50 Jahre Ro'd Wullmaus Bd. 1 -  - E-Book

50 Jahre Ro'd Wullmaus Bd. 1 E-Book

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Beschreibung

Im Februar 1970 erschien die erste Nummer der "Roud Wullmaus", eine Schülerzeitung des CLAN, sozialistischer Schülerbund. 30 Nummern sind zwischen 1970 und 1973 erschienen. Von 1978 bis 1980 erschienen noch 8 Nummern der Nei Roud Wullmaus. Die Roud Wullmaus war eine Zeitschrift, die, wie ihre französischen Vorbilder Hara-Kiri und Charlie in Text und Bild kein Blatt vor den Mund nahm. Sie war entschieden links orientiert, antikapitalistisch und antiklerikal. Das führte unweigerlich dazu, dass mehrere Klagen eingereicht wurden, die im Fall einiger Artikel und Zeichnungen in den Nummern 5 und 9 zu einem Prozess führten, der landesweit für Aufregung sorgte. In Band 1 & 2 diesert Serie sind nur die Texte der Wullmaus-Artikel enthalten. Bald wird eine Publikation erscheinen mit den wichtigsten Auszügen der Artilkel, Kommentare, Zeichnungen und Fotos.

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Seitenzahl: 1329

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Vorwort

Im Februar 1970 erschien die erste Nummer der Ro’d Wullmaus, eine Schülerzeitung des CLAN, sozialistischer Schülerbund. 30 Nummern sind zwischen 1970 und 1974 erschienen. Von 1978 bis 1980 erschienen noch 8 Nummern der Nei Ro’d Wullmaus.

Die Ro’d Wullmaus war eine Zeitschrift, die, wie ihre französischen Vorbilder Hara-Kiri und Charlie in Text und Bild kein Blatt vor den Mund nahm. Sie war entschieden links orientiert, antikapitalistisch und antiklerikal. Das führte unweigerlich dazu, dass mehrere Klagen eingereicht wurden, die im Fall einiger Artikel und Zeichnungen in den Nummern 5 und 9 zu einem Prozess führten, der landesweit für Aufregung sorgte.

Ein Dauerthema in der Wullmaus war natürlich die Schulpolitik der Regierung, das autoritäre Gebaren gewisser Direktoren und Professoren. Diese wurden damals sehr grob angerempelt, aber das war eben der Stil der Zeit. Die Texte bilden jedoch immer noch einen kritischen und interessanten Überblick über die politische Lage in Luxemburg, seine Kultur, seine Presse und die internationalen Konflikte. Die Wullmaus unterstützte immer die revolutionären Unabhängigkeitsbewegungen, die in der Öffentlichkeit ignoriert oder verteufelt wurden.

Eine kleine Arbeitsgruppe von ehemaligen Mitarbeitern versucht seit einigen Monaten, ein gediegenes Buch über die Wullmaus herauszugeben. Dabei tauchten einige Probleme auf: Allein die Originaltexte aller Nummern und Spezialnummern füllen ca. 1000 DIN A4 Seiten. Vieles davon ist nicht so interessant, dass es in diesem Buch veröffentlicht werden wird. Also muss gekürzt und kommentiert werden.

Die Idee wurde diskutiert, eine CD dem Buch beizulegen, damit sich die interessierten Leser die Texte auch in extenso ansehen könnten. Doch da die CD-Player ein Auslaufmodell sind, wurde angeregt, eine Internetseite mit den gescannten Nummern der RWM anzulegen. Beide Ideen, CD und Internet sind nicht vom Tisch; weil viele Menschen es trotzdem vorziehen Texte in Buchform zu lesen, wurde beschlossen, eine komplette Textausgabe bei einer „Self-Publishing“-Firma herstellen zu lassen.

Um jedoch keine Konkurrenz zum geplanten Buch aufkommen zu lassen, beschränkt diese Books-on-Demand Ausgabe sich auf die reinen Texte der 30 Nummern, den Sondernummern und den 7 Ausgaben der Nei Ro’d Wullmaus (eine, die Nummer 5, blieb unauffindbar).

Wegen der hohen Seitenzahl musste der Text mit ausführlichem Inhaltsverzeichnis und Index auf zwei Bücher verteilt werden, die jeweils für 30 € über Amazon bestellt werden können. Es entstehen keine Versandkosten. Die Bücher werden außerdem als E-Books angeboten.

Die Aufteilung des ganzen Textes auf 2 Bücher könnte dazu führen, dass leichte Abweichungen zwischen Text, Inhaltsverzeichnis und Index zu verzeichnen sind …

R.S.

Nummer 1

Manifest

Beim Lesen dieser Zeitung werden gewisse Leute sich fragen wer denn die Herausgeber dieses Schmutzblattes sind. Um sie vor zu langem Nachdenken zu bewahren, hat sich das Redaktionskollektiv nach nächtelangen Diskussionen und langem Abwägen des für und des wieder entschlossen, gleich am Anfang seiner Tätigkeit aus dem schützenden Mantel der Anonymität hervorzutreten (Anzeigen nimmt jede Polizeistelle entgegen).

Wir sind alle Elemente die Pillenautomaten sagen, aber das Chaos meinen

wir sind alle ungewaschene Schweine

wir sind alle langbehaarte Affen

wir sind alle irre geleitete Jugendliche, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen wollen

wir sind alle Sexualphantasten

wir sind alle linksradikale Rabauken

wir sind alle Feinde der christlich-abendländischen Kultur

wir sind alle rote Wühlmäuse

Hier sind alle Psychopathen

wir sind alle Linksfaschisten

wir sind alle Terroristen

wir sind alle nur für die Ausschweifung

wir sind alle Elemente, vor denen sich der Staat schützen muss

wir sind alle Anhänger einer fremden, östlichen Ideologie

wir sind alle arbeitsscheu

wir sind alle Ostagenten

wir sind alle im Begriff da zu säen, wo der Bolschewismus ernten wird

Da nun jeder weiß was wir sind (viele wussten das allerdings schon lange) wollen wir auch die Persönlichkeit derer enthüllen, die Anstoß an unserer Zeitung nehmen und nehmen sollen

sie nennen Faustrecht einfach Erziehung

sie nennen Untertanenstaat einfach Demokratie

sie nennen Schläger einfach Ordnungshüter

sie nennen vollen Bauch einfach Wohlleben

sie nennen Abziehbilder einfach moderne Frauen

sie nennen ihr Nichtwissen einfach Gott

Sie nennen ihren Notausgang einfach Glaube

sie nennen Natürlichkeit einfach Schweinerei

sie nennen Despotismus einfach Sitte

sie nennen Käseglocke einfach Sicherheit

sie nennen Volksverdummung einfach Reportage

sie nennen Lüge einfach Anpassung

sie nennen Kommunisten einfach Banditen

sie nennen Opportunismus einfach Lebenslauf

sie nennen Propagandaschrift einfach Lesebuch

sie nennen Faschistenzuchtstation einfach Schule

Ihr Programm:

Arschkriecherei, Duckmäusertum, Heuchelei, Denunziantentum, frommes Scheinchristentum, Sexualfeindlichkeit, Prüderie, Einmischung der Schule ins Privatleben der Schüler, Unaufgeklärtheit, Einpauken von Abfragewissen, politische Unterdrückung der Schüler, Lehrermangel, Geldmangel, Schulraumnot, Konfessionsschulen, Geschlechtertrennung, autoritäre Unterrichtsgestaltung, christlich-humanistische Verblödung, Rechtlosigkeit des Schülerparlaments.

Was wir wollen ist nicht sehr originell. Wie immer machen wir Opposition um der Opposition willen und wollen wir genau das Gegenteil des vorhandenen Programms:

Was wir tun können:

Erregen der öffentlichen Meinung für das Schülerproblem auch in unserem Lande, Bloßlegung von eklatanten Fällen von Autoritätsmissbrauch, Bildung eines kritischen Bewusstseins, Aufklärung der Schüler über ihre rechtlichen Möglichkeiten, Förderung des politischen Bewusstseins und der politischen Bildung der Schülerschaft, Bloßlegung der staatserhaltenden Funktionen unseres Bildungsapparates.

