Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Ein Thriller vom Feinsten … Eine fesselnde Geschichte, die man nur schwer aus der Hand legen kann." -Midwest Book Review, Diane Donovan (zu KOSTE ES WAS ES WOLLE) ⭐⭐⭐⭐⭐ "Einer der besten Thriller, die ich dieses Jahr gelesen habe. Die Handlung ist intelligent und fesselt dich von Anfang an. Der Autor hat hervorragende Arbeit geleistet und eine Reihe von Charakteren geschaffen, die voll entwickelt und sehr unterhaltsam sind. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten." -Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu KOSTE ES WAS ES WOLLE) ⭐⭐⭐⭐⭐ Vom #1-Bestseller und USA Today-Bestsellerautor Jack Mars, Autor der von Kritikern hochgelobten Luke Stone und Agent Zero-Reihen (mit über 5.000 Fünf-Sterne-Rezensionen), kommt eine explosive, actiongeladene Spionageserie, die den Leser auf einen wilden Ritt durch Europa, Amerika und die Welt mitnimmt. Jacob Snow, Elitesoldat und ehemaliger CIA-Agent, muss sofort eingreifen, als eine neue terroristische Gruppe mit einer schrecklichen Waffe auftaucht: eine tödliche Krankheit, die seit Jahrhunderten unter Wasser schlummert. Wenn sie freigesetzt wird, wird sie unvorstellbare Zerstörung anrichten – und Jacob ist der Einzige, der sie aufhalten kann. Doch der Weg dorthin führt über ein uraltes Relikt. Und die Einzige, die brillant genug ist, seine Symbolik zu entschlüsseln, ist Jana, Jacobs geheimnisvolle Partnerin und Archäologin. Gemeinsam müssen sie die Terroristen finden und aufhalten, bevor es zu spät ist. Aber in einer schockierenden Wendung wird Jacob klar, dass seine eigene Geschichte ihn zu Fall bringen könnte. ZIEL DREI ist der Debütroman einer aufregenden, neuen Serie eines Bestsellerautors, der es schafft, dass du dich in einen brandneuen Action-Helden verliebst – und bis spät in die Nacht blätterst. Perfekt für Fans von Dan Brown, Daniel Silva und Jack Carr. Weitere Bücher der Reihe werden bald erhältlich sein.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 306
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Z I E L D R E I
(SPIEL DER SPIONE – BAND 3)
J A C K M A R S
AUS DEM ENGLISCHEN VON SIMON DEHNE
Jack Mars
Jack Mars ist Bestsellerautor, bekannt aus der USA Today. Seine LUKE STONE Thriller-Reihe umfasst sieben Bände. Weitere Reihen von ihm sind DER WERDEGANG VON LUKE STONE, bestehend aus sechs Bänden, die AGENT NULL Spionage-Thriller Reihe, bestehend aus zwölf Bänden, die TROY STARK Thriller-Reihe, bestehend aus drei Bänden, sowie die SPIEL DER SPIONE Thriller-Reihe, bestehend aus drei Bänden.
Jack würde sich freuen, von Ihnen auf www.jackmarsauthor.com zu hören. Dort können Sie seiner Mailingliste beitreten, ein kostenloses Buch erhalten, an Verlosungen teilnehmen, oder ihm auf Facebook oder Twitter schreiben!
Copyright © 2023 von Jack Mars. Alle Rechte vorbehalten. Mit Ausnahme der Bestimmungen des U.S. Copyright Act von 1976 darf kein Teil dieser Publikation ohne vorherige Genehmigung des Autors in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln vervielfältigt, verbreitet oder übertragen oder in einer Datenbank oder einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses eBook ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen verschenkt werden. Wenn Sie dieses Buch mit einer anderen Person teilen möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger ein zusätzliches Exemplar. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben, oder es nicht nur für Ihren Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihr eigenes Exemplar. Danke, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dies ist ein Werk der Belletristik. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Vorfälle sind entweder das Produkt der Phantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, ob lebendig oder tot, ist völlig zufällig. Jackenbild Copyright Demjanovich Vadim
BÜCHER VON JACK MARS
SPIEL DER SPIONE
ZIEL EINS (BUCH #1)
ZIEL ZWEI (BUCH #2)
ZIEL DREI (BUCH #3)
EIN TROY STARK THRILLER
SKRUPELLOSE EINHEIT (BUCH #1)
DAS KOMMANDO DER SKRUPELLOSEN (BUCH #2)
DAS ZIEL DER SKRUPELLOSEN (BUCH #3)
LUKE STONE THRILLER SERIE
KOSTE ES WAS ES WOLLE (BUCH #1)
AMTSEID (BUCH #2)
LAGEZENTRUM (BUCH #3)
UMGEBEN VON FEINDEN (BUCH #4)
DER KANDIDAT (BUCH #5)
UNSERE HEILIGE EHRE (BUCH #6)
DAS GESPALTENE REICH (BUCH #7)
DER WERDEGANG VON LUKE STONE
PRIMÄRZIEL (BUCH #1)
DER HÖCHSTE BEFEHL (BUCH #2)
DIE GRÖSSTE BEDROHUNG (BUCH #3)
DIE HÖCHSTE EHRE (BUCH #4)
DER HÖCHSTE HELDENMUT (BUCH #5)
DIE WICHTIGSTE AUFGABE (BUCH #6)
EINE AGENT NULL SPIONAGE-THRILLER SERIE
AGENT NULL (BUCH #1)
ZIELOBJEKT NULL (BUCH #2)
JAGD AUF NULL (BUCH #3)
EINE FALLE FÜR NULL (BUCH #4)
AKTE NULL (BUCH #5)
RÜCKRUF NULL (BUCH #6)
ATTENTÄTER NULL (BUCH #7)
KÖDER NULL (BUCH #8)
HINTER NULL HER (BUCH #9)
RACHE NULL (BUCH #10)
NULL–AUSSICHTSLOS (BUCH #11)
INHALTSVERZEICHNIS
PROLOG
KAPITEL EINS
KAPITEL ZWEI
KAPITEL DREI
KAPITEL VIER
KAPITEL FÜNF
KAPITEL SECHS
KAPITEL SIEBEN
KAPITEL ACHT
KAPITEL NEUN
KAPITEL ZEHN
KAPITEL ELF
KAPITEL ZWÖLF
KAPITEL DREIZEHN
KAPITEL VIERZEHN
KAPITEL FÜNFZEHN
KAPITEL SECHZEHN
KAPITEL SIEBZEHN
KAPITEL ACHTZEHN
KAPITEL NEUNZEHN
KAPITEL ZWANZIG
KAPITEL EINUNDZWANZIG
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
KAPITEL DREIUNDZWANZIG
KAPITEL VIERUNDZWANZIG
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG
Ein Privathafen östlich von Málaga, Spaniens Mittelmeerküste
23 Uhr
Mounir Zerhouni stieg aus seinem Maserati und atmete tief die frische Meeresbrise ein. Endlich war er wieder zu Hause. Er war viel zu lang im Inland gewesen und hatte sich mit seiner Suche, seinen Nachforschungen und seinen Verhören beschäftigt.
