Zuwanderer in Lippe - Gudrun Rehmann - E-Book

Zuwanderer in Lippe E-Book

Gudrun Rehmann

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Beschreibung

Dies ist eine Sammlung von Geschichten über Zuwanderer, die nach Lippe gekommen sind, das "Land am Fuße des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald". Die Geschichten zeigen gelungene Integration in Deutschland. Männer und Frauen aus den verschiedensten Ländern berichten von überraschenden Erfahrungen, die sie bei der Einwanderung in Lippe machten. Auch Integrationshelfer kommen zu Wort, denn der Weg von Lippe in die weite Welt ist genau so lang wie der Weg aus fernen Ländern nach Lippe.

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Seitenzahl: 47

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Gudrun Rehmann

Zuwanderer in Lippe

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Wie auf dem Schachbrett, Südamerika Ostasien, ohne Namen
2 Kaffee ist mein Markenzeichen! Kolumbien, ohne Namen
3 Heimisch werden - eine schwere Aufgabe, Kuba, Frau und Herr A.
4 Detmold gegen Manhattan! USA, Herr B. C.
5 Der Abstand von der Erde zum Himmel ist in jedem Lande gleich, Frankreich, Frau und Herr V.
6 Der Mensch lebt nicht von Brot allein, Italien Concetto Schillaci
7 Die Sprache ist der Schlüssel zur Umgebung, Kasachstan, Frau und Herr Schlotthauer
8 Heilende Hände, Nigeria, Samuel Farodoye
9 Deutschland, das Land der Scheine, Afrika, Herr E.
10 „Das habe ich gar nicht gewusst.“ Syrien, Deutschland, Liselotte Heldmann
11 Alles Theater!, Türkei, Levent Arslan
12 Heiliger Bürokratius! Armenien, Aida Amiryan-Stein
Nachwort
Ausklang
Eine Taubengeschichte
Begegnungen, ganz normal ungewöhnlich

Druck-Exemplare dieses Buches sind erhältlich: in Detmolder Buchhandlungen bei der Verfasserin (siehe unten),

Brahmsstraße 11, 32756 Detmold, Tel.: 05231 31 2 31, zwischen 12.30 und 13.00 Uhr.

Interviews: Gudrun Rehmann

Texte: Gudrun Rehmann

Gestaltung Umschlag und Buch: Bernhard Staercke

Sekretariat: Miriam Pereluk

Druck: Lippische Landeskirche

© 2014 Gudrun Rehmann

Vorwort 

In diesem Heft geht es um gelungene Integration zugewanderter Mitbürger in Hausgemeinschaften, Nachbarschaft und Beruf. Was ist „Integration“ für die Beteiligten? Und wer ist beteiligt?

Es geht um die Stellung einer Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft. Gewöhnlich wird von der Minderheit erwartet sich der Mehrheit anzupassen, wenn nicht gar unterzuordnen.

Ist aber „Ordnung“ erstrebenswert? Riecht sie nicht nach (deutscher) Bürokratie? Ergibt sich dann gar eine Drei-Klassen-Einteilung in Zuwanderer aus der Europäischen Union -

Zuwanderer weißer Hautfarbe von Ländern außerhalb Europas - und „farbige“ Zuwanderer? Beschränkt sich Integration auf das Erlernen der Sprache des Ankunftslandes, auf die Anerkennung seiner Gesetze, Sitten und Gebräuche,

also auf Vorgänge, die sich im Innern eines Menschen vollziehen, oder wird auch eine äußere Anpassung erwartet: Frauen tragen keine Hosen, kein Kopftuch, je nach Forderung der „Leitkultur“?

Ist derjenige am besten integriert, der am wenigsten auffällt? Dann wären die „farbigen“ Zuwanderer also nicht integrierbar?!

Erstaunen verbreitet sich in der Mehrheitsgesellschaft immer wieder, wenn sie sieht, dass bestimmte Minderheitsgruppen sich wohl integrieren könnten, es aber nicht wollen, weil sie an Gewissensgrenzen stoßen:

Die Werte, die sie im Ankunftsland vorfinden, sind nicht die ihren. Diese Zuwanderer führen im „besten“ Falle ein unbeachtetes Nischendasein oder sie fordern ihre Umgebung heraus oder sie ziehen schließlich in ein andres Land.

