Zweiundzwanzig Faszinationen - Alexander Garth - E-Book

Zweiundzwanzig Faszinationen E-Book

Alexander Garth

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Beschreibung

Alexander Garth möchte anschreiben gegen den aktuellen Frust und das miserable gesellschaftliche Klima, das den Blick auf das Leben und auf mögliche Problemlösungen verdunkelt. Es gibt viele angstmachende Szenarien wie Krieg, Klimawandel, wirtschaftlicher Niedergang, Geldentwertung und zunehmende Gewalt. Unsere Zeit braucht Menschen, die Brunnen der Hoffnung und Ermutigung graben. Und so hat sich der Autor hingesetzt und in zweiundzwanzig Kapiteln erzählt, was ihn fasziniert, glücklich, lebensfroh und manchmal sogar euphorisch macht. Garth ist begeistert von den wissenschaftlichen Fakten über die Entstehung der Welt, über die Faszination der kosmischen Hintergrundstrahlung und über das Wunder der menschlichen DNA. Er schwärmt von der genialen Kommunikationsoffensive des Schöpfers, von der Wiederauferstehung Israels und von der größten Überraschung seines Lebens: Gott gibt's tatsächlich und er schenkt das faszinierende Erlebnis seiner Nähe. Garth erzählt autobiografisch von einer Entführung in Indien, vom Fall der Berliner Mauer und von Begegnungen mit inspirierenden Menschen. Er fragt nach dem, was uns glücklich macht und was unser Leben gelingen lässt, auch wenn wir mitunter dunkle Täler von Leid und Trauer durchschreiten.

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Seitenzahl: 202

Veröffentlichungsjahr: 2025

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ZWEIUNDZWANZIG FASZINATIONEN

ALEXANDER GARTH

ZWEIUNDZWANZIGFASZINATIONEN

Ein christliches Antidepressivum

Alexander Garth, Jahrgang 1958, ist Pfarrer, Publizist, Autor und Dozent. Aufgewachsen in Sachsen studierte er Evangelische Theologie in Leipzig und war zunächst Pfarrer und Gemeindegründer in Sonneberg (Thüringen). Anschließend wurde er Pfarrer und Bereichsleiter in der Berliner Stadtmission und gründete die Junge Kirche Berlin. Von 2016 bis 2023 war er Pfarrer in Wittenberg an der Mutterkirche der Reformation. Seit 2023 ist er offiziell im Ruhestand, aber intensiv beschäftigt mit Vorträgen, Predigten und Lehrtätigkeiten an theologischen Seminaren sowie als Autor und Lebensberater. Seine Kompetenzbereiche liegen in der Religionssoziologie, der Missiologie, der Kommunikation des Evangeliums in eine säkulare Postmoderne und in der Gemeindeentwicklung. Dabei ist die globale Religionsentwicklung und der Aufbruch des Christentums in eine Welt, die in unserer Kultur zunehmend säkular geprägt ist, aber global gesehen immer religiöser wird, sein Lieblingsthema. Garth ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Berlin. www.alexandergarth.de

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2025 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig

Printed in Germany

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Das Buch wurde auf alterungsbeständigem Papier gedruckt.

Cover: Anja Haß, Leipzig

Coverbild: © metamorworks/iStockPhoto.com

Satz: makena plangrafik, Leipzig & Zwenkau

Druck und Binden: CPI books GmbH

ISBN 978-3-374-07755-7 // eISBN 978-3-374-07756-4 (PDF)