Von der Biblioteca Nacional, Spaniens riesiger Nationalbibliothek in Madrid, bis hin zu verstaubten alten Stadtarchiven in Santander an der Nordküste und kleinen Antiquariaten überall auf der iberischen Halbinsel hatte er jede nur erdenkliche Quelle durchsucht.
Und seine Suche hatte ihn und seine Männer letztendlich zurück nach Hause geführt.
An das Mittelmeer. Dort, wo er hingehörte.
Er genoss den Augenblick und den Anblick der Jachten und Schnellboote, die auf dem Wasser schwebten und nur von wenigen gedämmten Lichtern erhellt wurden, die sich auf dem Meer widerspiegelten wie funkelnde Sterne. Er hörte die Schreie der Möwen hoch über seinem Kopf und das Pochen der Boote gegen den Pier. Er drehte sich um und blickte zurück Richtung Inland, wo im Westen die entfernten Lichter des Hafens von Malaga leuchteten. Zwischen der Stadt und dem privaten Anlegeplatz zog sich die Küste in einer langen Kurve entlang. Dort war ein Kliff, auf dem eine riesige Steinfestung stand. Türme und Mauern hatten die Einwohner einst vor Eindringlingen geschützt und boten jetzt einen atemberaubenden Ausblick auf den Hafen und die kleine Bucht, in der er sich befand.
Die Festung war einst errichtet worden, um sich gegen Piraten zu verteidigen. Gegen Menschen wie ihn.
Seit dem Mittelalter bis hin zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren die Berber-Piraten der Terror des Mittelmeers gewesen. Sie hatten Häfen entlang der portugiesischen, spanischen und italienischen Küsten auf der Suche nach Schätzen und Sklaven überfallen, um sie auf den Märkten Algiers, Tunis’ und Tangers zu verkaufen. Die mutigeren unter ihren Kapitänen waren bis nach England und Irland ausgeschwärmt. Eine legendäre Expedition hatte sie sogar bis nach Island geführt.
Drei weitere Männer stiegen aus dem Mercedes aus – ein Somalier, ein Malaie und ein Berber wie er. Es handelte sich um seine vertrautesten Offiziere. Die besten seiner Crew – harte Männer, Experten im Messerkampf und zielgenaue Schützen, die zu den besten Seemännern der Welt zählten. In etlichen Schlachten hatten sie sich gegen die Schiffe, die sie überfallen hatten – und von denen sie überfallen worden waren – bewiesen. Er hatte ihre Leben unzählige Male gerettet und sie das seine.
Als Mounir Zerhouni noch ein kleiner Junge in seinem Heimatdorf an den Abhängen des Berges Zerhoun gewesen war, von dem sein Berberstamm seinen Namen hatte, war er begeistert von den Erzählungen des Hakawati gewesen, dem Geschichtenerzähler seines Dorfes. Es waren Erzählungen über mutige Piratenkapitäne, die Angst und Schrecken in den Herzen der mächtigen Königreiche der Spanier und Briten verbreitet hatten.
Mounir hatte auf dem kalten Lehmboden gesessen, während er Wind in der Ferne geheult hatte, und fasziniert an eine Zeit gedacht, in der sein Volk mächtig gewesen war.
Doch wer erinnerte sich jetzt noch an sie? Marokko wurde von den Flachländern regiert, den Abkömmlingen der arabischen Eindringlinge. Die Sprache der Berber, Tamazight, hatte erst vor ein paar Jahren den gleichen Status wie Arabisch erlangt, doch sie hatten weiterhin keine richtigen Repräsentanten in der Regierung. Die Araber herrschten über alles.
Kaum noch jemand, abgesehen von Historikern und anderen Leuten vom Fach, erinnerte sich daran, dass sie einst bekannte Piraten gewesen waren – ein mächtiges Volk, das an sämtlichen Küsten in Nordafrika und am Mittelmeer ausgebreitet gewesen war.
Das würde sich allerdings nun ändern, hatte er sich geschworen.
Mounir wandte sich zurück zum Meer, wo sein Schicksal lag.
Auf der Jacht am Ende des Piers zu seiner Linken, lag nicht nur sein Schicksal, sondern das seines gesamten Volkes.
„Bleibt hier“, befahl er seinen drei Offizieren. „Ich kümmere mich selbst darum.“
„Nimm eine Waffe mit“, schlug der Malaie vor. „Es könnte eine Falle sein.“
Mounir schüttelte seinen Kopf. „Ist es nicht. Er weiß nicht einmal, was er dort hat.“
„Wir sind hier, wenn du Verstärkung brauchst“, unterstützte ihn sein Berberkumpane.
„Wenn jemand Verstärkung braucht“, lachte Mounir herzhaft, „dann er.“
Mounir ging den Pier entlang. Er bewegte sich lautlos und die eine Kraft und Anmut eines Leoparden aus, das im Atlasgebirge weit verbreitete Raubtier. Er nahm sämtliche Details in seiner Umgebung wahr – welche Boote hier anlegten und was ihre Ausstattung über ihre Besitzer aussagte, auf welchen es Anzeichen gab, dass gerade jemand dort übernachtete, welche anscheinend unbewacht zurückgelassen worden waren, während ihre Crew in der Stadt schlief, und welche wiederum mit Alarmen und Schlössern gesichert waren. Nichts entging seinem Blick.
