Zeitsprung III - Judith Hohmann - E-Book

Zeitsprung III E-Book

Judith Hohmann

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Beschreibung

Seit vielen hundert Jahren führt die Föderation nun schon Krieg gegen die Piratenallianz, mit wenig Aussicht auf den endgültigen Sieg. Jetzt müssen Susanne, Arianna und Tarek dafür sorgen, daß die Föderation dem gnadenlosen Feind immer einen Schritt voraus ist. Nach weiteren brutalen Angriffen ist die Flotte schwer beschädigt. Die Energie- und Munitionsvorräte gehen zur Neige, immer mehr Raumjäger und gute Piloten fallen den Kämpfen zum Opfer. Die Drei sehen sich gezwungen, eine riskante Mission anzutreten. Sie müssen ins feindliche Varvis-Sternensystem reisen, um in den feindlichen Minen Rohstoffe zu plündern. Aber die Knappheit an Rohmaterialien ist ihr kleinstes Problem. Denn wie sich herausstellt, ist die Piratenallianz nicht ihr schlimmster Feind.

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Seitenzahl: 200

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Seit vielen hundert Jahren führt die Föderation nun schon Krieg gegen die Piratenallianz, mit wenig Aussicht auf den endgültigen Sieg.

Jetzt müssen Susanne, Arianna und Tarek dafür sorgen, daß die Föderation dem gnadenlosen Feind immer einen Schritt voraus ist.

Nach weiteren brutalen Angriffen ist die Flotte schwer beschädigt. Die Energie- und Munitionsvorräte gehen zur Neige, immer mehr Raumjäger und gute Piloten fallen den Kämpfen zum Opfer.

Die Drei sehen sich gezwungen, eine riskante Mission anzutreten. Sie müssen ins feindliche Varvis-Sternensystem reisen, um in den feindlichen Minen Rohstoffe zu plündern.

Aber die Knappheit an Rohmaterialien ist ihr kleinstes Problem. Denn wie sich herausstellt, ist die Piratenallianz nicht ihr schlimmster Feind…

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Epilog

Nachwort

Prolog

Der Starfighter vollzog eine Linkswendung und entging nur so knapp einem Treffer. Es war ein stürmischer und dunkler Tag für die Föderation. Wieder einmal dachte man, daß die Piratenallianz geschlagen sei, doch leider irrte man sich auch hier erneut. Diesmal hielt der Frieden nur wenige Monate.

Über dreißig Schiffe hatten Xanthin angegriffen. Ich blickte aus dem Seitenfenster und fragte mich, ob all das Leid, was allen bisher widerfahren war, nicht allmählich genug war. Mein Herz schlug Purzelbäume, als sich die Proton der feindlichen Formation näherte. Was für ein Überraschungsmoment. Die Raumpiraten schienen nicht mit ihr gerechnet zu haben, die durch einen der beiden Monde getarnt war.

Für einen kurzen Augenblick dachte ich an Cerux, der die Centaurius kommandierte, als ich zum ersten Mal überhaupt ein Raumschiff, so ein wirklich Großes, betreten hatte.

Von den fünfzehn Schiffen, die von der Basis aus gestartet waren, um den Angriff abzuwehren, waren nur noch sieben übriggeblieben. Die Anderen waren zu Staub zerblasen worden.

Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein weiterer Kreuzer vor uns auf. Ich warf einen Blick auf den Hauptbildschirm. Es war keiner unserer Eigenen. Dessen eigenen Geschützbatterien eröffneten sofort das Feuer. Es schien, als würde die Proton erzittern, aber es gab keine Treffer an Selbiger.

„Woher kommt dieser gottverfluchte Kreuzer?“, hörte ich Tarek über meinen Kommunikator fragen. „Da sind noch mehr von den Jägern dieser dreckigen Raumpiraten. Hier muss irgendwo ein Nest sein. Und wo bleibt die Verstärkung?“

Es war keine Einbildung. Tarek hatte recht. Mein Bildschirm zeigte mindestens noch weitere zwanzig Jäger auf uns zukommen.