www.eva-leipzig.de

EINKLANG

Zweiundzwanzig Faszinationen als Antidepressivum habe ich geschrieben, weil ich sehe und spüre, dass eine Woge der Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst über unser Land hereinbricht. Kriegsgefahr, Wirtschaftsabschwung, Klimakrise, steigende Kriminalität, militanter Islamismus und Polarisierung der Gesellschaft verschlechtern das Lebensgefühl vieler Menschen. Die Medien fördern mit ihrer Fixierung auf negative Meldungen und der Schwarzmalerei von Horrorszenarien die miese Stimmung im Land. In solchen Zeiten sind die Entdeckung von Hoffnungs- und Glaubensressourcen von großer Wichtigkeit, um zu einem positiven Lebensgefühl und begeisterten Leben zu finden, gegen allen Frust und Pessimismus unserer Zeit. Der lebendige christliche Glaube ist eine frisch sprudelnde Quelle von positiver Energie: Ermutigung, Kraft, Hoffnung, Geborgenheit, Vitalität. Dieses Buch ist ein fröhlicher Streifzug durch das, was mich fasziniert und hoffnungsfroh macht: persönliche Erlebnisse, Glaubenserfahrungen, Gedanken zu Wissenschaft, Geschichte und Theologie, mit dem Versuch, alles spannend und unterhaltsam zu präsentieren. Ich hoffe, ich kann mit diesem Buch einen bescheidenen Beitrag leisten, die Stimmung etwas zu bessern und Hoffnung und Glauben in die Herzen zu pflanzen.

INHALT

EINKLANG

1. FASZINATION: DIE ÜBERRASCHUNG MEINES LEBENS

2. FASZINATION: GOTTES KREATIVE IDEEN FÜR UNSER LEBEN

3. FASZINATION: ES WERDE LICHT

4. FASZINATION: DER GROSSE KNALL, DAMIT ES UNS GIBT

5. FASZINATION: DER KOMPLIZIERTESTE CODE DER WELT

6. FASZINATION: EINE KOMMUNIKATIONS-OFFENSIVE

7. FASZINATION: DER FASZINIERENDSTE MENSCH ALLER ZEITEN

8. FASZINATION: VERGEBUNG

9. FASZINATION: DER SIEG DES LEBENS

10. FASZINATION: HIMMEL IN HERZEN

11. FASZINATION: EINE BOOMENDE GLOBALE BEWEGUNG

12. FASZINATION: DER SINN DES LEBENS

13. FASZINATION: IDENTITÄT

14. FASZINATION: DAS GLÜCK DES LEBENS

15. FASZINATION: DIE WIEDERGEBURT ISRAELS

16. FASZINATION: MAUERFALL

17. FASZINATION: VERLOREN UND GEFUNDEN IN INDIEN

18. FASZINATION: EIN HIMMLISCHES FEST

19. FASZINATION: LEIDENSCHAFT

20. FASZINATION: GOTTES FRAGWÜRDIGE HELDEN

21. FASZINATION: WARUM ICH IMMER NOCH GLAUBE

22. FASZINATION: VOM URKNALL BIS ZUM HAPPY END

NACHKLANG

1. FASZINATION:DIE ÜBERRASCHUNG MEINES LEBENS

Dieses Buch beginnt mit der größten Überraschung meines Lebens. Sie ist für mich bis heute die faszinierendste Entdeckung, die man auch als Wunder bezeichnen könnte: dass es eine Macht gibt, die nicht von dieser Welt ist, die sich aber mitteilt, in unser Leben einbricht und das Herz erleuchtet und wärmt.

