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Liebe ist das gefährlichste Experiment
Layla Miller ist jung, brillant und wild entschlossen, in der Wissenschaft ihren eigenen Weg zu gehen - auch ohne Doktortitel. Sie ergreift ihre Chance bei BioVaris, einem innovativen Biotech-Unternehmen, das Kreativität über Konvention stellt. Dort trifft sie auf Miles Lockhart, den charismatischen, aber verschlossenen CEO, der zwischen Forschungseifer und Führungsverantwortung hin- und hergerissen ist.
Bei Besprechungen und langen Stunden im Labor kommen sie sich näher - doch Clarice, Miles’ erste große Liebe, ist immer noch Teil seines Lebens.
Intrigen und Machtspiele stellen Layla und Miles auf eine harte Probe. Wie viel sind sie bereit, für ihre Liebe zu riskieren - und können sie einander vertrauen, wenn alles auf dem Spiel steht?
Verbotene Anziehung, große Gefühle und knisternde Spannung - verliebe dich in Layla und Miles. So prickelnd wie ein Glas Champagner, so romantisch wie der Blick auf die Bostoner Skyline, so fesselnd wie ein Serienmarathon. Der zweite Band der CEO-Office-Romance-Reihe rund um die CEOs of Boston.
Mit den Trend-Tropes Forbidden Love, Grumpy meets Sunshine, Opposites attract, Ambitious Heroine, Love Triangle.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
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Seitenzahl: 401
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Grußwort des Verlags
Über dieses Buch
Titel
1 Layla
2 Miles
3 Layla
4 Miles
5 Layla
6 Miles
7 Layla
8 Miles
9 Layla
10 Miles
11 Layla
12 Miles
13 Layla
14 Miles
15 Layla
16 Miles
17 Layla
18 Miles
19 Layla
20 Miles
21 Layla
22 Miles
23 Layla
24 Miles
25 Layla
26 Miles
27 Layla
28 Miles
29 Layla
30 Miles
31 Layla
32 Miles
33 Layla
34 Miles
35 Layla
36 Miles
37 Layla
38 Miles
39 Layla
40 Miles
41 Layla
42 Miles
43 Layla
44 Miles
45 Layla
46 Miles
47 Layla
48 Miles
49 Layla
50 Epilog – zwei Wochen später
Über die Autorin
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Inhaltsbeginn
Impressum
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Liebe ist das gefährlichste Experiment
Layla Miller ist jung, brillant und wild entschlossen, in der Wissenschaft ihren eigenen Weg zu gehen – auch ohne Doktortitel. Sie ergreift ihre Chance bei BioVaris, einem innovativen Biotech-Unternehmen, das Kreativität über Konvention stellt. Dort trifft sie auf Miles Lockhart, den charismatischen, aber verschlossenen CEO, der zwischen Forschungseifer und Führungsverantwortung hin- und hergerissen ist.
Bei Besprechungen und langen Stunden im Labor kommen sie sich näher – doch Clarice, Miles’ erste große Liebe, ist immer noch Teil seines Lebens.
Intrigen und Machtspiele stellen Layla und Miles auf eine harte Probe. Wie viel sind sie bereit, für ihre Liebe zu riskieren – und können sie einander vertrauen, wenn alles auf dem Spiel steht?
Verbotene Anziehung, große Gefühle und knisternde Spannung – verliebe dich in Layla und Miles. So prickelnd wie ein Glas Champagner, so romantisch wie der Blick auf die Bostoner Skyline, so fesselnd wie ein Serienmarathon. Der zweite Band der CEO-Office-Romance-Reihe rund um die CEOs of Boston.
Ava Cooper
A Crush on the Boss
»Layla, hast du schon die neuen Proben untersucht?« Brians näselnde Stimme dringt durch den Gang und ruiniert augenblicklich meine gute Laune.
»Oh, der Sklaventreiber kommt«, murmle ich und verdrehe stöhnend die Augen. Die Werksstudentin Sally, die neben mir arbeitet, kichert. Seit diese Pfeife Brian vor einigen Monaten als Laborleiter angefangen hat, ist unsere Oase der Behaglichkeit zum Überwachungsstaat geworden. Dieser Idiot kontrolliert alles und jeden. Er überprüft akribisch, ob wir pünktlich anfangen. Wie lange wir für die Arbeiten brauchen. Und natürlich darf ich keine Airpods mehr tragen.
»Klar, Boss. Bin fast fertig«, antworte ich. Was glatt gelogen ist. Seufzend löse ich mich vom Bildschirm, auf dem die Proteinanalysen laufen. PCSK9 spielt eine Schlüsselrolle bei Herz- und Gefäßkrankheiten – ein neuer Hemmstoff, ein sogenannter Inhibitor, könnte es gezielt blockieren und so helfen, geschädigte Gefäße zu regenerieren. Aber Brian will davon nichts wissen.
Ich sperre den Bildschirm und gehe zurück zu den Proben. Unsere Produkte müssen genau die Spezifikation aufweisen, die der Kunde erwartet. Dazu nehmen wir immer wieder Stichproben, die ich untersuche. So langweilig! Forschen ist mehr mein Ding.
»Also, wie weit bis du?« Mit großen Schritten betritt Brian das Labor und schaut mich missbilligend an. Wie kann ein Mensch nur von jetzt auf gleich so viele Falten auf der Stirn bekommen? Er sieht fast aus wie ein Basset. Das passt zu ihm. Er ist ein fieser Jagdhund, der unbarmherzig nach Beute sucht.
»Die Hälfte der Proben sind fertig.« Ich deute mit der Hand auf die beschrifteten Schalen.
Er stöhnt. »Und was ist mit der anderen Hälfte? Du weißt, unsere Kunden erwarten nichts weniger als absolute Perfektion. Die Ware kann erst raus, nachdem du die Tests abgeschlossen hast. Alle Tests.« Das vorletzte Wort betont er.
»Komm runter. Ich bin schließlich locker fertig, bevor die nächste Charge dran ist.«
»Runterkommen?« Die Halsschlagader tritt deutlich hervor und seine Augen sprühen regelrecht Funken. »Das ist wohl kaum ein adäquater Ton für den Umgang mit deinem Chef. Ich erwarte etwas mehr Respekt von dir.«
Ich zwinge mich, ruhig zu bleiben. Weitere Konfrontationen kann ich mir nicht leisten. Aber je länger der Penner hier ist, desto mehr nervt er mich. Trotzdem ... von irgendetwas muss ich ja meine Miete bezahlen. Boston ist teuer. »Tut mir leid«, nuschle ich daher und hasse mich dafür.
In Brians Gesicht leuchtet Triumph auf. Er liebt es, wenn er mich in die Knie zwingt. Unterwürfigkeit ist in seinen Augen eine Grundvoraussetzung im Job. Dann seufzt er. »Lass mich raten. Du hast wieder Chemikerin gespielt ...«
»Ich bin Chemikerin«, zische ich.
»Aber nur mit einem Bachelor. In meinem Labor reicht das nicht, um eigenständig Experimente durchzuführen«, sagt er voller Überheblichkeit. »Das ist den promovierten Chemikern vorbehalten. Lass mich das machen.«
Pah, damit er von meinen Ergebnissen profitiert – die er noch nicht einmal rafft! Scheiße, irgendwann muss ich den Master und die Promotion nachholen. Also doch zurück nach L.A.? Aber die Vorstellung, von Mom auf High-Society-Partys vorgeführt zu werden, löst in mir nacktes Grauen aus. Nein, lieber ertrage ich Brian als meine Eltern. Ich atme tief durch und bezwinge den Reflex, ihm meine Fingernägel in die Wangen zu graben.