Der feindliche Kreuzer begab sich in Position, und es dauerte nicht lange, bis dessen Waffensysteme die Proton erneut zu erfassen schienen. Doch bevor der Kreuzer feuern konnte, begaben sich drei unserer Starfighter in Angriffsformation und feuerten auf die Geschütze des feindlichen Schiffs.

Die Chance auf Erfolg war natürlich gleich Null, aber ein Versuch war es wert. Die grünen Energiestrahlen hämmerten auf die Geschütze des Feindes ein, richteten dort wie gewohnt aber kaum Schaden an.

Ich hingegen hatte meine Mühe und Not, mir die Piraten vom Leib zu halten. Da waren verdammt gute Piloten bei, das war ich gar nicht gewohnt. Lange würden wir nicht durchhalten können, auch wenn die Proton zu uns gestoßen war.

„Pass auf! Da hängt einer an dir dran!“, schrie ich ins Micro und versuchte den feindlichen Jäger zu treffen, der sich an Tareks Schiff geheftet hatte.

Die ersten Laserstrahlen verfehlten das feindliche Schiff nur knapp. Tareks Starfighter rollte sich hoch und kreischte in einer engen Wendung davon. Folglich änderte sich die Situation für den Jäger vor uns. Denn nun hingen wir an seinen Fersen.

Während unsere zeitgleich abgefeuerten Laserstrahlen das Schiff vor uns zu einem kurzen Feuerball aufflackern ließen, der in Sekundenschnelle wieder verschwand, konnten wir sehen, wie sich die Proton auf die Gegebenheiten des feindlichen Kreuzers in Form der schlagkräftigen Verteidigung anpasste. Sie drehte sich dem Feind mit ihren stärksten Waffen zu. Abermals schlugen mehrere Schüsse auf die Schutzschilde der Proton ein und ließen diese aufglühen.

„Ich sehe weitere Kreuzer auf meinem Bildschirm“, hörte ich Elatar sagen. Sie war die Geschwaderführerin der zweiten Staffel, die, bis auf zwei Jäger, komplett ausgelöscht worden war.

Ehe ich das mit Blick auf den Bildschirm bestätigen konnte, erwiderte die Proton das Feuer aus mehreren Geschützen. Zwei der Salven trafen den fremden Kreuzer im mittleren Bereich. Sie zerstörten die Reaktoren und fraßen sich durch das Schiff, ehe es in der Mitte auseinanderbrach.

Was für ein Treffer!

Die explodierenden Reaktoren lösten eine Kettenreaktion aus, mehrere Sekundarexplosionen sprengten Teile der Panzerung los. Diese ließen das Schiff von innen heraus explodieren. Als binnen weniger Augenblicke sämtlicher Sauerstoff entwichen war, trieben die beiden Schiffsteile im All und kollidierten letzten Endes miteinander.

„Unsere optischen Sensoren erfassen zwei weitere Kreuzer. Die beiden Kampfkreuzer werden uns in Kürze erreichen“, erklärte uns ein diensthabender Offizier von der Proton über die Kommunikatoren. „Leider sind die Xerxes, BS Battlestar und Javelin noch zu weit entfernt. Die Xerxes könnte es möglicherweise etwas früher schaffen, zu uns zu stoßen.“

„Hey Leute, allmählich geht uns die Puste aus!“, meldete sich Tarek zu Wort. Seine Stimme wirkte zu Recht sehr beunruhigt. „Wo bleibt die Kavallerie, wenn man sie braucht?“

„Unsere Kommunikation mit Xanthin ist gestört“, hörte ich Elatar sagen. „Wenn wir nicht augenblicklich Hilfe bekommen, ist es aus mit uns.“

Mit einem Male knackte und rauschte es, die Verbindung brach ab. Ein Blick aus dem Seitenfenster: Wo eben noch Elatars Starfighter flog, ein kurzer greller Feuerball, und weg war das Schiff.

Ich atmete tief durch und ertappte mich dabei, wie ich mit der Hand den Talismann berührte, der sich leicht unter dem Kragen meiner Uniformjacke abhob. Mögen die Götter uns nicht verlassen.