Um zu verstehen, worüber ich spreche, muss ich das zugrundeliegende Weltbild ein wenig erklären. Es gibt eine Weltsicht, die fast alle Menschen auf Erden teilen: das spirituelle Weltbild. Es geht aus von der Verdopplung der Wirklichkeit. Es gibt die sichtbare, endliche Wirklichkeit, und es gibt die unsichtbare, unendliche Wirklichkeit – diese geschaffene Welt und die ewige, jenseitige Welt. Für letztere hat man viele Begriffe gefunden: Jenseits, Himmel, Ewigkeit, Transzendenz. Die diesseitige Welt funktioniert nach naturwissenschaftlichen Gesetzen, in der jede Wirkung eine natürliche Ursache hat. Es ist die Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen. Und es gibt die jenseitige Wirklichkeit der Engel, der guten und bösen jenseitigen Wesen. Das spekulative Denken, das sich mit der Welt der jenseitigen Mächte und geistlichen Kräfte befasst, wird mit dem Begriff Metaphysik umschrieben. Etwa 95 Prozent der Menschheit hängen einem spirituellen Weltbild an, Zahl steigend. Es ist die Grundüberzeugung der Menschheit von Anbeginn. Wir finden sie in allen Kulturen und Epochen. Dem entgegen steht ein sehr junges Weltbild, dem etwa fünf Prozent der Menschheit zugetan sind: dem materialistischen Weltbild. Friedrich Engels, einer der wichtigen Ideengeber des Materialismus im 19. Jahrhundert, lehrte: »Die stofflich, sinnlich wahrnehmbare Welt, zu der wir selbst gehören, ist die einzig wirkliche.« Diese Weltsicht wird auch das immanent-kausale Weltbild genannt, weil in diesem alles nach streng innerweltlichen Gesetzen von Ursache und Wirkung abläuft. Die meisten seiner Anhänger wohnen in Europa und besonders in Ostdeutschland. Diese Weltsicht reduziert die Wirklichkeit auf die materielle, wissenschaftlich erforschbare Welt. Dieses Weltbild ist radikal diesseitig. Es gibt kein Jenseits, keinen Himmel, keine Hölle. Der Mensch ist kein spirituelles Wesen. Er hat keine Geistseele, keine unsterbliche spirituelle Kernpersönlichkeit, kein Bewusstsein, das den Tod überdauert. Bewusstsein ist nur eine Funktion der Materie, die sich ihrer selbst bewusst geworden ist. Ein amerikanisches Wissenschaftsmagazin fasste diese Weltsicht mit den Worten zusammen: »No heaven, no hell, just science« (keine Himmel keine Hölle, nur Wissenschaft).

Obwohl ich in der DDR aufgewachsen bin mit ihrem Atheismus als Staatsdoktrin, war das spirituelle Weltbild für mich eine Selbstverständlichkeit. Dennoch blieb mir der christliche Glaube in dem, was ihn eigentlich ausmacht, fremd.

Als Kind und Jugendlicher hatte ich viel von Gott und Jesus gehört. Es gefiel mir, wie er mit den Menschen umging, Wunder tat, den religiösen Eiferern unbequeme Dinge sagte, den Sündern ihre Schuld vergab, die Kranken heilte und Geschichten über Gottes sehnsüchtige Liebe erzählte. Ich mochte dieses Christentum. Aber das alles war mindestens zweitausend Jahre her. Viel zu weit weg, um es bedeutsam zu finden. Zweitausend Jahre sind zu viel. Da verschwindet alles im Nebel der Geschichte. Was haben diese ganzen Gott-und-Jesus-Geschichten mit meinem Leben zu tun? Ich hörte, wie Gott vor langer Zeit gehandelt hatte. Aber ich lebe heute! Ich hörte, was Jesus vor zweitausend Jahren getan hatte, aber niemand sagte mir, was er heute tut in meiner Zeit und in meiner Welt. Ich hörte, wer er damals war, aber nicht, wer er heute ist für Menschen wie mich, die voller Lebenshunger und Sehnsucht nach dem fragen, was wirklich zählt.

Ich war ein Teenager, als ich Johanna traf, eine Krankenschwester. Sie erzählte mir von ihrem Glauben und lieh mir ein Buch: Das Kreuz und die Messerhelden von David Wilkerson. Ich dachte »Super, ein Buch aus dem Westen!« (in der DDR waren Bücher aus dem Westen verboten). Ich las es in einem Ritt. Es berichtet über die Anfänge einer Drogenarbeit, die zu einer weltweiten Bewegung wurde. Unzählige drogenabhängige Jugendliche kamen durch diese Arbeit von Heroin, Hass und Gewalt los. Was ich da las, haute mich vom Hocker. Waaas? Ein Jesus, der heute kriminellen Bandenmitgliedern begegnet und sie zu Boten von Liebe und Frieden macht? Ein Jesus, der in unseren Tagen heroinsüchtige Wracks mit Gottes Geist erfüllt und sie von lebenszerstörenden Bindungen befreit? Wenn das stimmt, dann habe ich eigentlich überhaupt noch nicht verstanden, was der christliche Glaube ist. Ich begann, die Bibel zu lesen. Und ich besuchte Gottesdienste. In mein Herz wurde eine Sehnsucht gepflanzt. Ich wollte keine Theorie über einen guten Hirten. Ich wollte den guten Hirten. Ich wollte kein Dogma über den Sohn Gottes, ich wollten den Sohn Gottes. Ich wollte den Jesus, der heute seine Lebendigkeit und Bedeutsamkeit erweist. Ich wollte den Jesus, dessen Wirklichkeit und Liebe heute erfahrbar ist, der mir Sinn und Orientierung gibt. Ich wollte Jesus nicht nur als religiöse Theorie, sondern als Begegnung. Ich wollte den Jesus, der mich göttliches Leben spüren lässt und der mir zuspricht: »Ich lebe, und du sollst auch leben.«