Hier stellt sich die Frage: Darf, muss in unserer Gesellschaft auch Raum für Integrationsverweigerer sein?

Menschen, die z. B. unsern Erziehungsgrundsätzen misstrauen (Sexualkundeunterricht in der Schule, zwangloses Miteinander der Geschlechter bei Sport und Klassenfahrten)?

Wie reagieren Einheimische, die etwa Russlanddeutsche zu einem Diskussionsabend eingeladen haben und zur Antwort erhalten: „Kommt ihr erst mal in unsern (baptistischen) Gottesdienst, dann besuchen wir vielleicht eure politische Veranstaltung!“?

All diese Fragen lösen sich, wenn man davon ausgeht (und das tun diejenigen wahrscheinlich, die dies Heft in die Hand bekommen): Allein der Begriff „Integration“ könnte schon als Anfechtung verstanden werden.

Er legt Gängelung einer Minderheit durch eine Mehrheit nahe, wo es sich doch um ein Aufeinanderzugehen von gleichberechtigten, allerdings unterschiedlichen Menschen handelt, die umständehalber „gezwungen“ sind, besser:

die schöne Möglichkeit haben, gedeihlich miteinander auszukommen. Das wird wie in der Ehe, in der Politik und andern menschlichen Verhältnissen nur annäherungsweise zu erreichen sein. Aber die Mühe lohnt sich, und es gibt keinen anderen Weg.

„Wer nur Menschen um sich zu ertragen vermag, die sind, wie er selbst ist, die denken, wie er denkt, der wird, auch wenn es nur wenige betrifft, eine Diktatur unter ihnen gründen.

Er wird die, die nicht so sind wie er, unbarmherzig verachten, und wenn er die Macht dazu hat, diese auch verfolgen … wo Absolutheitsansprüche mit aller Härte durchgesetzt werden, ist der nächste Aufstand, der nächste Krieg programmiert.“

(So drückt es Wilfried Milter in seiner Novelle „David“ auf S. 70 aus. Fabuloso-Verlag, Bilshausen 2011).

Dass eine solche Haltung in Lippe nicht herrscht, liegt weniger an der Vernunft der Einwohner, sondern laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung daran, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht.

„Der Zusammenhalt der Menschen in Deutschland wächst bundesweit … ausschlaggebend ist vor allem der materielle Wohlstand. Der Bielefelder Soziologe Klaus Hurrelmann nennt diese Kernbotschaft ‚banal, aber etwas bitter schmeckend´.

Zu den überraschendsten Ergebnissen der Studie zählt für den Sozialwissenschaftler der positive Effekt von Zuwanderern. Die Studie zeigt deutlich, dass die Bundesländer mit dem höchsten Ausländeranteil den engsten Zusammenhalt haben.

Hurrelmann bezeichnet dies Ergebnis als ‚bemerkenswert und ermutigend‘, zeige es doch, dass anderweitige Befürchtungen nicht zuträfen. ‚An der Vermutung, dass mehr Zuwanderer unser Gemeinwesen ärmer und unsicherer machen, ist nichts dran‘.“ (Lippische Landeszeitung vom 13.05.14)

Wie die Zuwanderer im Einzelnen bei den Lippern Wurzeln geschlagen haben, versuchte ich in Gesprächen herauszufinden. Lange nicht alle Gefragten sagten zu; gewöhnlich gaben sie keinen Grund an.

Einige waren bereit, mir Auskunft zu geben, wenn ihr Name nicht erscheine: Allzu persönlich waren die preisgegebenen Erfahrungen.

Es ist mir gelungen, Vertreter aus vier von fünf Erdteilen zu finden. Gern hätte ich mehr Frauen befragt (immerhin erwähnten einige der Männer ihre Gattinnen); einige führten Zeitmangel als Ablehnungsgrund an:

1 Wie auf dem Schachbrett, Südamerika Ostasien, ohne Namen

Eines Tages – ich hatte so ziemlich alles verloren, was ein Mensch verlieren kann – stand ich allein und ohne Arbeitsstelle da; aber ich besaß ein Haus: