Wolfswandlerin Solveig - Karin Kase - E-Book

Wolfswandlerin Solveig E-Book

Karin Kase

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Beschreibung

Wolfswandlerin Solveig schwärmt von einem Drachenmenschen , der ihr auf einer Feier ihrer Zieheltern ins Auge fällt. Ihr Rudel ist nicht begeistert und zeigt es ihr auch deutlich. Jeder warnt sie vor Pascale de Silva. Er ist sich selbst seiner Gefühle zu Solveig unsicher. Es gibt einen OneNightStand und Solveig wird schwanger. Dieser stirbt aber bevor die Beziehung ernst werden kann und er erfährt auch nichts von der Schwangerschaft. Solveig wird zur Beerdigung auf die Burg der Drachen eingeladen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Silke. Diese ist mit dem Drachen Daniel verbunden. Solveig erlebt viel Schrecken auf der Burg. Es ist ungewohnt für sie in einem Berg zu leben und kaum Auslauf zu haben. Sie wird von ihrer Freundin im Stich gelassen. Die Wölfin ist verzweifelt und möchte nur noch dort weg. Einzig der Drache Tamus versucht ihre Freundschaft und Liebe zu gewinnen. Die Medica Bernadette wird eine Verschwörerin und rettet die Freundinnen. Ihr Rudel möchte das sie ihr Kind nicht bekommt. Ihr Ziehvater, der Alpha des Rudels versucht alles, Solveig in seine Gewalt zubekommen damit sie ihr Kind nicht bekommt. Aber Solveig entkommt und dank Bernadettes Unterstützung gelingt ihr die Flucht zu einem ruhigen, liebevollen Ort. Dort trifft Solveig unerwartet ihre Liebe und den neuen Vater für ihre Kinder.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Wolfwandlerin

Solveig

 

 

 

 

 

Von

Karin Kase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum:

Text und Cover von Karin Aldag, Dissauer Dorfstr. 21, 23617 Stockelsdorf

Erstellt über Tolino Media

Erstveröffentlichung 2023

[email protected]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsangabe

 

Die Wölfin Solveig schwärmt für einen Drachenmenschen.Dieser zeigt ihr seine wahren Gefühle nicht.

Sie erfährt, auf der Burg der Drachen eine Überraschung nach der nächsten. Unter anderem, dass sie schwanger ist. Wegen der Beerdigung des Kindsvaters ist sie auf der Burg.

Der Drache Tamus versucht ihr Vertrauen und ihre Freundschaft gewinnen.

Wie wird Solveig mit ihrem Schicksal umgehen?

Vom Rudel verlassen und von ihrer Freundin getrennt kämpft sie mit ihren neuen Freunden für sich und das Baby.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Imgards waren bekannt für ihre eindrucksvollen Feiern in ihrer Villa. Die High Society aus aller Welt war dort vertreten. Da das Fest gleichzeitig eine Spendengala war, bekamen nur großzügige Spender ein Ticket. Alle Rudelmitglieder hatten freien Eintritt, sofern sie die Kleiderordnung befolgten. Reginald war das Alpha eines großen Rudels von Werwölfen. Man munkelte, dass seine Gefährtin Adele das eigentliche Sagen hatte. Das Pärchen war beliebt und nie hörte man etwas Negatives über die zwei.

 

Die wichtigsten Namen der Gestaltenwandler Wölfe, Vampire und Hexen waren anwesend. Es herrschte an solchen Tagen Frieden und Eintracht. Geschäftliches wurde ausgehandelt. Verbindungen vertieft oder neu geknüpft.

Solveig sah sich um. Die sieben Kronleuchter warfen warmes Licht auf die Leute. Eine schillernde Cocktailbar zierte die eine Ecke und gegenüber war eine kleine Theke für Spirituosen aufgebaut. Das Büffet würde später im großen Speisesaal sein. Dort gab es Tische für zwei bis sechs Personen. In den blankgewienerten Bodenfliesen schimmerte das Licht der Lüster.

Gegenüber der Eingangstür, wo die Gäste persönlich vom Rudelführer begrüßt wurden, gab es eine breite Terrassentür.

Die Lichterketten und Windlichter dort glänzten mit den Sternen um die Wette. Es gab Sitzgelegenheiten und eine Treppe führte in den Garten.

