ordnung, meint der Große, wir melden uns bei dir. Er lacht auf, meinen Spitznamen werde ich aber nicht nennen, wenn ein anderer aus deiner Familie sich meldet. Machs gut, bis dann, wir wollen weiter.

Hanni fällt beim einkaufen plötzlich siedendheiß ein, Mensch, wenn die nach Heiner fragen? Was dann, den kennt doch keiner zu Hause. Nun heißt es, sich was einfallen lassen. Grübelnd tätigt sie ihre Einkäufe und macht sich dann auf den Heimweg. Beim Abendessen erklärt sie dann so ganz nebenbei, daß man ihr den Spitznamen Heiner verpaßt habe. Dabei klopft ihr das Herz bis zum Halse, sie denkt, man sieht ihr die Schwindelei an der Nase an!

Aber, wider erwarten geht es komplikationslos über die Bühne.

Der Opa zieht sie allerdings deswegen auf, doch niemand fragt nach dem wieso und warum dieses Namens.

Uff, als sie im Bett liegt und den Tag an sich vorbeiziehen läßt, das hätte bannig schief gehen können! Nur gut, das es so gelaufen ist. In den nächsten Wochen bekommt sie des öfteren Anrufe, die zur gemeinsamen Wolfsjagd rufen. Hanni fügt sich immer mehr in die Gruppe der Jungen ein. Gemeinsam bekommen sie die Straßen der Stadt einigermaßen sicher. Die Raufereien mit den Wölfen bleiben in einem, für die jungen Leute ertragbarem Rahmen. Es gibt hin und wider eine Verletzung, aber nie ernsthafter Natur. Sie sind alle ziemlich übermütig, niemand von ihrer Gruppe sieht die Gefahr, die für sie in dieser Tätigkeit steckt. Der junge Arzt, den sie alle bei Verletzungen aufsuchen, mahnt zwar immer wieder, doch ohne Erfolg! Sie sind jung und vom Erfolg verwöhnt.

Noch hat das Leben nicht sein ganzes Gesicht gezeigt. Die dunkle Seite hat sich ihnen bisher noch nicht gezeigt.

Der Winter ist ziemlich schnell vorüber gegangen. Die Wölfe ziehen sich zurück und das Leben kommt wieder in normale Bahnen. Mit dem Sommereinzug geht die Berufswahl voll los.

Hanni bewirbt sich in einem landwirtschaftlichen Betrieb, mit Abiturausbildung. Eigentlich mag sie die Schule ja nicht so, aber was soll es, man hat mehr Weiterbildungsmöglichkeiten. Und warum sollte sie das nicht schaffen, sie ist ja nicht auf den Kopf gefallen! In den Sommerferien wird wieder viel zu Hause geholfen, schwimmen gehen, mit dem Rad fahren. Auch eine Urlaubsreise wird unternommen. Hannis Bruder hat nun schon das erste Jahr seiner Ausbildung hinter sich, gegenüber seiner Schwester fühlt er sich da natürlich ganz gewaltig wichtig! Doch Hanni ignoriert sein Verhalten mit leichtem lächeln.

Im zeitigen Frühjahr dieses Jahres war Hanni mit ihrer Freundin zur Tanzstunde. Auf Mutters obersten Befehl mußten diese Stunden absolviert werden. Sie selbst fand den Aufwand zu diesem Zweck viel zu groß. Von den anwesenden Herren interessierte keiner sich so für Hanni, wie sie dies gewollt hätte.

Dazu der Trabbel mit der Körpergröße, wenn sie aufstand war der Knabe oft genug kleiner. Ein Umstand, den Hanni gar nicht mag.

