A Wild Cowboy's Heart - Stacey Kennedy - E-Book
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A Wild Cowboy's Heart E-Book

Stacey Kennedy

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Beschreibung

Maisie war von den drei Carter-Schwestern schon immer der kreative Kopf. Doch als Mitinhaberin der »Three Chicks Brewery« muss sie sich auch in der harten Geschäftswelt gegenüber ihren älteren Schwestern behaupten. Da kommt das Craftbier-Festival in Colorado genau zum richtigen Zeitpunkt. Gemeinsam mit Kumpel Hayes Taylor will sie dort ihr Spitzenbier promoten und zu einem Preisträger machen.
Hayes will nichts lieber, als allein auf seiner Pferderanch zu arbeiten. Doch als Maisie ihn um Hilfe bittet, zögert er keinen Augenblick. Nicht nur, weil sie die beste Freundin seiner verstorbenen Frau war, sondern weil Maisie auch seinen Beschützerinstinkt weckt - und noch ganz andere Gefühle. Aber kann er auch sein Geheimnis vor ihr bewahren, das alles zerstören könnte ...

Der erste Band der neuen spicy Cowboy-Romance-Reihe von USA-Today-Bestsellerautorin Stacey Kennedy. Eine heiße Friends-to-Lovers-Geschichte mit großen Gefühlen!

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Seitenzahl: 307

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

Widmung

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

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Epilog

Über die Autorin

Weitere Titel der Autorin

Impressum

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Über dieses Buch

Maisie Carter war schon immer ein kreativer Freigeist. Vom harten Business als Mitinhaberin der Three Chicks Brewery hat sie keine Ahnung. Aber sie ist fest entschlossen, sich ihren beiden älteren Schwestern gegenüber zu beweisen. Sie will ihr Spitzenbier auf den Craftbier-Festivals in Colorado zu einem Preisträger machen! Doch bevor sie die Festival-Tour überhaupt begonnen hat, wird klar, dass sie dafür Hilfe braucht.

Hayes Taylor hat kein Interesse daran, seine traumatische Vergangenheit aufzuarbeiten. Er will einfach nur auf seiner Ranch arbeiten – allein. Das Letzte, was er in seinem Leben braucht, ist eine Frau. Aber Maisie hat schon immer seinen Beschützerinstinkt geweckt, und als sie ihn um Hilfe bittet, zögert er keinen Augenblick.

Auf der Festival-Tour folgen auf arbeitsintensive Tage lustvolle Nächte, und weder Maisie noch Hayes können ihre wachsende Anziehung leugnen. Aber Hayes hat ein Geheimnis, das alles zerstören könnte …

STACEY KENNEDY

A WILDCOWBOY’SHEART

Aus dem amerikanischen Englischvon Silvi Heiderömer

Für alle Träumer

Prolog

Maisie Carter folgte ihren beiden älteren Schwestern, Clara und Amelia, aus dem großen weißen Haus im Kolonialstil. Der Kies knirschte unter ihren rosa Converse, und die glühend heiße Sonne über ihr versprach einen schönen Tag. Clara war all das, was Maisie nicht war: verantwortungsbewusst, organisiert, zuverlässig. Nicht, dass Maisie nicht versucht hätte, all diese Dinge zu sein, aber sie war immer knapp am Ziel vorbeigeschrammt. Amelias Persönlichkeit dagegen lag irgendwo zwischen Claras zugeknöpfter Art und Maisies Freigeist. Amelia war auf jeden Fall die Angepassteste.

Maisie blieb etwas zurück, als sie auf die schwarze Scheune zusteuerten, die einst ihrem geliebten Großvater, Pops, gehört hatte. Er war vor einem Monat gestorben und hatte den drei die Farm, eine Idee für eine Brauerei und seine gesamten Ersparnisse hinterlassen. Ein Segen, ganz sicher, und auch kein unerwarteter. Ihr Großvater hatte sie großgezogen, nachdem ihre Eltern bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen waren. Maisie war erst vier Monate alt gewesen, Amelia zwei und Clara vier. Keine von ihnen konnte sich an ihre Eltern erinnern, und vielleicht war das auch gut so. Der Verlust fühlte sich nicht so groß an, vor allem weil sie von den hingebungsvollen Eltern ihres Vaters großgezogen worden waren. Ein Herzinfarkt hatte ihnen ihre Großmutter vor fünf Jahren genommen. Und vor einem Monat war dann auch Pops gestorben.

Maisie vermisste ihre Großeltern. Selbst jetzt, wo Pops’ letzter Wunsch wie eine dunkle Wolke über Maisies Leben schwebte. Sie war eine Künstlerin und hatte nie eine Brauerei besitzen wollen, aber sie hatte diesen Gedanken immer für sich behalten.

Rücksicht konnte ein Miststu¨ck sein.

»Wie lange dauert es, bis das Bier fertig ist?«, fragte Clara, die Älteste von ihnen, Amelia. Clara hatte langes, rötlich braunes Haar, das sie stets zu einem engen Pferdeschwanz band, und war gut zehn Zentimeter größer als Maisie. Sie war auf eine sehr elegante Weise hübsch. Ihre feinen Gesichtszüge und ihre vollen Lippen hätten ebenso gut in einen alten Hollywood-Film gepasst.

Neben Maisie antwortete Amelia: »Es dauert noch ein paar Wochen. Ich bin kurz davor, die Zusammensetzung richtig hinzubekommen, aber irgendetwas fehlt noch.« Das Sonnenlicht hob den natürlichen goldenen Schimmer in Amelias Haar hervor. Sie war sechsundzwanzig, und mit ihrem roten Haar und den Sommersprossen auf ihrer Nase würde Maisie behaupten, dass Amelia die hübscheste von ihnen war.