Kellner, mit Frack und Zylinder bekleidet, hielten Tabletts mit Getränken in der Hand und bewegten sich sicher durch die Menge.

Lakaien sorgten für die Garderobe. Unauffällig suchten sie die Gäste gleichzeitig nach Waffen ab. Aber damit hatte Irmgards nie Probleme gehabt.

 

Die Gespräche waren im Moment verhalten aber das würde sich im Laufe des Abends ändern. Es waren noch nicht alle Gäste eingetroffen. Adeles Hintergrundmusik half leider nicht um die Stimmung auf zu lockern. Auf Schlager stand eben nicht jedes Wesen.

 

Solveig war das jüngste Mitglied des Rudels. Sie hatte vor drei Jahren ihre Eltern verloren. Seitdem kümmerten sich die Imgards rührend um sie. Obwohl sie in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, hatten ihre Eltern ihr doch eine große Summe Geld hinterlassen. Sie lebte weiter in ihrer Stadtwohnung, direkt in der Stadt Hamburg. Nach dem Vagabundenleben ihrer Kindheit genoss die Wölfin ihren festen Wohnsitz. Ihre Freundin Silke führte eine Boutique in der Altstadt, dort half sie gelegentlich aus. Das Einkommen reichte ihr zum Leben.

 

Adele leitete den Abend schon ein paar Jahre mit großem Elan. Solveig freute sich immer auf das Tanzen. Es gab ihr ruhe und Zufriedenheit. Außerdem war es nett, einige Bekannte zutreffen. Wieder sah sie sich in der Halle um und lächelte und nickte dem einen oder anderen Bekannten zu. Sie suchte nach ihrer besten Freundin Silke, aber fand diese nirgends.

 

Sie stellte ihr Sektglas weg und bummelte zur Theke, um sich etwas Härteres zu holen. Ein Bourbon würde ihr jetzt guttun. Die Schlagermusik zerrte an ihren Nerven.

Sie bekam den gewünschten Drink und machte sich Richtung Terrassentür auf den Weg. Dazu kam sie an der Eingangstür vorbei und blieb erstarrt stehen. „Wow.“, flüsterte sie leise und vermochte ihren Blick nicht von dem einen der zwei hereinkommenden Männern wenden. In ihren schwarzen Anzügen mit offenen weißen Hemden, den Lackschuhen und ihrer Frisuren hätten sie Zwillinge sein können. Ihre Haare waren alle militärisch kurz. Ihre Gesichter hatten Modelqualitäten. Die Nasen waren perfekt und das Kinn typisch männlich spitz. Sie hatten ein joviales Lächeln aufgesetzt und scannten mit ihren Augen den Raum. Der Rechte hatte es Solveig angetan. Er hatte etwas an sich, was Solveig nicht benennen konnte, aber dennoch zog er sie magisch an. Sein Blick erreichte sie und etwas blitzte kurz in seinen Augen auf, bevor er wieder das künstliche Lächeln aufsetzte. Solveig erschrak leicht. War das Aufblitzen Hass gewesen? Seine Aura zeigte ihr nichts. Genau so wenig wie des anderen. Sie schüttelte sich kurz und eilte weiter zur Terrasse. Dort steckte sie sich eine Zigarette an und inhalierte tief. Drei Frauen kamen dazu und stellten sich zu ihr. „Hallo Solveig, hübsch schaust du heute aus.“, säuselte Trudel und ihr Lächeln war so falsch wie ihre Zunge. „Hallo Trudel, danke.“, gab Solveig trocken zurück. Sie nahm einen Schluck aus ihrem Glas und drückte an der Tür ihre Zigarette in den Aschenbecher. Sollten die beiden Tratschweiber sich doch ihre Mäuler zerreißen, sie würde da kein Öl ins Feuer gießen.