Dann war dieser Jugendgottesdienst. Der Jugendpfarrer Klaus Vogt sprach über das Thema »Jesus lebt«. Er erzählte, wie der lebendige Jesus das Leben von Jugendlichen positiv verändert. Ich saß da mit offenem Mund. Es war, als ob dieser Pfarrer nur für mich redete. Und ich erkannte, dass ich das Wichtigste am christlichen Glauben nicht verstanden hatte: Ostern! Das Grab ist leer! Jesus ist auferstanden! Er lebt und wirkt! Im Anschluss ging ich zum Jugendpfarrer und bat um ein Gespräch. Wie bekomme ich das in mein Leben? Wie kommt Jesus zu mir? Wir knieten uns gemeinsam nieder. Er sprach mit mir ein Hingabegebet an Jesus. Ich betete von ganzem Herzen mit. Dann legte er mir die Hände auf, damit ich den Heiligen Geist empfange. An dem Abend ging ich sehr froh und leicht wie eine Feder zu Bett. Am nächsten Vormittag kam ein Jubel in meine Seele, und ich wusste in meinem Herzen: Jesus lebt, ich gehöre zu ihm. Das Evangelium ist wahr. Du kannst ihm vertrauen. Jesus war kein bloßer Titelheld mehr aus einer sehr alten Vergangenheit, sondern der Lebendige, der mich mit einer unglaublichen Freude und Faszination erfüllte und meinem Leben eine neue Richtung gab. Es war die größte Überraschung meines Lebens. Jesus, Gott, geistliche Kraft waren zu einer erfahrbaren Wirklichkeit geworden.

Meine Eltern hatten sich viele Sorgen um mich gemacht, denn ich war wie ein wildes Pferd voller ungezähmter Neigungen und empfänglich für jedes Abenteuer. Ich hatte zu der Zeit eine Ausbildung zum Krankenpfleger im Dresdener Diakonissenkrankenhaus begonnen. Nach einem viertel Jahr warf man mich raus, weil ich mich nicht an die Hausordnung hielt und mit den Schwesterschülerinnen Partys feierte. Ich erzählte meiner Mutter von meiner Bekehrung. Besorgt und ungläubig rief sie den Jugendpfarrer an und fragte, was mit mir passiert sei. Er sagte ihr: »Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Das wilde Pferd hat einen Reiter gefunden.«

2. FASZINATION:GOTTES KREATIVE IDEEN FÜR UNSER LEBEN

Als Kind steckt man voller Erwartungen an die Welt und das Leben. Man träumt davon, besondere Abenteuer zu bestehen und etwas Großartiges zu vollbringen: einen Drachen erschlagen, eine Prinzessin befreien, eine Insel entdecken, einen Tyrannen stürzen. Oder noch besser: etwas Neuartiges zu erfinden – Spielzeug, das sich selbst wegräumt; ein Fluggerät, das die Schwerkraft aufhebt; die selbstreinigende Windel für junge Eltern; einen Wecker, der erkennt, dass man noch müde ist, und sich selbst abschaltet oder die Weckzeit auf eine Stunde später stellt.

