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Belina und Zora hatten den Großteil ihres Lebens in Südafrika verbracht, als eine Serie von Schocks ihr Leben erschütterte: Ein bewaffneter Einbruch in ihr Haus, das Ershießen des Bruders eines Freundes, Car-jacking von Freunden und die Vergewaltigung der schwangeren Tochter eines Klienten. Dazu kam der plötzliche Entschluss das Wahlland zu verlassen, dies zehrte an Körper und Seele. In Wien angekommen, war der Prozess einer erneuten Eingliederung in eine veränderte Gesellschaft beschwerlich. Jedoch durch die Hilfe von neuen Freunden und einer Unterstützung vom Staat waren die anfänglichen Hürden des Fremdseins zu meistern. Die monatelange Wohnungssuche war sehr entermüdend und führte zu wiederholten Streitigkeiten. Belina und Zora sind zwei starke Persönlichkeiten, die fortwährend argumentieren. Zora unternimmt tägliche Spaziergänge entlang des Weidlingbaches, wo er seinem virtuellen Gesprächspartner, Albert, begegnet. Es mag sein daß beide die Liebe ihres Lebens außerhalb ihrer Ehe gefunden hatten, wie Zora diarüber grübelt, jedoch hatten sie nie einander den Rücken gekehrt. Ihre spannungsgeladene Beziehung, die durch ihre gezwungene Rückkehr polarisiert wird, haben sie versucht abzuwerfen. Zora versucht wieder Liebe mit Belina aufzubauen. Will sie sein gutes Vorhaben annehmen und in einem Kompromiss, mit ihm als Freunde unter einem kleinen Dach zusammenzuleben?
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Seitenzahl: 479
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Wien 1967. Sommerbeginn.
WU-Weidling 2014, Frühling.
Über Belina. Weidling, Frühling 2014.
Zoras Nachsinnen.Weidling, Frühsommer 2014.
Wien, Sommer 1970.
Belina und Zora.Weidling 2014. Einzimmerwohnung.
Zoras Gedanken.Die Stadt Klosterneuburg. Albrechtstraße.
Er ruft nach seinem Gesprächspartner:
Belina.Weidling. Einzimmerwohnung.
Triest. September 1970.
Belina und Zora. Weidling.Einzimmerwohnung. Sommer.
Wien. Nica im Kunstladen.
Nach Albert rufen.Weidling. Sommer 2014.
Das Schiff ‚Europa‘.Atlantik September 1970.
Weidling. Einzimmerwohnung.Spätsommer 2014.
Albert rufen.Weidling. Sommer 2014.
Joburg 1973.
Weidling. Einzimmerwohnung.
ZZ ruft Albert.
Joburg.Nördliche Stadtbezirke. 1975.
Weidling.Einzimmerwohnung. August 2014.
Albert. Gesprächspartner.
Joburg. 1989 bis 1998.
Weidling.Einzimmerwohnung. Mittag.
Über den Hintergrund von Belina.
Albert rufen.
Die Vivenot Elegien.
Weidling.Einzimmerwohnung. Ende August.
Südafrika. September 1970 – 1974.
Albert. Zoras Gesprächspartner.
Joburg.Morningside. Reihenhaus. 1989.
Weidling.WU – Wien und Umgebung.
Zora: Zustand seiner Existenz.Athen 2010.
2014. Weidling. WU.
Albert: Gesprächspartner seiner Seele.
Joburg. 1987. Herbst.
Albert: Gesprächspartner auf Flügeln.
Francois.
Eine Reise zur Spitze des Kaps der Guten Hoffnung. 1984.
Weidling. Frühherbst 2014.
Sich an Albert richten.
Entlang der Küste Südafrikas. 1984.
Alberts Brief.
Weidling. Herbst.
Zurück nach Johannesburg 1984.
Albert. Workshop der Gedächtnisse.Zoras Elegie: Eine Ungewöhnliche Liebe.
Weidling. September 2014.
Albert.
Joburg 2006 – 2008.
Weidling. Oktober 2014.
Brief an Albert.
Zoras Traum.
Alberts Antwort.
Weidling. Oktober 2014.
Zoras Antwort.
Weidling.Ende Oktober 2014.
Weidling.Ende Februar 2015.
Er wartete auf sie vergeblich. Es war spätabends und sie kam nicht zum verabredeten Abendessen. Er aß einige Bissen Brot. Nach einer halben Stunde längerem warten aß er die aufgewärmte Minestrone. Dann räumte er seinen Teller weg und ging zum Fenster. Das Zwielicht veränderte die gemeinschaftliche Grünzone in eine traurig-düstere Landschaft, die sonst tagsüber so wohltuend auf das Gemüt wirkte.
Er ging in der kleinen Wohnung auf und ab, blieb an der verglasten Tür zum Balkon stehen und seufzte. Er öffnete die Tür und schritt auf den Balkon. Die frische Luft vom hinteren Garten wusch wohltuend über sein erhitztes Gesicht. Die Luft roch nach Jasmin und frisch-gemähtem Gras. Es assoziierte in ihm ein Verlangen nach einem trockenen ‚cuvee‘, den er im letzten Sommer in einem Ruster Weinkeller gekostet hatte. Er ging ins Zimmer zurück, schloss die Glastür und schritt eilends zur Vorratskammer, wo er ein paar verstaubte Flaschen von dem Ruster ‚cuvee‘ fand.
Seine zukünftigen Schwiegereltern waren zu ihrem Sommeraufenthalt in das Salzkammergut abgereist und Mia, seine zukünftige Schwiegermutter, hatte seine privaten Parafernalien geordnet in einem Karton verstaut. „Für den Sommer könnt Ihr ungestört hier sein“, meinte sie zum Abschied. Das war schon ein paar Tage her. Sie hatte gemeint dass sie ihrem zukünftigen Schwiegersohn Ihre Wohnung gerne überließ und Zora freute sich endlich mit Belina allein sein zu können. Keine Liebesspiele mehr auf Zeitdruck und dazu noch die große Freiheit sich unbefangen zu bewegen. Zora wurde rastlos. Ein Druck lastete auf Ihn und wurde immer grösser. Er hatte schon seit Stunden nichts von Belina gehört. Sie könnte doch zumindest anrufen, wenn ihr etwas dazwischen gekommen wäre. Gar nichts. Das Telefon blieb stumm. Seine Gedanken kreisten um sie und ihre Freunde. Da sie ihm vor einiger Zeit über ihre Männerbekanntschaften erzählt hatte, vermutete er, dass sie einer Laune folgend einen ihrer Freunde sehen wollte. Er fühlte sich angeführt, übergangen, ein ganzer Abend was bereits verflossen und ein schlechtes Bauchgefühl vergiftete seine Gedanken. Er fühlte sich hintergangen.
Am Beginn ihrer Bekanntschaft hatte sie ihn mit oralem Sex verführt und ihn an sich gebunden. Er wurde ein Opfer ihres Liebesakts, das er noch immer begehrte, aber er hatte keine Handhabe sie an sich zu binden. Während er über sein Verhältnis zu ihr sinnierte, Vergleiche anstellte und seiner Unerfahrenheit in der Liebe entgegenstellte, suchte er nach seiner Reisetasche, welche er für ein Picknick packen wollte. Aber jetzt – kein Picknick. Während er herumkramte, fand er einen glatten gebogenen Nussholzgriff. Als er daran zog, kam eine alte Duellpistole zum Vorschein und er erinnerte sich, dass es ein Weihnachtsgeschenk von seinem Freund Fritz war. Er sah Bilder von ihm, als er lachte und sie ihm überreichte. Hatte er dies getan in einem Anflug von Ironie über das Leben, über welches Fritz in seinen amourösen Anekdoten gedachte? Da er als Hedonist meist die Liebe bezweifelte, berichtete er nur über sexuelle Abenteuer, da für ihn Liebe bloß eine Kette von Huldigungen an die Lust darstellte. Er fand noch ein paar passende Projektile und er nahm eines und lud es in den achteckigen Pistolenlauf. Er saß da ganz ruhig und eine große Stille kam über ihn. Er suppte etwas mehr Wein und plötzlich dachte er sie zu töten. Ein einziger Schuss. Er hörte den Knall, obwohl er die Pistole noch nie gefeuert hatte. Eine feurige Eifersucht tobte in ihm. Sein erhitztes Temperament verglühte sein rationales Denken und er konnte nicht mehr klar sehen. Lust, die sie ihm noch vorher empfinden ließ, und nach welcher sein Gemüt immerwährend durstete, hatte ihn mit dieser Genuss spirale so hoch getrieben, dass er nicht länger als seine Nase sehen konnte. Liebe macht blind, oder sollte er sagen: Lust macht blind? Er konnte sich nicht vorstellen dass ein Sexualpartner nicht dasselbe fühlt wie er. Ist sie jetzt nicht sein, wo sie sich doch beide ihre Liebe gegenseitig gegeben hatten? Ihr ignorantes Verhalten ihm gegenüber forderte Vergeltung.
