Zeit des Erwachens - (Pseudonym) Gottesgeschenk - E-Book

Zeit des Erwachens E-Book

(Pseudonym) Gottesgeschenk

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Beschreibung

In ihrem Roman beschreibt "Gottesgeschenk" ihre Erfahrungen während ihres körperlichen und seelischen Entzuges von harten Drogen. Sind die ersten Tage wesentlich geprägt von den massiven körperlichen Erscheinungsbildern, so drängt sich in der seelischen Entzugsphase eine für sie existenzielle Frage in den Vordergrund " Wie konnte es soweit kommen" was hat sie so tief in die Sucht abgleiten lassen, was nährt in ihr die Sucht. Diese Frage wird zum zentralen Punkt, da sie ein weiteres Scheitern unbedingt vermeiden will. Sie sucht nach Antworten und Sie gräbt in ihren Erinnerungen- immer tiefer. Eine Erkenntnis reiht sich an die nächste; und wie in einem Puzzlebild setzen sich die seit Jahren tief vergrabenen und durch die Drogen verdrängten Erkenntnissen. Diese sind zutiefst schmerzhaft und Gottesgeschenk kämpft stets mit sich, nicht wieder zu Drogen zu greifen. Ihr eröffnet sich eine ganz spezielle Welt von Gewalt, Missbrauch und Verleugnung. Doch sie weiß, dass sie sich diesen stellen muss und während dieser Phase von Erkenntnis macht sie einen erneuten Prozess durch. Bis hin zu dem für Sie wohl bedeutsamsten Schritt der Erkenntnis, den Sie als Kind so nie sehen konnte. Dieser ermöglicht ihr eine neue Perspektive einzunehmen, eine für sie befreiende Sicht über ihre Selbstwahrnehmung. Diese ermöglicht ihr, ihr Selbstbild zu korrigieren und die Sucht in ihr loszulassen. Die Sucht loslassen, das war schon immer ihr Ziel. Völlig erschöpft, doch mit dem Gefühl der Hoffnung und Befreiung will sie in ihr abstinentes Leben starten.

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Seitenzahl: 219

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Zeit des Erwachens

Gottesgeschenk

Imprint

Zeit des Erwachens
Gottesgeschenk
published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zumUngeheuerwird. 

Und wenn du lange in einenAbgrund

Expose

In ihrem Roman beschreibt Gottesgeschenk ihre Erfahrungen während ihres körperlichen und seelischen Entzuges von harten Drogen.

Sind die ersten Tage wesentlich geprägt von den massiven körperlichen Erscheinungsbildern, so drängt sich in der seelischen Entzugsphase eine für sie existenzielle Frage in den Vordergrund „ Wie konnte es soweit kommen“ was hat sie so tief in die Sucht abgleiten lassen, was nährt in ihr die Sucht.

Diese Frage wird zum zentralen Punkt, da sie ein weiteres Scheitern unbedingt vermeiden will.

Sie sucht nach Antworten und Sie gräbt in ihren Erinnerungen- immer tiefer.

Eine Erkenntnis reiht sich an die nächste; und wie in einem Puzzlebild setzen sich die seit Jahren tief vergrabenen und durch die Drogen verdrängten Erkenntnissen. Diese sind zutiefst schmerzhaft und Gottesgeschenk kämpft stets mit sich, nicht wieder zu Drogen zu greifen.

Ihr eröffnet sich eine ganz spezielle Welt von Gewalt, Missbrauch und Verleugnung. Doch sie weiß, dass sie sich diesen stellen muss und während dieser Phase von Erkenntnis macht sie einen erneuten Prozess durch.

Bis hin zu dem für Sie wohl bedeutsamsten Schritt der Erkenntnis, den Sie als Kind so nie sehen konnte. Dieser ermöglicht ihr eine neue Perspektive einzunehmen, eine für sie befreiende Sicht über ihre Selbstwahrnehmung.

Diese ermöglicht ihr, ihr Selbstbild zu korrigieren und die Sucht in ihr loszulassen.

Die Sucht loslassen, das war schon immer ihr Ziel. Völlig erschöpft, doch mit dem Gefühl der Hoffnung und Befreiung will sie in ihr abstinentes Leben starten.

Das Erwachen

Das Erwachen

Zu Beginn möchte ich noch einige Sätze zu den damalig vorherrschenden Normen und Wertenin der Pädagogik sagen.

Das dritte Reich war zu Ende, aber in ihren Köpfen blieb der Nachkriegsgeneration IhrerErziehung blieben sie auf dem Stand auf dem

Stand der Nazis, oder auch besser gesagt der schwarzen Pädagogik.

Deren Interesse galt vorwiegend der starken Rollenverteilung von Mann und Frau und vorallem in der Pädagogik, dem Brechen des Willens des Kindes.

Diese Form der Erziehung galt natürlich nicht mir allein, sondern es betraf eine ganzeGeneration.

Ein Kind hatte zu gehorchen, sich unter zu ordnen, keinen Widerspruch zu leisten und beiAllem den Eltern zu Dienste zu sein. Auch was die weitere Lebensplanung anging. Dieentschieden die Eltern.

Vornehmlich dem erstgeborenen Sohn galt das Interesse und die bestmögliche Ausbildung.

Individualität gab es nicht, das Gemeinwohl, die Masse war Maßstab des eigenen Status. Dererstgeborene wurde stets bevorzugt.

Alle nachfolgenden Kindern waren zweitrangig, dienten der Zuarbeit im Haushalt.

Für Alle galt Disziplin, Ruhe Ordnung, Sauberkeit und Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit.

Fleiß ging über alles und das Lustprinzip war das Werkzeug des Teufels.

Wohlbemerkt galt dies für die Kinder. Die Eltern ließen es sich mit zunehmendem Wohlstandgutgehen.

Was die Sexualität betraf, so war es bloß den Männern gestattet sie auszuleben;Frauen oder besser gesagt Mädchen hatten keine Sexualität.

Wurde ein Mädchen auch bloß beim geringsten „ Anlass „ erwischt, was auf sexuelleHandlungen hinweisen könnte, war sie für immer als Schlampe verpönt.

Die Aufgabe der Mädchen war es, die Hausarbeit zu erlernen, eine gute Partie zu machenund als vollwertiges Wesen wurde sie erst anerkannt, wenn sie Mutter geworden war.

Sie hatte kein Recht auf eine eigene Meinung, keinen eigen Lebensentwurf. Sie hatte sichanzupassen, unterzuordnen und kam in der Hierarchie der Familie an letzter Stelle. Sie hattesich der Meinung des Ehemannes anzupassen, zu gehorchen und selbst noch im Jahre 1958

musste sie ihren Ehemann fragen, ob sie einer Berufstätigkeit nachgehen darfIch zumindest und alle weiblichen Vertreterinnen meiner Generation erging es so.

war quasi gezwungen zwei Identitäten auszubilden.

Eine die man nach außen zeigte und eine andere, die das eigentliche ICH darstellte.

Erwischte mich meine Mutter mit einem Buch in der Hand anstatt mit dem Putztuch, presstesie mir dieses so tief ins Gesicht bis die Brille auf den Wangen sich abzeichnete und es begannweh zum Tun.

Meine Eltern, in ihrem Denken immer noch kleine Nazis in dem so etwas wie ein Individuumnicht vorkam, gerade Mädchen nicht

Ich war kein Wunschkind und nach der Meinung meiner Mutter, geboren um Ihr das Lebenzur Hölle zu machen und Leid über ihr Dasein zu schütten.

Die Ausgeburt des Teufels nannte sie mich immer.

Über Ihre Ehe war sie sehr enttäuscht, doch wurde dies nie angesprochen oder dass sieKonsequenzen zog.

Nein, Ihren Frust ließ sie an mir aus, an der Kleinsten, an der, die sich am wenigsten wehrenkonnte.

Und mein Vater mischte sich nicht ein, er war froh aus der Schusslinie zu sein.

Insgesamt gab es den Begriff des Individuums nicht.

In der Masse hatte man aufzugehen, dies prägte ihre Gedanken und ich internalisiertesie, obwohl ich sie schon früh als krank erkannt hatte. Mir immer wieder vornahm, sie nichtin mich eindringen zu lassen, doch es gelang mir nicht. Ich internalisierte dieses krankeSystem, obwohl ich schön im frühen Alter die

Gedanken hatte, dass ich mich gegen sie wehren muss, dass sie nicht in mich eindringen sollen.

Doch es gelang mir nicht.

Das zeigte sich daran, dass ich Schuldgefühle hatte, entsprach ich nicht den familiären.

Normen.

Nach außen hin gab man sich im Wirtschaftswunderland als neue Auferstandene,liberale und progressive Weltbürger.

Dazu berufen, eine neue Gesellschaft zu schaffen, in der sich Jeder frei von den altenZwängen sein Leben ausrichten kann und von befreit ist von den alten Fesseln undStrukturen.

Und was nun solch kranke Systeme so gefährlich macht, man kann sie nicht herausschneidenwie einen bösartigen Tumor, nein er wirkt in einem fort.

Breitet sich aus, heimtückisch und unbemerkt oftmals und diktiert dir seine bösartigeBiographie auf und lässt dich glauben, das bist du.

Doch in stillen Stunden, in ganz stillen Stunden wird dir eine Ahnung davon bewusst, dasteckt noch etwas Anderes in dir. Doch dieses Andere ist irgendwie eingesperrt, gefangen,verschleiert, verdeckt.

Und gerade dies lässt dich traurig sein, einsam sein, entfremdet dich von den Anderen, weildu glaubst, etwas stimmt nicht mit dir.

Irgendwie bist du anders, unfrei und nicht du selbst. Verunsichert und mit SicherheitIrgendwie nicht richtig.

Ich weiß, es hängt mit all diesen Menschen zusammen und mit dieser Inhalation,doch wie soll ich sie aus mir bekommen

Ich war fest der Meinung, meine Aufgabe sei es, diese Verziehung aus meinemKopf zu bekommen. Auszulöschen, es zu verbrennen.

Diese Erziehung, die mich zwang zwei Identitäten auszubilden um zu überleben.

Eine die der Zustimmung meiner Eltern entsprach, die war dringend notwendig um zuüberleben. Und eine, die meinem Ich entsprach, oder dem, was ich mir unter meinem Ich mitsein Wünschen, Träumen, Bedürfnissen und Glückseligkeiten und auch Zufriedenheitvorstellte.

Denn so etwas wie Spaß am Leben zu haben war zumindest bei meiner Mutter zutiefst verpönt,ja um nicht zu sagen, sündhaft und eine Garantiekarte ins Reich der Hölle.

Doch zuvor musste ich der Frage nach meinen Existenzängsten nachgehen und auch diese zuverbrennen, denn sie quälten mich.

Doch zurück zu meinem Drogenentzuges, zudem ich mir die erste Frage stellte; was ist wiedermal schiefgelaufen.

Im Rückblick betrachtete stellte ich mir mal wieder wie so oft in meinem Leben die Frage;was ist passiert. Ich ging dieser Frage nach. War mal wieder in meinem Leben gescheitert.

Diesmal aber richtig knalle mit unbeschreiblichen Konsequenzen für meine Psyche, oder denRest von Ihr, meinen sozialen Verhältnissen und was am meisten schmerzte, meinem Loch inmeiner Seele, in der noch nicht einmal ein Funke von Vorstellungskraft bezüglich meinerweiteren Existenz war.

Mein Inneres schien mir völligst verbrannt, ausgelöscht und der Konsistenz schwarz grauerAsche wohl am ähnlichsten zu beschreiben.

Diesen Zustand habe ich den Drogen zu verdanken, die gerade dies verhindern sollten.

Paradox, sehr sehr paradox. Und weil gerade Drogen so paradox sind liegt mir auch so vielan diesem Buch.

Zwar warnte mich Jedermann vor Drogen, doch so naiv das klingen mag, es sagte mirniemand genausten warum.

Aber zu diesem Phänomen später mehr. Erst mal möchte ich dieses Entstehen meinerExistenzängste und all das Entstehen was Psychologen so gerne Defizite nennen beschreiben.

Mich jedoch dazu brachten, diese unerträglichen Zustände mit Drogen zu therapieren.

Was sie mir jedoch einbrachten war ein Scheitern an mir und der Gesellschaft. Wie bislangimmer. Ich wollte ein weiteres Scheitern vermeiden. Nicht wieder in der Drogensucht enden.

Diese Hölle auf keinen Fall wieder durchleben –

Doch erst mal stellte sich eine wesentlich unerbittlichere Frage. Wie weiterleben ohne Drogen.