„Hey Liebes.“ Lachend fiel Silke ihr um den Hals. „Pfui, du warst schon ohne mich Rauchen.“ Solveig erwiderte die feste Umarmung und lachte. „Och, da geht noch was. Lass uns nur etwas zu trinken holen.“ Sie harkte sich bei ihrer Freundin unter und schlenderten zur Theke. Silke plapperte von ihren heutigen Erlebnissen ihrer Arbeit als Verkäuferin in einer noblen Boutique. Solveig lachte über die Anekdoten und sah sich dabei im Raum um. Sie sah den Mann, der ihre Seele berührt hatte, alleine an einer Säule stehen. Sie lächelte ihm zu, aber er zuckte nicht mal. Es schien als sehe er durch sie hindurch. Sie seufzte und hatte sofort die Aufmerksamkeit ihrer Freundin. Silke war ihrem Blick gefolgt und schnalzte mit der Zunge. „Ein Leckerbissen aber leider unerreichbar.“ Solveig sah sie erstaunt an. „Was weißt du über ihn?“ Silke zwinkerte ihr zu und erst auf der Terrasse gab sie preis: „Schlag ihn dir besser aus dem Kopf.“ Solveig sah sie fragend an. „Er ist ein Erbe eines großen Ernergieverteilers. Man munkelt das er Menschenscheu und frauenfeindlich ist. Es erstaunt mich ehrlich gesagt, dass er überhaupt hier ist. Sein Onkel muss ihn hergeschleift haben.“ „Dann ist das also Pascale de Silvas?“

Ihre Freundin nickte nur. „Komisch, ich kann die Aura der Drachenwesen nicht spüren. Das ist immer ein schlechtes Zeichen.“, sinnierte Silke.

Ein Kellner kam und Silke forderte dreist eine ganze Flasche Borbon. Solveig lachte darüber und der Kellner bemühte sich, cool zu bleiben. Die Nacht war warm und die zwei setzten sich auf die bequemen Stühle und schauten versonnen in den dunklen Garten. „Weißt du noch wie wir nachts immer zum Pavillon gelaufen sind und uns Gruselgeschichten erzählt haben?“, fragte Solveig verträumt. Silke lachte. „Aber sicher und das Theo immer kam und uns wieder in dein Zimmer begleitete. Wir trauten uns ja vor lauter Angst nicht zurück.“

„Ach ja, der gute alte Theo. Ich vermisse ihn oft. Er war soviel mehr als nur ein Hausdiener.“ „Ja, die gute Seele. Immer wenn wir einen Streich ausheckten, war er zur Stelle und manchmal unterstützte er uns.“ Solveig kicherte: „Wehe, wenn er böse mit uns war. Dann gab es eine Woche lang keinen Kakao mit Marshmellos.“

„Ich muss für kleine Mädchen, lauf nicht weg.“ Solveig stand auf und eilte durch die Terrassentür. Dabei rempelte sie einen Mann fast um. „Hoppla. Sorry.“, lachte sie ihn entschuldigend an. Er brummte nur und strich sich durch schwarze kurze Haar. Dann ging er weiter. Sie lief die Treppen hinauf und benutze eines der privaten Toiletten. Uff, so hatte sie sich die Vorstellung nicht vorgestellt. Sie hoffte, sie bekäme die Gelegenheit Pascale kennenzulernen. Er reizte sie. Deutlich spürte sie wie in ihr eine wohlige Hitze aufstieg. Auf dem Rückweg trat ihr der Begleiter von Pascale in den Weg.

„Hallo, bitte sei vorsichtig bei Pascale. Geh ihm besser aus dem Weg und ignoriere ihn.“, sprach die bariton Stimme und verschwand in der Menge. Sie schüttelte den Kopf. „Jetzt erst Recht.“, flüsterte sie beschwörend.

Der Gong ertönte und lud die Gäste zum großen Büffet im Speisesaal. Solveig war erleichtert, denn nach dem Essen würde sich die Musik verbessern. Sie sparte sich den Umweg über die Terrasse, den Silke würde sie am Büffettisch finden.

 

Solveig wartete einen Moment und nahm dann einen Teller. Ihre Augen überflogen die aufgetischten Speisenplatten. Beherzt griff sie bei den Tintenfischringen zu. Dazu etwas Knoblauchsoße und drei Kartoffeln. Vom Kaviarbrot nahm sie sich ebenfalls zwei Scheiben. Sie sah sich kurz um und setzte sich dann am Tisch zu Reginald und seiner Frau. Beide freuten sich sie zu sehen. „Hallo Liebes, hast du eine schöne Zeit?“, fragte Adele und lächelte ihren Schützling liebevoll an. „Ihr zwei habt euch heute wieder selbstübertroffen!“, lobte sie zurück. „Reginald, was kannst du mir zu Pascale de Silvas sagen?“ Über das Gesicht des Alphas zogen Schatten auf. „Kind, lass die Finger von dem Kerl! Ich kann es nicht belegen, aber man spricht nichts Gutes über ihn. Sein Geld verdient er, laut verschiedener Aussagen, mit schmutzigen Geschäften. Außerdem soll er einen Pakt mit dem Teufel haben. Was ich allerdings nicht glaube. Aber vor einigen Jahren verschwand er, nachdem seine Gefährtin und die beiden Kinder grausam ermordet worden. Ihm konnte die Tat nie bewiesen werden, obwohl er lange Zeit verdächtig war.“

