YUMA,Sohn des Flusses - Heinz Umbach - E-Book

YUMA,Sohn des Flusses E-Book

Heinz Umbach

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Beschreibung

"Yuma, Sohn des Flusses" erzählt eine wahre Geschichte eines erst 8 Wochen alten kleinen Berner Sennen Welpen.Von dem Zeitpunkt an wo er sein neues Heim bezieht bis zu seinem ersten Lebensjahr bei uns. "Es sind alltägliche, abenteuerlustige und des öfteren chaotische Geschichten von einem quirligen und hyperaktiven Hundewelpen. Das Buch beschreibt auch eine super-schnelle und rekordverdächtige Laufbahn eines Berner Junghundes auf seinem Weg von ganz unten bis ganz oben in der Rangordnung einer bisdahin ruhigen und geordneten Familienidylle." Yuma bedeutet, aus indianischer Überlieferung übersetzt " Sohn des ruhenden Flusses" Stille Wasser können tief sein und diesen Namen versuchte er in allen Belangen gerecht zu werden. Yuma arbeitete fieberhaft daran und es bestand keinerlei Zweifel mehr. Eines Tages wird er der Berner sein der diesen Namen mit Recht und mit Stolz trägt. Erste Anzeichen dafür sind schon ganz deutlich erkennbar.Und dann wird er... "YUMA...Sohn des ruhenden Flusses" sein !!!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2015

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In dieser Sammlung von Kurzgeschichten erzähle ich vom Alltag meines Berner Sennen Hundes und mir – genau genommen von meinem ersten Jahr mit „Yuma“ ‚beginnend mit dem Einzug eines „Bärchens“ in unser Zuhause.

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Dieses Buch widme ich meiner Frau Christiane, der ich sehr viel verdanke.

Und ich bedanke mich auch bei all meinen Freunden, Bekannten und Befürwortern auf Facebook, die mich dazu ermutigt haben, dieses Buch entstehen zu lassen.

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Heinz Umbach

YUMA

Sohn des Flusses

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© 2015 Heinz Umbach

Umschlag, Illustration: Heinz Umbach

Lektorat, Korrektorat: Janine Umbach

Weitere Mitwirkende: Christine Dumbsky(Illustrationen)

http://www.webparadise.com

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN:

Paperback

978-3-7323-1555-0

Hardcover

978-3-7323-1556-7

E-Book

978-3-7323-1557-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1: Herzlich Willkommen

Kapitel 2: Nur eine Runde um den Block

Kapitel 3: Einmal Garten und zurück

Kapitel 4: Bauarbeiten an einem Sonntag

Kapitel 5: Auch Steuern müssen sein

Kapitel 6: Männer brauchen etwas Freiheit

Kapitel 7: Der Himmel schickt uns Regen

Kapitel 8: Anleitung für eine Fotosession

Kapitel 9: Blamage einer Festung

Kapitel 10: Es kommt oft anders als man denkt

Kapitel 11: Ostern steht vor der Tür

Kapitel 12: Der Mai wird es richten

Kapitel 13: Vatertag - eine Zeitreise

Kapitel 14: Schule ist ja so aufregend

Kapitel 15: Die Begegnung mit Paul

Kapitel 16: Leute gibt’s, die gibt es gar nicht

Kapitel 17: Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte.

Kapitel 18: Das Wort zum Wahlsonntag

Kapitel 19: Arme Kreatur „Mensch“

Kapitel 20: Die schöne Eifel - eine Naturkatastrophe?

Kapitel 21: Wann ist ein Mann ein Mann?

Kapitel 22: Die Relativitätsgarantie

Kapitel 23: Berner Unser?

Kapitel 24: Eine kurze göttliche Frage

Kapitel 25: So ein herrlich schöner Sonntag!

Kapitel 26: Donna(doria)‚Yumas erste große Liebe

Kapitel 27: Sein oder nicht mein, das ist hier die Frage!

Kapitel 28: Gefühlte Endloszeit

Kapitel 29: Ach, ist das herrlich!

Kapitel 30: Ein Brief an eine Freundin

Kapitel 31: Typisch Frau(chen)

Kapitel 32: Heiliger Strohsack!

Kapitel 33: Zeit des Erwachens

Kapitel 34: Seelenhunde? Und es gibt sie doch!

Kapitel 35: Halleluja

Kapitel 36: Wieder so ein Wochenend-Freischütz

Kapitel 37: Ghost Rider

Kapitel 38: Advent, Advent, mein Bärchen brennt!

Kapitel 39: Eifel Berner Berg-Bär

Kapitel 40: Der Berg ruft

Kapitel 41: Der langersehnte Winter ist endlich da!

