Abgebrannt - Hanno Beck - E-Book

Abgebrannt E-Book

Hanno Beck

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Beschreibung

Bankenstützung, Konjunkturpakete, Rettung von Pleite-Unternehmen und Wahlgeschenke: In den letzten Jahren haben wir das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Doch jetzt, nach dem Ausgabenrausch, kommt der Schuldenkater: Wir stehen am Abgrund eines gigantischen Schulden-Lochs, dessen wahre Ausmaße uns die Politik verschweigt. Die renommierten Wirtschaftsprofessoren Beck und Prinz stellen unbequeme Fragen: Wie konnte es zu der Schuldenkatastrophe kommen - und wer sind die Verantwortlichen? War wirklich jeder Schulden-Euro notwendig? Wann kann ein Staat pleitegehen, und wie sieht ein solcher Staatsbankrott aus? Das Buch richtet sich an alle, die ohne Finanzkauderwelsch und Fachkenntnisse verstehen wollen, warum uns unsere Schulden über den Kopf wachsen und wie wir aus dem Schuldensumpf wieder herauskommen.

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Hanno Beck/Aloys Prinz

ABGEBRANNT

Unsere Zukunft nach dem Schulden-Kollaps

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

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© 2011 Carl Hanser Verlag München

Internet: http://www.hanser-literaturverlage.de

Lektorat: Martin Janik

Herstellung: Stefanie König

Umschlaggestaltung: Brecherspitz Kommunikation GmbH, München, www.brecherspitz.com

Satz und Datenkonvertierung eBook: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-446-42867-6

INHALT

Prolog: Bankrott, pleite, abgebrannt

1 Eine kleine Geschichte der Staatspleiten

„Pfänden Sie die Präsidentenmaschine“

Der Superstar unter den Staatsbankrotteuren

Ein Schwindler liefert das Drehbuch für den Staatsbankrott

„Dieses Mal ist alles anders“

Der Fluch des Reichtums

Der Hurrikan verprellt dreiste, dumme Anleger

„Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes“

Die Frau des Hurrikans klaut die Rentengelder

2 Mehr Geld für die Hydra

Ein königstreuer Prophet

Neujahrskarten und der Schuldenpranger

Ein Prosit auf das Schicksalsbuch der Nation

Der fröhliche Professor und die teuren Beamten

Ein Blick unter die Wasseroberfläche

3 Spendierhosen runter!

Geld für die Freiheit

Der Goldstandard der Staatsverschuldung und Verfassungsbruch im Dutzend

Die Millionen-Tochter

Willkommen auf der A 1

Florida-Rolf, Mallorca-Karin und Viagra-Kalle

4 Gute Schulden, schlechte Schulden

Plisch und Plum retten die Welt

Strohfeuer auf Pump

Gute Schulden, böse Schulden

Mit einem PS auf die Autobahn

Der Schicksalstag der Deutschen

Der Gorilla muss arbeiten

5 Wir bestellen, ihr bezahlt

„Hey Boss, ich hab kein Geld“

Das Schuldenkleid wird enger

„Wider die Zinsknechtschaft der Profithaie“

Über 7 Brücken musst du geh’n

„Revolver, Zug oder Strick“

„Wir bringen Kapitalismus und Demokratie näher zueinander“

Der Schulden-Terminator aus der Provinz

Die Steuern von morgen

6 Zerbrochene Träume

Ein verlorenes Jahrzehnt

Ein Foto mit Besserwisser und Peter Zwegat

Kanonenboote und die Pleitenfeuerwehr vom Dienst

„Ahnungslose Besserwisser und Kaffeesatzleser“

7 Ein einig Volk von Europäern

Ein heißer Sommer ohne Swimmingpool

„Gemordet durch südeuropäische Schwachstaaten“

Kopfgeldjäger und Schuldenmacher

Die große Euro-Bonanza

Die „unglückliche Heirat mit Griechenland“

Die 750-Milliarden-Bazooka

„Verkauft doch eure Inseln!“

„Die griechische Krankheit breitet sich aus“

8 Ein neues Haus für Europa?

„Kohl hat’s gegeben, Merkel hat’s genommen“

Antreten zur Ausgabenkontrolle

„Ein Großangriff auf Demokratie und Sozialsystem“

„Pflicht zum Widerstand“

Weniger Währungsunion wagen

9 Der Weg der Feiglinge

Die Zeit der Millionäre

Die Zeit der Sachwerte

Die Welt wird geflutet

Die Sakristei des deutschen Wirtschaftswunders

„Profit ist unanständig“

Die List des Teufels

10 Die Bestie aushungern

Wie fängt man einen Tiger?