Adele tätschelte ihre Hand. „Liebes, es gibt bessere Interessenten für dich.“

Solveig nickte und kaute auf ihren frittierten Tintenfischring. „Hm, das hat mir heute schon jemand gesagt.“

Adele seufzte. „Kindchen, sei vorsichtig!“ „Aber immer doch.“, grinste Solveig. „Du isst doch nicht etwa Knoblauch?“ Die Hausherrin empörte sich: „Du möchtest doch bestimmt noch Tanzen. Wie sollte ein Mann dich auffordern, wenn du nach Knoblauch riechst?“

„Ich glaube nicht, das ich die Einzige bin, die diese leckere Soße isst.“, verteidigte sie sich. Reginald grinste. „Stimmt! Lass es dir schmecken, Liebes.“ Adele seufzte theatralisch auf und boxte ihrem Mann auf die Schulter. „Nee, du natürlich auch.“

Der Alpha lachte und tunkte seine Gabel in die Knoblochsoße und hielt sie seiner Adele an die Lippen. Gehorsam lutschte diese die Soße von der Gabel. „So, Familienfrieden ist wieder hergestellt.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Lippen und strahlte zufrieden. Adele sah ihn verliebt an und Solveig wünschte sich, dass sie ebenfalls einmal so von einem Mann geliebt würde.

Ihr Blick fiel über die Menschenmenge im Speisesaal. Sie konnte Pascale nicht entdecken. Sein Begleiter war genauso nirgends zu sehen. Hoffentlich waren sie noch nicht gegangen.

Silke stand an der Terrassentür. In der linken Hand einen gefüllten Teller und mit der rechten winkte sie energisch zu Solveig rüber. „Ihr Lieben, habt selbst einen schönen Abend. Ich gehe zu Silke auf die Terrasse.“

„Machs gut Liebes. Wir sehen uns ja.“, grinste Reginald liebevoll und schaufelte sich Kartoffelsalat in den Mund.

Auf den Weg zu ihrer Freundin wurde sie von dem Bankier der Familie aufgehalten. „Schönen guten Abend Solveig. Wenn du am Montag Zeit findest, melde dich doch bitte bei mir. Ich bräuchte bei einem Fall deine Hilfe.“ „Guten Abend Frederic, aber gerne. Ich melde mich Montag Vormittag bei dir in der Bank.“ „Dankeschön! Reservierst du mir einen Tanz?“ Solveig lachte und klopfte ihm leicht auf die Schulter.

„Selbstverständlich, Frederic.“

Dann huschte sie zu ihrer Freundin und machten es sich an ihrem Tisch auf der Terrasse gemütlich. Sie futterten und tranken den Borbon dazu.

„Adele hat sich heute Abend selbstübertroffen.“, gab Silke bewundernd zu. „Allerdings diese Schlagermusik ...“ Silke verdrehte die Augen und Solveig lachte.

„Was wollte der Bankfuzzi denn von dir?“

„Einen Tanz und meine Hilfe wegen einer Angelegenheit, von der ich noch nichts genaueres weiß.“

„Na dann.“

„Sag mal, Liebes, was macht eigentlich dein Verehrer aus dem Internet?“ Silke hatte sich auf Jux auf einer Datingseite angemeldet und die Frauen staunten über die Männer, die sich dort meldeten. „Ach der.“ Silke winkte ab. „Er hat endlich aufgegeben.“ „Oh. Ich dachte er würde dir gefallen?“ Die Freundin schüttelte den Kopf. „Ja das schon, allerdings möchte ich mich doch nicht binden.“

Solveig lachte herzhaft. „Du bist echt ne Marke! Erst den Männern den Kopf verdrehen und dann weglaufen.“

„Tja, die Braut die sich nicht traut...“, gab Silke grinsend zurück.

