Zugunruhe - Levin Westermann - E-Book

Zugunruhe E-Book

Levin Westermann

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Beschreibung

Zugunruhe, das ist die Rastlosigkeit von Vögeln im Vorfeld ihrer Migration, die nächtliche Sehnsucht, das Gefühl, dem Lockruf der Ferne kaum noch widerstehen zu können – was im Umkehrschluss heißt: Nichts hält mehr an diesem Ort, der zusehends unwirtlich wird. Und unwirtlich, geradezu verloren erscheint dem Protagonisten in Levin Westermanns Debütroman die Welt – und was die Menschen in ihrem Fortschrittssturm daraus gemacht haben. Flankiert von Katastrophenmeldungen, von Berichten über Pandemie und Klimakrise, von Weltraumkolonialisierungsträumen, streift er durch Landschaften der Schweiz und Deutschlands, vorbei an Raketenstationen und misstrauischen Blicken, und protokolliert die ungezügelte Zerstörungswut der Menschen, einer Spezies außer Rand und Band, die vergessen hat, dass sie nicht allein ist auf diesem Planeten, dass sie umgeben ist von Leben, und die allen Warnungen zum Trotz nicht aufhört, jenen Sturm noch weiter anzufachen. So erweist sich die Unruhe letztlich als Ausdruck der Verfallsgeschichte von Natur und Kultur, die Westermann am Kipppunkt einzufangen weiß, als ein Aufbegehren im Angesicht des drohenden Untergangs.

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Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Levin Westermann

ZUGUNRUHE

INHALT

JEZERO

HOHFLUH

r58

ABBILDUNGEN

Levin Westermann bei Matthes & Seitz Berlin

»Im Traum bringe ich Kinder zur Welt, und es sind nicht nur Menschenkinder, es gibt unter ihnen Katzen, Hunde, Kälber, Bären und ganz fremdartige pelzige Geschöpfe. Aber alle brechen sie aus mir hervor, und es ist nichts an ihnen, was mich erschrecken oder abstoßen könnte. Es sieht nur befremdend aus, wenn ich es niederschreibe, in Menschenschrift und Menschenworten. Vielleicht müsste ich diese Träume mit Kieselsteinen auf grünes Moos zeichnen oder mit einem Stock in den Schnee ritzen.«

Marlen Haushofer

JEZERO

Direkt vom Bahnhof fuhren wir zum Rathaus, um die Wahlunterlagen in den Briefkasten der Gemeinde zu werfen. Ich machte während der Fahrt zwei Kreuze, steckte den Wahlzettel in den Umschlag, steckte Umschlag und Wahlschein in den anderen Umschlag und warf das Couvert ein paar Minuten später ein. »Tag der Entscheidung«, verkündete die Rundschau am nächsten Morgen auf der Titelseite, es sei der Tag der Entscheidung. Ich hatte mich entschieden, das Wochenende in der Nähe von Frankfurt zu verbringen, da ich am folgenden Montag nach Schwalenberg reisen wollte und es mir sinnvoll erschienen war, die Zugreise aus der Schweiz in zwei Hälften von jeweils knapp viereinhalb Stunden zu teilen, und so saß ich nun in der Septembersonne auf einer Terrasse in Hessen und trank Kaffee. Durch die geöffnete Balkontür hörte ich das Küchenradio, ich roch die Zwiebeln, die in der Pfanne dünsteten, im Nachbargarten bellte ein Hund, seine Besitzerin sagte: Schluss jetzt!, woraufhin der Hund noch lauter bellte und sie noch lauter Schluss jetzt! sagte, am blauen Himmel sah ich ein Flugzeug samt Kondensstreifen, und auf dem Ast eines Baums im Garten landete eine Elster, die nur kurz innehielt und einmal krächzte, bevor sie wieder weiterflog. Es war ein angenehmer Nachmittag, nicht zu warm, nicht zu kalt, und ich dachte an das Buch, das ich im Zug gelesen hatte, WAR von Margaret MacMillan, worin die Autorin ein blutiges Tableau ausgebreitet hatte, eine historische Übersicht über die Kriege der vergangenen Jahrhunderte, und ich saß also in der Sonne und dachte an Bombenangriffe und Vergewaltigungen, Stacheldraht und Giftgas, die Genfer Konventionen, den Nürnberger Prozess sowie die tagesaktuelle Meldung, dass die US-Amerikaner beim ersten Drohnenangriff seit ihrem Abzug aus Afghanistan versehentlich zehn Zivilisten ermordet hätten, drei Erwachsene und sieben Kinder.

