1000 Tage Frühling - Tomislav Perko - E-Book

1000 Tage Frühling E-Book

Tomislav Perko

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Beschreibung

Tomislav Perko war als Aktienhändler sehr erfolgreich, bis er im Zuge der Finanzkrise 2008 alles verlor. Vollkommen pleite entschloss er sich dazu, sein Leben grundlegend zu ändern: Er wollte dem gewohnten Trott entkommen, die Welt mit anderen Augen sehen, neue Menschen kennenlernen und Abenteuer erleben – und all das mit einem Budget von weniger als 10 Euro am Tag. Doch ist es überhaupt möglich, fast ohne Geld die Welt zu bereisen? Ist diese Art zu reisen sicher? Wie kann man während des Reisens Geld verdienen? Dies waren die Fragen, die Tomislav Perko immer wieder gestellt wurden. Da er sie nicht in wenigen Sätzen beantworten kann, schrieb er seine Geschichte auf. Von Zagreb aus trampte er zunächst durch Osteuropa, dann folgten zwei Touren quer durch Nord- und Südeuropa, er veranstaltete ein Wett-Trampen nach Istanbul und schließlich verschlug es ihn bis nach Bangladesch. Er hat unzählige Male bei Fremden übernachtet, am Straßenrand gecampt und für Essen und Unterkunft gearbeitet. In diesem Buch erzählt Tomislav Perko ebenso unterhaltsam wie inspirierend von den Erfahrungen, die er in dieser Zeit gemacht hat, und den Menschen, die ihm auf seiner Reise begegnet sind – Begegnungen, die sein Leben verändert haben und ihm gezeigt haben, dass die Welt voller Wunder ist, wenn man bereit ist, die Augen zu öffnen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 368

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen: [email protected]

1. Auflage 2016

© 2016 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Die kroatische Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel 1000 dana proljeća, © Tomislav Perko LTD

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung des Buches aus dem Kroatischen: Maja Burus

Übersetzung von Vorwort und Serviceteil aus dem Englischen: Christa Trautner-Suder

Redaktion: Antje Steinhäuser, München

Umschlaggestaltung: Miroslav Vujović

Umschlagabbildung: Tomislav Perko

Fotos im Innenteil: Tomislav Perko

Satz: Satzwerk Huber, Germering

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

ISBN Print 978-3-7423-0003-4

ISBN E-Book (PDF) 978-3-95971-428-0

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-95971-429-7

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.muenchner-verlagsgruppe.de

Für dich.

Inhalt

Vorwort oder Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie dabei nicht scheitern können?

1.000 Tage Frühling

Tipps, wie auch Sie mit einem Budget von 10 Euro am Tag um die Welt reisen können

Vorwort

oder

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie dabei nicht scheitern können?

Hätte mir vor wenigen Jahren jemand gesagt, dass ich Autor werde und mein erstes Buch in viele Sprachen übersetzt wird, hätte ich geantwortet, das sei unmöglich. Aber genau so ist es gekommen.

Hätte mir vor wenigen Jahren jemand gesagt, dass ich mit nur ein paar Euro in der Tasche fünf Kontinente bereisen würde, hätte ich geantwortet, das sei unmöglich. Aber genau so ist es gekommen.

Beides ermöglichte es mir, meine Geschichte zu erzählen, und ermöglicht es Ihnen, dieses Buch zu lesen. Wie konnte das geschehen? Ganz einfach: Beides habe ich gewollt. Das ist alles. Ich wollte reisen – also tat ich es. Nachdem ich fünf Jahre gereist war, wollte ich ein Buch schreiben – also tat ich es.

Den meisten Leuten erscheint es erstaunlich, kühn oder gar unmöglich, solche Dinge zu tun, und sie glauben, sie könnten es nicht. Daher lesen sie die Geschichten von denjenigen, die es getan haben, und denken dabei, dass diese Leute irgendetwas haben, was ihnen selbst fehlt. Ihnen fehlt aber nichts. Vielleicht einfach nur etwas Entschlossenheit.

Das ist alles.

