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"Ein Thriller vom Feinsten … Eine fesselnde Geschichte, die man nur schwer aus der Hand legen kann." -Midwest Book Review, Diane Donovan (zu KOSTE ES WAS ES WOLLE) Vom #1-Bestseller und USA Today-Bestsellerautor Jack Mars, Autor der von Kritikern hochgelobten Luke Stone und Agent Zero-Reihen (mit über 5.000 Fünf-Sterne-Rezensionen), kommt eine explosive, actiongeladene Spionageserie, die den Leser auf einen wilden Ritt durch Europa, Amerika und die Welt mitnimmt – perfekt für Fans von Dan Brown, Daniel Silva oder Jack Carr. Die Jagd nach einem legendären Artefakt führt Jacob auf eine wilde Verfolgungsjagd durch den Mittelmeerraum und einen Wettlauf gegen die Zeit, um die geheimnisvolle Organisation zu stellen, die hinter all dem steckt. Doch als Jacob erfährt, für wen das Artefakt gedacht ist, steht plötzlich alles auf dem Spiel – und die Gefahren lauern hinter jeder Ecke. ZIEL SIEBEN ist der nächste Roman einer aufregenden, neuen Serie eines Bestsellerautors, der es schafft, dass man sich in seinen brandneuen Action-Helden verliebt – und bis spät in die Nacht weiterblättert. Weitere Bände in der Reihe sind schon bald erhältlich. "Einer der besten Thriller, die ich dieses Jahr gelesen habe. Die Handlung ist intelligent und fesselt dich von Anfang an. Der Autor hat hervorragende Arbeit geleistet und eine Reihe von Charakteren geschaffen, die voll entwickelt und sehr unterhaltsam sind. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten." -Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu KOSTE ES WAS ES WOLLE)
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Seitenzahl: 274
Veröffentlichungsjahr: 2024
Z I E L S I E B E N
(SPIEL DER SPIONE – BAND 7)
J A C K M A R S
Aus dem Englischen von Simon Dehne
Jack Mars
Jack Mars ist Bestsellerautor, bekannt aus der USA Today. Seine LUKE STONE Thriller-Reihe umfasst sieben Bände. Weitere Reihen von ihm sind DER WERDEGANG VON LUKE STONE, bestehend aus sechs Bänden, die AGENT NULL Spionage-Thriller Reihe, bestehend aus zwölf Bänden, die TROY STARK Thriller-Reihe, bestehend aus fünf Bänden, sowie die SPIEL DER SPIONE Thriller-Reihe, bestehend aus neun Bänden.
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BÜCHER VON JACK MARS
SPIEL DER SPIONE
ZIEL EINS (BUCH #1)
ZIEL ZWEI (BUCH #2)
ZIEL DREI (BUCH #3)
ZIEL VIER (BUCH #4)
ZIEL FÜNF (BUCH #5)
ZIEL SECHS (BUCH #6)
ZIEL SIEBEN (BUCH #7)
EIN TROY STARK THRILLER
SKRUPELLOSE EINHEIT (BUCH #1)
DAS KOMMANDO DER SKRUPELLOSEN (BUCH #2)
DAS ZIEL DER SKRUPELLOSEN (BUCH #3)
MISSION DER SKRUPELLOSEN (BUCH #4)
LUKE STONE THRILLER SERIE
KOSTE ES WAS ES WOLLE (BUCH #1)
AMTSEID (BUCH #2)
LAGEZENTRUM (BUCH #3)
UMGEBEN VON FEINDEN (BUCH #4)
DER KANDIDAT (BUCH #5)
UNSERE HEILIGE EHRE (BUCH #6)
DAS GESPALTENE REICH (BUCH #7)
DER WERDEGANG VON LUKE STONE
PRIMÄRZIEL (BUCH #1)
DER HÖCHSTE BEFEHL (BUCH #2)
DIE GRÖSSTE BEDROHUNG (BUCH #3)
DIE HÖCHSTE EHRE (BUCH #4)
DER HÖCHSTE HELDENMUT (BUCH #5)
DIE WICHTIGSTE AUFGABE (BUCH #6)
EINE AGENT NULL SPIONAGE-THRILLER SERIE
AGENT NULL (BUCH #1)
ZIELOBJEKT NULL (BUCH #2)
JAGD AUF NULL (BUCH #3)
EINE FALLE FÜR NULL (BUCH #4)
AKTE NULL (BUCH #5)
RÜCKRUF NULL (BUCH #6)
ATTENTÄTER NULL (BUCH #7)
KÖDER NULL (BUCH #8)
HINTER NULL HER (BUCH #9)
RACHE NULL (BUCH #10)
NULL–AUSSICHTSLOS (BUCH #11)
INHALTSVERZEICHNIS
PROLOG
KAPITEL EINS
KAPITEL ZWEI
KAPITEL DREI
KAPITEL VIER
KAPITEL FÜNF
KAPITEL SECHS
KAPITEL SIEBEN
KAPITEL ACHT
KAPITEL NEUN
KAPITEL ZEHN
KAPITEL ELF
KAPITEL ZWÖLF
KAPITEL DREIZEHN
KAPITEL VIERZEHN
KAPITEL FÜNFZEHN
KAPITEL SECHZEHN
KAPITEL SIEBZEHN
KAPITEL ACHTZEHN
KAPITEL NEUNZEHN
KAPITEL ZWANZIG
KAPITEL EINUNDZWANZIG
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
KAPITEL DREIUNDZWANZIG
KAPITEL VIERUNDZWANZIG
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG
In Gedenken an Julie Hayden, geliebte Ehefrau, Mutter und Großmutter.