Das Thema Krieg hatte mich im Vorfeld meiner Reise auch im Zusammenhang mit der Ortschaft Schwalenberg beschäftigt, denn im Jahre 9 hatte vermutlich in Ostwestfalen die Varusschlacht stattgefunden, in deren Verlauf, so Historiker, ein Achtel des gesamten römischen Heeres von einer germanischen Armee vernichtet worden war, und an den Krieg dachte ich auch am nächsten Morgen wieder bei meinem Waldlauf, als plötzlich ein Doppeldecker am Himmel auftauchte, der knapp über den Baumkronen flog. Ein schwarzer Doppeldecker, dessen anachronistisches Motorengeräusch – so gänzlich anders als das eines Hubschraubers– mir wie der Nachhall einer längst vergangenen Zeit erschien. Ich blieb stehen und blickte dem Flugzeug hinterher, bis es nach einigen Sekunden hinter den Bäumen verschwunden war und nur das immer leiser werdende Rotorengeräusch mir verriet, dass ich mir die Maschine nicht eingebildet hatte, dass sie tatsächlich existierte und sich nun rasant entfernte. Und bei einem Doppeldecker dachte ich immer sofort an den Roten Baron, Manfred von Richthofen, obwohl dieser ja eigentlich dafür bekannt gewesen war, einen Dreidecker zu fliegen, was ich immer wieder vergaß, um es dann erneut irgendwo zu lesen und mich zu erinnern, ach ja, es war ein Dreidecker, eine Fokker Dr.I. Die Laufbahn Richthofens als gefürchteter Jagdflieger hatte abrupt geendet, als er im Frühling 1918 während eines Luftkampfs nicht von einem anderen Flugzeug, sondern von australischen MG-Schützen getroffen worden war und mit schweren Schussverletzungen nahe der französischen Gemeinde Corbie hatte notlanden müssen, wo er kurz darauf verstorben war. Als ich also diesen Doppeldecker sah, stand ich gerade auf dem Franzosenkopf, einem knapp vierhundertachtzig Meter hohen Berg im Spessart, nahe der grünen Grenze zu Bayern.

Im Internet erfuhr ich später, dass der Name Franzosenkopf angeblich von einer französischen Geschützstellung stammte, die die Armee Napoleons genutzt hatte, um auf ihrem Rückzug nach der Völkerschlacht bei Leipzig und vor der Schlacht bei Hanau das Kinzigtal zu kontrollieren. Und so etwas hatte ich mir schon gedacht. Es musste ja mit irgendeinem Krieg zu tun haben, warum sonst sollte ein Berg im Spessart Franzosenkopf heißen? Das Einbeziehen von Landschaft und Topografie in die Kriegsplanung, die Kriegsführung. Das Geschütz, das vom Berg in das Tal feuerte. Die Position strategisch überlegen – strategisch überlegen gegenüber dem Leben. To take the high ground, ein Konzept, das jetzt, in Friedenszeiten, seinen Ausdruck in den Hochsitzen der Jäger fand, dachte ich mir, diesen aus Holz zusammengezimmerten Wachtürmen, von denen man im Morgengrauen ungefährdet töten konnte, wobei die ungemeine Dichte an Hochsitzen rund um den Franzosenkopf mich seit Jahren, wenn ich auf Familienbesuch und deshalb in jenen Wäldern unterwegs war, immer wieder aufs Neue überraschte. Ich kannte nichts Vergleichbares. Im Bieler Seeland, am Jurafuß, wo ich lebte, sah ich selbst auf längeren Waldläufen so gut wie nie einen Hochsitz, während ich auf einer beliebigen Runde von nur sieben oder acht Kilometern in den Wäldern des Spessarts rund ein Dutzend mal mehr, mal weniger verwitterte Hochsitze zählen konnte, ganz so, als wollte eine Armee von Besatzern in diesem Gebiet alles erschießen, was es wagte, selbst nach Jahrhunderten der Unterdrückung immer noch kein Mensch zu sein. »The strong do what they can and the weak suffer what they must«, hatte ich bei Margaret MacMillan gelesen, die ihrerseits den antiken griechischen Geschichtsschreiber Thukydides zitiert hatte. Die Starken und die Schwachen; die Willkür und der Tod.