Nun Fakt war, das sie beim Abschlussball von der Balustrade auf die Polonäse der anderen gesehen hat. Einerseits ein Grund zum ärgern, anderseits aber auch wieder besser, als da unten von den Erwachsenen begutachtet zu werden. Bärbel hatte einen ziemlich großen, dickeren Herrn abbekommen. Der junge Mann zeigte nach der Tanzstunde Interesse, weiterhin mit ihr befreundet zu sein. Er wollte mit ihr “gehen”. Nun war guter Rat teuer, sie mochte ihn nämlich nicht so eng an sich heran kommen lassen. Aber zur Bewerbungszeit haben die beiden Mädchen die richtige Idee, dem Bewerber den Spaß zu verderben. Der arme Kerl wird mit einem unfeinem Brief in die Wüste geschickt.

Noch immer sind den jungen Leuten schwimmen gehen, Rad fahren wichtig. Man geht auch mal ins Kino. Erste Liebesgefühle tauchen auf und werden heroisch bekämpft. Und die Sommerzeit rennt ihnen nur so davon. Die Schule hat sie wieder, bis auf zwei Klassengefährten. Die sind, teils mit Eltern, teils allein-der Vater ist drüben-in den westlichen Teil Deutschlands verschwunden.

Solche Vorkommnisse gibt es zur Zeit häufig. Für die Schüler der zehnten Klasse geht es zum Endspurt. Jeder ist gefordert, seinen Möglichkeiten entsprechend die Zensuren möglichst gut ausfallen zu lassen.

Mit dem hereinbrechenden Winter kommen auch die Wölfe wieder ins Land. Der Große arbeitet außerhalb seiner Heimatstadt, es fehlen auch noch vier andere Jungen der Wolfsjägergruppe. Sie sind zur Berufsausbildung in irgendwelchen Internaten. Da kommen sie nur aller paar Wochen mal nach Hause. Das macht sich für den Rest von zwölf Jungen und dem einem Mädchen ganz nett bemerkbar.

So viele Jagdausflüge können sie zeitmässig gar nicht bewältigen.

Denn sie gehen alle noch in irgendeine Schule der Stadt. Wölfchen besucht die Oberschule, ebenso Mathias, beide wollen noch studieren. Sie haben also alle Hände voll zu tun, denn für die Schule muß auch geackert werden, sonst gibt es zu Hause Ärger.

Es gibt viel Schnee in diesem Jahr und günstig sind die dran, die Skibretter besitzen. Damit sind sie schneller und können sich im Schnee sicherer bewegen. Kurz vor den Weihnachtstagen sind sie in einer Vierergruppe unterwegs. Da werden sie von einem großen Wolfsrudel eingeschlossen. Jeder versucht sich so gut wie möglich gegen die Tiere zu verteidigen. Die sind wie besessen und versuchen, mit aller Gewalt, die vier Jungen zu zerreißen. Panik kommt auf bei Wölfchen, Kolle und Zappel. Auch Heiner, sprich Hanni hat eine Wahnsinnsangst- sie weiß, wenn wir jetzt nicht alles versuchen, ist es aus mit uns! Fast heiser fordert sie die Jungen auf, sich schnell Rücken an Rücken aufzustellen. Sie schließen ihren kleinen Kreis und was dann folgt, ist eine einzige Schlachterei! Die Tiere scheinen einen Kampf auszufechten, der irgend etwas für sie sehr wichtiges entscheiden soll! Sie springen auf die Menschengruppe auf. Von oben greift ein Wolf Wölfchen an. Heiner kann gerade noch verhindern, das er dem Kameraden das Ohr amputiert. Wie die Berserker schlagen sie auf die Tiere mit ihren Äxten ein, das Messer nur zum abfangen anspringender Wölfe nutzend. Zappel hat seinen Kleister, den kleineren Kolle vor einem urig großem Tier zu bewahren. Heiner wird durch einen anspringenden Wolf zum knien gebracht. Auf Knien wehrt er sich verzweifelt gegen die ihn bedrängenden Tiere. Wölfchen, der am rechten Oberschenkel blutet, verhilft ihm mit einem Mordshieb zum aufstehen. Dieser Augenblick Luft reichte zum wieder hoch kommen. Nun ist Heiner eigentlich alles egal, nur raus müssen sie hier kommen. Achtung, wir gehen gemeinsam etwas vor, jetzt und dann drauf, was nur möglich ist. Die anderen glauben, Heiner ist tollwütig, so fegt er zwischen die Wölfe. Rechts und links mit Messer und Axt wird gemäht. Doch bleiben sie alle eng beieinander, schlagen sich gemeinsam frei. Auf der Walstatt bleiben zirka zwanzig Wölfe liegen. Doch auch die vier Jungen sind von dem Kampf gezeichnet! Wir müssen zum Doc, jeder hat etwas abbekommen. Heiner und Zappel stützen Wölfchen unter jeden Arm. Sie haben bei allem nur Kratzer, gemessen an Wölfchens Bein, verpaßt bekommen. Kolle hat einen tüchtigen Riß in der rechten Hand, kann aber sonst frei laufen. Zusammen machen sie sich auf den Weg. Dem Doc fallen bald die Augen heraus, bei ihrem Anblick! Ja, seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen! Seid ihr armen Irren im Schlachthof in die Blutauffangrinne gefallen? Los, rein mit euch, poltert er dann weiter. Hinter all seinen Grobheiten stecken nur die Sorgen um die jungen Leute. Ruhig bemüht er sich um die Versorgung aller Risse und Bisse. Wölfchens Bein ist eine Bißverletzung, die aber, welch frohe Kunde, nicht allzu tief geht. Es hat nur sehr geblutet, obwohl Heiner das Bein recht ordentlich erstversorgt hatte. Dieses wirken entringt dem Doc ein Lob für Heiner, obwohl er eigentlich das Mädchen lieber zu Hause anbinden möchte. Seine Fragen nach dem Verhalten der Tiere sollen abklären, ob er Tollwutschutzimpfungen anweisen muß. Doch da können sie ihn alle beruhigen, die haben sich nicht anders, als sonst verhalten.

