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Schlagzeuger Büb Klütsch hat den Blues. Kommt öfter vor in seinem bewegten Leben, aber diesmal, im Herbst 1989, spielt er ihn auch mal wieder. Sogar auf internationalem Niveau. Schade, dass nach dem vierten Auftritt der Tournee die Sängerin spurlos verschwindet. Büb macht sich auf die Suche ...
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Seitenzahl: 368
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Ähnlichkeiten mit sich oder anderen lebenden Personen zu entdecken, steht Euch selbstverständlich frei, das kann ja das Lesevergnügen durchaus vergrößern. Dass diese sich mit den Figuren im Kopf des Autors decken, ist jedoch höchst unwahrscheinlich – zumal sie seiner Fantasie entsprungen sind, im Übrigen ohne Zuhilfenahme von KI.
FREITAG, 10. NOVEMBER 1989
DIENSTAG, 17. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
MITTWOCH, 18. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
MITTWOCH, 18. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
DONNERSTAG, 19. OKTOBER
FREITAG, 20. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
SAMSTAG, 21. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
SAMSTAG, 21. OKTOBER
MONTAG, 23. OKTOBER
DIENSTAG, 24. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
MITTWOCH, 25. OKTOBER
FREITAG, 27. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
SAMSTAG, 28. OKTOBER
MONTAG, 30. OKTOBER
DIENSTAG, 31. OKTOBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
SAMSTAG, 4. NOVEMBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
SONNTAG, 5. NOVEMBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
MONTAG, 6. NOVEMBER
DIENSTAG, 7. NOVEMBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
MITTWOCH, 8. NOVEMBER
DONNERSTAG, 9. NOVEMBER
FREITAG, 10. NOVEMBER
ANHANG
ANHANG
DANK
DIE SONGS, CHRONOLOGISCH
DER AUTOR
REKLAME
GLOSSAR
Für die Schroeders und die Schröders.
Und in memoriam Frank Hocker.
Ich hatte Hunger. Und all die Tage und all die Frauen in den Cafés Und all die Gläser. Ich hätte sie am liebsten ausgetrunken und zerbrochen. Hätte am liebsten all die Knochen zermalmt. Und all die Zungen herausgerissen. Und eingeschmolzen all die stattlichen Leiber Fremd und nackt unter den Kleidern Die mich verwirren, mich betören …Blaise Cendrars
Kumm, mer drinke noch e paar un dann jommer bahl – halv besoffe es rusjeschmesse Jeld.1Opa Klütsch
Wie immer gibt es am Ende des Buchs ein Glossar mit Endnoten, wo Dialekt- und Fremdsprachenstellen und Urheberangaben nachgeschlagen werden können – Fußnoten stören den Schmökerfluss, findet der Autor.
»Und dann hat sie angefangen, auf mich einzuschlagen.«
Er schniefte und wischte mit dem Daumenrücken unter seiner Nase entlang. Gnädig verschluckte das Summen der Autobahn über uns die Geräusche.
»Sie war völlig hinüber, total … besoffen und alles. Und stinkwütend.“
Ich wusste nicht, warum, aber er tat mir leid. Ich hatte einfach Mitleid mit ihm. Dabei hätte ich vielleicht Angst vor ihm haben sollen – war er der Letzte gewesen, der Lily vor ihrem Verschwinden gesehen hatte? Oder gar danach? Hatte er etwas mit ihrem Verschwinden zu tun?
War er … ihr Mörder?
Wir saßen am Ende einer schmalen Sandbank am Poller Rheinufer auf ein paar Steinbrocken, jeder eine Flasche Bier in der Hand und eine in der Jackentasche. Es schien zwar ein selten milder Winter zu werden dieses Jahr, aber heute, hier draußen am Fluss, war es ungemütlich kalt, vielleicht zehn, elf Grad, und die trübe Novembersonne vermochte trotz eines fast wolkenlosen Himmels nicht viel dagegen auszurichten. Sie rutschte unaufhaltsam tiefer, bis hinter den Dom, und als hätte sie sich an einer der gezackten Spitzen der beiden Türme verletzt, floss das bleiche Licht rot-golden aus ihr heraus, ergoss sich über die Hohenzollernbrücke, den alten Kaiser Wilhelm und die Rheinwellen, wie die Pailletten eines Bajazzo, von mir aus auch wie Makrelenschuppen. Müde versank es im Schatten unter den anderen Brücken und wurde ungerührt mitgeschleift vom stoisch sturen Vater Rhein, nach Leverkusen, Xanten, Holland, in die Nordsee. Und auch das letzte bisschen Wärme dieses Novembernachmittags schlich sich flussabwärts. Warum auch nicht – schien nicht alles in diesem Herbst den Bach runter zu gehen?
Lily hatte keine Band mehr, die Band – Tom Sacks Band – hatte keine Sängerin und keine Tour mehr, also keine Einnahmen, und die Mitglieder von Penner’s Radio, meiner eigenen Kapelle, machten mal wieder Urlaub voneinander, und natürlich hatte ich keine Kneipenjobs, weil ich ja eigentlich auf Tour sein sollte. Doppelt bitter in Zeiten, in denen der Siegeszug des Kapitalismus um die Welt anscheinend nicht mehr zu stoppen war. Genauso wenig wie der nahende Winter, für den mein Kohlenkeller überhaupt noch nicht gewappnet war.
Tabak und Bier waren schon wieder teurer geworden, in Toms Beziehung knirschte es, in Veras Beziehung kriselte es, und ich hatte nicht mal eine, in der es hätte knirschen oder kriseln können.
Und meine zweite Flasche war auch nur noch halb voll.
Aber ich hatte ja längst gelernt, lernen müssen, dass Selbstmitleid einen nicht weiterbringt; stattdessen hatte ich nun Mitleid mit diesem fetten Ossi. Jens. Jens Trebel.
Lilys Fan.
»Und dann hast du zurückgeschlagen«, vermutete ich. Entsetzt fuhr er zu mir herum.
»Nein!«
»Nein?«
»Nein, natürlich nicht! Ich hab …« Wieder schniefte er, das Schniefen ging nahtlos in Schluchzen über, dann schlug er die Hände vors Gesicht; seine Schultern zuckten.
Ich drehte mir noch eine, rauchte, machte die Flasche alle, zählte Makrelenschuppen und wartete.
Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen …
Ein langer heißer Sommer hatte den Grünstreifen auf dem Ubierring in einen schmutzig-gelben Topfkratzer verwandelt, und die paar Ginster-, Oleander- und Vogelbeerbüsche drumherum sahen aus, als würden sie gleich anfangen zu kokeln, genau wie die Linden und Ahornbäume. Jetzt machte eine ungewöhnlich kräftige Oktobersonne sich über die Fette Henne und den Packen StadtRevue auf meiner Fensterbank her. Die Henne schrumpelte in sich zusammen wie eine Teneriffa-Rentnerin, und das oberste Titelbild unserer Kölner Alternativpresse sah schon aus wie das Branchenbuch, gelb und abgegriffen.