Nach einer ereignislosen Reise, in deren Verlauf ich zweimal hatte umsteigen müssen, einmal in Fulda und einmal in Hannover, traf mein Zug am Montagnachmittag in Schieder ein, wo mich meine Gastgeberin, die Organisatorin einer Literaturveranstaltung, mit dem Auto abholte. Sie fuhr mich nach Schwalenberg, wo ich dann in meinem Hotelzimmer stand und durch die Balkontür meines im Erdgeschoss gelegenen Zimmers in den Garten schaute, wo ich auf der Wiese ein Trampolin stehen sah sowie eine Rutsche, eine Schaukel, ein hölzernes Pferd und ein Spielhaus für kleine Kinder, über dessen Türe die drei Wörter VILLA CORA ZOÉ standen. Ich war in Schwalenberg, um zu recherchieren und mir einen Eindruck von der Gegend zu machen. »Schauplatz Landschaft« war der Name der Veranstaltung, in deren Rahmen ich im November vor Ort einen Text vorlesen sollte. »Die Landschaft zur Sprache bringen«, hatte ich auf der Website des Projekts gelesen, und während ich meinen Koffer auspackte und mich für einen Aufenthalt von mehreren Nächten einrichtete, dachte ich über diesen Satz nach, wendete ihn hin und her in meinem Kopf. Die Landschaft zur Sprache bringen – was sollte das bedeuten? Auf dem Tisch im Hotelzimmer lagen verschiedene Bücher, Hefte und Broschüren, schriftliche Quellen zur Region, mit denen ich mich während meines Aufenthalts beschäftigen wollte, darunter eine Ausgabe von Heimatland Lippe: Die Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes aus dem Jahre 1977 und eine Geologische Wanderkarte: Mittleres Weserbergland mit Naturpark Solling-Vogler im Maßstab 1:100 000. Die Geologie, so hatte ich mir überlegt, würde mein Schlüssel sein, mein Weg in diese Landschaft, und ganz besonders interessierte mich in diesem Zusammenhang die Diskrepanz zwischen dem menschlichen Anspruch auf Permanenz und Dominanz einerseits und einer Realität andererseits, in der selbst der mächtigste Herrscher, relativ gesehen, bloß die Lebenspanne einer Eintagsfliege hatte – die Kurzlebigkeit des organischen Lebens vor dem Hintergrund einer für den Verstand unfassbaren geologischen Zeitskala. »Deep time« hatte John McPhee dieses Phänomen 1981 erstmals in seinem Buch Basin and Range genannt. »Zahlen scheinen nicht gut zu funktionieren, wenn es um deep time geht«, schrieb McPhee. »Jede Zahl, die größer ist als ein paar Tausend Jahre – seien es fünfzigtausend oder fünfzig Millionen –, wirkt mit fast gleicher Wirkung lähmend auf die Vorstellungskraft des Menschen«. Unsere Bedeutungslosigkeit im Angesicht der Zeit, dies war ein Motiv, das mich schon seit Jahren beschäftigte, und immer, wenn ich zu lange über das Thema nachdachte, erfasste mich eine Art von Schwindel ob der Urkräfte und Kreisläufe, die den Planeten geformt und gestaltet hatten, die ihn weiterhin formten und gestalteten. Vertigo. Der Abgrund Zeit.