„Guten Abend die Damen.“ Der Mann, der die junge Wölfin an der Treppe vor Pascale gewarnt hatte, war an ihren Tisch gekommen. Er warf ihr nur einen kurzen Blick zu. Seine volle Aufmerksamkeit hatte aber ihre Freundin. Er verbeugte sich leicht vor ihr. „Darf ich um einen Tanz bitten?“ Silke sah erstaunt aus. Sie kicherte leise und stand auf. „Gerne doch.“ Sie erhob und legte ihre Hand auf den dargebotenen Arm. Sie winkte ihrer Freundin zwinkernd zu und ging mit dem Mann hinein.

Solveig seufzte. Was wäre, wenn jetzt ihr Prinz Charming sie auffordern würde? Sie nahm einen Schluck Borbon. Und träumte ein Weilchen vor sich hin. Der Alkohol machte sich bemerkbar und sie taumelte leicht, als sie aufstand. Wenn die Tanzerei jetzt eröffnet war, dann wollte sie sich ebenfalls daran beteiligen.

Aber vorher musste sie mal für kleine Mädchen. Bevor sie die Treppe hochlaufen konnte, prallte sie mit Pascale zusammen. Sein Weinglas kippte dabei über sein schickes Hemd. „Huch, oje. So ein Mist nicht schon wieder. Sorry.“, stammelte Solveig verlegen. Sie ergriff seinen Arm und zog ihn die Treppe hoch. „Das haben wir gleich.“

Pascale war überrascht und ließ sich willig mit ziehen.

Oben zog sie ihn mit ins Badezimmer und befeuchtete ein Handtuch. „Legen sie ihr Jacket einfach auf den Stuhl.“ Pascale folgte ihrer Anweisung und Solveig find an auf dem Hemd herum zu tupfen. Das Hemd war aus weißer Seide und etwas von dem Wein sog das Handtuch auf.

Dann drückte sie ihm das Tuch in die Hand. „Entschuldigung, aber meine Blase platzt gleich.“ Sie sah sein verdutztes Gesicht nicht, so eilig hatte sie es um die Ecke aufs Klo zu kommen. Dass er sie bei ihrer Verrichtung hören konnte, störte sie nicht.

Sie bestätigte die Spülung und trat ans Waschbecken. Im Spiegel begegneten sich ihre Blicke. Seine dunkelblauen Augen wirkten kalt und trotzdem bemerkte sie, wie ihr Herz schneller schlug und sich angenehme Hitze in ihrem Körper ausbreitete.

Tief holte sie Luft und drehte sich zu ihm um. „Ich glaube, das Hemd ist hinüber. Schicken sie mir die Rechnung, ich zahle es ihnen natürlich.“

Pascale sah sie an. Sein Gesicht ernst und seine Lippen schmal zusammen gepresst. Seine Haltung drückte Abwehr aus und Solveig lächelte ihn an.

„Ist nicht so wichtig.“, brummte er. Dann drehte er sich um seine Achse und verschwand aus dem Bad.

Sie blieb einen Moment stehen, um sich zu sammeln. „Wow, dieser Mann scheint nicht von dieser Welt zu sein.“, murmelte sie leise ihrem Spiegelbild zu.

 

Pascale stürmte aus der Villa. Aufgewühlt startet Pascale seinen Porsche Cayenne und fuhr die Auffahrt entlang. Sobald er auf der Landstraße war, gab er Gas.

Er ließ im Geiste den Abend Revue passieren. Sein Onkel und er hatten ein gutes Geschäft mit einer Vampirsippe abgeschlossen. Daniel würde sich um das Weitere kümmern. Sein Herz schlug schneller, wenn er an diese Frau dachte. Groß war sie und ihre wilden Locken umrahmten ihr Gesicht. Sie hatte einen Mund, der zum Küssen geschaffen war. Am ausdruckvollsten aber waren ihre rehbraunen Augen. Sie gaben ihm das Gefühl, zu ertrinken und dabei tiefe Geborgenheit zu finden.

Seine Hand versuchte, seine Hose im Schritt zu weiten, denn sein Ständer drückte gegen seine Boxershorts. „Du hast dich ja schon ewig nicht mehr gemeldet.“, grummelte er. Seine Gefühle fuhren Achterbahn, wenn er Solveig vor seinem geistigen Auge sah.