Ich saß zwischen der dritten Kanne Eistee und der vierzehnten Kippe am Schreibtisch, guckte aus dem Fenster und beobachtete, wie drei Stockwerke unter mir ein Typ im Blaumann mit hochroter Birne versuchte, einen jungen Rottweiler zu dressieren. Lektion neun: Apportieren. Nach jedem Wurf musste er das arme Vieh mit Gebrüll, wildem Armschwenken und Fußtritten überreden, hinter dem blöden Tennisball her zu rennen, und wenn Bello dann mit weit heraushängender Zunge und schwer pumpender Lunge vor dem Ball lag, waren wieder Beschimpfungen, Pfiffe und Drohgebärden nötig, bis er zu Herrchen getrottet kam. Mal mit dem speicheltriefenden Spielzeug, mal ohne. Meist ohne. Sehr mühselig. Und wenig überzeugend. Erinnerte mich an mein eigenes Leben – mein innerer Schweinehund ließ sich zur Zeit auch nur arg widerwillig im Zaum halten.
Gerade jetzt argumentierte er heftig, dass der Blaumann, egal für wie blöd ich ihn hielte, mir gegenüber einen Riesenvorteil hätte: Er konnte alle paar Minuten in eine gutgefüllte Plastiktüte greifen und eine Pulle Bier nach der anderen aussaufen. Ich war neidischer als Bill Wyman bei der jährlichen Tantiemenabrechnung. Aber dafür sind wir zwei auch nicht in einem Swimmingpool ersoffen, Bill!, machte ich einen lahmen Versuch, positiv zu denken.
Schweinehund kicherte hämisch, Bill verzog, wie immer, keine Miene, Bello hechelte, Blaumann fluchte. Und soff unverdrossen. Ich trank mit Todesverachtung ein Glas Eistee auf ex, immerhin mit Sicherheit kälter als sein Bier (ha!), drehte mir die Fünfzehnte und starrte stumpfsinnig auf die Zeilen vor mir:
Baby, I’m gonna shoot you down / Next time I catch you runnin’ around town …2
Warum nur müssen Typen, die sich einem so schönen Musikgenre wie dem Blues verschrieben haben, dauernd so tumbe Lyrik absondern? Ein Weltbild wie in einem Fünfziger-Jahre-Western: einsame harte Männer, die aus einer Staubwolke auftauchen, für die Gerechtigkeit verhärmt mit Wangenmuskeln zucken, Schusswunden mit »Is’ nur’n Kratzer« abtun und in einen rotglühenden Sonnenuntergang hinein wieder wegreiten. Frauen, die Huren, Ehefrauen oder Matronen sind, mal abgesehen von den farbigen Köchinnen; ein Moralkodex, in dem es zwischen gut und böse, schwarz und weiß keine Schattierungen gibt.
Und warum muss ich als Schlagzeuger hier sitzen und mich mit dieser Art Texten rumschlagen? Dazu noch drei Tage vor Vollmond, mit nix anderem im Kopf als einem ordentlichen Zug um die Häuser, der heute mit einem gepflegten Dämmerschoppen langsam ins Rollen kommen und morgen Abend mit einem Fläschchen Apfelkorn und ein paar Bierchen gemütlich ausklingen könnte? Wie gut ich Buddy Guy verstehen konnte: Damn right, I've got the blues … Na gut, ich habe Tom Sack versprochen, ihm bei der Produktion seiner neuen Platte zu helfen. Aber das heißt ja eigentlich nur, dass ich es hinkriegen muss, seine Songs etwas interessanter als üblich zu arrangieren, amtlich dazu zu trommeln und beim Abmischen gut klingen zu lassen – was muss ich da noch an seiner Brecheisen-Lyrik rummäkeln?
Weil ich jetzt also quasi nicht nur Co-Produzent, sondern eben auch Büb Klütsch bin, und Büb Klütsch sein heißt, dass es keinen Scheiß gibt, wenn irgendwo Büb Klütsch druntersteht, deswegen. Und mir ist es nicht so egal wie Tom, ob jemand die Texte überhaupt versteht, und wenn ja, was sie bedeuten – sein Englisch ist so mies, dass er oft selber nicht genau zu wissen scheint, was er da singt. Er klaubt sich seine Textbausteine nämlich von seinen dreitausend verschmierten und verkratzten Blues-Platten zusammen, wobei ihm dann schon mal so lustige Sachen passieren wie die, dass aus What you mean is you gonna leave, pretty baby ein Watch your man and you’re gonna live pretty, baby3 wird. Wat hammer jelaach.4
Zu lachen gab es allerdings jetzt auch wieder was: Dem Rottweiler war das Spielchen inzwischen zu blöde geworden – er hatte Herrchen Herrchen und Ball Ball sein lassen und war zu einem mächtigen Kirschlorbeerbusch getrottet; nun lag er japsend in dessen Schatten, und seine Zunge hing bis zum Boden. Blaumann war ihm brüllend und mit rotglühender Birne ein Stück hinterhergelaufen, aber kurz vor einem Herzinfarkt war ihm der Griff seiner Plastiktüte gerissen. Das hatte ihn zwei Flaschen Bier gekostet, und nun saß er ebenfalls japsend und mit seinem Schicksal hadernd auf einer Bank.
Zu allem Überfluss kam eine hübsche junge Frau mit einem noch hübscheren Irish Setter des Wegs, und mit einem Mal war Bello überhaupt nicht mehr müde. Den Setter sehen, kurz in die Luft schnüffeln, eine überaus interessante Witterung aufnehmen und lospesen war eins.
Und schon hing seine Nase am Hinterteil des offenbar läufigen Weibchens. Das sich anscheinend mit der Aussicht auf einen Wurf Setter-Rottweiler-Mischlinge herzlich wenig anfreunden konnte und winselnd ihr Schatzkästchen zu schützen versuchte, indem sie auf dem Hintern durch den Staub rutschte. Als auch kläffen und nach dem hartnäckigen Verehrer schnappen nichts halfen, suchte es Schutz bei seinem Frauchen, rannte jaulend um sie herum und wickelte ihr dabei die Leine um die Beine. Frauchen stimmte in das Jaulen mit ein und sah sich verzweifelt nach Bellos Besitzer um. Der hatte tatsächlich schnell ein Einsehen, stand, etwas unsicher, von der Bank auf, stolperte hinüber und versuchte Bellos Halsband zu packen. Die Hündin wickelte die Leine immer enger um Frauchens Beine, Bello hinter ihr her, Blaumann hinter ihm her. Er fluchte und brüllte, Frauchen kreischte, Hündin winselte, Bello hechelte. Die Leine konnte kürzer nicht mehr werden, Frauchen verlor das Gleichgewicht, wollte sich an Blaumanns Schulter festhalten, aber der versuchte gerade, seinen Köter in den Hintern zu treten. Er stand also nur auf einem Bein, kippte um, landete auf dem Bauch im Staub, Frauchen fiel bäuchlings auf seinen Rücken, die Hündin krabbelte verzweifelt auf ihre verschnürten Schenkel, und Bello sah seine Chance.