Es wird ein Kampf, ein harter Kampf. Das kann ich vorwegnehmen.

Mit all dem was du dir für dich selbst am allerwenigsten wünschst.

Das bekommst du serviert. Und nicht in einem Gang, nein, mehrere Monate rund um die Uhrin Hülle und Fülle, soviel dass du manchmal glaubst an dieser ganzen Scheiße zu ersticken –

doch sie lässt dich nicht in Ruhe.

Doch ich war fest entschlossen, meinem Leben eine Chance zu geben und dass auch ichmeinen Platz im Leben finden werde.

Ich wollte mich unabhängig machen, mich loslösen. Drogen sollten mir die Kraft dazuverleihen.

Doch ich merkte nicht, dass sie mich immer abhängiger machten.

Ich glaube fest daran, dass der Mensch in seinem Leben auf der Suche nach seinem Platz imLeben ist.

Ich hatte mich immer wieder auf der Suche nach diesem Platz verlaufen. Habe ihn bislangnoch nicht gefunden, diesen Platz.

In meiner Familie wurde ich stets ausgeschlossen, gehörte nie dazu.

Meine Mutter erzählte mir stets einmal pro Tag, dass sie mich in ein Heim gäbe für schwererziehbare.

Und ich hatte stets das Gefühl, in dieser Welt nicht zu genügen.

Und ich glaubte an so etwas wie Schicksal. Doch heute weiß ich, dass man um zu seinerinneren Zufriedenheit – oder nenne es Glück, selbst viel dazu beitragen muss.

Für mich heute sehr wichtig, Geduld und mich immer wieder auf den Weg machen.

Aber ich will weiter suchen, solange bis ich ihn gefunden habe.

Es ist meine und ich glaube Jedermanns Bestimmung.

Immer auf der Suche nach dem großen Glück.

Auf der Suche nach einem freien und wilden Leben.

Nach einem unabhängigen Leben.

Frei von all diesen bösen Erfahrungen, die mein Selbst überlagern.

Frei von den Schatten meiner Kindheit, die mein Glück überschattet.

Frei von den Schmerzen, die auf meiner Seele lasten.

Ein Pflaster für meine verletzte Seele brauche ich, damit ich mich endlich frei fühlen kann.

Der Tag des Erwachens, erwachen aus einem bitter, bitter bösen Albtraum

Alles schmerzte, schmerzte ungemein. Alle Knochen taten mir einzeln weh, über die ganze Haut kribbelten Ameisen und sie brannte wie Feuer. Mir war kotzig, musste mich ständig übergeben, alles schoss unkontrolliert aus mir heraus.

Es ist ein einziger Horror der Tag und Nacht anhielt. Nicht wie immer behauptet wird, mal drei Tage, nein ich hatte an diesem Horror ein bisschen länger, hatte mehr Spaß dran als lächerliche drei, vier Tage. Ich war schon überglücklich, wenn ich nach vier Tagen non Stopp mal eine oder sogar 1 ½ Stunden schlafen konnte. Doch es war kein Schlaf wie früher, in dem man Erholung fand, nein es glich eher einem Koma in das man fiel, weil der Körper nicht mehr mitspielte.

Ein Schlaf, den man auch nicht als Schlaf erkennt. Man hat nicht das Gefühl geschlafen zu haben, aber auch nicht, wach gewesen zu sein.

Ein eigentümlicher Zustand des Bewusstseins, dass mir so noch nie begegnete.

Im Zustand des Wachseins tobte in mir ein Krieg, innerlich und äußerlich.

Mir ging es elendig. Was war passiert, diese Frage gequälte mich Tag und Nacht, jedes Ablenken wurde zur Tortur, meine Glieder taten unentwegt weh, jeder Schritt eine Anstrengung und mein ganzer Körper fühlte sich bleiern an.

Ich saß auf meinem Bett, traurig und völlig verzweifelt. Was wird nun, wie soll es weitergehen. Was ist aus mir geworden??????

Zur Milderung der Schmerzen in den Gliedmaßen klopfte ich mit den Armen dagegen und.

Wen dies nichts half, nahm ich einen festen Gegenstand der mir Linderung verschaffen sollte.