Trotz dieser fast ausweglosen Situation, in der wir uns befanden, hielten wir uns erstaunlich gut. Aber wie lange konnten wir mit unseren restlichen Geschwadern diese Übermacht der Piraten in Schach halten? Wir mussten Xanthin beschützen, koste es was es wolle.

Schon wieder war eine Maschine in einem Piratenkarussell gefangen. Es war höchste Zeit einzugreifen.

„Ich werde bedrängt!“, rief Tarek. Einen schweren Treffer hatte er bereits einstecken müssen.

„Du schon wieder“, schoss es aus mir heraus. „Kommst du nicht mal alleine klar? Ich bin sofort da. Das kostet dich aber Einiges, wenn wir den Kampf gewinnen sollten und auf Xanthin zurück sind.“

Schon zerbarstete vor mir der erste Allianzjäger. Danach verwandelte ich einen Weiteren in einen großen Feuerball. Den dritten und vierten Allianzjäger schoß er selbst ab. Als sich die übrigen Gegnerschiffe zurückzogen, wußte ich, daß das Karussell um Tarek zerbrochen war.

„Ich lebe tatsächlich noch“, flüsterte Tarek in den Kommunikator.

„Das war sehr knapp. Danke, Susanne.“

Der Feind war uns immer noch zahlenmäßig überlegen. Es durfte keinen Rückzug geben. Wenn wir das täten, würde Xanthin in kürzester Zeit vernichtet werden. Wir konnten also nur bleiben und kämpfen.

Lange konnten wir nicht mehr durchhalten. Wenn doch nur die Nachhut kommen würde, schoss es mir durch den Kopf. Kein Starfighter weit und breit.

Als ob irgendwer meine Gedanken erraten hätte, vernahm ich eine vertraute Stimme im Helm. „Die Reinigungsbrigade ist da. Wir dachten, Ihr könntet Hilfe brauchen.“

„Arianna.“ Ich war erleichtert, stellte den Scanner auf Nahortung ein und entdeckte weitere Schiffe im Kampfgebiet, die langsam, aber beständig anwuchsen. „Gott sei Dank. Wir können eure Hilfe gut gebrauchen.“

„Wir gruppieren uns neu. Dann schlagen wir zurück.“

„Mit Vergnügen, Arianna.“

Während wir auf ein größeres Geschwader von Gegnerschiffen zuschossen, rief Tarek: „Jetzt verpassen wir ihnen den Todesstoß.“

„Daß du überhaupt noch fliegen kannst, Tarek“, Zweideutigkeit lag in Ariannas Stimme. „Wenn ich es richtig mitbekommen habe, stecktest du gewaltig in der Klemme. Aus einem Karussell kommt nämlich keiner lebend raus.“

Tarek lachte, was aber sehr nach Galgenhumor klang.

Arianna war wieder ernst geworden. „Ich bringe aber noch eine gute Nachricht. Die Xerxes ist auf dem Weg hierher. Die Allianzjäger alleine reichen nun nicht mehr aus, um einen Sieg gegen die Föderation zu erringen. Und einen Kreuzer haben sie obendrein bereits verloren.“

Die Weltraumschlacht hielt nicht mehr lange an. Als die Piloten der Piratenallianz bemerkt hatten, daß weitere Föderationsschiffe und die Xerxes hinzugestoßen waren, zogen sie es lieber, im wahrsten Sinne des Wortes, vor, Land zu gewinnen. Auf beiden Seiten hatte es beträchtliche Verluste gegeben.

Als wir mit den restlichen Jägern in den Hangar des unterirdischen Stützpunktes einflogen, dachte ich an Elatar. Der Tod von Elatar, einer so fähigen Geschwaderführerin, war ein herber Verlust für die Föderation. Nicht nur sie, auch alle anderen, die bei dem Gefecht umgekommen waren.

Ich setzte meine Maschine nach Einschalten des Umkehrschubs sanft auf die Landebahn auf. Der Marshaller vor mir gab mir ein Zeichen, daß ich das Schiff exakt aufgesetzt hatte.