Kameraden und Kameradinnen - wir brauchen eure Hilfe!

Zum Streik: Verrat!

Da Streiks in Luxemburg nicht sehr häufig sind und wohlsituierte Professoren sich nicht gern zu einem Streik bewegen lassen, müssen schon äußerst schwerwiegende Anlässe vorliegen, wenn dies trotzdem geschieht. Dieser Anlass war (und ist) der haarsträubende Platzmangel in allen Schulen Luxemburgs. Jedoch einige Tage vor dem Dienstag, 16. Dezember, schwebten nach faulen Eiern stinkende Gerüchte in der Luft: der 16. Dezember sei von der Regierung zum staatlichen Feiertag erklärt worden. Am Montag vor dem Streik wurde das Gerücht von offizieller Seite her bestätigt. Das nennt man Sabotage.

Am Freitag, dem 12. Dezember beschloss das Schülerparlament des Escher Knäbleingymnasiums zum Streik am Mittwoch, dem 17. Dezember aufzurufen. Dieser Beschluss war mit großer Mehrheit getroffen worden. Doch da fanden sich drei Primarklassen, eine Minorität von Schülern vor allem besorgt um ihre bürgerliche Karriere, die den Streik für unangebracht hielten. D.h. nach der Flugblattverteilung um zwei Uhr montags wetterte ein Primaner vor seiner Klasse mit einigen demagogischen Phrasen, einige sexuell frustrierte Mitglieder des CLAN wollten Sauereien mache (diese Informationen haben wir von einem zuverlässigen katholischen Primaner). Natürlich kam aus fast allen reaktionären Schlünden ein höchstes freudiges Ja hervor. Die Argumente sammelte man später. In ihrem reaktionären Eifer stürzten die Primaner zu ihrem viel geliebten Fürsorger und baten ihn, ihnen die Vervielfältigungsmaschine der Direktion zur Verfügung zu stellen, um ihre Meinung kund zu tun. Natürlich fiel dem Direktor Heinrich Koch ein Stein vom Herzen, als die ehrbaren Primaner ihm ihr Vorhaben erklärt hatten. Schnellstens wurde ein Text komponiert, der sehr eindeutig war und noch viele Kontroversen auslösen sollte. Dann lief man zur Vervielfältigungsmaschine, der Herr Direktor selbst kurbelt eifrig an der Maschine und brachte so die drei ersten Zettelchen zustande. Und all dies geschah im Geheimen. Die Kameraden des Schülerparlaments konnten sich nur noch die vollbrachte Tat ansehen. Das ist eben demokratisch. Hätte man nicht erst all diese Wirren einer ernsten Diskussion unterwerfen sollen? Die ganze Argumentation der Primaner bestand darin, immer wieder zu wiederholen, dass die Basis bei dieser Entscheidung nicht befragt worden sei. Das Schülerparlament ist jedoch die rechtmäßige Vertretung der Gesamtheit der Schüler und ist berechtigt, eine solche Entscheidung zu treffen. Außerdem war nicht mehr genügend Zeit vorhanden, und seitens der Direktion hatte man uns verboten, innerhalb der Schule ein Referendum zu organisieren. Außerhalb der Schule wäre dies absolut unmöglich. Auch möchten wir zu bedenken geben, dass die Bevölkerung für keine Entscheidung um ihre Meinung gefragt wird. Außerdem stand es jedem Schüler frei, nicht zu streiken. Wenn die Mehrheit nicht gewillt gewesen wäre zu streiken, so hätte sie wie gewöhnlich den Unterricht besuchen können. Auch vergessen die Herren Primaner, dass sie im Namen der Prima A, B und C gesprochen haben, ohne ihre eigene Basis konsultiert zu haben, denn es stellte sich heraus, dass bei ihnen eine ganze Reihe von Schülern mit dem Streik einverstanden war. Auch konnte man während des Meinungskampfes feststellen, dass manche Leute immer wieder das Schülerparlament mit dem CLAN verwechseln, weil einige Mitglieder des CLAN ins Schülerparlament gewählt worden waren. Die Primaner sind dem Schüler Parlament hinterlistig in den Rücken gefallen, sie haben somit die Autorität unterstützt und die Schüler verraten.

Der Streik ist vom Schülerparlament beschlossen worden, weil wir die Forderungen der Professoren als ungenügend betrachteten und der Professorenstreik durch die Feiertagserklärung sabotiert worden war. Alle diejenigen Leute, die sich mit unseren Forderungen nicht einverstanden erklärt hatten, hatten somit noch einmal zu verstehen gegeben, dass sie die ewig reaktionären Elemente unseres Gymnasiums sind.

Notiz:

Am Montag, den 15. Dezember hat der Direktor eine Kommunikation durch die Klassen gehen lassen, in der er drohte, jeden Schüler von der Schule verweisen zu lassen, der am Mittwoch ohne Entschuldigung fehle, er stelle sich jedoch zur Diskussion bereit. In der Drei-Uhr-Pause gingen die Vertreter der Schüler zum Direktor, um zu diskutieren und wurden mit einem "Raus!" empfangen.

Ausfolgenden Gründen wurde der Streik abgesagt:

Nach der Manifestation in Luxemburg wurde eine Delegation zum „treibenden Motor unseres Schulwesens" geschickt, um eine Zusammenkunft mit Delegationen aus allen Lyzeen mit ihm festzulegen. Diese wurde auf Samstag festgelegt. Mit diesem Sachverhalt konnten wir unmöglich streiken, da sonst die Autorität gesagt hatte: Was streikt ihr denn, meine Lieben, der Herr „Erziehungs“minister hat euch ja eine Zusammenkunft akkordiert, um zu diskutieren. Die aus diesem Grund ist übrigens auch der für Donnerstag geplante Streik der Luxemburger Schüler ins Wasser gefallen. Der Fehler liegt jedoch bei dem Luxemburger Schülerparlament, das die Delegationen zum Dupong geschickt hat.

Wegen erheblichen Organisationsschwierigkeiten, die durch die Primaner und den Zeitmangel entstanden.

Dieser misslungene Streik ist in keinem Fall eine Niederlage gewesen, sondern der Beweis der Stärke einer geeinten Schülerfront. Die Furcht der Autoritäten ist sehr deutlich zum Ausdruck gekommen. Wir werden auf unseren Forderungen bestehen bleiben und sie bei nächster Gelegenheit zu stellen wissen. Der Kampf um eine demokratische Schule innerhalb einer demokratischen Gesellschaft geht weiter!

FORUM, oder die Anatomie eines integrierten Schülerblattes

FORUM, das von einem Redaktionskomitee der Sekunda und der Prima veröffentlicht wird, entspricht in jeder Hinsicht sklavisch dem bürgerlichen Presseideal, wie dann auch seine Redakteure durchaus dem gesellschaftlichen Wunschbild des integrierten Intellektuellen entsprechen. Diese Schülerzeitung, die als absoluter Selbstzweck aufgefasst wird, ist nichts als ein Tummelplatz, auf dem unsere kleinbürgerlichen, elitären sich dünkenden, zukünftigen Intellektuellen ihre affirmativen Purzelbäume einüben. Um möglichst peinlich dem Image der „Erwachsenenpresse“ nachzukommen, sehen sich die FORUM-Leute gezwungen fast die Hälfte ihres Heftes mit Reklame und Werbung für die kapitalistische Privatwirtschaft zu bedecken.

Der „Anarchie der kapitalistischen Produktion“ (Karl Marx) entspricht die intellektuelle Anarchie des FORUM. Jeder „aufgeschlossene junge Mensch“ darf seine, von der Absolutheit seiner Subjektivität getragene Meinung über Bedeutung und Funktion der modernen Kunst kundtun: jeder darf mit heroischer Gebärde und dem Bewusstsein, nicht zur „Masse“ zu gehören, seinen Finger an die Wunden unseres „materialistischen Zeitalters“ legen. (cf. FORUM 4: Wer nicht in den Abgrund stürzen will, wagt Kierkegaards Sprung in den Glauben“. Ob ihn P. A. wohl gewagt hat?) Diese geistige Anarchie, die unter Bezeichnungen wie „Vielfältigkeit“ usw. hochgepriesen und feilgeboten wird, entspricht dem Mangel oder der vollständigen Abwesenheit gemeinsamer politischer Vorstellungen, in deren Dienst das Blatt steht und denen es untergeordnet ist. Die Unfähigkeit der Redakteure, ihre Arbeit in Bezug auf ein politisches Ziel zu begreifen, das Fehlen eines verbindlichen Auslesekriteriums, zeigten sich in der Willkür und Zusammenhanglosigkeit, mit der die einzelnen Artikel aneinandergereiht sind. Die scheinbare ideologische Neutralität des FORUM dient einer reaktionären bürgerlichen Ideologie als Laufsteg. Indem sie keine frontnahen, praxisbezogenen Artikel veröffentlichen, kommen die FORUM-Leute dem heiligen Anspruch auf unsere Schulfunktionäre auf „Apolitismus“ nach. Über die obszöne Ausbeutung der Dritten Welt durch den US-Imperialismus berichten, auf die Beziehungen zwischen Kapitalismus und sexueller Unterdrückung hinweisen hieße den hehren intellektuellen Ritus der FORUM-Equipe schänden. Das Heft liefe Gefahr, seine zur Tugend hochstilisierte politische Jungfräulichkeit zu verlieren. Das FORUM ist letzten Endes nichts anderes als die harmlose, dümmliche und streberhafte Gebetsmühle der Untertanenfabrik, unserer Schule. Hit-Paraden, öde Berichte von würdigen Feiern, Schulklatsch, eine Ecke für die Kleinen - für die dumm hält man unsere Septimaner? - Das alles macht das FORUM zu oft zum offiziellen Chronikblatt der idealisierten Schulfamilie. Die „kritischen“ bürgerlich moralisierenden Artikel, die sich manchmal durch eine Hintertür einschleichen, verschleiern höchstens den affirmativen Charakter des Blattes. Der „junge Mensch“ hat schließlich das Gefühl unzensiert zu sein, eine Illusion, die ihm schulterklopfend Direktion, Professoren und „Erwachsenenpresse“ bestätigen. (Die freundschaftlichen Worte, die das Luxemburger Wort - für Wahrheit und Recht - der ersten Nummer des FORUM widmete sind äußerst relevant).

Das FORUM, was es auch schreiben mag ist harmlos und ungefährlich, ein Beweis dafür ist, dass in die Direktion des Escher Gymnasiums ohne Zaudern einen Briefkasten zur Verfügung stellte wo man doch weiß, dass ein kritisches, nicht-affirmatives Flugblatt keine Chancen hat, am Schwarzen Brett angeschlagen zu werden. Als Modellfall für die herrschende Intoleranz darf wohl die Repression gelten, die auf den Vertrieb der CLAN-Broschüre über Sexualität folgte.

Im FORUM wird es nicht gelingen den unaufhaltsamen Prozess der politischen Bewusstwerdung zu stoppen. Überlassen wir deshalb getrost die FORUM-Redakteure ihrer narzisstischen Selbstbefriedigung.

Über die Notwendigkeit eines Schülerparlaments im Mädchenlyzeum

Vorbemerkung: die Direktion des Mädchenlyzeums weigerte sich. den vorliegenden Text, zusammengestellt von Mitgliedern des Schülerparlaments, auf der Roneo der Schule vervielfältigen zu lassen …

In unserer Schule besteht seit jeher ein erheblicher Interessenkonflikt zwischen Schülern einerseits, Professoren und Schulleitung andererseits. In der Vergangenheit war das immer so, und leider waren dabei meistens wir Schüler die Dummen.

Es ist daher mehr als notwendig, dass auch hier im Mädchenlyzeum wir Schülerinnen uns zusammenschließen, wie die Professoren, um unsere Interessen zu verteidigen, denn dies sei, so sagt man, „unsere“ Schule, und wir glauben, dass wir deshalb auch mitbestimmen dürfen, denn es geht um unsere Schule und um unsere Zukunft.

Die Professoren selbst sind unfrei und abhängig. Auch auf sie wird ein Druck von oben ausgeübt. Sie stehen im Dienst der Erziehungsmaschine, bloßes Instrument der bürgerlichen Ideologie.

Wir sind zum Beispiel gegen die künstliche und stumpfsinnige Probezeit (Stage), die eine Entwürdigung der jungen Professoren ist, deren einzige Aufgabe darin zu bestehen scheint, Schüler aus ihren Klassenräumen in die Pause zu scheuchen. Dies bringt Ihnen gewiss keine Anerkennung, sondern Spott und Gelächter ein.

Wir sind gegen die lächerliche Dupong-Schulreform, in der weder Professoren als solche noch Schüler um ihre Meinung gefragt wurden. Die Initiative aus den beiden Escher Lyzeen hat bewirkt, dass das zusätzliche Examen auf Sekunda nicht eingeführt wurde, und somit ist es uns gelungen, die autoritäre Politik einiger Dunkelmänner (niemand will es gewesen sein) ein wenig zu durchkreuzen.

Darum müssen Schülerinnen und Professoren versuchen, ihre gemeinsamen Interessen einzusehen und nicht nur, wie leider allzu oft geschieht, aneinander vorbeireden.

Der Professor darf auf seine Autorität keineswegs nur von Amts wegen ausüben. Autorität erlangt man nicht durch Terror, sondern durch:

pädagogische Fähigkeiten

psychologischen Takt

einen begründeten Wissensvorsprung.

Zweck der Erziehung ist:

keineswegs die Heranbildung von Fachidioten, Untertanen und Robotern, zu allem Ja und Amen sagen

die Schule darf das Gegebene nicht blind annehmen und kritiklos die Tagesordnung bewältigen

Friedenspreisträger Alexander Mitscherlich: "Die Schule muss in sich selbst eine dialektische Funktion erfüllen: Sie muss in die Gesellschaft einüben und gegen sie immunisieren, wo diese zwingen will, Stereotypen des Denkens und Handelns zu folgen, statt kritischer Einsicht". („Auf dem Wege zur vaterlosen Gesellschaft“, München 1963, Seite →).

Die Schule soll sich die Aufgabe stellen, auf die Rolle und Verantwortung des Einzelnen in Schul- und Gesellschaftssystem hinzuweisen. Die Schule soll Maßstäbe liefern für selbstständiges und kritisches Denken.

Das alles tat sie bisher nicht, sie wird es auch weiterhin nicht tun, wenn wir weiterhin passiv bleiben und nur mit Sehnsucht auf den Tag unserer Schulentlassung warten; wir sind zwar dann mein Diplom reicher; dieses Diplom meistert jedoch nicht für uns das Leben, ebenso wenig wie es für uns denkt.

Die Passivität und Interesselosigkeit der Schülerinnen dürfen nicht länger anhalten!

Wollt ihr eine demokratische und kritische Schule, die unseren Bedürfnissen entspricht, eine Schule der Schüler, dann, Schülerinnen aller Klassen, vereinigt euch!

In der Einigkeit und Organisation liegt unsere Stärke!

gegen überlieferte, unbegründete Autorität

für (transparente) psychologisch und pädagogisch gerechtfertigte Ausbildung.

Vergleiche zum Bildungsproblem: "Zum Bildungsbegriff der Gegenwart. Kritische Beiträge zur Bildungstheorie: Mit Beiträgen von Theodor W. Adorno, W.R. Gaede usw.; Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1967,269 Franken; insbesondere den Beitrag von Adorno: "Erziehung nach Auschwitz").

Cuba si, Yankee no!

Während einer Reihe von Jahren hat die koloniale Revolution eine fast ununterbrochene Entwicklung erlebt. In dieser Periode fand die Hauptauseinandersetzung zwischen den alten Kolonialmächten und der kolonialen Revolution statt. Der nordamerikanische Imperialismus suchte die Revolution zu verhindern, indem er Regierung unterstützte, die mit der Unterstützung des amerikanischen Kapitals im Rahmen des kapitalistischen Weltmarktes bleiben wollten.

Aber die unerwartete Entwicklung der kubanischen Revolution zu einer sozialistischen Revolution hat den Imperialismus gelehrt, wie gefährlich es ist, selbst unter einer bürgerlich-liberalen Führung, einer Revolution ihren Lauf zu lassen. Denn diese Führung läuft Gefahr, von den Massen überrannt zu werden: es kommt zum Prozess der permanenten Revolution. Der Imperialismus hat auf Kuba erfahren müssen, dass eine Volksbewegung mit bürgerlich-demokratischem Programm in einer historisch sehr kurzen Zeitspanne unter dem Druck der bewaffneten Volksmassen zur sozialistischen Revolution ausufern kann. Die Lehre von Kuba hat Früchte getragen: der amerikanische Imperialismus hat geschworen sich niemals mehr irgendwo auf dieser Welt überraschen zu lassen und jedes Mal einzugreifen, ehe es zu spät ist, wie er es schon zur Genüge gezeigt hat in der Dominikanischen Republik, im Kongo, in Indonesien, in Guatemala, Peru und in Vietnam, wo der Sieg der Nationalen Befreiungsfront so gut wie sicher war.

Diese Weltgendarmenpolitik wurde ihm ermöglicht durch die Uneinigkeit der Arbeiterstaaten und die schändliche Schwäche der Führungsbürokratie dieser Staaten vor der Eskalation der Aggression. Heute ist die Hauptauseinandersetzung zu einem direkten Kampf zwischen den amerikanischen Imperialismus und der kolonialen Revolution geworden. Gleichzeitig ist die effektive Führung der Weltrevolution immer mehr den Händen der Bürokratie der Arbeiterstaaten entglitten.

Die Reihe der von der kolonialen Revolution erlittenen Niederlagen (Indonesien, Bolivien, Malaysia usw.) erklärt sich durch die allgemeine Gegenoffensive des amerikanischen Imperialismus und durch das Fehlen einer wirklichen revolutionären Führung der Massen, die der Globalstrategie der imperialistischen Konterrevolution eine Globalstrategie der kolonialen Revolution entgegensetzen könnte.

Dennoch ist die koloniale Revolution nicht am Ende ihrer Kräfte, sogar dort wo die Massen am stärksten unterdrückt werden. Nirgends ist es dem Imperialismus gelungen, ein stabiles Herrschaftssystem aufzubauen oder die Kampfkraft der Massen zu lahmen. Trotz all seiner Anstrengungen konnte er das Kräfteverhältnis in der Welt nicht zu seinen Gunsten verändern

Vor allem der hartnäckige und heldenhafte Widerstand des Vietnamesischen Volkes gegen die Yankee- Aggression neutralisiert, in den Augen der Kolonialvölker, die entmutigenden Folgen der Rückschläge, die die Revolution an anderen Fronten erlitten hat. Der absehbare Sieg der Vietnamesischen Revolution der ununterbrochene Prozess der permanenten Revolution auf Kuba haben auch im kapitalistischen Westeuropa den Defaitismus der sozialdemokratischen und stalinistischen Klassenkollaborateure Lügen gestraft und neuen revolutionären Kräften Auftrieb gegeben. Die Niederlage des Imperialismus in Vietnam, der vor der 10-Millionen-Zafra.auf Kuba, die spontanen Massenstreiks in Westeuropa versetzen dem Weltimperialismus schwere Schläge. Es gilt diese offenen Wunden zu vergrößern, damit das Tier verrecke.

Die Dreckschleuder

„traurig, aber wahr“

Redeverbot

Als die Mitglieder des neu gegründeten „comité des élèves“ eines hauptstädtischen Lyzeums (LMR) endlich verlangten, die Pforte des hehren Gebäudes solle vor 8:00 Uhr geöffnet werden, damit jene Schüler, die vor 8:00 Uhr da sind und bis jetzt in Schnee und Regen auf das Öffnen besagter Pforte warten mussten, geriet der Direktor, wie es scheint arg in Wut. Er war so in Rage, dass er daraufhin alle Stagiare zusammentrommelte und seine Wut an den Ärmsten ausließ. Dabei verbot er ihnen, nach den Worten eines Betroffenen, jedes Gespräch mit den Schülern, da dies, seinen Worten nach (und ohne Gewähr): „die Autorität des Professorenkorps beeinträchtigt“.

Vorschlag: Herr Direktor, verbieten sie den Studienräten den Umgang mit den Stagiaren und verbieten Sie sich den Umgang mit den Studienräten!

Rausschmiss

In der katholischen St. Paulus-Druckerei wurde einem Drucker gekündigt, weil er vor einer kurzen Zeit geschieden worden war. Begründung: „Sein moralisches Verhalten stehe nicht im Einklang mit der Moral einer katholischen Druckerei". Fazit: die katholische Sklavenmoral lebt und ist noch zu begraben.

Vorschlag: die fromme Druckerei in der Origerstraße sollte ihren Angestellten Gehaltsaufbesserungen geben, auf dass sie zum Marsch auf Rom (wohin ja ohnehin alle Wege führen sollen) antreten können, allwo es eine „Heilige Rota“ gibt, die sich sonder Zweifel eine Ehre und ein Vergnügen daraus machen wird, einmal mehr das zu trennen, was Gott verbunden hat. Der Peterspfennig, der den Kandidaten hier abverlangt wird, ist zwar nicht jedermanns Sache, aber der Pillen-Paul muss doch auch leben und wenn man nicht die Tochter eines ehemaligen US Finanzministers ist, und gerade vorhat, einen katholischen Fürsten zu ehelichen – wie das der unlängst einem Prinzen Karl aus uraltem Geschlecht nicht weit von hier geschah – so soll man nur ruhig weiter verheiratet bleiben und Gott ein Wohlgefallen sein. Es geht auch nicht an, dass der Geistliche Leitartikler einer frommen Regierungsgazette eines kleinen westeuropäischen Musterländles, alle paar Tage sein viele geplagtes Köpfchen anstrengen muss, um kasuistisch und kanonisch die Rechtfertigung der römischen Scheidung zu erbringen… Jaja, Prinz Karl wird froh gewesen sein, dass Gottes (und seiner irdischen Stellvertreter) weiser Ratschluss diese elegante Methode der Ehescheidung erfunden hat, denn wer heute das tun will, was in Welschland mit „redorer son blason“ bezeichnet wird, kann nicht mehr auf die Hilfe einer gewissen (-losen) Regierung zählen, die Anno Domini 1934 nicht mit der Wimper zuckte, als es sich darum handelte, 40 Millionen gute Franken (es wusste noch keiner was von Peter Werner …) einer Dynastie zu verehren, deren Schatzkammer an galoppierende Schwindsucht litt, weil… (Zensur: wie hieß es schon 1934: wer noch darüber spricht, wird eingelocht!). Heute muss man als viel geplagtes Blaublut (aber man hat ja nicht umsonst an der altehrwürdigen Universität Löwen Volkswirtschaft studiert) schon subtilere Mittel finden, um ein standesgemäßes Leben führen zu können. Aber wem Gott will rechte Gunst erweisen, dem schickt er eine reiche Frau…!

Wunschtraum

ein Studienrat drohte einem Mitglied des CLAN, er würde ihn vor die Wahl stellen, das Gebäude zu verlassen oder diese Mitgliedschaft aufzugeben, falls er Direktor sei. Wunschdenken entspricht meist ideeller Frustration, Herr Studienrat!

Jean Dupong

ist gegen die Wahl des Direktors durch das Professorenkorps, da dies ins Politische ausarten könnte!

