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Die Geschichte handelt von Alessandra, einer jungen Prinzessin. Sie ist eine der Wolfsherzen, ein friedliebendes, naturverbundenes Volk, das eine besondere Beziehung zu den Wölfen des Rothwaldes besitzt. Als Thronerbin wurde sie zwar in allen wesentlichen Dingen ausgebildet, jedoch ist Alessandra extrem behütet auf dem Schloss ihrer Eltern aufgewachsen. Als sich für sie die Gelegenheit bietet, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr Leben selbst zu bestimmen, begibt sie sich auf einen gefährlichen Weg voller Missgunst und Lüge, aber vor allem voller Liebe. Die Liebe begegnet ihr in Form von Baldur, einem Fürst der Steinengel. Ein Volk, das ihr als blutrünstig und gefährlich beschrieben wird, und von dessen Existenz sie zuvor noch nie etwas gehört hatte, obgleich die Steinengel ebenso lange existieren wie die Wolfsherzen. Während sie Entscheidungen trifft und Gefahren meistert, reift sie vom kleinen Mädchen zu einer jungen erwachsenen Frau. Diese Entwicklung wird sie schließlich von ihrem Weg als Thronfolgerin abbringen und sie fort von ihrer Familie führen. Doch nicht nur Alessandra macht eine innere Entwicklung durch. Auch Baldur verändert sich unter ihrem Einfluss von einem egozentrischen, zügellosen und melancholischem Jungen zu einem verantwortungsbewussten Mann, dem Werte wie Liebe, Güte und Freundschaft wieder wichtig sind.
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Seitenzahl: 670
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Betty Zehner
Wolfsengel
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Widmung
1. Teil: Rothwald - Der Traum
2. Teil: Kapitall - Wirklichkeit und Täuschung
3. Teil: Verbotene Liebe?
4. Teil: Das Felsengebirge - Gefängnis des ewigen Lebens
5. Teil: Verwandlung - Engel fallen
6. Teil: Rückkehr oder Flucht
7. Teil: Liebe verleiht Flügel
Impressum neobooks
Für Andreas und Anela. Ihr seid die Liebe meines Lebens.
Und für Beatrice. Meine Seelenschwester.
Der Schnee knirschte unter den Stiefeln der Männer und den Hufen der Pferde. Der Atem schien in der eisig kalten Luft gefrieren zu wollen. Die Äste der dicht stehenden Bäume hingen tief herab, hinunter gedrückt von der Schwere des Schnees, die auf ihnen lastete. Sie mussten sich mühsam einen Weg durch die dunkle Winternacht bahnen. Das unwirkliche Leuchten des weißen Schnees war das einzige Licht, das sie hatten. Dunkelheit, Kälte und dazu ein Pfad, der kaum zu erkennen war, machten die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass diese überschaubare Gruppe im Schutz einer Ansiedlung ankommen würde, bevor sie den grausamen Tod in der Kälte finden würde. Doch keiner der Mitglieder wirkte verzweifelt, nervös, noch nicht einmal unruhig. Ihr Anführer, in einen dicken Mantel aus Fellen gehüllt, den Kopf unter einer großen Kapuze verborgen, leitete sie ohne Zögern durch den tief verschneiten Wald. Kein einziges Mal hielt er an, um sich nach dem richtigen Weg zu vergewissern, auch drehte er sich nie nach seinen Gefährten um. Ab und zu blähte sein Pferd die Nüstern und begann unruhig zu tänzeln, doch jedes Mal beruhigte er es, indem er ihm sanft seine Hand auf den Hals legte.
In dieser trostlosen Winterwelt spielte Zeit keinerlei Rolle. Niemand hätte sagen können, wie lange sich die Gruppe bereits durch den Wald kämpfte, noch wie lange sie sich noch weiter würden kämpfen müssen oder können. Doch endlich standen die Bäume weniger dicht und das Ende des Waldes war zu erkennen. Es wurde immer heller. In der Ferne waren bereits Lichter zu sehen. Es dauerte nun nicht mehr lange und sie hatten ihr Ziel endlich erreicht. Als sie schließlich die Unwirtlichkeit des Waldes hinter sich gelassen hatten, lagen sanfte, weiße Hügel vor ihnen. Der Schnee glitzerte wie tausende Diamanten. Hoch am Himmel schien ein Mond halbförmig vom sternenklaren Himmel. Auf dem höchsten Hügel stand ein bewehrtes Schloss. Sechs riesige Türme ragten in die tintenblaue Nacht hinauf.
Ohne Eile bahnten sich die Reiter ihren Weg über einen steilen Pfad hinab, der sie darauf über eine Brücke aus dicken, schweren Holzbalken führte. Unter ihnen war das tiefe Rauschen eines Flusses zu hören, der aus den weit entlegenen Bergen kam. Links und rechts am Ufer türmten sich große Schneemassen, so dass der Fluss eher zu hören, als zu sehen war. Nach der Brücke führte der Weg in kleinen Serpentinen nach oben. Dort war ein großes von dicken Mauern eingefasstes Tor zu erkennen. Das Pferd des Anführers strebte eiligst dorthin, doch wenige Meter davor, zog sein Reiter die Zügel an und ließ seine Gefährten vor ihm in den Schutz der Festung reiten. Ein Heulen wurde in der Ferne laut und zum ersten Mal in dieser Nacht drehte sich der Anführer um und blickte zurück zum Wald, aus dem sie gekommen waren. Zwischen den Bäumen tauchte ein Rudel Wölfe auf.
Kurz funkelten die Augen des Anführers rot, als er sich wieder umwandte und in den hell erleuchteten Hof der Burg ritt. Das Tor schloss sich ächzend hinter ihm. Seine Gefährten waren bereits abgestiegen. Sie klopften sich den Schnee von den Mänteln und übergaben ihre Tiere in die Obhut der Stallknechte. Für den anstrengenden Ritt hatten sie sich einen warmen Stall und eine Extraportion Hafer verdient. Die Männer grüßten den Anführer, als dieser durch den Hof zum nächsten Tor ritt, durch das er in einen zweiten größeren Hof gelangte. Dort warteten bereits Knechte und Pagen. Die Knechte ergriffen sofort die Zügel und brachten den Hengst zum Stehen. Doch als sie ihm beim Absteigen helfen wollten, winkte er ab. Behände sprang er aus dem Sattel. Bevor er sich die dunkelbraunen Lederhandschuhe von den langen Fingern streifte, klopfte er seinen Mantel aus. Als er dann die große Kapuze herunter streifte, enthüllte sie eine Pracht dunkelbrauner Locken.
Das Wasser spritzte links und rechts in alle Richtungen, als der weiße Hengst durch die heran tosenden Wellen galoppierte. Das weiße Schloss, das auf einer der hellen Klippen stand, die weit ins türkisblaue Meer hineinragten, schien ihnen bei diesem Tempo entgegen zu fliegen. Der Reiter lenkte nun sein Pferd in Richtung dieser Klippen, wo sich versteckt, vom Strand kaum sichtbar, ein schmaler Pfad hinauf schlängelte. Er führte zu dem wunderschönen Palast aus hellem Stein mit den hinein geschnitzten Ornamenten und gedrehten Türmen. In wahnsinnigem Tempo trieb er den Hengst den Weg hinauf, der nur aus Sand und Steinen bestand. Bei dieser Geschwindigkeit hätte dies über kurz oder lang den Sturz in den sicheren Tod bedeutet. Doch der Reiter kannte den Pfad sehr genau, schließlich ritt er seit Jahren diesen Weg mindestens einmal am Tag. So gelangte er unversehrt an die Spitze der Klippe und zu den Ausläufern eines üppigen, tropischen Parks. Um sandige Wege reihten sich große uralte Bäume, die vor der hoch am Himmel stehenden Sonne Schatten boten. Bunte Blumen und Pflanzen wuchsen überall dazwischen und bildeten dadurch ein scheinbar undurchdringliches Dickicht. Selbst auf den Stämmen der Bäume wuchsen blühende Pflanzen.
Der Reiter zügelte plötzlich sein Pferd und schaute erwartungsvoll in eine Richtung. Dort, wo er hinblickte, begannen langsam die Blüten zu tanzen und die Blätter raschelten. Es dauerte nur kurz, dann tänzelten ein paar Mädchen aus den Büschen und umringten ihn leise singend.
„Dass wir dich nie überraschen können“, schimpfte eines von ihnen und die anderen blieben lachend stehen. „Selbst wenn wir noch so still sind, hörst du uns schon auf eine Meile kommen.“
„Er ist eben anders als Ihr, Euer Majestät“, stichelte ein anderes Mädchen und die anderen stimmten in ihr glockenhelles Lachen ein.
„Aber er ist doch mein Bruder“, protestierte sie gespielt böse.
„Ach, Aleta“, er ritt neben sie, legte seinen Arm um ihre Taille und zog sie hoch zu sich auf sein Pferd.
„Jeder hat doch seine speziellen Fähigkeiten, meine ist eben mein perfektes Gehör.“
Sie strahlte ihn aus jadegrünen Augen an und ihre zarte Hand berührte sanft eines seiner leicht spitz zulaufenden Ohren.
