Wortmagie - Juliana Fabula - E-Book

Wortmagie E-Book

Juliana Fabula

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Beschreibung

24 Kurzgeschichten, eine für jeden Tag im Advent, bis zu Weihnachten. Für jeden ist etwas dabei, ob Weisheiten, Kindergeschichten, Fantasie, Drama, Liebe, weihnachtliche Geschichten, zum selber lesen oder vorlesen. Jede ist auf ihre Weise etwas ganz Besonderes, denn Worte besitzen eine besondere Magie. Sie können in uns ein wahres Feuerwerk der Gefühle auslösen. Worte bringen uns zum Lachen, Weinen und regen uns zum Nachdenken an. Ich möchte Ihnen mit diesen Geschichten, ein Feuerwerk der Gefühle schenken. 19 Kurzgeschichten aus dem Buch Wortmagie + 5 zusätzliche Weihnachtsgeschichten Die eBook-Version entspricht ungefähr 204 Seiten. Die Print-Version hat im Taschenbuchformat 220 Seiten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Juliana Fabula

Wortmagie

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Widmung

Vorwort

Ein Regentropfen voller Glück

Sand im Zeitmaschinengetriebe

Ein Atemzug voll Glück

Wunscherfüllung

Licht hinter den Fenstern

Regen und Sonnenschein

Captain Katu und das Sternenjuwel

Brief an Lucian

Engel und Dämon

Die Magie der Sterne

Des Sternwandlers Nacht

Flaschenpost

Kiss me, Darling!

Für immer bis in die Ewigkeit

Mein Engel

I’ve found you

Black Swan

Gewitter

Die Eisprinzessin

Ein viel zu warmer Wintertag

Mia und der Weihnachtsmann

Poro das verlorene Rentier

Der Weihnachtsrebell

Das Weihnachtswunder

Nachwort

Die Autorin

Impressum neobooks

Widmung

Vorwort

In jeder Geschichte steckt ein Funken Wahrheit. Wir müssen nur beginnen, zwischen den Zeilen zu lesen und diesen Funken zu entfachen.

Abermillionen Gefühle und unendliche viele Funken, in jedem von uns ergibt dies ein kleines Feuerwerk.

Ein Regentropfen voller Glück

An Tagen wie diesen philosophiere ich gerne vor mich hin. Es regnet, die Regen-tropfen prasseln gegen die Windschutzscheibe, während ich zur Arbeit fahre. Dabei hörte ich ein Lied und ließ meine Gedanken in Erinnerungen schwelgen.

All unsere Erinnerungen sind wie ein großer Ozean, entstanden aus abertausenden Regen-tropfen. Guten und Schlechten. Wenn wir uns erinnern, dann oftmals an die schlechten Ereignisse, viel zu wenig an die Guten.

Ein Ozean voller gemischter Gefühle.

Bei alledem stellt sich mir die Frage, wenn einer Blume ein Tropfen Regen reicht, um neuen Mut zu bekommen, dass sie weiterlebt.

Warum reicht uns ein Moment des Glücks nicht aus?

Da kam mir der Gedanke: Was macht mich glücklich, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist? Ein Kompliment? Eine kleine Aufmerksamkeit?

Wenn einem einmal bewusst wird, was alles Glücksmomente sind und wenn man diesen viel mehr Aufmerksamkeit schenkt, dann erst bemerkt man, wie schön alles sein kann.

Man sieht, dass die Farben viel bunter sind. Das Schokolade viel süßer schmeckt. Das die Sonne heller scheint und das Herz erwärmt.

Sand im Zeitmaschinengetriebe

Es war einmal ein sehr hektischer, alter Mann. Sein Name lautet Professor Jeronimus Lumenn – Segundos. Er war immer in Eile, nichts ging ihm schnell genug. Die Zeit war ihm einfach zu wenig. Der Tag hatte zu wenig Stunden um alles zu erledigen, das Jahr zu wenig Tage und das Leben zu wenig Jahre.

Er lebte abgeschieden in seinem Turm und dieser Turm war voller Uhren. Kuckucksuhren, Wanduhren, Taschenuhren, Sanduhren, Sonnenuhren, tausende an der Zahl. Überall hallte das Ticken der Uhren von den Wänden. Wenn man ihn hätte vergleichen müssen, dann würde man behaupten er wäre eine Mischung aus dem verrückten Hutmacher, dem weißen Kaninchen und Merlin dem Zauberer. Er arbeitete Tag und Nacht an seinem neusten Projekt.