Zitate:

Prinzessin Paola (über die Kontestation und die Schönheit des Lebens…):

„Die Kontestation ist eine gute Sache, genauso wie die progressiven Priester. Jede Kontestation bringt schließlich etwas Besseres hervor.“

„Ich führe ein verantwortungsvolles Leben, das mir große Genugtuung verschafft. Ein Leben voller interessanter Begegnungen und belebender Beschäftigungen.“

Lëtzebuerger Sonndesblâd

(über den Vogelmarkt in Paris)

„Wie gut, dass es in dieser großen Stadt den Vogelmarkt gibt, wie gut, dass der liebe Gott auch Vögel geschaffen hat!“ (8. Februar 1970)

Das Lëtzebuerger Sonndesblâd für Gott und die Vögel.

Die „Ro’d Wullmaus“ für das Vögeln!

Die Schule und die bürgerliche Gesellschaft

Als Schüler müssen wir uns im Klaren sein über die Schule, in der „alle menschlichen Werte in uns voll entwickelt werden sollen“. Wir müssen die Bedeutung der autoritären und hierarchischen Strukturen unseres Bildungswesens in seiner Beziehung zur ganzen Gesellschaft begreifen.

A - Wir leben in einer Klassengesellschaft (diese Behauptung wird auch vom letzten Reaktionär kaum noch bestritten). Die Schule ist ein Abbild der Klassengesellschaft: Sie bereitet auf die Klassengesellschaft vor, sie bringt uns dazu, diese Gesellschaft kritiklos zu akzeptieren. Folglich müssen wir die Schule im Rahmen der Klassengesellschaft analysieren. Es wäre absurd, sie aus diesem Kontext heraus reißen zu wollen. Genauso absurd wäre es, auf eine grundlegende Reform durch den Staat zu hoffen: der Staat verteidigt die Interessen der herrschenden Klasse und wird folglich nicht auf eines seiner Unterdrückungsinstrumente verzichten. Dies besagt jedoch nicht, dass ein Forderungsprogramm auf dem Gebiet der Schule zwecklos sei. Das Förderungsprogramm müsste in den Rahmen des Klassenkampfes gestellt werden es muss dazu dienen, die Unterdrückten gegen die Unterdrücker zu mobilisieren. Der Wert einer Forderung misst sich an der Funktion der politischen Bewusstwerdung der Arbeiter, Studenten und Schüler. Da die soziale Situation der Studenten unsicher geworden ist, sind die Studenten zu einem politischen Bewusstsein gelangt. Dieses Bewusstsein hat zu einer spontanen Revolte gegen das System geführt (Mai 68). Das war jedoch keine dauerhafte organisierte Bewegung. Nun befinden wir uns in der Phase, in der eine organisierte Studenten- und Schülerbewegung geschaffen werden muss. In den letzten Jahren hat die Studentenschaft sich zu einem nicht unwichtigen Faktor im Klassenkampf entwickelt. Das bürgerliche Gesellschaftssystem muss entlarvt werden!

B - Wie schon gesagt, ist die Schule ein Instrument der herrschenden Klasse zur Aufrechterhaltung dieser Herrschaft. Wir müssen uns fragen, welches die Bedürfnisse der Bourgeoisie sind, auf welchen sozialen und politischen Gebilden ihre Herrschaft beruht.

Die Minorität bedient sich zur Beherrschung der Majorität eines Staatsapparates, der aus ergebenden Funktionären bestehen muss: diese Funktionäre müssen sich auf der Seite der Ausbeuter fühlen und einen blinden Glauben in die Autorität besitzen. Diesen Glauben impft man jedem Bürger ein, damit er zum braven Bürger wird.

Es ist der Bourgeoisie von großem Nutzen, wenn sie den Rest der Bevölkerung spaltet. Sie schafft künstliche Rivalitäten, die auf illusionären Privilegien beruhen, indem sie durch Vortäuschung der „gleichen Chancen für jeden“ eine Konkurrenzmentalität hervorruft.

Für die Herrschaft der Minorität ist es wichtig, dass das System von der Majorität akzeptiert wird, da wir ja in einer parlamentarischen „Demokratie“ leben. Um dies zu erreichen, muss sie dafür sorgen, dass keine zu verwirklichende politischen Alternativen für die Majorität vorhanden sind sie muss verhindern, dass die Mechanismen des Systems enthüllt werden, ideologische Illusionen wie zum Beispiel das Konzept der Freiheit und der Gleichheit (was effektiv darin besteht einen Wahlzettel in einer Wahlurne zu werfen) sind lebenswichtig für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus.

C - Der hierarchische Aufbau des Erziehungswesens spiegelt den Aufbau der ganzen Gesellschaft wider: Trennung zwischen Handwerker- und Berufsschulen und Gymnasium, Unterschiede zwischen klassischer und moderner Sektion im Gymnasium. Diese Aufteilung bereitet uns auf die Klassengesellschaft vor, wir sollen sie kritiklos annehmen, der zukünftigen Beamte folgt einem anderen Bildungsweg als der zukünftige Arbeit, obschon der Beamte auch ein Lohnabhängiger ist, da er seine Arbeitskraft die Firma oder den Staat verkauft. Die Aufteilung in der bestehenden Gesellschaft in Intellektuelle und Manuelle spielt eine wichtige Rolle. Die Intellektuellen bildeten die Kader, und es nützt der Bourgeoisie, wenn diese sich den Arbeitern überlegen fühlen.

Der Schüler ist ein rechtloser Konsument. Er braucht nicht zu denken, die Entscheidungen werden von der Autorität für ihn getroffen. Er hat kein Mitspracherecht, die Entscheidungen sollen von ihm angenommen werden. So wird er zum braven passiven Bürger erzogen, der alles über sich ergehen lässt. Obschon das Individuum ein selbstloser Bestandteil unserer Kasernenschule ist und nicht die Gelegenheit hat, Lehrmaterial, Methoden und Strukturen, die es erleiden muss, zu bekämpfen und zu kontrollieren, impft man ihm die Vision der individuellen Freiheit ein.

Das Siebsystem (Examen, Prüfung, Zensur) schafft nur eine Konkurrenzhaltung zwischen den verschiedenen Schülern (wer wird der Erste? - wieviel hast du in der Dissertation? Ich habe 40) …

Die Bildung ist in verschiedenen Fächer aufgeteilt, man soll vor allem ein bisschen lernen. Diesen puren Verbalismus nennt man dann Allgemeinbildung, die in Wirklichkeit gar keine ist. Der Geschichtskursus ist ein ideales Beispiel für diese vorsintflutliche Lehrmethode. Nach den vorliegenden Lehrbüchern besteht der ganze historische Prozess aus Ressentiments, die die verschiedenen Fürsten gegeneinander hegten. Als Ursache eines Krieges führt man gerne die Migräne eines Königs an. Über die spanische Inquisition sind nur fünf Zeilen im Buch, über die Frauen Heinrichs des VIII eine halbe Seite. Anstatt das man uns den Kopf vollpaukt mit der antiken athenischen Demokratie, sollte man uns etwas über die jetzige griechische Obristen-Diktatur sagen. Man will mit allen Mitteln verhindern, dass wir zu einer globalen Sicht der Geschichte und der Gesellschaft kommen. Wir dürfen auf keinen Fall die Mechanismen unseres Systems kennenlernen. Wir sollen nur nicht eine Analyse der historischen und gesellschaftlichen Gesamtzeit studieren, in denen das Individuum eingegliedert ist. Das ganze Lehrmaterial ist durchdrungen von einer kleinbürgerlichen Auffassung des Individuums, das heißt man reißt das Individuum einfach aus jedem gesellschaftlichen Kontext. Man drängt uns eine pessimistische, defätistische Mentalität auf: die Zustände so wie sie sind kann man nicht ändern, „das ist nun eben mal so“. Man führt als metaphysische Erklärung dafür das unveränderliche, absolute, ewige Wesen des Menschen an.