Er sieht sich prüfend im Labor um. »Wo steht dein Versuch denn?«
Ich zeige mit einer knappen Handbewegung auf das Massenspektrometer, das sich in der Ecke des Raums befindet. »Dort.«
Brian geht bedächtig näher, streicht mit der Hand über das Gehäuse des Geräts und mustert die Benutzeroberfläche. »Und die Ergebnisse?«
Ich beiße die Zähne zusammen und entsperre den Rechner, der mit dem Massenspektrometer verbunden ist. Da er mein Chef ist und ich den Versuch ohne seine Zustimmung gemacht habe, kann ich ihm das kaum verwehren, so gern ich das würde.
Brian stellt sich so dicht neben mich, dass sein Arm fast meinen berührt. Meine Kehle schnürt sich zu, als er sich so nah über den Bildschirm beugt. Der Geruch seines Aftershaves weht zu mir hinüber. Etwas Harziges. Unangenehm. Hastig trete ich zur Seite.
Wieder versinkt er in Schweigen. Er kommt noch näher, scrollt rauf und runter. Legt eine Hand unters Kinn und in seinen Augen blitzt etwas auf. Respekt? Oder gar Neid? So schnell der Ausdruck erscheint, so schnell verschwindet er wieder. Nun sieht Brian nörgelig aus wie immer.
»Interessante Werte«, murmelt er schließlich. Doch ich weiß, er sucht krampfhaft nach etwas, das er kritisieren kann. »Also, du hast ziemlich unorthodoxe Methoden angewendet. Und die Proben sind nicht exakt genug. Wie kannst du sicher sein, dass der Inhibitor in dieser Form effektiv wirkt?«
Ich verschränke die Arme vor der Brust und halte seinem Blick stand. »Weil ich es selbst getestet habe, Brian. Ich habe jede Möglichkeit in Betracht gezogen, und dieser Inhibitor hat eine höhere Affinität für PCSK9 als alle anderen.«
Brian hebt die Augenbrauen, Skepsis trieft förmlich aus seinem Gesicht. »Nun, davon werde ich mich wohl persönlich überzeugen müssen.« Er greift nach der Probe, die noch immer im Massenspektrometer sitzt, als gehöre sie ihm. Meine Finger ballen sich zu Fäusten, während er das Fläschchen in der Hand wiegt.
»Bring den Rest in mein Labor«, fährt er fort, als wäre ich seine Praktikantin und nicht diejenige, die diesen Durchbruch ermöglicht hat. »Ich schaue mir das an und versuche zu retten, was zu retten ist.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, hastet er Richtung Tür. Ich starre ihm hinterher, zornbebend, die Worte auf der Zunge, die ich nicht aussprechen darf. Er hat keine Ahnung von diesem Ansatz, keine Ahnung, wie viel Arbeit und Herzblut in diesem Versuch stecken. Und jetzt marschiert er einfach mit MEINER Probe davon. Beinahe rempelt er Sally an, die über ein Mikroskop gebeugt die pH-Werte für eine andere Produktlinie testet. Ihre Finger zittern, weil sie sich so sehr bemüht, keine Fehler zu machen.
Er verdreht die Augen. »Bist du etwa immer noch nicht fertig, Sally?«
»Nein ... Nur noch ein paar ...«
Brian schnaubt. »Verdammt, wie lange brauchst du denn, um so eine einfache Aufgabe zu erledigen?«
Sally zuckt zusammen wie ein geprügelter Hund. »Es ... es tut mir leid«, flüstert sie.
»Es tut mir leid«, äfft er sie nach. »Hast du überhaupt ein bisschen Gehirn im Kopf oder bist du bloß ein weiteres überflüssiges Rädchen in meinem Labor?«
Wut kocht in mir hoch und mein Blutdruck steigt. Sally braucht diesen Job, weil er Teil ihrer Abschlussarbeit ist. Und das nutzt dieses Arschloch hemmungslos aus, er demütigt sie, wo er nur kann. So langsam reicht es mir. Mich kann er ja gern fertig machen, aber nicht sie. Nicht mehr.
»Hör endlich auf, Brian! Sally ist eine gewissenhafte Studentin. Sie bemüht sich, alles richtig zu machen. Und das gelingt ihr verdammt gut!« Die Worte schießen aus mir heraus, bevor ich nur darüber nachdenken kann.
Er dreht sich zu mir um, das Gesicht eine Maske aus Wut. »Was erlaubst du dir? Das geht dich nichts an, Layla.«
»Doch, das tut es. Es ist asozial, wie du das arme Mädchen behandelst. Und auch mich! Keiner in diesem Labor gehört dir. Wir arbeiten bloß für dich. Aber du ... du benimmst dich echt wie ein Arschloch.«
Brian starrt mich einen Moment verblüfft an, dann zieht ein Lächeln über sein Gesicht und er bricht in Gelächter aus. »Habe ich es endlich geschafft, dass du explodierst. Das mit dem Arschloch reicht als Grund für eine fristlose Kündigung. Vor einer Zeugin.« Er deutet grinsend auf Sally. »Oder willst du es etwa leugnen?«
Scheiße, damit hat er recht. Wenn sie das bestätigt, war es das für mich. Beleidigungen werden nicht geduldet, darin ist die Firmenpolitik sehr klar. Die Studentin starrt verzweifelt von ihm zu mir. Ich ahne, welchen Konflikt sie mit sich austrägt: Sie kann nicht zu mir halten, sonst muss sie sich ein neues Unternehmen für ihre Dissertation suchen. Und das so kurz, bevor sie fertig ist. Aus der Nummer komme ich nicht raus. Aber auf einmal ist mir das auch egal.
Ich nehme den Kopf hoch und hebe die Schultern an. »Vor dir leugne ich gar nichts mehr, Brian. Ich habe die Schnauze voll davon, mich von dir wie Dreck behandeln zu lassen.«
Mit einem Ruck reiße ich mir die Schutzbrille ab und öffne die Druckknöpfe des Laborkittels, offenbare die darunterliegende Vintagekleidung, die Brian so hasst. Zum Schluss löse ich meinen Zopf und fahre mir erleichtert durch meine lila-pink gemusterten Haare.
»Ich kündige nämlich.« Mit diesen Worten drücke ich Brian die Schutzbrille in die Hand und gehe mit meinem Kittel aus dem Labor. Arbeitslos, aber zum ersten Mal seit Wochen wieder hocherhobenen Hauptes.
»Ehrlich, Elias, es tut gut, dass du wieder zurück bist.« Ich lächle meinen Freund aus Jugendzeiten an.
»Na, so ganz bin ich nicht da. Noch hat meine neue Holding BioVaris nicht übernommen. Bei der ich im Moment sowieso mein einziger Mitarbeiter bin.« Er lacht herzhaft und wirkt so gelöst, wie ich ihn selten erlebt habe. Die Beziehung mit Riley scheint ihm wirklich gutzutun.