Kapitel 42: Ein Jahr geht schnell vorüber

Kapitel 43: Nur noch eine letzte kleine Geschichte

Erste Umgebungserkundung auf „Mount Senheld“

Vorwort

Zugegebenermaßen muss ich etwas verlegen beichten, dass ich in meinem Leben noch nicht viele Bücher gelesen habe, geschweige denn überhaupt je eines geschrieben. Ganz früher mal in der Schule musste ich Aufsätze schreiben und meine Lehrerin meinte damals schon zu mir, dass ich mich aufs Wesentliche konzentrieren solle und nicht so weit ausholen müsse. Ja, jetzt frage ich mich, was ist denn das Wesentliche überhaupt, wenn nicht das Leben selbst um einen herum? Das Leben mit allen Details, die damit zu tun haben. Ich kann und möchte mich aber nicht mit dem Wesentlichen zufrieden geben, denn ich finde, dass auch die nebensächlichen und kleinen Dinge des Lebens erst ein ganzes ergeben. Ich möchte noch so viel sagen und erzählen wollen, bevor es irgendwann zu spät ist. Warum nehmen wir uns also nicht mehr die Zeit dafür, das Ganze um uns herum zu sehen? - weil alle nur noch schneller höheres erklimmen und größeres als jemals zuvor erreichen wollen. Jeder will seinen nächsten überholen, um besser zu sein und viele bleiben dabei auf der Strecke liegen. Heutzutage geistert ein neues Wort in leider Gottes vielen Köpfen unsere Gesellschaft herum: „Burnout“

Ja und warum wohl?

Weil über motivierte Vollblut-Unternehmer glauben, ihre, Mitarbeitern und Mitmenschen mit Computern und Maschinen vergleichen zu müssen und ihnen alles abzuverlangen bis der Körper diese Strapazen nicht mehr mitmacht. Der (Affen-) Zahn der Zeit schleicht sich ab und an auch bei mir auf der Arbeit ein. Ich habe nichts gegen einen schnellen Fortschritt, denn sonst säßen wir alle wahrscheinlich noch bei Kerzenschein am Abend um den Stuben Tisch herum, obwohl, wenn ich darüber nachdenke, dies wohl nicht die allerschlechteste Variante wäre. Man würde unserem Gegenüber wieder mehr Beachtung schenken und das Miteinanderleben wieder lernen. Mir ist schon seit Jahren aufgefallen, dass Menschen, die mit Hunden unterwegs sind, viel leichter und öfters in ein Gespräch verwickelt werden. Wildfremde Menschen begegnen sich, gehen aufeinander zu, begrüßen sich freundlich, es entsteht ein Gespräch oder man wechselt einfach nur ein paar Worte. All die anderen rennen an uns vorbei, als ob sonst nichts mehr außer ihnen existieren würde.

Leider kann auch ich mich nicht immer von allem oben Erwähnten ausschließen aber wenigstens zwei bis dreimal am Tag möchte ich mich für ein oder zwei Stündchen einfach genüsslich ausklinken aus allem. Nämlich dann, wenn ich die Leine in die Hand nehme, meinen Freund Yuma, unser „Bärchen“ anschaue und losziehe – hinaus in die Natur –, dann kann ich unsere kleine Freiheit genießen.

Hunde übermitteln wahrscheinlich mit ihrer freundlichfröhlichen, schwanzwedelnden Art eine scheinbar spielerische Leichtigkeit, der wie ein Funke überspringt. Es ist alles um so viel einfacher, neue Kontakte zu knüpfen mit einem Hund an seiner Seite. Ich habe in den letzten dreißig Jahren viel von Hunden gelernt und übernahm einfach ein paar Dinge von ihnen für einige Lebensbereiche.

Nun soll kein falsches Bild von mir entstehen!

Ich renne nicht mit lang heraushängender, sabbernder Zunge schwanzwedelnd mir völlig fremden Personen entgegen, um ihnen am Hintern zu schnüffeln – keineswegs!

Oft reicht nur ein einfaches Lächeln.

Aber wenn man etwas für sich erreichen möchte, hat sich „Pfötchen-gebe-Taktik“ und ein herzerweichend dahinschmelzender „Möchte-aber-Hundedreinschaublick“ als sehr erfolgreich erwiesen. Verstärkt man diese Situation damit, seinen Blick so weit wie möglich in die Ferne schweifen zu lassen, dabei gleichzeitig tief ein- und ausatmen, begleitet mit einem tiefen brumme Seufzer – eben genau wie Hunde es auch tun –, dann hat man die Ziellinie direkt vor der Nase.

Doch nun möchte ich gern nochmal auf meine Leseerfahrung zurückkommen, wenn es niemandem etwas ausmacht. Seit meinem Schulabschluss komme ich Anzahl technisch gerade Mal auf einen einzigen Wälzer, den ich tiefgreifend gelesen habe. Ja doch, ich finde es auch etwas beschämend.

Und dieser Wälzer zählt nicht einmal zu den Evangelien und auch zu keinen Goethe-Werken. Die Rede ist vom Guinness-Buch der Rekorde.

Daher kenne ich mich mit Büchern auch nicht wirklich gut aus und weiß auch gar nicht, wie man eines schreibt. Das, was ich aber weiß, ist die Tatsache, dass ein jedes Buch ein Vorwort oder eine Einleitung besitzt.

Na ja, okay, das gilt natürlich nicht für alle. Mein Sparbuch zum Beispiel hat keines. Es ist eher ganz schlicht und sehr übersichtlich gehalten.

Jedenfalls begann alles damit, dass ich mir, bedingt durch meine mit voranschreitendem Alter einsetzende Vergesslichkeit, aufgeschrieben hatte, was man mit Yuma so erlebt und auch das eine oder andere Erlebnis in einer Berner-Gruppe im Internet gepostet hatte.

Einige Mitglieder dieser Gruppe haben mir in der Vergangenheit schon öfters nahe gelegt, ein Buch von Yuma und mir lesen zu wollen.

Aus aktuellem Anlass - Yumas Geburtstag – fühlte ich mich nun dazu veranlasst, einfach damit anzufangen.

Was dabei herausgekommen ist, weiß ich selbst nicht. Ob ein Buch, ein Taschenbuch oder ein etwas anderes Tagebuch, stuft es einfach selbst ein.

Einleitung

Am 24.10.2013 erblickten elf kleine Welpen auf dem Berner-Kaaner-Hof in Polch das Licht der Welt. Ein besonderes Exemplar aus diesem Wurf, das auf den Namen „Yuma“ hörte, rückte in unseren Mittelpunkt und stellte von nun an unser Leben total auf den Kopf.

Das kleine unschuldige Würmchen in der Mitte des Bildes ist unser Bärchen „Yuma“

Mein Name ist Heinz, fühle mich im besten Alter und knack(ich) dann begibt sich mein Oberkörper geradewegs nach unten um die Schnürsenkel zuzubinden. Von Beruf bin ich Baumaschinenführer. Kurz gesagt, ich bewege Berge und verändere damit das Landschaftsbild unserer Natur mit meinem Bagger so, dass die Straßen, die uns von A nach B führen, malerisch ins Bild Mutters schöner Natur passen.

Ich liebe die Natur und bin mit Tieren quasi groß geworden. Wir hatten schon immer Hunde gehabt, sowohl als Kind daheim bei meinen Eltern als auch später, als ich Frauchen kennenlernte und heiratete. Von Pudel bis Schäferhund, Mischlinge, Collie-Hündin und Golden-Retriever war alles dabei. Der Goldie war unser letztes Familienmitglied gewesen, den wir schweren Herzens im Alter von dreizehneinhalb Jahren bedingt durch schwere HD und am Ende noch begleitet von einer Magen-Darm- und Kehlkopfentzündung über die Regenbogenbrücke ziehen lassen mussten. Es tut so weh, einen geliebten und treuen Weggefährten zu verlieren, sodass wir uns damals dazu entschlossen hatten, uns so etwas nicht wieder anzutun. So vergingen über zwei Jahre ohne einen Hund und die Sehnsucht nach einem wurde mit der Zeit immer größer. Es fehlt einem einfach etwas und der Spruch, den man ja kennt – „Einmal Hund, immer Hund“ –gewann immer mehr an Bedeutung. Ein treueres und liebevolleres Lebewesen als einen Hund, oder überhaupt alle Tiere, gibt es einfach nicht. Sie sind mit so wenig zufrieden und geben uns unsere Liebe, die wir ihnen entgegenbringen, doppelt und dreifach zurück.

Ich liebäugelte zwischendurch immer mal wieder im Internet mit Hundebabys, da bei Frauchen vor etwa drei Jahren, kurz vor dem Tode ihrer Mutter und unserem Goldie, Parkinson diagnostiziert wurde. Da dachte ich mir, dass vielleicht ein Hundchen etwas dazu beitragen könnte, sie abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen. Vielleicht würde sie dann endlich wieder mit mehr Freude in den Tag hinein starten können.

Und ich kann jetzt schon an dieser Stelle voller Freude sagen:

Dieses kleine „Bärchen“ hat es tatsächlich geschafft! Es ist so schön, Frauchen wieder lachen und singen zu hören.

Sehr harte, schwierige und tränenreiche Zeiten liegen hinter uns. Es ist eine niederschmetternde Nachricht und die gilt es zunächst zu verarbeiten. Akzeptieren kann man es wohl nie aber man kann lernen, damit zu leben. Und das macht Christiane, meine Frau, ganz hervorragend. Sie ist eine ganz starke Frau - schon immer gewesen. Sie stellt sich bei jeder Gelegenheit hinter die Schwächeren, um bei Bedarf für sie in die, Preschen zu springen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sie das alles verarbeitet hat und damit umgeht. Sie möchte auch weiterhin arbeiten gehen, solange es ihr noch möglich ist. Manchmal kommt sie schon etwas erschöpft nach Hause, weil ihr Körper durch Strapazen mit der Zeit schneller müde wird. Dabei versucht sie stets, sich nie etwas anmerken zu lassen. Mich jedoch kann sie nicht täuschen.

Auch mit mir hatte sie es in Vergangenheit weiß Gott nicht leicht gehabt, als ich noch dachte, Alkohol als mein tägliches Brot ansehen zu müssen. Ich lag schon am Boden, hatte meinen Arbeitsplatz verloren und meine Welt zerbröselte langsam. Sie war es, die mir immer zur Seite stand und dabei half, wieder aufzustehen. Ohne sie läge ich sehr wahrscheinlich immer noch am Boden oder - wer weiß - vielleicht schon darunter. Diese Zeit liegt nun zum Glück schon lange hinter mir und ich kann voller Stolz verkünden, den letzten Tropfen Alkohol vor über dreizehn Jahren getrunken zu haben. Dafür werde ich Christiane immer dankbar sein.

Was die Wahl des neuen Hundes anging, waren wir uns einig, dass es ein ruhiger Zeitgenosse sein sollte; am besten eine Rasse, die als gutmütig und als die Ruhe selbst zu bezeichnen ist, keine, quirligen Jagdinstinkten oder derartiges an den Tag legen sollte. Frauchen meinte, dass ein, Berner Senne Hund alles mitbringen würde, was wir uns vorstellten.

Nun ging es also ans Eingemachte: Ein Züchter war schnell übers Netz gefunden und zum Glück züchtete er auch ganz in der Nähe. Wir wollten einem kleinen Kerl ohnehin eine zu lange Autofahrt ersparen und meldeten uns gleich zu einer Besichtigung und einem Gespräch bei ihm an.

Bei unserem ersten Besuch ist uns gleich ein eher schüchtern winkender und schlafender Welpe aufgefallen, der weit ab von allen anderen Hunden seine Ruhe haben zu wollen schien. Ich stupste Frauchen an und meinte zu ihr: „Das ist er – die Ruhe selbst!“

Beim zweiten und dritten Besuch war es auch nicht viel anders. Yuma, unser Bärchen, saß oder lag in der hintersten Ecke und wollte niemanden sehen. Er wirkte so fernab von Gut und Böse. Genauso einen Berner haben wir gesucht und nun gefunden! Welches große Glück, dachte ich mir.

Wir fanden beide, dass der Name „Yuma“ sehr gut zu ihm passen würde und dabei blieb es dann auch.

Was ich erst viel später herausgefunden habe, ist, dass „Yuma“ übersetzt so viel heißt wie „Sohn des ruhenden Flusses“.

Oje, jetzt wird mir vieles bewusst. Stille Wasser? Da war doch was? Yuma macht seinem Namen auf jeden Fall alle Ehre. Auf die Idee, dass dieser kleine Wirbelwind nachts, wenn alle schliefen, seine Geschwister aufgemischt haben könnte und deshalb am Tage seinen wohlverdienten Schlaf nachholte, kamen wir zunächst überhaupt nicht. Im Nachhinein und an manchen Tagen glaubte ich sogar, dass wir einen der ausgeflippten und quirligsten kleinen Rüpel erwischt hatten, den diese Rasse jemals hervorgebracht hatte. Kein anderer Hund vor ihm hatte uns so viel Nerven gekostet wie dieses „kleine Ungeheuer“.

Der große Tag, an dem wir unser Bärchen mit nach Hause nehmen durften, rückte schließlich immer näher und die Freude stieg ins Unermessliche. Die letzten Tage habe ich herunter gezählt wie früher als ich noch ein Kind war: Noch fünfmal schlafen, noch viermal, noch drei, zwei, eins!

Wir halten beide zwar gar nichts von tierischen Weihnachtsgeschenken, aber der Zufall wollte es so, dass unser Bärchen kurz vor Weihnachten letzten Jahres bei uns einzog. Ich glaube, es war der 21. Dezember und das „Abenteuer Berner“ begann.

Im Januar schon, hatte ich damit angefangen, so eine Art Tagebuch zu führen, weil man schnell einiges vergisst und so kamen mit der Zeit über vierzig kleine Geschichten aus unserem Alltag zusammen. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass noch einige dazukommen werden.

Wir sind durch viele Täler, aber auch durch Höhen gewandert. Dabei ist so manche Träne geflossen - Tränen vergangener Schicksalsschläge aber auch der Verzweiflung, einer Art des Unmuts, gar des, Kapitulieren, weil es anfangs mit Yuma auch nicht so klappte, wie es sollte. Sturheit und Unsinn im Köpfchen hatte für Bärchen immerhin oberste Priorität. Jedoch ist selbst in dieser Zeit niemals Wut aus einer Enttäuschung heraus entstanden und keiner, weder ich noch Frauchen, hätte dabei jemals eine Hand oder einen Fuß gegen den kleinen, abenteuerlustigen Knirps erhoben. So etwas käme für mich nie infrage.

Und nun ist aus dem kleinen Bärchen fast ein Jahr danach und mit einer Körpergröße von fünfundsiebzig Zentimetern bei einem Gewicht von dreiundfünfzig Kilogramm ein stattlicher und ganz lieber Berner Bub geworden, der mich mit seiner Liebe fast förmlich im wahrsten Sinne des Wortes umhaut. Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, muss ich zusehen, dass ich schnellstens einen Stuhl zum Hinsetzen erwische. Dann stellt er sich auf seine Hinterbeine, umringt meine Schultern mit seinen Pranken, zieht mich zu sich hin und schleckt mich gründlich ab.

„Jaaa, ich dich auch, mein Junge!“, sage ich, „Komm her! Lass dich drücken!“

Und so verweilen wir dann ein Weilchen bis wir uns fertig machen und uns auf die Runde einschwören.

Natürlich wird auch Frauchen begrüßt - keine Frage - aber Bärchen ist eben immer ein bisschen schneller.

Gerade eben jetzt, wo ich zurück blicke auf die letzten Monate und Bärchen mir dabei tief in die Augen schaut, keinen Millimeter abschweift, läuft mir eine kleine Träne über meine Wange. Aber es ist dieses Mal eine Träne des Glücks und der Freude, dich gefunden zu haben, mein Freund. Ich werde sie nicht, abwischen sondern trocknen lassen. Sie wird uns noch enger zusammen schweißen.

„Happy Birthday, kleiner Mann! Auf noch viele Jahre mit dir!“

Doch die Geschichte ist ja hiermit noch lange nicht zu Ende - sie fängt gerade erst an!

Gerne lassen wir dich an unserem ersten Jahr mit Yuma teilnehmen und laden dich hiermit ein, ein paar unseren vergangenen Abenteuer-Gassi-Runden mitzuerleben.

Kapitel 1- Herzlich Willkommen

In einem kleinen Dorf kennt wirklich jeder jeden und man hilft sich gegenseitig, wo man kann. Da wird Zusammenhalt und aufeinander Acht geben noch groß geschrieben, das findet man in keiner Stadt. So spricht es sich in der Regel auch sehr schnell herum, wenn ein neuer Dorfbewohner die Einwohnerzahl der Dorfchronik nach oben schraubt. Yuma war eine kleine Sensation geworden und alle wollten sehen, was sich hinter der Fassade des, Berner Senne Hundes versteckte. Ist schon schön in so einer Dorfgemeinschaft - man braucht sich um nichts zu kümmern. Fast alles wird wie von Geisterhand erledigt. Sogar die Anmeldung beim Hunde-Einwohnermeldeamt (Verbandsgemeinde) zwecks Hundesteuerabgabe erfolgte prompt ohne mein Zutun. Das nenne ich Hilfsbereitschaft. Okay, als braver Steuerzahler hätte ich es ohnehin getan, aber so kann es nicht in Vergessenheit geraten, was mir sehr peinlich gewesen wäre. Ich möchte schließlich auch nicht wegen Steuerhinterziehung Probleme bekommen. Niemals käme es mir in den Sinn, Bärchen in die Schweiz zu schleppen, wozu auch? Denn da kommt er ursprünglich ja her.

Jeder kam schließlich auf einen Sprung vorbei, um den kleinen Schweizer Gastarbeiter aus der Nähe zu bewundern. Einen Berner hatte es meines Wissens in unserem kleinen Dorf noch nicht gegeben. Ich habe für ihn extra eine Rampe besorgt und über die Eingangstreppe gelegt, damit sein noch weicher und zarter Knochenbau geschont wird, wenn wir jetzt und auch später von unserer Terrasse aus auf den Hof gehen würden, in der Zielsetzung, den Bedürfnissen eines kleinen Berner Welpen in der Freiheit unserer schönen Natur gerecht zu werden. Es soll alles bestens vorbereitet sein, um Bärchens Hundeleben so komfortabel wie möglich zu gestalten. Klein Yuma genoss diese Aufmerksamkeit, die ihm geboten wurde und zukam, in vollen Zügen. Er benutzte diese Rampe sogar als Laufsteg, um sich zu präsentieren. Stolz stand er am oberen Ende der Treppe und schaute herab auf sein Fußvolk. Wer ihm zu Füßen lag oder stand, den schätzte er schon besonders.

In seinem noch jungen Leben übermannte ihn auch schnell seine Müdigkeit, die von so vielen neuen Eindrücken genährt wurde und er drehte sich ohne eine Entschuldigung ab, verschwand für ein paar Stunden und zog sich in sein extra für ihn eingerichtetes Schlafgemach zurück. Was zu viel ist, ist eben zu viel. Die ersten Tage waren sehr aufregend für ihn, weil eine andauernde Kommen-und-Gehen-Flut nicht abzureißen schien.

Kurzzeitig bekam ich einen, Riesen Schreck, als der kleine Kerl um die Rampe herum tänzelte und auf den etwa achtzig Zentimeter tiefer gelegenen Gartenweg schaut. Da dachte ich noch in der einen Sekunde: „Der wird doch wohl nicht …“ Doch da hat er auch schon Anlauf genommen und mein gedachtes Horrorszenarium in die Tat umgesetzt. Er sprang einfach hinunter!

„Uffmmnnnn“ - und ein etwas dumpfes Aufprall von ihm ließ mein Inneres erzittern. Sofort hastete ich hinter Bärchen her, um zu sehen, ob ihm nichts passiert war. „Oh mein Gott“, dachte ich mir, „Er ist doch noch so klein und erst ein paar Wochen alt!“. Wirklich - dieses kleine, arme, unschuldige Würmchen hätte sich alle Knochen brechen können. Mir wurde richtig schlecht bei diesem Gedanken. Aber der kleine Racker trottete seelenruhig Richtung Garten und beschnupperte seine neue Umgebung ausgiebig. Es ließ mir trotzdem keine Ruhe und wir fuhren mit Yuma direkt zur Tierärztin, um irgendwelche Verletzungen ausschließen zu können. Es stellte sich zum Glück heraus, dass er seinen ersten Flugeinsatz unbeschadet überstanden und lediglich für die erste große Aufregung gesorgt hatte. Mittlerweile habe ich den für ihn gefährlichen Eingangsbereich mit einem Metallzierparavent und einem, Ziehharmonikazäunchen gesichert, damit ich seine Abenteuerlust und seine Entdeckungsreisen besser kontrollieren kann. Bärchens Wohl geht mir über alles und auf noch mehr Aufregung würde ich liebend gerne verzichten wollen.

Auch war es unseren hiesigen Dorfkatzen nicht entgangen, dass ein Neuankömmling von nun an ihr Leben eventuell beschwerlich beeinflussen könnte und so strömen tagtäglich ein bis zwei von ihnen um unser Grundstück herum, um sich der neu anbahnenden Gefahr bewusst zu werden. Einfach nur mal vorbeischauen wollten sie und wahrnehmen, mit wem sie es in Zukunft zu tun haben würden. Um unserem kleinem Bärchen aber in den ersten Tagen etwas mehr Ruhe zukommen zu lassen und um nicht jede Minute ein wachsames Auge haben zu müssen, wandte ich mich schriftlich an Dr. Kater Karlo, den Gewerkschaftsvorsitzenden herumstreunenden Katzen.

Bei Dr. Karlo alias Doc Holliday handelt es sich um ein aus einem Nachbarort zugezogenes, kratz borstiges und Kampf freudiges Tierchen, dessen Autorität keinesfalls außer Frage gestellt wird. Auf ihn hören alle und folgen ihm bedingungslos. Ich bat ihn um Fairness, bis wir seine Ausbildung in Sachen „Ruhe und Gelassenheit“ absolviert und genug Kampftechnik erworben haben würden, damit er es mit ihnen aufnehmen konnte. Ich wusste, er hatte Sportsgeist genug und würde alle anderen davon unterrichten und überzeugen können.

Ganz behutsam wurde nun Klein Yuma an seine neue Welt herangeführt und Tag für Tag mit neuen Erlebnissen überschüttet. Er meisterte und begeisterte alle mit seinem jugendlichen, humorvollen Leichtsinn und hielt dabei unsere inzwischen etwas eingeschlafenen Muskeln und Knochen wieder fit. Der geistige Beobachtungssinn kam auch wieder vollends zum Tragen. Alle Feinheiten einer schier unterbewussten, vollkommenen

Umgebungsüberüberwachung waren unerlässlich geworden. Wir mussten schnell wieder lernen, Augen und Ohren offen zu halten, um rechtzeitig sinnvoll auf jede spezifische Situation reagieren zu können. Bärchen hatte eine Menge dagegenzusetzen und nutzte jede Unachtsamkeit gnadenlos aus.

Wir hatten also alle Hände voll zu tun!

Kapitel 2- Nur eine Runde um den Block

Kennt Ihr das auch? - Die Vorfreude auf den Genuss eines entspannten und ruhigen Abendspaziergang mit eurem Liebling, eingebettet in die Landschaft Mutter Natur? Ihr beide im Einklang, in aller Friedfertigkeit? Ich nicht !

Vorab sei erwähnt, dass die von mir zuvor gewählte Flexi-Leine sich als völlig unbrauchbar erwiesen hat. Eine Flexi-Leine ist im Grunde nichts anderes als eine bis zu zehn Meter lange Schleppleine, die sich in einer extra dafür vorgesehenen Aufspul-Box befindet und sich automatisch in einer Art Rückrufaktion aufwickeln sollte, je nachdem für was sich das Hündchen gerade entscheidet. Außerdem hat sie dafür Sorge zu tragen, dass der Abstand zwischen Herrchen und seinem hündischen Liebling innerhalb einer Sicherheitszone im grünen Bereich bleibt. Dabei lässt sie allerdings fälschlicherweise das Gefühl aufkommen, alles unter Kontrolle zu haben, was wiederum ganz fatale Auswirkungen haben kann. Voraussetzung allerdings ist, dass sich nichts in dieser Zone befindet: Keine Bäumchen, keine Straßenlaternen - denn sonst hat man einen festen Platz in der Rubrik „Pleiten, Pech und Pannen“ und belegt damit mit Sicherheit einer der vorderen Plätze. Eine Sekunde lang etwas unkonzentriert und es entsteht ein perfekter mit Stolperdraht versehender Falltüreingangsbereich. Auf einer zwölf ha großen, baumlosen Wiese, fernab jeglicher Zivilisation könnte sie vielleicht von Nutzen sein, aber wer braucht da schon eine Leine?

Auch könnte derjenige eine benutzen, der noch ein Frauchen oder Herrchen sucht, dann sind gute Ergebnisse damit zu erzielen. Hat jemand von euch schon einmal versucht, ein zehn Meter langes Seil, das sich um eine Dame und sich selbst wie ein Kokon zusammen geschnürt hat, zu entknoten? Ihr müsst wissen, Yuma kennt wirklich jeden, der uns begegnet. Aus einem früherem Leben vielleicht - keine Ahnung. Jedenfalls wird jeder mit einer überschwänglichen Freude begrüßt und ehe man sich versieht, ist man fürs Leben an den Beinen aneinander gebunden.

So ist es auch geschehen mit einer Dame aus Wuppertal. Und wenn man dann noch beim Lösen des Problems gefragt wird, ob wir diesen Weg des Öfteren und zur gleichen Zeit gehen, dann kommt man schon mal ins Grübeln.

„Mmm. Häää? Nöö, hab schon genug Stress mit unseren Runden.“

Jaaa, diese Route muss vorerst ruhen.

Also weg mit dem Zeugs und eine normale, zwei Meter kurze Leine muss her.

Yuma hat sich inzwischen an eine Leine hervorragend gewöhnt und das Schwänzchen steht überhaupt nicht mehr still, wenn ich sie hervornehme und er sie sieht. Dann weiß er, dass das Abenteuer auf uns wartet. Er liebt die Leine sogar jetzt und ich mag sie umso weniger, zumal ich gerne ohne sie gehen würde. Ja, ich weiß, es muss sein und werde sie auch benutzen bis Yuma groß ist und mir blind vertraut und gehorcht. Wir nahmen also wie in jeder unserer Runden die Leine und gingen nach draußen auf den Hof, wo wir zumindest darauf warten mussten, bis sich Yuma etwas beruhigt hatte. Wir mochten schließlich einen entspannten Rundgang beginnen. Derweil hoffte ich, dass uns nicht wieder einer diesen Besserwisser und Holzpfosten begegnen würde, die meinen, einem mit gut gemeinten Ratschlägen zur Seite stehen zu müssen.