Diese kindlichen Träumereien zeigen etwas Wichtiges an: die Sehnsucht, seinem Leben Bedeutung zu geben und es nicht zu verplempern. Einige Monate nach der überraschenden und faszinierenden Glaubenserfahrung nahm ich an einer christlichen Jugendfreizeit teil. An einem Nachmittag saß ich allein in der kleinen Kirche des geistlichen Einkehrzentrums und fragte mich: Was soll ich mit meinem Leben anstellen? Was ist der Sinn, und was kann ich tun, damit mein Leben gelingt? Ich betete: »Herr, hast du eine Idee für mein Leben? Was soll ich tun?« Nach einer Zeit der ratlosen Stille vernahm ich ein leises Flüstern in meinem Inneren. Kein hörbares Reden, sondern ein Sprechen zu meinem Herzen: »Werde Pfarrer, ein Verkündiger der besten Botschaft!«. Hatte ich mich verhört? Kam das aus meinem menschlichen Inneren, oder war es Gott, der seine Gedanken in mich einhauchte? Ich selber wäre nicht auf die Idee gekommen, Theologie zu studieren. Altgriechisch, Latein und Hebräisch zu pauken (ich wusste, dass die alten Sprachen zum Theologiestudium gehören), darauf hatte ich keinen Bock. Dafür muss man entweder superschlau sein oder ein Streber, dachte ich. Ansonsten wird das mit dem Sprachenlernen eine Quälerei. Das Problem: Ich war weder superschlau noch einer, der Lust aufs Lernen hatte. Wenn aber Gott zu mir geredet hat, dann können die alten Sprachen doch nicht das Problem sein. Gott kennt mich schließlich besser als ich mich selbst. Wenn er mir das zutraut, dann muss ich es wohl können. Vielleicht brauchen andere nicht so ein Berufungserlebnis, um sich auf den richtigen Weg zu machen. Aber ich schon. Von selbst wäre ich nicht darauf gekommen, an eine Theologiehochschule zu gehen. Als ich dann später in einem kirchlichen Altsprachengymnasium und am Theologischen Seminar in Leipzig die alten Sprachen lernte, war ich überrascht. Es lief ganz gut, doch nicht ohne Fleiß. Ich war nicht der Beste, aber immerhin im ersten Drittel.

Gott hat für jeden Menschen herausfordernde Ideen, um ihn aus Trägheit und Mittelmäßigkeit herauszuführen. Das ist meine Überzeugung. Die Not dieser Welt ist unermesslich: Armut, Gottlosigkeit, mangelnde Bildung, Gewalt, Unfrieden, Ungerechtigkeit. Gott kennt uns besser als wir selbst. Er weiß, was an Potential in uns steckt. Er kennt unsere Begabungen und unsere Grenzen. Der Glaube aber ist eine Kraft und Motivation, unsere Begrenzungen zu überschreiten. Das war eine wichtige Lektion, die mir besonders in der Arbeit mit Jugendlichen wichtig wurde. Gott hat Ideen für dein Leben, wie du ihm dienen kannst. Dem Himmel zur Freude und den Menschen zum Segen. Christsein heißt, nahe am Herzen Gottes zu leben und auf sein Reden zu unsrem Herzen zu hören. Wenn man für Jesus etwas bewegen will, dann werden unsere Möglichkeiten entgrenzt, weil Gott unendlich ist. »Bei Gott ist kein Ding unmöglich« steht in der Bibel. Der Engel spricht es zur Jungfrau Maria, die ohne das Zutun eines Mannes schwanger werden soll, um die Mutter des Erlösers, des Messias und Gottessohnes zu werden. Die Geschichte und auch die Gegenwart sind voller nachahmenswerter Beispiele, Männer und Frauen, die Gott berufen hat, das Außergewöhnliche zu wagen.

3. FASZINATION:ES WERDE LICHT

Manchmal bin ich so von der Schönheit dieser Welt überwältigt, dass ich jauchzen könnte vor Glück: wenn ich im azurblauen klaren Wasser einer Bucht im Mittelmeer schwimme, wenn ich einen Dreitausender besteige und über die weißen Gipfel schaue, wenn ich den Sternenhimmel betrachte und über das leuchtende Band unserer Milchstraße nachsinne, wenn mein kleiner Enkel mich anstrahlt, wenn die Sonne glutrot am violetten Horizont verschwindet, wenn ein Vogelschwarm über den Himmel zieht, dirigiert von einem rätselhaften Navigationssystem. Ich erblicke eine universale Harmonie und verblüffende Sinnhaftigkeit und frage mich: Wessen Idee war das, und wie hat das alles angefangen?