Der Mann, mit dem er sich verabredet hatte, war ebenfalls aufmerksam. Auf der Jacht am Ende des Piers, dem Anlegeplatz, der direkt auf das offene Meer führte, schien ein einzelnes Licht aus einem der Bullaugen. Ein breitschultriger Mann tauchte auf dem Deck auf. Er trug einen dünnen Pullover und eine Segelmütze. Anmutig kam er vom Schiff auf den Pier, mit zielsicheren Schritten, die dafür sprachen, dass er ein erfahrener Seemann war. Sein buschiger, weißer Schnauzbart bot einen starken Kontrast zu seinem braungebrannten Gesicht.
„Señor Zerhouni. Wie schön, dass Sie gekommen sind.“
Er begrüßte ihn auf Spanisch und Mounir antwortete.
„Es freut mich, dass wir uns hier treffen können, Señor Barrado.“
„Ich begrüße gern Freunde der Kartographie auf meinem Schiff.“
Mounir trat auf den älteren Herrn zu und sie gaben sich die Hand. Lucas Barrados Hände waren schwielig und sein Händedruck stark.
„Kommen Sie doch herein.“
Sie sprangen aufs Deck und betraten die Kabine der angenehm ausgestatteten Jacht. Es war kein pompöses Schiff, jedoch funktional und offensichtlich gut in Schuss. Bänke, die man zu Kojen umfunktionieren konnte, befanden sich an den Wänden und in der Mitte stand ein Tisch. Eine winzige Küche und ein kleiner Schrank nahmen den Rest des Raumes ein. Durch eine offene Tür hindurch konnte er das Steuerrad, ein Funkgerät und die Navigationsinstrumente sehen.
„Keine Crew?“, fragte Mounir.
„Ich segle stets allein.“
Mounir lächelte. „Guter Mann.“
„Kann ich Ihnen Kaffee oder Tee anbieten? Oder vielleicht etwas Stärkeres?“
„Ich nehme einen Whiskey, wenn Sie einen haben.“
Barrado öffnete die Tür eines kleinen Schrankes und zog eine Flasche Whiskey sowie zwei Gläser hervor.
„Sind Sie in Spanien aufgewachsen? Ihr Spanisch ist perfekt.“
„In Andalusien. Meine Eltern stammen aus dem Atlasgebirge und ich habe hier jedes Jahr als Erntehelfer gearbeitet. Ich wurde auf spanischem Landesgebiet geboren.“
Barrado grinste und schenkte Mounir einen großzügigen Schluck ein. „Wie schön für Sie.“
„Es ist eine wunderschöne Sprache. Und ich liebe das Essen hier.“
„Ich habe in etlichen Häfen entlang der marokkanischen Küste angelegt. Es gibt einige wunderbare Orte dort. Prost.“
Sie stießen an und nippten jeweils einen kleinen Schluck Whiskey. Barrado hatte kein Eis hineingetan – ein echter Seemann. Mounir spürte, wie die Flüssigkeit ihn von Innen heraus erwärmte.
Barrado stellte sein Glas ab. „Wie ich Ihnen bereits am Telefon sagte, glaube ich fast, dass Sie enttäuscht sein werden.“
„Da bin ich mir nicht so sicher. Kann ich es sehen?“
Barrado zog einen wasserdichten Behälter unter der Bank, auf der er saß, hervor, öffnete ihn und enthüllte einen Ordner. Er legte ihn auf den Tisch und schlug ihn auf. Mounir lehnte sich vor und sein Herz schlug schneller. Dort, in einer Klarsichtfolie, befand sich eine scheinbar sehr antike Karte.
Der Berber-Pirat begutachtete sie eingehend. Sie wirkte akkurat, war zweifelsohne von einem Schiffsnavigator angefertigt worden und dem Stil nach zu urteilen, stammte sie aus dem späten achtzehnten Jahrhundert.
Mounir war ein Experte für Dokumente wie dieses; eine Expertise, die er nie zuvor für nützlich gehalten hatte. Jetzt würde sie ihm jedoch dabei helfen, sein Volk Stolz zu machen. Außerdem würde sie ihm und seiner Crew unglaubliche Reichtümer verschaffen.
Auf der Karte war die Küste Venezuelas abgebildet. Jede noch so kleine Bucht und Halbinsel war präzise verzeichnet. Zwischen einer der Buchten und zwei nordöstlich davon gelegenen Inseln hatte der Kartograph einen Punkt eingezeichnet. Von diesen drei Punkten strahlten gerade Linien aus, die sich an einem Ort mitten in der Karibik kreuzten.
Mounir inspizierte die Karte und bekam eine Gänsehaut. Ja, das war es. Das Datum stimmte, die Unterschrift „Joaquino“ in der rechten unteren Ecke stimmte und auch wenn er den exakten Ort nicht kannte, der auf der Karte verzeichnet war, schien er ebenfalls zu passen.
Mounir blickte den alten Seemann an.
„Wie viel wollen Sie dafür?“ Er musste sich noch ein wenig gedulden.
„Sie scheinen mir ein aufrichtiger Seemann zu sein, also werde ich ehrlich mit Ihnen sein. Das hier ist eine Fälschung. Ich meine, es ist eine alte Fälschung, also hat sie zumindest historischen Wert, aber an dieser Stelle ist niemals ein Piratenschiff gesunken. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber.“
Keine Aufzeichnungen, die Sie je gefunden hätten. Aber ich habe tiefer gegraben.
So tief, wie ich das Messer in der Brust des Sammlers vergraben habe, von dem meine Informationen stammen.