Ein Hügel sieben Kilometer nordöstlich der Kleinstadt al-Dschaghbub
Libyen
Abenddämmerung
Dr. Moswen Farag wischte sich den Schweiß von der Stirn und fluchte über die Ungläubigen, die den Tempel geplündert hatten, in dem er stand.
Das unbezahlbare Artefakt, das gestohlen worden war, war ihm egal. Früher wäre der ehemalige Ägyptologe entsetzt darüber gewesen. Doch inzwischen war er erleuchtet, befand sich auf Allahs heiligem Weg des Dschihad und verstand, dass die uralten Relikte, die er einst so verehrt hatte, nichts als schmutzige Überbleibsel einer degenerierten Gesellschaft waren.
Und doch brachte der Diebstahl sein Blut zum Kochen. Jemand war ihm zuvorgekommen.
Er wischte sich erneut den Schweiß von der Stirn und sah sich auf dem staubigen, windigen Hügel in Ostlibyen, nur wenige Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernt, um. Auf den ersten Blick gab es nicht viel zu sehen, außer den steinernen Grundmauern eines großen Tempels. Die Mauern selbst waren nichts als Steinhaufen, die im Laufe der Jahrtausende zerfallen waren. Sand hatte sich angehäuft und Dr. Farag wusste, dass er gute drei Meter über dem ursprünglichen Boden stand.
Selbst die heiligen Krieger, die keine Ahnung von Archäologie hatten, konnten das sehen – denn an einem Ende der rechteckigen Kammer ragte eine Statue von Ra, dem Sonnengott, aus dem Boden. Seine Männer hatten sie unter seiner Anleitung ausgegraben.
Doch während sie beschäftigt gewesen waren, war ihm etwas Beunruhigendes aufgefallen.
Er konnte deutlich sehen, dass diese Stelle schon einmal ausgegraben worden war. Der Sand um die Statue herum barg keinerlei Artefakte und war lockerer als der ihn umgebende Boden.
Jemand hatte das Loch, das hier gegraben worden war, wieder aufgefüllt. Es musste schon eine Weile hergewesen sein, denn der Sand war fest, jedoch nicht so fest wie im Rest des Tempels, der seit Jahrtausenden unberührt geblieben war.
Wenn das noch nicht Beweis genug war, konnte er an einer Stelle einen deutlichen Unterschied zwischen dem Sand ausmachen, der zum Auffüllen verwendet worden war, und dem, der ihn umgab.
Er hatte seine Männer trotzdem dazu angehalten, weiter zu graben und die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bis sie die Statue des Ra schließlich vollständig freigelegt hatten.
Und dann hatten sich seine Befürchtungen bestätigt. Der Stab war verschwunden, wahrscheinlich bereits seit den 1940ern.
Dr. Farag wusste genau, wer ihn gestohlen hatte.
General Erwin Rommel hatte seinen berüchtigten Afrikakorps durch diese Region geführt, als sie sich auf dem Weg zum Suezkanal befunden hatten. Unter seinen Männern war ein Team an Archäologen gewesen, das nach antiken Stäten Ausschau gehalten hatte. Die Nazis waren von antiken Kulturen geradezu besessen gewesen und ganz besonders vom Alten Ägypten. Dr. Farag hatte gehofft, dass sie diesen Tempel nicht gefunden hatten.
Doch jetzt wusste er mit Sicherheit, dass er sich geirrt hatte.
Dr. Farag sah sich etwas ratlos um. Einst hatte sich hier mehr als nur ein Tempel befunden. Ihn umgaben weitere Ruinen, die Überbleibsel einer Festung, sowie einer Kleinstadt, die sie versorgt hatte. Ein Flussbett wandt sich um die östlichen Ausläufer des Hügels. Einst hatte es den Außenposten mit Wasser versorgt, doch der einstige Fluss war lange ausgetrocknet.
Dr. Farag schüttelte seinen Kopf. Es war geradezu ironisch. Als er noch jung und dumm gewesen war, und ihn nichts mehr fasziniert hatte, als diese heidnischen Funde, wäre dieser Ort der Höhepunkt seiner Karriere gewesen. Dank lange verlorener Papyri und der neuesten Satellitentechnologie wusste er, dass er sich im westlichsten Außenposten des ägyptischen Königreichs befand. Er war im Jahre 1840 vor Christus vom Pharaoh Sesostris III. erbaut worden, um die Front gegen feindliche libyische Stämme zu verteidigen. Er war einer Stätte, die er in der Nähe des Dorfes Ibn Balamon im Sudan gefunden hatte, nicht unähnlich, die als Verteidigung des südlichen Ägyptens gegen die Nubier gedient hatte.
Heutzutage interessierte ihn allerdings allein die intakte Statue – denn sie hielt einen steinernen Stab in der Hand. Seine Spitze war entfernt worden und enthüllte das hohle Innere. In ihm, so wusste er, hatte sich ein Bleizylinder befunden, in dem wiederum natürliches Uran-235 gewesen war.