„An der Form deiner Ohren kann es nicht liegen“, sie lachte hell auf, „denn meine sind wesentlich spitzer als deine.“
Er betrachtete seine Schwester nachdenklich, dann legte er seine Stirn missbilligend in Falten. Aleta trug genau wie ihre Kameradinnen bloß ein knappes Oberteil und einen kurzen Rock. Beide bedeckten gerade so viel, dass der Fantasie noch genüge getan wurde. Sie bestanden aus vielen unterschiedlich großen, wunderschönen, bunten Schmetterlingen, die scheinbar mit jeder Bewegung der Mädchen mit flogen, um einerseits zu necken und andererseits den Mädchen keine Blöße zu geben.
Es kam nicht selten vor, dass der Reiter sie wegen ihrer naiven Unbedarftheit schimpfte und dafür nur ihr ansteckendes Lachen erntete. Somit waren Finnroth und Aleta sich in vielerlei Hinsicht nicht so ähnlich, wie es für Zwillinge normal gewesen wäre.
Das Klirren und Krachen eiserner Schwerter hallte laut durch die ansonsten stillen Gänge. Keuchend warfen sich die beiden Ritter immer wieder gegeneinander. Schweiß tropfte ihnen von der Stirn. Die ledernen Schutzpanzer und die Kettenhemden, die sie darunter trugen, verhinderten, dass sie sich keine schwerwiegenden Verletzungen zufügten. Schließlich drängte der Größere von ihnen, dessen schwarze Haare schon von grauen Strähnen durchzogen waren, den anderen durch eine Reihe schneller, raubtierhafter Bewegungen in die Defensive. Funken flogen von den Schwertern, die immer wieder kraftvoll gegeneinander krachten. Der andere konnte kaum noch seine Deckung halten.
„Halt“, die Stimme durchschnitt unerbittlich das donnernde Geräusch der Waffen und ließ die Männer abrupt inne halten. „Du bringst ihn noch um.“
Der Angesprochene ließ sein langes Schwert sinken und wandte seinen Körper in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Mit seiner behandschuhten Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn.
„Eure Hoheit.“ Der andere ließ sich in eine tiefe Verbeugung nieder und senkte den Kopf.
„Du kannst gehen.“
Sogleich zog er sich aus der Waffenkammer zurück. Sie schenkte ihm ein freundliches Lächeln, als er an ihr vorbei die Treppe hinaufstieg.
Der Ritter legte sein Schwert auf ein Holzgestell, in dem eine ganze Reihe unterschiedlicher Waffen steckten, und begann seine Ausrüstung abzulegen.
„Sie sind dir auf Dauer nicht gewachsen und das weißt du eigentlich auch.“
Als hätte er sie nicht gehört, fuhr er fort seinen mittlerweile entblößten Oberkörper mit einem Tuch trocken zu reiben.
„Du musst deine Kräfte kontrollieren“, tadelte sie ihn, während sie die letzten Stufen hinunterging. Ihre dunkelbraunen Locken schimmerten silberweiß im Licht der Fackeln, ein hellgoldener Reif glitzerte dazwischen.
„Ich wusste gar nicht, dass du wieder zurück bist“, er überging ihren Tadel einfach. Wieder einmal. Als er fertig war, wandte er sie schließlich zu ihr um.
Sie trug ein grüngoldenes Kleid mit dreiviertel langen Ärmeln aus glattem Samt, das eng an ihrem schlanken, sehnigen Körper hinunterfloss und erst ab den Knien weiter wurde und in einer kurzen Schleppe endete. Ihre tiefgrünen Augen funkelten ihn herausfordernd an, als sie zu ihm trat.
„Kein Wunder, hier unten vergisst man Raum und Zeit.“ Sie griff sich mühelos eines der schweren Schwerter aus dem Holzregal und wiegte es prüfend in der Hand. Er grinste breit, wusste er doch ganz genau, was sie vorhatte. Schnell griff er nach seinem Schwert und parierte ihren plötzlich vorschnellenden Angriff.
„Du willst mir wohl eine Lektion erteilen“, spottete er lachend, als er sich blitzschnell wegdrehte und ihre nächste Attacke so ins Leere laufen ließ. Sie drehte sich geschmeidig um und stieß ihre Waffe in einer fließenden Bewegung erst nach vorne und dann zur Seite. Scheppernd fiel sein Schwert zu Boden.
„Überlegenheit bedeutet nicht ungebremste Gewalt, sondern kontrollierter Einsatz der Kräfte.“
Ruhig hob der Ritter seine Waffe auf und legte sie an ihren Platz zurück. Er war geschlagen, das würde er allerdings niemals zu geben. Denn Eron stand in ständiger Konkurrenz mit seiner Schwester.
Der Wind pfiff eisig um die spitzen Türme der Festung und blies hart gefrorene Eiskristalle durch die Luft. In dieser unwirtlichen Gegend mit extremer Kälte und Frost und den steilen kantigen Bergen konnte nicht viel Leben existieren. Doch hoch oben auf einem einzeln in den Himmel ragenden Felsen stand eine Burg, die mit dem Gestein zu verschmelzen schien und den Eindruck erweckte, als wäre sie nicht von Menschenhand gefertigt, sondern aus dem tiefschwarzen Stein herausgewachsen. Die glatten, spitzen Felsen boten keinerlei Möglichkeit, die Feste zu erreichen. Doch das schien auch nicht nötig, denn es gab sowieso kein Tor, das einen Eingang innerhalb der Mauern geboten hätte. Rund um die Felsen stürzten Wassermassen aus viele Meter hohen Fällen im Norden der Festung ins Tal hinab. Gesäumt von hohen Bergen schien es kein Hinein- oder Hinauskommen zu geben. Doch oben auf dem höchsten der vielen Türme stand ein Mann, sein dunkler Mantel wehte heftig im starken Wind. Er zerrte an seiner Kleidung und blies seine Haare wild durcheinander. Aufrecht und ohne jegliche Regung stand der Mann starr wie eine Statue und blickte hinunter ins Tal. Obwohl es für ein menschliches Auge nichts zu sehen gab, schien es, als betrachte er etwas weit entferntes eindringlich. Plötzlich, so blitzartig, dass es kaum wahrnehmbar war, sprang er hinab. Im Bruchteil einer Sekunde landete er im weit unter ihm liegenden Innenhof.
Ein Augenpaar richtete sich aus der dunkelsten Ecke des Hofes auf ihn und eine große, schlanke Frau trat aus dem Schatten der Mauer. Sie trug einen dunklen eng anliegenden Anzug aus Leder, der jede ihrer katzenhaften Bewegungen deutlich zeigte. Das fest geschnürte Mieder entblößte ihre prallen, weißen Brüste. Die hohen Stiefel ließen ihre Beine noch länger wirken.
„Du solltest nicht so trübsinnig sein“, sprach sie ihn mit einer Stimme an, die so verführerisch war, dass sie jeden in ihren Bann zu ziehen vermochte.
„Ich werde erst Ruhe finden, wenn sie mein ist“, entgegnete er mit einem tiefen Grollen. Besänftigend legte sie ihre Hand an seine Brust, ein wohliges Seufzen entfuhr ihr, als sie seine starken Muskeln unter dem fast durchsichtigen weißen Hemd spürte.
„Sie warten bereits auf dich“, teilte sie ihm mit, während sie ihn verführerisch umrundete und ihm den Weg zu einer sich geräuschlos öffnenden Tür wies. Gemeinsam traten sie hindurch auf eine Galerie, an deren Brüstung in kurzen Abständen mit Totenköpfen und Rosen verzierte Leuchten angebracht worden waren. In diesen steckten Kerzen, die den mehrere Meter hohen Saal und seine Kuppel erhellten. Sie umrundeten auf der Galerie den Raum zur Hälfte und als sie auf die Treppe nach unten traten, erhoben sich begeisterte Rufe von mehreren Dutzend Männern und Frauen, die einen Kreis um einen Altar gebildet hatten. Sie waren alle dunkel gekleidet, manche von ihnen trugen schwarze Umhänge und alle hatten sie bleiche, fast weiße Haut. Auf dem Altar lag mit dicken Stricken gebunden ein nacktes Mädchen, dessen blondes Haar sich in sanften Wellen üppig links und rechts über den steinernen Tisch ergoss.
Die vielen tausend Kerzen an den Wänden und auf dem Boden flackerten fast unmerklich auf, als er sich von der Treppe blitzschnell zu dem Mädchen bewegte.
Seine erhobene Hand hielt kurz inne, bevor er sie über ihre Wange bis hinunter zu ihren Brüsten wandern ließ. War es zügellose Gier, die in diesem Moment in seinen Augen aufblitzte? Das Mädchen schien keine Angst zu haben. Wie in Trance blickte sie ihn regungslos an, ihre Brust hob und senkte sich regelmäßig im Rhythmus ihres Atems. Als er sich schließlich in einer plötzlichen Bewegung über sie beugte und ihr Körper wie elektrisiert hoch zuckte, brachen die Versammelten erneut in begeisterten Jubel aus.
Der große Thronsaal, der komplett aus weißem Marmor bestand und mit goldenen Ornamenten geschmückt war, war nach allen Seiten hin offen. Große Flügeltüren ließen den Wind hereinströmen, der den von der Sonne erhitzten Saal, angenehm kühlte.