„Ich habe trotzdem Interesse. Könnten Sie mir mehr über ihre Herkunft erzählen?“
„Das Original stammt aus dem Jahre 1768, nachdem die Santo Santiago mit einer Ladung voll Plunder verschwunden war. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass sie in der Karibik oder an einem anderen Ort gesunken ist. Ich glaube, dass sie einfach zu einer unbekannten Zuflucht gesegelt sind, um sich zur Ruhe zu setzen. Vielleicht nach Brasilien, oder sogar um Tierra Del Fuego bis nach Chile. Diese Karte ist eine von mehreren Kopien, die in den 1790ern angefertigt und an Schatzjäger verkauft wurde. Vielleicht ist sie nicht einmal originalgetreu, obwohl das im Grunde genommen irrelevant ist.“
In Wahrheit ist sie das Original, aber ich bin die einzige Menschenseele, die das noch weiß.
„Ich bin dennoch interessiert. Wo haben Sie sie erstanden?“
„Sie stammt aus dem Nachlassverkauf eines Sammlers in Gran Canaria.“
Mounir nickte. Das hatte er bereits gehört.
„Ich habe noch andere Objekte, an denen Sie interessiert sein könnten“, sagte der alte Seemann und kramte in seinem Schrank. Er zog weitere Ordner hervor und breitete sie auf dem Tisch aus. Karten sämtlicher Kontinente und Gewässer aus aller Welt lagen vor ihm, vom späten siebzehnten bis hin ins frühe neunzehnte Jahrhundert.
„Eine beeindruckende Kollektion“, sagte Mounir und studierte sie eindringlich.
„Ich kann Ihnen ein gutes Angebot machen. Ich fürchte, ich bin nicht mehr der Jüngste und ich möchte meinen Enkeln etwas hinterlassen.“
„Auch ich möchte ein Erbe hinterlassen“, sagte Mournir und stand auf. „Und auch wenn ich Ihnen gern den besten Preis für diese Karte, die Sie für eine Fälschung halten, und einige Ihrer anderen Stücke bezahlen würde, fürchte ich, dass ich Sie nicht am Leben lassen kann.“
Lucas Barrado starrte ihn für einen Moment ungläubig an und lachte dann lauthals los. „Was für ein guter Witz. Wollen Sie noch einen Drink?“
Mounir schüttelte seinen Kopf. „Ich scherze nicht, mein Freund. Ich sage Ihnen das nur, weil Sie ebenfalls ein Seemann sind und einen fairen Kampf verdient haben. Stehen Sie auf.“
„Glauben Sie nicht, dass Sie den Scherz etwas zu weit treiben?“, versicherte sich Barrado. Er hörte den Zweifel in seiner Stimme.
„Ich scherze nicht. Stehen Sie auf.“
Barrado starrte ihn noch einen Moment fassungslos an, lachte nervös auf und wandte dann seinen Blick ab. Er wedelte mit seiner Hand.
Plötzlich packte der alte Seemann jedoch die Whiskeyflasche am Hals, sprang auf und lies sie auf Mounirs Kopf niedersausen.
Er reagierte überraschend schnell für sein Alter und sein Arm war muskulöser und stärker als der von so manchem vierzig Jahre jüngeren Athleten. Doch Mounir war ebenso stark und weitaus schneller.
Der Berber packte Barrados Handgelenk und machte sich dabei den Schwung des alten Seemanns zunutze, um ihn auf den Tisch zu schleudern. Er riss ihm die Whiskeyflasche aus der Hand und achtete dabei sorgsam darauf, dass kein Tropfen der Flüssigkeit die wertvollen alten Karten beschmutzte. Dann holte er mit der Flasche aus, um zuzuschlagen.
Der alte Mann war jedoch nicht bereit, aufzugeben. Er sprang auf und hatte plötzlich einen Marlspieker in der Hand. Mounir wich zurück, um nicht aufgespießt zu werden. Barrado hatte ihn wohl als Vorsichtsmaßnahme unter dem Tisch versteckt.
Barrados Augen funkelten und er umrundete den Tisch, um den Kampf zu beenden.
Mounir warf die Flasche mit voller Kraft dem Mann entgegen, der kaum zwei Schritte von ihm entfernt war.
Auf diese Distanz blieb Barrado keine Zeit, auszuweichen.
Der alte Mann taumelte rückwärts – sein Gesicht war blutüberströmt –, stürzte und knallte mit dem Kopf gegen die Holzwand. Er sank entweder bewusstlos oder tot zu Boden.
Mounir würgte ihn zur Sicherheit noch ein wenig.Als der Mann ohne Zweifel tot war, stand Mounir auf, musterte ihn und hob seine Hand ans Herz, um ihm den letzten Respekt zu zollen. Danach schnappte er sich die Karten und durchsuchte das Schiff nach weiteren Wertsachen. Abgesehen von ein wenig Bargeld und einer Armbanduhr fand er nichts.
Er nahm außerdem das Funkgerät, das Radar und die Sonarsysteme mit. Er zog es vor, den Tatort wie ein aus dem Ruder geratener Überfall aussehen zu lassen, damit die Polizei nicht erkannte, weswegen er wirklich hier gewesen war.
Mit der Elektronik unter seinem Arm spähte er aus der Kabine hervor und beobachtete kurz den Pier. Keine Menschenseele war in Sichtweite. Ihre Auseinandersetzung war kurz und nicht besonders laut gewesen, und er hatte bei seiner Ankunft keine Lichter auf den umliegenden Schiffen gesehen. Auch jetzt war noch alles dunkel.
Mounir sprang zurück auf den Pier und ging schnellen Schrittes zu seinem Maserati.
Als er die Tür öffnete und einstieg, ließ der Somalier am Steuer den Motor an und grinste breit.
„Hast du erhalten, wonach du gesucht hast?“
„Ja, mein Freund. Wir werden schon bald die berühmteste Crew seit Blackbeard und den Barbarossa-Brüdern sein.“
„Und die reichste“, fügte der Somalier hinzu.
„Es gibt noch mehr auf dieser Welt als Reichtum, mein Freund“, erwiderte Mounir und warf dem Pier einen letzten Blick zu, während sie davonfuhren. „Zum Beispiel Macht und Ruhm.“
„Das alles werden wir haben“, meinte der Malaie auf dem Rücksitz.