Spät in der Nacht, nachdem er mehr als eine Flasche Wein geleert hatte, telefonierte er mit Belinas Schwester Kimh und ihrer Freundin und konversierte mit ihnen über unsinnige Dinge. Er hatte wahrscheinlich die Idee sie zu erschießen aufgegeben und hatte ihnen erwähnt sich selbst zu töten, da beide in kurzer Zeit erschienen und ihn versuchten zu beruhigen. Kimh brachte ihn dazu ihr seine Pistole zu überreichen, mit einer Bedingung: Sie sollte mit ihm schlafen. Da sie zögerte meinte er, wenn sie alle zusammen ins Bett gingen, wäre es weniger sozialstörend. Darauf mussten sie alle lachen und das Eis war gebrochen. Er sinnierte mit ihnen über Sex und Ehe, über Leben und Tod. Nachdem weder Kimh noch ihre Freundin mit ihm schlafen wollten, müsse er sich wo anders umsehen, sagte er. Kimh konnte ihm schließlich besänftigen und er schlief ein, träumte von Sex mit zwei Frauen, während seine Verlobte zusah und sich selbst befriedigte.
Am nächsten Morgen musste er zur Arbeit. Zora hatte immer noch nichts von Belina gehört. Das ist unerhört, murmelte er, während er sich unter der Dusche regenerierte. Sein ursprünglicher Zorn gegen Belina hatte sich in Vergeltung umgewandelt. Ich werde es ihr zeigen, dachte er. Ihre Ignoranz ihn anzurufen nagte an seinem Gemüt. Den ganzen Tag war seine Konzentration bei seiner Entwurfsarbeit gebrochen. Seine Mitarbeiterin war mitfühlend und überbrückte seinen Lapsus, arbeitete hart am ursprünglichen Entwurf einer Wohnsiedlung. Sie lobte seine künstlerische Ader und lud ihn zum Mittagessen ein. Als sie dann im Beisl in der Nähe zum Atelier Lerid im Hinterzimmer einen verschwiegenen Platz suchte, nahm er sie in seine Arme und küsste sie. Sein Kollege Rüd, der verspätet dazukam, war erstaunt. Er küsst so gut, sagte Inge zu ihm und küsste Zora wieder. Ich bin der blinde Sittenwächter, sagte Rüd und lachte. Ihm war es nur Recht wenn Zora die Verlobte seines Chefs verführte. Aber weiter ging ja dieses Küssen nicht und nach dem Essen war Zora wieder ausgeglichen. Es war wohl die Liebe der Inge, dachte er, als er sie im Lift am Po kniff und Inge einen seufzenden Laut ausstieß.
Als er am Abend nach Hause kam, erwartete ihn Belina. Sie sagte ihm dass sie ohnmächtig geworden war und die Nacht bei einem Freund verbrachte. Warum hast du mich dann nicht angerufen? Weil sie kein Telefon haben, sagte sie. Es klingt wie eine Ausrede, dachte er, schon ihre Unsicherheit verriet sie. Ist doch blöd, murmelte er, du sagst mir alle möglichen Fauxpas, schlechte Freunde, unsicheren Sex, und was immer über deine Beziehungen und ich habe alles akzeptiert. Aber jetzt, wo es für uns schön sein könnte endlich allein zu sein mit uns und unseren Gefühlen, machst du ein Geheimnis draus. Belina sagte nichts, ging in ihr Zimmer und arbeitete an ihren Modeentwürfen. Zora versuchte ein Buch in der Bibliothek ihres Vaters zu finden. Er entschied sich für moderne Kunst. Bilder von der Künstlerin Tamara de Lempicka erinnerte ihn an Inge, die er sehr sexy fand, entgegengesetzt der Meinung von Rüd, dessen Freundin keine gute Figur hatte. Belina hatte sich beschwert wie schwer es was für sie ein Kostüm zu schneidern.
Als Belinas Mutter von ihrem Urlaub am Land zurückkehrte, spürte sie die Veränderung in ihrer Tochter. Sie bat beide in ihr Zimmer und versuchte die Ursache ihrer Unstimmigkeiten zu ermitteln. Belina verhielt sich ziemlich wortlos. Daraufhin sprach sie zu Zora allein. „Du schläfst mit meiner Tochter und es wäre höchste Zeit sie zu heiraten, wenn du sie liebst.“ Zora, der ursprünglich an Ehe gedacht hatte, war durch die letzten Ereignisse um Belina nicht mehr begeistert sie zu heiraten. Als er um Bedenkzeit ersuchte, sah er wie die Augen von Belinas Mutter sich trübten. Er verabschiedete sich, ging in das Gästezimmer neben Belinas Zimmer, und legte sich aufs Bett. Er musste tief geschlafen haben, als sich die Tür öffnete. Belina kam auf leisen Sohlen und stahl sich in sein Bett. „Ich hab dich lieb“, flüsterte sie und zog ihm seine Hose aus. Sie berührte ihn mit einer Zärtlichkeit, wie noch nie eine Frau zuvor ihn berührt hatte. Er war Wachs in ihren Händen und konnte ihren Verführungskünsten nicht wiederstehen. Sie liebten sich wiederholt, als ob diese unerwartete Trennung für eine Nacht sich wie ein Aphrodisiakum auf ihn auswirkte. Er verfluchte seine Eifersucht und liebte sie. Sie würde ihn nicht wieder verlassen, nicht aus dem Grund dass er sie nicht befriedigen konnte. Das war ihre Version, die er nun zu testen hatte. Aber sie kam nicht zu einem Orgasmus, aber sagte dass sie gekommen sei.
Das Gespräch mit Belinas Mutter hatte Zora in eine moralistische Ecke getrieben aus die er vorher glaubte noch herauszukommen. Nun war aber keine Rede mehr davon. Er saß festgeschnallt mit einem erotischen Sattel und Belina ritt ihn wie ein Rennpferd. Hatte Fritz mit seinen Anekdoten Recht behalten? Bevor er einschlief dachte er dass er sie liebte. Als er am nächsten Tag mit Belinas Mutter redete, gab er zu dass er sie liebte. „Dann ist ja alles von beiden Seiten vergeben und alles aus der Vergangenheit vergessen“, sagte sie und lächelte „und wir werden dich als einen geliebten Schwiegersohn in unsere Familie aufnehmen.“ Ihre Worte waren wie Honig, aber Zora war es doch nicht ganz bequem in seiner Haut.
Alles besprochen, akzeptiert auf beiden Seiten, Belina und Zora heirateten im kommenden Sommer. Er hatte geplant, dass sie Ihre Hochzeitsnacht im Hotel Erzherzog Johann verbringen sollten, ein vorzüglicher Platz im Herzen des Salzkammerguts. Zora freute sich endlich mit Belina allein zu sein und sie offiziell als seine Ehefrau nach Herzenslust zu lieben. Aber Belina erschien ihm zu reserviert und wie fremd. Sie wird doch nicht frigid sein, dachte er. Während der Nacht liebte er Belina mehrmals und obwohl er sich bemühte sie zu befriedigen, schien sie nicht dieselben Gefühle zu erwidern die Zora ihr entgegenbrachte. Was ist das? Dachte er, etwas stimmt doch nicht. Als sie dann einmal kurz aufschrie, schien sie ihren Höhepunkt doch noch erreicht zu haben, und Zora schlief ein. Am Morgen war sie aufgeräumt, er wartete bis sie ins Bad ging und als sie die Dusche aufdrehte gesellte er sich zu ihr. Sie küssten sich und er strahlte dass sie glücklich war. Er dachte nach dass er sich wirklich Mühe gegeben hatte sie zu lieben und dass sie sich früher immer über seine Potenz beklagte. Nun da er ihr bewiesen hatte dass er viril und potent war, hatte es aber bei ihr noch einen Haken gehabt. Aber was war es? Schließlich sagte Belina, er hätte seiner Mutter nicht mitteilen sollen wo sie ihre Hochzeitsnacht verbringen würden. Was immer, Zora fand das lächerlich und schon gar keinen Grund ihre Leidenschaft zu ihm zu beeinflussen.
Am nächsten Morgen unternahmen Belina und Zora eine Bergtour zur Dachsteinhütte. Gilda, Belinas Freundin wollte mitkommen. Durch die Liebesnacht geschwächt, hatten sie ihre Zeit zu knapp eingeteilt die Berghütte zu erreichen und da es frühzeitig dunkel wurde, machten sie einen Fehler bei einer Abzweigung. Sie landeten auf einem Bergkamm der über das weite Land der Berge einen schönen Anblick bot, aber ihre Sorgen über einen Wetterschutz brachte Belina zu tränen. Sie zündeten sich Zigaretten an. Plötzlich ertönte eine Stimme: „Wie viele seid ihr?“
„Wir sind drei“, antwortete Zora.
„Bleibt wo Ihr seid“, sagte die rostige Stimme und sie sahen eine Taschenlampe aufblitzen.
„Gott sei Dank“, sagte Gilda und Belina stimmte überein. Zora sorgte sich über aufkommende Blitze.
„Hoffentlich bleibt das Gewitter weg“. Er dachte an ein Zelt, welches der Retter, der sie angesprochen hatte, sicher wo versteckt hatte. Der muskulöse Mann stellte sich als ‘Taubnkoglnarr‘ vor und sprach von einem Biwak das er in einen Felsenvorsprung, mit der Hilfe des Bundesheeres gebaut hatte. Diese Nacht, wo sie wie Sardinen übereinander geschichtet lagen, würden sie wohl nie in ihrem Leben vergessen. Ihr Bergretter machte Tee, ersuchte Zora Wasser von einem Behälter, der in dessen Nähe war, vorsichtig in einen Topf einzugießen, und erhitzte das Wasser mit einem Gaskocher. „Damit’s net gfriert“, meinte der Taubnkoglnarr. Es war wohl der Anfang eines Bergabenteuers, der fast von Anfang an verbockt war. Am nächsten Morgen krochen Belina und Zora, als oberste, zuerst aus dem Biwak hinaus und Gilda und der Bergretter kamen hinterher. „Wo wolltet ihr denn hin?“ fragte er.
