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Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist! Unsere Natur ist wunderschön und einmalig – doch sie ist gefährdeter als je zuvor. Extremwetter wie Hitzewellen, zerstörerische Stürme und Überschwemmungen bedrohen nicht nur unsere Umwelt, sondern auch unser tägliches Leben. In seinem neuen Buch nimmt uns SPIEGEL-Bestsellerautor Dr. Christian Klepp mit auf seine Reisen zu unberührten Orten in Island, den Rocky Mountains und Neuseeland. Er zeigt eindrücklich, wie der Klimawandel die Natur verändert – und warum wir ihn nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance und Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft begreifen können. Er appelliert an unsere Werte wie Liebe, Respekt und Achtsamkeit und fordert uns auf, nicht in Angst und Frustration zu verfallen. Stattdessen können wir gemeinsam für ein friedliches Miteinander eintreten und uns mit Wissen, Engagement und Dialog für den Schutz unserer Erde einsetzen. Dieses Buch ist nicht nur ein Weckruf, sondern auch eine Inspiration, wie wir mit einem bewussten Lebensstil und einem tieferen Verständnis für das Erdsystem einen positiven Beitrag leisten können. Der Wandel beginnt bei jedem einzelnen von uns – und mit einer informierten Öffentlichkeit, die den Stein ins Rollen bringt. Die zahlreichen farbigen Fotografien des Autors rücken die Schönheit und Verletzlichkeit unserer Erde in den Mittelpunkt und zeigen auf imposante Art und Weise, was es dringend zu schützen gilt. «Dieses Buch habe ich mit viel Herzblut, mancher Träne der Trauer, aber auch mit Hoffnung geschrieben. Ich wäre glücklich, wenn ich dazu beitragen könnte, dass wir Erdenhüter zahlreicher und gemeinsam zu Botschaftern unseres Planeten werden und unsere Stimme für die Natur erheben.» (Dr. Christian Klepp)
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Das Buch
Unsere Natur ist einmalig schön – und so gefährdet wie nie zuvor. Der Klimawandel, zunehmendes Extremwetter, die Ausbeutung derErde und das dadurch verursachte Artensterben bringen die Ökosysteme an ihre Grenzen. Unsere Existenz ist in Gefahr.
Dr. Christian Klepp führt uns vor Augen, wie schützenswert unsere Erde ist und nimmt uns mit an unberührte Orte in Island, den Rocky Mountains und Neuseeland. Er zeigt uns, welche Maßnahmen für unser Überleben notwendig sind und was jeder von uns jetzt tun kann.
Der Autor
Dr. Christian Klepp studierte Meteorologie und Geologie an der Universität Hamburg und promovierte im Fachbereich Geowissenschaften. Er arbeitete an der Universität Hamburg, unter anderem als Dozent, sowie am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Während seiner Arbeit in der internationalen Klima- und Erdsystemforschung beschäftigte sich Klepp intensiv mit Fragen, wie die Erde als Ganzes funktioniert und wie sie sich im ständigen Wandel verändert. Seit 30 Jahren fotografiert er zudem unberührte Landschaften auf allen Kontinenten. Christian Klepp hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Menschen die Schönheit und Einmaligkeit der Erde wieder nahe zu bringen und auf unsere Verantwortung im Umgang mit ihr aufmerksam zu machen. Christian Klepps preisgekrönte Fotografien sind in internationalen Ausstellungen zu sehen und Teil seiner Vorträge. 2022 veröffentlichte er den SPIEGEL-Bestseller »Wunderwerk Erde – Wie unser Planet funktioniert«.
www.gutkind-verlag.de
ISBN 978-3-98941-027-5
Copyright © 2024: Gutkind Verlag GmbH, Berlin
Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text- und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Umschlag: FAVORITBUERO, München
Autorenfoto: © Sebastian Fuchs
Gestaltung und Satz: Red Cape Production, Berlin
E-Book: LVD GmbH, Berlin
Alle Rechte vorbehalten.