Ihre beiden Schwestern hatten die roten Haare von ihrer Mutter geerbt. Maisie hatte nicht einen Tropfen Rot in ihrem blonden Haar. Auch körperlich war sie das Gegenteil von ihnen, das schwarze Schaf, diejenige in der Familie, die eigentlich nicht dazugehörte. Clara und Amelia waren schon immer aus demselben Holz geschnitzt gewesen. Maisie war … anders gewesen. Selbst jetzt, als sie hinter ihnen herging, während sie die Zukunft ihrer Craft-Beer-Brauerei planten, wusste sie, dass ihr zwar ein Drittel des Unternehmens gehörte, jedoch niemand wirklich von ihr erwartete, dass sie viel zur Firma beitrug … abgesehen vom Logo. Das hatte sie designt, sobald sie sich den Namen ausgedacht hatten: Three Chicks Brewery. Pops hatte sie immer die drei Küken genannt, eine Abwandlung der drei Musketiere. Der Name passte. Maisie hatte das alte Charlie’s-Angels-Logo als Inspiration für das Design genutzt und sich und ihre Schwestern jeweils mit einer Bierflasche in der Hand gezeichnet. Der Name stand in Schreibschrift darunter. Aber diese Firma gehörte Clara und Amelia, und jeder wusste das.

Der Geschäftsplan war einfach: Clara, die einen Abschluss in Betriebswirtschaft hatte, sollte sich um die gesamte Logistik der Brauerei kümmern. Amelia war letztes Jahr nach Abschluss eines Programms in Denver Braumeisterin geworden und passte das hausgemachte Bier ihres Großvaters an ein größeres Publikum an. Und Maisie … nun ja, sie war das fünfte Rad am Wagen. Diejenige, die zwar einen Anteil an dem Geschäft hatte, aber genau wusste, dass das Ganze eine Nummer zu groß für sie war.

Als sie die Scheune betraten, folgte Maisie ihnen und wurde von Spinnweben, einem alten Strohboden und modrigem Geruch, vermischt mit dickem Staub, begrüßt. Ein lauter Kriegsschrei hallte in der Scheune wider, und eine Gestalt mit hellbraunem Haar und leuchtend grünen Augen eilte an ihnen vorbei.

Claras vierjähriger Sohn Mason stürmte nach vorn, ein falsches Schwert in der Hand, um die Monster in der Scheune zu jagen und zu töten.

»Bitte tu dir nicht weh, Schatz«, rief Clara ihm zu, bevor sie sich wieder an Amelia wandte. »Morgen kommt der Bautrupp, um mit dem Abriss zu beginnen.«

Maisie lachte, als Mason wie ein grimmiger Krieger einen Holzbalken angriff. Ihr Neffe hatte nur zwei Gänge – schnell und Torpedogeschwindigkeit. Er setzte sich nie hin. Niemals. Maisie blieb an der offenen Doppeltür stehen, lehnte sich gegen den Rahmen und hatte nichts hinzuzufügen. Sie hatte keine Ahnung, wie man eine Brauerei leitete. Sie wusste, wie man Farben mischte, um perfekte Farbtöne zu erzielen. Wie man mit einer Bleistiftschattierung eine Zeichnung zum Leben erweckte. Wie man Schönheit sah und sie nachahmte. Bevor Pops gestorben war, hatte sie gerade ihr Hauptfach Kunst abgeschlossen. Tatsächlich war sie kurz davor gewesen, Clara zu fragen, ob sie mit ihr ins Geschäft einsteigen wollte. Maisie wollte ihr eigenes Kunststudio eröffnen, ihre Kunst verkaufen und Kindern und Erwachsenen das Zeichnen beibringen. Sie wollte Malabende veranstalten. Sie wollte Menschen dazu inspirieren zu träumen, etwas zu schaffen, ihre Leidenschaft zu leben. Doch dann starb Pops und hinterließ ihnen das Grundstück zusammen mit einem Brief, in dem er erklärte, dass er wollte, dass sie mit dem Geld die Brauerei eröffneten, von der er und ihre Schwestern immer gesprochen hatten. Er hatte auch jeder von ihnen einen persönlichen Brief hinterlassen.

Das einzige Problem: Pops wusste nicht, dass Maisie nichts mit der Brauerei zu tun haben wollte. Sie hatte ihre eigenen Träume.

»Du siehst erbärmlich aus.«

Maisie lächelte und drehte sich um, um ihren Lieblingsmenschen zu sehen: Laurel Taylor, ihre beste Freundin seit der ersten Klasse. Laurel war etwas größer als Maisie und hatte honigblondes Haar, das ihr bis zur Mitte des Rückens reichte, aber das Schönste an ihr waren ihre sanften grünen Augen, die jeden Menschen willkommen zu heißen schienen. Sie hatte die freundlichsten Augen, die Maisie je gesehen hatte. So voller Liebe.

Maisie umarmte Laurel fest. »Ich wusste nicht, dass du vorbeikommen wolltest.«

Laurel zeigte über ihre Schulter. »Wir haben Hayes’ Vater besucht, also wollte ich kurz vorbeischauen, bevor wir wieder nach Hause fahren. Du fehlst mir.«

Maisie umarmte sie erneut. Noch fester. »Du fehlst mir auch.«

Sie entdeckte Hayes, der auf dem Fahrersitz seines schwarzen Wagens saß. Hayes hatte Ecken und Kanten. Seine Augen waren whiskeyfarben, und er hatte leicht gewelltes, schokoladenbraunes Haar, das an den Seiten kurz und oben länger geschnitten war. Laurel und Hayes waren zusammen, seit Laurel achtzehn Jahre alt war. Damals war es ein kleiner Skandal gewesen, denn Hayes war vierundzwanzig gewesen. Aber alle sahen, wie verliebt sie waren, und selbst ihre Eltern kamen schließlich über den großen Altersunterschied hinweg. Maisie hatte sich immer für die beiden gefreut, bis Hayes ein Jobangebot von der Polizei in Denver erhalten hatte und sie aus ihrer Heimatstadt River Rock weggezogen waren.

Maisie winkte, und Hayes erwiderte es, als Laurel fragte: »Wann wirst du ihnen sagen, dass du das nicht machen willst?«

Maisie zuckte zusammen. »Wie wär’s mit niemals?«

Laurel runzelte die Stirn und verschränkte die Arme über ihrem lilafarbenen Tank-Top. Sie blickte in die Scheune und vergewisserte sich offensichtlich, dass Clara und Amelia sie nicht hören konnten, bevor sie sagte: »Du musst ehrlich zu deinen Schwestern sein. Im Moment ist alles noch in der Planungsphase. Sag ihnen, dass du deinen Anteil an dem, was dein Großvater hinterlassen hat, haben willst, um das Kunstatelier zu eröffnen, über das wir gesprochen haben. Ich werde das gemütliche Café gleich nebenan kaufen und jeden Tag von Denver hierherfahren. Dann können wir uns endlich unseren Traum erfüllen.«

Das war ihr Traum gewesen, seit sie in der siebten Klasse waren. Ihr Plan.

Maisies Herz zog sich zusammen. »Ich kann kein Geld nehmen, ehe sie die Brauerei überhaupt zum Laufen gebracht haben. Pops hat all das Geld hinterlassen, damit sie diesen Traum verwirklichen können. Was für ein schrecklicher Mensch wäre ich, wenn ich seine Wünsche nicht respektieren würde?«

Laurel löste ihre Arme aus der Verschränkung und nahm Maisies Hand. »Okay, das ist schon richtig, aber frag dich mal Folgendes: Hätte Pops all das Geld nur für die Brauerei hinterlassen, wenn er gewusst hätte, dass du nicht wirklich mit dem Herzen dabei bist?«

»Wahrscheinlich nicht«, antwortete Maisie. Er hätte dafür gesorgt, dass Maisie auch für ihre Träume kämpfte.

Laurel nickte zustimmend. »Ich will damit nur sagen, dass deine Schwestern ihre eigenen Träume haben. Sie standen sich schon immer sehr nahe. Haben gemeinsam Pläne geschmiedet. Haben alles zusammen gemacht, so wie wir alles zusammen machen. Aber vergiss nicht dich und deine Träume.«

Maisie schlang ihre Arme um Laurel. Sie hatte immer das Gefühl, dass Laurel sie verstand, wenn es sonst niemand tat. »Du setzt dich immer für mich ein. Ich danke dir dafür.«

Laurel drückte sie fest an sich und legte ihren Kopf auf Maisies Schulter. »Du brauchst mir nicht zu danken, Babe. Ich liebe dich wie verrückt, und du würdest dasselbe für mich tun.«

»Ich liebe dich auch«, flüsterte Maisie.

Diese Worte hallten einen Moment lang in der Luft nach. Doch plötzlich begann die Wärme, die aus Laurels Umarmung drang, zu verschwinden und wurde durch etwas Dunkles ersetzt. Etwas Kaltes.

Sie blinzelte und stellte fest, dass sie nicht mehr mit Laurel draußen stand. Sie versuchte sich zu erinnern, wie sie wieder in ihr Haus gekommen war, aber sie scheiterte kläglich. Hayes saß nicht in seinem Auto und wartete darauf, dass ihre beste Freundin zu ihm zurückkehrte. Laurels sanfte Stimme, ihr Lächeln … verschwunden. Die Sonne war verschwunden, und an ihre Stelle trat eine dunkle, unheimliche Nacht. Maisie presste ihre Hände flach auf den kühlen Hartholzboden im Foyer des Hauses und konnte kaum noch Luft holen. Schreie hallten von den Wänden wider, bis sie merkte, dass die Geräusche reiner Qual aus ihrem Mund kamen. Neben ihr befand sich eine Lache aus Erbrochenem, von dem einiges auch ihr Nachthemd durchnässte. Sie war erst heute noch mit Laurel zusammen gewesen. Sie hatten heute noch geredet. Sich umarmt. Maisie zwang ihren Blick nach oben. Hayes starrte auf sie hinab, sein Ausdruck war unleserlich, seine whiskeyfarbenen Augen waren tot … leer. Sein Mund bewegte sich, aber die Schreie aus ihrem Mund wollten nicht aufhören, das Rauschen in ihren Ohren war zu laut.

Plötzlich wurde sie von Händen gepackt, und Maisie erkannte, dass es ihre Schwestern waren, die sie von ihrem Erbrochenen wegzerrten.

Leute fingen an zu schreien, Panik und Verwirrung herrschten im Haus. Mason stand schluchzend auf der Treppe, bevor Clara zu ihm rannte, ihr Nachthemd flatterte hinter ihr.

Zeit existierte nicht mehr, nicht für Maisie, als Hayes sich umdrehte und aus dem Haus schritt, wobei er die Haustür weit offen ließ. Er wurde ein verschwommener Fleck, der in der Nacht verschwand. Erst dann verstand sie vollständig, was er gesagt hatte.

»Mord. Ein schief gelaufener Raubüberfall. Laurel … sie ist tot.«

1

ZWEI JAHRE SPÄTER…

Maisies Pinsel strich über die Leinwand und mischte die dunklere grüne Farbe mit der helleren, wodurch die Bäume des Waldes an Tiefe gewannen. Die Sonnenstrahlen wärmten ihr Gesicht, der Wind ließ die langen Gräser sich im Wind wiegen, während ihr Bild einer weitläufigen Wiese ihr leicht von der Hand ging. »Noch kein Picasso«, bemerkte sie und lehnte sich zurück, um ihr Werk zu bewundern. Sie entdeckte hundert Fehler an dem Bild, aber nichts, was nicht zu Hause behoben werden konnte. Es gab nur wenige Dinge, die sie zufrieden machten, aber die Schönheit der Welt wiederzugeben, war eines davon.