Während ich den Helm vom Kopf streifte, sah ich nach dem Abschalten der Turbinen aus dem Cockpit heraus, wie ein weiter Mitarbeiter vom Bodenpersonal herbeieilte, um die hydraulischen Landestützen nach dem Aufsetzen einer Untersuchung zu unterziehen.

Ich schnallte mich vom Pilotensitz los und kletterte aus dem Cockpit. „Schön, daß Sie wieder bei uns sind“, hörte ich Colemin vom Bodenpersonal sagen. „Wir haben viele gute Piloten verloren.“ Colemin war ein erschreckend junges Bürschchen. Er war klein, schlank und drahtig. Sein Gesicht war das eines schlauen Füchsleins. Das kam von den Augen, die von der Nasenwurzel aus schräg aufwärts zu den Schläfen liefen, von der kurzen Stupsnase, dem Gesicht voller Sommersprossen und den roten Haaren. Die Uniform, in der er steckte, schien ihm viel zu groß zu sein. Ob er wohl noch wachsen würde, fragte ich mich, oder gab es womöglich einfach nur keine entsprechend passende Uniform mehr in der Kleiderkammer? Er wirkte etwas belustigend darin.

„Ja, es ist mehr als tragisch, denn langsam gehen uns die guten Piloten aus.“ Ich klopfte ihm auf die Schulter und reichte ihm meinen Helm. „Würde bitte jemand mal nach der Kommunikationseinheit schauen? Ich glaube, sie braucht eine Generalüberholung.“

Kapitel 1

Die Kommunikationsoffizierin erhob sich von ihrer Konsole und nahm Haltung an. „Immer noch keine Meldung von unserem Außenposten auf Giemia, General. Stattdessen haben wir verschlüsselte Nachrichten zwischen der Piratenallianz und den Chirigianern abgefangen.“

Der General quittierte die Meldung mit einem Nicken und warf uns, nachdem wir Minuten zuvor die Kommandozentrale betraten hatten, einen Blick zu. „Glücklicherweise sind Sie unbeschadet zurückgekommen. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn…“

„Sie wissen doch, General“, Tarek versuchte einen Scherz zu machen, „Unkraut vergeht nicht.“

„Die Föderation ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Ich runzelte die Stirn und sah den General fragend an. „Woher, zum Kuckuck, haben die jetzt Schlachtkreuzer?“

Die Frage erledigte sich mit einem Male von selbst. Ich dachte zurück an die Centaurius, die sie mit Bravour erbeutet und vernichtet hatten. Wieder dachte ich an Cerux. Was zählte für die Piratenallianz ein Leben? Nichts, rein gar Nichts. Alles überschlug sich in meinem Kopf. Ich hätte ihn am liebsten kräftig geschüttelt, um die Gedankengänge daraus zu entfernen. Jenna! Auch sie gesellte sich in meinen Gedanken hinzu. Hätte ich nicht doch etwas gegen dieses Wesen unternehmen können, um sie zu retten?

Irgendwann musste ich endgültig aus dem verdammten Gedankenkarussell kommen. Nein, ich brauchte keinen Seelenklempner, die es auch hier auf Xanthin massig gab. Mein Heimatplanet war da absolut keine Ausnahme. Ich wollte und würde es selbst schaffen.

Ich bemerkte, daß Arianna, die neben mir stand, mich vonder Seite anschaute. „Alles in Ordnung mit dir?“

Die Situation, in der sich die Föderation befand, war einfach nur haarsträubend. Ein Angriff nach dem Anderen erfolgte, ohne daß eine größere zeitliche Pause dazwischen lag.

Nach einem gemurmelten Fluch setzte sich General Kyris mit dem Flaggschiff HWSS Analyzer in Verbindung. Die Analyzer war volle zwanzig Lichtsekunden entfernt, was eine ärgerliche Verzögerung bei der Kommunikation bedeutete, da die Fragen mit Lichtgeschwindigkeit zum Flaggschiff krochen und die Antworten in derselben Zeit zurück nach Xanthin. In den Weiten des Alls bekam man stets das Gefühl, daß das Licht sich nur ausgesprochen langsam von der Stelle bewegte.

