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Meinen Weg der Welle. Ein persisches Sprichwort besagt, dass das Leben wie eine Welle ist. Mal ist man oben, mal ist man ganz unten.In diesem Buch beschreibe ich meinen Weg der Welle. Mein Schicksalsweg fuehrt mich von Dubai ueber Thailand nach Spanien. Etwas zum genaueren Inhalt dieses Buches: Dies ist meine Geschichte. Sie erzaehlt von Gegensaetze wie sie groesser nicht sein koennen, von einem previligierten Leben in Dubai, von einem gefaehrlichen Leben im thailaendischen Dschungel und der anschliessenden Flucht nach Spanien. Meine Geschichte erzaehlt von den Schwierigkeiten und Gefahren denen mein Sohn und ich taeglich ausgesetzt waren. Sie gibt einen kleinen Einblick in die Welt von Karachi und Lahore. Sie erzaehlt von politischen Situationen, von kulturellen, religioesen und geschichtlichen Hindergruenden in den jeweiligen Laendern. Sie beschreibt die Schoenheit der Wueste und die Faszination des Land des Laechelns. Wir, das sind mein Mann, mein kleiner Sohn und ich, fuehren in Dubai ein Leben im Luxus. Geldsorgen oder gar Ueberlebensaengste sind mir voellig fremd. Strom kommt fuer mich aus der Steckdose und Geld aus dem Bankautomat. Das soll sich jedoch ploetzlich von heute auf morgen und ganz ohne Vorwahrnung drastisch aendern. Gnadenlos werden wir aus unserer heilen Welt herrausgerissen. Eines Tages teilt mir mein Mann mit, dass er in einem Zeugenschutzprogramm aufgenommen werde. Er hat wertvolle Informationen in der Hand die der Firma fuer die er taetig ist, sehr schadet. Aus diesem Grund erlischt unsere Aufenthaltsgenehmigung innerhalb von vier Wochen. Somit ist nun auch unser Leben in Gefahr und er beschiesst, dass der thailaendische Dschungel der sicherste Platz fuer uns sei. Niemand wuerde auf die Idee kommen uns dort zu suchen. Da die Internationale Schule in Thailand bald anfaengt beschliessen wir, dass ich zusammen mit unserem Sohn und unserem Hausrat wie ueblich schon einmal aufbreche.
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Seitenzahl: 149
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Yvonne-Sophie Epp
Wueste und Zitronengras
Mein Leben
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Spanien
Dubai
Dubai 1. Teil
Einzug ins neue Haus
Tot von Sheikh Zayed bin Sultan bin Zayed bin Kahlifa Al Nahyan und seine Vision
Poolarbeiten in unserem Garten
Weihnachten
Panik in der Nacht
Iban Battuta Einkaufszentrum und die Geschiechte darueber
Yannick's dramatischer Unfall am Meer
Unsere philippinische Maid Cherry
Das Verschwinden unserer Maid und Erpressung
Auf der Polizeiwache
Heisser Sand und heisses Wasser
Pakistan
Hochzeitsfeier
Lahore
Impressum neobooks
Ich sitze auf meiner Terrasse in Spanien, ueberblicke die wunderschoene Landschaft des Innlandes der Costa Blanca und schaue auf die Zeit in meinem Leben zurueck, in der ich soviel schoenes und aufregendes erlebt habe aber auch sehr viel Gewalt,Traurigkeit und Verzweiflung erfahren musste. So versuche ich nun meine Gedanken aufzuschreiben. Der Rueckblick in meine Vergangenheit konnte beginnen. Das diese Reise nicht einfach werden wuerde war mir von Anfang an klar. Immer wieder musste ich eine Schreibpause einlegen da die Erlebnisse und Alptraeume mich wieder einfingen.
Ich schreibe dieses Buch fuer meinen Sohn Yannick der diese Geschichte miterleben musste und fuer meine Tochter Vanessa die uns auf diesem Weg unseres Lebens nicht mehr begleiten konnte, da sie gerade in Deutschland ihr Studium anfing.