Die Bibel beginnt mit einem Bericht über die Schöpfung der Welt. Dabei handelt es sich nicht um einen naturwissenschaftlichen Text. Vielmehr geht es um die Überzeugung, dass das Universum, das Leben und die Existenz des Menschen auf eine uns unendlich überlegene, planende, kreative Intelligenz mit einem gestaltenden Willen zurückzuführen sind. Am Anfang des Schöpfungsberichts der Bibel steht ein Satz, der es in sich hat: »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.« (1. Mose 1,3)

Die Entstehung des Lichts hat einen Namen: »Urknall«, Big Bang. Vor 13,8 Milliarden Jahren wurde das Universum von einem Punkt aus gestartet, der viel kleiner war als ein Atomkern, von der Kosmologie »Singularität« genannt. Was sich da ereignete, sprengt alle Vorstellungskraft. Damals entstanden Zeit, Raum und Materie. Die Naturgesetze wurden in die Existenz gerufen samt den Naturkonstanten wie Gravitation, Elektromagnetismus und die geheimnisvolle Zahl Pi. Das gewaltige, unermesslich große Universum wurde geboren. Seitdem dehnt es sich aus mit rasender Geschwindigkeit. Nicht nur unsere Milchstraße entstand. Zum Kosmos gehören viele Milliarden Galaxien in einem mindestens 100 Milliarden Lichtjahre großen Universum.

Das Licht dieser urgewaltigen Explosion kann man als kosmische Hintergrundstrahlung im gesamten Universum messen. Sie gilt als das Lichtecho des Urknalls. Seine Entdeckung ist ein spannendes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte. Zwei Forscher, Arno Penzias und Robert Wilson, untersuchten Anfang der 1960er Jahre an den Bell Laboratories (USA) den Himmel mit Hilfe einer sehr empfindlichen Antenne für radioastronomische Messungen im Bereich unserer Milchstraße. Dabei stießen sie auf ein ständiges Hintergrundrauschen im Mikrowellenbereich, ein ununterbrochenes Zischen, das jede experimentelle Arbeit unmöglich machte und für das es keine Erklärung gab. Ein Jahr lang versuchten die Forscher alles, was ihnen in den Sinn kam, um die Ursachen des Geräusches ausfindig zu machen und zu beseitigen. Diese unerklärliche Strahlung kam aus allen Himmelsrichtungen. Nachdem die beiden Forscher alle möglichen Fehlerquellen untersucht und ausgeschlossen hatten, blieb nur der Schluss übrig, dass das Signal aus dem All eine physikalisch reale Ursache hat. Die Strahlung, die keiner gesucht hatte, ist über den gesamten Himmel verteilt. Aber was ist die Quelle? Bei der Suche nach einer Antwort fand man schnell heraus, dass die Sterne hierfür nicht in Frage kommen. Es muss sich um die Reststrahlung des Urknalls handeln, die schon der geniale Vordenker der Urknalltheorie George Gamow 1948 vorausgesagt hatte. Weitere Untersuchungen bestätigten diese These, dass der Weltraum diese schwache Wärmestrahlung abgibt. Man hatte das heruntergekühlte Strahlungsfeld des Urknalls entdeckt. Das Weltall gleicht einem Zimmer, das auch dann noch warm ist, wenn der Ofen bereits nicht mehr brennt. Die Forscher Arno Penzias und Robert Wilson wurden 1978 für ihre Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Der Mikrowellen-Strahlungshintergrund war eine der faszinierendsten Entdeckungen, die die Menschheit je gemacht hat. Sie ist das wichtigste Indiz für die Urknalltheorie und für die Expansion des Universums. Der Nobelpreisträger George Smoot kommentierte diese wissenschaftliche Sensation mit den Worten: »Die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung durch Penzias und Wilson markiert zweifelsohne eine Zeitenwende in der Kosmologie.« Wir sehen den ersten Lichtstrahl, als das Universum seinen Anfang nahm, das Schöpfungslicht, als der Kosmos aus einem Punkt heraus explodierte und in einem gigantischen Urknall zur Entstehung des Universums führte und zu allem, was überhaupt existiert. Dieses Licht strahlt nun im gesamten Universum.