„Es gibt ein Leben nach den Ausgabenkürzungen“

Endlich schuldenfrei

Vollbremsung per Grundgesetz

Mehr Licht!

Der Barnum-Effekt

Ein teures Ultimatum

Epilog: Löcher in der Tasche oder die Tage davor

Literatur

PROLOG: BANKROTT, PLEITE, ABGEBRANNT

„Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrottgehen will.“

Marcus Tullius Cicero

Als der Präsident im Parlament die Insolvenz seines Landes verkündete, zogen wütende Bürger, deren Bankguthaben der Staat eingefroren hatte, auf die Straße und machten ihrem Ärger über die Politiker Luft; Plastiktüten, gefüllt mit menschlichen Exkrementen, flogen in Richtung Parlament. Der Staatschef ließ sich nach seinem Rücktritt mit dem Hubschrauber vom Dach des Präsidentenpalastes ausfliegen, um dem Volkszorn zu entgehen.

Als der Regierungschef sich nicht mehr zu helfen wusste, verkündete er die Einstellung aller Zahlungen an die Gläubiger. In der Folge brachen in ganz Europa Banken und Finanzhäuser zusammen.

Als es Griechenland mit seiner Schuldenpolitik übertrieben hatte, hatten die Länder der Union genug: Sie warfen Griechenland aus der Währungsunion.

Auf dem Höhepunkt der Inflation hatte das Papiergeld nur noch ein Prozent seiner ursprünglichen Kaufkraft, bevor der Staat eingriff und dieses Geld kurzerhand abschaffte.

Vertraute Szenen? Leider. Neu? Wohl kaum. Der Staatschef mit dem Hubschrauber war der argentinische Präsident, er musste 2001 vor dem Zorn seiner Bürger fliehen. Der Regierungschef, der die europäische Bankenlandschaft in den Abgrund stürzte, war König Edward III., der 1340 den Staatsbankrott der Briten erklärte. Der Rauswurf der Griechen aus der Währungsunion fand 1908 statt, als Frankreich, Italien, Belgien und die Schweiz Griechenland aus der Lateinischen Münzunion warfen. Und der Staat mit der vermögensvernichtenden Inflation war das China der Ming-Dynastie im 15. Jahrhundert.

Griechenland wird aus der Währungsunion ausgeschlossen? Die USA sind pleite? Die Inflationsraten werden zweistellig? So aktuell das klingt – alles ein alter Hut, alles schon passiert. Griechenland würde nicht das erste Mal aus einer Währungsunion fliegen, die Vereinigten Staaten wären – wie fast alle anderen Industrienationen – nicht das erste Mal pleite, und Inflation ist älter als das Geld, mit dem wir bezahlen. Alleine für die vergangenen 200 Jahre registrieren Ökonomen rund 320 Staatspleiten; unter den Staaten, die ihre Schulden nicht zurückzahlten, finden sich prominente Namen wie die Vereinigten Staaten, Spanien, Dänemark, England, Japan und auch Deutschland. Allein im 20. Jahrhundert zählen wir mehr als zwei Dutzend Währungsreformen im Gefolge staatlicher Schuldeneskapaden.

Bankrotte Staaten, Bankenkrisen, geplatzte Währungsunionen, Hyperinflationen – das alles gibt es seit Jahrhunderten, und die Ursache dieser Katastrophen ist stets die gleiche: Staaten verschulden sich bis über die Halskrause, verbrennen das Geld ihrer Bürger für unsinnige Veranstaltungen und entziehen sich ihrer Verantwortung, indem sie die Rückzahlung einstellen. Heute, im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, droht die Wiedervorlage: Weltweit haben sich die Staaten bis über beide Ohren verschuldet, drohen Staatspleiten, scheint ein Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion möglich, befürchten Bürger Inflation. Es scheint, als hätten Politiker nichts aus der Vergangenheit gelernt.