Als Entsandte einer Weltfirma zogen wir regelmaessig mit Kind und Kegel in neue, ferne Laender und liessen uns auf fremde Kulturen, Religionen und Lebensarten ein. Wir waren an ein luxerioeses und kosmopolitisches Leben weltweit gewoehnt. Seit ein paar Jahren lebten wir nun in Dubai. Jedenfalls bis zu jenem besagten Tag der mein Leben und das meines Sohnes Yannick radikal von einem Tag auf den anderen veraendern sollte.
Eines Abends kam mein Mann frueher als gewohnt von der Arbeit nach Hause. Ich wunderte mich schon und hatte ein ungutes Gefuehl. Noch wusste ich nicht das dieser Abend unser ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellen wuerde. Nichts sollte mehr so sein wie frueher. Zum Glueck wusste ich damals noch nicht welchen Alptraum mein Sohn und ich die naechsten Jahre durchleben mussten..
“ Yvonne, du musst mit Yannick Dubai innerhalb von 30 Tagen verlassen da das Visum fuer Euch nicht mehr verlaengert werden kann.“
Ein sueffisantes Laecheln umspielte dabei den Mund meines Mannes. Ich war sprachlos.
Dubai das war unsere Heimat. Dieses mal, so hatten wir vereinbart, wuerden wir endlich sesshaft werden. Yannick ging hier auf eine internationale Schule. Wir hatten eine grosse Villa in der Wueste am kuenstlich angelegten See gekauft. Mit viel Liebe zum Detail hatte ich aus einer Sandbox einen tollen Garten und ein liebevolles kuscheliges Zuhause geschaffen. Yannick und ich hatten hier wunderbare Freunde gefunden und ich war Elternsprecherin an einer internationalen Schule auf die auch mein Sohn ging. Wir waren Mittglieder im angesagtesten Beachclub von Dubai, Yannick war zusaetzlich noch im Segelclub und gerade dabei seinen Segelschein zu machen. Einmal im Monat traf ich mich abends mit ein paar Freundinnen in einer Bar zum Cocktail. Wir hatten Angestellte und keine Geldsorgen. Strom kam fuer mich aus der Steckdose und Geld aus dem Bankautomat. Der einzigste Schatten der sich ueber unser angenehmes Leben zog war mein mit unter gewalttaetiger Mann. Immer mies gelaunt, immer auf dem Sprung. Nie hatte er Zeit fuer uns und liess uns staendig spueren das wir ihm im Weg waren. Da er mehr auf Geschaeftsreise als zuhause war konnte ich seine Schikanen erdulden. Ich erduldete sie fuer Yannick da ich der Meinung war, dass ein Kind auch einenVater braucht. Aus heutiger Sicht war das ein grosser Fehler von mir.
Dieses Leben sollten wir nun von heute auf morgen aufgeben? Schon wieder unsere Zelte abbrechen und in einem anderen Land ganz von vorne anfangen? Zum Glueck wusste ich damals noch nicht welch einen Albtraum ich mit meinem Sohn zusammen noch durchleben sollte.
Man waechst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Und wie ich wachsen sollte. Manchmal kann es von Vorteil sein, wenn man sein Schicksal nicht kennt.
Aber jetzt erst mal der Reihe nach.
Gerade machten wir noch mal einen Kontrollgang durch unser soeben gekauftes Haus in Dubai als ich durch einen ohrenbetaeubenden Laerm alamiert wurde. Sofort gingen bei mir saemtliche Alarmglocken an. Wo zum Teufel steckte Yannick schon wieder? Voller Angst lief ich nach draussen. Unser Haus stand mitten in der Wueste in einer Sandbox. Es gab noch keine Strassen keine angelegten Gaerten und auch die Nachbarhaeuser waren noch nicht fertig gestellt und standen genau wie unser Haus im blossen Wuestensand. Als ich nach draussen kam stockte mir der Atem.
Da lag es, das riesige, elektrische Stahleingangstor und darunter begraben mein Kind. Blass und absolut still lag Yannick im heissen, kochenden Sand und auf ihm das tonnen schwere Stahltor.
So laut ich konnte rief ich nach meinem Mann.
„Michael, Michael, komm schnell, Yannick ist unter dem Eingangstor begraben!“
Leise hoerte ich meinen kleinen Liebling weinen. Also lebte er noch.
„Schaetzchen, alles wird gut. Mama ist ja bei dir.“
Verzweifelt versuchte ich meinen Sohn zu befreien. Da das Tor jedoch gigantisch schwer war, hatte ich nicht die geringste Chance. Wieder rief ich nach meinem Mann.
„Michael, so komm doch schnell! Ich brauche Deine Hilfe!“
Gelangweilt kam mein Mann zu uns herueber geschlendert. Wuetend darueber, dass man ihn bei seinem Rundgang durch das Haus gestoert hatte.
„Muss der Junge denn immer so einen Bloedsinn machen? Kannst Du nicht besser auf ihn aufpassen Yvonne?“
„Michael rede bitte nicht soviel sondern helf uns lieber. Ausserdem muss das Tor wohl nicht richtig befestigt worden sein. Sonst waere es ja wohl kaum aus der Verankerung gekracht.“
Fluchend zog er Yannick unter dem Tor hervor. Als er feststellte das der Junge nicht schwer verletzt war, widmete er sich wieder den vielen verschiedenen Hausschlusseln zu, meckerte vor sich hin da er nicht auf anhieb die richtigen Schluessel fuer die dazugehoerigen Schloesser fand und ging teilnahmslos ins Haus. Das war ja mal wieder typisch Michael. Gefuehlskalt und berechnend. Das Kind haette tod sein koennen und alles was meinen Mann interessierte waren seine daemlichen Schluessel.
Da sass ich nun mitten im heissen Wuestensand und hielt meinen kleinen Sohn im Arm. Die Sonne brannte gnadenlos auf uns herab. Leise jammerte mein kleiner tapferer Held und ein paar Traenen kullerten ueber sein Gesicht. Trotz grosser Schmerzen im Fuss versuchte er mich anzulaecheln.
Wasser! Schoss es mir durch den Kopf. Wir brauchen kaltes Wasser. Yannick's rechter Fuss schwoll immer mehr an. Da wir jedoch noch nicht in unserem Haus wohnten gab es auch kein Wasser. Nachbarn hatten wir ebenfalls nicht da die Siedlung noch nicht voellig erschlosssen war. Im Moment war dies hier eine verlassene Gegend in der Wueste. Ausser Sand, Sonne und halb fertigen Haeusern gab es hier nichts. Wo sollte ich jetzt nur Wasser her bekommen? Da vernahm ich das quitschende Gerausch eines Baggers. In der Naehe unseres Hauses wurde scheinbar gebaut und wo gebaut wurde gab es Menschen und auch Wasser.
So stapfte ich also, bis zu den Knien im heissen Sand versunken, mit Yannick in die Richtung aus der der Baulaerm kam. Meine Beine gluehten und auch meine Kraft liess immer mehr nach.
„Mama, Mama, mein Fuss tut so weh. Ich habe Durst.“
„ Pst, pst, alles wird gut mein Schatz, gleich haben wir es geschafft. Mama ist ja bei dir.“
Voellig erschoepft erreichten wir endlich das andere Grundstueck auf dem pakistanische Arbeiter gerade eine Grube fuer ein Schwimmbad aushoben. Als uns der Vorarbeiter sah, eilte er uns sofort zur Hilfe. Auch die anderen Arbeiter kamen herbei geeilt. Ganz vorsichtig nahm der nette Vorarbeiter mir Yannick aus dem Arm und ging mit ihm um das Haus. Da es leider keinen Schatten gab lag Yannick dann bei 50 Grad Hitze und Sonne pur, in den Armen eines bemerkenswerten Mannes.
Er trug die uebliche, traditionelle, sandfarbene Shalwar Kameez. Diese besteht aus einer leichten, weiten Baumwollhose und einer langen Tunika. Sein Kopf war mit einem farbigen Turban bedeckt, welche von den Sikh Anhaengern getragen wurde. Gekonnt und sehr gewissenhaft untersuchte er den Fuss meines Sohnes. Nach einer Weile stellte er fest, dass nichts gebrochen war. Mittlerweile waren die Arbeiten auf der Baustelle eingestellt worden denn jeder versuchte auf seine ganz spezielle Art und Weise, Erleichterung fuer meinem Sohn zu schaffen. Vor Ruehrung und Dankbarkeit liefen mir die Traenen ueber mein Gesicht.