Und nutzte sie. Eine slapstickhafte Porno-Version der Bremer Stadtmusikanten. Ein Jaulen, Plärren, Zetern und Hecheln drang zu mir hoch. Und das schadenfrohe Gelächter der Leute an der Bahnhaltestelle. Auf einer Plakatwand dort behauptete Gabriela Sabatini neben einem merkwürdig geformten Glasflakon Tennis is my game. This perfume is my love. Dabei schaute sie so bedrohlich zur Seite, als hätte der Fotoassistent neben der Kamera ihr gerade einen unzüchtigen Antrag gemacht.
Ich seufzte. Und beneidete den Rottweiler. Mal wieder einem läufigen Weibchen begegnen …
Schnell an was anderes denken.
Baby, I’m gonna shoot you down / Next time I catch you runnin’ around town … Wie soll man bei diesem Job an etwas anderes denken als an Frauen.
Ein paar schwache Sekunden lang überlegte ich, ob ich nicht einfach auf Toms Texte pfeifen sollte. Sollte er doch singen, was er wollte, meine Aufgabe war doch eigentlich die musikalische Seite des Ganzen.
***
Je länger mir all die abgekupferten und nachgeplapperten und falsch verstandenen Blues-Klischees vor den Augen herumtanzten, desto mehr haderte ich damit, mich nicht mit meinem Job als Drummer beschieden zu haben. Als wäre Schlagzeuger zu sein nicht das Beste, was man in einer Band sein kann. Als wäre ich das nicht mit Leib und Seele.
Der erste Ton, den wir überhaupt hören in unserem Leben, ist doch der Herzschlag der Mutter – po-bomm, pobumm, po-bomm, po-bumm …, und schon hast Du einen gemütlich schaukelnden, swingenden Shuffle-Rhythmus, den du vierzig Jahre später in einer Bluesband verdammt gut brauchen kannst. Auf dem es sich schläfrige Bassisten behaglich machen und von dem nach Bewunderung hechelnde Gitarristen, derart geerdet, zu ihren Höhenflügen aufbrechen können. Der Herzschlag, der den Sängern hilft, aus dem Herzen singen zu können. Als Schlagzeuger bist du die Mutter, der Puls der Mutter, für alle auf der Bühne vor dir und natürlich auch für alle da unten vor euch.
Aber der Mensch strebt ja immer nach Höherem. Es reicht ihm nicht, ein Leben lang auf einem Schlagzeughocker zu kleben und die Kapelle vor sich im Zaum zu halten. Nein, du willst mehr. Du bist schließlich derjenige, der von da hinten alles mitkriegt, was sich vorne musikalisch abspielt, hörst recht gut, was jedes Instrument spielt und wie es zusammenpasst – oder eben nicht. Also fängst du irgendwann an, dich in die Arrangements einzumischen, erst mal vor allem, was die rhythmischen Aspekte angeht.
Vielleicht lernst du auch ein bisschen Gitarre und Klavier spielen. Mit den Jahren bekommst du ein Gefühl für Akkorde und Harmonien, dafür, was Dynamik ist, die Dramaturgie eines Songs. Wann zum Beispiel mal das eine oder andere Instrument die Klappe halten sollte. Irgendwann gefallen deine Vorschläge den Kollegen, mausert sich der Schlagzeuger zum gelegentlichen Kapellmeister, und eines Tages findest du dich bei Aufnahmen am Mischpult eines Studios wieder und darfst dich Produzent nennen. Oder zumindest Co-Produzent.
Und wirst zum Beispiel von Tom Sack und seinem Manager Ralf Manger gefragt, ob du dich als solcher nicht beim neuen Album Toms ein wenig nützlich machen möchtest – wo du doch als Drummer sowieso schon für die Produktion gebucht bist. Na ja, ich mag Tom, habe schon etliche Gigs und kleinere Tourneen mit ihm auf dem Buckel, ich mag den Job – also darf ich mich für eine gute Woche mit ›Herr Produzent‹ anreden lassen. Und Rolli, den schlafmützigen Toningenieur im Outlook-Studio, hin und wieder zum Kühlschrank schicken, um Bier zu holen. (Outlook, weil es im dritten Stock eines alten Fabrikgebäudes im Kölner Vorort Niehl liegt und man durch ein Oberlicht flussaufwärts ein paar Rheinbrücken und den Dom sehen kann, wenn man auf den Kühlschrank klettert. Der Rest der Fenster ist statt mit Goldenen Schall-mit schalldämpfenden Rigips-Platten verkleidet).
Ich sagte es ja bereits: Der Mensch meint immer nach Höherem streben zu müssen. Und weil das so ist, saß ich nun halt hier, versuchte meine trockene Kehle und die ächzende Leber mit Eistee zu besänftigen und nicht nur die Musik Toms, sondern auch seine Texte auf ein höheres Niveau zu hieven.
Dass dies in Schwergewichtheben ausarten würde, hatte mir niemand gesagt.
Was zum Teufel macht man aus Baby, I’m gonna shoot you down …?
Ich versuchte, mir vorzustellen, wie es wäre, eine Frau zu haben. Das klappte einigermaßen, da brauchte ich nur ein bisschen in meiner Vergangenheit zu stöbern. Natürlich kannte ich den Schmerz des Sich-betrogen-Fühlens, den Stachel der Eifersucht. Und natürlich war mir bewusst, dass ausgerechnet ich, der – besonders auf Tour – keine Gelegenheit für ein Auswärtsspiel ausließ, dazu keinerlei Recht hatte. Selbst wenn es irgendwo in den finsteren Ecken meines Gehirns wütete und Gift und Galle sprühte und nach Rache und Bestrafung dürstete – eine Frau erschießen, die ich liebte? Weil die Liebe gerade mal darunter leiden musste, dass die Frau auch nichts anderes tat als ich?
Sauer sein, ja, eine Fresse ziehen, ein paar Türen knallen, ein paar Tage lang verstummen, auf eine Sauftour gehen – aber erschießen …? War es nicht etwas ganz anderes, was der Knacks in der Beziehung brauchte?
Woman, I’m gonna hold you tight / I feel that’s what you need tonight5, tippte ich in die Tastatur meines Atari-Computers. Hatte vielleicht einen Hauch von Kitsch, und irgendjemand würde bestimmt lästern (»Ah, der Frauenversteher!«), aber darauf könnte ich ja antworten »Lieber eine Frau mit einer Träne im Auge als eine mit ’ner Kugel im Kopp!« Tom würde zweifelnd den Kopf wiegen, aber dann würde er zuhause seiner Silke den neuen Text vorsingen, und schon läge der alte im Mülleimer. Und vielleicht würde Silke daraufhin aufhören, mich dauernd anzuschauen, als sei ich Ungeziefer. War für sie doch ich es, der ihren armen Tom dauernd zum Versacken und Fremdvögeln verführte. Als wäre er darin nicht schon recht gut gewesen, lange bevor wir uns überhaupt über den Weg gelaufen waren.