Aleta tänzelte leichtfüßig über den mit bunten Bildern verzierten Boden. Dieses Mal trug sie ein hauchdünnes zart rosa Kleid, das leicht ihren Körper umspielte. Schmetterlinge hatten sich dazu, wie als Schmuckelement, auf dem linken Träger ihres Gewandes versammelt und zeigten durch langsames Schlagen ihrer Flügel, dass es sich um Lebewesen handelte. Versonnen hielt sie schließlich in ihrem Tanz inne und betrachtete nachdenklich ein Gemälde, das eine Karte der anderen Länder darstellte. Im Süden lag Thaliyand, ihre Heimat, daran angrenzend im nördlicheren Westen das Land der Wolfsherzen, in der Mitte das unabhängige Kapitall, im nördlicheren Osten das Land der Freibeuter mit dem großen Schwarzsee, der fast die Fläche eines Meeres einnahm und schließlich ganz im Norden jenseits der nördlichen nordischen Wälder, welche die natürliche Grenze zum Land der Wolfsherzen darstellte, das Felsengebirge.
„Ich möchte das alles einmal sehen und die Menschen, die dort leben kennen lernen“, sagte sie und wandte sich ihrer Mutter und deren Gefährten zu, die gemeinsam auf den großen pinken und grünen Kissen aus Seide lagen, die anstelle eines Throns auf einer Erhöhung im südlichen Teil des Saales angeordnet waren.
Erschreckt setzte sich Königin Lilijana auf.
„Nein“, ihr bestimmender Ton ließ keinen Widerspruch zu, „es gibt keinen Grund, dass du das alles erfahren sollst. Hier ist der Ort, an dem du hingehörst, der dir alles bietet, was du brauchst und der dir Glück und Zufriedenheit beschert.“
Leichtfüßig eilte sie zu ihrer Mutter und ließ sich zu deren Füßen auf eine Treppenstufe sinken. Die Schmetterlinge waren durch ihre Eile in Bewegung geraten, so dass sie sich jetzt erst einmal wieder auf ihrem Kleid ordnen mussten.
„Aber findet Ihr es denn nicht traurig, dass wir so wenig Kontakt zu den anderen haben? Wir könnten sicher viel voneinander lernen.“
Lilijana wechselte einen viel sagenden Blick mit Fayn, ihrem Gefährten.
„Es hat gute Gründe, dass wir uns von den anderen absondern. Es reicht vollkommen aus, dass König Karlus beim Sommersonnwendfest zum jährlichen Austausch zu uns kommt. Außerdem ...“
Sie wurde unterbrochen von Finnroth, der in voller Rüstung, seinen Helm unterm Arm, den Thronsaal betrat.
„Ich werde mit Faramin und Sandro die Grenzen abreiten. Wir sind zum Abendrot wieder zurück.“
Er verneigte sich kurz und verschwand so schnell, wie er gekommen war.
„Wieso darf er zumindest einen Blick in die mir so fremden und interessanten Länder werfen und ich muss hier im Palast bleiben?“ Trotz ihrer siebzehn Jahre wirkte die Prinzessin in diesem Moment wie ein trotziges Kind.
Lilijana strich ihrer Tochter versöhnlich über die hellbraunen Locken, die in der Sonne golden schimmerten.
„Weil dein Bruder durch seine besonderen Fähigkeiten Eindringlinge entdecken kann, bevor er selbst entdeckt werden würde. Dazu ist er einer der besten Ritter, die wir haben und wir können froh sein, dass er immer für unsere Sicherheit sorgen wird.“
Die Königin küsste Aleta die Stirn. „Wir haben hier doch alles, was wir uns nur wünschen könnten. Ein schönes Zuhause, den Strand, das Meer. Wir haben das ganze Jahr Sonnenschein und Früchte im Überfluss. Glaube mir, mein Kind, der Rest der Welt ist nicht erstrebenswert erkundet zu werden.“
Tausende von Kerzen in den Kronleuchtern an der Decke und in den kunstvoll geschmiedeten Lüstern an den Wänden tauchten den großen Saal in warmes goldenes Licht. Die schweren Damastvorhänge vor den bis zum Boden reichenden großen Sprossen-Fenstern sperrten die eiskalte Winternacht hinaus und machten die Menschen drinnen vergessen, dass die Kälte draußen alles totengleich erstarren ließ.
Die besten Musikanten aus dem ganzen Land waren gekommen und hatten ihre wertvollen Instrumente an einem der kurzen Seiten des rechteckigen Saales aufgebaut. Ihre Klänge brachten die Gäste, die bereits eingetroffen waren, in eine heitere Stimmung.
Weine, weiß und rosé, aus den besten Anbaugebieten rund um Kapitall sollten ihr Übriges tun, ein rauschendes Fest zu veranstalten. Die ganze Woche waren Vorkehrungen getroffen worden. Sämtliche Gänge, Flure und Winkel im gesamten Schloss waren auf Hochglanz gebracht worden, auch jene Ecken, in die sich sicherlich keiner der Gäste jemals verirren würde. Feinste Stoffe, edle Gefäße und teure Teppiche waren angeliefert und an den rechten Platz gerückt worden. Doch der Höhepunkt war die mehrere Meter hohe tiefgrüne Benedictus-Fichte, die in der Mitte des Saales stand und mit Sternen, Kristallen und Figuren aus Glas und Zinn sowie mit Kerzen geschmückt war. Diese Tradition ging auf König Benedictus zurück, einem der ersten Könige Rothwalds. Eines harten Winters, als die Welt herum erstarrt zu sein schien und viele Menschen und Tiere starben, weil sie erfroren oder verhungerten, sollte es für die Wolfsherzen noch schlimmer kommen. Plünderer suchten Rothwald heim. Keiner wusste woher sie kamen, doch sie verwüsteten die Dörfer und nahmen den Menschen das Wenige, was sie zum Überleben noch hatten. Der harte Winter hatte auch vielen Soldaten das Leben gekostet und so war das militärische Aufgebot des Königs den Plünderern zahlenmäßig unterlegen. Da geschah es, dass die Wölfe aus den Wäldern den Wolfsherzen zu Hilfe kamen. Mensch und Tier gemeinsam vertrieben die Plünderer aus Rothwald. Und seitdem waren nie mehr Fremde ins Land eingefallen. Zum Dank für die Hilfe erließ Benedictus ein Gesetz, das die Wölfe schützte. Nicht vor den eigenen Leuten. Das war nicht notwendig, denn die Menschen und die Tiere von Rothwald verband jeher eine unergründliche Verbundenheit. Das Gesetz, das in der unabhängigen Stadt Kapitall für jeden als geltend festgeschrieben wurde, besagte, dass ein Wolf in Rothwald weder gejagt, noch gefangen, noch getötet werden dürfte. Zur Ehre der Wölfe und des Waldes und zur Erinnerung an die Rettung wurde jedes Jahr im Winter ein Fest gefeiert, an dem diese Fichte aufgestellt und geschmückt wurde. Doch auch die Tiere demonstrierten ihre Verbundenheit mit den Wolfsherzen, indem die Leitwölfin eines ihrer Jungen dem König zur Aufzucht und Obhut überbrachte. Dies taten auch sie einmal im Jahr. Mit der Zeit jedoch war diese Geschichte immer mehr zu einem Mythos geworden. Niemand konnte mehr sagen, ob es sich tatsächlich so zugetragen hatte, wie man sich erzählte. Das Gesetz gab es, das war aber auch der einzige richtige Beweis für die Wahrheit des Mythos. Schon länger war kein Wolfswelpe mehr im Schloss aufgezogen worden. Trotzdem wurde das Fest auch nach Generationen immer noch gern gefeiert und auch das Gesetz wurde beachtet, auch wenn es deswegen wie zuletzt zu schwerwiegenden Konsequenzen kommen konnte.
Die Wolfsherzen liebten das Fest und die Krönung war für sie jedes Mal, wenn die Königin an die Spitze der Fichte den aus Rauchquarz geschliffenen Faustgroßen Wolfskopf hängte. König Karlus hatte in den vergangen Jahren eingeführt, dass nicht mehr nur das eigene Volk am Fest teilnehmen sollte, sondern auch hochrangige Vertreter der benachbarten Länder. Und auch für sie war das Fest der Benedictusfichte ein besonderes Ereignis.
Die Küche hatte in den letzten Tagen keine ruhige Minute gehabt und Unmengen an Pasteten, Terrinen, Braten, Suppen, Salaten und süßen Köstlichkeiten gezaubert. Die Vorfreude hatte alle Bewohner des Schlosses erfasst und ein jeder war in Hochstimmung.
Alessandra stand an der Brüstung der großen Treppe, die nach unten in die Empfangshalle führte, von der aus die riesigen mit zahllosen Schnitzereien verzierten Flügeltüren den Weg in den Festsaal öffneten. Ruhig ohne jegliche Gefühlsregung beobachtete sie, wie Gast um Gast vom Zeremonienmeister förmlich begrüßt wurde. Lakaien nahmen dicke Fellmäntel entgegen und brachten sie in einen separaten Raum, der heute nur zur Aufbewahren dieser wärmenden Bekleidung vorgesehen war. Wie am Ende des Festes jeder Gast den richtigen Mantel bekam, war allein das Geheimnis der Lakaien.
Der Prinzessin fielen sie sofort auf, als sie die Empfangshalle betraten. Sie hatte sie schon öfter gesehen, dennoch war es jedes Mal ein bezauberndes Erlebnis, das sie in seinen Bann zog. Man merkte ihnen gleich an, dass sie es als ungewohnt und vor allem lästig empfanden, in dicke Mäntel und Mützen gehüllt sein zu müssen. Sie kamen ja auch aus einem Land, in dem es das ganze Jahr warm war und die Sonne schien. Sogar der Regen war warm, hatte man ihr erzählt. Besonders die augenscheinlich Jüngste von ihnen schien es anzustrengen, die Schwere dieser Garderobe aushalten zu müssen. Sie strahlte eine Aura von wärmendem Licht aus und ihr sonniges Gemüt verbreitete einen Charme, der jeden in ihrer Umgebung sogleich in gute Laune versetzen musste.