Ja, ich hatte Angst. Die Lösung: Ich reiste zunächst ein bisschen und sah, dass meine Angst unbegründet war. Ja, ich hatte kein Geld. Die Lösung: Ich nutzte alternative Reisemöglichkeiten und schaffte es dadurch, mit wenig Geld um die ganze Welt zu reisen. Am Ende stellte ich fest, dass man nur einmal mutig sein muss, nämlich in dem Moment, in dem man sich dafür entscheidet, es zu tun. Wenn man losgeht und seine Komfortzone verlässt. Alles andere geschieht dann ganz von alleine.

Dieses Buch habe ich in einem Fischerdorf in Ecuador geschrieben, am Ende meiner Reise um die Welt. Da diese Reise unter dem Motto 1000 Tage Sommer stand, sollte das Buch auch genau so heißen. Aber als ich mit dem Schreiben anfing, wollte ich zunächst über all das schreiben, was vor meiner Reise passiert war, über die Dinge, die zu dieser Reise geführt hatten. Dinge, die vielleicht sogar noch wichtiger sind als die Reise selbst. Nach fünf Monaten in diesem Fischerdorf in Ecuador merkte ich, dass ich bereits mehr als zweihundert Seiten über die Zeit vor meiner Reise um die Welt geschrieben hatte. Daher beschloss ich, dass es zwei verschiedene Bücher geben würde – und da dieses hier über die Zeit vor 1000 Tage Sommer berichtet, nannte ich es 1000 Tage Frühling.

Erwarten Sie sich nicht zu viel von diesem Buch. Es ist ein einfaches Buch, geschrieben von einem Typen, der in der Schule nie gute Noten im Aufsatzschreiben bekommen hat. Wahrscheinlich werden Sie immer wieder etwas lesen und sich dabei denken: Das ist nichts Besonderes, das könnte ich auch! Und damit haben Sie vollkommen recht: Meine Geschichte ist nichts Besonderes und auch ich bin nichts Besonderes. Ich habe lediglich beschlossen, meinen Träumen zu folgen. Also: Ja, natürlich können Sie das auch.

Vor ein paar Monaten sah ich einen Kühlschrankmagneten auf dem stand: Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie dabei nicht scheitern können? Ich denke, genau das ist es – das ist der Grund, warum mir alle diese Dinge gelungen sind. Weil Scheitern nie eine Option für mich war. Weil ich nie einen Plan B hatte.

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, stellen Sie sich genau diese Frage: Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass ich dabei nicht scheitern kann?

Dann beantworten Sie sich diese Frage.

Und dann tun Sie es.

Sie werden sehen, es ist ganz einfach.

Tag 794

»Mein nächster Gast wird uns erzählen, wie man fast ohne Geld reisen kann«, kündigt Daniela an. »Meine Damen und Herren, Tomislav Perko!«

Das Publikum bekommt das Zeichen für Applaus, und die Tür, über der »8. Etage« steht, öffnet sich. Ich gehe ins Studio, steige auf die Bühne, schüttele Daniela die Hand und setze mich in den roten Sessel ihr gegenüber.

Ich bin nervös. Immerhin bin ich Gast in einer der populärsten kroatischen Sendungen. Ich wurde eingeladen, um über meine Reisen zu sprechen, mit anderen Reiseschriftstellern, Menschen, die schon unterwegs waren, als ich ohne die Erlaubnis meiner Mutter noch nicht einmal den Kinderspielplatz verlassen durfte.

Ich bin gekommen, um meine Geschichte zu erzählen. Die der letzten zwei Jahre, und sie muss in weniger als zehn Minuten zusammengefasst werden.

»Tomislav, Sie sind mein jüngster Gast«, beginnt Daniela. »Wie alt sind Sie?«

»Fünfundzwanzig«, antworte ich und atme tief aus.

»Sie sind im letzten Jahr Ihres Wirtschaftsstudiums«, fährt sie fort.

»Genau, mit noch einer Prüfung, die ich bestehen muss.«

»Sie haben auch Arbeitserfahrung. Heute tragen Sie sehr lässig ein T-Shirt mit Kapuze, doch bis vor Kurzem trugen Sie Krawatte und Anzug.«

Bis vor Kurzem. Zeit ist so ein relativer Begriff. Ich könnte wetten, dass seither ein ganzes Leben vergangen ist. Oder mehrere.