»Ich weiß gar nicht, warum die so furchtbar eifersüchtig ist«, hatte er mal gesagt, in irgendeiner Stadt an irgendeiner Theke, »ich komm doch immer wieder nach Hause!«
Ich nahm an, ich brauchte ihn nicht daran zu erinnern, dass die gute Silke wohl selber nur zu gut wusste, dass sie ihn vor fünf Jahren nach einem Konzert abgeschleppt hatte, als er noch mit Petra zusammen war, und wie heftig sie daran gearbeitet hatte, ihn Petra auszuspannen; die Wahrscheinlichkeit, dass sie gehörige Angst davor hatte, ihr könnte mal dasselbe passieren, war ziemlich groß. Karma und so.
Also hatte ich nichts gesagt und bloß zwei Finger für neue Biere ins Blickfeld des Mädels hinter der Theke gestreckt. Es passte zum Thema, dass sie, als sie uns das Bier servierte, sich ein Herz fasste.
»Find i’ wirklich schad’, dass i’ ausgerechnet heut’ arbeiten muschte. I’ hätt’ euer Konzert scho’ gern g’sehe.« Wobei sie mich keines Blickes würdigte. Was mich daran zweifeln ließ, ob sie nur das Konzert meinte.
»Och«, gab Tom schlagfertig zurück und klopfte auf den Gitarrenkoffer neben seinem Hocker, »ich geb’ auch Privatkonzerte.«
Ihre Wangen bekamen einen rosigen Schimmer, und ihr Mienenspiel durchlief eine ganze Skala von Reaktionen – leicht schockiert, überrumpelt, empört, amüsiert, geschmeichelt, interessiert und … na ja: animiert.
»Schad’«, sagte sie. »I hab erscht um drei Feierabend.«
»Macht nix«, erwiderte Tom freundlich. »Vorher wollten wir sowieso nicht gehen.«
»Und zwei Kabänes!«, rief ich ihr noch hinterher, als sie sich kichernd abwandte. Sie tat, als hätte sie das nicht gehört. Tom und ich sahen einander an und nickten resigniert.
»So sind se«, sagten wir unisono. Den Rest dachten wir uns: Kaum haben sie ihre Angel nach einem Typen ausgeworfen, ist es vorbei mit der gemütlichen Trinkerei.
C’mon, let’s drink the wine of remission / Let there be peace ’tween me an’ you6, dichtete ich, bemüht, den Gedanken an gemütliches Trinken aus dem Kopf zu bekommen. Das gefiel mir.
»Und ›The Wine Of Remission‹ ist ja wohl nicht der schlechteste Titel, oder?«, fragte ich niemanden im Besonderen. Vielleicht den immer noch blauen Himmel hinter den von Rauch getrübten Fensterscheiben. Und konnte natürlich nicht umhin, bei Let’s drink und verrauchten Fenstern an eine gemütliche Kneipe zu denken, an frisch gezapftes, kühles Kölsch, an ein paar nette Menschen um einen herum, an alberne Witze, sanft plätschernde Unterhaltung, einen kleinen Flirt, ob absichtslos oder hoffnungsvoll …
Jens schnäuzte sich in die Wellen, die an die Steine zu seinen Füßen platschten, trank sein Bier aus (er war noch bei seiner ersten Pulle) und warf die leere Flasche in hohem Bogen in den Rhein. Ja, so sind sie, die Ossis, dachte ich, kaum sind sie im Westen, kommt’s ihnen auf zwanzig Pfennig mehr oder weniger nicht mehr an … Da wollte ich mich nicht lumpen lassen und reichte ihm meine beiden leeren rüber. Er drehte sie nachdenklich in seinen großen Händen. Dann verzog sich sein breites Gesicht zu einem schiefen kleinen Grinsen.
»Immerhin vierzig Pfennig …«, sagte er und stellte sie vorsichtig neben sich zwischen die Steine. Warf mir einen langen Blick zu, betrachtete mich von der verschlissenen schwarzen Eisenbahnerkappe über die nicht ganz so abgewrackte braune Lederjacke, die Vera auf dem Flohmarkt für mich ergattert hatte, über die fast neue Jeans zu den sich allmählich auflösenden spanischen Stiefeln und zurück. Griff in die Tasche seines grauen Lodenmantels, holte seine zweite, noch volle Flasche heraus und hielt sie mir hin. »Du siehst aus, als hättest du mehr Durst als ich.«
Ich habe mehr Durst als die meisten Leute, die ich kenne, Mann. Ich nahm die Pulle und bedankte mich. Öffnete sie mit meinem Feuerzeug und trank einen wohltuenden Schluck. Drehte mir eine. Wollte sie anzünden, hielt inne und bot sie ihm an. Er schüttelte den Kopf.
»Hab nie geraucht«, sagte er. Ich steckte sie mir zwischen die Lippen, versuchte, mir vorzustellen, wie es wäre, noch nie geraucht zu haben. Und zu überschlagen, meine wievielte Kippe dies wohl war. Etwa fünfzig an einem normalen Tag (also einem Tag ohne Versacken bis zum mindestens nächsten Morgen) – macht etwa fünfzehnhundert im Monat, macht über den Daumen achtzehntausend im Jahr; ich rauchte, seit ich vierzehn war, das wären also bisher … Hm – vier, acht, sechzehn sind die Zahlen, die für einen Schlagzeuger die größte Rolle spielen – alles andere an Mathematik rostet irgendwann ein. Ich gab auf.
Es gab Wichtigeres herauszufinden.
»Also hast du Lily nicht geschlagen«, sagte ich über die Feuerzeugflamme hinweg. Wieder schüttelte er den Kopf, ungläubig diesmal. Empört, dass ich das überhaupt in Erwägung zog.
»Natürlich nicht! Ich hab sie nur festgehalten. Einfach nur festgehalten. Bis sie aufgehört hat zu schlagen. Bis sie sich beruhigt hat …« Er presste die Lippen zusammen, als müsse er einen erneuten Weinanfall unterdrücken, und starrte über das Wasser. Zwischen uns und dem Ausflugslokal Rodenkirchener Treppchen zog brummend ein kilometerlanger Lastkahn flussabwärts, von vorn bis hinten beladen mit Bergen von irgendetwas, das wie Muttererde aussah; kann der Holländer ja immer gut gebrauchen. Das Schiff transportierte so viel davon, dass es bis zum Rand im Wasser lag. Jetzt Jens noch an Bord, mit seinen an die drei Zentnern, und das Ding wäre wohl abgesoffen. Wäre schade gewesen – der Kahn gehörte offenbar einem Eigner mit Humor: Auf der knallgelb gestrichenen Steuerkabine stand in blauen Lettern ’t jroen Meisje.
Jens schien den Witz nicht zu bemerken. Womöglich bemerkte er nicht einmal das Schiff.
»Dann hat sie sich also beruhigt«, sagte ich.