1989 gelang es durch einen Satelliten, der mit einem speziellen Detektor ausgerüstet war, die Hintergrundstrahlung des Universums zu messen. Im Laufe der Ausdehnung des Universums hat sich die Strahlung auf minus 270 Grad abgekühlt. Sie ist überall im Universum ziemlich gleich und beträgt 400 Photonen (Lichtquanten) Licht in jedem Kubikzentimeter des Alls. George Smoot, der diese Forschungsarbeit leitete, erhielt später den Nobelpreis dafür. Auf der Pressekonferenz sagte er: »Für einen gläubigen Menschen ist das, als erblicke er das Angesicht Gottes.« Zwei Journalisten verließen unter Protest das Auditorium und verpassten eine spannende Präsentation.

Beim Urknall drängt sich die Frage auf: Hat da jemand »geknallt«? Die Naturwissenschaft sagt: »Für diese Frage sind wir nicht zuständig. Gott, falls es ihn gibt, ist nicht Teil dieser Welt und kann daher auch nicht mit den Mitteln und Methoden dieser Welt erforscht werden.« Der Glaube sagt: »Alles, was da ist, verdankt seine Existenz einem unendlich kreativen, intelligenten Schöpfer.« Gott kann man nicht beweisen, aber das Nachdenken über die unglaubliche Feinabstimmung und Organisation der Welt und ihrer Naturgesetze führte viele Naturwissenschaftler zur Gottesfrage. Ist da wer? Steht hinter allem, was ist, eine geniale, von nichts begrenzte, ordnende und schaffende Macht? Auch der Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg, einer der drei ganz Großen der modernen Physik (mit Einstein und Planck), stellte sich diese Frage. Er schreibt: »Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.«

Wer noch einen alten Fernseher hat, der kann das erste Licht aus dem Schöpfungsakt sichtbar machen. Wenn die eingestellte Frequenz nicht auf einem Sender liegt, dann ist so ein eigenartiges Flimmern zu sehen. Etwa 1 Prozent davon ist die kosmische Hintergrundstrahlung. Wir können uns andächtig vor den Bildschirm setzen und Gott beim Knallen zusehen.

4. FASZINATION:DER GROSSE KNALL, DAMIT ES UNS GIBT

Die neuzeitliche Erforschung des Universums brachte den Menschen eine Demütigung nach der anderen. Einst waren wir der Mittelpunkt der Welt und unsere Erde das Zentrum, um das Sonne und Planeten kreisen. Dann kam Kopernikus, und unsere Erde wurde zu einem von mehreren Planeten, die die Sonne umrunden. Die nächste Demütigung ließ nicht lange auf sich warten. Galileo Galilei besorgte sich das beste Fernglas, das man damals erwerben konnte, und schaute sich die Milchstraße an. Was er da erblickte, machte ihn fassungslos. Unsere Milchstraße besteht aus unzähligen Sternen. Sie ist ein riesiges System, zu dem wir gehören. Später rückten wir noch weiter aus dem Zentrum, als Forscher herausfanden, dass unser Sonnensystem sich am Ende eines Spiralarmes unserer Galaxie befindet. Deren Ausdehnung ist gigantisch. Das Licht braucht von einem Ende zum anderen ungefähr 100.000 Jahre. Wir befinden uns da irgendwo am Rand und umkreisen das Zentrum des Ganzen mit rasender Geschwindigkeit. Vollends verrückt wurde es, als der Astronom Edward Hubble mit Hilfe seines Teleskops 1923 entdeckte, dass es außer unserer Galaxie noch viele andere Galaxien gibt. Nun sind wir weniger als ein Staubkorn in den unendlichen Weiten des Alls.