»Ja, ich habe ein paar Jahre als Broker gearbeitet, lebte in einer komplett anderen Welt, zog mich schön an, ging an schöne Orte und kaufte mir schöne Sachen. Zum Glück kam die Finanzkrise …«

Bitte anschnallen, wir heben ab!

Tag 1

Ich saß auf einem abgenutzten blauen Sofa, hatte immer noch meinen teuren Anzug an und rollte einen Joint. Das war der beste Teil meines Tages, ein paar Minuten der Ruhe, des Friedens, ohne über etwas nachdenken zu müssen. Die Belohnung nach einem anstrengenden Arbeitstag. Besonders an diesem Tag, nachdem mir bewusst geworden war, in welcher ausweglosen Lage ich mich befand.

Noch ein paar Wochen zuvor schien alles perfekt zu sein. Alle hielten mich für einen der vielversprechendsten jungen Broker auf dem Markt, mit einer ausgezeichneten Nase, wenn es um den An- und Verkauf von Aktien ging. Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der ich die Transaktionen durchführte, gaben sie mir einen Spitznamen: der schnellste Finger.

Ich führte ein Portfolio von fast hunderttausend Euro. Zwei Jahre zuvor hatte ich mit zwanzigtausend begonnen. Nachdem sich der ursprüngliche Betrag erhöht hatte, schaffte ich es, meine Verwandten und Familie davon zu überzeugen, auch zu investieren, und ich nahm auf ihre Anteile Kredite auf. Ich versprach ihnen, dass man an der Börse kein Geld verlieren könne, und sagte, dass es schade sei, die Chance auf einen so großen Gewinn zu verpassen.

Sie glaubten mir.

Für mich war das alles nur ein Spiel, Spaß, Adrenalin. Die Wahrheit war, dass ich über Aktien, Finanzberichte und Indikatoren gar nichts wusste. Ich war ein Student der Wirtschaftswissenschaften, ohne Qualifikation für den Job als Broker, aber ich war ein Experte darin, mein eigenes Unwissen zu verstecken. Ich hörte älteren Kollegen immer aufmerksam zu, wenn sie über die aktuelle Börsensituation sprachen, welche Aktien überwertet und welche unterschätzt wurden, wie es auf den ausländischen Märkten stand, was die erwarteten Trends waren. Damit schlug ich drei Fliegen mit einer Klappe: Ich gewann ihren Respekt, weil sie sich gut fühlten, wenn ihnen jemand zuhörte und ihre Meinung schätzte, vermied dabei Fragen über mich selbst, und die Prognosen, die sie mit mir teilten, verwendete ich, wenn Klienten auch von mir eine Prognose haben wollten.

Ich war ein Daytrader, kurzfristige Spekulationen interessierten mich, wenn möglich innerhalb eines Tages. Ich verließ meinen Arbeitsplatz nicht selten mit ein paar Hundert Euro. Mein Rekord waren zweitausend Euro, verdient in weniger als zwei Stunden. Ich erwarb mir mit meinen − manchmal verrückt mutigen − Schachzügen den Respekt meiner Kollegen und einen guten Ruf.

Tatsächlich war ich nur ein Zocker, der seit der Mittelschule in Wettstuben seine Zeit verbrachte, später auch in Kasinos. Ich wurde süchtig nach dem Gefühl der Aufregung und Unsicherheit, das ich dabei fühlte. Und als Student im ersten Jahr fand ich einen idealen Ersatz dafür, den die Gesellschaft nicht nur rechtfertigte, sondern auch noch förderte.

»Ich bin ein Broker«, sagte ich meinen Freunden manchmal an der Uni, um meinen bequemen Lebensstil und meine Abwesenheit zu begründen. Das klang so wichtig und kühn, ich fühlte mich besonders. Ich war kein Student wie alle anderen, ich gab mir keine Mühe, die Prüfungen zu bestehen, ich hoffte nicht auf ein Diplom, um einen gut bezahlten Job und soziales Ansehen zu finden. Ich hatte das schon.