Allerdings müssen die Viecher eine Mordswut gehabt haben, Kolle stellt das fest. So, wie Heiner dazwischen herumgetobt ist, so stelle ich mir Lederstrumpfs Chef de Loupe vor! Der Doc verdreht über diese Aussage nur die Augen. Nach einer ganzen Weile haben alle vier irgend etwas verbunden. Wölfchen bekommt allerdings aufgetragen, im Wartezimmer zu warten, ich fahre dich nach Hause, damit du nicht auf der Straße schlappmachst! Die anderen machen nach kurzem tschüs ganz schnell, das sie aus dem Staub kommen.

Ein Stück Weg haben sie noch gemeinsam, dann geht jeder seiner eigenen Wege. Sie haben alle etwas erlebt, über das sie nachdenken müssen. Es ist ihnen jetzt ziemlich deutlich geworden, das diese Beschäftigung ein Spiel mit dem Tod sein kann.

Hanni ist in den nächsten Tagen doch recht in sich gekehrt und kurz angebunden. Bärbel sieht sie nur immer wieder fragend an.

Der verbundene rechte Arm leitet ihre Gedanken in die richtige Richtung.

Doch handelt sie sich lieber keine dumme Antwort wieder ein.

Irgendwann wird Hanni ja sicher herauskommen mit ihrem Problem. Was dann auch bald passiert. Nachdem Hanni ihre Schilderung des letzten Einsatzes beendet hat, bleibt Bärbel erst einmal still. Dann fragt sie die Freundin ganz ernst, weißt du eigentlich, das ihr alle dabei ums Leben hättet kommen können? Die nickt nur, ich weiß, was da passieren kann. Bärbel, aber sage mir mal, wer setzt sich denn wirklich für die Ruhe vor den Wölfen ein? Ich sehe immer nur die Jungen und mich auf der Straße, wenn es mal wieder heiß hergeht. Glaube mir, ich hatte in dem Moment eine ganz große Angst, die schlug allerdings in Wut um! Gerade im richtigen Augenblick, sonst wäre es bestimmt schief gegangen.