11 Jahre schwerster Drogenabhängigkeit liegen hinter mir und zuvor, die Jahre zuvor war der Alkohol mein ständiger Begleiter.

Und wenn ich es ganz genau betrachte muss ich mir eingestehen, dass ich noch nie in meinem gottverdammten Leben ohne einen Stoff, der meine inneren Qualen und dem Leid am Leben nicht auskam. Denn ich empfand das Leben nie als „SCHÖN.“ Nein, es war nun mal da, dieses Leben und als Kind hinterfragte ich den Sinn des Lebens bereits schon.

Nein, besser gesagt, das Leben an sich gefiel mir, wenn da bloß diese Menschen nicht wären um mich herum. Ich fand mich bloß in diesem Leben verloren.

Indem was ich fühlte und indem was meine Eltern über mich fühlten. ZWEI WELTEN: Dies führte unausweichlich zum Scheitern.

An Ihnen scheiterte ich und nun, was nun, Ich war fest entschlossen ein weiteres Scheitern zu vermeiden,

Mit einem weiteren Scheitern meinte ich, herauszufinden, ob es in diesem Leben etwas gibt, was mir so etwas wie Freude, ein Gefühl der Erfüllung, des Nutzens zu verspüren.

Mit dem was ich tue Eins zu sein.

Ein Gefühl zu verspüren, dass das Leben Freude bereiten kann.

Dass ich hiernach strebe war mir schon länger bewusst, doch ich fand keinen Ansatz.

Und ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, wenn es mir gutging.

Dann hallten stets die Worte meiner Mutter in mir, „wie kann es dir gutgehen, wenn ich leide; welsch ein egoistisches Kind. Ja, Egoismus warf sie mir bei allem vor, was mir Freude bereitete.

Frauen hatten zu funktionieren, ihre Pflicht zu erfüllen, aber Lust am Leben stand ihnen nicht zu. Zumindest in unserem Familientenor nicht.

Alle Frauen dieser Generation schienen zu leiden an ihrer Rollzuweisung.

So wollte ich nicht werden; doch andere Lebensentwürfe standen für unsere soziale Schicht nicht zu.

Das war wie Hochverrat an der Rasse. Man stand zwischen zwei Welten; der sozialen Schicht der Eltern und der „BESSEREN „ die es zumindest nach außen hin anzustreben gab.

Da war es verpönt, dass Frauen studieren, sich aus ihrer Mutter sein, Gemüsebeet und Kinder Kirche zu lösen. Das galt als Unnatürlichkeit am Wesen der Frau. Aber das kennen wir ja Alle, zumindest aus der Generation.

Ich konnte mir solch ein Leben nicht vorstellen für mich und schon bei der reinen Einfühlung in dieses Leben bekam ich Depressionen.

Entschied ich mich für eigenes Leben nach meinen Vorstellungen, entschied ich mich gegen die Familie und für den schuldhaften Pranger.

Ich löste diese innere empfundene Diskrepanz mit Alkohol, später mit Drogen.

Weil Recht zu machen war unmöglich.

Es ist nicht so, dass mir dies erst am heutigen Tag zu mir durchdrang, nein diese Erkenntnis hatte ich schon lange.

Doch alle Versuche meinerseits, in Therapien und eiserner Disziplin waren vergeben.

Auch die vielen Menschen um mich herum, die versuchten mich aus meinem Sumpf zu ziehen, prallten an mir ab. Diesen Menschen gegenüber habe ich heute noch ein schlechtes Gewissen. Vor allem gegenüber meinem Cousin B., der sich alle erdenkliche Mühe gab mir ein anderes, lustvolleres Leben zu zeigen.

Allen Versuchen, mich aus dem Sumpf zu ziehen, hin zu einem anderen Leben stießen auf erbitterten Widerstand in mir und prallten ab.

Es war der erklärte Wille meinerseits, mir meine Autonomie zu bewahren.

Ich wollte nichts und niemanden an mich heranlassen, denn das bedeutete meist nichts Gutes.

Nach meiner damaligen Gefühlslage. Konnte ich die Versuch meiner Mitmenschen, mich aus dem Sumpf zu ziehen, nicht als Hilfe betrachten, sondern als weiteren Versuch mich zu verändern und zwar in Ihre Richtung, in die Richtung von der sie glaubten, dass dies das Richtige Richtig für mich ist. Mir waren die Menschen nicht geheuer.