Dabei kann man, muss man viel aus der Vergangenheit lernen, und man muss wissen, welche Ursachen und Folgen eine steigende Staatsverschuldung haben kann. Warum muss ein Staat Schulden machen, wann darf er sich verschulden, und wo ist die Schmerzgrenze, ab der es gefährlich wird? Welche Folgen hat das für uns, für unsere Kinder? Was wird aus der Europäischen Währungsunion? Und warum können Politiker nicht die Hände aus dem Schuldenkekstopf nehmen? Nicht nur als Wähler oder mündiger Bürger, auch als Steuerzahler, der die Suppe auslöffeln muss, die ihm die gewählten Repräsentanten einbrocken, sollte man solche Dinge wissen. Wir wollen versuchen, diese Fragen zu beantworten, ohne Fachjargon, Formeln und Grafiken, verständlich für alle, und auch ein wenig unterhaltsam – wobei es dem Leser selbst überlassen bleibt, ob er lachen, weinen oder sich gruseln will.

Wir hegen keine Zweifel daran, dass die (Über-)Verschuldung der Staaten weltweit die politischen Debatten der kommenden Jahre prägen wird – dies soll unser Beitrag dazu sein. Lassen Sie uns keine Zeit mehr verlieren. Fangen wir an. Fangen wir an mit einem Staatschef, dem man das Flugzeug pfänden will.

1 EINE KLEINE GESCHICHTE DER STAATSPLEITEN

„Ein Blick in die Geschichte des Staatsschuldenwesens belehrt uns, daß dieses wenigstens während langer Zeitläufte glattweg als Geschichte von Staatsbankrotten bezeichnet werden kann. Es gehört auch keine übermäßig große Prophetengabe zu der Auffassung, daß auch hier in naher Zukunft bei manchen Staaten die Geschichte sich wiederholen wird.“

Alfred Manes, Staatsbankrotte. Wirtschaftliche und rechtliche Betrachtungen, 1919

„Pfänden Sie die Präsidentenmaschine“

Als Oberhaupt eines Staates ist man es gewohnt, um die Welt zu reisen, mit gekrönten oder gewählten Häuptern zu plaudern, Paraden abzunehmen und wichtige Geschäfte zu machen. Und man ist es gewohnt, in allen Ehren und in aller Freundschaft empfangen zu werden. Doch das ist keine zwingende Veranstaltung, wie Argentiniens Präsident Nestor Kirchner erfahren musste: Als er im Oktober 2004 seinen Besuch in Deutschland ankündigte, drohten erboste deutsche Anleger, die Argentinien Geld geliehen hatten, mit der Pfändung der Präsidentenmaschine „Tango 01“. Das wäre einzigartig gewesen: Der Präsident Argentiniens landet zum Staatsbesuch, und als die Maschine ausrollt, kommt der Gerichtsvollzieher, klebt einen Kuckuck an die Windschutzscheibe und der Präsident muss per Linienflug zurückreisen. Das war Kirchner zu spektakulär: Die Präsidentenmaschine blieb im Hangar, er verzichtete auf den Besuch. Stattdessen reiste Vizepräsident Daniel Scioli per Linienmaschine an.

Der Ärger hatte eine lange Vorgeschichte: Mehr als 700.000 Anleger in aller Welt hatten Argentinien in den 90er-Jahren Geld geliehen, indem sie argentinische Staatsanleihen gekauft hatten. Immerhin versprach Argentinien seinen Gläubigern bis zu zwölf Prozent Zinsen. Das klang so einfach: Man leiht Argentinien Geld, und später zahlt der Staat dieses Geld zurück, zuzüglich zwölf Prozent Zinsen – was soll da schiefgehen? Vermutlich haben viele Anleger überhaupt nicht die Möglichkeit erwogen, dass ein souveräner Staat pleitegehen und die Rückzahlung seiner Schulden einstellen könnte. Stattdessen haben sie begeistert zugegriffen, wenn Finanzberater mit zwölf Prozent Zinsen lockten. Und Argentinien nahm das Geld der internationalen Anlegergemeinde dankbar an, bis es auf einem Schuldenberg von 110 Milliarden Dollar saß, den es nicht mehr abtragen konnte. Kurz vor dem unvermeidlichen Ende verwendete Argentinien 80 Prozent seiner jährlichen Steuereinnahmen dafür, die Zinsen auf seine Schulden zu zahlen. Das konnte nicht gut gehen.

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