Ich nicke. »Wenn alles nach Plan läuft, ist das Closing in zwei, drei Monaten. Die meisten Behörden haben schon zugestimmt. Also sollte das klappen.«
»Falls die Europäische Kommission jemals mit ihrer Prüfung fertig wird. Die Europäer sind manchmal echt Bedenkenträger. Die immer mit ihrem übertriebenen Verbraucherschutz ...« Elias seufzt tief und sieht mich kopfschüttelnd an. »Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir das Timing hinkriegen. Ich kann es nicht erwarten, wieder mit dir zu forschen. In unserem Labor bei BioVaris. Oder noch besser – bei NexGen! Die haben echt alles da, was man braucht. Sogar ein Kryo-EM-Mikroskop. Das Teil hat wirklich eine sensationelle Auflösung, das musst du sehen!«
»Damit könnten wir die Forschung auf das nächste Level heben.« Genau danach sehnt sich mein Forscherherz. In den letzten Monaten war ich viel zu viel in Vorstandsmeetings. Das gehört natürlich zum neuen CEO-Job, aber ich fühle mich nun einmal nur im Labor richtig zu Hause.
»Bis dahin müssen wir uns wohl mit dieser kargen, konspirativen Atmosphäre begnügen.« Elias deutet auf sein privates Labor, in dem wir wieder einmal an der Herstellung von funktionierenden Organen forschen.
Ich schmunzle, denn die Ausstattung bei Elias ist alles andere als bescheiden. Im Gegensatz zu mir wirft er gern mit Geld um sich. Nun, für mich war das auch nie so selbstverständlich wie für ihn, ich entstamme einem ganz normalen Mittelschichtzuhause.
»Tja, tut mir leid, mein Freund. Mehr kann ich dir im Moment nicht anbieten. Du musstest mich ja bei BioVaris absägen.« Er lacht gutmütig und knufft mich.
Zum Glück trägt er mir meine Blödheit nicht nach. Ich selbst ärgere mich immer noch unfassbar darüber. Wie konnte ich nur glauben, dass er eine Frau zum Sex genötigt hat? Aber ich wollte nicht wahrhaben, wie hinterhältig Clarice ist. Diese Erkenntnis schmerzt. Immerhin hat sie mir einige Jahre lang alles bedeutet.
Ich beuge mich vor und scrolle durch die Mikroskopbilder, die Elias mir über sein Tablet zeigt. Die histologischen Aufnahmen der letzten Testreihe sehen vielversprechend aus.
Elias lehnt sich gegen den Schreibtisch, der in einiger Entfernung zu den Labortischen steht, hebt seine Espressotasse an und nimmt einen Schluck. Der kräftige Duft von frisch gemahlenen Bohnen mischt sich mit dem sterilen Geruch des Labors. »Siehst du das?« Er deutet mit einem Finger auf das Tablet, während er die Tasse in der anderen Hand hält. »Die Zellcluster stabilisieren sich perfekt entlang der Gerüststruktur. Wenn wir die Biotinte noch minimal anpassen, könnten wir die Bildung von funktionalem Gewebe beschleunigen.«
Elias, der ewige Optimist ... Ich ignoriere seine Euphorie und konzentriere mich auf die Werte.
Zellüberlebensrate: 92 %.
Matrix-Stabilität: akzeptabel.
Sauerstoffdurchlässigkeit: noch zu niedrig.
Ein Funke Hoffnung keimt in mir auf. »Vielleicht hast du recht. Aber wir sind noch lange nicht durch. Bevor wir einen ersten funktionalen Test wagen, müssen wir mindestens drei Replikationen durchführen und prüfen, ob die Zellstrukturen langfristig stabil bleiben. Ganz zu schweigen von den FDA-Vorgaben.« Ich seufze und lasse den Kopf sinken.
Elias zuckt mit den Schultern, stellt die Espressotasse mit einem leisen Klicken auf den Tisch und lehnt sich entspannt zurück. »Genau! So wie wir es schon hundertmal gemacht haben. Wo ist das Problem?«
»Damals warst du CEO und ich Forschungsleiter. Jetzt sitze ich in Meetings fest und kann keine einzige Analyse in Ruhe durchgehen.« Ich rubble mir durchs Haar, spüre, wie es in alle Richtungen absteht.
Elias verschränkt die Arme. »Klingt, als wärst du kurz vorm Burnout. Du musst delegieren, Miles. Sonst klappst du irgendwann zusammen.«
Ich schnaube. »Danke, Dr. Neunmalklug. Erst mir den CEO-Job aufs Auge drücken und dann motzen.« Ich starre ihn finster an. Aber er hat ja recht.
»Du brauchst eine Assistentin oder einen Assistenten. Jemanden, der dir den Rücken freihält, damit du dich auf die Forschung konzentrieren kannst.«
Ich ziehe eine Augenbraue hoch, sage jedoch nichts.
»Denk drüber nach, Miles. Die Forschung ist deine Leidenschaft. Wenn du dich weiter mit Finanzberichten rumschlägst, geht sie dir irgendwann verloren.«
Ich fahre mir mit einem Seufzer übers Gesicht. Es ist seltsam, dass gerade Elias mich erden will, denn er gibt immer Vollgas. Andererseits muss ich mich im Moment um zu viele Baustellen kümmern. »Vielleicht hast du recht.«
Elias grinst. »Nicht nur vielleicht. Definitiv. Stell jemanden ein. Dann könntest du sie oder ihn in unser Projekt einweihen, sobald alles offiziell ist.« Elias klopft mir auf die Schulter. »Du wirst noch gebraucht, Miles. Ich brauche dich. Also bitte überleg es dir mit einer Assistenz. Ernsthaft.«
»Mache ich. Ab morgen. Jetzt müssen wir erst mal einen Plan für unsere nächsten Schritte ausarbeiten.« Ich schnappe mir das Tablet und öffne Trello. Aber Elias hält mich zurück.
»Ja. Ab morgen.« Elias zwinkert mir zu. »Heute haben wir genug für die Menschheit gemacht. Lass uns nach oben gehen. Riley wollte etwas kochen, während wir uns in unsere Analysen vertieft haben. Wenn wir Glück haben, gibt es ihre sensationelle Paella. Und dazu Flan.« Er streicht sich über seinen flachen Bauch. »Mann, sollte sie jemals hier einziehen, gehe ich sicher auf wie ein Hefekloß.«
»Klar. Du und dick – das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen«, erwidere ich lachend. Elias hat immer Sport gemacht wie ein Verrückter. Deswegen war er in der Schule auch nie als Nerd verschrien im Gegensatz zu mir.
Gemeinsam steigen wir die Treppen hoch, wo uns bereits ein köstlicher Duft empfängt. Es riecht nach Knoblauch, scharf angebratenen Meeresfrüchten und leichter Süße. Während wir das stylishe Wohnzimmer betreten, kommt Riley aus der Küche. Ihre Wangen glänzen ein wenig von der Hitze.
»Hey, Sugar«, begrüßt sie Elias und gibt ihm einem Kuss auf den Mund. Mir winkt sie zu. »Hi, Miles.«
Ich nicke ihr zu. »Hallo, Riley.«
»Honey, rieche ich etwa deine Paella?« Elias schnuppert.
»Sí, Señor«, erwidert sie grinsend. »Ich weiß schließlich, wie gerne du sie isst. Und sonst habe ich so wenig, womit ich Gäste beeindrucken kann. Ich schreibe deutlich bessere Memos, als ich koche.« Sie prustet los.
»Na, ich finde, du kannst beides hervorragend.« Elias legt besitzergreifend den Arm um sie und küsst sie.
Beim Anblick der Turteltauben muss ich lächeln. Sie passen nicht nur optisch perfekt zusammen, sondern versprühen auch eine Aura liebevoller Harmonie. Ein kleiner Stachel der Eifersucht pikst mich. Nicht weil ich Elias sein Glück missgönne. Im Gegenteil, ich freue mich für ihn. Aber irgendwie fliegt ihm alles zu, während ich auf jemanden wie Clarice reinfalle, die nie Interesse an mir hatte.
Ich werfe einen kurzen Blick in den Spiegel. Wie befürchtet stehen meine mittelbraunen Haare wirr ab und meine Jeans hat schon bessere Tage erlebt. Aber was soll’s?
Elias verdreht die Augen, als er mich mustert. »Ehrlich, Miles: Kannst du dir nicht mal endlich anständige Klamotten zulegen? Du bist reich.«
»Nicht jedem sind Maßanzüge so wichtig wie einem gewissen CEO einer Ein-Mann-Holdinggesellschaft.«
Riley stößt mich lachend an. »Ganz genau, Miles. Lass dir von diesem eitlen Pfau nichts einreden. Du bist toll, wie du bist.« Als Elias den Mund aufmacht, um zu protestieren, schiebt sie schnell nach: »Du natürlich auch, Sugar. Aber nun husch, husch. Setzt euch hin. Die Paella wartet auf euch.«
»Ja, Ma’am«, witzelt Elias.
Wir nehmen Platz am lang gezogenen Esstisch. Riley holt noch eine Flasche Wein, bevor sie sich ebenfalls fallen lässt. Elias greift sofort wieder nach ihrer Hand. Dass es ihn mal so erwischt, hätte ich nie gedacht. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen? Anscheinend gibt es wirklich für jeden Topf einen Deckel. Vielleicht sogar auch für mich.
»Hallo, mein Schatz, wie geht es dir?«
Ich lehne mich gegen den Tisch und drücke das Handy fester an mein Ohr. Die Stimme meiner Mutter ist wie immer ruhig und bestimmt, aber auch ein wenig kühl. Muss sie gerade heute Abend anrufen? Wo ich noch immer so unter Spannung stehe, dass ich ihr nichts vorspielen kann. »Es ist ... okay«, erwidere ich.
»Okay?« Ich höre die Aufforderung, die darin mitschwingt. Sie merkt natürlich, dass nichts gut ist.
Ich seufze. »Na ja, eigentlich ist es gerade nicht so toll. Ich ... ich habe heute bei meinem Job gekündigt.«
»Wegen deinem neuen Chef? Wie heißt er noch – Brian?«
»Genau, Brian, das Arschloch.« Ich schnappe mir meinen Cucumber Gin Cooler, den ich gerade eben fertig gemixt habe, und setze mich auf mein Sofa. Vintage-Look, aber mit einem modernen Twist – graues Leinen, das ich mit bunten Kissen in kräftigen Farben gepimpt habe. Die Kissen sind handgemacht – ein paar habe ich selbst genäht, andere habe ich auf Flohmärkten gefunden. Es ist nicht perfekt, aber genau das macht es einzigartig. Der Sitz ist ein bisschen tiefer als gewöhnlich, was dem Ganzen den entspannteren, lässigeren Touch gibt, den ich so liebe.
»Layla, achte auf deine Wortwahl.« Meine Mutter seufzt, und ich sehe sie förmlich vor mir. Die saphirblauen Augen verdunkelt, die Stirn so faltenfrei, wie das nur Botox hinkriegt. Vielleicht streicht sie sich auch durch die platinblonden Haare. Wobei sie danach ja ins Bad rennen müsste. Sie ist so sehr Beauty-Queen, dass ich nie verstehen kann, welche Chromosomen wir teilen. Sie macht mich oft wahnsinnig mit ihrem Schau-wie-schön-ich-bin-Getue. Doch trotz aller Differenzen liebe ich sie.
»Ja, Mom«, gebe ich daher zurück und nehme einen Schluck von meinem Drink. Er ist kühl und frisch.
»Und wie geht es dir nun wirklich?« Echte Sorge liegt in ihrer Stimme, die gleich viel wärmer klingt. In solchen Momenten würde ich mich am liebsten an sie kuscheln wie eine Vierjährige und mir über die Haare streichen lassen.
»Es ... geht schon. Klar, ich bin traurig, weil die Arbeit mit meinem alten Chef Dennis so cool war. Aber letztlich – hey, es ist nur ein Job. Ein Mittel, um die Miete zu bezahlen.«
Sie seufzt. »Das stimmt doch nicht, Layla. Nicht bei dir. Dazu bist du viel zu intensiv in allem, was du tust. Das warst du schon immer. Vielleicht ... solltest du dir unser Angebot noch einmal überlegen. Es sind ja nur zwei Jahre.«
Ich krampfe meine Finger um das Telefon. Oh ja, das Angebot. Sie würden mein Studium finanzieren, wenn ich für eine Weile in unserer Luxusimmobilien-Firma in L.A. arbeite. Um Kontakte zu knüpfen. Mama und Papa haben es mir schon ein paarmal angeboten, aber ich habe sie immer ausgelacht. Ich will nicht zurück in die Hauptstadt der Plastikmenschen.
»Boston ist mein neues Zuhause und ich liebe es hier«, erwidere ich und lasse den Blick durch meine Wohnung schweifen. Die Wände sind voll von Skizzen und Accessoires, die ich selbst gemacht habe. An einer Wand hängt meine E-Gitarre. Die Räume, so klein sie sind, atmen mein Leben, meinen Stil aus. Hier in Boston habe ich mich selbst gefunden.
»Das verstehe ich«, sagt sie sanft. »Doch die Firma wächst, und es gibt noch viel Potenzial. Wir könnten dich gut hier gebrauchen. Außerdem denke ich, es könnte dir gefallen. Und wenn nicht – gehst du danach halt wieder in die Forschung. Aber richtig, nicht nur als Handlangerin.«
Seufzend nehme ich einen weiteren Schluck von dem Drink. Ich will nicht aus Boston weg. Andererseits jagt mir die Vorstellung eine Scheißangst ein, im Job immer wieder auf solche Penner wie Brian zu stoßen. Die mich als kleine Laborassistentin behandeln, meine Ideen mit einer dreisten Selbstverständlichkeit klauen. Weil ich ja nicht promoviert habe. Dennis war ganz anders. Sonst hätte ich nie bei ihm angefangen. Aber er ist weg. Sind zwei Jahre ein zu großer Preis, um danach das machen zu können, was man liebt?
»Und was genau stellt ihr euch vor? Was wären den meine Aufgaben?«, frage ich zögerlich.
»Du würdest in unserer Tochterfirma arbeiten«, antwortet meine Mutter, und ihre Stimme klingt nun richtig aufgeregt. »Nichts Kompliziertes. Nur ein bisschen Organisation – Personalplanung, Exposees vorbereiten, Berichte schreiben. Das meiste davon machst du doch jetzt auch, oder? Du wirst sehen, wie leicht dir das fällt. Du lernst, wie man mit Kunden umgeht. Und später könntest du die Niederlassung übernehmen. Du wärst deine eigene Chefin.«
Ich lasse ihre Worte sacken. Organisation, Exposees, Personalplanung ... Das ist so weit weg von meinem Leben und meinen Wünschen. Ich liebe nun einmal die Welt der Moleküle und Atome. Der Gedanke, Immobilien zu verticken, fühlt sich falsch an. Ich will forschen, nicht zwischen Aktenbergen verschwinden. »Das klingt nicht nach dem, was ich will.«
Am anderen Ende des Telefons atmet meine Mutter einmal tief ein, als hätte sie die Antwort schon erwartet. »Du musst das große Ganze sehen. Ohne Promotion wirst du nie weiterkommen. Sieh es als Chance, Layla. Entweder findest du Gefallen an unserem Geschäft, oder dein Vater und ich bezahlen dir danach das Studium. Was verlierst du außer etwas Zeit?«
Ich presse die Lippen zusammen und blicke zu dem Fenster, wo der Regen gegen die Scheiben prasselt. Sie hat recht, ich weiß es. Ohne Promotion werde ich in der Forschung nie etwas erreichen. Aber dieser Preis ... nach L.A. ziehen? Es fühlt sich an, als müsste ich mich selbst aufgeben, um den Erwartungen meiner Eltern gerecht zu werden.
»Und wenn ich nicht will?« Meine Stimme wird leiser. Ich weiß nicht, ob ich die Antwort hören möchte.
Stille. Nach einem ewig erscheinenden Moment spricht sie wieder. »Nun, du kannst dir gerne in deinem geliebten Boston einen neuen Job suchen. Und hoffen, dass du einen Chef findest, der mit deinem Temperament klarkommt. Aber du solltest wissen, dass wir dir nicht ewig hinterherrennen. Irgendwann wird dieses Angebot nicht mehr gelten.«
Ich schließe für einen Moment die Augen und stelle mir vor, was es bedeuten würde, es zu akzeptieren. Doch alles, was ich vor mir sehe, sind endlose Partys mit Menschen, die mich nicht die Bohne interessieren. Die nur an den schönen Schein und die dicke Kohle denken. Nein, L.A. ist nicht mein Leben. Es ist nicht mein Weg. »Ich werde darüber nachdenken«, sage ich trotzdem.
»Mach das. Und vergiss nicht: Dein Vater und ich lieben dich. Wir wollen nur dein Bestes.«
Die Verbindung wird unterbrochen, und ich halte das Handy in der Hand, als wäre es ein schwerer Ziegelstein. Der Regen draußen ist inzwischen leiser geworden, aber in mir tobt es. Warum können Mom und Dad es nicht gut sein lassen? Immer wieder kommen sie mit ihrer Firma. Dass ich einen Part darin übernehme, auch wenn ich es entsetzlich langweilig finde. Dabei meinen sie es ja noch nicht einmal böse. Sie glauben wirklich, dass Chemie der falsche Weg für mich ist – in ihren Augen ist das brotlose Kunst. Etwas, mit dem man gerade genug verdient, um die Basics bezahlen zu können. Für sie braucht es im Leben viel mehr: ein paar Millionen auf dem Konto, ein Strandhaus in den Hamptons, Skiurlaub in Aspen ... Aber mir ist so etwas völlig egal. Ich weiß, was ich will. Ich will forschen. Nur, wie soll ich das jemals erreichen, wenn mich niemand ernst nimmt?
Wenige Tage später sitze ich in einem stylishen Besprechungsraum von BioVaris. Der Laden ist klasse, zumindest laut Vivian, einer ehemaligen Kommilitonin. Die clever genug war, den Master und die Diss dranzuhängen. Die Glückliche arbeitet jetzt als Biochemikerin hier und hat mir von dem Jobangebot erzählt. Passen würde es, die Forschungsgebiete sind echt spannend und die Firma hat einen guten Ruf. Aber Mann, sind die fancy! Überall funkelt es, als polierten irgendjemand die Oberflächen ständig.
Nervös zupfe ich am Ärmel des seriösen dunkelblauen Jacketts, in dem ich mir total verkleidet vorkomme. Zumindest mein Top ist bunt, so ganz will ich mich diesem Business-Look nicht unterordnen. Aber in meinem üblichen Outfit würden mich die HR-Vertreterin – Janine irgendwas – und Miles Lockhart sicher sofort rausschmeißen.
Der CEO sieht aus wie ein wandelndes Forscherklischee: wirre Haare, Brille, das Hemd leicht zerknittert. Trotzdem irgendwie ganz süß, er hat etwas charmant Jungenhaftes an sich. Und er ist auch nicht so alt, gerade mal Mitte dreißig. Trotzdem Mitinhaber eines Riesenkonzerns. Dass er selbst beim Gespräch dabei ist, schüchtert mich etwas ein. Aber wenn ich die Stelle kriege, wäre ich ihm direkt unterstellt. Als seine persönliche Laborassistentin. Cooler Job eigentlich. Solange er ein besserer Vorgesetzter ist als Brian. Was allerdings nicht gerade besonders schwer ist ...
»Layla, erzähl uns bitte ein wenig mehr von deiner letzten Position. Was hast du da gemacht?«, fordert mich Janine nun mit einem professionellen Lächeln auf.
»Ich habe in einem biochemischen Labor gearbeitet, das Inhibitoren gegen krankhafte Zellprozesse bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt hat. Dabei habe ich regelmäßig Proben analysiert, ihre Spezifikationen überprüft und die Ergebnisse in Berichten dokumentiert.«
Janine nickt anscheinend zufrieden und notiert einige Stichworte. Miles hingegen ist nicht anzumerken, was er denkt. Er wirkt irgendwie abwesend, als sei er mit etwas ganz anderem beschäftigt. Die HR-Frau wirft ihm einen auffordernden Blick zu. Doch seine Augen sehen ins Leere, während sie mir eine klassische HR-Frage nach der anderen stellt.
So langsam werde ich sauer. Wenn er kein Interesse an mir hat, soll er es einfach sagen. Dann beenden wir dieses seltsame Gespräch, und ich kann endlich nach Hause fahren. Spaß macht mir das Ganze auch nicht.
»Gab es denn noch andere Aufgaben, die du übernommen hast?«, fragt Janine weiter.
»Ja, ich war außerdem an der Durchführung der Tests beteiligt«, gebe ich vorsichtig zurück. Vor Brian war das ja schließlich so. »Aber meistens bestand meine Tätigkeit aus der Auswertung und Dokumentation der Daten. Der Job war analytisch und repetitiv. Es gab wenig Abwechslung.« Diesen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen – zumal das stark untertrieben ist. Stinklangweilig träfe es besser.
Nun huscht zum ersten Mal so etwas wie Interesse über Miles’ Züge. Als würde er von einer Sekunde zur anderen aus seinen Gedanken herausgerissen und sich auf mich konzentrieren. Sein Blick wird schärfer, als er sich nach vorn beugt. Es verändert ihn komplett, lässt ihn präsenter wirken. Und ich merke, dass er wirklich schöne Augen hat. Braungrün. Warm. Verdammt intelligent. »Das wirkt, als wäre dir das nicht genug ... Was hast du denn bei Leerlauf im Labor gemacht? Ich meine, das fordert eine Chemikerin ja nur bedingt. Wenn all diese Gerätschaften da sind – das juckt in den Fingern, oder?«
Ich muss mir das Grinsen verkneifen. So spricht nur eine echte Forscherseele. Dieser Job könnte noch spannender werden, als ich gedacht habe. Weil ich mit jemandem arbeiten würde, der meine Leidenschaft für die Forschung teilt. Jemand, der mich versteht. »Aber so was von!«, rutscht mir raus.
Ein spitzbübisches Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht – nichts Aufgesetztes, nichts Gespieltes. Genau deswegen schleicht es sich unter meine Haut und mein Herz gerät für eine Sekunde aus dem Takt. Hey, das ist ein Vorstellungsgespräch, keine Dating-Show!
Ich unterdrücke meine unpassende Gefühlsaufwallung hastig und setze mich gerade hin.
»Also – was hast du dann gemacht?«, hakt er nach.
»Manchmal habe ich eigene Hypothesen getestet.« Trotz meiner Anspannung erwidere ich das Lächeln, das immer noch um seine Mundwinkel spielt.
»Zum Beispiel?« Seine Augen richten sich nun unverwandt auf mich. Hochkonzentriert. Durchdringend. Und das bringt mich noch mehr durcheinander, weil irgendetwas darin liegt, das mein Herz erneut flattern lässt.
»Ich habe an der Entwicklung eines Wirkstoffs gearbeitet, der gezielt das Protein PCSK9 hemmt. Dadurch könnte sich der Cholesterinspiegel besser regulieren, was langfristig die Regeneration von Herzgewebe unterstützt. Diese Forschung könnte neue Therapieansätze für Herzkrankheiten ermöglichen.«
»Ich nehme an – mit Zustimmung des Vorgesetzten?«, schaltet sich Janine wieder ein.
»Sie ... wussten Bescheid«, erwidere ich vorsichtig.
Über Miles’ Gesicht gleitet ein Schmunzeln. »Ein Dickkopf mit Visionen also ...« Er mustert mich noch einmal. Immer noch verwirrend intensiv. »Wann kannst du anfangen?«
»Äh ... Montag in einer Woche?«, stottere ich und weiß nicht, ob die überraschende Frage oder sein Blick mich nervöser machen. Brian hat die Kündigung schneller durchgeboxt, als ich weg sagen kann. In wenigen Tagen endet mein Vertrag.
»Das reicht.« Er nickt Janine zu. »Die will ich.«
Die HR-Frau ist anscheinend mindestens genauso überrascht wie ich. »Aber ... wir haben noch nicht über das Gehalt gesprochen. Über ihren Tätigkeitsbereich. Und wieso sie beim letzten Unternehmen gekündigt hat.«
Miles zuckt mit den Achseln. »Warum sie gegangen ist, interessiert mich nicht. Die Aufgaben klären wir on the Job. Und beim Finanziellen werdet ihr euch sicher einig. Da vertraue ich dir, Janine. Ich muss nicht mehr dabei sein. Auf mich wartet jede Menge Arbeit im Labor.« Er steht auf und gibt mir die Hand. »Willkommen im Team, Layla.«
Verblüfft starre ich ihm hinterher, wie er mit federnden Schritten den Raum verlässt. Dann wandert mein Blick zu der HR-Frau. »Und was heißt das jetzt?«
Sie zuckt mit den Achseln. »Dass du quasi eingestellt bist. Was mich in eine schwere Verhandlungsposition bringt.« Sie grinst mich an. »Ich hoffe, du nutzt das nicht aus. Ich würde sagen – letztes Gehalt plus zehn Prozent?«
Kurz denke ich darüber nach, den Joker auszureizen, den Miles mir in die Hand gegeben hat. Aber das Angebot ist fair. Und es ist bestimmt faszinierend, mit dem Mann zu arbeiten. »Das passt. Wenn ich auch eine Krankenversicherung und mindestens fünfzehn Urlaubstage bekomme ...«
Sie zwinkert mir zu. »Sogar achtzehn. Dafür haben sich Miles und Elias eingesetzt.«
Ah. Der andere Gründer. Der zwischendurch gegangen ist und die Firma in eine Holding mit NexGen einbinden will. Das wird meinen Job eher sicherer machen.
»Okay. Das klingt schon mal nicht schlecht«, sage ich gedehnt und tue so, als wäre ich noch unsicher.
Janine lächelt wissend. »Wir bieten auch Altersvorsorge, Bonuszahlungen, Aktienoptionen, vergünstigte Mittagessen und Mitgliedschaften im Fitnessstudio an. Außerdem haben wir jeden Freitag eine Happy Hour auf der Dachterrasse.«
Wow! Der Laden ist echt ein Traum. Hier will ich unbedingt hin. Vielleicht auch ein bisschen wegen des Chefs ... Aber davon will ich natürlich nichts zeigen. Daher nicke ich betont cool. »Dann haben wir einen Deal.«
Diese Layla ist schon ein seltsamer Vogel. Mit ihren pink-lila Haaren sieht sie eher wie ein Lady-Gaga-Verschnitt als wie eine ernsthafte Chemikerin aus. Als sie in den Besprechungsraum gekommen ist, wäre ich am liebsten gleich aufgestanden und rausgegangen. Aber das Mädchen scheint clever zu sein. Und sie brennt für die Wissenschaft.
Ich möchte wetten, dass ihre eigenen Versuche nicht autorisiert waren. Mir ist ihr kurzes Zögern aufgefallen, bevor sie gesagt hat, ihre Chefs wüssten Bescheid. Was nicht heißt, dass sie es genehmigt haben, wohlgemerkt. Darüber werde ich mit ihr reden müssen. Sie darf gern auf eigene Faust arbeiten, solange sie sich mit mir bespricht.
Ich schmunzle vor mich hin, während ich mir die Zusammenfassung der aktuellen Projekte ansehe. Laylas Forschungen zur Heilung von Herzgewebe hören sich auf jeden Fall äußerst interessant an. Das könnte Elias’ und meine Arbeit gut ergänzen. Ich bin gespannt, wie sie sich bei BioVaris einfügen wird. Mit mir auskommen wird. So enge Teamarbeit bin ich nicht gewohnt. Sicher, ich habe schon oft mit anderen geforscht. Aber da war jeder für sich autark, wir haben uns nur miteinander ausgetauscht. Layla hingegen wird mir direkt zuarbeiten. Seltsames Gefühl.
Ich versinke im Beat unserer Musik. Die Gitarrenriffs dröhnen durch den Raum, und der Bass vibriert in meiner Brust. Ich liebe diesen einzigartigen Sound – roh, direkt und ein bisschen chaotisch, genau wie wir. Die Energie durchflutet mich wie eine Welle. Es fühlt sich an, als würde ich durch Raum und Zeit schweben.
Die Melodie wechselt. Die anderen steigen ein, und ich grinse vor mich hin. Yeah, diesmal haben wir es richtig gut hingekriegt. Mein Solo ist vorbei, und ich spiele nur noch im Hintergrund. Automatisch kommen die ganzen Gedanken hoch, die mich beschäftigen. Der neue Job – was wird er mir bringen? Die Firma, der Chef, die Forschung, das klingt alles so vielversprechend. BioVaris ist cool, keine Frage.
Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich mich damit auf Dauer wohlfühlen werde. Ob ich mein Leben lang nur eine Laborassistentin sein will. Ich hätte auf meinen Stolz pfeifen und das Angebot meiner Eltern annehmen sollen: zwei Jahre auf Partys von reichen Idioten abhängen und ihnen vorlügen, wie toll sie sind. Und danach die Diss schreiben. Eine echte Forscherin werden. Mein Herz wummert bei dem Gedanken noch schneller als unsere Beats.
»Hey, Layla, nicht träumen«, ruft Ben, der Schlagzeuger, holt mich zurück in den Moment.
Mist, ich habe meinen Einsatz verpasst. Die anderen wiederholen die Sequenz, und diesmal finde ich mit dem perfekten Timing rein. Meine Finger reiten die Riffs und ich genieße es, wie die harten Töne die Luft elektrisch aufzuladen scheinen. Wer hätte auch gedacht, dass das Violinenspiel, zu dem meine Eltern mich gedrängt haben, die Basis für eine Indie-Punk-Band gelegt hat? Wenn sie das wüssten, würden sie im Dreieck springen. Dieses klassische Zeugs ist nun mal langweilig. Ich habe die blöde Violine abgrundtief gehasst. Aber mit der E-Gitarre verschmelze ich regelrecht, sie ist wie ein Teil von mir.
Die Stimme von Charlie gesellt sich zu meiner Melodie hinzu. Sie ist rau und kraftvoll, trifft allerdings immer genau den richtigen Ton. Die perfekte Symbiose von Beat, Vocals und Drums. Eine Weile waren auch wir eine perfekte Symbiose. Aber er konnte nicht treu sein, daher trennten wir uns nach eineinhalb Jahren. Zum Glück hat das unsere Band nicht auseinandergerissen.
Ich schließe die Augen, gehe voll mit. Trotzdem lassen mich die Gedanken an den neuen Job nicht los. Wird Miles mich genauso überwachen wie Brian? Hänge ich da auch in einer ewigen Schleife aus Tests fest? Wenn das so ist, werde ich auf den Deal mit meinen Eltern eingehen. Noch mal ertrage ich das nicht. Obwohl es mir das Herz brechen würde, Boston zu verlassen.
»Yeah, Baby, free yourself!« Charlie zieht das Mikrofon näher und singt aus voller Kehle den Refrain.
Ja, Freiheit. Das brauche ich, sonst verkümmere ich. Aber ich habe den Eindruck, dass ich bei Miles meine eigenen Ideen einbringen darf. Dass ich endlich ein Teil von etwas Größerem sein könnte. Er hat gemerkt, dass meine Tests nicht ganz nach Hierarchie gelaufen sind. Und er fand es nicht schlimm. Das heißt doch etwas, oder? Ich erinnere mich an das plötzliche Funkeln seiner Augen. Wie durchdringend sie auf einmal aussahen. Voller Lebendigkeit. Das mochte ich. Ein leichtes Kribbeln durchläuft meinen Körper beim Gedanken an ihn.
Ich schüttle den Kopf. Was ist los mit mir? Es geht schließlich um den Job, nicht um ihn. Trotzdem, wie wird es sein, mit einem Genie wie ihm zusammenzuarbeiten? Vielleicht wird er sehen, was ich draufhabe. Merken, dass ich eine Chemikerin bin, die den Unterschied machen kann.
»Hey, du bist schon wieder in Gedanken, Layla«, ruft Charlie und reißt mich zurück ins Jetzt. Ich nicke, während ich den Rhythmus aufnehme. Die Musik strömt mir ins Ohr, und für einen Moment vergesse ich alles, was mit dem Job zu tun hat. Ich bin hier, in diesem Raum, mit meinen Freunden. Sie akzeptieren mich, wie ich bin. Nur das ist wichtig.
Ich stehe im Foyer von BioVaris und lasse meinen Blick über die klaren Linien, den schwarzen Marmorboden und die gewaltigen Fensterfronten gleiten. Eine spiralförmige Treppe windet sich nach oben. Sie sieht fast aus wie eine Helix. Nicht schlecht. Das Logo ist moosgrün und kupferfarben. Dieser Eingangsbereich hat echt Stil. Aber alles hier wirkt so ... steril. So perfekt. Seltsam, dass ich nun ein Teil davon sein werde, unperfekt, wie ich bin.
Ich knete nervös meine Hand und warte darauf, abgeholt zu werden. Wer wird wohl kommen – Miles selbst? Aber als CEO wird er kaum das Begrüßungskomitee spielen. Auch wenn ich für ihn arbeiten werde, darf ich nie vergessen, wie riesig das Hierarchiegefälle zwischen uns ist. Wahrscheinlicher ist, dass er einen anderen schickt.
Tatsächlich taucht nach wenigen Minuten Janine auf. Sie lächelt und winkt mir zu. »Hallo, Layla, schön, dass du da bist. Ich führe dich zu Miles.«
Ihr Blick gleitet mit einem leichten Anflug von Erstaunen über meine Kleidung. Dabei ist sie heute nicht so wild. Meine Jeans ist heile und das Oberteil weit weniger bunt als sonst. Doch natürlich sehe ich anders aus als beim Bewerbungsgespräch. Auch alle anderen, die das Foyer betreten, tragen angepasstere Klamotten. Zwar nicht spießig, man merkt, dass BioVaris immer noch Startup-Vibes hat. Aber ich steche in diesem stylishen Umfeld heraus wie ein Kaktus unter Rosen. Was soll’s, Kakteen rocken!
Ich recke den Kopf hoch und folge Janine, meine Schritte hallen auf den Fliesen. Wir gehen durch eine schwere Metalltür, die sich zischend öffnet, dann als sie ihre Karte davorhält, in den Labortrakt. Ein weiter Flur führt an einigen Laboren vorbei. Ganz hinten erahne ich eine fette, silberne Tür mit Glaseinsatz. Vermutlich der Übergang in den Reinraum, für die speziellen Versuche. Ob ich da wohl auch mal rein darf? Das hat selbst Dennis nicht zugelassen.
So weit kommen wir aber nicht, denn Janine biegt in einen kleinen Seitentrakt ab. Sie deutet mit dem Kopf auf eine schlichte, weiße Tür. »Das ist Miles’ privates Labor. Hier führt er sensible Experimente oder Spielereien durch, die er noch nicht mit dem Team teilen will. Oder er will nur seine Ruhe haben – auch das kommt vor.« Sie lacht leise.
Dann klopft sie kurz an und öffnet die Tür. Wir treten ein, und ich muss erst mal nach Luft schnappen. Holy shit, ist das cool! Der Raum ist nicht sonderlich groß, aber er sieht aus wie aus einem Werbeplakat der Gerätehersteller. Alles ist topmodern, das ganze Labor funkelt und glänzt. Der Metalltisch steht voll mit den allerneuesten Forschungsgeräten. Ich erkenne eine Zentrifuge, ein Spektrometer und jede Menge anderes Zeug.
An der Wand hängt ein Whiteboard mit chemischen Formeln, wilden Skizzen und kryptischen Stichworten, die wohl nur Miles selbst versteht. Es riecht leicht nach Aceton – die Verheißung von echter Forschungsarbeit. Ich fühle mich, als wäre ich gestorben und in meinem persönlichen Paradies erwacht. Dem Wissenschaftler-Elysium.
Miles steht hinter einem Tisch, auf dem sich mehrere Geräte und Proben befinden. Er trägt einen weißen Laborkittel und eine Schutzbrille, die Augen sind auf die Notizen vor ihm gerichtet. Anscheinend ist er so vertieft in seine Tätigkeit, dass er uns gar nicht wahrnimmt. Er ist in seiner eigenen Welt, scheint der unseren völlig entrückt zu sein.
Janine räuspert sich. »Miles, ich habe hier deine neue Mitarbeiterin. Layla Miller.«
Er blickt auf, wirkt einen Moment lang seltsam verwirrt, als wüsste er nicht, was wir von ihm wollen. Dann schaut er mich direkt an, und er ist wieder ganz da. Er legt das Papier beiseite. »Layla. Willkommen. Setz dich doch.« Er deutet auf einen Stuhl in der Nähe seines Tisches, wo ich Platz nehme.