Der Glücksschub, den ihr das Malen brachte, war das leichte Schweregefu¨hl in ihren Augenlidern wert, das durch das Aufwachen in aller Herrgottsfru¨he entstanden war. Sie wischte ihren Pinsel ab und verstaute ihre Sachen in der Tasche, auf der »COOL AF ARTIST« stand, ein Geschenk ihrer Schwestern zu ihrem Geburtstag im letzten Jahr. Der letzte Brief von ihrem Großvater lugte aus der Tasche hervor. Sie griff danach und entfaltete das Stück Papier, während sie das Flattern von Flügeln über sich hörte. Oben stand das Zitat von Michelangelo:

Die größte Gefahr für die meisten von uns besteht nicht darin, dass unser Ziel zu hoch ist und wir es verfehlen, sondern dass es zu niedrig ist und wir es erreichen.

Selbst nach zwei Jahren wusste Maisie immer noch nicht, was Pops damit meinte oder warum er dieses Zitat als allerletzte Nachricht an sie gewählt hatte. Sie hatte nie gefragt, was Pops in den Briefen für ihre Schwestern geschrieben hatte, und weder Clara noch Amelia hatten es ihr von sich aus gesagt.

Als sie gerade an ihre Schwestern dachte und ihr einfiel, dass sie heute eine kilometerlange To-do-Liste hatte, überprüfte Maisie die Uhrzeit auf ihrem Handy, das neben ihr auf einem umgefallenen Baumstamm lag.

»Scheiße!« Sie sprang auf, schnappte sich ihre Tasche und ihr Tuch und rannte los. Der Wecker, der sie an die Arbeit erinnern sollte, hatte nicht geklingelt. Ihre Schritte wurden vom Gras gedämpft, aber ein Eichhörnchen rannte vor ihr davon, als sie den kleinen Hügel hinaufrannte. Als sie oben ankam, sah sie die lange Einfahrt, die zum Haus führte, und die schwarze Scheune – jetzt eine Brauerei – rechts davon.

Innerlich auf eine Standpauke gefasst, hielt Maisie an ihrem MINI Cooper an und deponierte ihre Reisetasche und die Leinwand auf dem Beifahrersitz, bevor sie in die Scheune eilte. Reihen von riesigen Stahltanks füllten das Innere, mit einem Hauptgang, der zu einem Raum im hinteren Teil führte, in dem Verkostungen stattfanden. An manchen Tagen hatte die Brauerei einen metallischen Geruch. An anderen Tagen duftete es erdig. Als Maisie einatmete, stellte sie fest, dass es heute fruchtig roch.

Als sie sich ihren Weg durch die Tanks bahnte, erblickte sie Amelia, die sich über den Rand eines Tanks beugte. Maisie hielt den Atem an und schlich auf Zehenspitzen vorbei. Amelia musste letzte Nacht gebraut haben und war nun dabei, den Tank zu reinigen. Sie hatte sich angewöhnt, Foxy Diva – ihr meistverkauftes Bier, das die Einheimischen überzeugt hatte – nachts zu brauen, da die Brauerei tagsüber Teil der lokalen Touren für Reisende war.

»Ich sehe dich«, rief Amelia.

Maisie blieb wie angewurzelt stehen und sagte mit geisterhafter Stimme: »Ich bin nur eine Einbildung.«

Amelia lachte und richtete sich auf. Sie hatte sich ihre hässliche gelbe Schürze mit passenden Latexhandschuhen übergezogen. »Netter Versuch«, erwiderte sie und wischte sich mit dem bedeckten Arm die Schweißperlen von der Stirn. »Du beeilst dich besser, bevor Clara sieht, dass du zu spät kommst. Schon wieder.«

»Was meinst du mit zu spät?«, fragte Maisie und klimperte mit den Wimpern. »Ich bin schon seit einer Stunde hier. Du brauchst Schlaf, Amelia. Im Ernst, du musst besser auf dich aufpassen.« Bevor Amelia etwas erwidern konnte, beeilte Maisie sich und lief schnell weiter. Clara konnte Unpünktlichkeit nicht leiden. Und Maisie fehlte leider das Pünktlichkeits-Gen.

»Hey, Maisie«, rief Amelia, als diese gerade die Tür zum Lagerraum erreichte. »Du hast Farbe auf der Wange.«

Verdammt noch mal. Maisie wollte die Farbe wegwischen, als sie direkt gegen etwas Hartes stieß. Sie prallte zurück und blickte nach oben in etwas noch Härteres. Claras stürmische blaue Augen. »Hallo«, sagte Maisie mit einem knappen Lächeln. »Oh, du siehst heute so hübsch aus.«

Darauf fiel Clara nicht herein, runzelte die Stirn und verschränkte die Arme über ihrer Spitzenbluse. »Drei Festivals stehen für dich diese Woche auf dem Plan.«

Maisie nickte. »Ja. Ich weiß.«

Sie schlich sich davon, als Claras kalte Stimme sie aufhielt. »Weißt du, was diese Festivals für uns bedeuten? Das ist unsere Chance, mit Foxy Diva wirklich durchzustarten. Wenn wir das versemmeln, müssen wir ganz von vorn anfangen. Das ist dir doch klar, oder?«