Alessandra erkannte natürlich auch die Königin der Spitzohren, Lilijana, und ihren Gefährten Fayn. Die Königin hatte lange, glatte, dunkelblonde Haare, die wie flüssiges Gold ihren nackten Rücken hinabflossen. Sie trug ein fließendes Kleid aus pinken und türkisen Stoffen.
Über die beiden wurde nicht nur geredet, wenn sie zu einem der wenigen Feste im Reich erschienen, sondern auch einfach, wenn wieder einmal irgendjemand eine neue Theorie aufgeschnappt hatte. Lilijana und Fayn waren nämlich nicht nur Gesprächsstoff aufgrund ihrer unkonventionellen Partnerschaft, sondern vor allem wegen der immer noch unbekannten Herkunft Fayns. Er war offensichtlich keiner aus dem Volk der Königin, denn seine Ohren wiesen nicht die typische nach oben spitz zulaufende Form auf. Auch ansonsten unterschied er sich in seinem Verhalten und seinem Charakter deutlich von den anderen Spitzohren. Lilijana und er lebten schon unzählige Jahre zusammen, ohne dass sie öffentlich den Bund fürs Leben geschlossen hatten. Darüber hinaus wiesen sie die Gerüchte, die Kinder der Königin, Aleta und Finnroth, seien von ihm, rigoros von sich. Das machte die ganze Sache umso skandalöser, da es eine Sache war, unvermählt zu sein, eine ganz anderer war es allerdings, als Königin Nachfolger zu haben, deren Vater als unbekannt galt. Lilijana war eine mysteriöse Frau und sie liebte die Spekulationen, die sich um ihre Person rankten. Es gefiel ihr, dass keiner genau über sie Bescheid wusste. Daher hielten sich die Behauptungen. Ein weiterer Grund war, dass der Prinz der Spitzohren von seinem ganzen Wesen, der Sohn seines angeblichen Vaters durchaus zu sein schien. Seine Statur und sein Gesicht ähnelten weit mehr dem Fayns als dem seiner Mutter. So war Finnroth seiner Zwillingsschwester auch auffällig unähnlich.
Alessandra betrachtete in solche Gedanken versunken weiter die ankommenden Gäste, als ihr Blick schließlich auf diesen Prinzen fiel. Erschrocken bemerkte sie, dass auch er sie unverwandt ansah. In diesem Moment trat ihre Zofe zu ihr und die Prinzessin drehte sich hastig beim Klang ihrer Stimme um.
„Eure Majestät“, Katharine verneigte sich ehrerbietig, „man erwartet Euch unten zur Begrüßung der Gäste. Sie sind nun vollzählig.“
„Ja, ich werde sofort kommen.“
Mit einer weiteren Verbeugung entfernte sie sich und Alessandra wandte sich wieder ihrer Beobachtung zu. Doch der Prinz war im Getümmel des Saales verschwunden. Erneut wurde sie von weiteren eintreffenden Gästen in deren Bann gezogen. Allerdings versetzte ihr Anblick sie nicht in neugierige Bewunderung, sondern ließ sie trotz der Wärme im Schloss erschauern. Sie kamen aus dem Norden, aus dem Felsengebirge, von einer Burg, die angeblich auf keinerlei Wegen zu erreichen war. Viele Geschichten, Märchen und Wahrheiten, wobei keiner vermochte dies zu unterscheiden, rankten sich um ihre Existenz. Die Ankömmlinge, zwei Männer und fünf Frauen, waren fast komplett in Schwarz gekleidet. Schwarze lederne Hosen, schwarze oder weiße Hemden und Blusen. Alles sehr eng und figurbetont. Sie wollten auffallen, obwohl sie das nicht nötig hatten. Vor ihren kreideweißen Gesichtern trugen sie Masken aus Federn, die ihr Antlitz zur Hälfte verbargen. Trotzdem konnte man erkennen, dass ihre Gesichter beinahe makellos und wunderschön waren. Einer der Männer wandte seinen Kopf plötzlich nach oben und begegnete ihrem Blick. Seine dunklen Augen leuchteten im gleichen Moment mit einem Ausdruck auf, der begehrliches Verlangen ausdrückte. Ihr Herz schien augenblicklich das Schlagen aufzuhören und die Prinzessin überkam ein heftiger Schwindel. Schnell drehte sie sich weg. Ihre Hand an der Brust und mit dem Rücken an der Brüstung ließ sie sich zu Boden sinken. Mühsam versuchte sie ruhig zu atmen. Doch so schnell wie der Schwindel gekommen war, verschwand er auch wieder.
Runde um Runde drehten sich die Tanzenden in der Mitte des Saales zu den heiteren Klängen der Musik. Keiner wollte an diesem fröhlichen Abend nur als Beobachter am Rand stehen. Selbst die Älteren, zu denen auch König Karlus und Königin Nicoletta, Alessandras Eltern, gehörten, reihten sich wieder und wieder unter die Tanzenden.
„Keine Lust zu tanzen? Würdest jetzt wohl lieber unten in der Waffenkammer dein Schwert schwingen“, neckte ihr Bruder Eron.
Die Prinzessin stand als eine von wenigen am Rand und nippte nur selten an ihrem Glas mit Weißwein, das sie wie eine lästige Bürde in der Hand hielt. Sie trug ein petrolfarbenes Kleid mit einem herzförmigen Ausschnitt, das ausladend ihre Beine umspielte. Es war an Taille und Hüften in kleine Falten gelegt und ließ so den Stoff an diesen Stellen besonders schön glänzen. Das Kleid hatte eine lange Schleppe, auf der das Wappen der Wolfsherzen, der Wolfskopf, gestickt war. Es war so groß und so dezent mit einem Faden gestickt, der nur eine Nuance dunkler war als die Farbe des Stoffes, dass man ganz genau hinschauen musste, um ihn zu erkennen. Im ersten Moment wirkte es eher wie ein beliebiges, ornamentales Muster. Um die Verwirrung perfekt zu machen, zog sich ein eben solches über den gesamten restlichen Stoff. Ihre dunklen Haare fielen in kleinen Locken um ihr Gesicht und waren am Hinterkopf mit kleinen Spangen in Form von Blättern festgesteckt. Über ihrer Stirn lag ein schmales Diadem aus funkelnden, rauchfarbenen Quarzen. Um ihren linken Arm schlang sich bis zum Ellenbogen ein filigraner Reif aus geschwärztem Stahl. Auch er bildete ein beliebiges ornamentales Muster. Es stand zu vermuten, dass sich auch darin das Wappentier verbarg.
„Du scheinst dich nicht gerade zu amüsieren“, bemerkte Eron ein wenig besorgt.
„Du weißt doch, dass ich mir wenig aus solchem Trubel mache“, entgegnete sie im Versuch ihn zu beruhigen mit einem müden Lächeln. Eron stellte sich neben sie und nahm einen großen Schluck aus seinem Bierkrug. Er musterte seine Schwester von der Seite. Früher war das nicht so gewesen. Da hatte sich Alessandra das ganze Jahr auf dieses Fest gefreut, hatte es kaum erwarten können. Sie hatte getanzt, sich amüsiert und mit den Gästen geplaudert. Als sie noch jünger waren, war sie es immer gewesen, die die Eltern angebettelt hatte, länger aufbleiben zu dürfen. Doch in diesem Jahr war es anders. Sie war still, introvertiert und wirkte irgendwie unglücklich.
„Sie sind alle gekommen, um Spaß zu haben“, sinnierte er, während sein Blick über die Menge wanderte. „Mal sehen mit welcher jungen, hübschen Lady ich als nächstes tanzen werde.“ Vergeblich versuchte Eron sie aus ihrer trüben Stimmung zu lösen.
Wahrscheinlich im gleichen Moment verweilten die Geschwister mit ihren Musterungen auf dem gleichen Paar, das sich schräg gegenüber von ihnen auf einem kleinen Sofa vom Tanzen ausruhte. Ohne den störenden Mantel strahlte Aleta noch mehr als zuvor. Ihre hellbraunen Haare, die in weichen Wellen über Schulter und Rücken flossen und die lediglich mit diamantenen Spangen am Hinterkopf leicht zusammen gehalten wurden, schimmerten im hellen Kerzenlicht fast wie flüssiges Gold. Sie trug ein weißes Kleid, dessen apricotfarbene Träger so dünn waren, dass sie den Anschein machten, als würden sie jeden Moment reißen. Unter der Brust war der zarte Stoff mit einer goldenen Kordel gerafft und floss von dort in mehreren Lagen nach unten bis zum Boden. Am Rücken war eine Art Schleier befestigt, der in einer kurzen Schleppe endete und der ihrem ganzen Aussehen noch mehr eine luftige Leichtigkeit verlieh. Beim Tanzen, wenn sich das Kleid bewegte, konnte man ab und zu einen kurzen Blick auf ihre zierlichen Sandalen werfen, die aus sehr feinen Schnüren bestanden, die bis zu ihren Knöcheln hoch reichten. Um ihr linkes Handgelenk und ihren Schwanenhals wanden sich kunstvoll gefertigte Reifen aus roséfarbenem Gold mit Ornamenten aus flachen, weißen Perlen. Der Prinz der Spitzohren saß ein wenig steif neben seiner Schwester. Zwar hatte er locker sein Bein angewinkelt und den Fuß auf das andere gelegt. Doch seine Miene und seine Haltung wirkten sehr unentspannt. Er war beinahe das männliche Pendant zu Alessandra. Während Aleta grazil ihr Glas zwischen den Fingern hielt und ihm strahlend zuprostete, quälte sich Finnroth ein Lächeln ab.
Alessandra wusste sofort, wer die nächste Tanzpartnerin von Eron werden würde. So bedurfte es auch keinerlei Erklärungen seinerseits, als er zu seiner Erwählten hinüber ging. Da war sie wieder allein und ihr war es auch ganz recht so. Ihr Kopf fühlte sich an, als wiege er eine Tonne und als wäre er auch ebenso groß. Ihr Nacken war steif und der Rücken schmerzte. Es war nicht nur der entbehrungsreiche Ritt aus den nördlichen nordischen Wäldern zurück nach Rothwald, der ihrem Körper so zu gesetzt hatte. Sie schlief in letzter Zeit kaum und wenn plagten sie unruhige Träume. Ihre Augen schmerzten, betrachtete sie die Gäste beim Tanzen. Ihre Ohren dröhnten, sie konnte die Musik kaum ertragen. Das Fest, das sie einst so gern gefeiert hatte, wurde diesmal zu einer Tortur für sie. Gedankenverloren stand sie am Rand und bemerkte es erst zu spät. Langsam mit geschmeidigen Bewegungen kam er auf sie zu und nahm ihre Hand. Galant verbeugte er sich vor Alessandra.
„Wollt Ihr tanzen?“
Seine Ausstrahlung zog sie dermaßen in ihren Bann, so dass sie seine Frage unbeantwortet und sich von ihm mit sanfter Bestimmtheit auf die Tanzfläche ziehen ließ. Sie hörte die Klänge der Musik kaum. Die Art, wie er sie in seine Arme nahm und mit ihr zu tanzen begann, fesselte sie viel zu sehr. Sein Körper schmiegte sich an ihren. Die Welt um sie herum schien zu verschwinden. Wie betrunken atmete sie seinen Duft ein, sie hatte das Gefühl mit ihm zu verschmelzen. Seine Bewegungen, seine Mimik und der Klang seiner Stimme schienen ihr so vertraut. Sie verstand nicht so recht, was mit ihr geschah. Die Vertrautheit zwischen ihnen verwirrte die Prinzessin. Sie meinte, ihn schon ewig zu kennen und schon ewig mit ihm diese Bewegungen zu vollführen. Alles um sie herum wurde unwichtig. Sie nahm die anderen Gäste bloß verschwommen wahr und die Musik drang nur noch wie durch Watte in ihr Bewusstsein. Es war ihr, als schwebten sie über die Tanzfläche an einen anderen Ort, weit weg von den Feierlichkeiten im Schloss.
Sie konnte es kaum ertragen ihm in seine leuchtenden Augen zu blicken und so senkte sie ihren Kopf. Er schien darüber belustigt zu sein, ein verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen, als er seinen Kopf ein wenig zur Seite neigte, um den Größenunterschied zwischen ihnen zu überbrücken.
„Ihr habt so wunderschöne Augen“, sprach er sie mit seiner warmen Stimme an, die ihr Gänsehaut verursachte und ihr Herz schneller schlagen ließ. „Warum seht Ihr mich nicht an?“
Ihr war schwindelig, alles herum begann sich zu drehen. Und die Hände des Fremden, die sie fest hielten, hinterließen ein Brennen auf ihrer Haut. Sie hatte das Gefühl, jegliche Kontrolle zu verlieren. Doch plötzlich wurde sie in die Wirklichkeit zurück geholt. Eine tiefe Stimme drang bös und ungebeten in ihr Bewusstsein. Langsam kam sie wieder zu einigermaßen klarem Verstand.
Ihr Vater stand neben ihnen. Sein Gesicht zeigte deutlich, dass er wütend war. Wortlos packte er ihr Handgelenk und zog sie weg von dem Fremden. Als sie einen Blick zurück warf, konnte sie sehen, dass seine Augen hinter der Maske böse funkelten.
„Vater, was ist denn“, Alessandra riss sich los.
Sie konnte spüren, dass er mit seiner Fassung rang. Viele der umstehenden Gäste hatten aufgehört zu tanzen und wollten mitbekommen, was vor sich ging.
„Das ist kein Umgang für dich“, zischte ihr Vater. „Du solltest nicht mit solchen… mit so jemandem tanzen.“
Noch nie hatte sie den König so erlebt. Karlus war immer ein liebevoller, fürsorglicher Vater gewesen, der nur in Bezug auf ihre Erziehung und ihren Unterrichtung die nötige Strenge zeigte. Wie benommen folgte sie ihm und setzte sich neben ihre Eltern auf den Thron. Der heiteren Stimmung hatte der kurze Zwischenfall keinen Abbruch getan und auch die interessierten Gäste hatten sich schon wieder dem Tanzen hingegeben.
Natürlich war der Anblick dieser Fremden für die Prinzessin in unangenehmer Erinnerung geblieben, jedoch hatte der Fremde beim Tanzen diesen ersten Eindruck nicht bestätigt. Aber was wusste sie schon von ihm. Er trug eine Maske, ebenso seine Begleiter und sie vermutete jetzt, dass sie nicht offiziell eingeladen worden waren. Wer waren sie? Woher kamen sie? Und weshalb machten sie Karlus bloß so zornig?
Doch vielleicht würde sie gleich Antworten auf ihre Fragen bekommen. Denn die Menge teilte sich plötzlich und ließ die dunklen Gestalten hindurch. Es war unmöglich, sie nicht anzustarren. Dafür war ihr Auftreten viel zu extravagant. Die weißen oder schwarzen Hemden, welche die Männer trugen, schienen aus einem überirdisch feinem Stoff zu sein, der sich wie eine zweite Haut an den Oberkörper schmiegte. Durch seine Durchsichtigkeit zeigte er jeden Muskel. Bis auf die goldenen, funkelnden Manschettenknöpfe an den Hemdsärmeln fehlten ihnen jegliche Knöpfe und so waren die Hemden bis über die Brust offen. Auch die ledernen Hosen waren so eng, dass sich jeder Muskel abzeichnen konnte. Die Frauen trugen ebenfalls enge schwarze Lederhosen und feine, weiße oder schwarze Blusen. Darüber trugen sie fest geschnürte rote Mieder, die ihren Busen auf fast anzügliche Weise in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellten. Die Beine steckten in hohen Stiefeln mit noch höheren Absätzen, in denen andere Frauen ihre Mühe haben würden zu laufen. Alle besaßen ungewöhnlich helle Haut und ausdrucksstarke Augen. Sie verneigten sich huldvoll vor Alessandra und dem Königspaar. Und ihr Anführer trat vor.
„Ich nehme an, dass es ein Versehen gewesen ist, dass man uns nicht vorgestellt hat“, sprach er mit tiefer, aber schmeichelnder, charismatischer Stimme. Seine Augen sprachen jedoch eine andere Sprache. Die Prinzessin zuckte zusammen, als sie seinem Blick begegnete. Sie spürte die gleiche Kälte wie zu Beginn des Festes, als sie ihn das erste Mal erblickt hatte.
„Nein, DAS war es NICHT. Ich denke, wir wissen alle, wer ihr seid … was ihr seid. Und ihr seid hier NICHT erwünscht.“
„Aber manche beginnen schon … wie soll ich das ausdrücken … Freundschaften zu schließen“, entgegnete er mit einem Blick auf Alessandra.
Karlus erhob sich drohend. Zwei Wächter, die Hände am Schwertknauf, traten hinter dem Thron hervor, um die Geste des Königs zu unterstreichen.
„Es ist besser, Ihr geht jetzt.“ Mit einer kraftvollen Bewegung deutete er zum Ausgang.
Die Prinzessin sah, wie der Fremde, mit dem sie getanzt hatte, beschwichtigend die Hand auf den Arm des Wortführers legte.
„Das war nicht unsere letzte Begegnung mit deinesgleichen, Karlus. Und das weißt du auch“, seine Stimme donnerte durch den Saal. Er wandte sich um und schritt hoch erhobenen Hauptes hinaus, gefolgt von seinen Begleitern. Die anderen Gäste wichen zur Seite, als sie an ihnen vorbeigingen und formten so eine Gasse für die nicht erwünschten Gäste. Sie schloss sich hinter ihnen. Viele hatten sich in Gruppen zusammen gefunden und begannen miteinander zu tuscheln. Es war eine böse Kränkung und die Prinzessin hielt das Verhalten ihres Vaters für nicht angemessen. Sie war anscheinend die Einzige, die nicht wusste, wer die unbekannten Gäste gewesen waren, doch hatten sie sich bislang auf dem Fest nichts zu Schulden kommen lassen. Außer, dass einer von ihnen mit ihr getanzt hatte. Aber das war auf einem Fest wie diesem nichts Ungewöhnliches und doch hatte es ihren Vater derart aufgebracht, dass er so heftig reagiert hatte. Sie musste wissen warum. Und sie wollte wissen, wer der Fremde war, der mit ihr getanzt hatte. Ihre Neugier war aufs Extremste geweckt.