Folgend nahm das Bild von Captain Roseya Gestalt an. Ihr

Gesicht war das einer Frau, die schlechte Neuigkeiten überbrachte. Aber ihre einzige Erwiderung lautete: „Ja, Sir?“

Die Zeitverzögerung frustrierte General Kyris. Kyris war ein hochgewachsener, schlanker Mann, dessen Gesicht offenbar nur zwei Ausdrucksformen kannte: ungerührt und streng. Er hinkte, und sein rechtes Auge war durch ein glänzendes schwarzes Opto ersetzt. Gewöhnlich trug er über dem mechanischen Ersatz eine Klappe, da diese nicht so schlimm verheißend wie das abscheuliche Auge wirkte.

„Captain Roseya, Ihr Schiff befindet sich nahe dem Quadranten zu Giemia. Der Kontakt zu unserem Außenposten dort ist abgerissen. Haben Sie nähere Informationen hierüber?“

Kyris mußte auf die Antwort warten, dann schüttelte Roseya betrübt den Kopf. „Nein, Sir, die Verbindung ist gänzlich abgebrochen. Um Giemia wimmelt es nur so von Piratenschiffen. Wir haben in der Flotte herbe Verluste hinnehmen müssen. Das Flaggschiff CS Chimera haben wir inzwischen auch noch verloren.“

„Welche Schiffe befinden sich noch bei Ihnen, Captain?“

Die Sekunden schlichen dahin, viel zu langsam, um die Zeitverzögerung zu ignorieren. Roseya wirkte jetzt richtig betrübt. „Von den fünf Flaggschiffen sind nur noch wir übrig. In der Umlaufbahn von Giemia befand sich noch die Praetor. Das Schiff lag dort, als es getroffen wurde und letztendlich in der Atmosphäre verglühte.“

Die Nachricht eben hatte den General sichtlich mitgenommen. „Welche Verluste erlitten die Gegner? Das Schlimme ist, daß sich die Chirigianer hinzugesellt haben. Ein Volk der abscheulichsten Sorte.“

In der Kleingalaxie Lanarn waren sie zu Hause. Was man über die Chirigianer hörte, waren Geschichten, die sehr lückenhaft und durch die lange Zeit der Überlieferung in manchen Punkten sicher unrichtig gewesen waren. Irgendwann, vor rund dreitausend Jahren, mußten die Chirigianer bereits existiert haben. Zu dieser Zeit standen sie längst an der Schwelle der höheren Technologie, aber jemand, der seine eigenen Ziele verfolgte, musste eines Tages eingegriffen und aus dem ehemals friedfertigen Volk eine hasserfüllte Spezies gemacht haben. Die humanoiden Wesen waren von schlanker, graziler Gestalt, etwas größer als Menschen sowie mit größtenteils dunklen Augen und wirren braunen Haaren.

Mir waren während der Zeit, nachdem ich meinen Heimatplaneten verließ, so manch seltsame Wesen begegnet. Da war zum Beispiel der Zargul, der mir kurzweilig mein Leben zur Hölle machte. Und ich hätte es dabei sogar fast verloren.

Roseya senkte den Blick. „Nicht so Viele wie die Föderation. Sie haben Kriegskünste entwickelt, worauf man, wenn nicht Alles so entsetzlich wäre, gelb vor Neid sein könnte. Wir wissen nicht, wer sie in Diesen unterrichtet.“ Sie machte eine kurze Pause, sagte sodann: „Es ist eine Frage der Zeit, wie lange wir Alle noch durchhalten können.“

Colemin hetzte hinter Tarek und mir, es ging quer durch den Stützpunkt. „Warten Sie bitte, Lieutenant, ich habe hier Ihren überholten Pilotenhelm.“

Wir betraten die große Hangarkuppel, die vom Pfeifen der Hochleistungsmaschinen erfüllt war. Unsere Jäger parkten dort, die Bodenmannschaften waren damit beschäftigt, ihren Ladezustand zu prüfen, und die Bordwaffen, die Deflektoren sowie die Kontrollsysteme.