Eine Zeitmaschine sollte es werden. Man konnte sich diese so vorstellen: Sie sah aus wie ein Tor, ein Tor durch das man hindurchgehen musste, um in den Genuss einer anderen Zeit zu kommen. Oben in der Mitte des Torbogens befand sich eine kleine Sanduhr, welche steuern sollte, wie weit man in der Zeit vor- oder zurückreiste. Hektisch bastelte er an ihr herum und murmelte dabei unablässig, »Keine Zeit, keine Zeit!« als würde ihn jemand hören, der ihn stören könnte. Dabei war er allein, vollkommen allein und das schon seit Jahren. Doch hatte er sich selbst für dieses Leben entschieden, denn die andere Wesen auf der Erde raubten seine kostbare Zeit mit unnützen Dingen.

Für was er eine Zeitmaschine brauchte? Ganz einfach, er wollte noch mehr Zeit zur Ver-fügung haben, er wollte so oft vor oder zurück durch die Zeit reisen, dass er niemals sterben müsste, denn genau davor hatte Professor J. Lumenn – Segundos Angst. Er hatte Angst davor zu sterben, dass es nicht mehr lange dauern würde bis Gevatter Tod ihm seine Hand reichen würde. Deswegen musste er es unbedingt schaffen die Maschine fertig zu stellen, bevor es zu spät war. So schuftete er Tage und Nächte durch bis er eines Morgens voller Begeisterung sein Werkzeug zur Seite legte. Er ging ein paar Schritte zurück um sein Werk zu begutachten und seine Brust schwoll voller Stolz an, als er sah, was er nach jahrelanger Arbeit endlich erreicht hatte.

Da stand sie, die Zeitmaschine die sein Leben verändern sollte. Am liebste hätte er sie sofort ausprobiert, doch es war ein langer Tag gewesen und er hatte in letzter Zeit nicht viel geschlafen. Morgen würde er sein Abenteuer beginnen, zurück in die Vergangenheit, vor in die Zukunft. Schließlich können das nicht viele Menschen von sich behaupten in der Zeit zu wandeln.

Als die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erreichten war der Professor schon auf den Beinen und machte sich bereit für sein Abenteuer. Er hatte ein paar Utensilien ein-gepackt, die er möglicherweise gebrauchen konnte und ging zu seiner Zeitmaschine. Er drehte die Sanduhr dreimal nach vorne, da er in die Zukunft reisen wollte. Es fing an zu knistern und zu rauschen, kleine Lichtblitze wurden verursacht und vor Lumenn - Segundos im Torbogen, bildete sich ein weißer, milchiger Nebel. Sein Herz flatterte so schnell wie die Flügel eines Kolibris. Er hatte Angst und war doch freudiger Erwartung. Als er hindurchschritt, kam es ihm so vor als würde er wie von einem Strudel erfasst werden.

Doch dann passierte etwas womit er niemals gerechnet hat. Er hörte ein Splittern, wie zerbrechendes Glas und während er noch herumwirbelte bekam er auch schon die ersten Sandkörner ins Auge.

Die Sanduhr war zersprungen!

Oh weh, dachte sich Jeronimus, was nun? Der Nebel um ihn herum wurde klarer und zerfloss allmählich, der Strudel hörte auf ihn mit sich zu reißen, und ehe er sich versah, stand er auch schon auf festem Boden. Wo war er? Er schaute sich um, es war ein wunderschönes Land. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dies sein Turm in ein paar Jahren sein sollte?!

Er ging seines Weges. Er traf seltsame Wesen und lernte sie zu mögen. Sie wurden Freunde. Er tat was ihm gefiel. Er lebte. Er lebte sein Leben. Es gab nichts, was es nicht gab. Nur eins, das fehlte. Eine Uhr.

Wo auch immer ihn seine Zeitmaschine hin-gebracht hatte, falls es überhaupt eine Zeit-maschine war, was er da gebaut hatte. Hier wo er nun war, hier gab es keine Zeit. Manchmal kam es ihm vor als würde ein Jahr so schnell vorbei gehen wie der Schlag eines Schmetterlingsflügels, dann wieder wie 1000 Jahre eines Lebens. Er war glücklich. Das war alles was zählte.