Und gerade dort wollte ich nicht hin.

Mir war schon immer klar, dass all die Scheiße in meinem Leben aus meiner Vergangenheit herkommt, aber ich wusste nie, was ich genau zu verändern habe. Ich hatte stets den Wunsch etwas zu verändern um zufriedener Leben zu können, doch ich wusste nicht wie.

Das klingt vielleicht sehr naiv, doch es war wirklich und wahrhaftig so.

Ich verteidigte mir meine Autonomie bis aufs Blut und sabotierte jegliche Ansätze, auch jegliche inneren Ansätze, jeden Gedanken, der mich von den Drogen wegbringen könnte durch nun wirklich viel logischeren Gedanken.

So schützte ich mich und meine Drogensucht vor jeglichen gedanklichen Veränderungen, Und darin war ich gut, verdammt gut, denn intellektuell konnte es so keiner schnell mit mir aufnehmen.

Doch letztlich half dies auch nicht so richtig. Alles Denken und Fühlen war beherrscht von einer tiefgreifenden inneren Leere und alles analysieren, analysieren, analysieren half nichts, half mir nicht aus meiner inneren Isolationshaft.

Ich fühlte mich gefangen, gefangen in meiner eigenen Psyche und war schon lange nicht mehr Herr in meinem eigenen Haus, sprich in meiner Psyche und die beeinflusste mein ständiges Verhalten.

Nicht nur dass ich stets emotional überfordert war, nein ich fand mich im Kontakt mit anderen stets in der Sündenbock Position wieder.

Und ich litt, ich litt unsäglich unten diesen Umständen und ich wollte was verändern, ich wollte noch Etwas in diesem Leben und ich wusste, dass ich mir ein weiteres Scheitern nicht erlauben kann. Ich bin nun schon ziemlich alt und bis sich der Sargdeckel über mir schließt will ich vielleicht noch ein wenig glücklich sein.

Also beschloss ich, mich auf den Weg, auf die Suche nach diesem Glück zu machen.

Und die erste Maßnahme hierzu war der Entzug der Drogen, den ich, wie ich heute im nach hinein eingestehen muss, maßlos unterschätzte.

Ich rutschte in einen Bewusstseinszustand, indem ich nicht unterscheiden konnte zwischen Realität und verblendeter Wahrnehmung.

Übrigens ein ganz typisches Phänomen von Drogen,. Du weißt nicht mehr, ob dein Außen nun Realität ist oder wahr.

Gleichfalls verhält es sich mit den Träumen.

Was ich in den wenigen Stunden in denen ich zu träumen glaubte, ich deren Inhalte nicht unterscheiden konnte, zwischen Traum und Realität.

Und das schlimmste ist, ich bekam es mit, dass sich diese Ebenen überlappten.

Überlappungen mit Stimmen aus meiner Kindheit, so als hätte sich Raum Zeit und Wahrheit gegeneinander aufgehoben.

Doch ich war mir sicher, nicht in einer Psychose zu sitzen, denn ich wusste gleichzeitig, dass diese Zustände durch die Drogen kamen und auch wieder vergehen werden mit der Zeit Doch mein Wille von den Drogen wegzukommen war größer als die Qualen und so setzte ich sie ab.

Ängste machten sich breit, tiefe tiefe Ängste mit Panikattacken der ganz besonderen Art.

Die Ängste mussten sich an etwas binden, sonst wären sie nicht aushaltbar.

Und viele banden sich an meine tiefsten Ängste die sich in Stimmen äußerten.

Danach hörte ich überall Stimmen, Stimmen und nochmals Stimmen.

Sie flüsterten mir zu, schaff das Geld weg, schaff das Geld weg. Es könnte dich verraten und jeden Moment stehen riesige schwarz gekleidete Herren vor deiner Tür, sprengen sie und verhaften dich.

Sie werden dich mitnehmen, in ein Kellerloch sperren und dich verrotten lassen – ohne jegliches Interesse an dir.

Du wirst einsam verlassen und verloren in der Dunkelheit dahinvegetieren.

So wie früher zu Hause. Verurteilt, ohne Anklage, verstoßen und abgeurteilt.

Wie in Kafkas Prozess. Angeklagt. Verurteilt und dir keiner Schuld bewusst.