Nach dem Zwischenfall war die Stimmung gedrückt. Die Menschen waren nicht mehr so ausgelassen. Bewaffnete Soldaten eilten durchs gesamte Schloss, um sicher zu stellen, dass die Unruhestifter Rothwald tatsächlich verlassen hatten. Offensichtlich ging von ihnen eine so große Gefahr aus, dass vermutet wurde, einer oder sie alle würden versuchen unbemerkt im Schloss zu bleiben. Die bewaffneten Soldaten blieben auch noch an sämtlichen Eingängen und Türen ins Schloss und zum Festsaal stehen, nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass sich nur noch willkommene Gäste hier aufhielten.
So wie vorher hauptsächlich getanzt wurde, standen die meisten bloß noch in Gruppen beieinander und unterhielten sich. Auch Eron war anschließend sehr bekümmert, denn die elfengleiche Prinzessin aus Thaliyand war mit ihrer Familie gleich nach dem Zwischenfall aus Rothwald abgereist, obwohl geplant war, dass sie im Schloss übernachten würden. Karlus hatten auf Lilijanas ausdrücklichen Wunsch einiger seiner besten Soldaten abbeordert, um die Königin und ihr Gefolge ein Stück ihrer Heimreise zu begleiten. Zumindest soweit, wie man sicher sein könnte, dass diese „Monster“, wie Lilijana meinte, außer Reichweite wären.
Das Fest war nun bereits seit Stunden zu Ende, doch Alessandra lag immer noch wach. Ihr Körper war viel zu angespannt, um an Schlaf zu denken, ihr Atem ging unregelmäßig und ihr Herz schlug laut pochend gegen ihre Brust. Sie öffnete die Augen, blinzelte, um etwas in der Dunkelheit zu erkennen, schloss sie wieder und öffnete sie gleich abermals. Sie dehnte und streckte sich. Vielleicht hätte sie mehr Wein trinken sollen, dann könnte sie jetzt vielleicht besser einschlafen. Seufzend stand sie auf und nahm den kleinen, leuchtenden Kristall von ihrem Nachttisch, der ihr als Lichtquelle diente. Damit lief sie hinüber zu einem der großen Fenster und zog den schweren Samtvorhang zur Seite. Anschließend öffnete sie das Fenster und stieß den hölzernen Fensterladen auf, der quietschend nach rechts schwang. Eiskalte Luft wehte ihr entgegen und ließ sie in ihrem dünnen seidenen Nachthemd zittern. Doch die frische Luft tat ihr gut, entspannte sie und nahm den Druck aus ihrem Kopf. Sie atmete tief ein. Sinnend blickte sie in die nachtschwarze, erstarrte Welt hinaus. Der Mond war von großen Wolken verdeckt und tauchte nicht wie sonst die schneebedeckte Landschaft in weißliches Licht. Den Wald, der sich nicht allzu weit vom Schloss entfernt befand, konnte man diese Nacht nur erahnen. Plötzlich heulte in der Dunkelheit ein Wolf auf. Es dauerte nicht lang, dann bekam er aus unterschiedlichen Richtungen Antwort. Doch ihr machte das Heulen dieses Raubtieres keine Angst. Sie kannte es seit frühester Kindheit und es beruhigte sie. Schließlich war sie Prinzessin der Wolfsherzen. Es war kein beängstigendes Geräusch für sie, sondern ein vertrautes, beruhigendes.
Alessandra zog den Laden wieder zurück, ließ jedoch das Fenster geöffnet. Dann ging sie zurück in ihr Bett und kuschelte sich unter ihre dicken, warmen Decken. Gedankenverloren legte sie ihren Kopf auf eines der vielen Kissen, die hinter ihrem Rücken lagen und schaute zum Kamin hinüber. Das Feuer war schon lange ausgegangen und nur noch ein dunkelrotes Glimmen der Asche war deutlich in der Dunkelheit zu erkennen. Allmählich überkam sie doch die Müdigkeit. Es war schon sehr spät, wahrscheinlich fast drei Uhr. Ihre Augenlider wurden immer schwerer und fielen schließlich ganz zu.
Es kam ihr vor, als hätte sie bereits Stunden geschlafen, als sie plötzlich aufschreckte. Sie meinte in dem halbdunklen Zimmer eine Bewegung ausgemacht zu haben. So unscheinbar wie wenn eine Kerze durch einen Luftzug gelöscht worden wäre, aber trotzdem bemerkbar. Doch als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte sie nichts Ungewöhnliches entdecken. Trotzdem klopfte ihr Herz heftig und ihre Haare stellten sich, als ihr ein Schauer über den Rücken lief. Aber wer sollte sich auch in ihrem Schlafgemach aufhalten?! Die Soldaten hatten alles zweimal kontrolliert. Und noch einmal, nachdem alle Gäste gegangen waren. Und wie zur Bestätigung blieb alles ruhig. Sie wollte sich schon wieder zurück in ihre Kissen kuscheln, als ihr ein Gedanke kam. Es war doch nicht etwa Eron, der ihr einen Streich spielen wollte? Als sie noch klein waren, hatte er sich öfter nachts in ihr Zimmer geschlichen und sie erschreckt. Aber das war Jahre her. Trotzdem amüsierte sie der Gedanke und lächelnd legte sie sich in die Kissen zurück.
Plötzlich presste sich eine eiskalte Hand auf ihren Mund. Ihr erschreckter Schrei wurde im Keim erstickt. In Panik versteifte sich ihr ganzer Körper und sie riss die Augen weit auf.
„Schch, ganz ruhig. Dir wird nichts geschehen.“
Alessandra erkannte die Stimme sofort.
Langsam nahm er seine Hand von ihrem Mund und streichelte damit ganz sanft ihre Wange und dann ihren Hals. Seine Haut fühlte sich kalt an, hinterließ aber dennoch eine heiße Spur auf ihrem Körper.
„Unsere Begegnung heute ist viel zu schnell beendet worden.“
Alessandra war immer noch vor Schreck erstarrt, unfähig, sich zu rühren. Ihr Atem ging nur stoßweise und ihr Herz schlug heftig gegen ihre Brust. An diese Stelle legte er nun seine Hand. Sie konnte die Kälte durch den dünnen Stoff des Seidennachthemds spüren.
Er beugte seinen Kopf zu ihrem hinunter. Sie wich zurück. Sein Gesicht lag im Schatten. Trotzdem konnte sie erkennen, dass er jetzt keine Maske mehr trug.
Seine rechte Hand stemmte er neben ihrem Gesicht in die Kissen. Er beugte sich weiter zu ihr hinunter. Zuerst zärtlich berührten seine Lippen die ihren. Dann küsste er sie leidenschaftlicher und drängender. Seine Küsse und seine Hände schienen mit einem Mal überall auf ihrem Körper zu sein. Der Raum um sie herum begann sich zu drehen, ihr Bett schien zu schweben. Sie fühlte sich, wie vormals auf dem Fest, als sie miteinander getanzt hatten. Tausende Lichter von unsichtbarem Ursprung erhellten das Zimmer. Das Feuer im Kamin brannte wieder leuchtend rot.
Ein warmes wohliges Gefühl breitete sich in der Prinzessin aus. Fest umschlangen sie seine Arme und zogen sie fordernd an sich. Als sie keuchend aufblickte war es ihr, als würden sich unter und neben ihr und dem Bett weitere nackte Körper winden und räkeln. Erschrocken fuhr sie hoch und wachte im gleichen Moment auf.
Das fahle Licht des beginnenden Morgen fiel durch die Ritzen und Spalten des Fensterladens in ihr Zimmer. Verwundert, halb noch in Trance blickte sie sich um. Sie fasste sich an die Brust, die feucht war von kaltem Schweiß. Auf ihren Lippen konnte sie immer noch die hemmungslosen Küsse spüren und schmecken.
Hatte sie alles nur geträumt? Oder... Was war Realität gewesen?
Wie war der mysteriöse Fremde in ihr Zimmer gelangt?
Vage erinnerte sie sich daran, dass sie nicht hatte einschlafen können, aufgestanden war und das Fenster geöffnet hatte. Aber sie hatte doch den Laden wieder geschlossen? Als sie jetzt dorthin blickte, war er auch geschlossen.
Ungläubig, verwirrt schüttelte sie den Kopf.
Und dann diese hemmungslosen, sexuellen Fantasien... waren die ebenfalls nur Teil eines Traums gewesen? Sie hatten sich so real angefühlt. Das fühlten sie sich immer noch.
Langsam ritten der Prinz und seine drei Begleiter die weiß-grauen Klippen entlang, den Blick aufmerksam auf das Meer hinaus gerichtet. Das Klima hatte sich im Laufe der letzten Tage merklich gewandelt. Die Sonnen schienen zwar immer noch hoch am Himmel, aber die Luft war deutlich kühler. Sie näherten sich jeden Tag mehr dem Land der Wölfe und ließen ihr eigenes Reich hinter sich. Finnroth liebte sein Erkundungstouren entlang ihrer Grenzen. Zusammen mit seinen Kameraden wochenlang unterwegs zu sein, ohne die strengen Verpflichtungen des Hofes machten ihn glücklich. Hier fühlte er sich frei und ungezwungen.
Das Fest war mittlerweile schon mehrere Wochen vorbei und doch dachte er immer wieder an diesen Abend im Schloss von Rothwald zurück. Aber nicht der Ball an sich, sondern die Thronfolgerin war der Grund dafür, dass seine Gedanken fortwährend dahin zurückkehrten.
Es war allerdings nicht das erste Mal, dass er Alessandra getroffen hatte. Bereits vor einem Jahr war er ihr an der Grenze zu ihrem Land bei einer seiner Erkundungstouren begegnet, als sie ebenfalls mit einer kleinen Gruppe bewaffneter Ritter die Grenzen abgeritten war.
Ihre Begegnung war nur kurz gewesen, aber eindrucksvoll für den jungen Prinzen. Am meisten hatte ihn die Tatsache beeindruckt, dass die Prinzessin den Trupp anführte und nicht ihr älterer Bruder Eron, der nach Finnroths Meinung als Mann wohl eher für so ein Unternehmen geeignet gewesen wäre. Eine Frau, die so schlank und zierlich war und auch in Bezug auf ihre Größe seiner zarten Schwester Aleta ähnelte, konnte für ihn keine Mission antreten, die den Gebrauch von Waffen erforderte.
Alessandra trug damals keine Rüstung, nur leichte Hosen aus Leder und ein weißes Hemd, das unter der Brust geschnürt war. Finnroth war zwar selbst auch nicht durch eine Rüstung geschützt, aber er war ja schließlich ein Mann und ein geübter Schwertkämpfer. Doch was ihm noch eindrucksvoller in Erinnerung geblieben war, betraf ihre äußere Erscheinung. Es waren ihre dichten, dunklen Locken, durchzogen von weißen Strähnen und ihre grünen Augen, die an dunkle Tannenwälder erinnerten und in der Sonne rotbraun glänzten.
Für ihn war Alessandra die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Ihr Gesicht entsprach zwar nicht den Maßstäben einer perfekten Form. Ihre Augen standen ein wenig zu nah, ihre Nase war vielleicht ein bisschen zu groß und ihre Lippen zu schmal, um sie als sinnlich zu bezeichnen. In allem unterschied es sich von dem seiner Schwester Aleta. Sie hatte große Augen mit dichten Wimpern, eine kleine Stupsnase und volle Lippen. Ihr engelsgleiches Gesicht wurde von blonden Locken umrahmt. Dennoch hatte sie keine minder große Ausstrahlung, bloß auf eine andere Art und Weise.
Als Finnroth sie auf dem Ball wieder sah, entsprach sie optisch nur noch mehr seinen Vorstellungen. Ihr wunderschönes Kleid setzte ihre schlanke, sehnige Figur bestens in Szene. Ja, Finnroth musste es zugeben, er wollte die Prinzessin aus dem Land der Wölfe zu seiner Frau machen. Bei seiner Rückkehr würde er sofort seiner Mutter von den Plänen erzählen.
Unruhig mit großen Schritten lief er wie ein eingesperrtes Tier in seinem Gemach hoch oben im Nordturm umher. Immer wieder blieb er vor einem der vier großen Fenster stehen, die bis auf den steinernen Boden reichten und einen atemberaubenden Blick auf Berge und Tal erlaubten. Trotz des eisigen Windes und den Schneeflocken, die dieser vor sich hertrieb, standen die Fenster weit offen und kühlten die Luft in dem Raum auf eiskalte Temperaturen ab. Nach einiger Zeit schaute ein menschliches Gesicht durch das Fenster hinein. Allerdings kopfüber. Ein kurzes Zögern, dann ließ er sich in einer blitzschnellen, kaum wahrnehmbaren Bewegung nach unten gleiten und landete geschmeidig auf seinen Füßen.
„Ich störe Euch nur ungern“, entschuldigte er sein ungebetenes Eintreten, „der Rat wartet jedoch schon länger auf Euch.“
Er hielt unmittelbar in seinen Schritten inne und funkelte den Eindringling aus blutroten Augen an.
„Dann soll er warten. Ich habe noch keine Entscheidung getroffen“, seine Stimme war tief, der Tonfall drohend. „Ich muss erst einmal zurück nach Kapitall. Es warten Pflichten und Arbeit dort auf mich.“
„Der Rat wird es nicht gut heißen, wenn Ihr schon wieder nach Kapitall...“
„Schweig!“
Demütig senkte er sein Haupt und ging vor dem Anführer auf die Knie.
„Verzeiht meine Offenheit, Sire...“
„Der Rat wird es akzeptieren müssen. Solange ich weg bin, wird Zeno für mich alle Entscheidungen treffen.“
Missbilligend blickte er auf den Secundarius hinunter und schickte ihn daraufhin mit einer barschen Handbewegung hinaus. Er konnte diese Anhänger zweiter Riege nicht leiden und noch weniger in seiner Gegenwart ertragen. Sie hatten nicht den Schneid wie seinesgleichen, nicht den Drang zum Herrschen und die unbändige Leidenschaft, die in ihm wohnte. Sie waren meist unterwürfig, unselbstständig, aber besserwisserisch. Vor allem in Situationen, in denen es um Gehorsam ging. Er war der Fürst. Er hatte nicht gehorsam zu sein. Man musste IHM Gehorsam schulden.
Aber er wusste selbst nur zu gut, dass die Zeit drängte. Je länger sie warteten, desto größer wurde die Gefahr, dass ihr Plan entdeckt wurde. Viele Jahre hindurch hatten sie es bislang geschafft, sich und ihre Pläne vor den anderen zu verbergen. Die übrigen Völker hatten nur sehr vage Vermutungen über ihr Tun. Und das war gut so. Wüssten sie Bescheid, hätte man ziemlich schnell beschlossen, dass sie eine Gefahr darstellten. Das war schon einmal geschehen. Vor vielen Jahren. Und dann wurde dieser unsinnige Vertrag geschlossen. Pech für sie. Er hatte Wege gefunden, diesen zu umgehen.
Die wenigen, die in der letzten Zeit die Wahrheit herausgefunden hatten, waren nicht mehr am Leben. Und deren Verschwinden war leicht darauf zurück zu führen, dass sie sich in diese unwirtliche Gegend verirrt hatten und zu Tode gekommen waren. Nur allzu leicht konnte man von einem der steilen, glatten Felsen hinunterstürzen. Oder sie hatten im Eisfall den Tod gefunden. Leicht wären Erklärungen für das plötzliche Verschwinden dieser Verirrten gefunden worden. Das stützte natürlich auch die Angst, die überall vor dem Felsengebirge und dem Eisfall herrschte. Freiwillig begab sich niemand jenseits der nördlichen nordischen Wälder. Somit hatte nur selten jemand ihre Ruhe hier oben im Gebirge gestört.
Doch um ihren Plan verwirklichen zu können, mussten sie sich immer öfter in der Öffentlichkeit zeigen und so würde über kurz oder lang die Neugier der anderen zu groß werden. Es würden Nachforschungen angestellt und irgendwann würde alles ans Licht kommen. Früher als gewünscht. Und das musste er verhindern.
Letztlich ging es um Macht, um was auch sonst. Darum ging es doch immer. Wer die Macht hatte, wer die Macht haben wollte und wer die Macht verdiente. Und er verdiente die Macht. Wenn nicht er und seinesgleichen, wer sollte sie sonst verdienen. Denn sie waren den anderen in so Vielem überlegen und durch ihre Macht konnten alle nur profitieren. Was er alles erreicht hatte, reichte über die Vorstellungskraft der anderen weit hinaus. Er war stolz, ehrgeizig, entschlossen, er verfügte über ein abnormes Wissen und das machte ihn überlegen. Doch einfach würde es trotzdem nicht werden, das war ihnen bewusst. Die anderen hatten Angst vor dem, was sie waren und was sie nicht verstanden, vor dem, was sie taten und was sie erreichen wollten. Er kannte es, hatte es früher in den Augen derer gesehen, denen er begegnet war und die sein Schicksal kannten. Zunächst hatte es ihn frustriert, denn dadurch konnte er kaum Freunde finden, weil diejenigen, die sein Geheimnis kannten und nicht zu ihm standen, mussten sterben, damit sie ihn nicht verraten konnten. Dazwischen war er verzweifelt. Der Tod begleitete ihn ständig als zwangsläufige Konsequenz für sein Dasein. Doch schließlich bereitete es ihm Genugtuung, ihnen für ihr Unverständnis und ihre Verurteilung das Leben zu nehmen. Es war ihm ein abscheuliches Vergnügen ihnen seine Überlegenheit zu demonstrieren. Im Laufe der Zeit waren seine Anhänger immer mehr geworden und er beherrschte nun zusammen mit seinen Kindern ein stattliches Volk.
Trotzdem ... er war nicht glücklich. Nicht unter seinesgleichen. Nicht solange es jene gab, die anders waren als er und die ihn als anders empfanden. Das war das einzige, was seine Existenz trübte und warum er sie manchmal leid wurde.
Doch er hatte Hoffnung...
Sein Hoffen lag in ihr.
Er hatte schon viele Gefährtinnen gehabt, doch keine hatte ihn zufrieden stellen können. Denn sie waren es stets aus den falschen Gründen gewesen. Sie hatten sich ihm hingegeben, weil er einer ihrer Anführer war oder weil es ihnen befohlen wurde oder weil sie sich erhofften, dadurch ihr Leben retten zu können. Irgendwann hatte er es aufgegeben und war nachts losgezogen, um sich aus den anderen Völker Mädchen auszusuchen, die ihm gefielen und die er dann zu seiner Gefährtin machte. Die Letzte, die er zu sich geholt hatte, hatte sich schließlich von den Zinnen der Burg gestürzt. Sollte es für ihn kein dauerhaftes Verhältnis geben? War es aufgrund seiner abnormen Existenz gar nicht möglich, eine normale Beziehung zu führen? Doch endlich hatte er sie getroffen und sofort gewusst, sie war stark genug, seine Gefährtin zu sein. Sie gab ihm die Hoffnung, die er brauchte.