Wir werden jedoch dieses Schulsystem nicht annehmen. Wir werden die Kritik an den ewig reaktionären und heuchlerischen Autoritäten voll entfalten. Wir klagen dieses System an und kämpfen für ein besseres. Gemeinsam mit den progressiven Professoren werden wir der bürgerlichen Schule das demokratische Feigenblatt abreißen und sie den unterdrückten Schülern in ihrer ganzen abstoßenden und reaktionären Nacktheit zeigen.

Wir Schüler müssen eine Einheitsfront bilden!

Über die Funktion unseres Schulreglements

Gemäß unseres Schulreglementes macht sich jeder Schüler schuldig,

der nach 23:00 Uhr noch nicht zuhause ist (Art. 19),

der unter 16 Jahren raucht (Art. 21)

der ein Wirtshaus betritt, ohne in Begleitung seiner Eltern zu sein (Art. 21),

der „obszöne Schriften“ liest (Art. 11 ) (Börsenberichte gelten nicht als obszön!),

der ohne Erlaubnis des Direktors eine Kinoveranstaltung besucht (Art. 22) oder einen Tanztee (Art. 23),

der im Religionsunterricht eingeschrieben ist und nicht regelmäßig die „heilige Messe“ besucht, an den vorgeschriebenen Tagen nicht zu „heiligen Kommunion“ geht, oder an bestimmten Prozessionen nicht teilnimmt (Art. 25)

der sich in den Fastnachtstagen maskiert (Art. 23),

der Mitglied einer politischen Vereinigung ist (Art. 24).

Dieses im Jahre 1970 noch immer geltende Schulreglement aus dem Jahre 1861 (!) ist wirklich ein Hohn und eine Herausforderung für alle Schüler. Es ist ein Maulkorb, da es eingreift in die elementarsten Rechte des Schülers, die ihm durch unsere Verfassung garantiert sind. (Dieses Schulreglement ist übrigens antikonstitutionell und deshalb anfechtbar!)

Diese Ausgeburt bürgerlichen Paternalismus soll die Schüler rechtlich in die Stellung rechtloser Untertanen zwängen. Es soll den störungsfreien Ablauf der Arbeitsrobotor- und Duckmäuserfabrik sichern, die unsere Schule ist, und soll dadurch der kapitalistischen Industrie und Verwaltung fleißige und gehorsame Arbeitsbienen liefern. Dieses Reglement verstärkt die ohnehin schon große Unterdrückung des Jugendlichen in unserem „freiheitlichen“ und „christlichen“ Luxemburg, das wir deshalb wohl wie unsere Schule mit allen Fasern unseres Untertanenherzens lieben sollen! Es macht die Schüler zu hilflosen Opfern einer Erziehung, die nichts weiter will als die Aufrechterhaltung des Status quo zu garantieren und die Jugendlichen zur Bejahern eines Systems zu machen, dass ihr eigener Feind ist. Die Freiheit und das kritische Bewusstsein der Schüler sollen von vornherein eingeschränkt werden, ihre geistige Unabhängigkeit (falls die trotz Elternhaus, Massenmedien und jahrelangem Religionsunterricht überhaupt noch vorhanden ist) soll durch die Unterwerfung unter ein Reglement, das jede Persönlichkeit im Schüler zerstört, unmöglich gemacht werden und das von dem Tage an, an dem der Schüler die „Bildungsstätte“ betritt und das Reglement für ihn in Kraft tritt. Darum und nur darum muss der Schüler die Erlaubnis des Direktors erfragen, falls er einen Ball besuchen will (Art. 23), darum muss er auf jegliche politische Betätigung verzichten (Art. 24) (für Stimmvieh das er einmal in unserer parlamentarischen Demokratie werden wird, gehört es sich, dass er die Politik den Berufspolitikern überlässt), darum muss er bei seiner Privatlektüre den Rat des jeweiligen Studienrates einholen (Art. 11). Dieses infame Reglement ist die Leine mittels derer die Schüler vor den Karren unseres Duckmäuser- und Biertrinkerstaates gespannt werden. Im Moment wird allerdings das Reglement nicht in seiner ganzen Härte angewandt, die Leine ist weniger spürbar. Aber gerade dadurch soll der Schüler noch abhängiger gemacht werden, noch integrierter. Er soll glauben die Autoritäten seinen sooo liberal und verständnisvoll und er wäre sooo frei und unabhängig. In Wirklichkeit aber ist das bloß Sand in den Augen der Schüler, in Wirklichkeit besteht das Reglement immer noch und kann jeden Augenblick gegen jeden angewendet werden. Es wird solange bestehen wie die Richtlinien unserer Erziehung von der Großindustrie und dem C“S“V-Unterrichtsministerium bestimmt werden.

Dieses Reglement ist kein Einzelfall und es besteht nicht im luftleeren Raum, sondern es ist symptomatisch für die Gesellschaft. Auch wenn das Reglement abgeschafft würde, würde das nichts am autoritären Charakter unseres Schulsystems ändern und die Notwendigkeit, die Schüler zu Lernautomaten und Händefaltern zu erziehen wird weiter bestehen für jene, die daran verdienen. Die Schule wird auch weiterhin nichts anderes sein als Zulieferer für die Privatwirtschaft, auch ohne dieses Reglement! Darum hat es keinen Sinn allein gegen dieses Reglement vorzugehen. Wir müssen diese Gesellschaft ändern, wenn wir solche Reglemente ein für alle Mal aus der Welt schaffen wollen.

Randbemerkungen zur „journée d’information professionnelle

in seinem, im Rahmen dieser Veranstaltung gehaltenen Vortrag, hat Carlo Meintz, ohne allerdings seinen Zuhörern das Bewusstsein dieses Sachverhaltes vermitteln zu wollen, auf die engen Beziehungen zwischen kapitalistischer Entwicklung und Schulpolitik hingewiesen. Den anwesenden Schülern wurde im Allgemeinen das Studium von Fächern wie Soziologie, Politologie usw. abgeraten, da es für diese Wissenschaften keine oder nur äußerst wenige Anwendungsbereiche in unserem Lande gibt. Der luxemburgische Kapitalismus ist, verglichen mit anderen europäischen Ländern, technologisch relativ wenig entwickelt. Die luxemburgischen Firmen brauchen, bei dem gegenwärtigen Stand der Produktivkräfte, (noch) keine Soziologen, um ihre Waren dennoch erfolgreich abzusetzen. Sollte jedoch, aufgrund der Dynamik des Kapitalismus, der Bedarf nach Soziologen größer werden, so ist mit Sicherheit zu erwarten, dass unsere Schulpolitik diesem Faktor ausgiebig Rechnung tragen wird.

Die öffentliche Schule wird als eine Handlangerin der Erfordernisse der kapitalistischen Entwicklung betrachtet und behandelt. Sie soll vor allem die zum guten Funktionieren des Systems notwendigen „Kader“ (Ingenieure, Technologen, Bürokraten) liefern, eine Aufgabe, der die Handels- und Industriesektionen unserer Lyzeen, die massiv Angestellte für die ARBED produzieren, eifrig nachgekommen sind. Die Wissenschaften werden vor allem als Produktionsfaktoren in den Diensten der Privatwirtschaft betrachtet. Folgende Äußerungen, die in Deutschland formuliert wurden, treffen auch für Luxemburg zu: "Wenn wir mit unserer Wirtschaft im harten Konkurrenzkampf mit anderen Industrienationen: Japan, Russland, USA… nicht Schiffbruch erleiden wollen, welcher uns zur drittrangigen Industrienation machen würde, muss die Flutwelle der weiterstudierenden Abiturienten auf den wirklichen Bedarf der Wirtschaft hin gelenkt und ausgebildet werden!.

