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Sammy, nach einem Tag von der Hundeschule geflogener, kleiner Philosoph mit Hang zu Pizzen und dem Traum, endlich selber Auto fahren zu dürfen, sucht für sein in die Jahre gekommenes Herrchen Vitus eine neue Partnerin. Was katastrophal und hoch peinlich für alle Beteiligten beginnt. Sammy´s pointierte Autobiographie ist voller Charme und ein belletristischer Stimmungsaufheller, der jedoch keinerlei Nebenwirkungen hat, außer vielleicht Lust auf Pizza und der wahrscheinlich nicht neuen Erkenntnis, dass das Haustier immer alles besser weiß.
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Seitenzahl: 51
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Sienna Liebling
WOW
Das Leben ist zu kurz zum Jaulen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Epilog
Impressum neobooks
Mein Herrchen heißt Vitus und ist 82. Er sucht eine Freundin. Jung soll sie sein, denn er mag keine alten Leute. Ungepflegte schon gar nicht. Er geht allerdings kaum abends aus. Lieber geht er um halb sechs in die Badewanne und kommt eine Stunde später verschrumpelt und nackt unterm Bademantel wieder, isst seine tägliche, besonders heftig gesalzene Brezel, trinkt dazu seinen halben Liter Weißbier. Und ich kicke dann gekonnt die Flasche um und nuckle an den Resten. Ich werde ihm wohl helfen müssen, da führt kein Weg dran vorbei.
Ich darf mich vorstellen. Ich heiße Sammy. Sammy vom Tisch runter, jedenfalls nennen mich alle immer so. Ich bin zehn, stehe meinem Ziehvater also im Alter nicht viel nach. Werde auch langsam grau. Das Leben hier ist ziemlich gemütlich. Ich werde zwar ein paar Mal am Tag genötigt, Gassi zu gehen, obwohl ich mich davor immer zu drücken versuche. Verstecke mich hinter einem Sessel. Aber Herrchen kriegt mich doch immer. Ich höre fern, am liebsten die UFO-Sendungen, die Vitus immer guckt. Exobiologische Themen interessieren ihn wirklich sehr. Mich inzwischen auch. Ich frage mich, ob es auf fremden Planeten auch so Hunde gibt wie mich. So schöne, intellektuelle. Ob es da wohl eine Hundedame gäbe für mich? Hier unten ist es ziemlich mau damit. Es geht mir also wie Vitus. Wie stelle ich das jetzt bloß an? Ich weiß schon, ich beiße die Auserwählte einfach ins Hosenbein, eine Spezialität von mir. Okay, manchmal erwische ich auch ein wenig Menschenfleisch dabei, aber das ist wirklich keine Absicht. Bin doch kein Pittbull. Ich bin Terrier und stolz drauf.
Es ist Sommer und Herrchen hat ein Kinderschwimmbecken für mich im Garten aufgestellt. Gerade bade ich meinen heiß gelaufenen Bauch darin. Oh, das ist herrlich. So erfrischend. Ich tauche die ganze Schnauze hinein und trinke ein wenig Badewasser. Köstlich. Dann hüpfe ich raus und schüttle mich ausgiebig. Renne nass wie ich bin ins Haus uns trockne mich am Teppich ab. So ein Hundeleben hat doch seine Vorteile. Man muss nicht arbeiten gehen, wird versorgt und kann im Großen und Ganzen tun, was man will. Vitus schimpft höchstens, wenn ich zu viel belle. Aber man muss doch auch als Haustier mal seine Meinung äußern dürfen! Es gibt so viele politische Themen, die mich interessieren. Wieso dürfen die bösen Nachbarskinder mich beschimpfen und mir mit dem Tode drohen, wenn ich zu laut bin? Die sind doch viel lauter! Wenn ich ein Mensch wäre, könnte ich sie verklagen, wegen Beleidigung und Bedrohung. So bleibt mir nichts anderes übrig als noch lauter zu bellen.
Herrchen guckt auch oft Tiersendungen. Am Anfang dachte ich, die Tiere wären im Fernseher drin und habe mit Anlauf gegen das Gerät getreten. Das fand Herrchen weniger lustig. Inzwischen weiß ich ja, was Sache ist. Infrarot und Kameras. Alles Hollywood. Bin schließlich nicht blöde.
Also, diese Kängurus finde ich faszinierend. Hüpfen den ganzen Tag durch die Gegend und scheinen nie müde zu werden. Und das bei der Hitze! Bewundernswert! Im nächsten Leben will ich ein Känguru sein. Obwohl es dort so fiese Jäger gibt. Wenn ich länger darüber nachdenke, wäre ein weiteres Leben mit meinem Herrchen vielleicht doch erstrebenswerter. Man könnte die Geschichte ja mal umdrehen. Er ist der Hund und ich das Herrchen. Aber nein, da müsste ich arbeiten gehen. Es ist wohl gut wie es ist. Seit wann ich das mit dem Sterben weiß? Ist doch dauernd in den Nachrichten. Ich glaube persönlich aber an ein Leben nach dem Tode. Dass ich Herrchen wieder treffe und wir zusammen Bierchen trinken. Auf den Wolken spazieren gehen und die bösen Nachbarskinder von oben mit Hagelkörnern bewerfen. Die sind wirklich böse! Man sagt doch nicht: „Du bist tot, Hund, wenn du nicht aufhörst zu bellen!“ Was haben die für eine Kinderstube? Sitzen wahrscheinlich den ganzen Tag vor RTL2. Da kommen diese Schrei-Sendungen, kenne ich vom Durchzappen. Vitus bleibt dort zum Glück nie lange. Er ist mehr für öffentlich-rechtlich oder wenigstens n-tv. Galileo guckt er auch oft. Er war mal Ingenieur und baut heute Modellschiffe. Er soll mir mal ein kleines Auto bauen. Leider kann ich ihm das nicht adäquat mitteilen. Ich wünschte, ich könnte. Aber es kommen nur diese für Menschen unverständliche Laute heraus. Das ärgert mich schon manchmal. Besonders, wenn er wieder dieses widerliche Futter erwischt hat. Ich mag das vom Netto viel lieber. Ich versuche schon immer, ihm das klar zu machen. Auch mit Kotz-Anfällen, aber er kapiert es nicht. War mit mir beim Arzt deswegen. Der Depp sagt, ich soll keine Nudeln essen. So ein Schmarrn. Das Beste überhaupt und ich soll darauf verzichten? Pizza hat er auch verboten. Geht’s noch? Was gibt es schöneres als einen langen Fernsehabend mit Pizza? Hab ihm dafür mitten in die Praxis gepinkelt. Ich geb dir „keine Pizza“, du Trottel! Na ja, was soll man da machen. Die Menschen werden einfach nicht klüger. Wenn Vitus´ Tochter Jeannie zu Besuch ist, kriege ich dann doch ab und zu ein Stückchen. Oh, das ist so toll! Kann nicht genug davon kriegen! Jeannie kocht mir immer Nudeln. Mit leckerer Sauce. Sie gibt mir auch immer Milch. Da stehe ich drauf. Die schmeckt so gut. Ich komme schon meilenweit an gewackelt, wenn ich das Aufschrauben der Milchtüte nur im Ansatz höre.