Neben unseren Schiffen standen da auch acht weitere Jagdmaschinen. Ältere Modelle, die vor einer Generation als Solche gedacht waren: Stormspikes. Die kompakten zweimotorigen Schiffe mit zurückgezogenen Tragflächen wirkten nicht nur mitgenommen, nein, sie waren es! Leitwerk, Heckflügel und Tragflächen waren in Tarnfarbe gestrichen.

Tarek deutete mit dem Daumen auf die Maschinen und fragte in die Runde: „Was habt Ihr getan? Ein Museum überfallen? Die werden ja nur noch von Spucke zusammengehalten.“

„Die Föderation hat die Kampfmaschinen von einer anderen Planetenverwaltung bekommen“, warf Arianna ein, die zu uns stieß. „Sei bitte nicht so herablassend, Tarek, wir haben Dank der Piratenallianz nicht mehr die große Auswahl. Und die Dinger hier fliegen immerhin doch noch. Ferner geht exakt diesen Schiffen ein geradezu legendärer Ruf voraus.“

Ich sah, wie Tarek auf eine der acht Maschinen zu rannte. Er zog sich ins Cockpit hinauf, um sich umzusehen. „Hier oben fehlen Armaturen“, nörgelte er, „nichts als freiliegende Drähte und Verbindungselemente zu sehen.“ Er warf uns einen Blick zu. Mit seiner Linken hielt er uns einen alten, stumpf gewordenen Fliegerhelm entgegen. „Hat jemand diese Biester schon mal geflogen?“

Arianna und ich schauten uns an. Tarek hatte recht. Aber was sollten wir machen? Uns gingen im wahrsten Sinne des Wortes die Kampfschiffe aus. Die Raumpiraten wurden nicht Weniger und zerbliesen einen Jäger nach dem anderen zu Weltraumstaub. Außerdem bekamen die Piraten von vielen Seiten Verstärkung. Die hinzugekommenen Schiffe holten vielleicht nicht die Kuh vom Eis, aber wir konnten uns glücklich schätzen, daß wir überhaupt Welche bekommen hatten. Auch wenn sie nicht die Neuesten waren.

„Diese alten Stormspikes mögen zwar nicht frisch vom Produktionsband gelaufen sein, aber kein Schiff kommt an ihren engen Wendekreis heran“, sagte Arianna beinahe schwärmend. „Sie können außerdem ziemlich viel ertragen. Und deshalb sind sie auch noch da.“ Arianna schien zu wissen, was Tarek sagen wollte und ergänzte: „Und ja, ich habe so Manche von ihnen geflogen!“

Ein leichtes Grinsen entwich mir, als ich Tareks Gesicht auf Ariannes schlagfertige Worte sah. Tarek überlegte kurz, murmelte darauf: „Nun ja, dann wollen wir mal hoffen, daß du nicht nur alleine so ein Urgestein bist und es noch mehr so fähige Piloten wie dich gibt.“

Welch Schlagabtausch, dachte ich so für mich. Ich ging auf meinen Jäger zu, während ein Mann von der Bodenmannschaft gerade dabei war, ihn aufzutanken.

„Danke, Colemin, das ging ja flott“, lächelte ich, nahm den Helm entgegen und kletterte hinauf ins Cockpit. Ich ließ mich in den Pilotensessel sinken und streifte den Helm über. Über mir schloss sich währenddessen das Kanzeldach. Den Startknopf betätigt, spürte ich, wie die Turbinen zu wummern begannen.

Die Angriffe der Piratenallianz, die immer schneller und vor Allem zeitlich kürzer an Fahrt aufnahmen, verlangten viel von uns ab. Durch die Verluste weiterer Piloten verzichteten wir nahezu auf unsere Ruhepausen und zogen mehr Patrouillenflüge vor. Die, die ich aktuell fliegen wollte, war die Dritte in Folge. Wie lange dies allerdings noch gut gehen würde, ehe wir endgültig fertig mit der Bereifung waren, keine Ahnung.

Nachdem wir die Flugfreigabe bekamen, hoben unsere Jäger vom Boden ab, schwebten sekundenlang noch zögernd in der Luft und flogen dann langsam Richtung Ausgang des Hangars. Mit lautem Kreischen schossen wir dann wie Pfeilspitzen in den Himmel.