Es war besser, diese Frau nicht wieder zu sehen, beschloss er. Es wäre Sicherer für sie.

Daheim ging er kalt duschen und setzte sich dann in seinen bequemen Sessel und ließ sich durch eine Quizsendung im TV ablenken.

Aber immer wieder sah er Solveig im Badezimmer vor sich stehen. Ihr Blick war warm und herausfordernd zu gleich. Das sie, als er dabei war, die Toilette genutzt hatte, störte ihn nicht. Er nahm es als Zeichen des Vertrauens an. Wolfsmenschen waren in der Beziehung lockerer. Nein, er würde sich auf keine Frau mehr einlassen, schwor er sich energisch. Dann versuchte er, sich einzureden, dass die Wölfe lieber unter sich blieben.

Dass die Wölfin ebenfalls an ihn dachte, konnte er nicht wissen.

 

Solveig betrachtete sich einen Augenblick im Spiegel und überlegte, warum Pascale unnahbar schien. Sie nahm sich vor, das herauszufinden. Ihr Herz sagte ihr, das es notwendig und erfolgversprechend würde.

Dann sah sie sein Sakko auf dem Stuhl liegen. Sie hob es auf und steckte ihre Nase in den Stoff. Sie schnüffelte einen unbekannten Duft und sein teures Rasierwasser.

Sie verließ das Bad mit der Jacke auf dem Arm. Sie hatte wenig Hoffnung Pascale zu treffen. Ihr Bauchgefühl sagte ihr, das er die Feierlichkeiten verlassen hatte.

Sie seufzte wieder und brachte das schwarze Sakko hinauf in ihr Zimmer. Er würde sich schon melden, tröstete sie sich.

Frederic winkte ihr zu, als sie zurück in der Halle war. „Du hast mir einen Tanz versprochen.“, erinnerte er sie lächelnd.

Nach einer schwungvollen Umdrehung zog er sie fest an sich. „Ach Solveig, hast du ein Glück das ich schon so Alt bin. Warum bist du noch nicht bebunden? So eine tolle Frau, wie du sollte nicht alleine durch die Welt spazieren.“

Sie lachte und drückte ihn etwas von sich weg. „Ich bin ganz zufrieden mit meinem Leben.“, gab sie zurück. „Außerdem bist du nicht nur alt sondern auch gebunden.“ Bei diesen Worten lächelte sie schelmisch.

„Och Spielverderberin.“, tadelte er gutgelaunt.

Nach drei Tänzen legten sie eine Pause ein und Frederic führte sie zur Bar. Dort stießen sie auf seine Frau Gisela. Sie entführte ihn gleich wieder, zurück auf die Tanzfläche.

„Hey Liebes, amüsierst du dich?“ Silke kam leicht außer Atem auf sie zu und umarmte sie. Hinter ihr stand Daniel und strahlte mit ihr um die Wette. Er fragte, ob Solveig ebenfalls etwas trinken wollte und bestellte dann drei Gläser Champagner.

„Er ist ein toller Tänzer.“, schwärmte ihre Freundin, während sie seinen breiten Rücken und die schmale Tailie begutachtete.

Solveig grinste. „Na, verliebst du dich gerade?“, neckte sie.

Bevor Silke ihr widersprechen konnte, drehte sich Daniel zu ihnen um und ging zu einem kleinen Tisch. „Kommt, setzt euch.“, lud er die Frauen ein.

„Ich heiße übrigends Daniel de Silvas.“, stellte er sich Solveig vor. Sie nannte ihren Namen und erkundigte sich nach seinem Neffen. „Ich gehe mal davon aus, das es ihr Neffe ist. Pascale hat, nach einem Missgeschick mit mir, sein Sakko im Bad vergessen. Ich wollte es ihm persönlich zurück geben, aber er hat die Feier schon verlassen.“ Daniel sah sie erstaunt an. „Bitte, gib es mir später mit. Pascale ist im Moment etwas indisponiert und sollte besser in Ruhe gelassen werden.“

Gerne hätte Solveig weitere Fragen gestellt aber Silke warf ihr einen warnenden Blick zu. Sie nickte unmerklich und verabschiedete sich unter dem Vorwand, Adele helfen zu wollen. Es lag ihr fern, dem jungen Glück im Weg zustehen.