Das wusste er, da die Alten Ägypter ein natürliches Vorkommen dieses Spaltmaterials gefunden und entdeckt und es mit einem behelfsmäßigen Kollimator als Waffe verwendet hatten. Sie hatten es ‚die verwelkende Kraft des Ra‘ genannt.
Eine identische Statue mit einem identischen Behältnis hatte sich in Ibn Balamon im Sudan befunden. Er hatte sie entdeckt. Er hatte den Bleibehälter geborgen, sicher verwahrt und war bereits auf dem Weg gewesen, die Stätte wieder zu verlassen, als diese verfluchte amerikanische Archäologin mit ihrem Freund von der CIA aufgetaucht war, die Hälfte seiner Männer getötet und ihm das Artefakt genommen hatte.
Jana Peters. Er hatte bereits genauestens geplant, was er mit ihr anstellen würde.
Doch zuerst musste er dafür sorgen, dass das Schwert der Gerechten sich zu einer Atomkraft aufschwang.
„Was machen wir jetzt?“, ertönte eine Stimme hinter ihm.
Er drehte sich um und erblickte Hamza, seine rechte Hand. Er war ein gewaltiger Mann und seine etwas zu klein wirkenden Augen blickten ihn unter seinen zusammengezogenen Augenbrauen an. Er war ein ausgezeichneter Kämpfer und er war sich seiner Treue sicher. Außerdem war er intelligenter als der Rest seiner Anhänger, auch wenn das nicht viel hieß. Seine Männer waren im Tempelkomplex ausgeschwärmt und hielten Ausschau nach wandernden Beduinen oder Hirten aus der nahegelegenen Kleinstadt.
Wenigstens musste er sich keine Sorgen über die örtliche Miliz machen, eine von von vielen in Libyens endlosen Bürgerkrieg. Sie hatte er ohne Probleme bestechen können.
Das Schwert der Gerechten verfügte dank eines genialen Diebstahls einer Reihe von Artefakten aus dem Louvre über tiefe Taschen. Bereits seit einer Weile verkauften sie sie eines nach dem anderen zurück an die Franzosen.
Zum Glück, denn allein diese tiefen Taschen würden das Problem lösen können, vor dem sie nun standen.
„Wir müssen tun, was der Engländer verlangt“, antwortete er. „Jetzt ist sicher, dass es sich wirklich in seinem Besitz befindet.“
„Warum legen wir ihn nicht einfach um?“, knurrte Hamza.
Dr. Farag versuchte seine Ungeduld zu unterdrücken. Schließlich war Hamza sehr gut darin, jemanden umzulegen.
„Weil das Aufmerksamkeit erregen würde und das ist das Letzte, was wir jetzt wollen. Wir brauchen Zeit, das Gerät anzufertigen. Schon jetzt befinden sie sich auf der Suche nach uns. Unsere Feinde werden genau hinsehen, wenn jemand aus dem Antiquitätengeschäft plötzlich stirbt oder verschwindet.“
„Wir könnten ihn entführen und ihm sagen, dass er seiner Familie mitteilen soll, dass er auf eine lange Reise gegangen ist.“
Dr. Farag schüttelte seinen Kopf. „Nein, mein Bruder. Wir haben genug, um ihn zu bezahlen. Wenn er schlau genug war, den Stab des Ra auf dem Schwarzmarkt zu finden und ihn zu erwerben, wird er schlau genug sein, ihn versteckt und strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben, falls er entführt wird.“
Ein Teil von ihm war erleichtert. Radioaktive Strahlung beunruhigte ihn, und auch wenn sie über Tyvek-Schutzanzüge und einen Bleibehälter verfügten, in dem sie die Tube voller Uran verwahrt hätten, war keiner von ihnen dazu ausgebildet, mit radioaktivem Material umzugehen. Der Stab im Sudan war undicht gewesen und er war sich sicher, dass er ein hohes Maß an Strahlung abbekommen hatte, obwohl er sich zurückgehalten und seinen Männern die Arbeit überlassen hatte. Die Vorstellung, dass unsichtbare Strahlen seine DNA zerstörten und sich durch seine Zellen fraßen, bereitete ihm Gänsehaut.
„Ich will einem Ungläubigen keine Millionen in den Rachen stecken, nur damit er sich teuren Whiskey und billige Frauen kaufen kann“, knurrte Hamza.
„Das ist nicht unser Problem. Wir haben genug. Er wird eines Tages bekommen, was ihm gebührt.“
Hamza lächelte. „Ich hoffe, dass ich derjenige sein kann, der dafür sorgt.“
Dr. Farag legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Das hoffe ich auch, und ich hoffe, dass du es aufnehmen wirst. Du weißt ja, wie sehr wir deine Videobeweise mögen.“
Ein Schrei von einer der Wachen am südlichen Ausläufer des Hügels ließ sie herumwirbeln.
„Was ist los?“, rief Hamza zurück und nahm die Kalaschnikow von seinem Rücken.
„Ein Lichtblitz aus dem Südosten, Bruder. Ich glaube, es war ein Fernglas.“
Dr. Farag und Hamza rannten zu der Wache.
Der junge Mann war viel schneller als Farag und als er keuchend ankam, kniete er bereits hinter den Überresten der Tempelmauern und ließ seinen Blick über die raue Landschaft schweifen. Dr. Farag sah sich ebenfalls um, konnte jedoch nichts außer Felsen und Sand erkennen.
„Dort, Sir“, sagte die Wache und deutete in die Ferne. „In der Schlucht in diesem Hügel dort.“
Dr. Farag kniff seine Augen zusammen. „Ich kann nichts sehen.“
„Es war auf jeden Fall dort.“
Er zweifelte nicht an seinen Worten. Dr. Farag hatte ausschließlich die besten seiner Krieger mitgenommen.
„Wer könnte es sein?“, fragte er.
Hamza kratzte sich am Kinn und sagte: „Aus dieser Richtung kann es nur die ägyptische Armee oder die Miliz sein.“
Auch wenn die Grenze noch zehn Kilometer weiter östlich war und zwischen ihnen nichts als karge Wüste lag, wäre es nicht ungewöhnlich für ägyptische Späher, in Liyben einzudringen, um die zahlreichen Beteiligten im Bürgerkrieg zu überwachen. Gleich mehrere dschihadistische Gruppen waren in Libyen zu Hause und starteten nicht selten Angriffe auf das äygptische Regime.
Das hatten sie auch verdient. Die Militärjunta leckte die Stiefel des Westens und erlaubte es der ägyptischen christlichen Gemeinde, ungestört zu existieren. Eines Tages würden sie alle ausgelöscht werden.
Oder war es die Miliz, die ihnen hinterher spionierte? Sie wollten sie doch nicht etwa hintergehen, oder? Nein, sie hatten keinen Grund dafür. Es gab keinen finanziellen Anreiz.
Dann fiel ihm eine dritte Möglichkeit ein.
Die CIA.
Dr. Farag biss sich auf die Unterlippe. Er hatte das Feuergefecht im Sudan nur um Haaresbreite überlebt und damals hatte er eine weitaus größere Truppe um sich gehabt. Dank der internationalen Jagd auf ihn war er eine Zeit lang nach Jemen geflohen und war schließlich das Risiko eingegangen, sich zurück nach Ägypten zu schleichen. Allein oder höchstens zu zweit waren sie nacheinander aufgebrochen, um sich schließlich an diesem abgelegenen Ort an der Grenze zu treffen.
Ein Schatten legte sich über die Landschaft. Die Sonne verschwand hinter einem Berg in der Ferne. Schon bald würde die Dunkelheit der Wüste ihr Vorhaben verstecken.
„Macht euch bereit“, sagte Dr. Farag.
Hamza nickte. „Jawohl, Sir. Wir werden auf der anderen Seite des Hügels hinabsteigen und uns nach Norden vorarbeiten, bis es dunkel ist. Dann brechen wir nach Osten zur Grenze auf.“
Dr. Farag war stets leicht verärgert, wenn Hamza Entscheidungen traf, ohne sich mit ihm zu beraten, doch er sagte nichts. Der Krieger kannte sich weitaus besser in diesen Angelegenheiten aus als er.
Und diese Mission war viel zu wichtig, als dass er sich erlauben konnte, aus Stolz Fehler zu begehen. Wenn sie es schafften, dem Englischen Antiquitätensammler den Stab des Ra abzukaufen und ihn mit dem kleineren Stab aus Karnak zu kombinieren, der sich bereits in ihrem Besitz befand, würden sie mehr als 50 Kilogramm Spaltmaterial haben – gerade genug, um eine Atombombe anzufertigen.
Sein Team an Ingenieuren wartete bereits. Die Bombe war fertig. Alles, was sie jetzt noch benötigten, war das Uran-235.
Anschließend mussten sie ihre Bombe nur noch in eine Stadt schmuggeln, sie zünden und verkünden, dass sie die Täter waren. Das würde den Krieg zwischen dem Islam und dem Westen endgültig lostreten. Die Ungläubigen würden in die muslimischen Länder einfallen und die gesamte islamische Welt würde sich unter dem Banner des Dschihad vereinigen. Der endlose Krieg würde den Westen schwächen, bis der Islam schließlich als Sieger hervorgehen würde.
Das alles war es wert, sich zurück über die Grenze zu schleichen und Geschäfte mit dem Engländer zu machen. Der Preis war hoch und vielleicht mussten sie weitere Artefakte an die Franzosen verkaufen, doch sie würden sie bereitwillig annehmen, wusste er. Und der Engländer hatte für nichts anderes Augen als für die Geldscheine, die sie auf seinen Tisch legten.
Es würde alles nach Plan verlaufen und in nicht einmal einem Monat würden sie ihr Ziel aussuchen können.
Dr. Farag lächelte, während seine Männer die Ausrüstung zusammenpackten. Gemeinsam stiegen sie das nördliche Ende des Hügels hinab und hielten sich an eine Schlucht, die sie aus der Ferne vor neugierigen Blicken schützte.
Er hatte noch weitere Projekte in Arbeit und wenn Allah es so wollte, würden auch sie schon bald Früchte tragen.
Paris
Am nächsten Abend
Jana Peters lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und genoss ein Gefühl, das sie lange verloren geglaubt hatte – innere Ruhe.
Sie wusste, dass es nicht lange anhalten würde, lediglich eine kleine Pause zwischen gnadenlosen Perioden, in denen sie sich in Lebensgefahr befand, doch dieses Wissen machte es nur umso schöner.
Das Schwert der Gerechten war noch nicht besiegt. Dr. Moswen Farag war mit zehn Kilogramm Spaltmaterial im Stab des Ra aus Karnak entkommen.
Sämtliche Mitarbeiter, die der ägyptische Geheimdienst, die CIA, der MI6, sowie die Direction Générale de la Sécurité Extérieure entbehren konnten, suchten seit einem Monat auf der gesamten Welt nach ihm, doch bisher war er ihnen entkommen.
Er war ein gewiefter Gegenspieler und hatte seine Flucht offenbar vorher geplant. Sämtliche Kommunikationskanäle waren totenstill, die bekannten Terrorzellen hatten sich aufgelöst und ihre Informanten hatten keinerlei nützliche Informationen. Es war, als wäre das Schwert der Gerechten spurlos verschwunden.
Doch Jana wusste es besser.
Nicht, dass das etwas daran änderte, wie entspannt sie jetzt war. Sie war zu Hause. Sie saß in einer der größten Bibliotheken Europas – der Bibliothèque nationale de France in Paris.
Um genau zu sein, befand sie sich in dem großartigen „Salle ovale“, dem ovalen Lesesaal mit den endlosen Bücherregalen unter einer Reihe an fantastischen Bögen und über einer Reihe an runden Fenstern, die von spektakulären Stahlträgern an Ort und Stelle gehalten wurden.
Bei Tageslicht boten sie einen wunderschönen Anblick, doch bei Nacht im Mondschein waren sie um ein Vielfaches beeindruckender.
Es war schon spät, doch das machte Jana nichts aus. Sie saß an einem großen Schreibtisch mit einer grünen Leselampe. Auf ihm waren ganze Stapel französischer Archäologieberichte aus dem späten neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert ausgebreitet, die von Expeditionen in Ägypten und im Sudan handelten. Die Bibliothek verfügte über die größte Ägyptologiesammlung der Welt, wenn es um frühzeitige französische Berichte ging.
Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie noch an zweiter Stelle hinter dem Institut d’Égypte in Kairo gestanden, doch das Institut war während des Arabischen Frühlings 2011 in Brand gesteckt worden. Nicht jeder verehrte die Schätze, die eine Bibliothek beherbergen konnte, auf die gleiche Art und Weise.
Doch Jana Peters wusste es besser. Sie hatte bereits die besten Bibliotheken auf der Welt besucht und in jeder von ihnen befanden sich endlos viele Abenteuer. Die reich verzierte Duke Humfrey’s Library in Oxford aus dem fünfzehnten Jahrhundert, die riesige Library of Congress in Washington, DC, oder die National Library of Ethiopia in Addis Ababa, die sich in einem der alten Paläste von Haile Selassie befand und deren Lesesaal ebenfalls als Tanzsaal diente, wo Jana unter einer reichhaltigen Deckenmalerei und einem riesigen Kristallkronleuchter ihren Nachforschungen nachgegangen war.
Die Bibliothèque nationale de France stand ihnen allen in nichts nach. Sie war im Jahre 1461 gegründet worden und sah aus wie ein Palast von Ludwig XIV. Im Inneren befanden sich zwei weitläufige Stockwerke voller Marmor und hohen Decken, die von Säulen gestützt wurden. Es gab zwei Dutzend Lesesäle und ihre Kollektion war eine der größten der Welt.
Und was für eine Kollektion es war! Sie hatte den gesamten Tag und beinahe den ganzen Abend damit verbracht, in seltenen Publikationen zu blättern, die sonst nirgendwo zu finden waren. Nicht einmal in akademischen Online-Datenbanken. Die meisten älteren Texte waren nie digitalisiert worden und würden es wahrscheinlich auch nie, wenn man bedachte, wie viele es von ihnen gab.
Diese alten vergilbten Seiten waren es, die sie benötigte. Die sorgfältig geschriebenen Buchstaben und die verwaschenen Schwarzweißfotos. Sie enthielten zahlreiche Entdeckungen, die heutzutage als verloren galten – kleine oder kaum untersuchte Stätten, zu denen niemals jemand zurückgekehrt war und die es nie in moderne Datenbanken geschafft hatten.
Sie stellte ihre Untersuchungen unter der Annahme an, dass der Tempel des Ra im Sudan nicht der einzige seiner Art war. Er hatte sich in einer Festung befunden und zusammen mit dem radioaktiven Stab und dem primitiven Kollimator konnte die Statue des Sonnengottes als Waffe verwendet werden, auch wenn sie für denjenigen, der sie kontrollierte genau so gefährlich gewesen war, wie für seine Feinde.
Die Werke der Alten Ägypter waren äußerst genau und häufig repetitiv. Wenn sie einen Tempel des Ra an einer Grenze gebaut hatten, musste es ähnliche an ihren anderen Grenzen geben.
Zum Beispiel an der Grenze zu Libyen, wo sie sich in ständigen Auseinandersetzungen mit den dort ansässigen Stämmen befunden hatten, oder in Sinai, wo sie sich gegen die Israeliten, Kanaaniten, und später gegen die Assyrer und Babylonier hatten behaupten müssen.
Der Standort des libyschen Tempels wäre am wahrscheilichsten in der Nähe der Siwa-Oase im Westen der ägyptischen Wüste. Siwa war der letzte Außenposten ihrer Zivilisation gewesen. Die andere Möglichkeit war in der Nähe der Küste, wo die Bevölkerungsdichte höher gewesen war. Oder es gab Tempel an beiden Standorten.
Den Sinai-Tempel zu lokalisieren war schwieriger. Die Grenze dort hatte sich ständig verändert. Beizeiten hatte sie sich am westlichen Rand der Halbinsel befunden, wo heutzutage der Suezkanal war, manchmal am östlichen Rand. Zu gewissen Perioden hatte Ägypten sogar Israel kontrolliert, also wäre die Grenze viel weiter nordöstlich gewesen.
Sie versuchte, sich in Dr. Farag hineinzuversetzen. Sein Vorhaben war es, eine intakte Statue des Ra zu finden, während er so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregte.
Das schloss Sinai und Israel aus. Die ägyptischen und israelischen Armeen befanden sich in diesen Regionen in höchster Alarmbereitschaft und Dr. Farag würde es nicht riskieren, sich dort blicken zu lassen.
Nichtsdestotrotz war sie die Literatur über die Region durchgegangen und auch wenn sie einige Ra-Tempel an Standorten gefunden hatte, die grundsätzlich in Frage kommen würden, gab es keinerlei Hinweise auf eine Statue mit einem Stab. Wenn es einen solchen Tempel dort gegeben hatte, musste er bereits in der Antike zerstört worden sein. Es hatte so viele Ausgrabungen in der Region gegeben, dass man ihn sonst sicher entdeckt hätte.
Damit blieb die Grenze zwischen Ägypten und Libyen. Sie hatte die letzten fünf Stunden damit verbracht, alte Berichte für diese Region durchzugehen.
Zuerst hatte sie sich auf die Küstengebiete konzentriert. Leider hatte sie nicht viel finden können. Von 1911 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war Libyen eine italienische Kolonie gewesen und die Nationalbibliothek Frankreichs war nicht besonders gut ausgestattet, wenn es um italienische Publikationen ging. Sie hatte keinerlei Hinweise auf äygptische Tempel, Ra oder Grenzfestungen gefunden, die nicht in den letzten Jahrzehnten vollständig ausgegraben worden waren.
Somit widmete sie sich dem Landesinneren und dachte bereits über einen Arbeitsurlaub in Rom nach. Jacob würde sich sicher über das Essen freuen. Die französische haute cuisine war ein wenig zu fein für ihn. Sie kannte eine kleine Trattoria in der Nähe von Santa Maria Maggiore, die er garantiert lieben würde.
Jana verscheuchte die Gedanken an romantische Abende mit ihrem äußerst unromantischen Kollegen – Freund? Festen Freund? Wer wusste das schon? – und machte sich wieder an die Arbeit.
Nach ein paar weiteren Stunden stieß sie schließlich auf eine Goldgrube, oder zumindest vermutete sie das.
Erstaunlicherweise befand sich ihre Entdeckung in einer der neueren Publikationen, die sie sich angesehen hatte, einem Artikel in einem Militärjournal eines französischen Archäologiestudenten in Kairo zur Zeit der Invasion der Nazis in Frankreich. Es war ihm nicht möglich gewesen, zurück in sein Heimatland zu gehen, um zu helfen und er hatte ebenfalls keinen Kontakt zu den französischen Truppen aufnehmen können, die nach England geflohen waren. Also war er stattdessen dem Commonwealth Corps beigetreten. Dank seiner Landes- und Sprachkenntnisse hatte man ihn gern willkommen geheißen. Er war der Sechsten Australischen Division beigetreten und hatte zuerst gegen die Italiener und anschließend gegen den Afrikakorps gekämpft.
An einem Tag im Dezember 1940 waren er und seine Einheit auf einer Aufklärungsmission in der Nähe der Kleinstadt al-Dschaghbub in Ostlibyen gewesen, wo die italienische Armee in der Nähe einer Oase ihr Lager aufgeschlagen hatte. Dort hatten sie eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht. Auf einem Hügel in ein paar Kilometern Entfernung, nicht weit westlich der ägyptischen Grenze, hatte er weitläufige Ruinen vorgefunden, die sowohl aus großen Felsblöcken als auch aus Lehm bestanden hatten. Alte Scherben und ein paar vereinzelte Inschriften hatten ihm verraten, dass es sich um eine altägyptische Ruine handelte. Er hatte die Grundmauern verzeichnet und die Vermutung aufgestellt, dass es sich um eine Festung sowie einen großen Tempel handelte. Da er sich im aktiven Dienst befunden hatte, hatte er die Stätte nur eine Stunde untersuchen und eine grobe Skizze anfertigen können, die er seinem Artikel beigelegt hatte.
Sie sah der Festung und dem Tempel im Sudan äußerst ähnlich.
Leider hatte der Franzose nie die Gelegenheit gehabt, zu dieser Ruine zurückzukehren. Die australischen Streitkräfte hatten die italienische Basis kurz danach umzingelt und sie belagert. Nach drei Monaten Kampf hatten die Italiener schließlich aufgegeben. Die französische Einheit war im Anschluss weiter nach Westen gezogen. Er war nie zu der Stätte zurückgekehrt, die er entdeckt hatte.
Sie notierte sich den Standort und entschied sich dazu, Jacob nach Satellitenaufzeichnungen aus der Region zu fragen. Da diese Gegend heutzutage vor Terroraktivität nur so brodelte und sich in unmittelbarer Nähe eines zuverlässigen Partners Amerikas befand, hatten sie garantiert zentimetergenaue Aufnahmen der gesamten Region. Vielleicht konnte er sogar Aufnahmen eines Spionagesatelliten einsehen.
Sie gähnte und streckte sich. Es war Zeit, für heute Schluss zu machen. Morgen würde sie sich weiter durch die Archive graben, doch für den Moment hatte sie genug Fortschritte gemacht. Es war Zeit für ein Glas Wein und einen Spaziergang im Mondlicht mit Jacob durch Paris.
Während sie sich streckte, nahm sie im Augenwinkel eine Bewegung wahr.
Seit Jacob in ihr Leben getreten war, war sich Jana ihrer Umgebung weitaus deutlicher bewusst. Ihr Vater hatte ihr als Kind zahlreiche Überlebenstipps beigebracht, doch sie hatte sie nie wirklich anwenden müssen, bis sie in die Welt der internationalen Spionage und des Antiterrors getreten war.
Zu dieser Uhrzeit war die Bibliothek so gut wie leer. Professoren waren zurück bei ihren Familien, Studenten bereits in der Stadt ausgeschwärmt und allein die fleißigsten Forscher wie sie blieben übrig.
Niemand saß in ihrer Nähe. In dem gesamten riesigen Lesesaal zählte sie fünf, vielleicht sechs andere Personen, auch wenn sich vielleicht noch ein paar mehr im oberen Stock oder hinter den zahlreichen Säulen befanden. Sicherlich waren es insgesamt nicht mehr als ein Dutzend.
Einer von ihnen hatte ihre Aufmerksamkeit erregt. Er war ein junger Franzose, vielleicht Mitte dreißig, der rechts von ihr saß. Er war zu ihr gewandt und arbeitete sich durch einen Stapel alter ledergebundener Bücher. Er war bereits beinahe so lang wie sie hier.
Jana hatte ihn dabei ertappt, wie er einige Male zu ihr aufgesehen hatte. Das konnte entweder bedeuten, dass er ein schleimiger Kerl war – oder etwas weitaus Schlimmeres.
Auch wenn sie es nicht zuließ, dass die Paranoia Überhand gewann, behielt sie ihn doch den gesamten Tag und Abend über unauffällig im Auge.
Und jetzt ging er die Reihe an Tischen entlang, in der auch sie saß. Er hatte einen vollen Aktenordner in der Hand, der jedoch auffällig in der Mitte gewölbt war. Wenn er so weiter ging, würde er genau hinter ihr vorbeikommen.
Es gab keinen Grund dafür, warum er diesen Weg wählen würde. Die Toiletten, der Ausgang, sowie die Rezeption befanden sich allesamt in anderen Richtungen.
Jana tat so, als würde sie nach einem weiteren Buch greifen, was es ihr ermöglichte, sich unauffällig in seine Richtung zu drehen.
Sie musterte ihn erneut. Sein Körperbau, seine Gangart und sein Selbstbewusstsein waren das genaue Gegenteil von dem, was sie von einem Doktoranden oder jungen Professor erwarten würde. Nein, er bewegte sich wie ein ausgebildeter Kämpfer und seine Augen huschten durch den gesamten Saal, als überprüfte er, dass sich auch keine Zeugen in der Nähe befanden.
Jana war sofort in höchster Alarmbereitschaft und als sie ihm einen weiteren Blick zu warf, nachdem er sich genähert hatte, zögerte sie nicht.
Er war nur noch zwei Schritte von ihr entfernt, als er seinen Ordner fallen ließ und ein Messer in seiner Hand aufblitzte.
Jana schnappte sich das schwerste Buch auf ihrem Tisch und warf es mitten in sein Gesicht. Doch er schien blitzschnelle Reflexe zu besitzen, denn er schlug es glatt aus der Luft beiseite und sprang auf sie zu.
Oh nein, die Feder ist wohl doch nicht mächtiger als das Schwert.
Jana ließ sich links neben ihrem Stuhl auf den Boden fallen und das Messer sauste über ihr durch die Luft.
Sie kickte den Stuhl in seine Richtung und in dem Moment, den er dafür benötigte, sich wieder zu fangen, war sie bereits auf den Beinen und rannte davon.
Seine Schritte hallten ohrenbetäubend laut hinter ihr und die wenigen Anwesenden holten überascht Luft. Die meisten Akademiker waren den Anblick einer Kollegin, die von einem Messerstecher quer durch die Bibliothek gejagt wird, nicht gerade gewohnt.
Sie rannte die Tischreihen entlang, schnappte sich immer wieder Stühle und warf sie ihrem Verfolger in den Weg. So wie er mit Leichtigkeit über sie sprang, wirkte er wie ein Hürdenläufer auf der Olympiade. Sie stellten kaum Hindernisse für ihn dar. Jana glaubte sogar, dass er sie langsam einholte.
Sie schlug einen Haken nach links, wo die zahlreichen Reihen an Bücherregalen anfingen, hinter denen sie sich zumindest zeitweise verstecken konnte. Sofort bog sie rechts ab, dann wieder links so bald es ging und hockte sich hin. Sie hoffte, dass er sie aus den Augen verloren hatte.
Keine Chance. Er war zu nah und entdeckte sie durch die Regale hinweg. Er umrundete die Ecke und spielte mit dem Messer in seiner Hand. Sie musste aufspringen und weiterrennen und war so außer Atem, dass sie nicht einmal um Hilfe schreien konnte. Hoffentlich hatte einer der anderen Anwesenden hier genug Sinn und Verstand, den Sicherheitsdienst zu alarmieren.
Dieses Mal rannte sie auf die Wendeltreppe in der Nähe der Wand zu. Sie erreichte sie, sprintete sie nach oben und hoffte, dass der Lärm weitere Aufmerksamkeit erregen würde.
Der Attentäter war direkt hinter ihr. Er holte sie immer weiter ein.
Es war Zeit, ihren Plan zu überdenken. Sie wirbelte herum, packte das Geländer und als er oben ankam, stützte sie sich mit beiden Armen ab und trat mit den Füßen zu.
Ihr rechter Fuß erwischte ihn mitten im Gesicht. Er taumelte zurück, packte das Geländer und schaffte es gerade so zu verhindern, die Treppe hinab zu fallen.
Jana war bereit, ihn erneut anzugreifen, doch er hatte sich bereits wieder gefangen.
Sie verschwand in dem Labyrinth aus Bücherregalen im oberen Stockwerk.
Hier würde sie sich verstecken können, doch nicht lange. Vielleicht nicht einmal lang genug, dass Hilfe kommen konnte.
Jacob Snow saß in einer Brasserie eine Ecke von der Bibliothek entfernt und genoss ein Glas exzellenten Weins. Normalerweise bevorzugte er Whiskey, doch als er den Kerl hinter der Theke um einen gebeten hatte, hatte der nur seine Nase gerümpft. Anscheinend war sich diese teure Bar in Paris zu fein, einen einfachen Single Malt Scotch auszuschenken.
Zur Hölle mit ihm. Er musste unbedingt einen vernünftigen englischen Pub finden, wo man noch etwas Vernünftiges zu trinken bekam. Wenn er in Griechenland wäre, hätte er einen Ouzo bestellt. Der Barkeeper hier hatte ihm Absinth angeboten, doch die Erinnerung an einen äußerst schlechten Absinth, den er vor vielen Jahren mit seinen Kollegen von den Rangers getrunken hatte, ließ ihn ablehnen. Er wollte nicht schon wieder in einer Zelle landen, weil er ein gesamtes portugiesisches Fußballteam verprügelt hatte. Einmal war mehr als genug.
Also lehnte er sich entspannt zurück, nippte an einem zugegebenermaßen ausgezeichneten Weißwein und blickte sich von seinem Platz an der hinteren Wand in der Nähe des Notausgangs um.
Jacob Snow wählte stets einen Sitzplatz mit dem Rücken zu der Wand, die sich gegenüber vom Eingang befand, und suchte unmittelbar nach einem zweiten Weg aus dem Gebäude, wenn er eines betrat.
Er wünschte sich, dass Jana jetzt bei ihm wäre. Ihr würde dieser versnobbte Ort weitaus besser gefallen als ihm. Die Beleuchtung war dimm, die Innenausstattung rustikal, es lief klassische Musik und die Preise waren übertrieben. Jemanden dabei zu haben, der für ein wenig Unterhaltung sorgen konnte, würde den Abend weitaus besser machen. Außerdem hatte er gerade einen Teller gedünstete Austern verdrückt, also konnte er weibliche Gesellschaft gebrauchen.
An der Bar saß eine attraktive brünette Französin. Sie konnte höchstens fünfundzwanzig sein und wirkte, als würde sie ihm nur allzugern Gesellschaft leisten. Sie hatte ihn bereits mehrfach über ihr Champagnerglas hinweg gemustert.
Er ignorierte ihre Versuche, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Schließlich war er nicht nur bereits vergeben, er trauerte außerdem immer noch seiner ehemaligen Geliebten nach.
Gabriella war erst vor wenigen Monaten bei einem Anschlag ums Leben gekommen, der ihm gegolten hatten. Die Schuldgefühle würden niemals von ihm ablassen, wusste er.
Die Tatsache, dass er eine neue Liebe in Jana gefunden hatte, eine Frau, von der er sich niemals auch nur erträumt hätte, dass er überhaupt eine Beziehung zu ihr haben würde, erstaunte ihn bis heute. Hier waren sie nun – Kollegen, Antiterror-Agenten und Geliebte.
Die Französin lächelte ihn an, lehnte sich vor und flüsterte dem Barkeeper etwas zu.
Sorry, Lady. Du willst nicht in meiner Nähe sein. Aus mehreren Gründen. Ich könnte sie nicht einmal an beiden Händen abzählen.
Nach etwa einer Minute kam der Barkeeper zu seinem Tisch und brachte ihm ein weiteres Glas Wein.
„Mit freundlichen Grüßen von der Dame an der Bar“, sagte er.
Jacob hob sein Glas als Dank und erntete einen vielsagenden Blick.
Oh, oh. Vielleicht sollte ich anfangen, einen Ehering zu tragen.