Der Markt wuchs ständig, alle verdienten Geld, es gab neue Maklerfirmen, Investmentfonds, es gab immer mehr Investitionsmöglichkeiten.

Bis zu jenem schwarzen September 2008.

Der drastische Kollaps der Immobilienpreise in Amerika, der Zusammenbruch der größten Banken der Welt, die Rezession … Der Markt war plötzlich im freien Fall. In unserem Markt, aber auch in den Märkten weltweit, fielen die Aktien wie verrückt, manche sogar um 70 Prozent. Es wurde über die schlimmste Finanzkrise in den letzten achtzig Jahren gesprochen, über die Milliarden, die jeden Tag verschwanden, und zum ersten Mal wurde auch das Wort erwähnt, das kein Broker hören will und das sich auf Cash reimt.

In jenen Tagen starrten wir hilflos auf die Bildschirme und zählten nach Börsenschluss die Verluste zusammen. Wir und unsere Klienten. In nur wenigen Tagen verloren Menschen ihre Lebensersparnisse. Sie riefen uns an und verlangten eine Erklärung. Und wir wussten nicht, was wir sagen sollten.

Am schlimmsten war, dass sich das Szenario Tag für Tag wiederholte. Die Aktien verloren fortlaufend an Wert, und die Menschen mussten zuschauen, wie ihr Geld vor ihren Augen verschwand. Wir wurden alle, mild ausgedrückt, wahnsinnig. Die einzige Alternative zu diesem Wahnsinn war, alles, was man noch hatte, zu verkaufen. Retten, was noch zu retten war.

Das tat ich auch. Ich verkaufte alle Aktien, die ich besaß, schloss alle Kredite und zählte die Verluste zusammen.

Dreißigtausend Euro.

Dreißig. Tausend. Euro.

Ich lehnte mich zurück und zündete den Joint an.

Tag 794

Ich erinnere mich an das Gefühl im Magen, das ich zu dieser Zeit oft gespürt habe. In ein paar Wochen hatte ich eine Summe verloren, für die manche Menschen jahrelang jeden Tag hart arbeiten müssen, um sie zu verdienen. Das Geld war weg, einfach so. Und ich musste es irgendwie wieder zurückzahlen. Ich musste einen Weg finden.

Alles schien unwirklich. Hoffnungslos. Depressiv.

»Wie können Sie behaupten, dass die Finanzkrise zum Glück kam?«, wundert sich Daniela.

Ich kenne diesen Blick. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass der Verlust des Geldes mit das Beste sein würde, das mir passieren konnte, dass ich zwei Jahre später dankbar dafür sein und diese Situation als einen Segen betrachten würde, hätte ich ihn gebeten, mir auch etwas von seinem Stoff zu geben. Denn es war offensichtlich guter Stoff.

Doch aus heutiger Sicht bin ich wirklich froh, dass es geschehen ist.

»Nun, ich kann das sagen, weil die Krise meine Einstellung zum Leben verändert hat. Als ich dieses Geld und alles, woran ich mich gewöhnt hatte, verloren habe …«

»Hat es Sie zugrunde gerichtet?«, unterbricht sie mich. »Finanziell, meine ich.«

»Oh ja, es hat mich zugrunde gerichtet. Finanziell, aber auch psychisch.«

Einige Menschen im Publikum fangen an zu lachen.

»Ich habe gekündigt«, fahre ich fort, »und angefangen, in einer Saftbar zu arbeiten. Das hat mein Leben komplett verändert.«

Tag 31

»Martina, wir brauchen einen Studenten, der hinter der Bar arbeiten wird«, hörte ich Mungo am Nebentisch sagen. »Allein schaffen wir das nicht mehr.«

Ich fand die beiden großartig. Sie waren die Eigentümer der Saftbar in Zagreb, in der ich jede Mittagspause verbracht hatte. Nur zwei Minuten von meinem Büro entfernt, aber weit genug von den Bildschirmen, den roten Zahlen und der allgemeinen Depression, die in den letzten paar Tagen und Wochen im Büro herrschte. Ein sicherer Hafen.