Die griechische Küste, östlich von Athen
8:15 Uhr
Am nächsten Morgen
Jacob Snow raste in seinem roten Camaro die Küstenstraße zu seinem Bungalow entlang. Sein Tacho zeigte einhundertsechzig Stundenkilometer. Er war auf dem Weg zu einem Date, jedenfalls hoffte er das, und seine Schultern waren verspannt. Tiefe Furchen standen ihm auf der Stirn, weitaus mehr, als es die Serpentinen der Schnellstraße erforderten.
Seine mal mehr, mal weniger offizielle Freundin Gabriella Cremonesi, eine wunderschöne italienische Wildfotografin, wartete bereits auf ihn. Sie war zehn Jahre jünger als Jacob und ihre Karriere war ihr mindestens genauso wichtig, wie Jacob seine war. Sie wollte nicht mehr als ein wenig Spaß von ihm, ohne den Zwang, den romantische Beziehungen sonst mit sich brachten.
Das war es auch, was Jacob wollte. Bei seinem Job war es nicht fair, mehr von einer Partnerin zu verlangen. Er konnte nicht dafür garantieren, dass er nächste Woche überhaupt noch am Leben sein würde, ganz zu schweigen von nächstem Jahr.
Er schüttelte diese Gedanken ab und dachte daran, wie ihre Stimme geklungen hatte, als sie telefoniert hatten. Etwas an ihrem Tonfall sagte ihm, dass Gefahr im Verzug war.
Sie hatte leise gesprochen, fast geflüstert, und ihn weitaus früher als üblich angerufen.
„Könntest du zur Poseidon Taverna kommen? Ich glaube ich werde verfolgt.“
Bei diesen Worten waren sofort sämtliche Alarmglocken losgegangen. Gabriella war wegen der Arbeit in Athen. Sie sollte Meeresvögel filmen, die ihre Nester auf mehreren kleinen Felsinseln vor der Küste gebaut hatten. Es war ein Glück für sie beide, dass sie gerade hierher berufen worden war, wo er sein behelfsmäßiges Zuhause hatte.
Nicht, dass er es ihr jemals zeigen konnte. Der genaue Standort des Hauses war streng geheim.
Während er auf hundertneunzig beschleunigte, ließ er sich ihr Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen.
„Warum denkst du, dass du verfolgt wirst?“
„Ich bin allein runter zum Strand, um noch einige Aufnahmen vom Sonnenaufgang zu machen. Meine Crew ist heute mit dem Bearbeiten der Aufzeichnungen beschäftigt. Dort ist mir ein Mann aufgefallen. Erst habe ich mir nichts dabei gedacht, bis er auf mich zugekommen ist. Ich habe ihm zugerufen, dass er doch bitte wegbleiben soll, weil ich eine Weitwinkelaufnahme gemacht habe. Da ist er einfach stehen geblieben und hat mich angestarrt. Unheimlich. Und dann, als ein Jogger vorbeikam, hat er sich umgedreht und ist davongegangen.“
„Hast du ihn noch einmal gesehen?“
„Ja. Als ich zurück zu meinem Auto gegangen bin, stand er oben am Kliff. Er war zum Meer gewandt, aber ich habe gesehen, wie er mich über seine Schulter hinweg angesehen hat. Das ist noch nicht alles. Ich bin hierher, in die Poseidon Taverna, um zu frühstücken und vor gerade zwei Minuten war er draußen am Fenster und hat hineingesehen. Er hat mich direkt angeschaut!“
„Okay. Ich bin sofort da. Bleib in der Taverna, wo dich die Mitarbeiter im Auge haben.“
Er fuhr um die nächste Kurve und nahm sie so scharf, dass er über den Mittelstreifen fuhr. Er musste einem LKW ausweichen, der ihm entgegen kam. Jacob war derart konzentriert, dass er sein lautes Hupen nicht einmal wahrgenommen hatte. Auch den wunderschönen Ausblick über die Hügel zu seiner Rechten, auf denen zahlreiche weiße Häuser mit roten Dächern standen, und das glitzernde blaue Wasser des Mittelmeers zu seiner Linken bemerkte er gar nicht, geschweige denn den klaren Himmel, den nur wenige weiße Wölkchen zierten.
Alles, worauf er achtete, war die Straße vor sich und der Gedanke daran, wer es wohl auf Gabriella abgesehen haben könnte.
Er redete sich ein, dass es einfach ein Stalker war. Gabriella Cremonesi war schließlich wunderschön und sie war allein am Strand gewesen, bis der Jogger aufgetaucht war. Und dann hatte der Kerl oben am Kliff auf sie gewartet. Jacob kannte den Strand, von dem sie erzählt hatte, und er wusste, dass man von oben aus einen perfekten Ausblick über ihn hatte. Wahrscheinlich hatte der Typ sogar Fotos von ihr gemacht. Anschließend musste er in sein Auto gestiegen und ihr gefolgt sein.
Und jetzt lungerte er an der Taverna herum.
Das war die wahrscheinlichste Erklärung.
Doch Jacob Snow hatte nicht dutzende CIA-Missionen überlebt, weil er bloß an die naheliegendste Möglichkeit glaubte.
Eine andere Erklärung war, dass jemand hinter ihm her war und sie für diesen Zweck benutzte.
Sie waren bereits seit mehr als einem Jahr zusammen und etliche Male in der Öffentlichkeit gemeinsam unterwegs gewesen, sei es mitten in Athen oder an den herrlichen Stränden östlich von Griechenlands Hauptstadt. Er hatte sie nie mit zu seinem Haus genommen, doch wenn Späher für eine der zahlreichen Terroristengruppen oder Sicherheitsfirmen feindlicher Regierungen sie beobachteten, könnten sie leicht schlussfolgern, dass er hier in der Nähe eine Unterkunft hatte.
Und wie würden sie ihn schneller anlocken können, als genau damit, was jetzt gerade vor sich ging – seine Freundin dazu zu bringen, ihn verängstigt anzurufen?