„Geschwaderführer, übernehmen Sie.“

Tarek leitete diesmal die Patrouille. „Sprechfunkprobe“, verkündete er über den Kommunikator.

„Jäger Zwei an Geschwaderführer, verstanden.“ Das war Arianna, Tareks Flugpartnerin.

„Jäger Drei, Roger“, bestätigte ich.

„Jäger Vier, alles klar.“ Das war mein Partner Daren. Ein schlaksiger, wortkarger junger Kerl von Lafra, einem kleinen Raumschiffhafen ziemlich weit weg von dem Haupthafen Xanthins. Ich war einmal kurz dort gewesen, schon etwas länger her. Über eine schmale Treppe konnte man eine mittelgroße, quadratische Landeplattform erreichen. Sie befand sich am höchsten Punkt eines Turms. Es war herrlich da oben, recht windig, aber die Aussicht dafür grandios. Wenn man dort stand und nach unten schaute, breitete sich, vor Allem abends, die leuchtende Pracht der Stadt aus. Die Straßen wirkten wie Flüsse aus blauweißem Kryptonlicht. Lafra, eine mittelgroße Stadt nahe einer Gebirgskette.

„Dann lasst uns mal überprüfen, ob noch alles im grünen Bereich ist.“

Ich schob den Gesichtsschutz zurecht. Erneut prüfte ich meine Waffen, zwei Blaster-Kanonen, die sich unterhalb des Rumpfes befanden. Zufrieden lenkte ich meine Maschine so, daß mein Partner hinten über mir stand, bezogen auf die Steigebene.

Ich erwartete das große Theater in nächster Zeit und hoffte, daß sich der Bursche weiter in meiner Nähe aufhalten würde.

Warum ich dieses Bauchgefühl hatte, wußte ich nicht, aber es trog mich nie. Theater war ein Pilotenjargon. Ich hatte diese ‚Fachsprache‘ von Tarek gelernt. Tarek, der mir weiterhin sehr am Herzen lag, der mir viel beibrachte.

„Geht es Ihnen allen gut?“, vernahm ich die schöne und beruhigende Stimme von Orianna Xyzan im Kommunikator. „Ich habe Sie seit den Kämpfen nicht mehr zu Gesicht bekommen. Passen Sie bitte auf sich auf. Sie bitte auch, Susanne.“

Unwillkürlich legte sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Orianna Xyzan war nach wie vor eine sehr interessante Frau, die sich offenbar mehr für mich interessierte, als sie sich dessen bewusst war. Aber mein Leben verlief just in die richtige Richtung, und das war gut so.

Die Bodenkontrolle meldete sich. „Geschwaderführer, Ihr solltet in etwa drei Minuten, wenn Ihr in den Orbit eintretet, Feindkontakt haben.“

„Ach du heilige Scheiße“, entfuhr es Tarek. „Susanne, du hattest mit deinem Bauchgefühl Recht und die richtige Entscheidung getroffen, daß wir nochmal auf Patrouille gehen sollten.“

„Ich würde gerne auf diese innere Eingebung verzichten“, murmelte ich leise in meinen Helm hinein.

Während wir in den Orbit eintraten, kamen mehrere Staffeln von Piratenjägern sowie ein Schlachtkreuzer aus einem Wurmloch auf uns zu. „War das Wurmloch schon immer da?“

Eine gewaltige Flotte erschien vor uns. Es gab keine große Verschnaufpause, die Angriffe verliefen wie am Fließband. Ätzend.

„Bodenkontrolle“, rief Tarek, „Ihr solltet Alle mobilisieren. Mit unseren vier Schiffen werden wir Nichts vom Acker reißen können. Wir benötigen hier oben dringend Hilfe!“

Kurz darauf lösten sich die Formationen vor uns auf. Ich sah, wie die Gegner in zwei Paaren angriffen, und sie flogen in perfekter Präzision nebeneinander. Mir wurde unwohl bei dem, was ich hier jetzt erlebte. Die Piraten waren bisher nur in der Lage, ein heilloses Durcheinander zu hinterlassen, aber perfekte Präzision? Das kannte ich so nicht.