Wieder nickte Maisie. »Ja, ich weiß, wie wichtig die Festivals sind. Mach dir keine Sorgen. Wenn ich damit fertig bin, wird jeder den Namen Foxy Diva kennen.« Es hatte zwei Jahre gedauert, bis Amelia die Rezeptur des selbst gebrauten Biers ihres Großvaters perfektioniert hatte. Maisie hatte sich den Namen und das Logo ausgedacht, was zumindest ihre kreative Seite gefördert hatte. Aber jetzt wurde von ihr erwartet, dass sie auf eine Reise durch Colorado ging, um ihr Bier bekannt zu machen. »Ich habe das im Griff. Versprochen. Und es tut mir leid, dass ich zu spät gekommen bin.«

Clara strich Maisie über die Wange und zog einen grünen Finger zurück. »Du hast wieder gemalt.«

Das war keine Frage. »Ein wenig, aber der Sonnenaufgang heute war absolut traumhaft. Außerdem ist mein Handy schuld. Ich habe mir den Wecker gestellt, um rechtzeitig hier zu sein, aber er hat nicht geklingelt. Dieses Mal ist es nicht meine Schuld.«

Claras Züge wurden ein klein wenig weicher. Aber wirklich nur minimal. »Ich will nicht zu hart zu dir sein, aber wir dürfen jetzt keine Fehler machen. Ihr beide habt mir die Verantwortung für das Unternehmen übertragen, also müsst ihr mir vertrauen und meinen Rat ernst nehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir auf diesen Festivals auffallen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ohne das kann und wird Foxy Diva nicht durchstarten.« Das war das Einzige, was alle in letzter Zeit zu interessieren schien.

Um erfolgreich zu sein, musste Foxy Diva in ganz Nordamerika zu einer festen Größe werden. Bisher hatten sie es lokal zu einem großen Erfolg gemacht, doch sie mussten es in ganz Nordamerika vertreiben, um wirklich Geld zu verdienen. Sie wollten, dass Foxy Diva in jedem Restaurant zu finden war. In jeder Bar. In jedem Bierladen. Zumindest wollten das Clara und Amelia, und Maisie machte einfach mit und trug ihren Teil dazu bei, dass das Bier ein Erfolg wurde.

Clara fasste Maisie an den Schultern und senkte ihren Blick auf Maisies Augenhöhe. »Ich werde dich noch einmal fragen: Bist du sicher, dass du das schaffst? Niemand wird dir einen Vorwurf machen, wenn es zu viel ist.«

Maisie konnte Claras festem Blick kaum standhalten. Ein Teil von ihr wollte wegrennen und sich verstecken, beschämt darüber, dass ihre Schwestern völlig problemlos durch das Brauerei-Business navigierten, während Maisie im Grunde genommen dabei war zu ertrinken. Sie war eine Künstlerin, kein Business-Mensch. Aber sie war es Pops schuldig. Er hatte ihnen alles hinterlassen, um diesen Traum zu verwirklichen. Es war sein letzter Wunsch. Und außerdem hatte sie jahrelang als Barkeeperin gearbeitet. »Es ist nicht zu viel. Ich hab’s im Griff. Hundertprozentig. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.«

Der Blick, den Clara ihr zuwarf, sagte, dass sie ihr nicht glaubte. Doch zum Glück ließ sie Maisie vom Haken und wechselte das Thema. »Ich muss zur Post. Ich habe Foxy Diva in fünf weitere Wettbewerbe reingebracht, und ich muss die Samples losschicken.«

So funktionierten Bierwettbewerbe. Jetzt mussten sie nur noch abwarten, ob Foxy Diva einen Preis gewann.

»Das sind tolle Neuigkeiten«, warf Amelia ein. »Ich drücke die Daumen, dass bei der Preisverleihung etwas herauskommt. Das wird uns mehr als alles andere helfen, einen Vertriebspartner zu finden.«

Maisie verdrehte die Augen. »Oh, klar, jetzt nimmst du auf einmal auch am Gespräch teil.« Sie hätte ihr ja auch schon helfen können, als Clara sie in die Enge getrieben hatte.

Amelia zuckte mit den Schultern. »Nur weil ich die mittlere Schwester bin, muss ich mich nicht in alles einmischen, auch nicht in eure Gespräche.« An Clara gewandt fragte sie: »Was glaubst du, wie lange es dauert, bis wir die Ergebnisse haben?«

»Monate«, sagte Clara mit einem langen Seufzer, ehe sie wieder zu ihrem Optimismus zurückfand. »Aber die Auszeichnungen sind nur der erste Schritt. Wir müssen die Werbetrommel rühren, und die sozialen Medien sind unser wichtigstes Instrument dafür.«

»Und da komme ich ins Spiel?«, fragte Maisie.

»Genau.« Clara nickte. »Wenn wir letztendlich zum Händler gehen, müssen wir uns mit allem wappnen, um uns von den anderen Hunderten von Craft-Bieren abzuheben, die sie zugesendet kriegen.«

»Und«, fügte Amelia hinzu, »wenn wir genug Aufmerksamkeit erregen, können wir sie vielleicht überzeugen.«

Na toll. Wenn das kein Grund zum Trinken war, wusste Maisie es auch nicht. Um dem Druck standzuhalten, der auf sie ausgeübt wurde, hielt sie sich am Türgriff zum Lagerraum fest. »Also, ich habe eine viertägige Reise vor mir und einen Anhänger, der sich nicht von selbst belädt. Wir sehen uns später.«

»Maisie.« Bei Claras sanfter Stimme erstarrte sie. »Ich weiß, dass der heutige Tag schwer für dich sein muss. Geht es dir gut?«

Maisie schloss ihre Augen und atmete tief durch. Seit sie aufgewacht war, hatte sie es vermieden, darüber nachzudenken, welcher Tag heute war. Deshalb war sie losgezogen und hatte gemalt, um ein wenig Helligkeit in einen sehr dunklen Tag zu bringen. Aber es gab kein Entrinnen. Die Bilder, die vor zwei Jahren durch die lokalen Medien gingen, verfolgten sie:

Mord erschüttert die Kleinstadt River Rock. Junge Frau brutal ermordet. Polizist Hayes Taylor verlässt nach dem Mord an seiner Frau das Denver Police Department.