Elfenheimat. Dieser bemooste Canyon im Hochland von Island ist mit seinen Wasserfällen und schroffen Felswänden wie aus einem Märchenbuch entsprungen. Seit dem Ende der Eiszeit entwässert ein Seitenarm der Vatnajökull-Eiskappe in diesen Canyon. Unter der bis zu 1000 Meter mächtigen Eiskappe liegen mit der Grímsvötn und dem Bárðarbunga zwei der aktivsten Vulkane Islands. Die hohe Luftfeuchtigkeit verwandelte diesen Canyon mit der Zeit in ein lebendiges Gemälde.
Über das Buch / Über den Autor
Titel
Impressum
Zitat
Widmung
Mein Weg der Erdverbundenheit
TEIL 1 – ERKENNEN
Wir sind die Erde
Der unwahrscheinliche Planet
Eine Oase des Lebens
Die Entwicklung des Lebens im Zeitraffer
Wie wir unsere Erde begreifen können
Eine wichtige unwissenschaftliche Stellschraube
Der Sturz aus der Symbiose
Mit Empathie aus der Apathie
Leugnen ist keine Alternative
Wie wir uns überwinden und aktiv werden
Wege in die Nachhaltigkeit
Die Weisheit der Indigenen
TEIL 2 – VERSTEHEN
Wie Verständnis uns zum Handeln bringen kann
Unser fehlendes Gespür für Kohlendioxid
Klimaungerechtigkeit und Generationenverantwortung
Ein Loch in der Ozonschicht
Dicke Luft und die Vielfalt der Wolken
Wetterkapriolen und Meeresspiegelanstieg
Der Klimawandel als Extremwetter-Verstärker
Die Polarregionen im Klimawandel
Gletscher im Treibhaus
Ozeane voller Plastikmüll
Das Artensterben
Die Symbiosen der Ökosysteme
Ein tiefer Eingriff in die Evolution
Invasive Arten und Menschen
Wie wir mit der Natur umgehen
Die ökologische Transformation
Die sechste Krise der Evolution
Naturschutz, aber richtig
TEIL 3 – HANDELN
Projekte der Hoffnung
Was Politik, Wirtschaft und Industrie tun müssen
Was wir alle tun können
Ein emotionales Resümee
Danksagung
Literaturverzeichnis
Cover
Inhalt
Textbeginn
Die Erde flüstert von Zusammenhalt.
Die Steine erzählen von vergangenen Zeiten.
Die Landschaften wispern von Geborgenheit.
Die Lebewesen wissen um Gemeinschaft.
Die Natur offenbart sich dir.
— Tala Mohajeri
Für die Natur
Sie ist meine Heimat.
Je wilder und ursprünglicher sie ist,
desto wohler fühle ich mich in ihr.
— Dr. Christian Klepp
Eingefrorene Zeit. Der Fieschergletscher in der Schweiz ist der zweitlängste Gletscher der Alpen. Sein Nährgebiet liegt in 4000 Meter Höhe am Fiescherhorn und reicht bis an sein markantes kurvenreiches Zungenende in der Fiescherschlucht auf etwa 1700 Meter Höhe. Mit dem Klimawandel ist er, dem Schicksal aller weltweiten Gletscher folgend, beschleunigt am Abschmelzen. Er hat sich in die kontinentalen Granite und Gneise eingeschnitten, die im Vordergrund reich mit Landkartenflechten (Rhizocarpon geographicum) überzogen sind.
Schau tief in die Natur, und dann wirst du alles besser verstehen.
— Albert Einstein, Physiker
Unser Planet ist eine Oase des Lebens, der einzige uns bekannte Ort im Universum, an dem dies der Fall ist. Ich wurde mit einer tiefen Liebezu unserer Erde geboren und habe mich der Natur schon immer nähe r verbunden gefühlt als der Hektik der Großstädte. Die Natur erdet mich, wenn ich Wind und Wetter hautnah erlebe und die Gegensätze von Hitze und Kälte spüre. Die Schroffheit und Lieblichkeit der Landschaften mit ihren Pflanzen und Tieren lehren mich tiefen Respekt und Dankbarkeit für mein Dasein. Je wilder und ursprünglicher die Landschaften um mich herum sind, desto wohler fühle ich mich. Viele Begegnungen mit wilden Tieren, darunter Eisbären, Pumas und Grizzlys, haben mich demütig gemacht und mir meinen wahren Platz im Gefüge der Lebewesen gezeigt. Denn ich bin es, der sich in ihrer Welt bewegt und nicht umgekehrt.
Bereits als Jugendlicher wurde ich Ende der 1980er-Jahre auf meinen Wanderungen in den Alpen mit dem Klimawandel konfrontiert. Die damals noch beeindruckenden Gletscher im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern begannen, sich zurückzuziehen, jedes Jahr ein wenig mehr. Heute sind die meisten verschwunden. Ich halte den Gedanken kaum aus, dass allein wir es sind, die den rasanten Klimawandel verursacht haben und verantworten müssen.
Unendlich neugierig, wie unser Planet funktioniert, durfte ich als junger Meteorologiestudent 1993 an der ersten Winterexpedition mit dem Eisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts in die zentrale Arktis teilnehmen. Wir fuhren zwei Monate lang bei Temperaturen von bis zu −42 Grad Celsius ins damals noch ewige Eis. Dort erkannten wir, dass dieses Eis alles andere als ewig ist, da es bereits durch unsere Kohlendioxid-Emissionen immer dünner wurde und eine immer kleinere Fläche bedeckte. Seither schmilzt es noch schneller als vorhergesagt. Der tägliche Kontakt mit den Eisbären, denen buchstäblich die Lebensgrundlage unter den Tatzen wegschmilzt, und die Erhabenheit des zugefrorenen Ozeans in der klirrenden Kälte haben mein Leben für immer verändert.
So beschloss ich, mein Leben in den Dienst der Erde zu stellen, und wurde Geowissenschaftler und Landschaftsfotograf. Seit dieser Zeit treibt mich der Wunsch an, der Erde, ihrer Flora und Fauna eine Stimme zu verleihen und darauf aufmerksam zu machen, dass wir ihr zurückgeben müssen, was wir ihr zu Unrecht genommen haben. Bei meinen Aufenthalten in der Natur wurde mir klar: Um das Wunderwerk Natur in seiner Vielfalt und seinen wechselseitigen Beziehungen zu verstehen und nachhaltig und respektvoll mit der Erde umzugehen, müssen wir wissen, wie sie funktioniert, und unseren Platz im Gefüge der Natur wiederfinden. Das habe ich mir zur Lebensaufgabe gemacht.
Nach 25 spannenden Jahren in der internationalen Klimaforschung und vielen eigenen Expeditionen in die entlegensten Winkel der Erde hätte ich auch weiterhin Daten sammeln und auswerten können. Aus all diesen Daten entstehen die immens wichtigen wissenschaftlichen Grafiken, Karten und Analysen zum Klimawandel, der Naturzerstörung und dem Artensterben. Ich hätte weiterhin die Ergebnisse und Konsequenzen meiner Arbeit mit Fachkollegen diskutieren und in Fachzeitschriften veröffentlichen können, die wiederum nur von Wissenschaftlern gelesen werden.
An diesem Punkt meiner Karriere wurde mir allerdings klar, dass die bloße Anhäufung von immer mehr wissenschaftlichen Fakten, so immens wichtig sie für ein tiefes Verständnis unserer Erde und ihrer Ökosysteme sind, offensichtlich nicht ausreichen, um einen nachhaltigen Wandel in Politik, Industrie und Gesellschaft, national als auch international, zu bewirken. Denn wenn dem so wäre, dann hätten wir den Weg der Vernunft schon vor mindestens 30 Jahren eingeschlagen. Denn so lange wissen wir bereits, was mit immer höherer Geschwindigkeit auf uns zukommt. Dann hätten wir genügend Zeit gehabt, unseren Energie- und Wohlstandshunger klima- und ökosystemgerecht sowie nachhaltig umzubauen.
Wir haben diese Zeit nicht nur verstreichen lassen. Vielmehr haben wir trotz aller Warnungen der Wissenschaft in immer kürzerer Zeit immer mehr Natur auf unserem Planeten zerstört. Das stellt uns heute vor die übergroßen Probleme unserer multiplen und essenziellen Krisen und verkürzt die Zeit, die uns für den Umbau bleibt. Wir sind schneller denn je unterwegs, geben immer mehr Gas und debattieren heftig darüber, mit welchen Maßnahmen wir die Klimakrise wann bremsen sollten. Die Wahrheit ist, dass uns jetzt nur noch eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen hilft und wir hoffen müssen, dass der Airbag beim harten Aufprall auslöst. Wir haben buchstäblich keine Zeit mehr. Unsere Handlungen müssen sofort, konsequent und umfassend erfolgen.
Wenn die harten und belastbaren Fakten der Wissenschaft immer noch nicht genügen, um einen nachhaltigen Wandel zu bewirken, fehlen offensichtlich wichtige Bestandteile für ein Umdenken der Weltgemeinschaft. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach diesen fehlenden Bestandteilen gemacht.
Die Kernfrage ist, wie wir Wissensvermittlung in der Öffentlichkeit betreiben. Mit sachlich korrekten, aber völlig trockenen Zahlen, Grafiken und Tabellen lässt sich kaum jemand für unsere Erde begeistern. Mir wurde klar, dass auch ich meinen persönlichen Zugang und meine tiefe Liebe zur Erde nicht programmierend am Schreibtisch eines Forschungsinstituts erworben habe, sondern hautnah im Kontakt mit der Natur. Wissenschaftliche Fakten betrachte und analysiere ich mit großem Respekt und Ernst, aber zu Tränen gerührt haben sie mich nie. Auf meinen Forschungsreisen hingegen passiert mir das regelmäßig. Der unmittelbare Kontakt mit der Erde, die Bewunderung ihrer erhabenen Schönheit, der Atem eines Eisbären in der klirrenden Kälte, die schmelzenden Gletscher und die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Natur – all das weckt in mir tiefe Emotionen: Empathie und Liebe einerseits, Trauer und Scham andererseits.
Was uns als Individuen gelingen kann, fehlt uns bisher als Menschheit: die emotionale Zuwendung zu unserer Erde, sie mit Begeisterung, Leidenschaft, Faszination, Respekt, aber auch Dankbarkeit, Verantwortung und Demut neu zu entdecken, mit einem Verständnis dafür, wie alles miteinander zusammenhängt, voneinander abhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Das ist der Weg zurück in die Symbiose mit der Erde. Es ist der Weg aus der Sackgasse und hin zu unserem wahren Platz im Ökosystem Erde. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass eine leidenschaftliche Sprache, die uns wissenschaftliche Fakten verständlich macht und die Schönheit der Natur nahebringt, eine Sprache ist, die uns wieder verbindet und motiviert, die uns im wahrsten Sinne des Wortes erdet. Deshalb begleiten meine Landschaftsfotografien mit meinen intimen Momenten in der Natur dieses Buch.
Ich möchte Sie dafür begeistern, wie unglaublich schön unser Planet auch heute noch ist, abseits der Naturzerstörung. Ich möchte Mut und Tatkraft säen, um gemeinsam zur Lösung unserer Herausforderungen beizutragen. Dabei geht es mir vor allem um innere Einsicht und Achtsamkeit im Umgang mit der Natur. Erhobene Zeigefinger sind hier fehl am Platz. Es geht mir um ein neues Werteverständnis für unseren Planeten, aus dem heraus der Wunsch, zu helfen, wie von selbst, sozusagen von innen heraus, entsteht. Wer aus innerem Antrieb mithilft, die Wunden der Erde zu heilen, den kann nichts und niemand mehr aufhalten. Wir alle – Sie und ich – halten die Lösung aller Probleme, wie ich Ihnen im Laufe dieses Buches zeigen werde, buchstäblich in unseren Händen.