»Ja«, murmelte er, ohne sich umzudrehen. »Und dann hat sie angefangen zu weinen. Und ich hab sie die ganze Zeit festgehalten …, im Arm gehalten. Bis sie nach was zu trinken gefragt hat. Ob ich Rémy hätte, wollte sie wissen. Ich bin mit ihr nach vorne und hab ihr gezeigt, was ich alles anzubieten hab im Kiosk.«
»Moment«, unterbrach ich ihn. »Ihr wart im Kiosk?« Er nickte. »In deinem Kiosk?«
»Ja, klar. Das heißt, so klar … Ich wollte sie ja eigentlich direkt zu … zum Zahnarzt bringen, aber …« Ich unterbrach ihn noch mal.
»Wieso …, ach, Scheiße, willst du nicht lieber mal ganz von vorn anfangen?«
»Ja«, sagte er. »Wäre vielleicht besser …«
***
Na, super. Da quälst du dich tapfer tagelang mit Kräutertee, Bluestexten und Entzugserscheinungen herum, fängst sogar an, dich gut zu fühlen, weil du so diszipliniert bist und deinen inneren Schweinehund so toll im Griff hast – und dann ist dein temporärer Arbeitgeber der Meinung, ihr hättet vor dem nächsten Studiotermin »noch was zu bequatschen«, und besteht darauf, dass ihr euch in einer Kneipe trefft. Um elf Uhr morgens.
»Können wir das nicht im Studio besprechen, Tom?«
»Nicht, wenn Ralf dabei ist.«
Also quetschte ich mich nach einem Schinkenbrötchen im Stehen vor der Bäckerei am Chlodwigplatz in eine Straßenbahn voller mies gelaunter Gesichter, las ein paar der Schlagzeilen des Express, den ein Typ mir gegenüber aufgeschlagen hatte, und fiel ansonsten nicht weiter auf, weil ich mir meine Laune ebenfalls deutlich ansehen ließ. Dazu passend herrschte draußen ein bräunlich trübes Licht, als sei die Stadt über Nacht in den Rhein gerutscht und zwischen ihr und dem Himmel lägen vier Meter Brühe.
Möglicherweise war das nicht nur in Köln so – über dem Kaspischen Meer war ein sowjetisches Militärflugzeug abgestürzt; sieben Besatzungsmitglieder und fünfzig Fallschirmspringer wurden tot geborgen oder blieben verschollen. Und in der DDR war Erich Honecker seinen Job als Generalsekretär der SED los. Und die Kreuzberger Nächte waren immer noch lang – sie hielten sich jedenfalls schon seit Wochen in den Top Ten. Vom Friesenplatz bis zum Ebertplatz dachte ich darüber nach, was ich wohl trinken müsste – und wie viel davon –, um Schlagzeuger der Gebrüder Blattschuss sein zu können.
An der Florastraße stieg ich aus. Aus der offenen Tür eines Spielwarenladens plärrte mir, passend zu dem mit Tannenzweigen und Plastikschneeflocken geschmückten Schaufenster, eine Disco-Version von Jingle Bells entgegen. Ein paar Schritte weiter musste ich mich mal wieder fragen, wieso sie eigentlich meinten, ausgerechnet Stille Nacht, heilige Nacht immer in voller Lautstärke spielen zu müssen. Und das Mitte Oktober.
»Der Büb …!«, brummte Kaspers Willi, der Wirt des Schill-Eck, und schenkte mir einen halb erfreuten, halb argwöhnischen Blick. Erfreut, weil ich vor einigen Jahren ein Stammgast mit Sitzfleisch gewesen war, und argwöhnisch, weil es oft Monate gedauert hatte, bis ich meine Deckel hatte bezahlen können. Immerhin konnte er sich noch daran erinnern, was seinerzeit mein übliches Frühstück gewesen war, und stellte mir ohne zu fragen ein Kölsch, einen Kabänes und ein halbes Mettbrötchen auf die Theke.
Aber ich wusste, dass ich meine Schulden hier längst brav beglichen hatte, kippte ruhigen Gewissens meinen Kabänes, spülte ihn mit einem halben Bier herunter, widmete mich dann dem gut geräucherten Mettbrötchen und schaute mich um. Hinter einer Reihe der üblichen Verdächtigen – ein paar bleiche Rentner, Handwerker in der »Frühstückspause« und Oberstufenschüler vom Gymnasium um die Ecke, die irgendeine Unterrichtsstunde schwänzten – saß Tom an dem kleinen Tisch in der Ecke vor einem halben Weizenbier und drehte sich mit zittrigen Fingern eine Kippe.
»Frühstück?«, riet ich und setzte mich zu ihm.
»Wonach sieht’s denn aus?«, knurrte er und schob sich ein paar seiner blonden Locken aus dem Gesicht, um mich ansehen zu können. Aus rot unterlaufenen Augen, als habe er zwischen dem Absacker gestern und diesem Bier keine zwei Stunden Schlaf gehabt. »Ich hab mir was überlegt«, kam er gleich zur Sache. »Ich will mehr Abwechslung in die Platte bringen, mehr Farbe.«
»Gute Idee«, sagte ich. »Also nicht jeden Song mit einem Slide-Intro anfangen und in der zweiten Strophe eine Frau umbringen?«
»Arsch.« Er schaffte es endlich, seine Kippe anzuzünden, und nahm einen langen Schluck von seinem Weizen. Langsam kam Farbe auch in sein Gesicht. »Erstens: Wir haben zwölf Songs, richtig?« Ich nickte. »Ich möchte zwei oder drei solo spielen, ohne Band.«
»Okay.« Natürlich – weniger Arbeit für mich als Schlagzeuger, weniger Arbeit für mich als Produzenten. Möglicherweise.
»Zweitens: Du kennst doch ’nen Haufen Musiker – ich möchte, dass du uns ein paar Bläser zusammensuchst, die auf zwei, drei Songs geile Bläsersätze spielen.«
»Okay.«
»Was?«
»Okay«, wiederholte ich. »Und was sagt Ralf dazu? Oder wer soll die Kollegen bezahlen?« Tom leerte sein Glas und winkte damit zu Willi hinüber. Ich trank mein Bier ebenfalls aus. Nur aus Rücksicht auf Willi, damit er nicht zwei Mal laufen musste.
»Ralf weiß noch nix davon«, gestand Tom. »Deswegen wollte ich ja erst mit dir darüber reden. Du bist der Produzent, du musst ihn davon überzeugen.«
»Okay.«
»Kannst du auch mal was anderes sagen, als immer nur ›okay‹?«
»Kann ich.«
»Und …?«
»Sollte nicht allzu schwer werden – wenn du drei Songs alleine spielst, hat Ralf ein paar Mark Gage für mich und Eiermann gespart; die könnte er dann für die Bläser ausgeben. Falls das reicht. Das hätte ich dir aber auch am Telefon sagen können, dann bräuchte ich hier nicht schon am frühen Morgen zu sündigen. Apropos – unser Frühstück hier geht also auf dich.«
Er winkte ab. »Klar, kein Problem.« Sichtlich erfreut widmete er sich dem frischen Weizen. »Danke, Willi!«
»Das war alles, was du so dringend mit mir besprechen musstest?«
»Im Großen und Ganzen, ja. Jetzt müssen wir uns nur noch einigen, welche Songs ich alleine spiele und wo wir die Bläser einsetzen.«
Das dauerte noch ein drittes Weizen und zwei, drei Kölsch lang, und als wir uns einig waren, machten wir uns auf ins Outlook-Studio.