Der Mord an Laurel war als missglückter Raubüberfall in ihrem Haus in Denver erklärt worden. Hayes hatte ihren Mörder gejagt, und nach einer Schießerei war dieser tot. Daraufhin hatte er seinen Job gekündigt und war zurück nach River Rock gezogen. Aber selbst nachdem er den Mörder von Laurel zur Strecke gebracht hatte, war nichts mehr so gewesen wie zuvor. Einen Monat lang hatte Maisie kaum atmen und funktionieren können. Ihre Schwestern hatten ihr geholfen. Sie gaben ihr zu essen, zwangen sie zu duschen und holten sie aus dem dunkelsten Ort heraus, den Maisie je betreten hatte. Die Abwesenheit von Laurel fühlte sich an, als würde eine Hälfte von Maisies Körper fehlen, und sie hatte Mühe gehabt, wieder laufen zu lernen. Doch durch die Liebe ihrer Schwestern wurde es langsam besser, und Maisie wusste wieder, wie man einen Schritt vor den anderen setzte. Noch wichtiger war, dass sie sich daran erinnerte, dass das Leben eine einmalige Sache war. Der Verlust ihrer Eltern, von Pops und von Laurel hatte sie das gelehrt. Die Welt, ihr Leben, war viel zu schön und besonders, um die Zeit, die sie hatte, zu verschwenden.

Für Laurel, für ihre Eltern und für ihre Großeltern suchte sie jeden Tag nach der Schönheit, bis sie nur noch die Schönheit sah. Sie zeichnete und malte und hörte nie auf, bis der Schmerz, der immer in ihrer Brust war, nicht mehr ihr Glück überschattete.

»Es geht mir gut«, sagte sie zu ihren Schwestern und schaute sie mit dem Lächeln an, von dem sie wusste, dass sie es jetzt sehen mussten. »Danke, dass ihr euch Sorgen um mich macht, aber ich habe mir vorgenommen, mich an die guten Dinge zu erinnern, die ich mit Laurel erlebt habe, und nicht nur an den schlimmen Moment, der sie mir genommen hat. Ich weiß, dass sie das gewollt hätte.«

Amelia lächelte sanft. »Du hast recht, das hätte sie.«

Clara fügte hinzu: »Wir sind für dich da.«

Maisie blickte zwischen ihren Schwestern hin und her. Als sie aufgewachsen waren, hatte sie sich immer so anders gefühlt als sie, aber der Tod von Laurel hatte das geändert. Und die beste Freundin, die Maisie so viel Liebe gab, hatte Maisie ihren Schwestern durch ihren Tod näher gebracht. Sie hatten sie in ihrer Trauer sehr geliebt und sie aus diesem dunklen Schmerz herausgeholt. Dafür hatte Maisie ihre Träume von einem eigenen Kunstatelier in weite Ferne gerückt und sich ganz der Brauerei gewidmet, auch wenn sie zu spät kam und nicht immer alles richtig machte. »Danke«, sagte sie zu ihren Schwestern. »Jetzt lasst mich wieder an die Arbeit gehen, ja? Mensch, ihr haltet mich immer auf. Wisst ihr denn nicht, dass ich heute tausend Dinge zu erledigen habe?«

Amelia lachte leise.

Clara verdrehte die Augen.

Maisie gluckste und erinnerte sich daran, dass Lachen gut war. Besonders an Tagen wie heute. Zu lächeln, das Leben zu genießen, war die beste Art, Laurel zu ehren. Schließlich zog sie die schwere Tür auf und eilte hindurch, als die Realität dessen, was vor ihr lag, sie wie ein Stein im Gesicht traf. Das erste Festival war in Fort Collins, dann in Colorado Springs und zum Schluss in Boulder. Panik kroch eisig an ihrer Wirbelsäule entlang. Das war eine Nummer zu groß für sie, so etwas hatte sie noch nie gemacht. Ihre rosa Converse schrammten über den rauen Boden, als sie noch weiter in den Lagerraum ging und die Nase wegen der muffigen Luft kräuselte.

Sie schob ihre Angst vor dem Versagen beiseite – denn Versagen war keine Option – und zog den Zettel aus der Gesäßtasche ihrer Bluejeans, auf dem ihre To-do-Liste stand. Der erste Punkt auf dieser Liste: Fässer. Sie schnappte sich den Rollwagen und ging zu den Fässern mit dem Foxy-Diva-Etikett. Sie lächelte über das Etikett mit dem sexy Pin-up-Girl im Vintage-Stil, das vom Schriftzug »Foxy Diva«eingerahmt wurde. Maisie war stolz auf das Design, und sie war immer noch überrascht, dass Clara das Logo genehmigt hatte. Aber Foxy Diva war ein indisches Pale Ale mit einer geballten Ladung an Gewürzen, von denen Maisie keine Ahnung hatte, und Amelia hatte gesagt, dass die Schärfe der Frau perfekt zu dem Bier passte. Das war das erste Mal gewesen, dass Amelia auf Maisies Seite gestanden hatte, und Maisie fühlte sich immer noch ganz beflügelt davon.

Entschlossen, den Anhänger zu beladen und den Arbeitstag hinter sich zu bringen, schob Maisie die Sackkarre unter das Fass und zog. Ihre Arme zitterten, als die Sackkarre am Rand des Fasses hängen blieb.

Sie schwankte kurz.

Und dann noch einmal.

Dann fiel sie. Und etwas Metallisches, Glänzendes und Großes kam mit ihr.

