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Und wir werden in ganzen Wäldern liegen und ganz auf Wiesen. Ganz in den Himmel atmend und ein wenig ganz nicht.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2014
Ron Winkler
Zuwendung in Zeichen
Postkarten
SuKuLTuR
2014
Auf dieser Karte siehst du die Stadt im 8. Jahrhundert. Die Obodriten haben ihre Nachmittagsschlafanzüge zum Trocknen in den nicht gemalten Wind gehängt. Die Wolken sehen aus wie Schafe, denen man die Glieder weggezüchtet hat. Das Sonnenlicht scheint aus dem Boden zu kommen. Lampiongras, Lichtblumen dazwischen. Letzte Vertreter von Vergißdichnicht. Die Männer heben die Pferde an, damit die Frauen das gemähte Licht zusammenharken können.
(Wassily Kandinsky, Frühling, 1905)
Du mit den Kusslidern, der Kussstirn und Kusszunge, dem Kusshaar über dem Kusshals, dem Kussnacken mit seinen Kusshärchen, und du mit den Kussbrauen, die zu den Kusswimpern gehören über den Kusswangen, den Kusslippen mit Kusswärme und Kussfeurigkeit und Küssegeschmack, das Kussmedaillon nicht zu vergessen nahe der Sonderkussstelle über dem Kussbauch über der Kusswunderbarkeit, die wir nicht benennen.
Wir lägen auf einer Wiese.
Wir wechselten in den Schatten des anderen und wieder zurück.
Wir trügen Salzkorallen auf unserer Haut.
Unter dem Indigotuch des Himmels.
Wir wüchsen immer wieder in Tänze hinein.
Und sprächen uns französisch an und aus.
Wir hätten eine dauernde Verabredung mit dem Körper des anderen. Wir zählten unsere Bauchnabel nach.
Schrieben neue Alphabete, erfänden Blumen.
Wenn Sommer wäre, Sommer.
Eine Bank im Park, Sommerherbst, die Füße blankgezogen, hunderte Kastanien, hunderte davon zertreten, Volker Braun, »mein Scheißstaat«, Rimbaud, heranrückende Gebäude, eine große Palette an Beton, manche Parkistas fast nackt zwischen den Gerüchen und Geräuschen, und ein müder Mensch, männlich, von sich selbst fotografiert, schwarzer Rock, denn die Nacht endete um sieben, der Tag schrie ihn nicht richtig wach, Klavier des Schweigens, giftige Lockstoffe an jedem Horizont. Gehen Sie genau dort entlang.
Augenglanz hoch neun. So liebe ich dich.
Liebste Matienne,
ich bin, denkst du vielleicht, wieder säuselig. Aber versteh, ich habe in diesen Tagen ja auch keine liebste Telefonpartnerin.
Die kann ich auch nicht durch Herrengespräche kompensieren, wie sollte ich?