Oh bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meine Nachbarn, aber könnt ihr nicht lieber fernsehen oder euch anderweitig beschäftigen, wenn wir unsere Runde starten? Ich weiß nur leider ganz genau, dass diese stets hinter ihren Fenstern auf uns lauern und nur darauf warten, diesem Spektakel beizuwohnen. Ich hab schließlich Augen im Kopf und sehe ihre Gardinen wackeln. Es kann doch nicht sein, dass sie alle zur selben Zeit ihre Wohnung lüften – nee, nee.

So schaute ich auch damals vorsichtig nach links und rechts.

Die Luft schien rein zu sein. Mein Puls schnellte blitzartig nach oben, mein Herz raste – es ging los!

Die Leine, die noch gerade eben lässig locker zwischen uns baumelte, spannte sich blitzartig und der Zickzack-Kurs durch unsere Anliegerstraße, der einem Hindernislauf Parcours auf einer Agility-Prüfung ähnelt, beginnt.

Quer über die Straße auf die andere Seite, denn da ist ein Bürgersteig und die ersten Hindernisse in Form von drei Mülltonnen erreichten wir schon nach ein paar Metern. Zu meinem Erstaunen nahmen wir den Weg rechts an ihnen vorbei, ohne sie auch nur anzuschauen, geschweige denn zu beschnuppern. Nanu?

Abrupt änderte sich unser eingeschlagener Kurs. Wir verließen die sichere Seite und kehrten zurück, weil Yuma den direkten Weg zu unserer Nachbarin Ute und ihrer Wiese gewählt hatte. Hastig angekommen nahm er sofort die Katzenbuckel-Position ein und mir schwante, was da kommen mochte…Na klar, deswegen hatten ihn auch die Tonnen vorhin nicht interessiert. „Das geht aber fix, heute!“ dachte ich mir und ließ den Entsorgungsbeutel vorerst getrost in meiner Hosentasche, denn das Häufchen, was er da produzierte, würde nach keiner Tüte, sondern nach einer ganzen Schubkarre verlangen, da war ich mir sicher. „Braver Junge! Ganz toll gemacht!“, sagte ich zu ihm und dabei musste er irgendwie schon etwas anderes im Auge gehabt haben, was mir entgangen zu sein schien. Während ich noch das Häufchen in Augenschein nahm, um zu prüfen, ob alles okay war, spannte sich die Leine wieder peitschenartig und zog mich nach vorne weg.

Wo hatte der kleine Kerl nur schon diese Kraft her mit seinen gerade Mal vierzehn Wochen?

Es warf mich zwar nicht aus der Bahn, weil ich einen recht stabilen Körperbau besitze, aber dieses plötzliche und unerwartete Lospreschen, als Yuma Utes Katze aus dem Kellerloch schleichen sah, zwang mich zu einem kleinen Ausfallschritt. Und dieser kleine Schritt reichte völlig aus, um das Häufchen auf keinen Fall zu verpassen. Platt und nur noch zur Hälfte vorhanden, weil die andere Hälfte an meinem linken Schuh klebte, lag dieses Elend nun da. Aus den Augenwinkeln erkannte ich noch, dass vor uns eine weitere Tonne herumstand, die umgangen werden musste, aber es kam wie es kommen musste. Die Katze sorgte schon auf der Flucht für Chaos und an eine geordnete Umrundung war längst nicht mehr zu denken. Die Tonne wurde von beiden Seiten umzingelt und zu Fall gebracht.

Super, dachte ich mir, denn spätestens jetzt mussten hier ja alle Nachbarn wissen, dass wir wieder unterwegs sind und es sind gerade erst fünfundzwanzig Meter geschafft worden. Auch Ute war unsere Anwesenheit nicht entgangen und stand nun an der Tür.

„Na ihr beiden, macht ihr noch eure Abendrunde? Bin eben dabei, einen Kaffee zu trinken. Möchtest du auch einen?“, fragte sie mich freundlich.

Mich – der noch immer im halben Häufchen und neben einer umgeworfener Mülltonne stand und aus diesen Gründen höflich ablehnte. Ich hatte selbst zuvor auch erst kürzlich zwei große Tassen Kaffee zuhause getrunken, was ich sehr bald schon und auch schmerzlich empfindend, bereuen sollte. Inzwischen hatte allerdings auch Jakob, Utes Border Collie, der alleine unterwegs gewesen war, unser Dasein erspäht und die Begrüßung mit Yuma aufgenommen, die sich insgesamt auf eine Viertelstunde ausdehnte.

Ich hätte ja auch noch vorher auf die Toilette gehen können, kam mir in den Sinn, weil sich ein leichter Druck vom Kaffee nun bemerkbar machte.

Zum Glück klingelte bei Ute jetzt das Telefon und unser Rundgang konnte endlich fortgesetzt werden. Wir überquerten die Straße erneut, da sich in nicht allzu weiter Ferne eine Freifläche erstreckte, an der es viel zu schnüffeln gab. Eine Menge Hunde tummelten sich tagsüber dort und hinterließen viele Spuren, die Yuma sehr interessant fand. Das Wichtigste für mich aber ist, dass dort niemand Mülltonnen hinstellte und der Weg für uns frei bleibt.