»Ich könnte einspringen«, warf ich ein, während ich meinen Erdbeer-Smoothie auf dem bemalten Holzstuhl abstellte.

Sie schauten mich verwirrt an, hielten einen Moment inne und brachen in Gelächter aus. Ich lachte mit ihnen und wusste nicht wirklich, wie ich auf diese Idee überhaupt gekommen war.

»Warte mal«, sagte Martina, immer noch lachend, »du bist ein Broker, wenn ich mich nicht irre.«

»Ja«, antwortete ich vergnügt.

»Jeden Tag, während deiner Pause, kommst du hierher in Anzug und Krawatte und bestellst einen Saft für 3 Euro 50«, fuhr sie fort.

»Genau.«

»Und jetzt möchtest du hinter der Bar arbeiten und diese Säfte zubereiten?«

»Ja.«

»Bist du Student?«

»Ja.«

»Wie kannst du gleichzeitig ein Student und Broker sein?«

»Das ist eine lange Geschichte.«

»Wie viel verdienst du dort?«

»Fünf Euro pro Stunde, plus ein paar andere Sachen.«

»Wie diesen Anzug, den tu trägst?«

»Wie diesen Anzug, den ich trage.«

»Und jetzt verarschst du uns hier«, unterbrach sie Mungo. »Du weißt, dass wir dir nicht einmal die Hälfte geben können.«

»Schaut mal«, antwortete ich mit demselben, ernsten Ton, »ich mag diesen Ort. Ich komme jeden Tag hierher, um mich von dem ganzen Mist im Büro zu erholen. Ich habe hier noch nie jemanden gesehen, der gestresst ist. Menschen kommen mit einem Lächeln rein, bestellen einen Saft, bezahlen, bedanken sich und trinken ihn zufrieden. Ja, ich möchte hier arbeiten. Ich weiß, dass ihr mir nicht einmal die Hälfte zahlen könnt, aber das ist mir wirklich nicht wichtig.«

Mungo stand von seinem Tisch auf und setzte sich neben mich.

»Ist das dein Ernst?«, fragte er.

»Das ist mein Ernst«, antwortete ich.

»Für wie viel Geld würdest du arbeiten?«

»Geld ist mir nicht wichtig. Ich möchte arbeiten. Zahlt so viel ihr könnt.«

»Okay, dann ist es für dich auch kein Problem, kostenlos zu arbeiten«, provozierte er und schaute mir in die Augen.

»Nein.« Ich spielte lächelnd mit, ohne den Blickkontakt abzubrechen.

Das dauerte zehn lange Sekunden.

»Sei morgen um zehn vor acht hier«, sagte er und ging zurück zu Martina. »Dein Stundenlohn ist drei Euro.«

Ich trank meinen Smoothie und ging zurück ins Büro. Dort erwarteten mich Anrufe verärgerter Klienten, rote Farbe auf den Bildschirmen, schlechte Nachrichten auf jedem Internetportal. Der übliche Arbeitstag.

Ich schnappte mir einen Kugelschreiber und ein Blatt Papier, zog eine Linie durch die Mitte, schrieb BROKERFIRMA auf eine Seite und SAFTBAR auf die andere. Angespannte Arbeitsatmosphäre im Gegensatz zu entspannter. Unzufriedene, nervöse und anspruchsvolle Klienten im Gegensatz zu unbeschwerten und dankbaren. Arbeit am Computer im Gegensatz zu Arbeit hinter der Bar, in Gesellschaft von frischem Obst und Gemüse. Anzug und Krawatte im Gegensatz zu Kleidung, in der ich mich wohl fühle. Stundenlohn von fünf Euro plus Nebenleistungen im Gegensatz zu Hungerlohn, der eventuell für die Warmmiete genügen würde.

Das Leben hatte wirklich Sinn für Humor. Die letzten paar Jahre meines Lebens hatte ich ausschließlich damit verbracht, Geld zu kontrollieren. Doch die Rollen waren eigentlich umgekehrt: Das Geld hatte die Kontrolle über mich erlangt. Ich stellte fest, wie begrenzt und von Geld bestimmt mein Leben war, vor allem jetzt, wo keins mehr da war.