***

Hayes Taylor weigerte sich, den heutigen Jahrestag zur Kenntnis zu nehmen, und konzentrierte sich auf seine Arbeit, wie er es in den letzten zwei Jahren jeden Tag getan hatte. Die Vergangenheit lag hinter ihm, und er war fest entschlossen, in der Gegenwart zu leben, bei Blackshaw Training, einer Pferdetrainingsanlage. In den letzten sechzehn Monaten, in denen er dort gearbeitet hatte, war ihm bereits hin und wieder ein gefährliches Pferd begegnet. Aber keines war so gewesen wie der Fuchswallach mit dem weißen Streifen, der ihn gerade anstarrte. Bedrohlich. Die schwarzen Augen des Wallachs schrien Hayes an. Gefährlich. Denn in diesem Moment stellte Hayes eine Gefahr für den Wallach dar. Beim Horsemanship ging es nicht darum, ein Tier zu brechen. Es ging darum zu kommunizieren. Und irgendwo im Leben dieses speziellen Pferdes hatte die Kommunikation eine Grenze überschritten, die sie nicht hätte überschreiten dürfen.

»Erste Ideen?«, fragte Hayes und wandte sich an Beckett Stone, seinen guten Freund seit der Highschool. Becketts sandbraunes Haar schien keinen vernünftigen Schnitt zu haben, und er brauchte dringend eine gute Rasur. Aber Becketts raue Art gefiel Frauen sehr gut. Zumindest, wenn man dem Klatsch und Tratsch in der Stadt Glauben schenkte.

Beckett nahm seinen Stetson ab und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. »Ich glaube, mit dem da wirst du alle Hände voll zu tun haben. Und wenn ich du wäre, würde ich einen Ganzkörper-Schutzanzug tragen, wenn ich in seiner Nähe bin.«

Hayes schnaubte und stellte seinen Stiefel auf den Zaun. »Deshalb bist du auch nicht für die Problemfälle verantwortlich, sondern kümmerst dich um die Jungen.«

Unbeeindruckt lachte Beckett. »Ja, weil ich nicht vorhabe, mit dreißig zu sterben.« Obwohl sie gleichaltrig waren und Becketts Bemerkung eher als Spaß gemeint war, hatte Hayes vor zwei Jahren genau das vorgehabt. Selbst er musste zugeben, dass er Risiken eingegangen war, die ein normaler Mensch nicht eingegangen wäre. Er zog es vor, mit traumatisierten Pferden zu arbeiten, weil er sich selbst genauso fühlte. Er hatte sich von Laurels Tod noch nicht erholt. Als seine Frau ermordet worden war, hatte Hayes den Verstand verloren. Als Polizist hätte er es verhindern müssen. Nach Laurels Ermordung konnte er niemanden mehr beschützen. Er gab seine Dienstmarke und seinen Job bei der Polizei Denver auf, zog zurück nach River Rock und fand ein Zuhause bei Blackshaw Training. Die Rückkehr zu einem einfacheren Leben war seine Rettung gewesen. Hayes atmete tief ein und löste damit die Spannung in seiner Brust. Der Westwind trug die blumigen Düfte der Wildblumen und das Klingeln der Windspiele in der Ferne mit sich. Hayes warf einen Blick zurück auf das zweistöckige Blockhaus mit der breiten, überdachten Veranda, in dem Nash Blackshaw, der Besitzer der Farm, mit seiner Frau Megan und seinem Sohn lebte. Eine Scheune mit schwarzem Dach beherbergte verletzte Pferde oder Pferde, die für die Nacht untergebracht werden mussten. Neben dem Gebäude befand sich der Sandplatz, der für das Training genutzt wurde. Jedes Geräusch, vom Aufstampfen der Hufe über das Rauschen der Schweife bis hin zum Wiehern der Pferde, versetzte Hayes zurück in die Zeit vor Laurels Ermordung. In seine Kindheit. Als er aufgewachsen war, hatte er in den Sommern auf der Rinderfarm der Blackshaws gearbeitet. Während er die Highschool besucht hatte und auch noch, als er zur Polizei ging. An diese Jahre hatte er einige seiner schönsten Erinnerungen. Am glücklichsten war er immer gewesen, wenn es mit Laurel ruhig und gut lief und sie auf die Farm kam, um mit ihm einen Ausritt zu machen.

»Lass mich erst mal herausfinden, was genau seine Besitzer von uns wollen«, sagte Hayes schließlich zu Beckett.

Beckett schob seinen Hut zurecht. »Viel Glück. Denk daran, nicht dein Todesurteil zu unterschreiben. Es ist erlaubt, einen Job abzulehnen.«

Hayes nickte, antwortete jedoch nicht. Nein zu sagen war für ihn unmöglich, als er einen Blick auf das tieftraurige Mädchen warf, das ihnen aus der Scheune entgegenkam. Sie trug schicke Reiterkleidung, beige Reithosen, hohe, glänzende schwarze Stiefel und ein schwarzes T-Shirt. Ihr langes blondes Haar war zu einem engen Pferdeschwanz hochgebunden und sie trug ziemlich viel Make-up. Hayes betrat den Sandplatz und ging auf das Pferd zu, das ihn genau beobachtete.

Colin Calloway, der Vater des Teenager-Mädchens, kam auf sie zu. Er trug einen Anzug, sah schick aus und hatte einen guten Batzen Geld für ein Pferd bezahlt, das für den Springsport ausgebildet war und plötzlich beschlossen hatte, seinen Job nicht mehr machen zu wollen.

»Was sagen Sie?«, fragte der Vater, als er Hayes erreichte.

»Ein gefährliches Pferd«, sagte Hayes schlicht.