Nicht, das er sich einen Zeitplan machte. Nicht, das er auf das verzichtete was ihm Spaß bereitete, nur weil er keine Zeit dafür hatte. Nicht, das er sich von allem Lebendigen abgewandt hatte, nur damit es ihm nicht die Zeit stehlen konnte. Nein, das Schlimmste was es gab war die Zeit selbst. Den Zeitdruck den man sich selbst machte.

Ein Atemzug voll Glück

Sein Name ist Phillipè Satisfait. Er ist 85 Jahre alt und liegt auf dem Sterbebett. Er war schon alt, hatte viel erlebt und dennoch hielt er eisern am Leben fest. Er konnte noch nicht gehen. Irgendetwas hielt ihn hier, hier in dieser Welt. Als hätte er noch eine unerfüllte Aufgabe.

Es war mitten in der Nacht, Fieberschübe durchjagten seinen alten Körper. Jedoch sein Geist war klar für einen Mann in seinem Alter.

Natürlich vergaß er auch öfters etwas, jedoch benebelt war er nicht.

Er dachte über Vergangenes nach. Alte Zeiten. Es waren glückliche, erfüllte Stunden gewesen.

Er war viel gereist, hat vieles gesehen und erlebt, wovon andere nur träumten. Er jedoch hatte seine Träume gelebt.

Er dachte an die vielen wunderschönen Momente, die er mit seiner geliebten Frau hatte und auch mit seiner Familie.

Er dachte an seine Tochter, die einen tollen Mann geheiratet hat und an seine Enkel-tochter. Seine kleine Louise.

Sie sollte auch ein so erfülltes und wunderschönes Leben haben wie er. Dafür wollte er sorgen. Dafür hatte er gesorgt, fiel ihm ein!

Er hatte ein Tagebuch geschrieben. Ein Buch über sein Leben. Mit all seinen Ratschlägen, abenteuerlichen Geschichten seiner Reisen, Weisheiten, all das in seinem Buch.

Das musste er ihr noch unbedingt geben. Das war es, weswegen er noch hier war. Das war es, was er die ganze Zeit vergessen hatte. Etwas so Kostbares findet man selten, ein Leben lang hatte er es geschrieben.

Er wird sie vermissen. Er wird alle vermissen, dennoch kann er sich nicht beklagen. Es war ein wunderbares Leben gewesen. Man wird ihn in guter Erinnerung behalten.

Die Nacht war vorbei. Das erste Sonnenlicht vertrieb das Dunkel der Nacht. Er wartete.

Wartete darauf, dass die Sonne hoch am Himmel stand. Wartete, dass die Tür aufging und seine Lieben hereinkamen. Wartete, dass er seinen letzten Atemzug nehmen durfte.

Zwei Stunden später wurde die Tür geöffnet. Seine Frau trat ein und auch der Rest der Familie. Seine Tochter, ihr Mann und seine kleine Louise.

Seine Frau trat zu ihm ans Bett und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann flüsterte er ihr mit brüchiger Stimme zu, dass sie im Schreibtisch ein ledernes Buch finden würde und es doch bitte holen soll.

Sie tat wie ihr geheißen und brachte es ihm. Vorsichtig nahm er es entgegen und winkte Louise zu sich heran.

Er sagte ihr, welchen Schatz er ihr vermache. Sie hörte zu und eine Träne rann ihr über die Wange.

Wunscherfüllung

Ich saß in meinem Zimmer und starrte aus dem Fenster. Es war bereits dunkel und Wolken hatten den Himmel verhangen. Kleine Eiskristalle bildeten sich am Fenster. Es war Winter, kalt und dunkel.

Genau wie mein Leben, weshalb ich meist in meiner Fantasiewelt lebte. Ich träumte davon reich zu sein, berühmt zu sein, gut auszusehen. Alles, was man sich wünschen kann, das dieses sich auch erfüllt.

Doch natürlich war nichts davon Realität. Ich seufzte und sah eine Schneeflocke fallen. Sie segelte federleicht dahin und landete schließlich auf dem Fenstersims. Plötzlich fing sie an hell zu leuchten und es entstand ein winziger Wirbelsturm. Als dieser sich wieder legte, stand ein kleines zauberhaftes Wesen draußen am Fenster und sah mich mit großen Augen an. Ohne das Fenster zu öffnen, saß es plötzlich direkt vor mir.

»Ich bin eine Fee«, stellte sie mit kristallklarer Stimme fest. Ich kniff die Augen fest zusammen, zählte bis drei und öffnete sie wieder. Die Fee war immer noch da. In einem himmelblau schimmernden Kleidchen und einem Zauberstab in der Hand. Tatsächlich, sie hielt einen Zauberstab in ihrer winzigen Hand.

Ich schüttelte ungläubig den Kopf.

»Doch ich bin eine Fee und möchte dir etwas schenken.«

»Was möchtest du mir denn schenken?«, fragte ich mit zittriger Stimme.

»Dass sich all deine Wünsche erfüllen mögen.«

Das konnte einfach nicht wahr sein. Das war unmöglich. Ein Märchen, ein Traum! Genau, sicherlich war ich eingeschlafen!

Ich atmete tief ein und aus um mich zu beruhigen, nur ein Traum. Alles ist gut. Es ist wie immer nur ein Traum.

Ich nickte und lächelte die Fee nun an.

Sie schwang ihren Zauberstab und glänzender Staub fiel über mich.

»Aber gib gut Acht, denn manchmal kosten Wünsche mehr als man glaubt. Deine Lebenszeit ist nur begrenzt und genau die wird dir genommen.«

Ich nickte erneut, was sollte schon passieren, es war schließlich nur ein Traum.

Dann war sie auch schon wieder verschwunden, einfach so, aus dem Nichts, wie sie gekommen war.

Mein erster Wunsch. Ich sah mich in meinem Zimmer um und überlegte kurz, dann stellte ich mir richtig modische Klamotten vor und schon hatte ich sie auch an. Ich freute mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Als Nächstes wollte ich viel Geld besitzen, damit ich einkaufen konnte, ohne darüber nachzudenken. Es passierte nichts. Ich nahm meinen Geldbeutel in die Hand und schaute hinein und mehrere 50 und 100 Euro Scheine blitzten mir entgegen.

Ich liebte diesen Traum schon jetzt. Ich war zwar schon alt genug, aber ein eigenes Auto besaß ich noch nicht. Ich stellte mir mein Traumauto vor und schon stand es vor der Tür.

Ich ging nach draußen, stieg ein und fuhr in Richtung des Einkaufszentrums. Ich war glücklich, sorgenfrei und ohne finanzielle Ängste. Ein tolles Gefühl.

Langsam schlenderte ich durch das Kaufhaus und lief an hellbeleuchteten Schaufenstern vorbei, die mit allerlei Sachen lockten. Klamotten, Spielsachen und anderen Krimskrams. Ich ging überall hinein, kaufte mir ein wenig hier von und etwas davon. Dann sah ich ein großes Plakat mit einer berühmten Person darauf. Ich wünschte mir so sehr, ebenfalls berühmt zu sein. Ich wollte Selbstvertrauen haben und nicht der Schatten meines Selbst sein.

Kaum hatte ich den Wunsch gedacht, ging er auch schon in Erfüllung. Plötzlich begannen die Menschen, sich nach mir umzudrehen. Blitzlichter von Fotoapparaten lichteten mich ab. Fragen wurden mir gestellt und man bat mich darum, Autogramme zu geben. Ich war beliebt. Die Menschen liebten mich!

So verbrachte ich den restlichen Tag, bis ich abends todmüde in mein warmes Bett fiel. Ein Wunsch nach dem anderen hat sich erfüllt. Ich könnte nicht glücklicher sein.

Der nächste Morgen begrüßte mich und ich war traurig darüber, dass alles nur ein Traum war. Ich stand auf und ging ins Badezimmer. Als ich jedoch den Kopf hob, sah ich nicht mich. Vor mir stand ein alter Mensch. Mit faltiger Haut, traurigen glasigen Augen. Ich berührte meine eingefallene Wange. Meine Hände sahen genauso aus, alt, runzlig und voller Altersflecken. Ein Traum, nur ein Traum. Ich bin noch nicht wach und die Warnung der Fee hat mich in diesen Albtraum versetzt.