Den betreffenden Wissenschaften, vor allem der Soziologie und der Psychologie zieht man den gesellschaftskritischen Giftzahn und stellt sie den Interessen der herrschenden (d.h. der die Produktionsmittel besitzenden) Klasse zur Verfügung. Die Industrie- oder Betriebssoziologie erforscht - ungefähr seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 - die Anpassung des Arbeiters an seine Arbeit, erarbeitet Teillösungen zur Erhaltung eines krisenschwangeren Systems, studiert jedoch nicht die Entfremdung des lohnabhängigen Arbeiters (dafür werden die Betriebssoziologen ja nicht bezahlt) und eröffnet noch viel weniger Perspektiven für den revolutionären Klassenkampf. Sie ist ein Wachhund der kapitalistischen Gesellschaft.

Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Herrschaft und politischer Macht ist offensichtlich. Die Erfordernisse der herrschenden Klasse setzen sich in politische Macht um, die Schule als Teil der Gesellschaft ist den Interessen dieser Klasse untergeordnet. Es kann eben keine apolitische Schule geben, den scheinheiligen Behauptungen mancher ihrer Funktionäre zum Trotz. Die Schule als ein von der kapitalistischen Gesellschaft finanziertes Gebilde, kann ihre Schüler nicht zu einem kritischen antikapitalistischen Bewusstsein erziehen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass man kaum einen kritischen Gedanken aus der Schule fortträgt. Die Schüler und Studenten werden auf eine geduldige Integrierung in das bestehende Gesellschaftssystem vorbereitet. Dies erklärt auch weshalb die Schulbibliotheken den Schülern nahezu keine kritische Literatur zur Verfügung stellen. Da die Schule außerstande ist, ihren Schülern eine kritische Bildung zu vermitteln, haben wir zur Selbsthilfe gegriffen und Bildungsgruppen gegründet, in denen schulische und gesellschaftliche Probleme diskutiert werden. Besucht diese Bildungsgruppen zahlreich! Erkundigt euch bei den lokalen CLAN-Leuten!

Vietnam

Der Traum des General KY (Wolf Biermann)

Zuletzt aber beschloss die Regierung ein Gesetz

dass alle Menschen glücklich sind!!

Zuwiderhandlungen

werden mit dem Tod bestraft

bald gab es wirklich nur noch

glückliche Menschen.

Richtigstellung (Erich Fried)

Die Roten missbrauchen den Krieg

um uns anzuschwärzen

wir wären wie König Herodes

besonders auf Kindermord aus

in Wahrheit töten wir Kinder

überaus ungern

wir ziehen es vor

ihre Väter und Mütter zu töten

Unter Umständen auch

ihre Großeltern, Onkeln und Tanten

und im Ernstfall

ihre älteren Schwestern und Brüder

Aber höchstens durch Zufall

werden Kinder eigens getötet

sonst fast ausnahmslos

nur im Familienverband

Nummer 2

Liebe Leser

Dieses Monument für die unbekannte Wühlmaus kann nicht nur mit Staatsmitteln gebaut werden, sondern hauptsächlich mit den Mitteln einer nationalen Subskription.

Willst du mithelfen, so schicke deinen Beitrag alsbald.

„Je fais appel à la solidarité nationale! “ (Enrico Cuoco)

Ganz Luxemburg ist mit Denkmälern übersät. Zu jeder Zeit und überall organisiert man Umzüge, wobei häufig Kränze an irgendwelchem Betonklotz abgelegt werden. Jetzt sind wir wieder einmal aufgefordert worden, zum Bau eines 8-Millionen-Denkmals beizutragen! Das Tier fängt an zu stinken!

Nun drängt sich die Frage auf, welche denn die Bedeutung dieses Unfugs ist.

Der luxemburgische Nationalismus ist nicht spontan dem Volke entsprungen, sondern er ist ein künstliches Produkt der herrschenden Klasse. Welches ist die Funktion des Nationalismus?

er soll die Untertanen in eine sanfte Erinnerungswelt versetzen, nämlich die des heldenhaften Widerstands gegen den deutschen Nationalsozialismus, um von den aktuellen Missständen und Mengen abzulenken;

er soll der Arbeiterklasse ein illusionäres Einheitsgefühl mit der Bourgeoisie einimpfen, um den wahren Klassencharakter unserer Gesellschaft zu verdecken;

er ist eines der vielen Mittel des bürgerlichen Staates und von den politischen Problemen abzulenken (andere Mittel: Religion, Sport, Fernsehen, Trivialliteratur…).

Eine Regierung die antifaschistische Denkmäler errichtet, unterhält gleichzeitig diplomatische Beziehungen zu faschistischen Terrorregimen und CIA Marionetten wie Griechenland, Persien, Spanien, Portugal, Südvietnam, Taiwan („Formosa“), Indonesien, Brasilien, Mexiko, Thailand, Südafrika usw., usw. (in Kürze wird man auch Frankreich definitiv zu den faschistischen Staaten zählen können).

Wir sollten endlich einsehen, dass Kapitalismus und Faschismus eng miteinander verflochten, anstatt die wahren Ursachen des Ersten und Zweiten Weltkrieges aufzudecken, will man uns vormachen, alles sei auf einzelne Personen zurückzuführen (wie beispielsweise Wilhelm II oder Hitler …).

Faschismus, jede Form des Krieges sind ein Produkt des Kapitalismus, ein Mittel des Monopolkapitals zur Krisenverhütung.

Der Nationalismus der dem Volke auf rein sentimentalem, demagogischem Wege suggeriert wird, soll verhindern, dass die Geschichte Luxemburg mit kritischem Auge betrachtet wird.

Die heutige CSV, die sich als Bekanntwerden des Faschismus ausgibt, ist die Nachfolgerin der Rechtspartei die:

1933 im Luxemburger Wort, der Zeitung, die das Monopol der Wahrheit und des Rechts in Luxemburg gepachtet hat, Adolf Hitler als Fleisch gewordene höchste nationale Tugend pries;

1937 nach deutschem Vorbild auch das Luxemburger Volk mit dem Faschismus beglücken wollte (das Bech‘sche Maulkorbgesetz unseligen Andenkens)…

Hat der Klerus, wackerer Verteidiger christlicher Werte vergessen, dass

Pius XII. Winston Churchill aufforderte, eine Koalition mit dem Hitlerregime einzugehen um gemeinsam den ‚Bolschewismus‘ in Russland zu stürzen;

Pius in den italienischen und deutschen Faschisten seinen väterlichen Segen erteilte (und sie dadurch glaubwürdiger machte)

Unter der klerikal faschistischen Diktatur in Kroatien von 1940-1945 mehr als 600.000 Menschen (in Worten sechshunderttausend) in Konzentrationslagern ermordet wurden, und zwar aus religiösen Gründen, die Serben hatte nämlich das Unglück orthodox zu sein und ihre „Bekehrung“ zum Katholizismus abzulehnen. Die Ustascha-Bluthunde Ante Pavelics gingen so weit, dass sogar Adolf Hitler einen Protestbrief an die kroatische Marionettenregierung richtete! Diese Massenmorde geschahen unter dem wohlwollenden Auge seiner Exzellenz des Bischofs Stepp Stepinac. Sogar Mönche (vornehmlich Franziskaner) waren in den KZ‘s „tätig“ und sahen mit frommem Augenaufschlag zu, wenn die Ungläubigen in ihre orthodoxe Kirche gesperrt wurden und wie in Oradour darin verbrannt wurden; -omnis ad maiorem dei gloriam. Niemals hat Pius XII gegen diese Massaker protestiert, die doch das Werk seiner Diener und Untergebenen waren. Und 1953 trieb er den Zynismus so weit, dass er den Stepinac „wegen hoher Verdienste“ zum Kardinal erhob!!! Gottes Wege sind unerforschlich…

Pius XII 1941 in seiner Weihnachtsbotschaft: „Oh christliches Rom… Du bist ein Leuchtturm der Besiedlung und das zivilisierte Europa und die ganze Welt verdanken wir das Höchste (…) Du bist die Mutter der Liebe (…)“.