»Mal wieder pleite, Büb?«, fragte Willi, als Tom für uns beide zahlte. »Willste dir nicht doch langsam mal ’ne anständige Arbeit suchen?«
»Du kennst doch den Spruch unseres Kollegen Pete«, sagte ich. »Wenn schon kein Geld verdienen, dann wenigstens mit Musik.«
***
»Guten Morgen, die Herren!«, blökte Ralf Manger, seines Zeichens Manager des berühmten und preisgekrönten Bluesmusikers Tom Sack, und schaute demonstrativ und säuerlich auf die große Studiouhr über dem Fenster zum Aufnahmeraum.
Seit Jahren fragte ich mich, wieso er diesen Job überhaupt noch auf sich nahm. Ab und zu mal mit Tom für eine Woche oder zwei auf Tour zu gehen oder, wie jetzt, für zehn Tage ins Studio war schon anstrengend genug – aber ihn rund ums Jahr managen …? Nie zu wissen, ob der Künstler pünktlich auftauchte, ob er nüchtern genug auftauchte, ob er überhaupt auftauchte … Und Ralf machte das nun schon bald zehn Jahre lang.
Andererseits hatte ich mich aber auch schon oft gefragt, wie Tom es aushielt, sich von einem so trockenen, humorlosen, unverschämt autoritären und schlicht unsympathischen Geschäftsmann derart gängeln und piesacken zu lassen. Bis ich ihn vor zwei Jahren, am letzten, feucht-fröhlichen Abend einer recht erfolgreichen und lukrativen Tour mal gefragt hatte, was er denn eigentlich davon hielte, sein Trio um einen Gitarristen zu erweitern, einen bescheidenen, straighten Typen, der mit einer Rhythmusgitarre das harmonische Gerüst der Band stabilisieren könnte.
»Hab ich auch schon drüber nachgedacht, Büb, kann ich mir aber nicht leisten.« Aus den Boxen über uns schwebten die Bravo-Hits ’87 durch die Kneipe – Madonna schwärmte von einer hübschen Insel.
»Was? Nehmen wir doch nur mal diese Tour: Acht Gigs in zehn Tagen, und jeden Abend gab’s mindestens fuffzehnhundert Ocken Gage – mindestens fuffzehnhundert, stimmt’s?«
»Stimmt, ja. So in etwa.«
»Eiermann und ich kriegen jeder hundertfuffzig – worüber wir uns, nebenbei bemerkt, auch gut mal unterhalten könnten –, unsere Übernachtungskosten werden von den Veranstaltern übernommen, und jeden Abend verkaufst du zwanzig, dreißig, manchmal noch mehr von deinen Platten. Das heißt, du gehst jeden Abend mit über tausend Mark nach Hause. Und da kannst du dir keinen dritten Musiker leisten?«
Tom seufzte, trank sein Bier aus und winkte der Bedienung. Bereits leicht schielend, halb über dem Tisch hängend, schaute er mich von unten an. Immerhin trank er schon seit dem Soundcheck am Nachmittag, also seit zehn Stunden, und die drei Ecken kalter Pizza nach dem Gig in der Garderobe hatten seinem Pegel nicht viel anhaben können.
»Wie du schon sagtest, mein Freund Büb, acht Abende in zehn Tagen – heißt aber erstens auch, dass ich zwei Tage mit gar nix nach Hause gegangen bin. Da hab ich nur Geld ausgegeben. Und du weißt, wie teuer so ein freier Abend werden kann.«
Da hatte er recht – ich selbst hatte vorgestern zuerst die Hälfte meiner Gage vom Vorabend an einen Spielautomaten verfüttert, an dem man außerirdische Raumschiffe abknallen konnte, und mich dann im Zustand erhöhter Lebensfreude mit einigen Einheimischen auf ein paar Partien Billard um einen Zehner eingelassen. Und natürlich verloren, weil ich mit den inzwischen zwei weißen Kugeln vor meinen Augen nicht klar kam.
»Und zweitens, mein Junge, kommen in deiner lustigen Rechnung die Unkosten noch gar nicht vor. Nicht alle Veranstalter zahlen uns die Hotelzimmer, und nicht alle zahlen uns einen Reisekostenzuschuss. Das latze ich, Büb, ich, verstehst du? Ich, von meiner ach so üppigen Chefgage. Und dann komme ich nach Hause, und der gute Ralf hält die Hand auf – kriegt seine dreiunddreißig Prozent fürs Management und …«
»Was?! Dreiund…«
»Dreiunddreißig, genau. So haben wir’s vor zehn Jahren mal vereinbart, und so isses bis heute. Und von jeder Platte, die ich verkaufe, kriege ich übrigens zwei Mark – den Rest kriegt er, weil er die Produktion bezahlt hat.«
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Und bestellte themengerecht zwei Fläschchen Kümmerling.
»Und jetzt rechne schön noch mal«, grollte Tom. »Beziehungsweise: Moment! Da fehlt noch was. Morgen fahren wir nach Hause. Dann haben wir zwei Gigs am nächsten Wochenende, und dann noch einen die Woche drauf. Macht also nicht acht von zehn, sondern elf von dreißig. Kommst du noch mit, Oberschlauberger Klütsch? Und last not least muss ich den Rest schließlich noch versteuern. Prost, Herr Finanzberater!«
C’est la vie, sang Robbie Nevil passenderweise.
Und Ralf Manger war mir kein bisschen sympathischer geworden.
***
»Wir müssen reden«, sagte Ralf wichtigtuerisch und wandte sich an Rolli, der an seinem Mischpult hockte, einen Kaugummi und eine Marlboro im Mund, und so tat, als studiere er eifrig die neue Ausgabe der Studio-News. Als hätten nicht alle längst den Asterix-Band darunter gesehen. »Geh doch mal ’ne Runde um den Block, Rolli.«
Keine Reaktion.
»Rolli?«
Unser Toningenieur zuckte zusammen, sein Kopf ruckte hoch. »Was?«
»Wir haben was Dringendes zu besprechen«, sagte Ralf. »Kannst du mal ein bisschen frische Luft schnappen gehen?«
»Klar«, murmelte Rolli brav, klemmte sich seine Lektüren unter den Arm und ließ uns allein. Steckte aber zehn Sekunden später noch mal seinen Kopf zur Tür herein. »Ihr wisst ja, wo alles ist, ne?«
Ja, wussten wir. Meistens, jedenfalls – etwa einmal die Woche räumte er jede Menge Zeugs hin und her, um seinen »Workflow zu optimieren«, wie er es nannte. Was meist zur Folge hatte, dass er selbst andauernd mit Suchen nach irgendetwas beschäftigt war, das letzte Woche noch ganz woanders lag oder stand.
Ralf verdrehte die Augen. Zum einen, weil Rolli endlich weg war, zum anderen, weil Tom sich eine Pulle Weizen öffnete und nach nebenan schlich, um sein persönliches Weizenglas zu suchen.