Ich ging so schnell ich konnte zurück ins Schlafzimmer, legte mich hin und zog die Decke über den Kopf. Ich versuchte gleichmäßig zu atmen, damit ich im Traum wieder einschlafen und in der Realität erwachen konnte. Denn das konnte unmöglich real sein. Es funktionierte nicht. Mit Schrecken stellte ich fest, das alles, was ich erlebt hatte kein Traum gewesen war.

Eigentlich konnte man nicht sagen, dass ich etwas erlebt habe, immerhin war ich um 40 Jahre gealtert und hatte somit mein Leben verpasst. Ich hatte meinen Träumen hinterhergejagt und dabei vergessen zu leben.

Ich ging ans Telefon um meine Mutter anzurufen, ich wollte einfach ihre Stimme hören, die mir sagte, dass alles gut werden würde. Es wählte, doch dann sagte mir eine elektronische Stimme, dass die Nummer nicht vergeben sei. Ich wählte noch einmal, weil ich dachte ich hatte mich verwählt, aber wieder konnte ich niemanden erreichen.

Ich ging ins Wohnzimmer und da sah ich das Bild meiner Eltern, mit einem schwarzen Band am Rahmen. Nein, das konnte nicht wahr sein! Es war nicht nur meine Lebenszeit gewesen die genommen wurde. Alle Menschen die ich liebe, alle die mir etwas bedeuten. Auch ihre Zeit wurde genommen. Die Zeit der Welt hatte sich einfach schneller gedreht und nun hatte ich mein Leben verpasst und alle verloren, die mir etwas bedeuteten.

Meine Hand griff nach meinem Herzen, ich schluchzte und eine Träne rann über meine Wange. Ich war allein, so allein, wie ich zuvor nie gewesen war. Es hatten sich zwar alle meine Wünsche erfüllt, aber es gab niemanden, mit dem ich dieses Glück teilen konnte, denn ich hatte nie gelebt. Ein erneuter Schluchzer schüttelte meinen Körper durch, ich weinte so lange, bis ich erschöpft auf dem Boden kauerte und einfach nur da lag. Ich schaute aus dem Fenster, wie gestern Abend. Nein, wie an dem Abend vor 40 Jahren. Es war dunkel und kalt.

Dann sah ich sie, die Schneeflocke. Meine Fee. Sie kam zu mir und legte ihre winzig kleine Hand auf meine Nase.

»So weine doch nicht, ich hatte dich gewarnt, du hättest nicht so unbedacht handeln sollen.«

Eine Träne kullerte aus meinem Auge und lief über meine Wange. Sie bahnte sich einen Weg, den zuvor so viele andere liefen, und fiel lautlos auf den Teppich, der schon ganz feucht von all den Tränen war.

Die Fee sah mich mitleidig an. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das alles verloren hatte. Alles und Jeden.

»Ein Wunsch bleibt dir noch, dann musst du geh’n. Wähle mit bedacht, gute Nacht«.

Mit diesen Worten verschwand sie und ließ mich allein in der Dunkelheit zurück. Ein Wunsch blieb mir also noch. Ich schloss die Augen, dachte an meine Familie und meine Freunde. Ich wünschte mir so sehr, das alles wieder wäre wie es war. Ich wünschte, es wäre der Abend vor 40 Jahren und ich könnte mein Leben leben.

Dann wurde es schwarz.

Das Klingeln meines Weckers riss mich aus dem Schlaf, ich saß noch immer am Fenster. Meine Hände waren kalt und taub, weil ich meinen Kopf darauf abgestützt hatte. Meine Hände. Sie waren normal, keine Altersflecken, keine runzlige Haut. Es waren einfach meine Hände. Ich stürmte ins Bad und sah in den Spiegel. Ich war wieder jung. Ich war wieder ich.

War das alles doch nur ein Traum gewesen? Ein Traum, der zum Albtraum wurde? Ich ging zurück ins Zimmer und sah zum Fenster. Eine riesige Kristallschneeflocke hatte sich auf der Scheibe gebildet.

Nein, es war kein Traum gewesen, da bin ich mir sicher. Aber selbst wenn es nur einer war, so hat es mir doch eins klar gemacht, es gibt wichtigere Dinge im Leben, als das all unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Ich sollte nicht nur in meiner Fantasiewelt leben und darauf hoffen, dass diese irgendwann Wirklichkeit wird.

Licht hinter den Fenstern

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