 

Reginald steuerte strahlend auf sie zu. „Liebes, lass uns tanzen.“ Er griff ihre Hand und legte sie auf seinen angewinkelten Arm. „Alles in Ordnung?“, fragte er sie leise.

„Oh ja. Stell dir vor Silke hat einen Verehrer und er ist noch nicht geflüchtet.“

Beide lachten und suchten sich einen Platz auf der Tanzfläche. Die Band, die mit Verspätung angekommen war, spielte angesagte Discomusik. Harmonisch bewegten sich Solveig und ihr Ziehvater im Discofox. „Warum sehe ich dich nicht in Begleitung eines netten Mannes?“ Sie vermochte, ihr knurren nicht unterdrücken und der Alpha rückte ein Stück von ihr ab. Er sah ihr freundlich in die Augen und grinste. „Schon gut, Kleines. Er wird noch kommen.“ „Ja, ja, ja.“, grummelte sie und Reginald lachte zu laut. Alle sahen zur ihm herüber, aber das störte ihn nicht.

Thomas tanzte mit Adele an ihnen vorbei und der Alpha nutze sofort die Gelegenheit, seine Gefährtin zu sich zu ziehen. Mit der anderen Hand schubste er galant Solveig in die Arme von Thomas. Thomas grinste seinen Rudelführer verschmitzt an und Adele schmiegte sich eng an ihren Gefährten.

Solveig und ihr neuer Tanzpartner brauchten einige Sekunden, um den Takt zu finden. Aber dann schwebten sie leichtfüßig durch den Raum.

Als sie ein weiteres Mal an den Terrassentüren vorbei tanzten, stoppte die Wölfin abrupt. Thomas kam ins Stolpern und beide lachten, während sie ihm in den sicheren Stand half. „Ich würde gerne eine kurze Pause machen.“ Sanft legte sie eine Hand auf die Wange und sah ihn kokett an. „Magst du uns etwas zum Trinken holen?“ Thomas grinste, nahm ihre Hand und drückte seine Lippen auf die Handinnenfläche. Dann drehte er sich um und bannte sich einen Weg zur Theke.

Verstohlen wischte Solveig sich die Hand an ihrem Kleid ab und betrat die Terrasse. Es war kühl, der Morgentau senkte sich im Garten herab. Sie hob den Kopf und sah zur Mondsichel. Tief atmete sie ein und aus.

Sie vernahm ein rauschen, wie von riesigen Flügeln und sah suchend in den Himmel. Ihr Herz jubelte in Erwartung einen Drachen zu sehen. Stattdessen sah sie eine Eule, die über sie hinweg flog und am Nachthimmel verschwand.

Traurigkeit breitete sich in ihrem Herzen aus. Thomas kam zurück und brachte ihr ein Glas ihres Lieblingsbourbons. Er stellte sein Getränk auf den Boden und zog seine Anzugjacke aus. Behutsam legte er sie um ihre Schultern. Nachdem er sein Glas gehoben hatte, legte er sanft seinen Arm um ihre Schultern.

„Weißt du das du wunderschön ausschaust? So elegant und dabei unschuldig.“

Solveig lachte. „Ich bin ja auch unschuldig.“ Sie klimperte mit ihren Wimpern und beide lachten. „Darf ich dich bald zu einem Abendessen einladen? Ich würde dich gerne näher kennenlernen.“ Sein Blick war voller Erwartung auf sie gerichtet.

Die Eule kam zurück und kreischte, als sie über dem Paar war. Mit schnellem Flügelschlag drehte sie zwei Runden und flog übers Haus, außer Sicht.

„Nanu, was war das denn?“ Thomas war etwas erschrocken über die Reaktion der Eule.

Solveig sah ein Zeichen im Verhalten der Eule. „Das soll uns wohl sagen, es wird nichts mit einem gemeinsamen Abendessen.“, versuchte sie zu lachen. Obwohl sie ihr Gewissen meldete und schimpfe.

Thomas nahm die Absage hin. Er zog seinen Arm von ihrer Schulter und sah sie von der Seite an. „Ich bin gespannt, auf wen du wartest.“

Solveig sah ihn an und wusste darauf nichts zu sagen.