Es wäre mein größtes Glück, wenn dieses Saatkorn eines neuen Umgangs mit der Erde auf fruchtbaren Boden fallen und sich vermehren würde. Wenn Sie bereits dazu gehören, so reichen Sie dieses Saatkorn gerne weiter, vor allem auch an die, die es gar nicht haben möchten. Wir können der Spaltung der Gesellschaft aktiv entgegenwirken, indem wir wieder miteinander reden und einander zuhören. Jede und jeder Einzelne von uns macht einen Unterschied – wir sind alle Entscheidungsträger.
Mein erstes Buch Wunderwerk Erde – Wie unser Planet funktioniert endet genau dort, wo der Mensch anfängt, das Erdsystem und die Natur systematisch nach seinen Bedürfnissen und mit allen Konsequenzen umzugestalten und auszubeuten. Um die Auswirkungen unseres Handels zu verstehen und richtig einzuschätzen, ist eine systemische Betrachtung der Erde immens wichtig. Sie reicht vom festen Boden unter unseren Füßen bis hinab zum Erdkern, von der Sonne bis zum Mond, von der Atmosphäre bis in die Tiefen der Ozeane, und vom gesamten Spektrum des Lebens bis hin zu uns Menschen.
Angst, Pessimismus und Hoffnungslosigkeit sind schlechte Ratgeber. Vielmehr benötigen wir dringend einen positiven Ansatz, der uns aus der Antriebslosigkeit herausholt. Wenn die Erdsystemforschung eines erkannt hat, dann ist es die Tatsache, dass wir zu 100 Prozent von unserem intakten Planeten abhängen und stabile und gesunde Ökosysteme unsere Lebensgrundlage sind.
Um zu neuen Visionen einer nachhaltigen Welt zu gelangen, ist es nötig, alte Pfade und Gedankenmuster zu hinterfragen. Wie schon Albert Einstein richtig erkannt hat, lassen sich Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind. So möchte ich mit diesem Buch eine Aufbruchsstimmung erzeugen und dazu anregen, dass wir uns neue Geschichten erzählen, da die alten Narrative, denen wir jahrzehntelang blind gefolgt sind, eine Sackgasse sind. Wir sind ein Bestandteil dieses Planeten und nicht seine Beherrscher und Besitzer.
Wir haben bereits seit Jahrzehnten kein wissenschaftliches Erkenntnisproblem mehr. Stattdessen sind wir konfrontiert mit einem ständigen Handlungsdefizit seitens der Politik, Industrie und Gesellschaft.
Welch ein Perspektivwechsel wäre es, wenn wir uns wieder in unsere Erde verlieben, sie als unser Zuhause, unser aller Heimat betrachten und empathisch mit ihren Lebewesen, einschließlich uns selbst, umgehen würden.
Ich habe dieses Buch in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil »Erkennen« geht es darum, überhaupt erst einmal anzuerkennen und bewusst wahrzunehmen, wie sehr wir durch unser Handeln die Erde und die Ökosysteme im Expresstempo verändern und damit unsere eigene Lebensgrundlage zusammenbrechen lassen. Zu erkennen und zu akzeptieren, was wir anrichten, ist eine Grundvoraussetzung, um handlungsfähig zu werden.
Im zweiten Teil »Verstehen« steht der wissenschaftliche Erkenntnisstand der Erdsystemforschung im Vordergrund. Ich möchte die Faktenlage um die drei von uns Menschen verursachten essenziellen Krisen darlegen und aufzeigen, wie sie miteinander verknüpft sind: Klimawandel, Umweltzerstörung und Artensterben. Dabei versuche ich immer, den Blick auf die großen Zusammenhänge zu richten, und betrachte die Natur als Ganzes.
Der dritte Teil »Handeln« fasst Strategien und Lösungswege zusammen, die Sie bereits durch das Buch begleitet haben. Der Weg in eine nachhaltige Zukunft und ein Leben in Symbiose mit der Erde ist keine Utopie. Das umfasst die Maßnahmen, die wir als vernetzte Menschheit im globalen Dorf, aber auch – und das ist mir besonders wichtig – als Individuen benötigen. Aus einer langen Liste von Möglichkeiten können Sie – ganz persönlich nach Ihren Vorlieben, Interessen und Möglichkeiten – das auswählen, was Ihnen attraktiv erscheint, um in ein neues Zeitalter der Menschheit aufzubrechen.