Die Christlich-Sozialen, die weder christlich noch sozial sind, wollen das Volk mit einem Denkmal zur Erinnerung an die Opfer einer vergangenen faschistischen Diktatur beglücken. Anstatt aktiv die Gefahr des heutigen offenen und latenten Faschismus zu bekämpfen, anstatt die Beziehungen zwischen Capital und Faschismus aufzudecken, plant man die Errichtung eines Betonklumpens! Abgesehen von der Unglaubwürdigkeit des klerikalen luxemburgischen „Antifaschismus“ ist es eine Gemeinheit, 8 Millionen Fr. zu verschleudern in einem Augenblick wo es an allen Ecken und Enden an Krankenhäusern, Kinderkrippen, menschenwürdigen Wohnungen und Schulraum mangelt. Warum gibt man vor, den Toten zu gedenken, wenn man es nicht einmal fertig bringt den lebenden in diesem Lande das Existenzminimum zu garantieren? Haben die Leute in deren Hirn die verrückte Idee des „Monument National“ entsprungen ist noch nie etwas von den Hungerrenten gehört, mit denen einige Tausend Mitbürger „leben“ müssen? Für wie dumm halten uns?

Stellen wir fest, dass sich Anti-Faschismus, der sich nur durch den Bau von Denkmälern kundtut, als vollständig unglaubwürdig erweist, umso mehr, wenn man weiß, welche Leute sich hinter dem Projekt verbergen!

Boykottieren wir jede Manifestation der Chauvinisten in diesem Lande!

Entlarven wir die wahren Faschisten!

Achtung: gelbe Gefahr

Nun besteht kein Zweifel mehr: Sie ist unterwegs, die Gelbe Gefahr, die schröckliche. Sie lauert da vor unserer Tür, die Maske ist ab. Und die Frage ist jetzt: werden wir mit gekreuzten Armen zu sehen wie unsere Frauen, Klosterfrauen, Jungfrauen, Kinder, Kleinkinder, Prinzenkinder, Minister, Obristen, Seelenhirten, Hüttenherren, Bahnhofsvorsteher, Verkehrspolizisten, Bankiers, Zahnärzte, Briefträger, Studienräte und Volksvertreter geschändet und mit ausgesuchten asiatischen Grausamkeiten vom Leben zum Tode gebracht werden? Werden wir uns geduldig das spitzige Mongolenschwert an den sauberen Hals setzen lassen? NEIN! Wir werden sein ein einig Volk von Brüdern, vom Atlantik bis zum Ural, und wenn's sein muss bis zum Ussuri, und den anstürmenden Hunnenhorden furchtlos in die tückischen, fernöstlich-mordlustig funkelnden Augen blicken.

Werden wir überhaupt warten bis die Flutwelle des gelben Untermenschentums das christliche Abendland bis Trier oder gar Wasserbillig verwüstet hat und die ewigen Werte der großherzoglich-luxemburgischen Kultur (zuständiger Minister Frau Magdalena Frieden-Kinnen) bedroht? Werden wir dulden, da sonst der rote Hahn aufs Dach des Wohlstandshauses gesetzt wird? NEIN! Wir müssen den Präventivschlag führen! Angriff war schon immer die beste Verteidigung, und mit der Hilfe des Heiligen Geistes und der A-, B- und C- Waffen wird uns das gottgefällige Werk gelingen. Wahrlich, wahrlich, wir sagen wollen: die Chinesen müssen niedergemacht werden, bevor sie ihre fürchterlichen Krummsäbel gewetzt haben. Am neuen Carl macht Details und Grafen war oder sie wird es uns gewiss nicht fehlen: Denken wir nur an militärische Genies wie Colonel Winter, General De Gaulle, Marschall Gretschko und all die kleinen Westmorelands in der sogenannten Bundesrepublik, in Spanien, Griechenland und Portugal, denken wir an das gewaltige Potenzial von betressten Vaterlandsverteidigern in Lateinamerika, denken wir an Mobutu, Emil Krieps, Bokassa und Aloyse Schiltz…

Eile tut not! Schon haben Sie die Bombe, dem allmächtigen sei Dank fehlen ihnen noch die Flugzeuge, um sie abzuwerfen. Deshalb tragen sie sie stückweise bis zur Grenze der Zivilisation, allwo sie dann zusammengesetzt wird. Sodann wird eine lange, lange Zündschnur daran gebunden und am anderen Ende, d.h. in Peking, hinter dem alten Kaiserpalast, hockt der große Vorsitzende und hält hämisch lächelnd ein Streichholz an die Lunte. D.h., wenn es in China Streichhölzer gibt, was ja bei dem niedrigen Stand der Kultur in diesem Lande sehr zu bezweifeln ist. Aber das ändert nichts an der Sache, sogar wenn sie mit Feuerstein und Schwamm den Funken erzeugen müssen, der die ganze Steppe in Brand setzt. Es steht außer Frage, dass es uns in Bälde sehr heiß werden wird.

China ist sooo groß, ganz Europa wird Weg gefegt werden, halb China auch, es wird ihnen immerhin noch eine Hälfte bleiben. Wir aber besitzen keine andere Hälfte! Warum haben sie das frevlerische Werk noch nicht vollbracht? Nun, die Zündschnur ist noch nicht fertig geflochten. Ihre Frauen tun es, beste Handarbeit, das künstlerische Handwerk hat der bilderstürmende Bolschewismus chinesischer Prägung bei aller Anstrengung doch nicht ausrotten können, das kommt ihm jetzt zugute. Und wenn dich nur 6000 km lang ist, dann geht's los, dann springen sie in die Sättel und einmal mehr wird der Boden des christlichen Abendlandes unter den Hufen ihrer kleinen Mongolenpferde erzittern! Es muss gehandelt werden! Wer Augen hat zu hören rieche! Mehr denn je bedeutet Zeit jetzt galt (d. H. Freiheit). Schon haben die von brennender Sorge erfüllten Staatsmänner der USA und der UdSSR sich geeint. Dem gemeinsamen Feind aller weißen Männer wird demnächst ein gemeinsamer Heerbann entgegengesetzt werden. Wer wird das Oberkommando übernehmen? Wir sind der Meinung das an die Spitze dieser, zu großen Taten berufenen Streitmacht weder der Befreier Prags noch jener der dominikanischen Republik gehört, auch die in Vietnam bewehrten Kämpen erfüllen vielleicht nicht die moralischen Bedingungen die an dieses höchste Amt geknüpft sind. Wir glauben, dass einzig und allein ein Lützelburger in Frage kommt. Zum Ersten haben wir so viele Militärs außer Dienst, und zum Zweiten wollen diese endlich beweisen das sie nicht überflüssig sind wie das von einer gewissen Presse (von wem wird sie eigentlich bezahlt?) Gerne unterstellt wird. Wird die Wahl der Jury auf Major Wormeringer fallen oder wird man Colonel Albrecht (der gestiefelte Albrecht) küren, oder wird man gar aus der Mottenkiste der „Protection Nationale (Tel. 478-229) Oberst Oscar Heldenstein hervorkramen? Gott allein weiß es, aber wir werden es wissen. Und wenn dann der Stellvertreter Christi in der ewigen Stadt dann einmal mehr die Waffen gesegnet haben wird, werden wir wie weiland weiter marschieren bis alles in Scherben fällt, werden heute gehört uns Luxemburg und morgen die ganze Welt. Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen, wird die glorreiche Truppe mit festem Tritt marschieren, denn an unserem Wesen muss China genesen! Wie Anno Domini 1900 wird es dann heißen „the Germans to the front!“ Und sind wir nicht die besten Preußen, die es je gab?

Bis dahin aber müssen wir uns daran gewöhnen, im permanenten Kriegszustand zu leben. Denn die Chinesen sind überall. Decken wir ihre Machenschaften auf! Support your local police und Peter Werners Spitzeldienst (den es nicht gibt…). Die Chinesen sind äußerst schlau, dennoch leicht erkennbar:

sie haben ein Schlitzauge, manchmal auch zwei;

sie tragen große Mützen, von der Art die man in Luxemburg „Säcktre’eschkâp“ nennt;

sie tragen lange Zöpfe im Rücken;

sie fochten mit einem roten Büchlein herum.