»Fein. Dann wünsche ich euch einen guten ersten Arbeitstag.« Janine nickt mir zu. »Komm nachher bitte in mein Büro. Wir müssen noch ein paar Formalitäten erledigen. Aber erst mal ist Miles dran. Ich wette, er brennt schon darauf, dich in deinen neuen Job einzuführen.«
Er fährt sich durch die Haare, die nun noch verwuschelter aussehen als vorher. »Sicher, Janine. Danke.«
Die HR-Frau verlässt das Labor und lässt uns allein. Ein Moment der Stille entsteht. Er mustert mich, höflich, jedoch auch ziemlich distanziert. Als stünde er über den Dingen, halte sie mit Absicht von sich fern. Oder will er nur mich auf Abstand halten? Damit ich ja nicht vergesse, wo mein Platz ist. Weil ich ja nur eine Laborassistentin bin.
»Gut.« Er nickt mir zu, rückt die Brille gerade. »Dann reden wir darüber, was du hier machen sollst.«
Kein Small Talk. Nein, der Mann kommt gleich zur Sache. Gut, er muss mir auch keinen Puderzucker in den Po streuen. Nur vielleicht wenigstens fragen, wie es mir geht. Ob ich gut hergefunden habe. All der Quatsch, der einen eigentlich nicht interessiert, der aber irgendwie dazugehört.
Er deutet auf den Tisch, wo einige Zellkulturen und Analysegeräte, aufgebaut sind. » Wie du ja weißt, konzentrieren wir uns bei BioVaris auf Onkologie. Das hier ist eins unserer aktuellen Projekte: ein RNA-basierter Inhibitor, der gezielt ein krankheitsauslösendes Enzym bei bestimmten Krebsarten ausschaltet. Im Grunde unterbrechen wir die Botschaft, bevor sie in der Zelle ankommt – wie ein Störsignal, das verhindert, dass der Tumor entsteht oder weiterwächst.« Seine Augen leuchten, und er gestikuliert mit den Händen. Seine Gesichtszüge werden präsenter.
»Wenn das funktioniert, könnten wir eine neue Klasse von Tumortherapeutika schaffen – präziser, früher, mit weniger Nebenwirkungen.« Er spricht schneller, je mehr er ins Detail geht, und seine Hände scheinen fast eigenständig mitzudenken.
So muss Forschung sein. Ein Kribbeln macht sich in meinem Magen breit. Denn die Leidenschaft, die von Miles ausgeht, ist verdammt sexy. Kein Sixpack kann mich jemals so begeistern wie Verstand und Passion. Stopp, Layla, reiße ich mich zusammen. Das ist dein Chef, kein potenzieller neuer Freund.
»Das klingt spannend«, sage ich schließlich. »Wo komme ich denn da ins Spiel?«
»Ja, das ist eine gute Frage ...« Nun wirkt er irgendwie hilflos. Als wüsste er nicht genau, was man von ihm erwartet. Was ich von ihm erwarte. Diese Unsicherheit macht ihn sehr sympathisch. So nahbar. Und ich kann nicht verhindern, dass dieses leise Kribbeln wiederkommt.
Vorsichtig lächle ich ihn an. »Da finden wir schon etwas. Es wird sicher toll, für dich zu arbeiten.«
»Wieso glaubst du das?« Er wirkt ehrlich verblüfft.
»Na, weil du ein begnadeter Forscher bist. Ihr habt einen neuen Inhibitor entwickelt, der das Wachstum von Tumorzellen massiv verlangsamt. Nach allem, was ich gelesen habe, hast du den letzten Baustein gefunden, der die Wirkung entscheidend verstärkt.«
Ein Anflug von Stolz erscheint in seinem Blick. Dann winkt er ab. »Ach, das war nur Zufall, dass ich das entdeckt habe. Elias hatte die ersten Ideen. Wir sind ein gutes Team.«
Ich mag diese Bescheidenheit, obwohl sie völlig fehl am Platze ist. Denn auch wenn sein Ex-Partner sicherlich ein herausragender Forscher ist, die wahre Genialität geht von Miles aus, darin sind sich alle Artikel einig. Von ihm kann ich bestimmt viel lernen. »Dann hoffe ich, dass wir auch ein gutes Team sind.«
Ein Lächeln zieht über sein Gesicht. Unfassbar, wie sehr ihn das verändert. Es macht aus dem unnahbaren Forscher einen verdammt attraktiven Kerl. »Das hoffe ich ebenfalls. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ... nun ja, meine Probleme mit sozialen Interaktivitäten habe. Ich bin eher ein Einzelgänger. Falls ich mal seltsam bin – sag es mir, ja?«
Ich muss lachen. »Also, seltsam bin ich auch. Ich befürchte, da verkorkse ich dich eher noch mehr.«
Er fällt in mein Lachen ein, und es klingt angenehm tief, vibriert in meinem Körper nach. »Wie gut, dass ich meinem Bauchgefühl vertraut habe. Wobei Janine mir nachher gesagt hat, dass ich wohl ziemlich unhöflich war. Hast du das auch so empfunden?«
Ich schüttle den Kopf. »Nein, ich verstehe das. Du bist halt ein waschechter Forscher. Aber du musst dich als CEO um viele andere Sachen kümmern. Da muss man Prioritäten setzen.« Ich grinse. »Außerdem hatte das einen Vorteil.«
»Und welchen?« Er beugt sich etwas vor.
»Na, ich konnte früher nach Hause gehen.«
Wieder lachen wir beide. Als unser Gelächter verebbt, nickt er vor sich hin. »Ich sehe es schon, du bist auch nicht gerade ein Fan von sozialen Zwängen. Also gut, dann lass uns loslegen, ja? Ich würde sagen, schau dir erst einmal in Ruhe die Daten an. Wir müssen noch daran arbeiten, die Reaktionszeiten zu verbessern. Schaffst du das?«
Er nimmt mich ernst! Er nimmt mich wirklich ernst. Ich versuche, mein Herzklopfen zu beruhigen. »Klar kriege ich das hin«, erwidere ich und zwinkere Miles zu. Mal schauen, wie er auf einen kleinen Vorstoß reagiert. »Anscheinend ist die Forschung hier genauso spannend wie ihr Leiter.«
Seine Augen weiten sich, und eine leichte Röte überzieht seine Wangen. »Äh ja ... also, die Aufgaben sind abwechslungsreich. Denke ich ...«
Verdammt, baggert Layla mich etwa an? Bei der Vorstellung bekomme ich regelrechte Schnappatmung. Ich brauche jemanden, der mir hilft, mein Leben einfacher zu machen – und es nicht weiter verkompliziert. Verwirrt sehe ich in ihre Augen. Ein klares Blaugrau. Voller Intelligenz. Und einer Spur von Herausforderung. Allerdings ohne Sinnlichkeit. Nein, ich muss mir einbilden, dass sie auf mich steht.
Mit ihren siebenundzwanzig ist sie acht Jahre jünger als ich und auf ihre spezielle Art richtig hübsch. Ihre lila-pinken Haare sind so gewöhnungsbedürftig wie ihre Kleidung, aber sie umrahmen ein Gesicht mit klaren Linien. Es ist etwas breiter, als es dem klassischen Schönheitsideal entspricht. Das machen die ausgeprägten Wangenknochen und die vollen Lippen mehr als wett. Sicher fühlen sie sich so weich an, wie sie aussehen ...