Unter den Schiffen vor uns tummelten sich Maschinen, die uns unbekannt waren. Jagdmaschinen mit wulstigem Leitwerk und einer auffälligen Triebwerksanordnung, etwas uncharakteristisch. Die Maschinen der Chirigianer waren alles andere als fortschrittlich. Kleine, altmodische Sternenjäger, die besonders auf Kurzstrecke ausgelegt waren. Sie wurden immer von zwei Piloten geflogen und waren mit Laserwaffen bestückt. Aber die hier, die sich noch mit tummelten?

„Neue Formation!“, rief Tarek. „Auch wenn wir im Moment keine großen Chancen haben, aber holt sie euch!“ Er führte seine Partnerin nach Steuerbord, während ich mit meinem Partner nach Backbord abfiel.

Das Funknetz erwachte. Von überall her dröhnten Warnrufe. Die Fremdschiffe vor uns zeigten kein Interesse an Ausweichmanövern, rasten geradewegs auf uns zu, sie sehnten sich nach Blut. Ich dachte daran, daß das mit den immer rascher wiederkehrenden Angriffen irgendwie Methode hatte.

Vorn aus der Schiffsnase der unbekannten Jagdmaschinen zuckten gelb-grüne Energieblitze. Die Deflektoren waren eingeschaltet. Ich knirschte mit den Zähnen, und meine Hand um den Steuerknüppel war verkrampft.

Mit eiserner Disziplin vermied ich es, gegenwärtig zu feuern. Auch musste ich mich zurückhalten, den Kopf zur Seite zu drehen, um nachzusehen, was mein Formationspartner trieb. Er und ich waren auf uns alleine gestellt, und zwar so lange, bis Hilfe kam. Somit konnte ich nur hoffen, daß der Bursche den Anschluss zu mir nicht verlor. Denn das würde er vermutlich nicht überleben. Ich wußte auch nicht, welche Flugerfahrung er mit sich brachte. Nicht, daß es unser Beider Untergang war.

„Das sind zu Viele!“, rief Arianna. „Wo bleibt die Verstärkung?“

Ich konnte nicht antworten, hatte meine eigenen Sorgen. Daren, mein Flügelmann, und ich hatten uns trennen lassen, und das hatte einem der Gegner die Gelegenheit gegeben, sich an meinem Heck festzuklammern. Ich sah, daß mein Partner Schwierigkeiten hatte, war aber nicht schnell genug, um ihm helfen zu können. Der Führer der Jagdmaschine mit ihrem wulstigen Leitwerk hatte sich an mir festgeklammert, und Daren bettelte: „Helft mir doch! Holt die von mir weg!“

Ich war zwar noch außer Reichweite, feuerte aber dennoch, in der Hoffnung, daß ich die Konzentration des Gegners, der es auch auf Daren abgesehen hatte, stören konnte. Aber dieser ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Mir war in dieser Minute egal, ob ich den Feind, der wie Sekundenkleber an mir hing, los wurde oder nicht.

Ein gelb-grüner Strahl erfaßte die Stormspike, die in einer Wolke aus weißglühendem Gas und einem Wirbel von Metallteilen verschwand.

„Verdammt!“, wetterte ich. Ich hätte meinen Flügelmann schützen müssen. Aber während ich Flüche ausstieß und noch den Gegner am Heck kleben hatte, setzte ich Kurs auf diesen Jäger, der gerade eben meinen Partner zu Trümmern zerblies.

Das Blut kochte in meinen Adern, und ich schlug alle Vorsicht in den Wind und dachte dabei: Niemand nimmt mir den Flügelmann weg, du Drecksack! Niemand!

Tarek schrie: „Schere links, Arianna! Schere!“

Arianna brach in einem gewitzten Ausweichmanöver nach rechts aus, während feurige Finger nach ihr tasteten. Die junge Frau holte aus ihrem Jäger heraus, was er hergab, während Tarek im steilen Winkel hereinkam und sein eigenes Tempo abbremste, so daß Arianna und ihr Verfolgter seine Flugbahn kreuzten. Tarek bezog eiskalt Schussposition, beschleunigte und eröffnete das Feuer.