Doch dann entdeckten die Kosmologen einen echten Minderwertigkeitskiller. Je mehr sie über das Universum und seine Entstehung lernten, um so mehr kamen sie ins Staunen. Wir leben in einem für uns maßgeschneiderten Universum. Es hat den Anschein, als ob das Universum auf etwas hinzielte: die Existenz des Menschen. Wie war es möglich, dass in einem kalten, lebensunfreundlichen Universum Leben und schließlich der Mensch entstehen konnte? Im Urknall wurden die Naturgesetze in die Existenz gerufen und die Naturkonstanten geschaffen und fixiert, wie z. B. Gravitation, Elektromagnetismus, Lichtgeschwindigkeit, Plancksches Wirkungsquantum. Das Universum begann sich zu bilden streng nach diesen Gesetzen. Die Naturkonstanten sind feste physikalische Größen, deren Wert und Wirkungsmechanismen im gesamten Universum und zu jeder Zeit absolut unveränderlich sind. Würde sich auch nur eine Naturkonstante um nur ein Millionstel ändern, und wenn auch nur für eine Nanosekunde, es gäbe keine Atome, keine Sterne, keine Planeten, kein Leben und gleich gar keine Menschen. Die Gravitationskraft zum Beispiel ist die schwächste von allen Naturkräften. Wäre sie nur 1 zu 1040 stärker, so hätten sich keine Galaxien, Sonnensysteme und Planeten bilden können. Das Universum wäre nach dem Urknall sofort wieder in sich zusammengekracht.

Auf die Frage, warum die Naturkonstanten genauso sind, wie sie sind, gibt es keine Antwort. Sie sind einfach so fixiert worden beim Start des Universums. Die Naturwissenschaft versucht zu ergründen, wie etwas entstanden ist. Doch der Mensch will mehr wissen. Er fragt, warum. Und da landet man unwillkürlich bei der Frage: Gibt es hinter allem Werden der Welt eine unendlich geniale Ordnungskraft, einen unabhängig und außerhalb aller Welt agierenden Schöpfer? Das heikle Gleichgewicht physikalischer Konstanten und Werte, wie es exakt für das Leben erforderlich ist, lässt sich nicht als bloßer blinder Zufall abtun, sondern verlangt nach einer Erklärung. Die unglaubliche Feinabstimmung, die uns in den Gesetzen des Universums begegnet, bedeutete für Sir Fred Hoyle, Physiker und Mathematiker, die größte Anfechtung für seinen Atheismus. Er schreibt: »Nichts hat meinen Atheismus so sehr erschüttert wie die Feinabstimmung der Naturkonstanten«. Er bemerkt verschmitzt: »Es sieht so aus, als ob ein Superintellekt mit der Physik, der Chemie und der Biologie herumgespielt habe.« 1964 resümierte der Physik-Nobelpreisträger Charles Townes: »Bei den Gesetzen des Universums ist ein intelligentes Wesen involviert.« Der Astronom Allan Sandage gilt als einer der Väter der modernen Kosmologie, weshalb er von der Astronomenzunft ehrfürchtig »Mister Cosmology« genannt wurde. Durch seine Forschungen machte er eine interessante Entwicklung vom Atheismus zum Glauben an Gott. Er kam zu der Überzeugung, je mehr wir vom Universum und seinem Anfang wissen, um so mehr drängt sich die Vorstellung auf, dass ein Schöpfer am Werk ist. Sandage schrieb 1991 in der New York Times: »Ich finde es ziemlich unwahrscheinlich, dass eine solche Ordnung aus dem Chaos kam. Es muss irgendein Organisationsprinzip geben. Für mich ist Gott ein Rätsel, aber er ist die Erklärung für das Wunder der Existenz – warum es etwas und nicht vielmehr nichts gibt.« Johann Dorscher, Astrophysiker an der Universität Jena, geht noch weiter, wenn er sagt: »Es hat wirklich den Anschein, als ob wir von Anfang an eingeplant gewesen wären.«

Dass das gesamte Universum präzise auf ein Ziel abgestimmt ist, fasst die Wissenschaft in dem Wortpaar »Anthropisches Prinzip« (Anthropos – Mensch) zusammen. Es besagt, dass wir in einem exakt auf uns abgestimmten Universum leben, das von Anfang an haarscharf darauf zielt, dass es den Menschen gibt. Arno Penzias, Nobelpreisträger und einer der beiden Entdecker der Hintergrundstrahlung, sagt: »Die Astronomie führt uns zu einem einzigartigen Ereignis, einem Universum, das aus dem Nichts geschaffen wurde, eines mit der minutiösen Ausgewogenheit, die notwendig ist, um genau die richtigen Bedingungen zum Leben herzustellen, und eines, das einen zugrunde liegenden (man könnte sagen, übernatürlichen) Bauplan hat.« Der 2018 verstorbene Stephen Hawking