„Auf den Kleinen Dachstein“, sagte Zora.
„Na ja, ich hab Steigeisen und Seil dabei“, sagte der Bergnarr „aber ich weiß nicht so recht ob’s reichen wird.“
„Was meinst?“ fragte Zora.
„Das Wetter könnt‘ umschlag’n“, sagte der Mann mit dem wettergebräunten Gesicht. „Aber lass uns probieren, i geh vorn, die Madln in der Mitt‘n und du Zor gehst hint‘n. Mach Mandern!“ mahnte er Zora. Belina übersetzte es als Steine, die man als Wegmarkierung übereinander schichtete, um in einem aufkommenden Nebel den Weg wieder zurückzufinden.
Die Befürchtungen des Bergretters wurden Realität. Ein plötzlicher Wind brachte einen eisigen Graupenregen als sie über den Dachsteingletscher hinaufgingen. Bergretter voran dem Wind trotzend, Gilda hinter ihm im Windschatten. Zora trotzte dem Wind dahinter und zog Belina fest an der Hand hinter sich, da ihre Kräfte schwanden. Die Eisgraupen stachen wie Nadeln auf den nackten Oberschenkeln, Armen und im Gesicht. Mit letzter Kraft erreichten sie die Blockhaus Hütten der Arbeiter, die an der Seilbahn für die Südwand beschäftigt waren. Es waren zwei Stockbetten frei. Die durchnässten Bergschuhe stellten sie neben dem lodernden Ölofen und nachdem sie Ihre nassen Kleider zum Trocknen aufgebreitet hatten, fielen sie in ihren übermüdeten Schlaf. Gilda hatte Angst vom Bergretter vernascht zu werden und sie ersuchte Belina ob sie sich neben sie legen konnte. Im Lauf der Nacht schwollen Zoras Finger an und er musste sich den Ehering vom Finger ziehen. Leider fiel dieser auf den Holzboden, wo er durch eine Bodenritze verschwand. Hatte ein ‚original-design‘ von ihm, ausgeführt von der Wiener Werkstätte, den unglücklichen Anfang seiner Ehe signalisiert? Belina meinte obendrein, es sei ein schlechtes Omen für einen Ehe. Zora sagte ihr, dass er ein Duplikat in Auftrag geben werde.
Im Architekturbüro, wo Zora arbeitete, wurde eine neue Mitarbeiterin vorgestellt. Sie hatte vor kurzem einen Kollegen von Zora geheiratet und konnte so ihrem eingesperrten Leben in Polen entkommen. Sie hatte ein hübsches Gesicht, mit blond gefärbtem Haar und ihrem tiefgeschnittenen Dekolleté, welches einen Einblick auf ihre BH-losen Brüste bot. Man konnte ihre dunklen Aureolen sehen die sich durch ihre helle Bluse abzeichneten. Zora der mit ihr arbeitete, erheiterte sie und sie fühlte sich in seiner Nähe wohl. Während einer Weihnachtsfeier vom Büro Lerid verliebte sich Zora in sie, als sie mit ihm hauteng tanzte. Sie zeigte keine Hemmungen als er sie umarmte und eine Nacht mit ihr verbringen wollte. Dann nahm sie ihm mit nach Hause. Mein Mann ist beim Militärdienst, sagte sie. Zora liebte ihre schlanken wohlgeformten Beine. Während er sie vernaschte, telefonierte sie mit ihrem Freund in Polen, oder so hörte sich das fremdsprachig Geknutschte an. Am frühen Morgen kochte sie ein weiches Ei und butterte eine Semmel. Er verabschiedete sich und machte sich zu Fuß auf den Weg zu seinem temporären Zuhause, welches eine gute halbe Stunde entfernt war.
Seine Frau erwartete ihn zuhause und verlangte dass er mit ihr schlafen und sie befriedigen sollte. Er verweigerte es. Sie begann zu weinen und verlangte eine Erklärung von ihm. Ruhig schilderte er ihr wo er war und verlangte anschließend eine aufrichtige Erklärung von ihr über ihr Ausbleiben von einer Nacht und einem halben Tag. Aber sie verhielt sich noch immer zurückhaltend darüber und Zora spürte noch immer dieses Zurückhalten auch in ihrem Verhältnis. Ihre Ehe, bloß ein Jahr alt, hatte einen Sprung erhalten, der irreparabel schien. Offensichtlich hielt Belina den untreuen Vergeltungsakt ihres Mannes für seriöser, als den ihrer dubiösen Untreue, als sie eine ganze Nacht und einen halben Tage von zu Hause ferngeblieben war. Sie behauptete auch dass ihr Fernbleiben nicht als Untreue bezeichnet werden sollte, da sie ja nur verlobt und noch nicht verheiratet waren. Dies sei ein Doppelstandard ihrer Seite, argumentierte Zora, weder ein Datum noch eine Zeitrechnung seien hier das wichtigste, sondern die Einstellung seinem Partner gegenüber. Sowie ein getragener Ehering keine Garantie für Treue ist fügte er hinzu. Untreue bedeutete ihm nichts mehr. Er hatte ihr geglaubt und sich sofort bemüht sie aus ihrem depressiven Dasein herauszuheben, als er sie kennenlernte. Sein Vertrauen zu ihr war für immer zerbrochen. Unglücklicherweise ist dies so wie er sich gegenwärtig fühlte. Da er von den meisten seiner früheren Geliebten hinters Licht geführt wurde, konnte er nicht länger an eine Ehe glauben, obwohl er ihrer Mutter versprochen hatte sich um Belina zu kümmern. Er hat sich bei seiner Ehre angesprochen gefühlt, ein sexuelles Verhältnis mit Belina zu unterhalten, dies nicht als ein Zeichen für einen ewigen Bund gewürdigt, als es aber von seiner zukünftigen Schwiegermutter so gehalten wurde, und diese ihm ein tiefernstes Wort darüber ans Herz legte, stimmte er schließlich mit ihr überein. Er war unerfahren und kam von einem geschützten Zuhause, wo seine Mutter ihm Respekt für alle Frauen nahelegte. Aber er fühlte doch dass er in irgendeiner Weise den Kürzeren zog.
Seine Gedankensprünge erzeugen mannigfache Bilder von seiner Ehe. Er setzt sich zum standardisierten Gasthaustisch mit der eichenfurnierten Oberfläche. Der enge Raum ist weiß getüncht, eine Küche, die aber nicht gänzlich als solche genützt wird. Belina wärmt kaum ihre Speisen, da sie nicht gerne kocht, nur einen Küchenschrank benützt, aber sie benötigt zwei Fächer des Kühlschrankes. Sie ernährt sich hauptsächlich von Focaccia-Fladen, die sie in einer Pizzeria in der Nähe entdeckt hat. Sie hebt diese in durchsichtigen Plastikboxen auf, unterstützt ihre Diät mit geräuchertem Lachs, Jogurt und Früchten, welche sie im Kühlschrank lagert. Er würde sich gerne eine Suppe kochen oder eine Pasta, aber er hat noch keine Küchenutensilien. Mit dem Entgelt welches er von dem Sozialzentrum erhält, musste er eine persönliche Schuld abzahlen und vom Rest muss er für etwas für ein funktionierendes Laptop weglegen.
Zora hat sich durch eine Metamorphose zu einem Künstler durchgerungen: Er schreibt Poesie und Romane für die Dauer einer Inspiration, wenn er einen Funken seiner geliebten Muse verspürt, die ihn gefördert hat und seine Talente unterstützte. Meistens aber greift er zum Kugelschreiber, zur Feder, zu seinen Fineliners, Füllfeder oder Filzstift, Bleistift oder Wasserfarben, manchmal zu leuchtenden Acrylfarben. Er malt die Hälfte seiner ‚Quality time‘, während die andere Hälfte oft dazu neigt seine Gefühle über eine schöne Frau in Worte zu kleiden. Es geht immer um die Liebe. Seine Griechische Muse hat ihm erklärt, dass man alles aus Liebe tue: Jemanden als Freund auswählen, ihn beschenken und ihn in seiner Kunst fördern, wie dies bei ihm der Fall war. Er nennt den Poeten in ihm: ZZ und den Maler in ihm: ZG. Ein Freund nannte ihn einen ‚Multilevel Artist‘ – einen Künstler auf vielen Ebenen. Offensichtlich so, als er den entsprechenden Hut aufsetzt, den ihm sein kreativer Geist reicht, um von einer Rolle in die andere zu schlüpfen.
Je mehr seine Frau Xanthippe-artige Gebärden annimmt, desto mehr verzerrte Portraitgesichter malt er. Es ist ein kalter Krieg. Sie, auf der einen Seite, attackiert ihn vom Wohn-Schlafraum mit Pfeil und Bogen einer Amazone, während er sich von seinem Arbeitstisch in der Küche verteidigt, zumindest versucht er ihren Pfeilen auszuweichen und sich von ihr durch das Schild seiner Kunst ausreichend zu schützen. Dafür brauchte er sie, obwohl er dieser unerträglichen und schmerzlichen Koexistenz Hassgefühle entgegenbringt. Und dies alles für die Kunst? Nein! Es wird auch vom Staat verlangt: Erstens, als Verheiratete, unbeschäftigt und ohne Pension, erhalten sie einen Mindestunterhalt solange sie verheiratet bleiben. Zweitens würde er niemals für eine Scheidung zahlen, nur um eine neue Beziehung einzugehen und schließlich wieder in derselben Falle zu landen. Weißt du – hat ein Freund zu ihm einmal gesagt – sie (die Frauen) glauben einem mit ihren ‚pussies‘ zu regieren. Aber was ist dann die Alternative? Ein anderer Freund empfahl ihm über Philosophie nachzulesen. Obwohl er sich gerne mit Philosophen beschäftigte, aber ihre interessanten Theorien vermochten sein persönliches Problem kaum einer Lösung näherzubringen. Aber augenblicklich sah er seine Ehe von einer anderen Perspektive.