Hinter ihnen wurde es laut. Silke und Daniel kamen und kicherten, wie frisch Verliebte eben kichern.

„Hallo ihr zwei.“, grüßte Silke. Sie holte ihre Zigarettenpackung aus ihrer Hosentasche und bot Solveig eine an. „Puh, danke, die brauche ich jetzt wirklich.“

Sie gab das Feuerzeug zurück, damit sich ihre Freundin es nutzen konnte, aber Daniel zog ihr die Fluppe von den Lippen. „Hey!“, knurrte Silke und warf ihrem Schatz einen bösen Blick zu. Sie nahm sich eine zweite Zigarette und zündete sie an. Tief inhalierte sie den Rauch. Daniel knurrte ebenfalls und schüttelte den Kopf. Sein Blick war hart und bohrend. Doch Silke lachte: „Ich bin alt genug, und wenn es dir nicht passt, dann cèst la vie.“ Sie stellte sich dicht an Solveig heran und beide ignorierten die Männer. „Na Süße, wie liefs bei dir bisher?“ Solveig harkte sich bei ihrer Freundin unter und sie verließen die Terrasse, um im Garten spazieren zugehen.

„Ich muss dir etwas erzählen.“, wisperte sie. „Thomas hat mich zu einem Abendessen eingeladen. Aber dann hörte ich gewaltige Schwingen rauschen und sah eine Eule die kreischend über uns kreiste.“ Silke lachte: „Du hast doch nicht geglaubt, das da ein Drache um die Ecke kommt. Was hast du gegen Thomas? Er ist nett und aufmerksam.“ „Ja und somit mir zu langweilig.“, grinste Solveig und verdrehte die Augen. „Ach Süße, ich wünschte dein Traumprinz kommt bald auf einen Drachen angeflogen.“ Dabei schüttelte sie ihren Kopf, dass ihre langen blonden Haare nur so flogen. „Solveig, wann willst du mal erwachsen werden?“, tadelt sie streng.

Solveig verdrehte ihre Augen und sagte nichts dazu.

„Wie läuft es mit Daniel? Ihr seht verliebt aus.“, wechselte die Wölfin das Thema.

„Oh.“, grinste ihre Freundin dümmlich. „Sieht man es so offensichtlich? Aber egal.

Er ist ein Macho und bringt mich damit zum Lachen. Er tanzt wie ein Gott und sein Körper fühlt sich an wie Stahl. Nur irgendwie weicher.“ „Okay, okay.“, winkte Solveig ab. „Bitte keine weiteren Details.“ Beide Frauen lachten und setzten sich auf eine Steinbank, um sich eine Zigarette zu gönnen und die Sterne zu beobachten.

Diesmal hörten beide das Rauschen schwerer Flügel über ihren Köpfen. Die Blicke schossen zum Himmel, aber sie konnten nichts sehen. „Verrückt!“, raunte Silke. Sie rieb sich die Arme und zitterte.

„Mist, die Wölfin will raus.“, stöhnte sie. Solveig war schon auf dem Boden. Ihr Kleid zerriss und sie kniete sich auf der Erde. Ihre Wandlung verlief schnell. Jahrelanges Training hatten sie gelehrt, sich den Schmerzen hinzugeben. Silke vermochte die Wölfin in ihr nicht zurück zuhalten und nur wenige Zeit später rannte sie hinter ihrer Freundin her.

„Silke, da war ein Drache. Es gibt also welche. Wo er wohl hin ist?“ Ihre Stimme klang rau, aber dennoch hörte die zweite Wölfin die Freude heraus. „Lass uns zum Berg rennen. Dort gibt es eine Höhle, in der er sein könnte.“ Schweigend rannten sie nebeneinander übers Grundstück, durch den nahen Wald und standen dann vor dem Berg. Sie sahen bis zu seinem Gipfel und fingen an die Steine hochzuklettern. Es wurde immer steiler und ein paar Mal drohten sie ab zu rutschen. Unsanft zog Solveig ihre Freundin am Nackenfell, um sie auf einen Vorsprung zu ziehen. „Vielleicht sollten wir uns zurückwandeln.“, überlegte sie dabei. Silkes kehliges Lachen war laut in der kühlen Nachtluft und hallte von den Steinen zurück.

---ENDE DER LESEPROBE---