Als Yuma so begeistert schnupperte, hielt ich inne und wartete einen Moment. Nach einigen Sekunden, die nach diesem Entschluss vergingen, wurde ich jedoch langsam stutzig. „Warum bleibt er nur so lange an einer Stelle stehen und schmatzt vor sich hin?“, fragte ich mich und schaute mir das Ganze einmal aus der Nähe an. Zu meinem Leidwesen konnte ich durch die inzwischen eingesetzte Dunkelheit nicht richtig erkennen, was Yuma da so beschäftigte. „Er hat doch irgendetwas im Mäulchen und kaut drauf herum, oder nicht?“, dachte ich mir. Es sah ein bisschen so aus wie Lehmdreck. „Aus, Yuma! Aus!“, rief ich und griff nach dem vermeintlichen Lehm, um ihn aus Yumas Maul zu entfernen.

Nur war es kein Lehm. Das stellte ich jedoch erst dann fest, als ich bereits meine Hand beschmiert hatte und mir ein fürchterlicher Gestank an die Nase drang. Toll also, der Abend war gerettet. Was sollte denn sonst noch alles auf mich zukommen?

Schließlich konnte ich Yuma mit einem Leckerchen von der Stelle weg lotsen und schon fand er plötzlich wieder Gefallen an der anderen Straßenseite, was ich nicht gerade sehr sonderlich begrüßte. Denn nun folgte der zweite und schwierigere Teil des Hindernis-Parcours. Als hätten wir heute nicht schon genug Drama gehabt. Auf der Seite, auf der wir uns jetzt befanden, konnte man an einer eingezäunten Wiese mit Schafen und Ziegen vorbei spazieren. Es waren zurzeit auch Ziegenkinder vorhanden und die hatten es Yuma ganz besonders angetan. Voller Verwunderung über den Nachwuchs verharrte er jetzt sitzend vor dem Zaun und ließ mir die Zeit für eine Zigarettenlänge.

Eine mir durchaus bekannte Stimme störte dabei jäh diese aufgekommene Ruhe vom Balkon hinter uns. Oje, Mist! Rolf hatte uns entdeckt und rief von oben herab.

Rolf war schon sehr speziell. Tja, wie soll ich es sagen? Jeder Hundebesitzer kennt sicherlich diese Art von Menschen, die einen mit dem Chaos-Charakter seines oder ihres Welpen aufzog. Und so eine Art versprühte auch Rolf. Rolf versuchte des Öfteren, eine lästernde Bemerkung loszuwerden wie zum Beispiel: „Na, wo geht denn der Hund heute mit dir hin?“ Frauchen war mit dem Kleinen auch schon am Nachmittag hier vorbeigekommen und hatte es offenbar geschafft, dass die beiden schön zusammen, nebeneinander gehend auf dem Bürgersteig gelaufen waren und das musste Rolf wohl gesehen haben und lachte nun darüber, dass die Sache bei Yuma und mir doch ganz anders aussah.

Da blieb mir nichts anderes übrig als halbherzig zu lächeln.

„Ja und? Schön!“, sagte ich. „Und ich zeige ihm die andere Straßenseite. Die muss er auch mal kennenlernen, damit er sich zurechtfindet, wenn er mal ausbüchsen sollte.“

Dieser Hirsch!…“damischer“. Ich weiß doch, wie er es meint. Doch wenn ich so etwas schon hören musste, wurde ich eben etwas ungehalten. Und der ansteigende Kaffeedruck in meiner Blase trug nicht gerade dazu bei, meine Laune auf einem guten Niveau zu halten.

Doch Yuma hatte jetzt auf einmal alle Zeit der Welt. „Komm bitte, Yuma!“, bat ich ihn. „Gehen wir noch ein Stückchen.“

Schließlich brauchte ich langsam aber sicher auch unbedingt ein „Bäumchen“ und da ich nicht in aller Öffentlichkeit mein Beinchen heben wollte, mussten wir uns etwas sputen.

Langsam fing ich an zu schwitzen. Doch endlich!

Nach einer Weile der Diskussion raffte er sich auf und wir nahmen Kurs auf eine Straßenlaterne und dieses Hindernis hatte es in sich. An dem wussten wir bisher beide noch nicht so ganz, wie wir gehen wollen - vorne vorbei oder doch dahinter durch?

Gestern gab es ein Problem, als er es vorzog, dahinter durchzugehen, als ich gerade dabei war die Leine mit der linken Hand durchzureichen und mit der rechten Hand anzunehmen. Yuma, plötzlich erschrocken, machte einen Satz nach vorne und ehe ich reagieren konnte, kontaktierte meine Nase ihre kalte, harte Oberfläche.

Aber heute war ich vorbereitet und ging gleich mit hinten durch. Doch dann – RATSCH.

Ich hing mit der Hose und den Schnürsenkeln am Stacheldraht des Schafzaunes fest. Die Leine zweimal um die Laterne gewickelt saß Yuma nun schön brav auf dem Gehweg und ich hatte mich dahinter verfangen

Aus Verzweiflung musste ich selbst über mich schmunzeln, hoffte jedoch gleichzeitig, dass niemand vorbeikommen würde. Ich trat das hohe alte Gras platt, um besser sehen zu können, wo es denn seitens meiner Schnürsenkel hakt und da sah ich, dass ich mit dem rechten Fuß wieder ein Häufchen Elend erwischt hatte.

So, jetzt reichte es mir aber. Hilfe!