Colins dunkle Augenbrauen hoben sich. »Das haben Sie mit nur einem Blick erkannt?«

»Das habe ich an der Art und Weise erkannt, wie er mich taxiert.«

Colin seufzte und blickte zu seiner Tochter, die zu dem Pferd gegangen war und ihm über die Nüstern streichelte. »Kein Trainer, zu dem ich ihn gebracht habe, weiß, was mit ihm los ist. Es ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde. In der einen Sekunde ist er zugänglich. Im nächsten Moment geht der Teufel mit ihm durch.«

Hayes begann zu erklären, dass nicht das Pferd das Problem sei, sondern die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch. Doch dann bemerkte er plötzlich, dass das Pferd seine Muskeln anspannte und die Ohren anlegte. Er sprang in der Sekunde nach vorn, als das Pferd zum Biss ansetzte. Hayes stieß das Mädchen unsanft zur Seite, sodass es umkippte, und rammte das Pferd, um seine Aufmerksamkeit von dem Mädchen abzulenken. Der Kopf des Wallachs schoss in die Höhe und seine Nüstern blähten sich, als er rückwärts sprang. Hayes griff nach der Fu¨hrleine und bemerkte im Augenwinkel, wie das Mädchen aufstand und aus dem Weg ging. Er handelte sofort und benutzte das Ende der Fu¨hrleine, um in der Luft zu kreisen und das Pferd somit in Bewegung zu setzen. Hayes bewegte sich schnell und machte weiter, bis das Pferd nur noch auf ihn schaute. Zielstrebig führte er den Wallach zu einem der einzelnen Paddocks, weg von den anderen Pferden, und schloss das Tor. Er trat ein paar Schritte zurück und ging sicher, dass das Pferd das Tor nicht rammte, dann drehte er sich um und ging zu dem Mädchen, das sich den Sand von der Hose klopfte. »Das tut mir leid. Geht es dir gut?«

»Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen«, sagte der Vater fest und reichte ihm die Hand. »Sie haben sie vor einer Verletzung bewahrt, aber jetzt können Sie sehen, womit wir es zu tun haben.«

Hayes erwiderte den Händedruck und trat dann näher an das Mädchen heran, wobei er ihre herabhängenden Schultern bemerkte. »Geht es dir gut?«, wiederholte er.

Sie hob den Kopf. Ihr Lächeln wirkte gezwungen. »Ja, es geht mir gut. Ich danke Ihnen.«

Er sah den Schmerz in ihren Augen. Der Schmerz, der von einer Situation herrührte, in der ein Mensch keine Kontrolle hatte. »Wir werden ihn für dich therapieren. Mach dir keine Sorgen. Okay?«

Ihr Kinn zitterte, und ihre grünen Augen füllten sich mit Tränen. »Bin ich dafür verantwortlich? Ich … ich denke immer noch, dass ich ihn vielleicht zu hart rangenommen habe oder so.«

Hayes legte ihr eine Hand auf die Schulter und senkte seinen Blick auf sie hinab. »Nichts, was du getan hast, hat das verursacht. Irgendwelche Nervenbahnen in seinem Kopf funktionieren nicht richtig. Wir kriegen ihn schon wieder hin.«

»Wirklich?«, brachte sie gerade noch hervor.

Er nickte ihr entschlossen zu. »Auf jeden Fall.«

Als sie diesmal lächelte, war Wärme in ihren Augen. »Danke.«

»Wissen Sie, wie lange es dauern wird?«, fragte Colin.

Hayes steckte die Hände in die Taschen und zuckte mit den Schultern. »Das entscheidet der Wallach.« Beide schienen mit dieser Antwort zufrieden zu sein und ihm zu vertrauen, denn wenige Minuten später fuhren sie los. Natürlich nicht, ohne Hayes das Versprechen abzunehmen, sie täglich per E-Mail über die Fortschritte zu informieren. Hayes schnappte sich einige Büschel Heu aus der Scheune. Ein süßer Duft erfüllte die Luft, als er das Heu in den Paddock des Wallachs warf. Er rieb sich gerade die abgefallenen Halme von seinem T-Shirt, als sein Handy klingelte. Er lächelte, als er den Namen auf dem Display sah. »In welchen Schwierigkeiten steckst du jetzt?«

Eine Pause. »Woher weißt du, dass ich in Schwierigkeiten stecke?«, fragte Maisie. Laurel und Maisie waren seit der Highschool die besten Freundinnen gewesen. Sie waren nicht verwandt, aber was sie verband, ging viel tiefer. Und seit Laurels Tod schien Maisie eine ähnlich tiefe Verbindung zu Hayes aufgebaut zu haben.

»Weil es mitten am Vormittag ist und du mich nie vormittags anrufst.«

Eine weitere Pause. Das Pferd kam herüber und fraß das Heu. Schließlich antwortete Maisie mit fester Stimme: »Gut. Du hast recht. Ich stecke unter einem Fass fest und brauche deine Hilfe.«

Hayes lehnte sich mit dem Arm gegen den groben Holzzaun. »Wie war das?« Er musste sie falsch verstanden haben.

Sie seufzte schwer. »Bitte zwing mich nicht, es zu wiederholen.«

Er grinste. »Tut mir leid, aber das wirst du müssen.«

Wieder ein Seufzer, diesmal noch übertriebener. »Ich stecke unter einem Bierfass im Lagerraum fest und brauche deine Hilfe.«

Da er sich nicht sicher war, ob es etwas Ernstes war oder nicht, weil Maisie sich an jedem Tag in ungewöhnliche Situationen manövrierte, beschloss er, die Sache nicht weiter in die Länge zu ziehen. »Ich bin in zehn Minuten da.«

»Danke. Oh, und Hayes?«

»Ja?«

»Bitte sag Clara und Amelia nichts davon.«

Hayes gluckste. »Kein Sterbenswörtchen.« Er beendete das Gespräch und ging zu seinem schwarzen RAM-Truck.