Ein paar Stunden später stand ich unter Bäumen im Matsch. Ein erster Spaziergang hatte mich aus der Ortschaft hinausgeführt und hin zur Magdalenenquelle im Schwalenberger Wald. Es regnete, auf der Sitzbank vor der Quelle hingen aus mir unerfindlichen Gründen zwei dunkle Kniestrümpfe über der Rückenlehne, und auf dem Stamm eines nahen Baumes sah ich drei kleine Schildchen, Wegweiser für Wanderer: Pilgern in Lippe, Weg der Stille, und Biesterfeldweg 6. Die drei Pfeile zeigten alle in dieselbe Richtung. Ich setzte mich auf die Bank, und der Regen, abgeschwächt von den Blättern der Baumkronen, fiel auf die Kapuze meiner Funktionsjacke. Ich hatte gelesen, dass sich das Gestein in dieser Region zum größten Teil während der Trias, dem Beginn des Erdmittelalters vor zweihundertfünfzig Millionen Jahren, gebildet hatte, der Name Ausdruck der Dreiteilung der Schichtenfolge des Gesteins in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Besonders markant und den meisten bekannt war aus dieser Epoche der Erdgeschichte der Buntsandstein, mit dem der Mensch in der Form von Ziegelsteinen seit unzähligen Generationen seine Behausungen baute. In der Untertrias-Zeit war die rheinische Masse ein rotes, wüstenhaftes, sich langsam hebendes Hochland gewesen und reißende Flüsse hatten saisonal Gestein transportiert, gewaltige Mengen an Schuttmaterial. Da diese Flüsse jedoch nur nach Unwettern Wasser geführt hatten, war der Schotter für lange Perioden dem Wind ausgesetzt gewesen, der die Oberflächen poliert und feine Partikel ausgeblasen hatte. Diese hatten sich dann an anderer Stelle zum Beispiel als Dünensand wieder abgesetzt. Durch das Klima begünstigt, oxidierten damals im Gestein enthaltende Eisenmineralien zu neuen Eisenverbindungen und gaben dem Buntsandstein seine markante rote Farbe. Und während ich daran dachte, schob sich vor meinem inneren Auge nun eine zweite Landschaft über den mich umgebenden Wald, eine lebensfeindliche und an den Mars erinnernde Wüstenszenerie. Ja, ich saß zwar momentan auf einer Bank an der Magdalenenquelle, aber gleichzeitig waren diese Koordinaten auch ein namenloser Ort inmitten einer rot schimmernden Einöde. »Eden before Adam gave names.« (Annie Dillard) Und da war es wieder, dieses Schwindelgefühl. Diese Diskrepanz zwischen räumlicher und zeitlicher Distanz, die mich auch vor Jahren auf einer Reise in Portugal für einen Augenblick mit solch überwältigender Verzweiflung erfüllt hatte, dass meine damalige Begleitung, der ich nicht vermitteln konnte, was mich dort im Hafen von Lissabon erfasste, dachte, ich würde einen Witz machen, während ich ihr wiederholt und mit steigender Frustration zu erklären versuchte, dass wir die Schiffe von Vasco da Gama sehen könnten, genau dort, wo wir standen, in Lissabon, wir sehen könnten, wie Vasco da Gama aufbreche, um die Welt zu entdecken, um die Welt zu zerstören, wenn wir nur die Distanz von fünfhundert Jahren in Richtung Vergangenheit körperlich zu überwinden wüssten. Diese Unfähigkeit des Menschen, durch die Zeit zu reisen, die Gefangenschaft im Augenblick der Gegenwart, sie hatte mich an jenem Abend in Lissabon fast um den Verstand gebracht, und ich erinnerte mich hier, auf einer Bank an der Magdalenenquelle, genau daran, dass ich mir eingebildet hatte, die Schiffe sehen zu können, sie hatten geschimmert auf dem Wasser, vier große Schiffe, ätherisch, die Segel gesetzt, und Vasco da Gama an der Spitze mit seinem Flaggschiff, der São Gabriel, die ich seit meiner Kindheit schon kannte von Briefmarken und Abbildungen in Geschichtsbüchern, und ich erinnerte mich an das schreckliche Gefühl, als sich dort in Portugal ein schwarzes Loch in mir geöffnet hatte, ein bodenloser Abgrund, der mich damals zu verschlingen drohte. Es war ein Gefühl der absoluten Hilflosigkeit im Angesicht der vergehenden Zeit gewesen, und in diesem Zusammenhang hatte ich an das Bild Angelus Novus von Paul Klee denken müssen, das Walter Benjamin dazu inspiriert hatte, über den Engel der Geschichte zu schreiben, der für ihn so ausgesehen hatte, »als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind ausgespannt. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert«. Der Wunsch des Engels zu verweilen und die Zerstörung zu heilen, war, laut Benjamin, eine Unmöglichkeit, denn »ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir Fortschritt nennen, ist dieser Sturm«. Und der Sturm, so dachte ich mir nun einmal wieder, er begann mit dem Menschen, die Katastrophe, die die Trümmer häuft, war der Mensch. Und somit erschien mir die Wüste der Trias, ihr rötlicher Schimmer, der mich umgab, als ich da saß, auf einer Bank im Schwalenberger Wald, tatsächlich wie ein Garten Eden. Es war die Stille vor dem Sturm. Der Sturm, der begonnen hatte, als wir anfingen, den Dingen Namen zu geben, als wir begonnen hatten, die Welt zu benennen, um sie zu besitzen, um sie zu beherrschen, Tag für Tag.

Ich stand auf und machte mich auf den Rückweg zum Hotel. Am Ausgang des Waldes kamen mir zwei Frauen mit einem Hund entgegen. Sie trugen gelbe Regenjacken, die Art von Schutzbekleidung, die man auch Friesennerz nennt. Eine der Frauen holte aus und warf einen Tennisball über mich hinweg in die Richtung, aus der ich gerade gekommen war. Der Hund schoss hinterher, ich hörte seine Pfoten auf dem Kies.

Am nächsten Morgen las ich, nachdem ich vom Frühstück in mein Hotelzimmer zurückgekehrt war, einen Aufsatz mit dem Titel »Kriechende Gesellen in Detmolds Hain & Flur: Ein Blick in die heimische Schneckenfauna«. Der Verfasser, ein gewisser Ernst Fleischhack, hatte in der Nähe seines Detmolder Wohnsitzes Schnecken gezählt. In einem Areal von circa vier Quadratkilometern, das zur Nordkette des Teutoburger Waldes gehörte und auf dem Königsberg sowie dem Büchenberg gipfelte, fand er, obwohl er, wie er betonte, bei Weitem nicht jeden Winkel hatte durchkämmen können, fast fünfzig verschiedene Spezies. Schnecken faszinierten mich schon lange. Gastropoden. Bauchfüßler. Ich liebte diese kleinen Tiere, ihre Langsamkeit hatte in meinen Augen eine ganz eigene Eleganz, und wenn ich im Wald eine Schnecke traf, so blieb ich zumeist stehen, beobachtete sie eine Weile und wünschte ihr viel Glück. Dies tat ich auch noch, nachdem ich gelernt hatte, dass Schnecken mehr oder weniger taub waren und mich gar nicht hören konnten. Sie nahmen ihre Umwelt vor allem über den Geruch wahr und über die Vibrationen des Bodens, die sie im Körper spürten. Neben der obligatorischen Weinbergschnecke, bekannt für ihr wunderschönes, aus Conchiolin gekittetem und mit Calciumcarbonat verstärktem Haus, bei dem es sich, wie der Autor erklärte, um einen rückwärts hochgewundenen Eingeweidesack handelte, wurde in dem Aufsatz auch die Große oder Gemeine Wegschnecke thematisiert, die kein Haus, dafür jedoch die Reste einer Schale in der Form kleiner Kalkplättchen auf dem Rücken trug, die vom Mantelschild ihres Körpers überdeckt wurden. Auch lernte ich mir bislang unbekannte Arten kennen, so zum Beispiel die Knoblauch-Glanzschnecke, Oxychilus alliarius, die zur Unterordnung der Landlungenschnecken gehört. Berührte man solch ein Tier, verbreitet es einen unverkennbaren Knoblauchgeruch. Ich wusste, dass viele Menschen zwar ob der schönen Schneckenhäuser, an denen man die Tiere hochheben konnte, ohne mit dem von Schleim überzogenen Mantel in Berührung kommen zu müssen, einerseits positiv auf Weinbergschnecken reagierten, aber andererseits eine tiefe Abneigung gegen Nacktschnecken hegten. Vor allem Gärtner waren auf Nacktschnecken nicht gut zu sprechen, besonders, wenn die kleinen Tierchen in größeren Gruppen auftraten. Doch von Ernst Fleischhack lernte ich nun, dass die Gemeine Wegschnecke, deren verschiedene von leuchtend rot bis schwarz reichenden Farbvariationen von der Bodenbeschaffenheit und dem Nahrungsangebot abhängig waren, vor allem verwelkende und verwesende pflanzliche Nahrung bevorzugte und somit die Rolle einer Art Gesundheitspolizei übernahm, während es die Ackerschnecke war, die mit ihrer Raspelzunge ausschließlich frische Pflanzen verzehrte. Ein äußerst wichtiges Detail, so schien es mir, das mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Von den in den Aufsatz eingefügten Zeichnungen interessierte mich besonders Abbildung 9, das Vorderteil des Körpers einer Gemeinen Wegschnecke, mit dem Fokus auf Mantelschild (Ms) und Atemloch (At). »Die punktierte Ellipse bezeichnet die Lage des Atemloches bei den Egelschnecken.« Ein Atemloch, dachte ich begeistert und notierte mir das Wort. Wie bei einem Wal! Gegen Mittag machte ich eine Pause und ging zur Gaststube des Hotels, um eine Tasse Kaffee zu kaufen. Ich ging nicht durch das Hotel, durch die Flure des Hotels, sondern außen herum, über den Parkplatz, weil ich frische Luft schnappen wollte. Der Himmel war bewölkt. An der Türe zur Gaststätte stand eine ältere Dame mit Krücken. Als sich unsere Blicke trafen, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich keine Bedeckung vor Nase und Mund trug, im Gegensatz zu der Person, die vor mir stand. Entschuldigung!, sagte ich etwas zu laut und tastete nach der Maske in meiner Hosentasche. Die Dame lachte. Keine Sorge, sagte sie, ich vergesse auch immer meine Einzelteile: das Hörgerät, die Zähne, die Maske. Für eine Sekunde war ich sprachlos und schaute die Frau, wie sie da mit ihren Krücken vor der Türe stand, einfach nur an. Dann musste ich lachen. Ich musste laut lachen und sie lachte auch und eine große Erleichterung durchflutete mich, ganz so, als sei ein Unglück im letzten Moment abgewendet worden.