Und auch jeglicher Möglichkeit beraubt, dich zu verteidigen.

das interessiert keinen.

Hauptsache ein Schuldiger war gefunden; ich keiner Schuld bewusst und doch schuldig.

Erst viel später bemerkte ich, dass sich die Gefühlslagen meiner Kindheit im Drogenentzug wieder durchdrückten.

Es waren die Gefühle meiner Kindheit die ich im Entzug wieder und wieder erleben durfte.

Und das war für mich der blanke Horror.

Und auch diese Gefühle der Wut und der Ohnmacht dieser Übermacht hilflos ausgeliefert zu sein.

Auf Verständnis oder gar Mitgefühl brauchte ich nicht zu hoffen; sie waren erbarmungslos und grausam. Für mich grausame Monster.

Jahrelang verstand ich die positive Besetzung des Wortes „ VATER / MUTTER / BRUDER „

überhaupt nicht.

Ich wollte nie welche haben.

Und doch sehnte ich mich tief in meinem Inneren nach solchen Figuren. Diese, die in den Büchern beschrieben wurden, aber auch dort nur manche.

Durch einen saudummen Zufall wurde die Drogenfahndung auf uns aufmerksam und nun hatte ich, verstärkt durch den Entzug eine panische Angst, die Jungs in den netten schwarzen Anzügen und den Helmen, pechschwarzen, ohne auch nur einen Hauch ihres Gesichtes zu erkennen, bewaffnet wie im Kriegsfall vor der Tür und zerrten mich mit in ihren Autos Aber zum Glück blieb diese Nummer aus, aber in mir blieb sie Realität.

All diese Gefühle kamen im Entzug wieder aus dem Unbewusstsein hoch und machten mir eine höllische Angst.

Das Geld, das viele Geld das ich aus der Erbschaft hatte würde mich verraten. Also beschloss ich es zu verbrennen. Mir würde ja auch diesmal niemand glauben. Wie nie im Leben mir jemand geglaubt hatte und von Beginn an, stets das Übelste annahm. Und etwas Gutes stand mir sowieso nicht zu.

Also weg mit dem Geld. das Einzige auf dieser Welt, etwas mir etwas Halt gab.

Also weg mit dem Geld, meiner Altersvorsorge. Hierbei handelte es sich um Geld, um viel viel viel Geld

Es tut mir heute noch in der Seele weh, was aus diesem vielen Gelde geworden ist. Aber Opfer müssen sein, nicht wahr?

Aber ich musste es opfern um nicht im Verlies zu enden.

Denn ihre Methoden ließen an die Brutalität des Mittelalters erinnern.

Also das Geld verbrennen, den jeden Moment könnte es klingeln und sie holen dich ab. Ich nahm die riesige Tasche aus ihrem Versteck und fing an, das Geld in Waschbecken des Bads zu schütten.

Aber die Scheine fingen kein Feuer und so rannte ich in die Küche, nahm mehrere Töpfe und verteilte das Geld darin.

Jeden Schein musste ich fast einzeln anzünden, dass er Feuer fing.

Mir blutete das Herz und bittere Tränen liefen mir über die Wangen.

Es tat mir in der Seele weh, doch ich war in diesem Moment felsenfest der Meinung, dass man bzw. die Strafverfolgungsbehörde nicht glauben würde. Dass ich wieder zum Sündenbock gemacht werde. So wie in meinem bisherigen Leben auch. Mein Blick war völlig verdunkelt durch die finsteren Erfahrungen meiner Kindheit.

Der sogenannte Tunnelblick, der einem die vollständige Realität versperrt .

Was soll nun aus mir werden. Arbeit finde ich in meinem Alter doch keine mehr und auf dem Hintergrund der Drogenabhängigkeit schon gar nicht,

Obwohl gerade ich mit vielen Mythen der Abhängigkeit aufräumen könnte, ja, vielleicht klappt es ja nun einmal

Aber die Angst vor der Strafverfolgungsbehörde war viel größer.

Während das Geld zu lodern begann rannte ich zu Fenster um diese zu öffnen. Gegenüber auf dem Dach waren Handwerker zugange, gesichert mit festen Leinen.

Das dieses Leben mir etwas positives zugestehen sollte konnte gleichfalls nicht sein Nicht für mich , nicht für mich.