Dann zuckten wir beide erschrocken zusammen – aus den großen Tannoy-Boxen neben dem Fenster zum Aufnahmeraum dröhnte ein Basslauf, dass es in der ganzen Regie schepperte. Erst da entdeckte ich Eiermann, der hinter einem hüfthohen Schallschutzelement bei seiner Anlage hockte und an seinem E-Bass herumschraubte. Rasch zog ich den Summenfader des Mischpults herunter, bevor uns noch die Speaker aus den Boxen sprangen. Rolli hatte am Morgen wohl mal wieder eine seiner geliebten King-Crimson-Platten aufgelegt, die Lautstärke voll aufgedreht und sich daran erfreut, was für ein schönes, auf jeden Fall schön lautes Studio er doch hatte.
»Also, was liegt deinerseits an?«, fragte Tom mit misstrauischem Blick zu Ralf hin, als er endlich sein Glas gefüllt hatte. Sogar ohne den schwarzen Noppenboden im Regieraum mit Schaumpfützen zu schmücken.
»Ja«, sagte Ralf, ging hinter das Pult, stützte sich oben auf die Konsole und schaute auf uns beide herab wie ein Burgherr auf sein Volk. »Termine, Jungs.«
»Ah, noch ein paar Gigs?«, freute Tom sich.
»Na ja, das schon«, wand er sich. »Also, schon auch … Es ist so«, kam Ralf endlich zur Sache. »Wir haben ein Problem, aber das ist ganz leicht zu lösen. Wir müssen nur ein paar Termine hin und her schieben.«
»Was für’n Problem?«, fragte ich. »Und wieso wir?«
»Ja!«, unterstützte Tom mich mutig.
»Little Lily ist euch ein Begriff?«, antwortete Ralf mit einer Gegenfrage.
»Die Sängerin?«, fragte Tom und rülpste.
»Genau die. Sie bringt gerade ein neues Album raus, und ihr deutscher Vertrieb hat ein paar Promotion-Auftritte für sie organisiert. Zehn, genauer gesagt. Und zwar ab nächster Woche. Und hier kommt nun das Problem: Ihr Gitarrist sitzt in Chicago im Knast, und ihr Schlagzeuger darf nicht ausreisen, weil er nur auf Bewährung draußen ist. Das heißt, sie hat nur ihren Bassisten.«
»Na, super«, meldete ich mich zu Wort. »Ich sehe schon, was kommt: Wir sollen sie begleiten, du verschiebst unsere Studiotermine, und der arme Eiermann kann zusehen, wie er diesen Monat über die Runden kommt.«
»Halb so wild«, sagte Eiermann, der offenbar schon eine Weile im Durchgang zum Aufnahmeraum stand, ohne dass es jemand gemerkt hatte. »Camilla sucht händeringend jemanden, der die nächsten zwei Wochen einspringt – Pino muss runter nach Neapel, weil seine Oma gestorben ist.«
»Du willst lieber Pizza rumschleppen, als mit uns auf Tour zu gehen?«
Eiermann, unser Fels-in-der-Brandung-Bassist bei Penner’s Radio, war zwar seinen Job als Beleuchter am Stadttheater Bad Godesberg längst los (dem Intendanten hatten die Blicke zwischen seiner Tochter und diesem Bühnenarbeiter nicht gefallen), hatte den aber so gut erledigt, dass er seit ein paar Jahren das Licht für diverse freie Theatergruppen machte. Was ihm genug Zeit ließ, gelegentlich mit Tom und mir unterwegs zu sein.
Jetzt zuckte unser Bassist mit den Schultern. »Und jede Menge Wein, Bier und Grappa. Ramazotti, Campari, Averna …«
»Also auch nicht viel anders als mit euch auf Tour«, sagte Ralf mit säuerlicher Miene.
»Quatsch«, erwiderte ich, »ich mag überhaupt keinen Grappa. Und Campari schon gar nicht.«
»Alkohol ist Alkohol«, brummte Eiermann.
»Stimmt«, bekräftigte Tom und nippte an seinem Weizen.
»Na, dann ist doch alles klar!«, freute Ralf sich. »Win-win-Situation – Eiermann ist bestens versorgt, ihr beide habt noch zehn Gigs mehr, davon einer in Holland, einer in der Schweiz, Lily hat eine tolle Tourband – hoffe ich jedenfalls«, schob er mit einem mahnenden Blick auf Toms Weizen nach, »und die restlichen Aufnahmen für Toms Album verschieben wir einfach um ein paar Wochen.«
»Hm …«, machte Tom. »Und was zahlt Lilys Vertrieb denn so?«
»Macht euch darum keine Sorgen«, wiegelte sein Manager ab.
»Doch, machen wir«, widersprach ich, ging raus zum Kühlschrank, kam mit einer Flasche Kölsch zurück und starrte Ralf abwartend an. Auf Augenhöhe, sozusagen.
Er schüttelte ob so viel Geldgeilheit den Kopf. »Also, der Vertrieb zahlt einen Hunderter pro Kopf und Abend …« Eiermann und ich brachen in schallendes Gelächter aus. »Ja, Moment! Und Lily ist so froh, dass ihre Tour nicht ins Wasser fällt, dass sie einen Hunderter drauflegt.«
»Na, das ist doch super«, rief Tom fröhlich und leerte zur Feier sein Glas.
»Und du?«, fragte ich Ralf.
»Wie, ich?«
»Na, du könntest dich doch auch freuen, dass wir so nett sind und so kurzfristig alles über’n Haufen werfen. Und deiner Freude etwas Ausdruck verleihen.«
Er starrte mich finster an. »Okay. Ich leg auch einen drauf.«
»Dreihundert Ocken – super!«, jubelte Tom.
»Abzüglich dreiunddreißig Prozent«, korrigierte ich.
»Klar!«, sagte Ralf.
»Nix da.«
Er zuckte zusammen. »Wieso das denn, Büb?« Rasch stand Tom auf und verdrückte sich, konfliktscheu, wie er war, zum Kühlschrank.
»Erstens hast du eben selbst gesagt, dass der Vertrieb die Tour organisiert hat – wieso solltest du dann Prozente dafür kassieren?«
»Da hat der Büb recht«, warf Eiermann ein, was ihm einen giftigen Blick einbrachte.
»Und zweitens sehe ich langsam nicht mehr ein, dass diese Halsabschneider-Vereinbarung, die du da seit ewigen Zeiten mit Tom hast, auch für mich gelten soll. Nicht für die Tom-Sack-Gigs und schon gar nicht für Auftritte als Mietbegleitmucker.« Ich trank einen Schluck und drehte mir eine Zigarette. »Wusstest du, Ralf, dass so’n Päckchen Tabak schon wieder zwanzig Pfennig teurer geworden ist?«
Wusste er natürlich nicht, woher auch.
»Dann hör doch endlich auf zu rauchen«, knurrte er.
»Mach ich«, versprach ich ihm und tat einen tiefen Zug.