„Schnell, bringt mir Wasser fuer den Jungen,“rief der Mann, der meinen Sohn im Arm hielt.
Ein Arbeiter brachte den Gartenschlauch und fing an das warme Leitungswasser ueber die Schwellung zu giessen. Alles in diesem Land war warm oder heiß, selbst das Wasser aus den Leitungen. So musste man hoellisch aufpassen, dass man sich nicht verbrannte. An Abkuehlung war da nicht zu denken. Aber diese Erfahrung sollte ich spaeter noch am eigenen Leib erfahren.
Vorsichtig und mit sehr professionellen, rythmischen Bewegungen massierte unser Retter in der Not den Fuss meines Sohnes. Man konnte sehen, dass er sehr geuebt darin war und wusste was er tat. Jeder seiner Handgriffe sass. In Pakistan war er Heiler und Arzt gewesen. Hier in Dubai musste er sich sein Geld mit harter koerperlicher Sklavenarbeit verdienen. Dieser gut aussehende und nette Mann schickte mir der Himmel. Er hatte begnadete Haende und ein mitfuehlendes warmes Laecheln das mir die Angst nahm. Seine sanften Augen beruhigten mich und so konnte ich mich ein wenig entspannen. Nach einer Weile war die Schwellung zurueck gegangen und der Fuss sah aus als waere er nie geschwollen gewesen. Es war ein magischer Moment. Der Schweiss lief uns allen mittlerweile in Stroemen am Koerper herunter und binnen kuerzester Zeit waren wir sandgepudert. Erleichtert darueber das nichts schlimmeres passiert war fingen wir alle an zu lachen und waren gluecklich das es Yannick wieder besser ging.
„Madame, es ist nichts gebrochen und sie muessen mit ihrem Sohn auch nicht ins Krankenhaus, ich kann das fuehlen. Vertrauen sie mir?“ Aufmunternd und freundlich schaute mich unser Retter an.
Und ob ich ihm vertraute.
Nun kam auch mein Mann angestapft und fluchte wie immer. Gott war mir das mal wieder peinlich.
„ Was machst Du denn hier fuer einen Quatsch und warum sitzt Du mit diesem Gesindel zusam.
im kochenden Sand? Bist Du total uebergeschnappt? In 2 Minuten seid ihr beide drueben oder ich fahre allein zurueck ins Hotel.“
„Aber Michael, diese Menschen haben deinen Sohn versorgt. Wir sind ihnen zu Dank verpflichtet. Bitte hast du nicht ein paar Dirham die wir ihnen geben koennen?“
„Ich bin gar keinem zu Dank verpflichtet. Mach das du mit Yannick zum Auto kommst, sonst bin ich fort.“
Ich versuchte ihn zu beruhigen jedoch schuettelte er wie ueblich nur den Kopf und stapfte davon ohne auch nur einen Blick auf unseren Sohn zu werfen. Gott, war mir das peinlich und ich schaemte mich schrecklich.
So liebe und warmherzige Menschen hatten sich um unseren Kleinen gekuemmert und das war nun der Dank dafuer. Ich konnte mich leider nur mit meiner ganzen Herzlichkeit bei diesen hilfsbereiten Arbeitern bedanken. Da wir hier in einem islamischen Land waren wussten die Arbeiter, dass ich als Frau nichts zu melden hatte. Sie verstanden auch ohne Worte.
Freundlich laechelnd halfen sie mir noch Yannick zu unserem Haus zu tragen und gingen mit einem „Salam Aleikum“ und einer knappen Verbeugung davon.
Was fuer wunderbare Menschen sie doch waren.
Mittlerweile war mein Mann mit seinem Spiel „welcher Schluessel passt zu welcher Tuer“, fertig und wartete schon ungeduldig auf uns. Yannick jammerte ein wenig, da er total ueberhitzt, durstig und mittlerweile auch hungrig war.
„Wir fahren jetzt erst einmal ins Krankenhaus,“ giftete mein Mann uns an.
