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Zara träumt von Heldentaten. Jeden Abend bekommt das Mädchen eine Gute-Nacht-Geschichte von ihrer Mutter vorgelesen. Am liebsten mag sie die Sage von Zora, der legendären Kriegerin, welche sich zusammen mit ihrem Löwen Moya, dem Magier Io und dem kleinen Drachen Chi auf den Weg macht, ihren Liebsten zu retten. Dabei lernen sie auf ihrer langen Reise durch Anthalia wundersame Wesen kennen und müssen viele Gefahren überstehen, bevor sie auch noch in eine finstere Schlacht zwischen Gut und Böse geraten. Können sie den scheinbar unmöglichen Weg bewältigen, und wird Zora es am Ende noch rechtzeitig schaffen und ihren Verlobten vor dem sicheren Tod bewahren?
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2014
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A. J. Benada
ZORA
Die legendäre Kriegerin
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV
XVI
XVII
XVIII
XIX
Impressum neobooks
'Neeeein, lass mich am Leben! -- B-bitte!‘
Die Stimme zitterte stark.
'Und warum sollte ich das tun?‘ knirschte eine andere Stimme in der Dunkelheit.
'W-wenn du es nicht t-tust... dann k-kommen sie u-und töten dich!!‘
Die zweite Stimme hielt für einen kurzen Moment inne.
Dann begann sie wieder zu sprechen, und jede einzelne Silbe bestand aus purer Furchtlosigkeit.
'Ich -‘ flüsterte sie kalt ‚--- bin eine Kriegerin. - Ich habe keine Angst!‘
'Zara, es ist Zeit ins Bett zu gehen!‘
'Ich will aber noch nicht. Lieber spiele ich noch ein bisschen mit Moya.‘
'Bist du dir sicher Schatz? - Und dabei wollte ich dir doch heute deine Lieblingsgeschichte vorlesen.‘
'Eeeecht?!!‘
Wie ein Wirbelwind schoss Zara durchs Zimmer, räumte hier auf, legte dort ihr Schulzeug zurecht - bis sie endlich mit blank geputzten Zähnen, halbwegs gekämmten Haar und voller Ungeduld auf ihrem Bett zwischen den bunten Kuschelkissen saß.
Die Mutter schüttelte verwundert ihren Kopf.
So schnell hatte sie ihre Kleine noch nie ins himmelblaue Nachthemd schlüpfen sehen.
'Fertig!‘ grinste Zara schließlich und in ihren großen braunen Augen glitzerte unbändige Vorfreude. Sie schnappte sich ihren kleinen Kater Moya, welcher sich sogleich auf ihrem Bauch eintrollte und müde vor sich hinschnurrte. Dann wurde die Tischlampe angeknipst und behutsam setzte sich die Mutter zu Zara auf die Bettkante.
'Nun, ich bin mir zwar immer noch nicht ganz sicher, ob das Buch nicht doch zu... beängstigend für eine Elfjährige wie dich ist...‘
'Oooch Mama!‘ Das Mädchen sah seiner Mutter tief in die besorgten Augen.
Diese zögerte kurz, dann seufzte sie leise. Sie konnte dem bettelnden Blick ihrer süßen Tochter einfach nicht widerstehen.
'Schon gut, ich hab ja nur Spaß gemacht.‘ Sie lächelte.
Zara quietschte vergnügt auf und umarmte ihre Mutter ganz fest.
'Also, wenn du mich irgendwann loslässt, können wir vielleicht anfangen, Schatz‘ lachte diese.
'Oh, okay.‘ Zara grinste spitzbübig.
Sie lehnte sich zurück in ihre Kissen und schloss die Augen.
Schon im nächsten Augenblick fühlte sie sich als wäre sie nicht mehr in ihrem Zimmer, sondern in einem Traum – wie in einer ganz anderen Welt, in welche sie die sanfte Stimme ihrer Mutter hinüber trug...
Anthalia war ein großes, weites Land. Keine Seele hatte jemals die Grenzen seines riesigen Reiches zu Gesicht bekommen, geschweige denn sie übertreten.
Nicht nur Magie und Geheimnisse, sondern vor allem seine unbeschreibliche Schönheit und abgrundtiefen Schatten zeichneten Anthalia aus.
Es war das Zuhause von verwunschenen Wesen, unglaublichen Kreaturen und den fantastischsten Märchen, die man sich überhaupt vorstellen konnte.
Anthalia war -- ja, einfach einzigartig.
Das kleine Dorf, in dem Zora lebte, schmiegte sich auf der einen Seite schutzsuchend an ein von Kiefern gesäumtes Gebirge; auf der anderen Seite wurde es von einer endlosen Ebene gesäumt.
Ein breiter Fluss schlängelte sich durch den Ort, welcher die Gemeinschaft täglich mit frischem Wasser versorgte.
Die Bewohner waren einfach Leute. Selten kam jemand von außerhalb vorbei, höchstens ein Dutzend Reisende pro Jahr. Jeder kannte hier jeden und wenn man sich noch nicht begegnet war, dann geschah dies spätestens bei eines der zahlreichen Feste, die zu jedem möglichen und unmöglichen Anlass gegeben wurden.
Allerdings blieben diese feuchtfröhlichen Gelage in letzter Zeit aus. Grund dafür war die gnadenlose Wärme, welche sich wie ein Tuch über das friedliche Fleckchen gelegt hatte, und dieses nun zu ersticken drohte. Nicht nur wurde der lebenswichtige Fluss immer mehr durch die brütende Hitze ausgetrocknet, auch schrumpfte den Bauern ihre Ernte einfach unter der Hand weg.
Die verzweifelte Gemeinde konnte nichts anderes tun als sich der grausamen Laune der Natur zu beugen und machtlos dabei zusehen, wie sie Vieh, Menschen und Pflanzen unaufhaltbar ausdürrte, sie verwelken lies und einen nach dem anderen dahinraffte.
Doch das Schlimmste stand ihnen noch bevor.
Die Nacht war erfüllt von stetiger Unruhe und kläglichen Schreien der hungernden Kinder.
Zora spürte jeden einzelnen von ihnen wie einen Stich in ihrem Herzen. Seit Stunden schon wälzte sie sich in ihrem Bett von einer Seite auf die andere. Tausend Fragen spukten ihr im Kopf herum bis er brummte wie ein überfüllter Bienenstock.
Nur Fragen. Keine Antworten.
Wie wird es weitergehen? Was sollte nur werden? Wie lange wird sie hier noch überleben können?
Was wird bloß der nächste Tag bringen? Oder sollte sie besser fliehen wie ihre Nachbarn? Aber wohin?
Und was würde dann aus dem Dorf? Und aus Amon, ihrem Verlobten..?
Sie drehte sich um und betrachtete liebevoll sein Gesicht. Amon. So schön und stark. So schüchtern und schlau. Er war der erste Mann, der sie wirklich interessiert hatte.
Aber er hatte nur Augen für die anderen Mädchen gehabt, und so hatte sie ihre Sehnsüchte und Hoffnungen tief in ihrem Inneren verborgen.
Eines Abends dann hatte er sie beim wöchentlichen Dorffest angesprochen.
Zora lächelte bei dieser Erinnerung.
Damals war sie vor Schreck über ihr Festkleid gestolpert und fast hätte sie glatt eine peinliche Bruchlandung hingelegt, hätte er sie nicht im letzten Augenblick galant aufgefangen. Sie schenkte ihm dafür ein riesiges Lächeln. Sie waren hinunter zum Fluss gegangen, wo sie einander stundenlang Geschichten erzählt, Sterne betrachtet und den Geräuschen der Nacht gelauscht hatten.
So lernten sich die beiden langsam kennen, bei jedem Fest ein wenig mehr, und schon bald wusste Zora fast alles über den jungen Bauern. Wenn sie sich trafen, brauchte es keine großen Worte. Nach einem kurzen Blick auf ihre Gesichter wussten sie immer sofort in welcher Stimmung der andere sich diesmal befand. Ob er heute stur und verärgert war, oder ob sie sich traurig und irgendwie mutlos fühlte. Doch meistens verbrachten sie eine fröhliche Zeit miteinander. Auch nachts. Immer öfter kam es vor, dass Zora im Haus von Amon schlief, wo er gern sein Bett mit ihr teilte.
Die beiden waren jederzeit füreinander da, teilten sich Freud, Leid und Geheimnisse; und sie versüßten sich gegenseitig den Tag mit kleinen Überraschungen.
Oder mit großen. Wie zum Beispiel der schlichte, schöne Ring den er ihr nach einem Bad im Fluss, als sie sich auf der Wiese gesonnt und getrocknet hatten, ansteckte. Sie hatte ihn erstaunt angeschaut und seine klaren Worte vernommen.
'Willst du meine Frau werden?'
Sie war komplett sprachlos gewesen, es war wie in einem Traum, und als sie sich gefasst hatte, nickte sie nur, Tränen in den Augen; und er hatte sie lachend gepackt, sie wie eine Feder in die Luft gehoben und herumgewirbelt bis ihnen schwindelig geworden war.
Zora konnte sich ein Leben ohne ihren Amon nicht mehr vorstellen. Er war ihr ein und alles.
Sanft strich sie ihm über die Haare und küsste ihn.
Nein, sie würde nirgendwo ohne ihn hingehen.
Leise erhob sie sich, ging zu dem kleinen Fenster hinüber und öffnete es vorsichtig.
Die Nacht war stickig und drückend heiß. Zora seufzte.
Normalerweise brauchte sie zu dieser Jahreszeit ein wollenes Nachthemd, aber nun war ihr sogar Amons Körperwärme unerträglich, was sie betrübte. Schließlich liebte sie den Klang seines Atem in ihrem Ohr wie ein Geflüster, und sie wollte ihn ganz nah bei sich zu wissen.
Irgendetwas lag in der Luft. Sie spürte es.
Zora wischte sich die winzigen Schweißtropfen von der Stirn und kniff ihre Augen zusammen. Was war das für ein roter leuchtender Punkt dort hinter der Lichtung? Sie beobachtete wie er größer und größer wurde.
Plötzlich hallten dumpfe Rufe durch die Dunkelheit. Stimmen erwachten, wurden lauter.
'Was ist da los?'
Amon war aufgesprungen. Verwirrt blickte er Zora an, kratzte sich am Kopf und war mit drei Schritten bei ihr. Sie zeigte auf den Punkt in der Ferne.
'Dort.'
Er folgte ihrem Blick.
'Was ist das nur?'
Amon konzentrierte sich. Er konnte nicht viel sehen., nur Nebel und Rauch und -- Halt. Wieso Rauch? Und mit einem Mal wusste er es. Es traf ihn wie ein Schlag.
Er packte sie am Arm.
'Zora, das ist ein FEUER!'
Der Wald brannte als erstes. In Sekundenschnelle sprangen die Funken auf die strohbedeckten Dächer der einfachen Dorfhäuser über und verbreiteten sich rasend.
Im nächsten Moment stand alles in Flammen.
Zora und Amon warfen sich ihre Kleidung über und rannten hinaus auf die Straße.
Die Szenerie, die sich ihnen bot, schien ein einziges Chaos. Überall war Panik ausgebrochen, Mensch und Tier stolperten übereinander. Manche von ihnen hatten Feuer gefangen und ihre Schreie gingen Zora durch Mark und Bein. Sie dachte, dass sich ihre entsetzten, schmerzerfüllten Gesichter für immer in ihrer Seele einbrennen würden. Es glich der Hölle. Und sie war mittendrin.
In dem ganzen Wirrwarr hatten einige Dörfler so etwas wie eine Art Wasserkette gebildet. Sie führte zum Fluss, welcher in letzter Zeit aber eher zu einem Bach geschrumpft war. Amon sah Zora an.
'Du gehst zum Ufer hinunter und hilfst beim Löschen... schnell!' sagte er bestimmt.
Er drückte ihr kurz einen Kuss auf die Wange zu und hastete dann in Richtung der Flammen.
'Was hast du vor?' rief sie ihm hinterher. Ihre angsterfüllte Stimme wurde vom Rauch erstickt und sie musste husten.
Der Brand war gelöscht.
Eine eigenartige Stille legte sich über das gesamte Dorf.
Oder zumindest über das was davon übrig geblieben war.
Die Überlebenden sahen sich um.
Es glich einem einzigen Haufen Asche. Nur wenige Häuser standen noch.
Zora war am Ende ihrer Kräfte. Sie fühlte sich todmüde, ihr schmerzte alles und obendrein war ihr schlecht vom Gestank der vielen Toten.
Amon, dachte sie. Wo ist er?! Ich muss ihn suchen!
Jemand half ihr auf.
Mit wackeligen Beinen stolperte sie durch die Straßen. Vergeblich, Amon war nicht aufzufinden.
Irgendwann gab Zora auf und kehrte zu ihrem zerstörten Haus zurück.
Dort, bei den Trümmern, fand sie ihn schließlich.
Er war tot.
Als sie ihn sah, blieb ihr das Herz stehen.
Für eine Sekunde, oder zwei.
Sie eilte zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie.
'Nein, nein' flüsterte sie.
Sie versuchte das Unmögliche zu begreifen.
'NEIN!' schrie sie den verrauchten Himmel an. 'NEEEEIN!!'
Wieso hatter er sie verlassen? Sie nahm sein Gesicht in ihre zitternden, blutigen Hände, schloss die Augenlider und küsste noch einmal, zum letzten mal seinen Mund.
Dann weinte sie lange, weinte um ihren Liebsten.
Jemand rief ihren Namen.. Aber sie antwortete nicht. Sie wollte nichts hören, niemanden sehen. Nie mehr sprechen. Sie wollte nur weinen. Und schlafen, für immer schlafen.
'Zora!'
Die Stimme war nun deutlich näher. Sehr nah. Genauer gesagt, direkt an ihrem Ohr.
Jemand hatte sich zu ihr heruntergebeugt.
'Lass mich allein' schluchzte Zora, das tränenüberströmte Gesicht zu Boden gerichtet.
'Ich bin Baba, die Dorfälteste und ich gebe dir einen Rat, mein Kind. Lass es nicht zu, dass endlose Trauer dein Herz verdirbt. Es wird deinen Amon auch nicht wieder zurückbringen.'
Zora hielt ihren Kopf gesenkt.