Zurück in meinem Zimmer trank ich Kaffee und las noch einmal das Ende des Aufsatzes von Ernst Fleischhack. Zwei Drittel aller Schneckenarten der Welt, so erfuhr ich, lebten im Meer, denn das sei ihr ursprünglicher Lebensraum. Die Atmung dieser Schnecken erfolge über Kiemen und da es einigen Arten in der Vergangenheit gelungen sei, in Süßwassergebiete vorzudringen, könne man sie auch hierzulande beobachten, zum Beispiel in der Werre, wo die Gemeine Schnauzenschnecke, Bithynia tentaculata, lebe. Kiemenschnecken, dachte ich. Verrückt. Die atmen unter Wasser. Im Meer. Und ich dachte an das Meer und ich dachte an die Gesteinsschichten der Trias, dachte an den Muschelkalk und daran, dass das Norddeutsche Becken vor über zweihundert Millionen Jahren ein Flachmeer gewesen war. Hamburg, Bremen, Hannover – alles unter Wasser. Regelrecht unvorstellbar, aber einstmals unter Wasser. Wir stehen und wir gehen auf dem Boden eines Meeres, dachte ich mir, während ich auf eine geologische Karte blickte, auf der sich die Rheinische Masse wie eine Zunge Richtung Norden streckte, begrenzt von der Niederrhein-Senke links und der Hessischen Senke rechts. Dann schaute ich aus dem Fenster. Der Himmel war grau und dunkle Wolken zogen in Richtung Schwalenberger Wald. Ich checkte die Wetter-App auf meinem Telefon, da ich noch einen Ausflug machen wollte, und sah, dass es in Schwalenberg bereits seit einer Stunde regnen sollte. Ich schaute erneut aus dem Fenster. Kein Regen. Verwirrend, dachte ich, während mein Blick auf das recht große, kreisrunde Trampolin fiel, das im Garten stand, neben dem Pferd aus Holz. Alles sehr verwirrend.

Als es am späten Nachmittag immer noch nicht geregnet hatte, beschloss ich, es einfach zu wagen und aufzubrechen. Allerdings nicht zu Fuß, sondern mit einem Fahrrad, das ich mir ausgeliehen hatte. Ich hatte diesmal ein konkretes Ziel, einen Ort im Schwalenberger Wald, über den ich schon vor meiner Anreise gelesen hatte und der laut Karte knapp vier Kilometer entfernt auf einer Hochfläche vierhundert Meter über dem Meeresspiegel lag, in direkter Nachbarschaft zu einem ehemaligen Hangmoor namens Mörth. Es handelte sich um eine aufgegebene Raketenstation aus dem NATO-Luftverteidigungsgürtel, der sich während des Kalten Krieges durch Westdeutschland gezogen hatte, von der Nordsee bis hinunter an die Alpen. Und hier, sozusagen einen Katzensprung entfernt, versteckt im Wald, waren also Soldaten der niederländischen Luftwaffe stationiert gewesen: das 328. HAWK Squadron Schwalenberg. Die Stellung war 1965 in Betrieb genommen und im Juli 1994 aufgegeben worden. Heute sei der Standort renaturiert, hatte ich im Internet gelesen, und es war dieses Wort gewesen, renaturiert, das mich interessiert hatte. Was genau sollte das bedeuten? Ich hatte gelesen, dass das Militär beim Abzug alles mitgenommen habe und dass dort oben nichts mehr zu finden sei, außer leeren Parkplätzen und den Grundrissen von Gebäuden, die jetzt fehlten, ganz so, als hätten sie sich über Nacht einfach in Luft aufgelöst. Und keine fünf Minuten auf dem Fahrrad, da begann es auf einmal tatsächlich sturzbachartig zu regnen. Von einem Moment auf den anderen war meine Hose klitschnass. Ich setzte die Kapuze auf und fluchte, während ich langsam, aber stetig bergauf radelte, immer bergauf, auf einer asphaltierten Straße, die mir, je tiefer ich in den Wald fuhr, immer seltsamer erschien. Der Regen prasselte laut auf meine wasserdichte Jacke und ich begann ein wenig zu schwitzen. In der Ferne hörte ich leisen Donner. Als ich hinter einer Kurve sehen konnte, dass die Straße ein Stück geradeaus verlief, bevor dann die nächste Steigung begann, hielt ich an und stieg vom Rad. Logisch betrachtet wusste ich zwar, dass ich nur zwei, drei Kilometer vom Hotel entfernt war, doch plötzlich überkam mich das Gefühl, der letzte Mensch auf Erden zu sein, ganz und gar allein, auf irgendeiner Straße, die noch übrig war, im Wald. Doch übrig wovon? Wonach? Ich schob das Fahrrad um einen großen Ast herum, der abgebrochen auf der Fahrbahn lag, und stieg wieder auf. Der Regen: eine Wand. Es gab keinen Zweifel, ich war der letzte Mensch auf dieser Welt und der Wald, der mir am Vortag noch freundlich erschienen war, zeigte sich nun von einer anderen Seite. Dunkel und abweisend lag er links und rechts der Straße, als wäre ich falsch abgebogen und hätte eine Warnung ignoriert, und so bewegte ich mich nun durch ein Gebiet, das nicht für mich bestimmt war. Dass mein plötzliches Unbehagen sowie das Gefühl, beobachtet zu werden, nur meiner Fantasie zuzuschreiben war, spielte dabei keine Rolle.