Könntest du zusehen, wenn ein Kind oder sonst wer in Gefahr ist? Ich kann das nicht. Ich habe in den letzten Tagen lange hin und her überlegt, mit dem Ergebnis, das ich weiter mache. Glaube es mir, oder glaube es nicht, ich denke, ich muß das tun. Irgend etwas in mir zwingt mich dazu! Mir ist auch bewußt, das es zu ernsten Verletzungen kommen kann. Das Risiko muß ich dann eben eingehen.

Damit ist die Sache für beide erledigt. Zur Zeit gehen die Tage wieder ihren normalen Gang. Die Schule hat die zehnten Klassen voll im Griff. Von den Wölfen ist momentan nichts mehr zu sehen.

Es scheint, als hätte ihnen der letzte Kampf erst einmal den Rest gegeben.

An einem der nächsten Wochenenden, an dem mal die ganze Wolfsjägergruppe beieinander ist, wird das Geschehen erst einmal ausgewertet. Da werden auch die größten Spaßvögel sehr ruhig.

Wie ein kalter Hauch, der sie alle anweht, kommt es ihnen vor.

Wölfchen, dessen Bein besser ist, sagt ganz gelassen, uns hat der Tod am Arm gezogen, aber ich gebe mich dem nicht geschlagen.

Ihr müßt doch zugeben, daß unser Tun nötig ist. Wer sonst kümmert sich ernsthaft um die Tiere, außer uns? Wer macht also weiter mit? Das müssen wir schließlich genau wissen, einer muß sich auf den anderen voll verlassen können. Das ist mir bei der Auseinandersetzung ganz klar geworden. Ohne Heiner, denke ich jedenfalls, würde ich nicht mehr hier stehen. Der wimmelt die ausbrechende Diskussion vehement ab, jeder hat getan, was er konnte. Sonst hätten wir alle den Abgang gemacht. Und setzt mit Kribbeln in der Bauchgegend hinzu, wenn wir überhaupt etwas erreichen wollen, müssen wir mehr über Wölfe lernen.

Zusammenhalten ist oberstes Gebot, sonst geht es irgendwann schief. Ich, jedenfalls werde weitermachen, das ist mir in der letzten Zeit klar geworden. Auch wenn ihr lacht, aber mir kommt es so vor, als müßte ich das tun! So von innen heraus, ich kann das schlecht erklären. Eigenartiger Weise bleiben aber alle ganz ernst.

Im Endeffekt erklären zwei der Jungen, wir lassen das lieber, diese Geschichte wird zu riskant. In das aufkommende Gefrotzel greift Heiner ruhig ein. Laßt das Geeier, Angst habe ich auch nicht zu knapp gehabt, das ist wirklich nichts außergewöhnliches. Ich glaube, das jeder Mensch anders mit seiner Angst umgeht. Man muß in jedem Fall die andere Entscheidung achten. Also laßt sie in Ruhe! Der Große sieht Heiner ganz groß an, Kleiner, du scheinst es ganz dick hinter den Ohren zu haben! Aber er hat Recht, denke ich, Freunde können wir auch bleiben, wenn wir nicht mehr alle gegen die Wölfe kämpfen. Damit ist die Situation entspannt.

In diesem Winter gibt es keine Scharmützel mehr mit Wölfen. Die haben sich für dieses mal völlig zurückgezogen. Das ist für die Ausbildung der einzelnen Mitglieder der Gruppe nur gut. Sonst hätte es sicher manche schlechte Note mehr gegeben.

Hanni kann sich nun auch mehr auf ihre schulischen Aufgaben konzentrieren. Die Prüfungen rücken immer näher. Es werden viele Leistungskontrollen geschrieben, mit unterschiedlichen Erfolgen. An die Matheprüfung denkt sie äußerst ungern, doch kann man diesen Dingen leider nicht ausweichen. Mit Hilfe einer sehr lieben Lehrerin, die Hannis Kenntnisse auf mathematischem Gebiet genau kennt, wird auch diese Klippe umschifft. Die restlichen Prüfungen rufen zwar auch Herzklopfen in Mengen hervor, aber da weis sie, das sie mit dem Stoff klar kommt. Nach den letzten mündlichen Prüfungen schließt sich die Tür der Schule hinter diesem Jahrgang Schüler. Dann kommen noch die Zeugnisübergabe und das Abschlußfest der Abgänger.