Ich höre immer wieder, dass wir uns gegenüber unserer Erde wie ein verheerender Krankheitserreger verhalten. Um in diesem Bild zu bleiben: Wir haben die Wahl, wie wir mit dieser Diagnose umgehen. Sobald wir die Phase des Schocks, der Angst und Resignation überwunden haben, die Krankheit verstanden und Wege zur Heilung gefunden haben, können wir unseren Verstand einsetzen, um Wege aus der Krise zu finden. Wann krempeln wir endlich die Ärmel hoch und packen das Problem an?
Betrachten Sie dieses Buch als einen Beipackzettel für die Risiken und Nebenwirkungen im Umgang mit einem fragilen Planeten.
Goldener Sand. Der Sand der Dünen von Nambung in Westaustralien entstand nicht wie üblich aus der Verwitterung von Gesteinen und ist mit einem Alter von nur 10 000 Jahren geologisch jung. Er besteht aus fein gemahlenen Überresten von Muschel- und Schneckenschalen sowie Korallen und anderen kalkigen Organismen, die im warmen Wasser des angrenzenden Indischen Ozeans lebten. Der durch Wellenschlag zerkleinerte Sand wurde entlang der Strände mit dem beständig landeinwärts wehenden Wind zu einer Dünenlandschaft aufgehäuft. Im Sonnenuntergangslicht eines abziehenden Gewitters nimmt dieser tagsüber weiße Sand eine tiefgoldene Färbung an.
Je mehr wir unsere Aufmerksamkeit auf die Wunder und Realitäten des Universums um uns herum richten, desto weniger Lust werden wir auf Zerstörung haben.
— Rachel Carson, Meeresbiologin
Unsere Erde ist unser gemeinsames Zuhause, daher sollte es für eine intelligente Spezies wie uns Menschen selbstverständlich sein, nachhaltig, achtsam und wertschätzend mit ihr umzugehen. Im Alltag unserer hektischen und schnelllebigen Welt, in der wir uns durch Beton und Technik weitgehend vom Kontakt mit der Natur isoliert haben, fällt es uns zunehmend schwer, dies zu erkennen. Die Quintessenz ist, dass unser Fortschritt und Wohlstand mit der systematischen Zerstörung der Natur einhergehen. Diese für uns und alles Leben auf der Erde gefährliche Entwicklung muss so schnell wie möglich aufgehalten und umgekehrt werden.
Um diesen Weg einzuschlagen, möchte ich die gute Nachricht voranstellen: Wir sind ein Teil der Erde. Der Planet, sein Klima und alles Leben sind untrennbar miteinander verbunden. Diese Erkenntnis schlägt eine einzigartige Brücke zwischen den Ergebnissen der modernen Erdsystemforschung und dem intuitiven Wissen der Indigenen. Sie zeigt uns deutlich auf, wie eng unsere Erdverbundenheit tatsächlich ist und wie sehr wir sie kollektiv vergessen haben. Stattdessen wenden wir uns systematisch und wider besseres Wissen gegen unseren eigenen Planeten und seine Lebewesen – und damit gegen uns selbst.
Unsere Verbindung zur Erde hat weitreichende Wurzeln, die tief in den Weltraum reichen. Alle Materie, aus der die Erde und wir Lebewesen bestehen, ist in den Sternen entstanden. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes Sternenstaub.
Sterne, wie unsere Sonne, bestehen überwiegend aus Wasserstoff, der bei sehr hohen Temperaturen und bei hohem Druck im Inneren des Sterns zu Helium verschmilzt. Dieser Prozess erzeugt das Sonnenlicht, das unsere Welt erhellt und uns großzügig mit Wärme versorgt. Ruhig und stetig brennen die Sterne auf diese Weise, oft über Milliarden von Jahren. Am Ende ihres Lebens, genau dann, wenn sämtlicher verwertbarer Wasserstoff in Helium umgewandelt wurde, geschieht plötzlich alles schnell, und die Sterne verändern ihr Erscheinungsbild vollkommen. Die Temperatur und der Druck im Kern steigen stufenweise immer weiter an, sodass nach und nach immer schwerere Elemente entstehen, die sich wie Zwiebelschalen im Inneren des Sterns ablagern. Auf diese Weise entstehen sämtliche Elemente bis hin zum schweren Eisen. Eines davon ist der Kohlenstoff, das Strukturmolekül des Lebens, ein anderes der Sauerstoff, den wir atmen, aber auch Silizium, Aluminium und Magnesium, die Bausteine vieler Gesteine der Erde, und das Eisen in unserem Blut gehören dazu.
All diese Elemente, aus denen Sie und ich und die gesamte Erde bestehen, waren einst in längst vergangenen Sternen eingeschlossen. Sind solche Sterne erheblich größer und schwerer als unsere Sonne, verläuft ihr Lebensende spektakulär: Sobald der Prozess der Eisenbildung abgeschlossen ist, kommt die Fusion im Stern zum Erliegen. Damit ändert sich das dynamische Gleichgewicht, das sich ständig an alle Veränderungen anpasst, grundlegend. Der nach außen gerichtete Strahlungsdruck, der durch das Brennen der Elemente aufrechterhalten wurde, kommt zum Erliegen. Die Schwerkraft des Sterns gewinnt die Oberhand, und er kollabiert. Am Punkt seiner größten Verdichtung bewirken komplexe atomare Prozesse in seinem Innersten, dass sich die Implosion umkehrt. Der Stern wird in einer gigantischen Explosion zerrissen, eine Supernova leuchtet auf. Bei diesen kosmischen Katastrophen entstehen für kurze Zeit so hohe Temperaturen und so enormer Druck, dass in wenigen Augenblicken sämtliche schweren Elemente des Periodensystems jenseits des Eisens geboren werden. Zu diesen Elementen gehören auch Silber, Gold und Uran.
Durch diese Detonationen kosmischen Ausmaßes werden sämtliche im Stern entstandenen Elemente weit ins All verstreut. Mit der Zeit erkalten sie und werden zu Wolken aus Sternenstaub. Wir können sie sehen, wenn wir in den Nachthimmel blicken. Sie durchziehen das hell leuchtende Sternenband der Milchstraße wie eine Art dunkler Fluss und blockieren das dahinter liegende Sternenlicht. Deshalb nennt man sie Dunkelwolken.
Sie fragen sich vielleicht, was das mit unserer Existenz und der Erde zu tun hat. Die Antwort ist: nichts weniger als alles, denn wenn sich eine solche Wolke aus Sternenstaub verdichtet, verbinden sich immer mehr Elemente dieses Staubs zu Molekülen, und aus unzähligen Molekülverbänden entstehen die ersten Materieklumpen. Diese wiederum verdichten sich zu Gestein. Solche Regionen sind kosmische Kreißsäle, in denen neue Sterne mit ihren Planeten und Monden geboren werden. Dies geschieht ständig irgendwo im Universum, aber beim Blick in den Orionnebel im gleichnamigen Sternbild können wir die Geburt neuer Sterne und Planeten live miterleben. Es ist ein Blick in unsere eigene Existenz, denn genauso entstand vor 4600 Millionen Jahren unsere Sonne mit allen Planeten unseres Sonnensystems, einschließlich unserer Erde.
Portal in die Unendlichkeit. Am Mesa Arch der Canyonlands auf dem Colorado Plateau kann man den Sternenhimmel abseits der Lichtverschmutzung genießen. Der Bogen der nördlichen Milchstraße reicht vom W der Cassiopeia am linken Rand des Arch bis zum hellen Zentrum der Milchstraße in den Sternbildern Schütze und Skorpion, in denen die interstellaren Dunkelwolken besonders eindrucksvoll zu sehen sind. Solche Nächte, in denen es auch immer wieder zu Begegnungen mit Pumas kommt, machen mir eindrucksvoll meinen Platz im Gefüge des Erdsystems bewusst und zeigen mir, dass ich Sternenstaub bin.