Plötzlich fuhr er herum. Er hatte sie kommen hören, bevor sie an die Tür klopfen konnte.
„Komm rein“, sagte er missmutig durch die geschlossene Tür. Es ärgerte ihn, dass er aus seinen Gedanken gerissen wurde.
Leise wurde die Tür geöffnet und Sundãri, seine jüngere Schwester, trat in das Turmzimmer. Obwohl sich ihre Mimik kein bisschen veränderte, schien ihr Gesicht zu strahlen, als sie sich durch den schmalen Eingang duckte und schließlich aufblickte. Ihre schwarzen, gewellten Haare hatte sie am Hinterkopf locker mit einer Spange zusammengefasst, ihre Lippen glänzten purpurn. Ihre schlanke Figur steckte in einer engen Korsage und einem bodenlangen Rock, der an Oberschenkeln und Hüften eng saß und auf Höhe der Knie ihre Beine umspielte und in einer langen Schleppe endete. Er war so lang, dass man ihre Füße nicht sah und es den Anschein hatte, als würde sie über den Boden schweben.
„Du siehst furchtbar aus, Zeno! Wie lange bist du schon hier?“
Ihr Bruder zuckte mit den Schultern. Er wusste es nicht. Lange hatte er hier gestanden und versucht erneut eine Verbindung herzustellen, doch vorerst war es ihm nicht gelungen. Vergeblich hatte er sich konzentriert und seine Gedanken in die Ferne schweifen lassen. Aber er würde nicht aufgeben, er würde es so bald wie möglich wieder versuchen.
Seine Schwester war eine so schöne Frau. Ihr Gesicht hatte die perfekte Symmetrie und war das, was man als objektiv „schön“ bezeichnen konnte. Ihre Haare hatten diesen seidigen Glanz, den sonst nur Frauen erreichten, die ihr halbes Leben in die Pflege ihrer Haare investierten oder jemand hatten, der das für sie tat. Sie hatte das aber nicht nötig. Und sie war das Ebenbild ihrer Mutter. Baldur hatte kaum noch Erinnerungen an sie, wenn er aber Sundãri anblickte, erinnerte er sich daran, wie sie ihn immer angeblickt hatte, bevor sie ihm ihre weiße Hand auf die Wange legte. Sobald sie aber zu sprechen begann, wusste er, dass bloß seine Schwester vor ihm stand. Denn sie besaß nicht die weiche, melodische Stimme seiner Mutter. Sondern eine härtere, deren Tonfall man die Entbehrungen und den Schmerz sogleich anhörte, die Sundãri seit ihrer Kindheit erleben musste. Stets hatte ihre Stimme etwas Vorwurfsvolles. Verübeln konnte er es ihr nicht. Wahrscheinlich lag es an der großen Ähnlichkeit zu ihrer Mutter, dass ihr Vater seine jüngste Tochter immer anders behandelt hatte als seine anderen Kinder. Und zwar deutlich schlechter.
„Wir müssen jetzt. Die Pflicht ruft“, sie riss ihn abermals aus seinen Gedanken und auch jetzt lag wieder einmal ein Vorwurf in ihrer Stimmlage.
Blut. Das eines Menschen. Segen und Fluch zugleich. Ein Segen, zu spüren, wie es ist zu leben, ein Herz zu haben, das schlägt und nicht starr ist wie Eis. Eines, das dieses lebensspendende Elixier durch den Körper pumpt. Das Trinken menschlichen Bluts ermöglichte ihren erstarrten Herzen noch einmal zu schlagen, für kurze Zeit. Es schenkte ihnen immense Kraft und Stärke. Ein Fluch, denn es rief ihnen ins Bewusstsein, welchen Preis sie für ihr Dasein zahlen müssen. Einen Preis, den einige allzu gern zahlen, andere weniger. Die Nacht des Blutkelches brachte diesen Segen und Fluch. Es war ein Ritual, bei dem sie gemeinsam eine Art Wiedergeburt erlebten. In seinem Ursprung wurde dafür ein hübsches Mädchen der Tänner geraubt und auf ihrem Altar geopfert. Sie wurde dort zur Ader gelassen und ihr Blut in einem Kelch aufgefangen, bis es versiegt war. Anschließend wurde der Kelch unter ihnen weiter gereicht, bis er auf den letzten Tropfen ausgetrunken worden war. im Laufe der Zeit und durch das Wachstum ihres Volkes war aus dem ehrerbietigen Ritual immer mehr ein Blutbad geworden. Einmal, während der Zeit, als sie kaum das Felsengebirge verlassen konnten, war ihnen nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine Nacht des Blutkelchs möglich. Der Fürst war von seinem Aufenthalt in Kapitall zurück gekehrt und hatte ein junges, wunderschönes rotblondes Mädchen mitgebracht. Alle hatten gespannt auf den Augenblick gewartet und als der Fürst das Ritual endlich beginnen wollte, waren einige aus den hinteren Reihen zum Altar gestürmt und hatten auf das Mädchen mit ihren Dolchen eingestochen. Ihr Blut war über den Stein hinweg die Treppen nach unten geflossen und hatte alle in einen regelrechten Blutrausch versetzt. Seitdem war die Menge in diesen Nächten kaum zu bändigen. Der Fürst, dem dieses Ritual und dessen Ehrerbietung äußerst wichtig war, hatte daraufhin Männer ausgewählt und diese als Wächter ausgebildet, deren Aufgabe darin bestand, die Menge im Zaum zu halten und im Notfall auch mit Gewalt einzugreifen.
Nun war es wieder einmal so weit und dieses Mal sollte Zeno in Abwesenheit des Fürsten die Nacht des Blutkelchs durchführen. Und es lastete auf ihm wie eine schwere Bürde. Er erinnerte sich leider noch allzu genau. An die Tage, nachdem sein Herz für immer zu schlagen aufgehört hatte. Die erste Zeit ist nicht die schlimmste. Oh nein, wer sagt, es werde mit der Zeit besser, der hat nicht erlebt, was er durchmachen musste. Am Anfang ist man vielmehr in einer Art Rausch. Du fühlst dich stark, unbesiegbar. Dein Kopf ist so klar, wie noch nie in deinem Leben. Deine Gedanken und Gefühle werden nicht mehr gelenkt noch abgelenkt durch das dumpfe, aber deutlich spürbare Schlagen des Herzens in stupider Regelmäßigkeit. Du kannst dich besser konzentrieren, musst keine Angst haben um dein Leben, wenn du dich in waghalsige Abenteuer stürzt. Doch irgendwann ist diese Euphorie vorbei. Und deine Gedanken richten sich unvermeidlich auf die Bedeutung dessen, was dir widerfahren ist. Dein Herz, das wichtigste Organ, funktioniert nicht mehr, hat seinen Dienst eingestellt. Und du beginnst dich zu fragen, wie es mit dir dann weiter gehen soll. Denn „Leben“ kannst du dein Dasein nun nicht mehr nennen. Das einzige, was dir geblieben ist, ist dein Geist, deine Seele. Die Zeit vergeht und mit jeder Sekunde, die verstreicht, spürst du deutlicher den Schmerz in deiner Brust. Ein Schmerz, der eigentlich nicht da sein dürfte. Aber er ist da. Denn dein Körper meint, er müsse noch leben und in dieser Konsequenz müsse das Herz schlagen. Doch das tut es nicht, denn es ist kein Blut da, das es durch den Körper pumpen könnte. Es fühlt sich an wie ein Krampf, ein ständiger, wiederkehrender Schmerz. Und diesem Schmerz würden sie heute Nacht nachgeben, für einen unbestimmbaren Moment stillen.
In düsterer Stimmung trat Zeno hinaus auf den Balkon.
Der große Saal war ungefähr 60 bis 70 Meter hoch. Die Decke erstreckte sich in einer schwindelerregenden Spirale nach oben und ließ ihn dadurch unendlich in seiner Höhe erscheinen. In den unzähligen Nischen brannten Kerzen, deren Flackern den höhlenähnlichen Raum in sanftes Licht tauchte. Doch sorgten diese auch dafür, dass gespenstische Schatten auf den steinernen Wänden hin und her tanzten.
Sie hatten sich um einen schwarzen Altar versammelt. Er war mit dunkelroten und schwarzen Kissen gepolstert und vier hohe Lüster standen jeweils an einer der vier Ecken. Die Flammen züngelten bereits hoch und Wachs tropfte auf den Boden hinab. Eine schlanke, weiße Gestalt, nur in einen weiten, hellen Umhang gehüllt, lag auf dem Altar. An Händen und Fußgelenken trug sie eiserne Fesseln, deren Ketten an den Seiten des Steins fest gemacht waren.
Die Umstehenden trugen lange schwarze Gewänder und hatten die dunklen Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, so dass sie im Schatten lagen und ihre Züge verborgen blieben. Wie in Trance warteten sie nebeneinander, sich fast unmerklich hin und her wiegend. Eine deutlich spürbare Anspannung lag im Raum.