Ich war in eine Falle getappt. Ich hatte gespart, jeden Tag nach neuen Wegen gesucht, um noch mehr zu verdienen, um mir etwas Neues kaufen, um mir etwas Luxus gönnen zu können. Und ich dachte, ich wäre der Chef in dieser Beziehung, aber da lag ich komplett falsch. Wie immer musste ich das auf die harte Tour lernen.

Geld. Der einzige Grund, um beim aktuellen Job zu bleiben.

Ich schaute mir noch einmal an, was ich aufgeschrieben hatte, nahm mir die Krawatte ab, stand von meinem Stuhl auf, klopfte an die Tür des Direktors und kündigte.

»Liebes Team, ich haue ab«, informierte ich meine Kollegen, nachdem ich aus dem Büro des Direktors gekommen war. Sie waren nicht überrascht, sie hatten auch angefangen, sich neue Jobs zu suchen, nach einem Ausweg aus dem generellen Markt-Chaos. Man wartete nur darauf, wer als Erster durchdrehen und Hals über Kopf abhauen würde. Das war ich, der Jüngste und derjenige, der in den größten Schwierigkeiten steckte.

An diesem Tag beschloss ich, zu Fuß nach Hause zu gehen. Ich kaufte ein Bier, legte mich inmitten eines Parks auf das Gras und schaute in den Himmel.

Von diesem Tag an existierten Aktien für mich nicht mehr − das versprach ich mir selbst, wohl wissend, dass Glücksspieler immer versuchten, sich mit Zocken aus dem Dreck zu retten.

Ich nahm einen Schluck und fühlte mich gut. Als ob ich gerade mit einem Mädchen, das ich schon lange nicht mehr mochte, Schluss gemacht hatte. Ja, ich ging aus dieser Beziehung mit einer riesigen Narbe und würde mich davon noch eine Weile nicht erholen, falls ich es überhaupt je schaffen würde. Aber ich ging.

Und am nächsten Morgen hatte ich ein Date mit einem neuen, aufregenderen, fröhlicheren, gesünderen Mädchen. Einem ärmeren. Das mir jedoch, hoffentlich, helfen würde, meine Ex zu überwinden.

Ich stand auf, schaute auf den grünen Fleck auf der Rückseite meiner Hose und ging unbeschwert nach Hause.

Tag 87

»Warum nennen sie dich Mungo?«, fragte ich meinen Chef eines Abends in einem geheimen Hinterzimmer eines Jazzclubs. Manchmal blieben wir dort bis spät in die Nacht und spielten eine Runde Poker. Die Atmosphäre erinnerte mich an alte Mafiafilme. Wir waren für die anderen Gäste unsichtbar, in einem dubiosen Hinterzimmer, in dem man trank, rauchte und Karten spielte.

Obwohl ich nur ihr Mitarbeiter war, fühlte ich mich wie ein Teil der Familie. Ich nannte Martina schon nach ein paar Tagen Schwester, und sie mich Bruder. Ich war an meinem neuen Arbeitsplatz, mit meinen neuen Arbeitgebern glücklich, und sie waren auch mit mir zufrieden.

Ich ging mit Begeisterung zur Arbeit, erledigte meine Schichten mit einem Lächeln, sprach mit Gästen, reinigte die Saftpresse am Ende des Arbeitstages, schrubbte den Boden und säuberte die Toiletten. Ich lernte Menschen kennen, die anders, interessanter und besonders waren. Wir unterhielten uns über Kunst, Reisen, die gesunde Art zu leben. Es gab keine Typen, die sich mit ihrem Ellbogen an die Bar lehnten und mit einem Bier in der Hand den neuesten Tratsch erzählten. Es gab nicht diese Nervosität und die ewigen Geschichten über Geld. Ich fand ein paar neue Freunde, ging mit ihnen zu Theatervorstellungen, zum Grillen außerhalb von Zagreb, und ich hatte eine sehr gute Beziehung zu Martina und Mungo, so gut, dass sie mich fast jeden Abend nach dem Schließen der Bar auf ein Bier mitnahmen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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