»Aber wundere dich nicht, wenn Lily dich nächste Woche heulend anruft und sich beschwert, dass ihr ein Drummer auf Nikotinentzug jeden Abend versemmelt.«
»Was schlägst du also vor?«, würgte Ralf widerwillig hervor.
»Erstens: Zwanzig Prozent statt dreiunddreißig. Und zweitens auch einen Hunni für die Proben mit Lily.« Ich konnte seine Zähne förmlich knirschen hören. Unentschlossen schaute er zwischen mir und Tom hin und her. »Du hast aber natürlich noch fast ’ne Woche Zeit, einen anderen Kollegen zu fragen«, sagte ich freundlich.
»Och, nööö!«, protestierte Tom. »Jetzt nicht auch noch ’nen anderen Schlagzeuger …!«
»Okay«, grollte Ralf und schluckte seine offensichtliche Wut hinunter. »Dann machen wir das halt so.« Er strich sich seine Jacke glatt und ging zur Tür, ohne mich eines weiteren Blicks zu würdigen. »Dann ist ja für heute alles geklärt.«
»Nicht ganz«, musste ich ihn enttäuschen.
»Was denn noch, verdammt?«
Ich nickte Tom aufmunternd zu.
»Eh …, ja …«, druckste er herum.
»Was denn?«, fauchte Ralf genervt.
»Tom möchte drei der Songs für das Album solo aufnehmen«, sprang ich ein. »Erstens.«
»Von mir aus.« Ralf winkte ab. »Und zweitens?«
»Auf drei anderen Nummern möchte er einen Bläsersatz haben.«
»Geile Idee!«, rief Eiermann.
Fand zu meiner Überraschung der Herr Manager auch. Nickte es gnädig ab und verabschiedete sich mit »Ich ruf euch morgen an wegen der Probentermine.«
»Danke, Büb«, sagte Tom. »Darf ich dir ’n Bier holen?« Durfte er.
***
»Kommt, Kinners«, sagte Tom abenteuerlustig und öffnete mit seinem Feuerzeug das dritte Weizen, »wo wir schon mal hier sind – wenigstens einen Song nehme ich schnell auf!«
»Nüchtern?«, fragte ich. »Um zwei Uhr mittags?« Dabei sah er aus – und roch so –, als hielten sich in seinem Kreislauf das Blut, der Restalkohol von gestern Abend, die drei Frühstücks-Weizen im Schill-Eck und die beiden hier im Studio gut die Waage. Würde vielleicht reichen, um My Blues Has Seven Colours brauchbar aufs Band zu bekommen, einen der drei Solo-Songs. Betonung auf vielleicht. Aber wie er schon sagte: wo wir schon mal hier waren …
Doch mir war ja klar gewesen, dass eine meiner vordringlichen Aufgaben als Toms Produzent sein würde, dafür zu sorgen, dass seine Tagesform stimmte – also die Balance seines Alkoholpegels. Ihn irgendwo zwischen Ich bin jetzt richtig gut drauf, also knapp einskommavier Promille, und Noch ein Schluck, und ich weiß überhaupt nicht mehr, welchen Song wir gerade spielen, geschweige denn, was ich dabei zu tun habe außer mit diesem komischen Ding an meinem Finger möglichst laut über die Saiten zu rutschen, also maximal zweikommafünf Promille zu halten.
Ergo schickten wir ihn, bevor es zu spät würde, in den Aufnahmeraum. Rolli sorgte für eine stimmungsvolle Beleuchtung, und während Tom seine Gitarre stimmte und sich ein bisschen warmspielte, stellten wir am Pult einen Sound ein, der mir gefiel. Dann drückte ich die Talkback-Taste, die mein Mikrophon im Pult mit Toms Kopfhörern verband.
»Kannst du mich hören, Tom?« Er hob nur den Daumen. »Dein Kopfhörer-Mix okay? Gitarre, Gesang?«
»Jau. Pass auf, ich spiel die Nummer jetzt mal zum Warmwerden durch.«
»Okay, einen Moment noch. Nimm direkt auf«, sagte ich zu Rolli.
»Aber er will sich doch nur warm…«
»Nimm auf!«, bellte ich ihn an.
Schnell drückte er die Aufnahmetaste. »Läuft.«
»Na, dann spiel mal schön, Tom!«
War es die Erleichterung wegen der erfolgreichen Verhandlung und Ralfs überraschender Nachgiebigkeit, die Aussicht auf ein paar zusätzliche Gigs und Einnahmen, war es die Freude auf die Tour mit einer tollen schwarzen Bluessängerin oder die darüber, dass er endlich das tun durfte, was er am liebsten tat und am besten konnte? Tom Sack überraschte uns alle drei damit, dass er den Song spielte und sang, als hinge seine Zukunft davon ab. Fehlerfrei, textsicher, ohne allzu große Temposchwankungen und mit einer überzeugenden, ja: ansteckenden Lebensfreude – die sieben Farben leuchteten ihm und allen halbwegs sensiblen Zuhörern den Weg heim aus der düsteren Melancholie des Blues.
Eiermann und ich sahen uns an – hoppla, sagten seine hochgezogenen Augenbrauen und gespitzten Lippen.
Ich drückte die Talkback-Taste. »Das war schon mal gar nicht so schlecht, Tom«, sagte ich.
»Ja?«, antwortete er. »Dann lass uns aufnehmen, das kann ich bestimmt noch besser.«
»Nö«, sagte ich. »Komm mal raus.«
Zu viert hörten wir uns den Song über die großen Boxen an.
»War ja wirklich gar nicht so schlecht«, grinste Tom stolz.
»Wusste ja gar nicht, dass das Band lief.«
Ich klopfte ihm lobend auf die Schulter. »Was meinst du – die anderen beiden gleich hinterher? So wie du heute in Form bist? Dann hätte sich das frühe Aufstehen wenigstens gelohnt.«
Auch der zweite Song, John Lee Hookers Klassiker Wandering Blues, klappte auf Anhieb. Doch natürlich war dann prompt erst einmal die Luft raus – für Toms eigenen Keep Them Wheels Rollin’, eine flotte Shuffle-Nummer, brauchte er sechs Takes, aber nach dem letzten Weizen flutschte es dann schon besser, und nachmittags um fünf konnten wir ruhigen Gewissens Feierabend machen.
Also, beinahe.
»Lass die erste Nummer noch mal laufen«, bat Eiermann. Ging in den Aufnahmeraum, setzte sich an Toms Mikrophon, zauberte eine Mundharmonika aus der Tasche und veredelte My Blues Has Seven Colours mit ein paar unaufdringlichen, bittersüßen Melodien, die die gleichermaßen freudige wie sehnsüchtige Atmosphäre des Songs aufs Feinste verstärkten.
»Ja!«, schrie Tom im Regieraum und schlug mir auf den Rücken. »Ja, ja!«, brüllte er, als Eiermann aus dem Aufnahmeraum kam, und umarmte ihn.
»Immer wieder für ’ne Überraschung gut, diese Pizzaboten«, knurrte ich und reichte ihm ein Bier.
Und Jens fing ganz von vorne an …
