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Ein Auftragsmord mit einer nicht geplanten Wende, das Schicksal eines Straßenhundes aus Spanien und ein Wunder, das dem Leben eines Obdachlosen einen neuen Sinn gibt. Das sind die Themen der drei ganz besonderen Stories von Victory. Ungewöhnlich und mit melancholischem Touch laden die drei Kurzromane zum Träumen und Nachdenken ein.
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2018
Victory
3Juwelen
Kurzromane
© 2018 Victory
Coverbilder: © colourbox.de / © Victory
Verlag & Druck: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
978-3-7469-6907-7
Hardcover
978-3-7469-6908-4
e-Book
978-3-7469-6909-1
https:// tredition.de/autoren/ victory-24352/
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3 Juwelen
Killing me softly
Luna’s Abenteuer
Nackt in die Zukunft
Killingmesoftly
Ihr Kopf lehnte an der Pistole. Sie bettelte: „Töte mich endlich!”
Er zögerte, verstand sich selbst nicht in diesem Moment. Er wurde wütend, packte sie am Haar und schnauzte sie an: „Wie kann ein Mensch nach dem Tod betteln?”
Dann sah er sie, die Todessehnsucht in ihren Augen. Sie erstarrte. Leblos lag sie nun da, hilflos, verlassen.
Das erste Mal in seinem Leben fühlte er Mitleid mit einem anderen Menschen. Sie konnte nicht tot sein. Nicht durch einen Schuss aus seiner Pistole, wie geplant.
Er war ohne Liebe aufgewachsen. Verdiente als Söldner sein Geld. In Ihren starren Augen erkannte er das Spiegelbild seines eigenen verlorenen Lebens.
Angst stieg in ihm auf. Angst davor, dass dieses zarte Wesen tatsächlich in seinen Armen sterben würde.
Er hob sie vorsichtig aus ihrem Bett. Das seidenweiche helle Hemdchen schmeichelte ihren zarten Rundungen im Mondlicht. Zärtlich umfasste er sie und spürte die tiefen Schmerzen seines Lebens, die in seiner Seele brannten. Wunden, die ihm seine Mutter und andere Personen in seiner lange verborgen gewesenen Vergangenheit zugefügt hatten.
Samantha, die Frau die nun leblos vor ihm lag, hatte etwas Magisches.
Tränen stiegen in ihm auf, er zog die Tarnmütze von seinem Kopf. Im Schatten der Nacht glänzte sein Gesicht, das in letzter Zeit nur wenige Menschen gesehen hatten. Nachdenklich streifte sein Blick durch das Zimmer. Auf dem Nachttisch lagen zerstreut Tabletten und eine leere Packung Valium. Hatte sie diese etwa alle genommen?
Der Mörder, der zum Retter wird. In ihm geschah etwas, was er nicht kannte. Er empfand nie dagewesenes Mitgefühl, Liebe für ein verlorenes Wesen. Er fühlte sich eins mit ihr.
Zweifel stiegen in ihm auf. War seine Pistole los gegangen, ohne dass er es bemerkt hatte? War er ihr Mörder? Er kontrollierte die Stelle ihres Körpers, an der er die Pistole angesetzt hatte, doch da war nichts.
Ihr Puls war nur noch schwach. Sie durfte nicht sterben. Nicht jetzt, nicht in diesem Moment.
Er griff nach dem Bündel Geldscheine. Das Honorar, das ihr Ehemann bezahlt hatte für ihren Tod. Achtlos warf er das Geld auf den Tisch. Es hatte seinen Wert verloren. Er hatte verloren.
Er musste handeln. Sofort. Er hievte sie über seine Schulter, lief hastig über den Parkplatz zu seinem Auto. Niemand hatte ihn gesehen.
Vorsichtig bettete er sie auf den Sitz neben ihm, deckte sie mit seiner Jacke zu. Er strich ihr zärtlich über das Haar und flüsterte „Bitte stirb nicht. Ich nehme dich mit zu mir, ich werde dich beschützen, hab keine Angst. Bitte stirb nicht.”
Ihr Puls war noch schwächer geworden, kaum noch wahrnehmbar. Seine Hoffnung versiegte. Wenn sie sterben musste, wollte er mit ihr gehen. Vielleicht gab es ja dieses Jenseits, wo alles einfach war. Das Leben machte so keinen Sinn mehr. Er legte den kalten Lauf seiner Pistole an seine Schläfe. Die Waffe war entriegelt. Schussbereit. Er atmete tief durch. Plötzlich spürte er einen leichten Druck an seiner anderen Hand, die immer noch die ihre hielt. So, als wollte sie sagen: „Tu es nicht.“
Eine Welle von Hoffnung und Freude erfasste ihn. Er drehte die Musik des Autoradios lauter und begann, den Melodien summend zu folgen. Samanthas Haut wurde wärmer, Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück. Martin drückte die schöne Unbekannte an sich, die sich gleichzeitig so vertraut anfühlte. Er wechselte von Mitsummen zu Mitsingen. Sehnsucht erfüllte die Nacht.
Ihre Hand erhob sich und schob sich unter seinen Pulli, verblieb auf seinem Bauch. Vielleicht ein Symbol der Dankbarkeit. Immer noch sehr schwach lag sie neben ihm und strahlte doch intensive Gefühle aus.
Eine Welle voll Optimismus durchströmte ihn. Das Leben ändert sich manchmal sehr schnell. In Sekunden versetzt es uns von der Hölle in den Himmel. Oder umgekehrt.
Er startete den Wagen und fuhr durch die Vollmondnacht in Richtung seines einsamen Hauses. Samantha schlief während der Fahrt. Da er sie nicht wecken wollte, trug er Sie vorsichtig die Treppe hinauf und legte sie auf das ausladend breite Bett in seinem Schlafzimmer. Behutsam zugedeckt schlief sie weiter. Im Kamin glühte noch Kohle und verbreitete eine angenehme Wärme.
Es war noch nicht ganz hell, doch das Gezwitscher der Vögel ließ einen angenehmen Tag erwarten. Martin stapelte Brennholz auf seinen Armen und transportierte es ins Schlafzimmer, um das Feuer nicht ausgehen zu lassen. Schon nach kurzer Zeit schlugen die Flammen hoch und sorgten für Wohlfühlatmosphäre.
Während er am Kamin kniete, fühlte er einen stechenden Schmerz im Oberschenkel. Eine Schusswunde. Der Schuss hatte sich wohl versehentlich gelöst, als er beschloss, ihr nichts anzutun. Im Taumel seiner Gefühle hatte er weder den Knall gehört noch den Schmerz gespürt.
Nun war es Zeit, die Wunde des Streifschusses zu versorgen. Aus dem Badezimmer zurückgekehrt, wandte er sich nun wieder seinem Gast zu. Sie lag friedlich und entspannt in seinem Bett.
Wie konnte ihr Mann einen Mörder beauftragen für dieses wunderbare Wesen? Von außergewöhnlicher Schönheit, Grazie, Zartheit.
Was würde geschehen, wenn sie wach war? Welche Antworten hatte er für sie bereit? Er wollte nicht als Auftragsmörder vor ihr stehen. Sie sollte ihn von seiner besten Seite kennen lernen. Den neuen Menschen, den er nun in sich fühlte, dessen Leben er gestalten wollte. Mit ihr an seiner Seite.
Erinnerungen überwältigten ihn, während er die schlafende Schönheit betrachtete. Erinnerungen an die einzige Frau, die er jemals geliebt hatte. Seine Mutter.
Die Liebe war nicht gegenseitig. Sie war eine herrschsüchtige und gehässige Frau.
Immer noch schallte ihr ständig wiederholter Vorwurf in seinen Ohren: „Du Nichtsnutz, du wirst es nie zu etwas bringen.” Dasselbe bekam sein Vater täglich zu hören. Dieser hatte sich wohl damit abgefunden oder er sah keinen anderen Weg, als die Ausbrüche zu ignorieren.
Arztbesuche hatten als Diagnose immer deutlicher Schizophrenie ergeben, eine hoffnungslose Situation. Obwohl er und sein Vater sich über lange Zeit bemühten, mit Liebe zu therapieren, war aller Aufwand nutzlos.
Mit 15 hatte er sein Zuhause verlassen, mit 18 bekam er einen Job als Söldner und erhielt eine kostenlose Kampfausbildung. Sein muskulöser Körperbau und 1,90 Meter Körpergröße waren seine besten Bewerbungsreferenzen gewesen. Sein stilles Wesen in Kombination mit Tapferkeit und Kampfgeist überzeugte auch seine Kameraden, die ihn stets gerne an ihrer Seite sahen.
Viele Menschen mussten ihr Leben lassen, andere hatte er gerettet. Verrückte Welt.
Samantha. Zärtlich gestimmt, beobachtete er ihren nun ruhigen Schlaf. Sie wäre sein erstes Mordopfer geworden. Mit der Prämie wollte er ein neues Leben beginnen. Weit weg, in der Dominikanischen Republik. Weit weg von dieser grauen und grausamen Welt.
Nun war alles anders gekommen. Kein Mord, keine Flucht. Die Frau, die in dem Moment, als sie Todesangst empfinden hätte müssen, nach dem Tod bettelte. Hatte sie geahnt oder gar gewusst, dass sie in dieser Nacht, als ihr Ehemann auf Geschäftsreise war, sterben sollte? Was war der Grund, Schlaftabletten zu nehmen?
Konnte er ihr die Wahrheit sagen? Ihr erzählen, dass er als Auftragsmörder gekommen war? Dass er sie für etwas Geld töten wollte? Er hatte große Angst vor dem Moment, wenn sie aufwachen und Fragen stellen würde.