Nun sind erst einmal Ferien, die letzten großen Ferien ihres Lebens. Im September geht die Lehre los. Dazu muß Hanni in ein Internat ziehen, der Heimatort ist zu umständlich zu erreichen. Mit der Mutter fährt sie in den Urlaub, für das Ferienlager ist sie seit zwei Jahren zu groß. Dann macht sie sich mit der Freundin die Ferien so nett, wie möglich. Beide sind auf den neuen Lebensabschnitt neugierig.

Am ersten September fällt dann dafür der Startschuß, Hanni kommt gleich in die Kartoffelernte hinein. Da müssen alle Lehrlinge des großen VEG anpacken. Die Vollerntemaschine allein schafft es nicht, deshalb ist für alle bücken angesagt. In den Schultagen können sie sich körperlich wieder erholen, denn da ist nur der Kopf gefragt. Es heißt wieder büffeln, drei Jahre sind keine allzu lange Zeit. Danach wird dann das Abitur gemacht und die praktischen Berufsprüfungen.

Die Lehrzeit wird für Hanni eine Zeit des auf und ab. Im zweiten Lehrjahr geht ihr treuer Kinder- zeitbegleiter, ihr Großvater, seinen letzten Weg. Das ist für sie ein harter Einschnitt ins Leben.

Doch wird sie, wie die anderen Lehrlinge auch, voll gefordert.

Wettbewerbe mit anderen Ausbildungsstätten verlangen den vollen Einsatz. Aber auch das Vergnügen und der Spaß kommen nicht zu kurz. Im Internat werden schöne Feste gefeiert, Erntefest, Fasching und andere. Vorbereitung und Durchführung liegen in der Hand der Lehrlinge. Es wird von den Lehrern nur kontrolliert, ob alles ordnungsgemäß und den sozialistischen Anforderungen gemäß abläuft. So muß, beispielsweise bei der Musikauswahl ein bestimmter Prozentsatz im Lande hergestellt worden sein. Nur ein kleiner Anteil darf westlichen Ursprungs sein. Gerade diese Musik ist bei der Jugend aber beliebt. Doch was soll es, wird eben so gefeiert.

Die landwirtschaftliche Arbeit ist eine körperlich schwere Tätigkeit. In den kalten Monaten des Jahres kommen sie viel mehr in die Viehställe. Hanni läßt sich das handmelken zeigen und hat prompt eine Sehnenscheidenentzündung. Erst Omas Medikamente bringen die Angelegenheit wieder zur Ruhe. Doch macht ihr die Arbeit mit den Tieren viel Spaß. Nur bei Pferden bleibt sie immer sehr vorsichtig, hat doch so ein nettes Tier ihr mal ganz nett in die Schulter gehappst. Nur mal so, das war ein ganz besonders mürrischer Vertreter seiner Rasse! Der Schreck war das tollste an der Angelegenheit, denn ein richtiger Biß sieht anders aus. Das weiß keiner besser, als sie.

Die Wölfe zeigen sich nur sehr selten in Hannis näherer Heimat. In Mecklenburg und im Brandenburger Raum ist während der Lehrzeit viel mehr los. Bei einem Besuch zu Hause erzählt ihr der Große von seinen Erlebnissen in Mecklenburg. Er arbeitet dort auf Montage im Bau. Heiner, berichtet er, du kannst es glauben, ich habe bei den Wölfen dort einen Bären gesehen.

Mathias, der auch daneben steht, sieht genauso ungläubig aus wie Heiner. Dann fragen sie nach. Du meinst einen richtigen, großen Braunbären? Der war zwischen den Wölfen? Heiner ist völlig von der Rolle, Menschenskinder, stellt euch das mal vor! Normaler weise geht kein Bär mit Wölfen auf Jagd, sagen jedenfalls die Zoologen. Ich habe einen ganzen Teil Bücher über Tiere, das dürfte es eigentlich nicht geben, was du da