Es war ihm mal wieder ueberaus laestig sich mit uns abgeben zu muessen und dann machten wir auch wieder nur Probleme.
„Michael, wir brauchen nicht ins Krankenhaus fahren, es ist nichts gebrochen. Dieser nette Mann hat es mir bestaetigt.“ antwortete ich.
„Der ist doch viel zu dumm und kann nur Steine schleppen.“ schnaupte Michael mich an.
„Doch, ich glaube ihm, er wusste was er tat. Du koenntest ruhig ein wenig Dankbarkeit zeigen. Die Maenner haben sich schliesslich um deinen Sohn gekuemmert. Du hast es ja mal wieder nicht fuer noetig gehalten nach Yannick zu sehen.“
„Also gut, aber auf Deine Verantwortung, wenn Yannick Folgeschaeden davon traegt, dann bist Du daran schuld und nicht ich. Steigt jetzt endlich ins Auto ein.“
Seine Ueberheblichkeit und Arroganz Menchen gegnueber machte mich immer sehr traurig. Keiner hatte das Recht auf andere herabzusehen. Michael war schon lange nicht mehr der Mann den ich vor vielen Jahren einmal aus Liebe geheiratet hatte.
Da Yannick unbedingt etwas Essen und Trinken wollte liess ich das Thema fallen und so fuhren wir endlich los.
Im Auto hing ich meinen Gedanken nach. Unendliche Erleichterung kam ueber mich und war gluecklich, dass meinem Sohn nichts passiert war. Ich war so dankbar, dass sich so liebevoll.
Leute ohne zu zoegern um meinen Kleinen gekuemmert hatten. Leider war die Reaktion meines Mannes so typisch fuer ihn. Mittlerweile war ich es ja gewohnt immer an allem Schuld zu sein und auch das er seine Launen an mir ausliess, aber man koennte sich doch wenigstens anderen gegenueber etwas zivilisierter verhalten. Es war immer das Gleiche.
An dieser Stelle moechte ich einfuegen, dass der Fuss meines Sohnes bis zum heutigen Tag intakt ist. Tief im Inneren fuehlte ich, dass ich diesem Mann vertrauen konnte und Yannick kein Krankenhaus benoetigte.
Man trifft sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben. So sollten nur wenige Wochen vergehen bis ich all unsere Helfer in der Not wieder sah.
Eines Morgens standen sie bei uns im Garten und fingen an die Grube fuer unseren Pool auszuheben. Die Wiedersehensfreude war gross. Schliesslich hatte ich diese Leute doch schon richtig in mein Herz geschlossen. Nun wuerde ich mich auch endlich erkenntlich zeigen koennen.
Frueh am Morgen kamen sie, arbeiteten still und eifrig vor sich hin und abends gingen sie immer mit einem Laecheln auf dem Gesicht und einem hoeflichen „Salam aleikum Madame.“
Manchmal gesellte ich mich, trotz 45 Grad im Schatten, zu ihnen in den Garten. Dann sassen wir alle zusammen auf einer Plastikplane im Sand hinterm Haus. Obwohl es sich fuer mich in einem moslemischen Land nicht schickte, schwatzte und scherzte ich mit ihnen herum waehrend sie mit den Fingern die wenigen Speisen die auf einer Plastikplane verteilt wurden, assen. Dabei erzaehlten sie mir ihre Lebensgeschichte. Traurig berichtete mir mein pakistanischer Heiler und Arzt wie sehr sie alle ihre Familien, Frauen und Kinder vermissten. Da ich wusste unter welchen menschenunwuerdigen Lebensumstaenden sie hier hausen mussten, schnuerte es mir jedes mal das Herz zu. Fuer mich war das einfach unvorstellbar. Es schmerzte mich sehr zu hoeren wieviel Leid sie ertragen mussten. Wie sie unter Hitze, Hygienemangel und Hunger in ihren Wellblechkontainern, zusammen gefaehrcht wie die Tiere, bei bruehtender Hitze leben mussten. Alles was ich tun konnte, war ihnen freundlich und verstaendnissvoll entgegenzutreten. So versuchte ich ihnen die Arbeit bei uns so angenehm und stressfrei wie nur moeglich zu gestalten. Da in Dubai das Sharia Gesetz herrschte, konnte ich als Frau leider nicht sehr viel Ausrichten, ausser ihnen regelmaessigen Zugang zu unserem Trinkwasser zu geben. Es war mir verboten ihnen etwas zu kochen. Jedoch ein freundliches Laecheln hier und da, ein paar nette Worte und etwas Herzenswaerme waren immer drin. Sie zeigten mir Fotos von ihrem Dorf und ihrer Familie und ueberreichten mir Geschenke aus ihrem Heimatland.
Einmal brachte mir unser pakistanischer Gaertner wundervollen Haarschmuck aus seinem Land mit. Ich erfuhr, dass tatsaechlich ein kleines Dorf in Peshawa aus Dankbarkeit, mir diesen Haarschmuck zum Geschenk gemacht hat. Man erklaerte mir das es sich hierbei um einen traditionellen, aus schwarzer Wolle geflochtenen und mit goldfarbenen Faeden verzierten Hochzeitsschmuck der Bauersfrauen handelte.
Ganz geruehrt und mit Traenen in den Augen nahm ich diesen huebschen Haarschmuck entgegen. Das fremde Menschen mir ein so grosszuegiges Geschenk machten. Ich war einfach ueberwaeltigt. Dieser Haarschmuck befindet sich noch immer in meinem Besitz. Von Zeit zu Zeit halte ich ihn in den Haenden und erinnere mich gern an diese Zeit zurueck.
Heute war es nun endlich soweit. Wir zogen in unser neues Zuhause ein. Ein Heim, das noch immer in einer Sandbox stand und nur darauf wartete das ich dieses mit viel Liebe zum Detail, aus seinem Dornroeschenschlaf befreien wuerde. Die Raeumlichkeiten unsere Villa hatte ich mit gekonnten Farbakzenten verschoenert und die Arbeiten an unserem Pool wuerden in ein paar Wochen ebenfalls abgeschlossen sein. So wartete ich nun zusammen mit meinem Sohn Yannick auf unseren Hausstand der in zwei grossen Kontainern verstaut war und heute zu uns gebracht werden sollte. Wir fuehlten uns als waere es Weihnachten und warteten voller Ungeduld auf die Bescherung.
Wie schoen es doch war nach so vielen Wochen wieder die eigenen lieb gewonnenen Sachen um sich herum versammeln zu koennen.
„Mama, Mama, unsere Kontainer kommen! Komm schnell Mama, sie sind da!“
Aufgeregt stuermte Yannick ins Haus um mich zu suchen. Mein kleiner Wirbelwind war uebergluecklich und konnte es kaum erwarten, mit all seinem Lego und Star Wars Spielsachen zu spielen. Dadurch das wir schon mehrere Ueberseeumzuege hinter uns hatten, wusste ich genau welche Kartons jeweils zum Schluss in die Konatainer verladen werden mussten, damit das
Wichtigste zuerst am neuen Platz ausgepackt werden konnte. Und was gab es schliesslich wichtigeres als die Spielsachen meines Sohnes? Mit dieser Strategie war er mir aus den Fuessen, konnte sich in eine Ecke der Villa zurueckziehen und spielen.
So ein Einzug in eine neues Haus, auf einem fremden Kontinent und einer fremden Kultur, war immer wieder auf's Neue eine aufregende Sache und auch eine grosse Herausforderung fuer mich.
Selbstverstaendlich wusste ich schon ganz genau wo jedes Teil hin kommen sollte. Jedes Bild, jede Lampe, jedes Moebelstueck alles hatte hier schon in meiner Vorstellung seinen Platz gefunden. Trotzdem brauchte es jedesmal eine gute Woche und sechs fleissige Helfer bis alles an Ort und Stelle war, die Bilder aufgehangen waren und das Porzellan gespuelt und verraeumt war. Die Kleidung, Schuhe und, und , und …. ordentlich untergebracht waren.
Mit roten Baeckchen und strahlenden Augen rannte mein Sohn auf mich zu und rief vor Begeisterung:
