35. Recklinghäuser Autorennacht 2022 -  - E-Book

35. Recklinghäuser Autorennacht 2022 E-Book

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Beschreibung

Dieser Reader enthält die Texte der Autorinnen und Autoren, die von der Jury für die Endrunde der Recklinghäuser Autorennacht 2022 - Vestische Literatur-Eule - Autorennacht-Preis der Sparkasse Vest ausgewählt wurden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 49

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Liebe Leserin, lieber Leser,

hiermit halten Sie die Beiträge in Händen, die es beim Schreibwettbewerb zur 35. Vestischen Literatur-Eule, dem »Autorennacht-Preis der Sparkasse Vest Recklinghausen« 2022 in die Endrunde geschafft haben. Wir gratulieren an dieser Stelle schon einmal sehr herzlich zu diesem Erfolg!

In diesem Jahr war der Wettbewerb erneut für Autorinnen und Autoren aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen geöffnet.

Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Textbandes standen nur diejenigen Kurzgeschichten und Gedichte fest, die für die Abschlussveranstaltung ausgewählt wurden, nicht aber, welche Autorin bzw. welcher Autor am Ende den Jurypreis, den »Autorenacht-Preis der Sparkasse Vest«, erhalten wird.

Wir möchten folgenden Personen und Institutionen ganz herzlich für ihre Arbeit und Unterstützung danken:

den Jurymitgliedern der 35. Recklinghäuser Autorennacht: Martina Bialas, Gudrun Güth (als Vorsitzende(, Britta Spengler, Monika Wischnowski und Markus Jöhring (als Sieger des Vorjahres),

der Sparkasse Vest Recklinghausen für ihre finanzielle Unterstützung,

Markus Jöhring für das Eulenbild,

allen Mitwirkenden der Neuen Literarischen Gesellschaft Recklinghausen und der Altstadtschmiede Recklinghausen für ihren organisatorischen Einsatz

und nicht zuletzt den Autorinnen und Autoren, die ihre Texte eingereicht haben und somit die Autorennacht überhaupt erst möglich machen!

Herzliche Grüße,

Stephan Schröder (Vorsitzender der NLGR)

Inhalt

Sina Damerow Die Schmetterlinge kehren zurück

Marcel Ifland Bummsbeats

Kerstin Liemann SchwereLos

Patricia Malcher In Fels gemeißelt

Saskia Scheer Der Edding

Dea Šinik Ein Versprechen

Inga Stewen Bruderherz

Greta Welslau Selbst der Tod scheide sie nicht

Die Autorinnen und Autoren

Sina Damerow

Die Schmetterlinge kehren zurück

Der Eingang war verschlossen, es fehlte das Schloss, weil der Sommer keine Falter flattern ließ und das Grün sich seit Jahren gräulich gebärdete, das Dickicht sich nicht lichtete und wenn es versuchte, das Hindernis zu durchdringen, die Dornen die Haut ritzten.

Der Eingang war verschlossen, weil im Frühjahr der Gärtner zu viel Unkrautvernichter gegen den wilden Wuchs verschüttete, die früh verlorene Sau im Chor der Säue grunzte und der Taktstock des Zuchtmeisters so gern den Radetzkymarsch dirigierte.

Der Eingang war verschlossen, weil der Urknall zwar schon lange über den Gräbern verklungen war, aber das Heulen der Granaten den Wölfen die Melodie ins Hirn geschlagen hatte.

Der Eingang war verschlossen und der Raum dahinter war in tiefes Dunkel gehüllt, niemand kannte den genauen Ort der Höhle, niemand wusste, was sich in der Höhle verbarg, niemand wollte wissen, was in der Höhle gefangen war.

Niemand und es eigentlich auch nicht.

Der Eingang war verschlossen, es gab keinen Schlüssel, weil es keine Tür gab, nie gegeben hatte und niemals geben wird. Irgendwann hatte ein Beben den Zugang verschüttet und nur, wenn es fast windstill war, kein Laut die Stille störte, und das Schwarz auch kein noch so vorsichtiges Tappen erlaubte, dann glaubte es etwas zu hören, das wollte stören, das wollte zerstören, das wollte betören. In diesen Augenblicken wuchs das unbändige Verlangen, den Eingang frei zu legen, aber es ließen sich die Steine im Eingang nicht darauf ein zu weichen, es gab keinen, der sich auch bei größter Anstrengung herausbrechen lassen wollte.

Es hörte Sirenen singen und ihr Gesang sägte an den Krücken, die einen aufrechten

Gang ermöglichten, ohne ein echtes Rückgrat zu besitzen. Der Wunsch, den Gesang der Sirenen verstehen zu wollen, wuchs und marterte, wenn die Musik der Massen verblasste.

Nur die Steine ließen sich mit bloßen Händen nicht entfernen.

Mit den Jahren tauchten Helfer auf, die besaßen Werkzeuge und lehrten es sie zu gebrauchen. Die Werkzeuge hatten keine Griffe, sie bestanden nur aus Worten. Nicht Abrakadabra, nicht Simsalabim, auch kein Sesam öffne dich, kein Hokus, kein Pokus, kein Fidibus, es waren Werkzeuge, die die Sinne schärften, die Fragen formulieren halfen, die Denkschranken aufbrachen, die Tränenschleusen öffneten, die das Unmögliche zu denken zuließen. Damit fiel Stein für Stein und es wurde ein Weg erkennbar.

An seinem Rand schimmerte zwischen altem knorrigen Waldwuchs zartes Mai Grün, das nach jedem vorsichtigen Schritt schneller wuchs und den Weg verengte, beim Vorwärtsschreiten reiften die Blätter, das Licht verblasste, aber in dem Augenblick des ersten Aufbrechens spiegelte das Licht seine junge, noch zaghafte Lebendigkeit fröhlich in die Augen des brüchigen Lebens, das es aufsaugte, sich erfreute über das frische unschuldige Neue.

Die energisch aufdringliche, extreme Farbe erinnerte an den Beginn des Werdens. Das kontrastierte mit den tief vergrabenen Irrtümern und Unmündigkeiten, den Erlebnisbergen, die überwunden wurden, den zugewachsenen dunklen Höhlen, erinnerte an Blessuren und Narben, die sich die Seele dabei zugezogenen hatte und erinnerte an die Unsicherheit, wenn neue Berge erklommen werden mussten, von denen ungewisse Gefahren zu drohen schienen.

In der Ferne war bald ein Schatz mit Diamanten und Gold zu erkennen, schwimmend in Pech und Schwefel, es roch nach Wiese und Verwesung und es zogen dunkle Wolken auf und immer wieder erkämpfte sich die Sonne ihren Platz. Es war geblendet vom Glanz und dem Gesang, es war entsetzt vom Dunkel und dem Gestank. Das Schöne wollte sie sich holen, er sollte dahin gehen, wo der Teufel wohnt, aber damit hätte sie ihre Vergangenheit gestohlen, sich mit einer eigenen Lüge nur belohnt. Die Höhle war ein Fluch und ein

Segen, sie gab Antworten auf nicht gewusste Fragen und half das Schicksal mit Verstand und Vernunft angemessen zu ertragen, und je öfter die Höhle betreten wurde, desto weniger störte der Gestank und verblasste der Gesang und die Schmetterlinge kehrten zurück.

Aber konnte sie den Schmetterlingen trauen, die da plötzlich in ihrem Kopf herumflatterten? Das neue Wissen erklärte viel, aber die Realität, in der sie sich seit über 50 Jahren bewegte, hatte Fundamente errichtet, hatte Häuser gebaut, die auf den Fundamenten ruhten, hatte Menschen Namen gegeben, hatte