Laut einer antiken griechischen Sage hatte es auf der Insel Kreta ein Labyrinth gegeben, in dessen Zentrum der Minotaurus gelebt hatte, eine Kreatur mit dem Körper eines Mannes und dem Kopf eines Stiers. Dieses Mischwesen war das Kind der Pasiphaë, Frau des Minos, die sich, vom Meeresgott Poseidon verhext, mit einem Stier gepaart hatte. Nach der Geburt hatte König Minos von Dädalus ein Labyrinth errichten lassen, um das Monster darin einzusperren, und alle neun Jahre veranstaltete er ein grausames Ritual. Athen, das von Kreta militärisch besiegt worden war, musste sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen auf die Insel senden, wo diese in das Labyrinth geschickt wurden, als Menschenopfer für den Minotaurus. »Doch was«, fragte Johannes Binotto in seinem Buch TAT/ORT, einer Dissertation über das Unheimliche und seinen Raum in der Kultur, »wenn es den Minotaurus gar nie gegeben hätte? Wäre damit das Schicksal jener nicht noch schrecklicher? Denn statt in den Fängen des Monstrums, würden sie im Wahnsinn umkommen. Mit jedem Meter, den sie weiter tappen, steigert sich die Angst, dass hinter der nächsten Biegung des Ganges das Zentrum des Baus sich auftun könnte, in dem das Wesen lauert. War da nicht ein Scharren hinter der Mauer oder hört man nur das Echo der eigenen Schritte?« Der Minotaurus konnte niemals erreicht werden, weil er laut Binotto gar nicht existierte. Es gab nur den sich endlos windenden Weg und die Angst, die sich auf ihm ins Unermessliche steigerte. »Das Ungeheuer ist nicht dort im Innern. Es ist schon da, im Bau selbst. Es frisst uns auf – Schritt für Schritt.«

Und das, was ich da spürte, ganz alleine, tief im Wald, war die Präsenz des Unheimlichen. Die Bäume waren dicht an den Asphalt herangerückt, bereit, ihn zu verschlucken, und ich bewegte mich auf mein Ziel zu, auf das Herz des Labyrinths, die verlassene Raketenstation, ohne zu wissen, was genau mich dort erwartete, und solange ich den Ort nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, konnte mich dort alles erwarten, einfach alles. Doch zuerst, wie konnte es anders sein, musste ich mich noch einmal verirren. Das Unwetter behinderte den Empfang meines Telefons und so konnte ich die Straßenkarte nicht aufrufen und bog zu früh ab, folgte mit dem Fahrrad einem Weg, der, wie ich später auf der Karte sehen sollte, einen halben Kilometer östlich der Raketenstation einen Bogen um das Areal machte. Es war der sogenannte Jagdweg, von dem einen Kilometer später der Franzosenweg abzweigte. Franzosenkopf. Franzosenweg. Napoleons Kanonen. Ein Gürtel aus Raketen hoch im Wald.

Das Schlachtfeld und seine Topografie. Margaret Mac-Millan schrieb in ihrem Buch auch über diesen Aspekt, über die Veränderung der menschlichen Wahrnehmung in Bezug auf Landschaften im Krieg. Flüsse und Kanäle waren beispielsweise plötzlich nicht mehr Lebensadern, die für den Transport von Gütern benutzt werden konnten, sondern Hindernisse, die der Angreifer zu überwinden hatte, während sie der anderen Seite Schutz boten. Berge, Wälder, Hügel und Felder – alles wurde Teil des Schlachtplans. Und wer auf einem Hügel stand, der hatte meist die Oberhand, so MacMillan und zeigte dies anhand der Schlacht bei Arras, an der Westfront des Ersten Weltkriegs im Jahre 1917. Kanadischen Truppen war es dort gelungen, den Deutschen einen strategisch wichtigen Höhenzug nahe der französischen Gemeinde Vimy abzunehmen. Obwohl die deutschen Stellungen teilweise nur sechzig Meter erhöht gelegen hatten, kostete es die Kanadier knapp zehntausend Menschenleben, den Steilhang einzunehmen. Die deutschen Soldaten hatten von ihren Stellungen aus Dutzende Kilometer in alle Richtungen sehen können und die sich auf offenen Feldern nähernden Truppen waren leuchtende Zielscheiben gewesen.