Aber er konnte sie nicht einfach allein lassen. Wenn es tatsächlich nur ein Stalker war, musste er Gabriella zur Seite stehen. Und wenn mehr dahintersteckte, planten sie womöglich, Gabriella zu entführen.
Er musste sich einen Plan zurechtlegen. Er hatte die Poseidon Taverna fast erreicht.
Jacob wünschte sich, dass er die Taverna und ihre Umgebung besser kannte. Es war ein Ort für Touristen, ein beliebter Halt für Bustouren dank der wunderschönen Aussicht über das Meer. Eigentlich nicht gerade die Art von Etablissement, in der sich Gabriella gern aufhielt, doch es war das einzige Gasthaus, das um diese Uhrzeit bereits Frühstück anbot.
Jacob ließ sich die Situation durch den Kopf gehen. Der erste Bus war wahrscheinlich noch nicht angekommen. Normalerweise waren sie nicht vor neun auf den Straßen unterwegs. Das bedeutete, dass sie wahrscheinlich allein war, abgesehen von den Mitarbeitern und ein oder zwei weiteren Frühaufstehern.
Gut. Weniger Gäste bedeutete weniger unschuldige Passanten, Zeugen und weniger mögliche Feinde. Doch sollten sie ihm auflauern, war es möglich, dass ihn bereits ein Scharfschütze erwartete.
Seine Reifen quietschten, als er hart bremste und auf einem Rastplatz an der Straße stehenblieb. Er war weniger als einen Kilometer von der Poseidon Taverna entfernt.
Kurz blickte er sich um, doch es war niemand hier. Ein Auto fuhr vorbei, aber das war das einzige Lebenszeichen weit und breit, abgesehen von den Schiffen am Horizont und den Möwen über ihm. Jacob schnappte sich eine Sporttasche vom Beifahrersitz. In ihr befand sich ein kompaktes, aber äußerst hochwertiges Fernglas, eine kleine MP5-Maschinenpistole, Ersatzmagazine, sowie zwei Blendgranaten, die er von zu Hause mitgebracht hatte.
Er schlang sich die Tasche über die Schulter. Den Reißverschluss hatte er halb geöffnet, damit er schnell jenes tödliche Instrument zücken konnte, das er benötigte. Er stieg aus und rannte die zweispurige Straße entlang. Dann sprang er auf den nächsten Felsen und erklomm die Böschung wie eine Bergziege.
Innerhalb von Minuten befand er sich oben auf dem Klamm. Er rannte weiter und warf immer wieder einen Blick nach unten auf die Straße unter ihm.
Nach kurzer Zeit sah er die Poseidon Taverna vor sich. Es war ein langes, rechteckiges Gebäude mit einem roten Ziegeldach, einem großen Parkplatz vorn an der Straße und einer überdachten Terrasse, die nach hinten zum Meer hinausging. Gabriella fuhr einen Mietwagen, also wusste Jacob nicht, welches der vier Autos auf dem Parkplatz ihr gehörte.
Jacob musterte die Taverna nur für einen Moment, bevor er nach rechts davon hastete.
Er rannte, so schnell er konnte, um keine Zeit zu verschwenden, bevor der potenzielle Stalker etwas unternahm.
Dabei hoffte er, dass es tatsächlich nur ein Stalker war. Er würde ihn in die Flucht schlagen, Gabriella würde beeindruckt sein und sie würden den Rest des Tages damit verbringen, durch die Stadt zu schlendern und Liebe zu machen.
Aber wenn die Sache so ernst war, wie er vermutete, wartete eine große Portion Ärger auf ihn. Er würde nicht nur seine Feinde ausschalten, sondern Gabriella ebenfalls gestehen müssen, wer er wirklich war.
Doch zuerst musste er sich konzentrieren – er musste die Taverna umrunden, die Situation einschätzen und jegliche Gefahr neutralisieren, die er entdeckte.
Die gnadenlose griechische Sonne brannte auf ihn nieder, während er sich durch das karge Gelände, das aus nichts als Felsen und Olivenbäumen zu bestehen schien, kämpfte. Er versuchte, die Gedanken daran zu vertreiben, in welcher Gefahr sich seine Freundin befand.
Endlich hatte er die Taverna umschritten und befand sich nun hinter ihr. Jacob legte sich hin und kroch an den Rand der Klippen. Seine Tasche lag auf seinem Rücken und die Waffen pressten hart gegen sein feuchtes Hemd.
Halb hinter einem Felsen verborgen sichtete er die Umgebung.
Auf dem Parkplatz war niemand. Ein paar Autos fuhren auf der Straße vorbei. Keines von ihnen wurde langsamer, bevor sie schließlich wieder verschwanden. Nach einer Minute kam ein Mann in einer weißen Schürze aus der Taverna. Er schien etwas in den Händen zu halten. Jacob war zu weit entfernt, um zu erkennen, was es war.
Er zückte sein Fernglas und richtete es auf den Mann. Er rauchte. Er trug keine sichtbaren Waffen und wirkte nicht, als hielt er Ausschau.
Der Mann drehte sich um, um etwas zu jemandem zu sagen, der sich noch im Gebäude befand. Dann drehte er sich erneut um und zog an seiner Zigarette.
Jacob musterte die Umgebung. Sonst war niemand hier. Der Raucher, von dem er sich jetzt zu neunundneunzig Prozent sicher war, dass es sich um den Koch handelte, warf seine Zigarette von sich und ging zurück hinein. Er ließ die Tür offen, um die morgendliche Brise hereinzulassen. Oder, um den Parkplatz unbemerkt beobachten zu können.
Etwas beruhigt, doch immer noch vorsichtig, stand Jacob auf und machte sich daran, die Böschung hinabzusteigen. Auch wenn er so deutlich sichtbar war, würden reguläre Passanten einfach annehmen, dass er auf einem Spaziergang war und sich verlaufen hatte. Feinde wiederum würden sich auf ihn stürzen und so wenigstens Gabriella in der Taverna in Ruhe lassen. Es gab genug Felsen auf dem Abhang, um sich im Notfall zu verstecken.