Während eines täglichen Spazierganges, dem Weidlingbach entlang, erschien ihm plötzlich sein virtueller Künstlerfreund, Albert. Er war angenehm überrascht und fragte ihn ob er ihm die Ehre erweisen würde, sein Gesprächspartner zu sein. Albert nickte ihm zu, seine hohe Stirn leuchtete kurz im verblassenden Abendlicht auf. Sein Haar glatt zurückgekämmt, seine kritischen Augen waren auf Zora gerichtet. Dieser alternde Künstlerfreund von hohem literarischem Kaliber, hat den Geist eines Kindes, ganz so wie Zora, eine angezündete Zigarette im Winkel seiner eng geschlossenen Lippen. Seine Gesichtszüge lassen auf einen humorvollen Charakter schließen. Ja, er hat definitiv einen humorvollen Ausblick auf das Leben, im generellen Sinn. Er hat den Kragen seiner Jacke hochgesteckt im James Dean-Stil, aber er erinnert Zora an einen Französischen Schauspieler – Jean-Paul Belmondo. Wer war der Direktor von diesen ‚Neue Welle‘-Filmen? Jean-Luc Goddard? Er erinnert sich nur schwach daran, aber er erinnert sich sehr gut an das berühmte Foto von James Dean, der auf dem regennassen Pflaster von New York einher schlendert, Hände in den Manteltaschen, Kopf etwas eingezogen, und Zigarette im Mundwinkel.
Zora hat seine dunklen Sonnenbrillen auf, Polaroids, sein langes Haar mit einem Gummiband zu einem Ponytail zusammengehalten, seine Beine stecken in engen Jeans und er trägt einen schwarzen Pullover mit rundem Ausschnitt. Ein rotes ‚Moleskine‘ Notizbuch steckt in seiner Gesäßtasche, und er hat eine kleine, weiche Tasche aus bunten Lederflecken um seine Schultern gehängt. Er hat seinen Füllhalter drinnen, allerhand Krimskrams, Geld, und ein Mobiltelefon. Zora findet Albert sehr cool. Albert denkt dass Zora sehr cool ist. Sie durchstreifen zusammen das literarische Universum und Zora empfindet ein Glücksgefühl, befreit von den verbalen Pfeilattacken seiner Frau, wozu Alberts gekräuselte Mundwinkel als eine ärgerliche Miene dazu als Antwort gelten. OK. Sie beide haben wichtige philosophische Ansichten auszutauschen. Albert hat eine hohe Fertigkeit mir Wörtern, während Zora diese in seinem künstlerischen Inneren fühlt, blockiert und aufgedämmt, waren sie für ihn eine längere Zeit hindurch unzugänglich: Der Marsch der Verdammten – nennt Zora die Zeit vom Dezember bis März des gegenwärtigen Jahres, bis er und seine Ehefrau eine möblierte Kleinstwohnung fanden, die sie beide sofort beziehen konnten. Zora hatte sie gefunden und Belina erklärte sich bereit den Rest ihres Schmuckes zu veräußern, damit sie die verlangte Kaution aufbringen konnten. Nachdem sie verschiedene Zimmer und Wohnungen zum Vermieten gesehen hatten, und über die Schwierigkeiten eines Mietvertrages gestolpert waren, wurden sie zwei Personen, die sich als Fremde gegenüberstanden. Sie waren nicht nur zornerfüllt, sondern beschuldigten sich gegenseitig für ihr Missgeschick. Aber war es ein Missgeschick?
Zora war überzeugt dass er einen großen inneren Kampf für sechs Monate mit sich geschlagen hatte, der noch mit seinem Nachbeben drei Monate andauerte – die berühmte und furchtsame Zahl neun hatte auch ihn eingeholt. Jeder involviert mit Kunst und Musik – Beethoven wie Mahler, war abergläubisch über die Zahl neun. Auch Anne, Zoras Muse, und auch er hatte Respekt für die neun. Hatte er nicht ein neun-panel Kunstwerk geschaffen, welches von einem Kurator abgelehnt worden war?
„Du hast dein Fenster offen gelassen!“ Belina stürmte in die Küche und gab nachdrücklich ihrem Zorn Ausdruck. Aber er ist schon Gleichgültig ihrem Nörgeln gegenüber, es ist nichtig und lächerlich, und vollkommen überflüssig, denkt er. Als ob sie sich mitteilen wollte, aber dadurch ihn nur verletzte, anstatt Angelegenheiten mit einer weniger aggressiven Stimme zu debattieren. Er kann ihre negativen Schwingungen nicht ausstehen, die so stark sind, dass er keine richtigen Wörter finden kann, und sie sich darüber belustigt. „Ich bin nicht interessiert was du denkst“ sagt sie, als er sie erinnerte, dass sie noch immer zu Hause war als er fortging. OK, in Zukunft wird er Lotterie spielen und sein Glück suchen, welches ihm finanzielle Unabhängigkeit erlauben würde. Was für ein erhebendes Gefühl es ist diese Freiheit zu ersehnen, die auf ihn zukommen könnte. Er würde sich sonst nicht so intensiv darüber erfreuen, wäre es nicht ihre Art, sich ihm gegenüber, widerlich und kaltherzig zu benehmen.
„Siehst du Albert“ redet er seinen Freund an „was du über Schmerz und Liebe geschrieben hast, habe ich durchgelebt, bereits in einer vollverzehrenden Art mit Anne, ich habe nun genug.“
„Und was war mit Halina?“ Erwidert Albert, da er Zoras Liebesaffären kennt, und fügt hinzu: Ja, eine Reaktion die dich fühlen ließ, wie Liebe mit einer behinderten Person sich anfühlt, denke ich.“
„Aha, wahrscheinlich.“
„Die Kuriosität einer ungewöhnlichen Situation hat dich vorwärtsgedrängt.“
„Auch die „Lust“ sagt Zora.
„Ja, aber du wolltest dein Leiden über den Tod von Anne ausschalten.“
„Das ist möglich.“
„Und unter deiner Freiheit verstehst du etwas Illegales zu tun, und ihr beide versteht darunter eure Ehepartner hinter deren Rücken zu betrügen.“
„Ja, aber auch der Nervenkitzel eines Abenteuers.“
„Ich sehe es als ein Stellvertreter für eine Einverleibung in die Gesellschaft. Als ein Künstler weist man Assimilation mit der regierenden Bourgeoisie zuerst zurück und man fühlt großen Widerwillen, welches an Hassreaktionen grenzt.“
„Allerdings! Aber was ich momentan brauche ist Distanz, um mich durch mein Schreiben auszudrücken."
„Ich sehe dass du getan hast was andere Schriftsteller getan haben, tief ins Detail einzudringen.“
„Ja.“ Zora pausierte. Dann fuhr er fort „Ich habe es nur getan für das Thema: Liebe und als Subjekt für eine Muse, welche meiner großen Liebes-Muse Anne nachfolgte.“
„Aha, es ist wirklich interessant, und ich liebe deine Darstellungen von sexueller Liebe, welche etwas in mir an Marquis de Sade wachruft.“
„Ja, ich mag ihn, außer noch anderen Künstlern, die über das Thema des Erotizismus schrieben.“
„Oh ja, da gibt es berühmte Literaten in Frankreich, wie Anaiis Nin und Georges Bataille.“ Erwidert Albert.
„Ja, ich habe sie beide gelesen und sehr gemocht, genauso wie Henry Miller und Sacher-Masoff.“
„Aha. Natürlich die Hedonisten, nicht wahr? Ich habe nie einen großen Drang verspürt Geschlechtsverkehr zu beschreiben.“
„Aber ich tue es, Albert, als es ein Akt der Schöpfung ist.“
„Eine Schöpfung die nichts schöpft!“
„Nicht wahr. Was mich betrifft, ist es ein Aphrodisiakum für meine künstlerische Inspiration zu malen.“
„Du bist ein zweischneidiges Schwert, Zora.“ Sagte Albert und Zora spürte, dass dieser Recht hatte, aber dann erwiderte Zora: Nicht zwei-zackig, aber ich habe zwei verschiedene Persönlichkeiten, wie ein Schizophrener, aber ich kontrolliere es wie ein Schauspieler, indem ich mir einen anderen Hut aufsetze: Künstler für die Malerei; Poet für Kompositionen und Romane. Siehst du?“
„Ja, ich sehe einen anderen DH Lawrence.“ Zora musste lachen.
„Hah! Er hatte Anaiis Nin, die seine Romane verteidigte. Und er malte, während er geduldig wartete, bis die bornierte Gesellschaft sich wieder beruhigte und sein künstlerisches Potential anerkannte. Idioten. Wie immer. Was ist neu?“
„Nichts, alles bewegt sich in Kreisen.“
„Albert, du verweist auf Griechische Philosophie.“
„Allerdings, ich hab sie gern. Es ist der Ursprung unseres Denkens.“
„Ja, Griechische Kunst ist die Quelle für meine Malerei und die ausgeweitete Darstellung für meinen Erotizismus.“
„Ich verstehe dich. Allerdings! Ich werde ein Essay schreiben über diesen neuen Freund von mir: Zeitgenössischer Maler, Poet in Griechischer, und Schriftsteller in Europäischer Tradition.“
„Aha, interessant. Ich hoffe eine gute Diskussion über diese Person mit dir zu haben. Wie willst du ihn benennen?“
„Sisyphus, glaube ich.“
„Oh, der arme, der verdammt ist niemals seine niedrigen Aufgaben erledigen kann.“
„Ja, derjenige der leidet und zugleich glücklich mit seinem Schicksal ist.“
„Aha, ein interessanter Gedanke. Man ist glücklich wenn man kreative ist, aber man empfindet das Ergebnis niemals gut genug und man hat fortzufahren, rücksichtslos.
„Ja, die Sisyphus-Art unseres Lebens!“ Alberts Stimme verlangsamt sich und sein Bild verblasst.
„Danke für das Gespräch Albert, mein gelehrter Freund und wichtigster Dialog-Partner!“
„Hi…sehe dich wieder.“ Zora hört noch die Stimme von Albert ausblenden. Dann noch ein paar letzter Worte: …zähl mir von deinem Roman, den du gerade…schreibst.“
„Ich werde es dir erzählen, Albert.“
Zora kehrt am nächsten Morgen zu seinem Schreibplatz zurück, wo er Albert getroffen hat. Alles scheint sich verändert zu haben. Die Luft erinnert an funkelnden Champagner und dessen sprudelnder Leichtigkeit, in der sein Körper zu schweben scheint. Er verlässt seinen Schreibplatz und wandelt entlang der sanft-gekurvten Paul Hörbiger Promenade mit dem dichten Baumbestand an den Grundstücksgrenzen, die durch fortlaufende Stützmauern aus Stein und Beton den Weidlingbach begrenzen. Weiter in östlicher Richtung zur Pius Parsch Promenade wechseln sich Abschnitte von Fußwegen entlang des Weidlingbachs, leicht geschwungen und szenisch, mit einigen Brücken für den Zugang zu Domizilen, die durch den nahen Ausläufern des Wienerwaldes romantisch eingebettet sind. Auf der dem Bach entgegengesetzten Seite begleiten Bäume mit verkorkstem Geäst den Fußgeher entlang einer Kastanienbaumalee, zu dem sich öffnenden Blick auf den zweiten Teilabschnitt der oben erwähnten Promenade, die mit ansteigenden Weingärten von Göbling auf der einen Seite und einem sich öffnenden Blickwinkel auf die sich annähernde Weidlingerstrasse auf der anderen Seite, eingerahmt wird. Die leicht-gewundenen Weine mit ihren zart-grünen Blättern im milden Sonnenlicht, transparent und dunkelgrün im Schatten, laufen entlang eines geordneten Spaliers wie geflochtene Haare der Erdmutter, die im sanften Gras verwurzelt sind. Eine leichte Brise bewegt sie und kämmt ihre grünen Haare. Man ist nahe der noch überlebenden Natur und spürt ihren fortwährenden Kampf mit dem zerstörerischen Fortschreiten der Industrie. Der Mensch kann sich noch über die üppigen grünen Blätter erfreuen, die im geometrischen Kontrast die wachsenden Büschel von Reben umgeben, die, schon beinahe am halben Weg zur Erntezeit, am Reifen sind.
Der dritte Abschnitt, in Richtung Wienerstrasse, nennt sich ‚Prägarten‘, eine idyllische gelegene Siedlung von Wohnungen auf der einen Seite und Häusern mit netten Gärten auf der entgegengesetzten Seite des regulierten Weidlingbaches, dessen stark geschwungene Stützmauern den natürlichen Schwung des Baches mit nachdrücklicher Kraft betonen, ein dynamisches Element das in der Anordnung der sich angrenzenden Gebäude verbreitet. Der Name Prägarten hat aller Wahrscheinlichkeit seine Bezeichnung vom ‚prächtigen Garten‘ bezogen. Der regulierte Bach endet in der Donau Au, wo es sich mit einem Seitenarm der Donau vermengt und wird ‚Am Durchstich‘ bezeichnet, nicht weit vom ‚Aupark‘ und einer kommunalen Gegend ‚Strandsiedlung‘ genannt. Diese streckt sich entlang einer schmalen gestreckten Insel seitlich in der Donau. Hier ist das Schwimmen geschützt und im angrenzenden Strandbad ein Vergnügen. Diese Gegend ist um die sogenannte Pionierinsel erfolgreich geplant worden. Eine Entlastungsrinne für die Donau gegenüber der südöstlich gelegenen Donauinsel sorgt für die Verteilung der Donau bei Überflutungen und hält diese im tolerierbaren Pegelstand, besonders im Frühjahr und nach ungewöhnlich hohen Niederschlägen.
Wenn man den kontrollierten Bahnübergang kreuzt und unmittelbar rechts in die Aufeldgasse abbiegt, gelangt man in die Magdeburggasse. Baracken des Bundesheeres erinnern Zora an seine vorübergehende Dienstzeit bei den Pionieren des Österreichischen Bundesheeres und das Portrait seines Vaters, der in Russland als vermisst gemeldet wurde als Zora ein Jahr alt war. Seine Mutter hatte ihm eine Fotographie gezeigt, wo sein Vater ihn in den Armen hielt. Er musste fortwährend an seinen Vater denken, den er nie kennenlernen durfte. Die nächste Straße nach rechts, Garnisonsstrasse, mündet in die Schüttaustrasse, an der Ecke des Hofer Supermarktes. Von hier kann man die Kirche auf dem Gipfel des Kahlenbergs sehen, welcher wie ein dunkler schlafender Riese sich hinter dem Gewerbegebiet erhebt. Eine Postkartenansicht, ein sich wechselndes Bühnenbild im verwischten Lichtschleier des morgendlichen Nebels. Andere Großmärkte, wie Merkur, Lidl, und Baumax sind um einen großen Platz gruppiert. Zora frägt eine Frau nach der Schüttaustrasse No.8, aber sie kennt die Straße nicht, und zeigt in eine entgegengesetzte Richtung. Er hat nicht realisiert, dass er sich schon auf der richtigen Straße befindet. Ein Ehepaar an der naheliegenden Bushaltestelle schickt ihn wieder retour.
Soma, der Sozialmarkt, in einer Containerbox untergebracht, ist praktisch eingerichtet mit Regalen für verpackte trockene Nahrungsmittel, verschiedene Agrarprodukte und mit einem Industriekühlschrank für Milch-, Fleisch-, und Fischprodukte, je nachdem Produkte aus den nähergelegenen Supermärkten das offizielle Haltbardatum erreichen und an Soma abgegeben werden. Diese noch immer genießbaren Lebensmittel von den umliegenden Supermärkten, würden sonst weggeworfen; und er realisiert, dass dies in einer verschwenderischen Gesellschaft, noch immer nicht auf einer größeren Ebene zum Nutzen derjenigen Menschen zukommt, die von einem gesicherten Einkommen ausgeschlossen wurden. Lebensmittel sind kostbar, betont eine Annonce für verbilligte Ware und Gebäck in einem Supermarkt. Nun, die Frage der Bekömmlichkeit der Nahrungsmittel ist durch die gedruckte Liste der Bestandteile auf der Verpackung klargestellt. Belina, die sich mit Ernährungswissenschaft beschäftigt meint, dass wenig Nahrungsmittel produziert werden, wo Bedacht auf Zucker und Salz genommen wird. Generell können Nahrungsmittel aus einer Überproduktion für einen Bruchteil der ursprünglichen Kosten erworben werden, vorausgesetzt, dass man unter der monatlichen Einkommenshöhe liegt, die vom Sozialministerium festgelegt wurde. Eine exzellente soziale Einrichtung, die hoffentlich für immer bestehen bleibt und auch noch ausgeweitet werden kann, da noch immer viel zu viel Nahrungsmittel von den Supermärkten weggeschmissen werden
Die diversen Nahrungsmittel werden kontinuierlich für eine sichere Konsumation geprüft. Zora hat dies von erster Hand erlebt und festgestellt, wie viele ältere Menschen in diesem Eizugsbereich von Wien und Umgebung, sozialbedürftig sind. Man ist erlaubt einmal pro Woche Nahrungsmittel einzukaufen, außer Brot, welches dreimal pro Woche gekauft werden kann. Andere Bäckereien, wie Gugelhupf, Rehrücken, und Kletzenbrot, sind außer ihrem Nährwert auch noch Gaumenfreuden, besonders nach österreichischer Tradition für morgens oder für Kaffeejausen. Zora kauft einige Kräutertees, Chutney, Müsli, Joghurt, und Vitamingetränke. Man würde ein Auto benötigen um die gewichtigeren Nahrungsmittel, wie Kartoffel und Zwiebel zu transportieren. Mit dem rollenden Handgepäck ist dies nur mit wiederkehrendem Besuch möglich. Da aber Zora für keine größere Familie sorgen muss, und seine Frau auf eine selektive Diät beschränkt ist, kauft er hauptsächlich für sich ein. Nur manchmal bietet sich ein Produkt an, welches auch für Belina geeignet ist. Durchschnittlich braucht Zora circa 10-12 Euro für einen gefüllten Handkoffer, wobei er Gebäck und Obst in einem separaten Einkaufssack trägt. Natürlich sind viele Einkäufer durch die niederen Preise in Versuchung geführt zu viel einzukaufen, speziell Süßigkeiten und diverse Kekse. Manchmal ist Zora über ein größeres Angebot an Schokolade erstaunt. Nun, sogar Mozartkugeln werden offeriert, manchmal in einer attraktiven, bemalten Metallschachtel. Es gibt sogar seit neuestem Second Hand Jeans, Tee Shirts, Pullover und Jacken.
Der Weg zurück ist nicht so beschwerlich und das geschlossene Handgepäck kann Zora hinter sich herziehen. Für Belina ist die Distanz von 3 km etwas zu lang zu Fuß und für ihre ein oder zwei Nahrungsmittel die in ihre Diät fallen, wäre das eine Energievergeudung so weit zu gehen, während es für Zora einen Teil seines wöchentlichen Fitnessgehens bedeutet, bis der ungemütliche Winter einbricht. Im Regen oder Schneetreiben ist es unmöglich dem Wind und Wetter 45 Minuten lang zu trotzen. Wenn er ihr bevorzugtes Joghurtgetränk findet, nimmt er es für sie mit. Aber letztlich hatte er Desinteresse an ihr, da sie Probleme hatte mit ihm in einer respektvollen und manierlichen Art zu konversieren. Häusliche Probleme wurden von beiden am Prozess des Altwerdens blamiert, auf Beschwerden und Schmerzen, die das jeweilige Benehmen eines Ehepartners irritierten. Zornesausbrüche und schlechte Gemütsstimmungen wurden beidseitig aufeinander abgeladen, als ob jeder für den anderen ein moralischer Blitzableiter wäre. Entweder der eine oder andere Partner konnte nur durch eine Bemerkung eine erhitzte Debatte verursachen, die in Frust für beide endete. So zieht sich Zora zurück und vermeidet Belina so viel wie möglich, besonders an Tagen an denen Belina sich völlig unpersönlich und gleichgültig benimmt.
Zoras Beine werden sogar durch das gehen angestrengt. Als er wieder durch die Prägarten-promenade zurückgeht, schmerzt ihn seine linke Hüfte wiederkehrend und er vergleicht es mit einem Tennisellbogen. Jedes Mal wenn er diesen bestimmten Schmerz verspürt, erinnert er sich wieder dass er vorhatte das AKH - Wiens Allgemeines Krankenhaus – aufzusuchen, um seine Optionen zu ermitteln, die diesen Zustand revidieren könnten. Außer der Anreise aber wäre eine lange Wartezeit für eine Untersuchung an der orthopädischen Ambulanzstelle einzurechnen. Alles was er im Moment tun kann, ist seinen Schritt verlangsamen um Anspannung in seiner Hüfte zu vermeiden. Er prokrastiniert seine Krankheitssymptome, die durch Abnützung seiner Gelenke verschärft sind. Er denkt an seine Unterhaltung mit dem untersuchenden Arzt bei seinem letzten Besuch einer Klinik in Athen, der eine sofortige Operation vorschlug.
„Wann muss man sich operieren lassen?“ Fragte Zora.
„Wenn man in der Früh nicht mehr aufstehen kann, dann ist es höchste Zeit für eine Hüftgelenksoperation.“ Ohne eine entsprechende finanzielle Unterstützung durch eine Krankenkasse ist an eine solche Operation gar nicht zu denken, dachte er.
Belina wurde krank während Zora weg war. Sie hatte Magenprobleme. „Ich habe sogar das Aktimel erbrochen.“ Er hob die Verpackung hoch und warf einen Blick auf das Verfalldatum. Es war noch in Ordnung. Sie war vollkommen erschöpft, nahm ihre Wolldecke und legte sich auf den Betonstreifen beim Hauseingang, um die wärmende Sonne zu genießen. Dann fragte sie mit leiser Stimme nach einer Tasse schwarzen Tee. Er hat noch sechs Teebeutel in der Teeschachtel. Belina mag den Ceylon Tee, den Zora vor einigen Tagen im nahegelegenen Supermarkt Hofer gekauft hat, und sie wird auch ein getrocknetes Toastbrot benötigen, aber er konnte es bei Hofer nicht finden, und er musste am Fußgehersteig zum nächsten Supermarkt weitergehen, fast bis zur Wienerstrasse, wo sich eine Billa-Branche befindet. „Scheiß“ sagt er halblaut, als er schon mehr als gewöhnlich gegangen war und sein Hüftgelenk wieder zu schmerzen begonnen hat. Es ist verdammt heiß. Bei Billa angelangt, kauft er sich einen durstlöschenden Fruchtsaft mit Limetten, nachdem er zwei Packungen trockenes Toastbrot besorgt hat. Sein Hüftgelenk hat aufgegeben und er muss seine Zähne zusammenbeißen, um bis zur nächsten Bushaltestelle zu kommen. Es kostet einen Euro bis zur Servitenhof-Haltestelle, welche gegenüber zum Hofeingang seiner Wohnaddresse ist, aber er hat keine andere Option, außerdem braucht Belina den Toast dringend. Er tut es für sie, auch wenn sie beide im fortgeschrittenen Alter, Probleme mit ihrer Gesundheit und in ihrer Beziehung haben, sie haben immer in Not und durch Dick und Dünn zusammengehalten. Zora wundert sich warum sich ihr Leben zum Schlechteren gedreht hat, vom Moment an, als sie ihre Altersversorgung einrichten wollten. Beide haben sie die falsche Richtung an einer kritischen Stelle eingeschlagen, sinniert er.
Zora hat es schließlich aufgegeben Belina zurückzureden, wenn sie sich in einer aufgebrachten oder aggressiven Stimmung befindet. Es ist ihre Art, Schmerz und Frust Ausdruck zu verleihen und sie steigert sich kontinuierlich, bis sie sich durch Mangel an Schlaf überfordert ist. Nebenbei quält sie sich ununterbrochen über die Bergung ihrer persönlichen Güter und Kleider aus Athen, wo alles für die letzten drei Jahre in einer dubiösen Verwahrung lag. Glücklicherweise hat die zweite Partei die in dem Zweifamilienwohnhaus wohnte, sie versichert ihren persönlichen Besitz zu verwahren. Zora versucht nicht daran zu denken, bis er genug Geld gespart hat, um nach Athen zu fliegen und sich mit diesem Besitz auseinanderzusetzen, oder was davon noch übrig geblieben ist. Belina hat diese Reise schon einmal unternommen und sie hat neben psychischer Schmerzen einen physischen Kollaps erlitten. Im Moment malt Zora Bilder und er schreibt:
Ich gehe wie ein verprügelter Mann
Dem kühlenden Bach entlang
Üppiges Grün und Alleen
Von Kastanienbäumen
Geneigt wie hart geschlagen
Ein Gefangener von Land
Und Herz
Auf ihrem schlanken Körper
Mein Sinn
Sie nimmt ein Bad im Tau
Des neuen Morgens
Meinen Namen rief jemand
In einem Traum von Gestern
An Vergnügen erinnert
Vertrockneter Körper
Ohne Tränen
Anschwellender Ärger
Hitze angefacht
Sicht misslungen
Kollabierende Knie
Des Geistes Spiegel
In einer Diashow beliebter
Gesichter: Musen und Geliebte
Tanz auf den Kreisen
Stillen Wassers
In der Glut des Abends
Reflexionen die das Auge
Täuschen
Spiele mit dem Verstand.
„Siehst du, ich habe es noch nicht geschafft mit dem Schock des plötzlichen Alterns zurechtzukommen, und dies auf Grund von ungewöhnlichem Doppelstress.“ Belina murmelte vor sich hin, als sie mit ihrer imaginären Freundin konversierte. „Erstens, das Umgehen mit Beamten, und zweitens…“sie unterbrach kurz und setzte wieder fort: „die Differenzen und der Ärger mit meinem Mann. Es ist unmöglich mit ihm zu sprechen, oder eine gemeinsame Fahrt in die Stadt zu organisieren, und unsere Interessen zu koordinieren, so dass beide Partner ohne Anspannung ihre entsprechenden Einkäufe tätigen können. Ich wundere mich…“ Sie unterbricht ihren Monolog, als Zora von der Küche kommt und den Wohn-Schlafraum betritt.
„Ich dachte daran in die Stadt zu fahren, würdest du mitkommen?“ Sie sieht ihn an. Er dachte unabhängig daran auch in die Stadt zu fahren, aber wie konnte er dies arrangieren?