Ich drehte um und fuhr fluchend durch den Regen zurück, bis ich wieder auf die asphaltierte Straße stieß, der ich dann ein Stück weit Richtung Westen folgte, um schließlich erneut abzubiegen. Diesmal hatte ich Glück und nach ein paar Minuten stand ich vor dem weit geöffneten Tor der Raketenstation. Links des Tores stand ein ausgeschlachtetes Trafohäuschen, halb versteckt hinter Ästen und Büschen, und als ich mit dem Rad durch das breite Tor fuhr, erklärte sich mir auch die Straße, diese verlassene und für einen Wald viel zu breite Straße, die in mir solch ein Unbehagen ausgelöst hatte und die offensichtlich nur gebaut worden war, um Militärfahrzeugen den Zugang zu ermöglichen. Material musste transportiert, Truppen mussten bewegt werden. Und für einen Moment konnte ich sie plötzlich sehen, bildete mir ein, sie auch zu hören, die schweren Kettenfahrzeuge und Jeeps, Phantome mit Tarnfarbe bemalt, wie sie am Trafohäuschen vorbei durch das Tor rollten, das hinter ihnen sofort wieder geschlossen wurde von grimmigen Soldaten mit Gewehren, um Zivilisten wie mir den Zutritt zu verwehren. Und ich folgte der Straße bis auf einen Parkplatz, der von Wald umgeben war. Dort hielt ich an und stieg vom Rad, und das Erste, was mir auffiel, war die Stille. Alles war still. Ich hörte nur den Wind, das Rauschen der Bäume im Wind. Und erst in diesem Moment bemerkte ich, dass es aufgehört hatte zu regnen. Wie seltsam, dachte ich. Wann hatte es denn aufgehört zu regnen? Ich schob die Kapuze vom Kopf und sah, so unerwartet dies auch war, einen Regenbogen. Am Himmel stand ein Regenbogen hoch über dem Wald. Ich machte ein Foto und schaute mich um. Schnell fand ich eine jener Stellen, auf der ein Haus gestanden hatte, eines der Gebäude, das nun fehlte, von dem nur noch ein Schatten übrig war, ein niedriger Umriss, ein Grundriss aus Stein. Und dort, wo einst das Haus gestanden hatte, da wuchs jetzt Gras, Laub lag in den Pfützen, und mitten im Gebäude, in irgendeinem Zimmer ganz aus Luft, da stand ein Baum, da wuchs ein schlanker Baum in Richtung Himmel und der Baum war eine Birke und als ich mich ihr näherte, sah ich mit Erstaunen, dass da noch der Boden war, der Boden des Hauses lag immer noch da, dreckig, überwachsen, leuchtend rot. Rote Fliesen, Ziegelsteine, dachte ich verblüfft. Der Boden war aus Ziegelsteinen. Erdgeschichte, Trias und so weiter. Und als ich da so stand, mit dem Handy für ein Foto in der Hand, schien sich in mir ein Knoten zu lösen und die Anspannung fiel ab. Ich wurde ruhig. Das Unbehagen war verflogen und völlig unerklärlich erschien mir nun die Angst, die ich verspürt hatte auf der Fahrt zu diesem Ort, denn hier, war ich mir sicher, gab es nichts. Es gab hier kein Geheimnis, zumindest keines, vor dem man sich noch fürchten musste. Der Bau des Minotaurus, er war leer. Keine Soldaten, keine Raketen, keine geheimen Luken aus Stahl. Es gab hier nur die fehlenden Ruinen. Es gab hier nur das Gras und den Asphalt. Ziegelsteine. Dichten Wald. Und Wind. Es wehte ohne Unterlass ein Wind. Ich ging in die Knie und griff nach einem Stein, ein dunkelroter Splitter, schwarz verdreckt. Das hier war die Zukunft, wusste ich auf einmal, das hier waren Reste einer Gattung nach dem Fall. Die Zeit kein Strahl, sondern ein Kreis. Nicht Fluss, sondern Meer. So wie bei den Potawatomi, einem Stamm aus der Region des Mississippi. Denn für sie war die Zeit kein reißender Strom, der nur in eine Richtung floss, sondern ein zirkulierendes Gewässer, und nichts war jemals wirklich vergangen, alles kam wieder zurück. »Der Wechsel der Gezeiten«, schrieb die Biologin Robin Wall Kimmerer. »Nebel, der steigt, um Regen zu werden. Die Dinge, die einst waren, werden sein.« Solch ein Konzept von circular time