Falls er eventuelle feindliche Schützen denn überhaupt entdeckte, bevor sie auf ihn feuerten. Er musterte das Gebäude erneut und stolperte fast, weil er nicht auf den Boden vor sich achtete, während er den Abhang hinablief.
Keine Schüsse ertönten. Jacob schaffte es bis ganz nach unten und an den Straßenrand. Niemand tauchte hinter dem Gebäude oder in einem der Fenster auf. Es achtete nicht einmal jemand auf ihn, abgesehen von einem LKW-Fahrer, der ihn neugierig anblickte, während er langsam vorbeifuhr.
Jacob kam sich fast schon komisch vor, als er über die Straße zum Eingang der Taverna eilte.
Er warf einen Blick durch die offene Tür. Ein älteres griechisches Pärchen saß an einem der Tische. Ein Bediensteter hatte ihm dem Rücken zugewandt und blickte durch eines der großen Fenster, die nach hinten zur Terrasse hinausgingen.
Jacob ging rechts um das Gebäude herum und spähte durch die Tür, durch die der Raucher herausgekommen war. Wie er vermutet hatte, befand sich dort die Küche. Der Mann war damit beschäftigt, Spiegeleier zu braten, während ein Jugendlicher Geschirr abwusch und seinen Kopf im Takt der Musik, die er über seine Kopfhörer hörte, nickte.
Jacob ging auf Zehenspitzen weiter, bis er die Terrasse erreichte. Auf dem Steinboden standen mehrere Topfpflanzen verteilt und die Tische hier hinten waren überdacht. Nur einer von ihnen war besetzt.
Gabriella saß allein an ihm und blickte von Zeit zu Zeit über ihre Schulter ins Innere der Taverna.
War der Stalker im Innenraum? Er hatte ihn nicht gesehen, aber es hatte auch ein paar tote Winkel gegeben.
Jacob eilte zurück zur Vordertür und schnallte den Rucksack über seine rechte Schulter. Er legte eine Hand hinein und auf die MP5. Dann betrat er die Taverna. Er tat so beiläufig, wie er konnte, auch wenn seine Nerven bis aufs Äußerste angespannt waren.
Er ließ seinen Blick über den Innenraum schweifen. Es war niemand hier außer dem älteren Pärchen und dem Bediensteten, es sei denn, der Stalker hatte sich im Klo versteckt.
Der Mitarbeiter drehte sich zu ihm um.
„Herzlich willkommen“, begrüßte er ihn auf Englisch. „Würden Sie gern drinnen oder draußen sitzen?“
„Draußen. Vielen Dank.“
Jacob ging an ihm vorbei und hinaus auf die Terrasse. Es war niemand hier außer Gabriella.
Die junge Italienerin drehte sich um und erkannte ihn.
Sie stand auf und lächelte erleichtert. Ihm fiel auf, dass sie eine andere Frisur hatte.
Genauso erleichtert erwiderte er ihr Lächeln. Es war kein Stalker in Sicht und niemand hatte aus einem Versteck auf ihn geschossen. Sie war sicher.
Nur einen Moment später fiel ihm die einsame Tasche am Tisch nebenan auf.
Es war eine einfache Sporttasche. Sie sah vollgestopft aus. Er konnte darin nur einen kantigen Gegenstand erkennen, der von Innen gegen den Stoff drückte. Sie lag mitten unter dem Tisch und war zwischen den Stühlen kaum zu sehen.
„Gabriella, lauf rein!“
Sie sah ihn verwirrt an. Im nächsten Moment blitzte es auf und ein ohrenbetäubender Knall ertönte. Gabriella wurde zur Seite geworfen und Blut spritzte aus etlichen Wunden in alle Richtungen. Jacob spürte, wie ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wurde.
Ein Feld in der Nähe von Asilah, im Nordwesten Marokkos
Jana Peters wischte sich die Hände an ihrer Jeans ab und seufzte. Sie und ihre Crew hatten endlich den letzten Graben ihrer archäologischen Ausgrabung aufgefüllt.
Es waren aufregende drei Monate gewesen, in denen sie die Überreste einer römischen Villa freigelegt hatten, inklusive eines riesigen Mosaiks, das alle zwölf Tierkreiszeichen abbildete. Ihr Team hatte hart gearbeitet und sogar allein weitergemacht, als sie zweimal auf unerwartete Weise hatte verschwinden müssen, um „ihrer kranken Schwester zu helfen.“
In Wahrheit hatte sie die Welt gerettet. Zweimal.
Diese Tatsache machte es schwer, sich auf die Archäologie zu konzentrieren.
Und doch war es eine erfolgreiche Expedition gewesen und ihre zahlreichen Entdeckungen würden es leicht machen, erneute Förderungsmittel zu beantragen, um zurückkommen zu können. Nur noch zwei Tage Laborarbeit und sie würden den langen Flug nach Hause antreten. Anschließend würde es noch länger dauern, an die nötigen Finanzmittel zu kommen und die Ergebnisse der Ausgrabung zusammenzutragen.
Brian Tanner ging zu ihr herüber. Er war ein älterer Student, der vor seinem Archäologiestudium eine andere Karriere verfolgt hatte, und mehr oder weniger in ihrem Alter – und sie hatte mehr oder weniger Interesse an ihm.
Er im Gegensatz hatte definitiv Interesse an ihr.
„Sieht aus, als wären wir fast fertig“, sagte er und blickte sie an. Seine blauen Augen sahen äußerst attraktiv aus, jetzt, wo sein Gesicht so braungebrannt war.
„Ja, fast“, sagte sie und erwiderte seinen Blick.
„Wie geht es deiner Schwester?“
„Ach, schon besser.“
„Das freut mich. Ich hoffe, du musst nicht noch einmal verschwinden, bevor wir zusammengepackt haben“, scherzte er.
„Man weiß nie“, flüsterte Jana.
Sie dachte an den geheimnisvollen Mann, dank dem sich ihr Leben verändert hatte. Jacob Snow.
Jana kannte ihn schon länger flüchtig, seit ihr Vater ihn unter seine Fittiche genommen hatte. Ihr Vater hatte mehr Zeit mit ihm als mit ihr verbracht, ihn ausgebildet und war gemeinsam mit ihm auf etliche Missionen gegangen. Sie kannte die Details nicht. Sie waren streng geheim.
Aber sie würde es schon noch herausfinden. Jetzt wusste sie schließlich, wie.
Ihr gesamtes Leben lang hatte sie es ihrem Vater vorgehalten, dass er so abwesend gewesen war. Als sie volljährig geworden war, hatte sie ihm ein Ultimatum gestellt – entweder für ihren einundzwanzigsten Geburtstag anwesend zu sein, oder nie wieder Kontakt mit ihr zu haben. Er war nicht gekommen. Seine Entschuldigung war schwammig und es war klar gewesen, dass er irgendwelche Staatsfeinde in einem gottverlassenen Land hatte niederschießen müssen.
Das war der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte und seit langer Zeit schon trug sie diesen Hass mit sich.
In den letzten Monaten war dieser Hass zumindest ein wenig verblasst. Ihre Expertise war nötig gewesen, Jacob bei zwei Missionen zu helfen, auf die er geschickt worden war. Sie war bis ans andere Ende der Welt gereist und hatte einen Einblick in die Welt bekommen, in der er und ihr Vater lebten – oder gelebt hatten. Es war eine Welt, in der mächtige Kräfte darum rangen, entweder Ordnung oder Chaos zu verbreiten.
Sie hatte selbst mit angesehen, wie knapp ihre Welt vor dem Abgrund stand und sie hatte Jacob dabei geholfen, das Ruder herumzureißen.
Dieses Mal jedenfalls.
Zweifelsohne würde die nächste Bedrohung nicht auf sich warten lassen. Das verstand sie jetzt nur zu gut.
„Du machst dir Sorgen um sie“, sagte Brian.
„Hm?“ Jana war so tief in Gedanken versunken, dass sie ganz vergessen hatte, dass sie sich unterhalten hatten.
„Um deine Schwester.“
„Oh. Ja. Es ist längst noch nicht alles in Ordnung.“
„Ich wünschte, ich könnte helfen.“
Jana zuckte mit den Schultern. „Ich auch.“
„Nun, deiner Schwester kann ich nicht helfen, aber vielleicht kann ich dich aufmuntern.“ Brian zögerte und schlug dann vor: „Wie wäre es, wenn wir zu diesem kleinen Meeresfrüchterestaurant in Asilah gehen? Omar ist ein großartiger Koch, aber ich könnte etwas Abwechslung gebrauchen. Das Essen hier wird nach einer Weile doch ein wenig langweilig.“
Jana sah ihm in die Augen und erblickte darin Nervosität und Hoffnung. Er musste nicht extra betonen, dass das „wir“ nicht den Rest ihrer Crew beinhaltete.
Seit ihres gesamten Ausfluges tänzelten sie schon umeinander herum. Natürlich fand sie ihn attraktiv, aber sie war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich den nächsten Schritt gehen wollte, wenn nach der Ausgrabung sowieso alles wieder vorbei wäre. Er lebte in einem anderen Bundesstaat. Sie das Gefühl, dass er aus den gleichen Gründen zögerte und ganz abgesehen davon war sie sein Boss.
Und dann war zu allem Überfluss Jacob aufgetaucht und hatte ihre Gefühlswelt noch mehr durcheinander gebracht. Diese Gefühle wollte sie nicht einmal benennen, geschweige denn sich bewusst mit ihnen auseinandersetzen.
„Sicher doch. Gehen wir“, stimmte sie schließlich zu. Er grinste. Doch dann erinnerte sie sich an den Zoom-Termin, den sie mit einem ehemaligen Kollegen ihres Vaters vereinbart hatte. „Ich muss allerdings um zehn wieder zurück sein. Ich muss mit… meiner Familie sprechen.“
Brian lächelte sie verunsichert an. „Kein Problem.“
***
Um fünf vor zehn saß Jana wieder in ihrem Zelt und fuhr ihren Laptop hoch. Dank ihrer Satellitenverbindung konnte sie sich ins Internet einwählen. Sie hatte Kopfhörer an, damit niemand ihrer Crew Hank Gunners Seite der Konversation mithören konnte. Sie würde so vorsichtig sein, wie sie nur konnte. Mehr als einmal hatte sie ihre Crew bereits darüber tuscheln hören, warum sie in Wirklichkeit weg gewesen war und wer ihr nach dem Leben getrachtet hatte. Längst nicht jeder glaubte ihre Ausrede mit der kranken Schwester, auch wenn keiner von ihnen nur annähernd wusste, wie verrückt die Wahrheit war.
Der arme Brian. Das Abendessen war nicht so gelaufen, wie er sich erhofft hatte. Das Essen war zwar köstlich gewesen und der Ausblick über den Sonnenuntergang über dem Atlantik atemberaubend, aber sie war nicht die beste Gesprächspartnerin gewesen. Sie hatte einfach nicht anders können, als an Gunner zu denken und daran, was er ihr wohl in ihrem Gespräch verraten würde. Sie war abgelenkt und schweigsam gewesen.
Hoffentlich verübelte er ihr den Abend nicht, denn sie war eigentlich alles andere als abgeneigt.
Oder zumindest glaubte sie das.
Doch genug davon. Sie wollte Antworten und Hank Gunner war derjenige, der sie ihr wahrscheinlich geben konnte.
Sie leckte sich über die Lippen, blickte zum fünften Mal auf die Uhr und klickte schließlich auf Verbinden.
Es klingelte und Jana rückte auf ihrem Stuhl zurecht. Gunner war einer der wenigen Männer beim Gedenkgottesdienst für ihren Vater gewesen – eine Leiche wurde nie gefunden –, der ihr angeboten hatte, dass sie ihn jederzeit anrufen konnte. Sie wusste, dass er und die anderen es ernst gemeint hatten, und doch hatte sie sich nie gemeldet. Sie wollte nur ungern an die Beziehung mit ihrem Vater erinnert werden und an all das, was hätte sein können, aber nie gewesen war.