„Ja, natürlich“, sagt er mit kontrollierter Stimme und fügt mit leiser Stimme dazu: „ich habe noch einiges zu erledigen.“
Sie erreichen das Zentrum Klosterneuburgs. Mit der Stadtmappe in seinem Kopf, schlägt er ihr vor dass sie sich kurzzeitig trennen, und nachdem sie ihre Einkäufe getätigt haben, sich wieder in der Fußgängerzone zu treffen, wo sie auf ergonomisch entworfenen Sitzbänken aufeinander warten könnten. Belina lehnt dies ab und erklärt ihm, dass er nur stressvolle Diskussionen liebt um sie aufzuwiegeln. Das wäre nicht so, erklärt ihr Zora, er versucht nur ihre beiden verschiedenen Shoppingrouten zu koordinieren, um für sie beide ein unnötiges vor-und zurückgehen zu vermeiden, da sie nicht zu zweit überallhin gehen könnten und Belina schon jetzt über Fußschmerzen klagt. Sie stimmt nicht überein und zeigt zu einem kleinen Park in der Nähe, wo sie vorzieht auf ihn zu warten. Dieser liegt aber außerhalb der geplanten Strecke von Zora. „Zu spät“, sagt Zora als sie schon die Straße passiert haben, auf der er zu dem von ihm ausgewählten Geschäft entlanggehen wollte. Belina beginnt ihrer verbalen Übellaune Luft zu machen. Er weiß nicht was mit ihr los ist, da sie nicht zuhört was er sagen wollte. Als ob sie sein rationelles Denken nicht akzeptieren wollte. Er gibt auf und ersucht sie, dass sie zu ihrem Geschäft gehen sollte, während er die Albrechtstrasse hinauf gehen würde, um schließlich zum IN Spar-Shoppingzentrum zu gelangen, wo es zurzeit spezielle Ermäßigungen auf Handtücher und Waschmittel gäbe. „Ich brauche eine Stunde“, sagt er. Für Belina ist das verrückt, aber für Zora zahlt es sich aus, weil sein sparsames Budget jedes günstige Angebot willkommen heißt.
Zora geht in seinem schnelleren Tempo die leichte Steigung der Albrechtstrasse hoch, während Belina den sich zur Donau neigenden Stadtplatz hinuntergeht. Er ist zufrieden mit dem Sonderangebot und hat sich ein Handtuch, ein Feinwasch- und ein Vollwaschmittel erstanden. Dann geht er denselben Weg wieder retour und kommt zur verabredeten Fußgängerzone innerhalb der ausgemachten Zeit zurück, aber sie ist nicht da. Er geht den Stadtplatz hinunter und versucht sie zu finden, aber es gelingt ihm nicht und er geht zum Treffpunkt zurück. Jetzt sitzt sie bereits auf einer Bank. Zora unterdrückt es sie zu tadeln, da sie sich weit über der vereinbarten Zeit erst eingefunden hat und er einen längeren Weg auf sich genommen hatte, um nach ihr zu suchen. Er bemerkte dass sie jede Vereinbarung auf Zeit ausgerichtet als einen widerlichen Zwang empfand, das in ihr Verwirrung und Überforderung auslöste. Er grüßte sie, setzte sich neben ihr und sie beginnt ein Sandwich auszupacken. Sie sieht ihn an und erwidert seinen neugierigen Blick. „Ich werde noch weitere zwei Stunden hier bleiben“, sagt sie zwischen Bissen von ihrem belegten Brot. Er nickt ihr zu, steht auf und geht hastig fort. Sie hat seine Geduld schon zu lange getestet. Alles Gute für ihren Retourweg in der Mittagshitze, denkt er. Sie ruft ihm nach dass er nur jetzt weggehen will, weil er mit ihr nicht gemeinsam zurückgehen möchte. Er hört nicht mehr genau zu, seine Gedanken beschäftigen sich schon mit seinem nächsten Projekt. Er hat nicht die geringste Inklination sich weder mit ihren sauren Bemerkungen zu verätzen, noch sich gezwungen fühlen den von ihr bevorzugten anstrengenderen Rückweg über das ‚Schwarze Kreuz‘ ertragen zu müssen.
Er wählt den Weg zurück über die Hundskehle, einem historischen Engpass, der während der Türkenkriege von großer Bedeutung war, unter der Brücke durch zu den historischen Plätzen um den äußeren Rathausplatz, entlang Leopoldstraße, und schließlich wählt er die Agnesstraße, wo er im Schatten historischer Bürgerhäuser entlanggeht. Ein neues Apartmentgebäude wird errichtet und er entdeckt die hiesige klimagerechte ökologische Bauweise. Er wischt die Gemütsausbrüche von Belina wie eine Spinnwebe von seinem Gesicht und muss erneut über seine Aufgaben, die vor ihm sind, nachdenken. Er hat vor, seine Handtücher zu waschen und die Waschmaschine das erste Mal zu benützen, da Belina ihre Pullover und ihre Baumwollkleider mit der Hand wäscht. Als er die Einzimmerwohnung betritt, gießt er sich zuerst ein kaltes Mineralwasser in ein Glas und sieht sich das Waschprogram der Maschine im Bad an. Diese ist mit dem übermäßigen Gebrauch von Waschmitteln völlig verkrustet. Was für ein Missbrauch, denkt er und reinigt die Einfüllkiste bevor er sie mit etwas Waschmittel füllt. Belina hat verweigert sich am Kauf von Waschmitteln zu beteiligen, so wird er es sich richten wie er will und sie mag ihre Garderobe waschen wie sie es möchte, denkt er, als er seine Handtücher in die Trommel füllt. Dann nimmt er doch auch ihr Handtuch und steckt es hinein. Sie wird schon draufkommen, dass er es gut mit ihr meint. Er verschließt die Maschine und wählt das entsprechende Programm. Die bejahrte Maschine arbeitet etwas langsam, aber zufriedenstellend.
Zora sinniert: Ich hätte Belina in einem objektiveren Licht sehen sollen, bevor ich nach der Moralisierungsrede ihrer Mutter nachgab und mich verpflichtet fühlte sie zu heiraten. Ihre Mutter stellte fest dass Belina und ich schon über ein Jahr in einer sexuellen Beziehung zusammenlebten. Na und? Nun, als ich mich mit Belina zu dieser Zeit gut verstand, hatte ich ihrer Mutter zugestimmt. Ich heiratete doch in erster Linie Belina und nicht ihre Mutter. Aber das Benehmen von Belina war nicht zu meiner Zufriedenheit in Beziehung zu ihrer Zärtlichkeit und sie meinte ich zeigte ihr gegenüber keine. Aber zu der Zeit sah ich das anders, außerdem war ich verliebt in sie und so schob ich den Mangel ihrer Zärtlichkeit, die aus meiner Sicht nicht notwendig war, zur Seite. Aber als ich mehr und mehr bemerkte, dass sie zu keiner Zärtlichkeit mir gegenüber fähig war und ihre negativen Charaktersträhne an mir blamierte, obwohl diese sie selbst betrafen, bekam ich desillusioniert mit der Liebe. Wenn ich jetzt zurückblicke so ist dies ein klares Bild für mich. Sie war zu ihren früheren Lebensgewohnheiten zurückgekehrt, besonders seit unserer Rückkehr von Südafrika nach Europa. Wenn Belina etwas von mir möchte, benimmt sie sich wie ein süßes Mädchen und zeigt Interesse an mir, aber nur solange bis sie bekommt was sie sich vorgenommen hat zu kriegen. Belina hat in diesem Charakteraspekt eine ähnliche Seite wie ihre Schwester Kimh. Während unserer letzten Tage in Athen hatte Belina eine schwere emotionelle Auseinandersetzung mit ihrer Schwester, welche auf meinem mobilen Telefon negative und abfällige Bemerkungen, über SMS, an Belina sandte. Aber sie hatte einen Fehler gemacht, dass sie mich ebenso einschloss. Ich dachte darüber nach und ahnte den eigentlichen Grund dazu. Jedenfalls bat ich Belina sich doch wieder mit ihr zu versöhnen, als Kimh zu ihr immer die nächstnähere ihrer drei Geschwister war, aber Belina wies dies vehement zurück und verfluchte sie. Ich spürte einen scharfen Schnitt dieser Worte, einen Samurai Schwertstreich, der hell-singend mir einen Arm abtrennte. Ich verspürte Trauer: Ein totaler kommunikativer Zusammenbruch. Nun, Belina ist nur an ihrer extensiven Garderobe interessiert, welche ich ihr über viele Jahre hindurch finanzierte. Drei Schränke gesteckt voll mit Kleidern, Hosenanzügen, Jacken, Mäntel, Schuhe, Taschen und Modeaccessoires. Da wir nun nicht mehr über Kapital verfügen und uns auch von der jeweiligen Botschaft in Athen keine Hilfe ermöglicht werden konnte, ist B außer sich geraten, dass sie nicht ihre gesamte Garderobe auf einmal nach Wien transportieren konnte. Sie wurde gezwungen hin und zurück zu reisen, wann immer sie genug Geld gespart hatte, um dies zu tun. Nun, was immer ich im Moment brauche, ist ein Dach über dem Kopf, meine Zeichnungs-und Malereiutensilien, meine Journale, meine Poesie, meine geschätzten Referenzbücher und eine ausgewählte Lyriksammlung. Der Rest kann zu den Motten, zu den Mäusen und zur Hölle gehen.
Wir leben nun in einer permanenten, angespannten Verfassung. Wir bauen gegenseitig Aggression und Ärger in uns auf, am meisten über den Zustand des Lebens, in den wir beide hineingefallen sind. Sie blamiert mich über sexuelle Anspannungen: Es ist unmöglich mit einer Frau Liebesspiele zu beginnen, die fortwährend über mich nörgelt und große Schwierigkeiten mit ihrem Altern hat. Wenn ich sie über sexuelle Handlungen und Zärtlichkeiten anspreche, dann reagiert sie bissig und spricht zu mir herunter, als ob ich eine Krankheit hätte, aber es ist eigentlich sie selbst, die sie mit ihren herabwürdigenden Worten anspricht. Vielleicht ist es ja doch meine Schuld, dass ich immer noch keinen anderen Sexpartner gesucht habe. Ich bin schon auf halbem Weg, oder aber ich könnte einem jungen Mann anheimfallen, der sexuell an mir interessiert ist. Ich mag bald 75 sein, aber habe noch immer einen gut-aussehenden Körper und bin nicht übergewichtig.