Ich blickte auf das gegenüberliegende Haus und war gleichfalls erschrocken; so viele Handwerker; aber das sind keine Handwerker. Die sind von der Drogenfahndung und warten auf einen günstigen Moment, meine Bude zu erstürmen.

Das macht mich wahnsinnig, nicht unterscheiden zu können zwischen Realität und Inhalte aus der Angstphantasie.

Ich sitze am Boden und reiße an meinen Haaren; was soll ich tun, wem soll ich glauben.

Die gleiche Lebensverunsicherung die ich schon immer kannte, seit meiner frühsten Bewusstseins Erinnerung.

Was ist falsch und was ist richtig. Bei anderen kannte ich die Unterscheidung genau; bloß in meiner Gefühlswelt nicht.

Ich wusste nicht mehr, was ist Realität und was bloß übertriebene Angst durch den Entzug.

Das sind keine Handwerker, das sind Drogenfahnder, die jeden Moment sich zu mir abseilten und meine Wohnung stürmten.

Ich habe jegliche Bodenhaftung verloren und renne von Fenster zu Fenster und beobachte das Treiben auf der Straße.

Mit einer riesigen Panik in mir.

Zwischendurch renne ich wieder ins Bad, fülle die Kochtöpfe mit neuen Scheinen auf nachdem ich die Asche entleert habe.

Ich durfte gar nicht hinsehen.

Das Zimmer war fast nicht mehr als solches zu erkennen, da es voller Rauch war. Doch das Geld musste weg. Oh, was hätte ich mit diesem vielen Geld alles Gutes tun können. Ich hätte es für Kinder in seelischen Nöten gespendet, um Ihnen ein, vielleicht ein solch bitteres Schicksal zu vermeiden.

Aber man weiß ja nie, böse Menschen vermehren sich ja wie die Ratten.

Nun musste ich mich aber schleunigst um die Spuren meines Geldes kümmern. Ich dachte nicht, dass es so schwer sein würde, Geld loszuwerden.

Es brannte immer noch schlecht und die Asche die sich ansammelte flog als kleine Rußpartikel in der ganzen Wohnung umher.

Das anschließende putzen dauerte bis in die Nacht und die Schmerzen in der Seele bis zum heutigen Tag. Was ist das für ein beschissenes Leben hämmert es mir immer wieder im Kopf herum. Wozu bin ich geboren, wo mich doch niemand haben wollte Und das dachte ich mir ausnahmsweise nicht einmal aus, nein meine Eltern versicherten es mir täglich.

Was das schlimmste für mich war, war die Tatsache, dass ich nicht verstand, was so schrecklich an mir war, dass sie mich als den Teufel in Person ansahen.

Ich war mir keiner Schuld bewusst – und ich wusste von daher auch nicht, was ich ändern könnte, um sie zufrieden zu stellen.

Denn egal was ich tat, es war falsch. Ich war falsch.

Dieser Zustand der Ungewissheit brachte mich fast und sehr oft an den Rand des Wahnsinns.

Wie sagte mein ehrmaliger Psychotherapeutenausbilder immer „ Kinder haften für ihre Eltern“

Diese heutige verzärtelte und im Fokus der Aufmerksamkeit stehenden Kindern können sich einen solchen Umgang mit Kindern überhaupt nicht vorstellen WAS HABE ICH IHNEN

GETAN; WAS SOLLTE NICHT RICHTIG SEIN: ?????

Der Wahnsinn treibt die tollsten Blüten.

Ich habe unter dieser permanent vorhandenen Ablehnung gelitten wie man es sich nur vorstellen kann und oftmals erschien mir der Zustand des tot sein als eine Erleichterung, im Sinn von Aufhören des Leidens.

In späteren Krisen in meinem Leben, so wie sie in jedem Leben vorkommen, brach dieser Wunsch, dieses übertriebene Leiden am Leben immer wieder durch und trieb mich in den tiefsten Abgrund.

Doch es gab auch noch eine andere Seite in mir, eine Seite die Spaß am Leben hatte. Eine Seite, die sich gut anfühlte, so als wenn ich mit den Zigeunern in unserem Viertel zusammen War.

Diese Seite wollte ich kennen lernen und in mir stabilisieren.