Dagegen hat Belina großes Untergewicht, verglichen mit ihrer Körpergröße und ihrer physischen Verfassung. Sie hat tagtäglich über ihre nervöse Kondition gesprochen und oft lamentiert, seitdem sie mit ihren chronischen Medikamenten plötzlich aufgehört hat, die sie in Südafrika verschrieben bekommen hat. Aber für viele Jahre konnte sie auf ein balanciertes Verhältnis von Körper und Geist zurückblicken.
Belina blamiert mich für ihren nervösen Zustand, anstatt zuzugeben, dass sie Tag und Nacht in Athen gearbeitet hat um unseren Haushalt zu veräußern und auch um ihre Garderobe zusammenzustellen und um zu sehen welchen Teil sie zuerst mitnehmen würde. Sie war natürlich überfordert diesen Berg von jahrzehntelangem Ansammeln auf einmal zu sortieren. Es war unmöglich das gesamte Gut zu retten. Außerdem war vieles dem gierigen Zahn des Verfalls preisgegeben. Mensch, Insekt und Tier nähern sich in so einer Situation und Mästen sich. Dennoch sie sollte bedenken, dass vier Schränke voll mit Kleidern unmöglich in zwei kleinere Schränke in unsere jetzige Kleinwohnung hineinpassen werden.
Dasselbe gilt für mich und meine Bücher. Diese über 1000 Bände, die ich in einer wohlkonzipierten Bibliothek um mich hatte, haben mir viele glückliche Stunden in einer unvergleichlichen Atmosphäre vermittelt. Eine Aura die alle Liebhaber von Büchern verstehen und auch alle Sammler von Büchern, dass das gebündelte Wissen aus der Welt von Autoren und Poeten, einem das Herz höher schlagen lässt!
Die griechische Tragödie in dieser Hinsicht hat uns beiden große Nervenanstrengung gekostet und es ist ein Wunder dass wir noch immer am Leben weiter hängen, wenn auch nur noch mit wackelnden Zähnen. Gedanken über Griechenland begannen für mich als ich noch sehr jung war und ein Buch von meiner Tante für meinen siebten Geburtstag geschenkt bekam: Griechische Heldensagen. Von da an war Herkules mein bester Held und ein literarischer Ersatz für meinen Vater, den ich an Stalins Gulag verlor als ich drei Jahre alt war.
Gerald war ein Kollege in einem Architekturbüro, wo Zora arbeitete. Sie diskutierten Arbeit im Ausland. „Griechenland ist eine Ansammlung wunderbarer Inseln“, sagte er, als er über sein städteplanerisches Projekt erzählte, sein Lieblingsprojekt als er noch Architektur studierte. Seine lebensnahen Schilderungen, an die er sich von einem dreimonatigen Aufenthalt auf einer Insel erinnerte, als er während der Sommerferien spezifische Gruppen-Habitats von angehäuften Siedlungen einer architektonischen Vermessungsaufnahme unterzog, hatte er mit Fotografien dokumentiert, welche er bei sich trug, und da dieses Erlebnis ihn noch immer geistig beschäftigte. Zora war begeistert über die kompositorische Anhäufung von kubistischen Formen.
„Ja“ sagte er nachdenklich „es ist eine Architektur ohne Architekten und die Leute sind menschlich.“ Er sprach über persönliche Freiheit und zeitlose Schönheit, über die Bedeutung der Schönheit des männlichen Körpers und das nackte baden in der türkisgrünen See. Er hatte mit seiner begeisternden Schilderung die Vorstellungskraft von Zora beflügelt und mit seiner Philosophie über Schönheit dessen Seele berührt. Dies alles löste in Zora ein Sehnen aus, eines Tages zu den Kykladen zu reisen, einer der schönsten Inselketten, wo man sich im Bann ihrer natürlichen und mystischen Schönheit, selbst finden könnte.
„Einige der Inseln sind noch ohne großen Touristenandrang und werden als typisch Griechisch bezeichnet“, endete Gerald seinen Kurzvortrag.
„Wie hast du da gelebt?“ Gerald richtete seinen Blick durch das naheliegende Fenster, als würde er nach seiner geliebten Insel suchen, wo er seinen idealen Lebensstil fand und dann ein Paradies verlor, welches er für drei Monate genießen durfte.
„Ich ging in die Küche der Hausfrau, die mir ein Zimmer vermietete. Es war ja alles den ganzen Tag offen und ich guckte in die köchelnden Töpfe am Herd, meistens etwas Fisch und Gemüse, oder einige Griechische Spezialitäten. Fand ich das gekochte fertig, nahm ich etwas auf meinen Teller. Es war alles sehr unverbindlich.“ Er lächelte mit dem gutmütigen Ausdruck eines weisen Mannes, der einem an der Lebensphilosophie seines persönlichen Glücks teilhaben ließ.
„Das hört sich gut an“, seufzte Zora, als ob er die Speisen die Gerald beschreibt, riechen könnte und in seiner Vorstellung sich mit Gerald an einem Holztisch gesetzt hätte, in einem frei-gestalteten Raum mit niederer Decke und mit einer Aussicht auf das blaue Meer. Sie aßen Köstlichkeiten und fühlten sich wohl. Plötzlich verspürte Zora einen großen Appetit und gleichzeitig einen Überfluss an Speichel in seinem Mund den er wiederholt schluckte. Sein Magen begann zu knurren, als hätte er schon lange nichts zu sich genommen. Er fühlte sich überfordert, als hätte er diese Reise dorthin mit Gerald zusammen per Anhalter unternommen.
„Es ist aber sehr schwer in Griechenland Arbeit zu finden“, sagte Felix, ein anderer Kollege, der sich in ihr Gespräch einmischte und kommentierte.
„So, was würdest du mir vorschlagen zu versuchen?“ erwiderte Zora und blickte in das leicht errötende Gesicht von seinem anderen Kollegen.
„Ich habe Südafrika versucht“, sagte Felix.
„Und warum bist du nicht dorthin?“ sagte Zora.
„Ihre Botschaft hat mich abgelehnt.“ Sagte Felix verlegen.
„So, warum das?“ Zora wurde neugierig.
„Nun, ich war früher einmal Mitglied der Schweizer Sozialistischen Partei.“ Zora musste lachen.
„Und das ist ein Grund?“
„Ja, für die konservative Regierung dort ist es“, sagte Felix ernsthaft „aber ruf doch dort an und versuche es.“ Er erhob sich von seinem Arbeitssessel und verließ das Büro.
Dieses Gespräch verblieb in der Gedankenwelt von Zora und für einige Zeit reizte es seinen Abenteuersinn. Schließlich entschloss er sich die Botschaftskanzlei doch anzurufen und einen Termin mit dem Sekretär zu vereinbaren. Es schien ihm dies eine goldene Gelegenheit zu sein, die er nicht versäumen möchte. Außerdem wäre dies eine Reise, an welcher auch seine Frau interessiert sein könnte, besonders als sie fortwährend sein Liebesabenteuer mit einer Kollegin, die mit ihm im selben Büro zusammenarbeitete, ihm gegenüber erwähnte. Eines Abends erklärte er Belina dass er vorhätte nach Südafrika zu reisen, um dort eine Anstellung zu finden. Zuerst zeigte sich Belina überrascht. „Südafrika?“ wiederholte sie und sah entsetzt drein.
„Sie suchen Architekten und es gibt viele freie Arbeitsstellen im Moment. Außerdem bin ich scharf drauf es zu versuchen.“ Ihr Gesichtsausdruck entspannte sich wieder.
„OK“ sagte sie „ich geh‘ mit dir.“
„Fein.“ Zora fühlte sich plötzlich in gehobener Stimmung und küsste sie. Sie vertrugen sich wieder und waren beide glücklich.
Nachdem sie die Lichtbilder, die Zora von der Botschaft geliehen hatte, ansahen, meinte Belina, dass das südlichste Land Afrikas viele Naturschönheiten besaß und diese wären es wohl wert sie an Ort und Stelle zu bewundern. Die Vielfalt der verschiedenen Landschaften spiegelte sich in den Provinzen wieder, den vielversprechenden Tierparks. Schließlich besuchten sie ein lokales Delikatessengeschäft, um importierte Kapweine zu kosten. Bald hatte diese Idee eines großen Abenteuers sie gänzlich in ihren Bann gerissen und sie begannen sich mit dieser einmaligen Reise ihres Lebens näher zu beschäftigen. „Unsere Freunde werden neidisch sein, während wir mit Eindrücken bereichert werden und näher zueinander kommen, besonders weil wir uns, als beste Freunde, aufeinander verlassen müssen.“ Sagte Zora.
Sobald sie das Angebot der Botschaft für ein einfaches Billet auf einem Dampfer der Lloyd-Triestino Schifffahrtslinie angenommen hatten, ersuchte Zora zwei seiner Freunde ihnen mit dem Transport ihrer zehn Gepäcksstücke zu helfen, da sie beide Fahrzeuge besaßen und sie sich bereit erklärten Belina und Zora nach Triest zu begleiteten. Zora hatte ihre Ersparnisse in US Dollar gewechselt, die einzig anerkannte Währung auf den Lloyd Triestino Dampfern. Außerdem hatte Zora rechtzeitig auf eine außenliegende Doppelkabine mit einer eigenen Duschkabine aufgezahlt, um die Akkommodation in einem Massenlager zu vermeiden, die sie beide für eine längere Reise für unzumutbar fanden.
