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Klassenfahrt, Loren freut sich auf seine letzte Reise mit seinen Schulfreunden. Doch nimmt die Reise ein gutes Ende? Nach einem ausgelassenen Abend wird Loren von der Polizei angehalten. Er ist noch minderjährig und betrunken. Ebenso sein Freund und das in einem fremden Land. Um den Jugendlichen eine Lektion zu erteilen, sollen diese in ein Erziehungslager, aber bei der Überführung wird ein Fehler gemacht, den Loren in seinen Abgrund blicken lässt. Fasziniert und doch geängstigt folgt Loren seinem Instinkt.
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Seitenzahl: 217
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Endlich weg von Zuhause. Klassenfahrt. Wie jeden Morgen, wenn Loren das Haus verlässt, drückt seine Mutter ihm einen Kuss auf die Wange. Nur heute übertreibt sie es mal wieder. Natürlich er wird eine Woche nicht Nachhause kommen, aber schreiben oder anrufen können sie einander dennoch. „Mom du bist peinlich!”, mit diesen Worten drückt Loren sie weg. Natürlich sagt er das nur, weil Jace, sein bester Freund geklingelt und die Tür aufgerissen hat. „Oh ähm hey Miss Jonson.”, grüsst Jace sie peinlich berührt. „Hallo Jace. Bitte pass auf Loren auf während der Klassenfahrt und macht keine Dummheiten!”, bittet Frau Jonson besorgt. „Natürlich werde ich das machen!”, bestätigt Jace sofort. Dann endlich lässt sie von ihrem Sohn ab.
Kaum ist die Haustür hinter Loren zugefallen meint Jace: „Alter du bist siebzehn und keine zwei mehr, was macht deine Alte für einen Wind?” „Leck mich Jace!” „Wan immer du willst.”, scherzt Jace. Leicht verunsichert schaut Loren seinen grinsenden Kumpel an. „Sehr erwachsen Jace, wirklich!”, grummelt Loren genervt.
Nach einem fünf minütigen Marsch kommen die Beiden endlich am Schulgebäude an. Ihr Lehrer begrüsst sie und nimmt ihnen die Rollkoffer ab. Schnell gesellen sich die Mädchen zu den beiden Schönlingen. Beide sind grossgewachsen, muskulös, leicht gebräunt, nur die Haare, sowie die Augen sind anders. Während Loren etwas längere, braune wirr aussehende Haare hat mit grünen Augen, besitzt Jace kurze schwarze, immer gestylte Haare mit blauen Augen. Dann endlich taucht Liam auf, das Klassenopfer. Wie immer ist er der Letzte. Unsicher stellt er sich zu einer kleinen Gruppe Mädchen. Sein kleiner, schwachaussehender Körper fällt selbst dort auf, denn er ist der Kleinste. Seine wasserstoffblonden Haare hängen ihm über die Schultern, seine bleiche Haut hat einen Starken Kontrast zu seinen beinahe schwarzen Augen. Noch bevor Loren und Jace Liam quälen können, ruft der Lehrer sie zusammen, damit die Reise beginnen kann.
Die Busfahrt zum Flughafen verläuft ruhig, Liam sitzt neben Herrn Light, damit seine Klassenkameraden ihn nicht quälen. Ebenso im Flugzeug, zumindest bis Loren ihn zu sich bittet. Nervös macht sich der Kleine auf in sein Verderben. Vor Loren bleibt er mit gesenktem Haupt stehen, er wagt es nicht ihn anzusehen. „Ich habe gehört, dass du bei Jace und mir schlafen wirst.” Schüchtern nickt Liam, aber er hebt seinen Blick noch immer nicht. “I-ich also, ihr werdet gar ni-nicht bemerken, dadass ich da bin.”, versichert Liam. „Gut so! Und jetzt geh!”, faucht Loren. Blitzschnell zieht Liam sich zurück.
Kaum landet die Klasse in Moskau, werden die Schüler auch schon von Herrn Light zusammengetrommelt. Nach einer gefühlten Ewigkeit sehen die Schüler endlich ihr Hotel. Die meisten frieren, trotz der dreissig minütigen Wanderung. In der Empfangshalle werden die Schüler nach Zimmer aufgeteilt und angemeldet. „Sobald ihr die Zimmerschlüssel habt, geht ihr euch einrichten. Abendessen gibt es um 19.00 Uhr. Seid pünktlich!”, mahnt Light noch bevor sich die erschöpften Schüler zurückziehen.
Liam trottet Loren und Jace hinterher, wie ein treuer Hund. Vor ihrem Zimmer, mit der Nummer 39, machen sie halt. Loren sperrt auf. Zu ihrer Überraschung stehen ein grosses Ehebett und ein schmales Kinderbett drin. „Scheisse!”, flucht Jace so gleich, doch Loren grinst wie ein Bekloppter. „Was grinst du so dämlich!?”, faucht Jace. „Erinnerst du dich an deinen dummen Scherz? Nun wird er Wirklichkeit.” „Kuschel doch mit Liam, der steht sicher drauf!”, meckert Jace. „Na gut, Liam du wirst mit mir im Ehebett schlafen!”, stellt Loren fest. Die Augen des Kleinen werden gross, dennoch widerspricht er nicht.
Nachdem die Jungerwachsenen ihre Sachen verstaut haben, legt Loren sich hin, Jace tut es ihm gleich, nur auf dem kleinen Bett. Überfordert mit der Situation, bleibt Liam einfach stehen, bis er den Mut findet Loren zu fragen, ob er sich hinlegen dürfe. „Klar. Bleib einfach auf deiner Seite.“ Gegen halb sieben erwacht Liam aus einem traumlosen Schlaf, er braucht einen Moment um zu begreifen wo er ist. „Soll ich die Beiden wecken oder doch besser nicht?“, murmelt Liam sich die Frage, welche in seinem Kopf herumgeistert, zu. Entschlossen rüttelt Liam an Lorens Schulter. „Loren. Loren! Aufstehen, es gibt bald Abendessen.“ Murrend öffnet Loren seine Augen. „Was ist?“, grummelt er noch im Halbschlaf. „Steh auf, es gibt bald Abendessen.“, wiederholt Liam.
„Liam geh runter und sag Bescheid, dass wir in einigen Minuten auch kommen.“ Wie von Loren befohlen, rennt Liam die Treppe hinunter. Auf der viert letzten Stufe stolpert er. Gefasst mit dem Boden Bekanntschaft zu machen, schliesst Liam seine Augen, verzerrt das Gesicht zu einer Grimasse, um mit dem bald eintretenden Schmerz besser auszukommen. Doch der Aufschlag kommt nicht. Verwirrt späht Liam unter seinen Augenliedern hervor. Er sieht den Boden vor Augen, aber fühlt keinen Schmerz. Mit einem Ruck wird er auf die Füsse gerissen. Ein Mann, etwa dreissig Jahre alt, steht vor ihm. „Ähm, d-danke.“, stottert Liam. Doch der Mann seht ihn nur fragend an.
Da Liams Vater Russe ist, kann er sich relativ gut Verständigen. Unsicher dankt Liam erneut. Doch der Gesichtsausdruck des Mannes bleibt unverändert. „Liam! Du solltest unsere Verspätung melden gehen und nicht mit fremden Männern sprechen, verdammt!“, faucht Loren den zierlichen Jungen an. Mit blassem Gesicht und geweiteten Augen, dreht sich Liam zu den beiden Klassenlieblingen. „I-Ich also, ähm …“, doch weiter kommt er nicht, da Jace seine Hand erhebt. „Ist doch alles in Ordnung, komm lass uns gehen.“
„Ihr drei seid zu spät! Ich hoffe ihr habt eine gute Ausrede!“, motzt Herr Light sogleich. „Klar haben wir die! Liam rempelte unabsichtlich einen Mann an, der uns dann nicht ohne Erklärung gehen lassen wollte. Aber dumm nur, dass wir kein Russisch können! Wären wir in England oder so, wo die Leute Englisch können, wäre das alles kein Problem gewesen und wir hätten es klären können.“ „Naja, du hast auch schon bessere Ausreden erfunden Loren.“, meint Light kühl. Damit wendet er sich wieder der Klasse zu. „Da wir nun endlich vollzählig sind, kommen wir zum morgigen Programm. Den Morgen werden wir zusammen verbringen, dass bedeutet wir werden gemeinsam das Stadtzentrum besuchen. Am Nachmittag dürft ihr dann Zimmerweise auf entdeckungstour gehen.“ Einige Schüler können sich beinahe nicht halten vor Glück, während andere genervt aufstöhnen. „Muss das in Zimmergruppenaufteilung sein?“, fragt Julia. „Ja und ich will, dass ihr euch benehmt und gefälligst zusammenbleibt! Moskau ist eine grosse Stadt!“, herrscht Light Julia an. Dann endlich ist das Buffet eröffnet.
„Wo gehen wir morgen Nachmittag hin?“, fragt Jace in die Runde. Loren zuckt mit den Schultern, während Tim und Dylen sich anstarren. Nero grinst wie ein Honigkuchenpferd, dabei starrt er Liam an. „Ich denke wir sollten Liam fragen, was wir hier alles tun können.“, meint er immer noch grinsend. „Aha und weshalb?“, hackt Jace nach. „Weil unser kleiner Liam ein halber Russe ist.“ Nun liegt die ganze Aufmerksamkeit aller auf dem blonden Jungen. „W-Was wollt ihr-ihr den so-so machen?“ „Keine Ahnung, halt etwas Spannendes! Denk dir etwas aus bis nach dem Essen.“, meint Loren mit vollem Mund.
„Kommt wir gehen in die Hotelbar, dort gibt`s bequeme Sessel.“, schlägt Tim vor. Da niemand etwas gegen den Vorschlag einzuwenden hat, melden sich die Jungen bei Light ab. Anstatt wie ihrem Lehrer erzählt, auf ihre Zimmer zu gehen, nehmen sie die Treppe in den Keller zur Bar. Es ist dunkel hier, die Lichter sind gedimmt. Männer rauchen Zigaretten, während die wenigen Damen hier an ihren Drinks nippen. „Was meint ihr, bekommen wir hier etwas mit Alk?“, fragt Nero begeistert. „Versuch es doch. Und dann hören wir uns Liams Vorschläge an.“
Der Barkeeper lässt Nero eiskalt abblitzen, daher kommt er mit Cola für alle zurück. „Anscheinend hat dein Scharm versagt Nero.“, spottet Jace. „Jaja sehr lustig! Geh du doch und frag!“, giftet Nero zurück. Damit die beiden nicht wie Kleinkinder streiten, lenkt Loren die Aufmerksamkeit auf Liam, der sich versucht im Sessel zu verkriechen. „Also wir kö-könnten in ein Museum oder, ähm Eis essen, shoppen oder so was.“, wispert Liam. Loren und Jace die neben ihm sitzen, müssen sich bereits konzentrieren um ihn zu verstehen und für die Restlichen ist es nur ein Gewimmer. Noch bevor Nero nachhackt, widerholt Loren die Worte. Eine hitzige Diskussion bricht aus. Mit zunehmender Müdigkeit werden die Themen immer schwachsinnier. Gerade als alle am Kichern sind wie kleine Schulmädchen, stellt sich ein Mann hinter Liam. Alle ausser Liam verstummen allmählich. Erst als sich Jemand über ihn beugt und ein Schottglas hinstellt, welches bis zum Rand hin voll ist, verstummt auch er. Da er nicht unhöflich sein will, nimmt er es zwischen Zeigefinger und Mittelfinger, hebt es in die Luft und kippt es in einem Zug runter. Alle anwesenden sind sprachlos. Erneut wird das Gläschen vor Liam gefüllt, erneut leert er es in einem Zug. Nach weiteren Schotts traut sich Liam endlich nach hinten zu sehen. Und was er sieht bringt ihn zum Grinsen, das ist der Mann von der Treppe. Der Mann fragt etwas auf Russisch, worauf Liam so gut es geht antwortet, doch die Müdigkeit und der Alkohol lässt grüssen. „Wollt ihr auch?“, übersetzt Liam die Frage des Russen. Begeistert nicken alle, woraufhin der Fremde ein Tablett mit sechs weiteren Gläsern holt.
„Wir sollen lang hicks langsam gehen.“, lallt Loren, dabei stützt er sich an Liam. Zustimmendes Gemurmel geht durch die Runde, doch wirklich gut gehen kann niemand mehr. Taumelnd stützen sich die Jugendlichen an den Wänden ab. Liam der normalerweise nicht jedes Wochenende trinkt, hat am meisten Mühe sich fortzubewegen, daher fragt er den Russen, ob er ihn nach oben trägt. Lachend hebt er den zierlichen Jungen hoch, nimmt Loren den Zimmerschlüssel ab, begleitet die Jungen nach oben in ihr Zimmer. Dabei legt er Liam vorsichtig auf dem grossen Bett ab, deckt ihn zu, stellt ihm ein Glas Wasser hin und verabschiedet sich. Liam jedoch ist bereits auf der Treppe, angelehnt an seine Brust, eingeschlafen.
„Ah! Mein Kopf.“, mault Loren als er erwacht, daraufhin weckt er Liam und Jace, die beide ebenfalls heftige Kopfschmerzen haben. „D-Danke fürs Wasser.“, nuschelt Liam verschlafen. „Und hochtragen.“, fügt er hinzu. „Das war dieser Typ, nicht wir. Bedank dich bei dem.“, meint Jace, der sich die Augen ausreibt. „Bin duschen.“, informiert Loren. „Aber ich muss mal.“, jammert Liam kaum fällt die Badezimmertür ins Schloss. „Pissen?“, fragt Jace. Nickend schaut Liam zu Jace, der sich gerade umzieht. „Dann geh einfach rein.“ „A-Aber Loren ist da drin und duscht.“ „Na und? Schau einfach nicht hin, wenn`s dich stört oder mach dich bemerkbar, dann dreht er sich weg.“ Zögernd klopft Liam an die Tür. „Mh?“, kommt es von der anderen Seite. „Darf ich auf Toilette?“ „Klar komm rein, es ist nicht abgesperrt.“, meint Loren. Das Plätschern des Wassers wird lauter, als Liam die Tür öffnet. „Wer war der Typ von gestern?“ fragt Loren nach einer unangenehmen Stille. „Ähm keine Ahnung. Er hat mich gestern auf der Treppe abgefangen, als ich stolperte. Das ist alles was ich weiss.“, gesteht Liam. „Willst du auch duschen? Ich bin gleich fertig.“, mit diesen Worten öffnet Loren die Duschkabine, tritt Splitter Faser Nackt ins Bad, nimmt sich ein Duschtuch, reibt sich damit trocken und legt es schlussendlich um seine Hüften. Kaum ist Loren weg, entledigt Liam sich seiner Klamotten. Blaue Flecken zieren seinen Körper, einige Narben und dunkle, runde Verfärbungen.
Geniesserisch lässt Liam das Wasser über seine Haut rinnen, gerade als er aus der Dusche steigt, fällt ihm eine Gestalt vor dem Spiegel auf, die ihn mustert. Schnell schlingt er ein Handtuch um seinen Körper. „Woher hast du all die Verletzungen?“, fragt Jace interessiert nach. „Einige von dir und Loren und die anderen gehen dich nichts an.“, erläutert Liam. Selbst Loren entgehen die Verletzungen nicht, aber er fragt nicht nach, da er Jace die Frage bereits stellen hörte.
Der Morgen vergeht verhältnismässig schnell. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, entlässt Light die Jugendlichen aus seiner Obhut. Sofort bilden sich Gruppen. Während die Mädchen shoppen gehen, wollen Dylen, Tim und Nero in einen Gameladen, doch Jace und Loren haben etwas anderes mit Liam vor. „Geht schon mal vor Jungs, wir kommen in einer Stunde nach.“, meint Loren nur. Allgemeines nicken, dann trennen sich die zwei dreier Gruppen auch schon.
„Wir gehen Eis essen.“, stellt Jace fest. Nickend führt Liam sie zu einer Eisdiele. Erst sprechen sie über alltägliche Dinge wie Hobbys, Familie und solche Dinge, aber dann lenken sie das Gesprächsthema immer mehr auf Liam. „Wieso seid ihr heute so nett zu mir, ja beinahe besorgt?“, fragt Liam nun, da es ihm zu suspekt wird. „Gestern Abend war super und wir dachten wir könnten das jeden Abend so machen, da du deren Sprach hier sprichst, sollte das nicht so ein Problem sein. Und uns beunruhigen deine Verletzungen, klar haben wir dich geschlagen und so, aber nie ernsthaft verletzt, also wer war das?“ „Also seid ihr nur nett zu mir, damit ich euch Alk besorge?“, kombiniert Liam niedergeschlagen. Eine freudewelle breitete sich in ihm aus, als Loren, meinte es war schön, aber da sie nur nett zu ihm sind um weiterhin trinken zu können, fällt seine glückliche Stimmung in den Keller. „Nein Liam. Wir machen uns wirklich sorgen um dich, ich mehr als Loren, aber selbst er macht sich Gedanken. Also was ist los?“, hackt Jace nach, dabei benutzt er seine fürsorgliche Stimme, welche er auch immer bei seiner kleinen Schwester benutzt. „Ich bin tollpatschig und verletze mich halt häufig. Können wir über etwas anderes Sprechen?“, blockt Liam ab. Nach weiteren Versuchen geben Jace und Loren auf.
Den restlichen Nachmittag verbringen die Jungen damit Games in einer Spielhalle zu spielen. Gegen Lose, die aus den Automaten kommen, tauschen sie sich am Ende Feuerzeuge und Kleinigkeiten ein. Ausgelassen marschieren sie zurück zu ihrem Hotel, wo Light auch schon wartet. Er streicht alle Jugendlichen von einer Liste ab, welche das Hotel betreten haben. Lachend trennen sich die Jungen um sich in ihren Zimmern etwas auszuruhen. Kaum ist die Tür hinter Jace zu, drängt Loren Liam dazu über seine Verletzungen zu sprechen. „Lass mich Loren, ich will nicht!“, protestiert Liam lauthals. „Lass ihn Loren, er sagt es uns schon, wenn er das Bedürfnis dazu verspürt und bis dahin, sollten wir ihn nicht mehr zwingen.“, mischt Jace sich ein. „Wenn du meinst.“, schulterzuckend lässt Loren von Liam ab.
Nach dem Abendessen steigen die Jungen die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Als sich Loren umzieht, klopft es an der Zimmertür. „Wehe, das ist Julia oder Samira oder sonst so eine Tusse!“, flucht er leise vor sich hin. Doch als er die Tür öffnet, steht ein grossgewachsener Mann davor. Nach einigen Sekunden erkennt Loren ihn wieder. „Liam für dich. Dein russischer Freund.“ Die Beiden unterhalten sich, dann bittet Liam ihn hinein. „Wollt ihr feiern gehen?“, übersetzt Liam eine Frage des Mannes. „Klar wieso nicht. Frag den Typen mal wie er heisst.“, entgegnet Loren. „Er heisst Sergio, er nimmt uns mit in einen richtigen Club. Wir sollen in zwanzig Minuten unten in der Lobby sein.“, informiert Liam, dann plappert er weiter auf Russisch.
Loren sowie Liam sind bereits nach zehn Minuten fertig, nur Jace weigert sich, sich fertig zu machen. „Los mach jetzt Jace, sonst kommen wir zu spät und der Typ geht ohne uns.“ „Soll er doch! Ich bin müde und mag jetzt nicht feiern gehen, also geht allein!“, patzt Jace herum. „Von mir aus dann bleib halt hier.“, versucht es Loren mit umgekehrter Psychologie, allerdings hilft es nicht. Daher schleichen sich nur Liam und Loren aus dem Zimmer. Wie abgemacht wartet Sergio unten in der Lobby.
Da Liam mit beiden sprechen kann oder übersetzten, spielt er Dolmetscher. Es geht um Fragen wie: „Wieso ist ein Club an einem Dienstag offen. Kommen Sie aus der Gegend. Was tun sie Beruflich“, und so weiter. Sergio beantwortet jede von Liam und Lorens Fragen geduldig, bis sie vor einer bewachten Tür stehen bleiben. Sergio geht zu den beiden Wachmännern hin und spricht mit ihnen, dabei schaut er ab und zu, zu den beiden frierenden Jungen hinüber, bis er sie dann zu sich winkt. „Wir dürfen rein, müssen uns aber einen Stempel aufdrücken lassen. Verwundert, dass der Stempel nicht farbig ist, sondern mit einer Farbe, die unter ultraviolettem Licht leuchtet, machen sich die drei auf in den Club. Drinnen herrscht reges Treiben. Leichtbekleidete Frauen servieren Drinks, während die Oberkörperfreien Barkeeper Getränke mischen. „Du Loren. Sag mal was ist das für ein Club?“, fragt Liam scheu. „Was weiss ich? Frag deinen Freund!“ Gesagt getan.
„Anscheinend ist das hier normal, Sergio meinte, wir sollen uns keine Sorgen machen. Wenn wir etwas trinken wollen sollen wir es ihm sagen, er besorgt es uns dann.“ „Du Liam sag mal, hast du dir auch schon Gedanken darüber gemacht, weshalb der Typ so nett zu uns ist? Immerhin kennt der uns nicht und wir sind noch minderjährig und so…“ „Als ob uns Sergio etwas tun würde. Du hast zu viele Filme gesehen Loren. Entspann dich!“ Aber um sicher zu gehen, fragt Liam Sergio ob er eine Gegenleistung will. „Ähm du Loren? Ich habe Sergio gefragt was er von uns will, so als Gegenleistung und er meinte dann, dich.“ „Wie mich?“, entsetzen spiegelt sich auf seinem Gesicht. „Er will von dir eine Gefälligkeit.“ Da Lorens Gesichtszüge langsam aber sicher entgleisen, lacht Liam herzhaft. „Verarscht!“, grinst Liam. Doch die Erleichterung die Loren verspürt ist echt. „Tu sowas nie, nie wieder!“, faucht Loren. Plötzlich wird dir Tür aufgerissen, etwas klackt auf dem Boden, bevor alles voller Rauch ist. Taschenlampenstrahlen sind alles was man erkennen kann. Sofort krallt sich Liam an Lorens Arm fest. Ihnen beiden werden Handschellen angelegt, bevor sie aus dem rauchigen Innern auf die Strasse gestellt werden. „Sie wollen unsere Ausweise sehen.“, übersetzt Liam für Loren die Worte eines Polizisten. Ohne zu zögern zückt Loren seinen Pass, streckt diesen dem Mann entgegen, der ihn Loren aus der Hand reisst. Liam tut es Loren gleich. „Wir werden mitgenommen auf eine Polizeiwache, dort werden uns dann Fragen gestellt, danach können wir hoffentlich zurück in unser Hotel.“, übersetzt Liam leise. „Fuck!“, meint Loren augenverdrehend.
„Anscheinend war das ein bisschen ein illegaler Club, in dem wir waren. Und deshalb werden wir anscheinend angeklagt, allerdings werden wir nur vor das Jugendgericht gestellt. Daher sollte das Urteil nicht allzu schlimm ausfallen.“, nuschelt Liam möglichst unschuldig. „Bitte was?! Wann ist der Termin?“ „In zehn Minuten, da wir auf frischer Tat ertappt wurden, müssen wir beinahe auf Schuldig plädieren und die Strafe hinnehmen. Daher brauchen wir keinen Verteidiger.“, erklärt Liam. „Was geschieht schlimmstenfalls?“, fragt Loren unsicher nach. „Keine Ahnung.“, gesteht Liam.
Diese zehn Minuten ziehen sich wie Kaugummi in der Sonne, sie wollen einfach kein Ende nehmen. Dann endlich kommt ein Beamter, um die Beiden aus ihrem Leid zu erlösen. Sie werden in einen kahlen Raum geführt, ein ausgeschalteter Fernseher auf einem Tischchen steht. Der Beamte schaltet den Fernseher ein, daraufhin taucht ein Bild von einem Gerichtsaal auf. Ein Mann starrt in die Kamera, erst jetzt bemerkt Loren die Kamera auf dem Fernseher, also wird ihm ebenfalls ein Bild übertragen. Liam plädiert für beide für schuldig. Nach wenigen Minuten fällt der Richter ein Urteil. Es lautet: „Drei Wochen Erziehungslager für Jugendliche.“ Als Liam das Urteil hört, schluckt er leer, bevor er es Loren übersetzt. „Eine Erklärung folgt vom Richter, bevor der Fernseher ausgeschaltet wird. „Was hat er gesagt?“, will Loren wissen. „Er meinte nur, dass er ein hartes Strafmass wählte, weil wir nicht denken sollen, dass es in Ordnung sei in einem fremden Land Unfug zu treiben.“ „Wann wird das Urteil vollstreckt?“ Bevor Liam antwortet, fragt er den Beamten etwas. „Wir können Freitagabend einrücken, das heisst wir müssen Freitagabend um sechs wieder hier sein.“ „Gut. Zum Glück haben wir nach dem Lager gleich drei Wochen Ferien. Ich muss nur noch meine Mom überzeugen mich drei Wochen länger in Russland zu lassen.“, denkt Loren laut.
Rechtzeitig zum Frühstück kommen Loren und Liam im Hotel an. Jace entgeht natürlich nicht, dass die Beiden die ganze Nacht weg waren und jetzt so still sind wie nie zuvor. Auf dem Zimmer fragt er sofort: „Was ist passiert?“ Loren erzählt Jace alles Haarklein, während Liam sich in den Boden schämt. „Was wirst du deiner Mutter sagen?“ Schulterzucken ist die Antwort. „Na gut ich helfe dir mein Freund. Also Liam ist doch halb Russe, daher könntest du einfach behaupten, dass du mit ihm zu seinem Onkel gehst und die Ferien hier verbringen willst. Und damit deine Mom auch wirklich nichts dagegen hat, erwähnst du etwas von wegen Kultur kennen lernen und bla bla bla.“, ergänzt Jace. „Das klingt grossartig, danke Jace.“ Sofort greift Loren sein Handy und ruft Zuhause an um den eben gehörten Plan in die Tat umzusetzen. Erst ist seine Mutter überhaupt nicht begeistert, aber als Loren von dem kulturellen Gut erzählt, wird sie allmählich weich, dann reicht Loren das Handy auch noch Liam der das Blaue vom Himmel lügt. „Gut das wäre geschafft, jetzt müssen wir nur noch einen Russen finden, der sich als dein Onkel ausgibt und uns am Freitag hier abholt.“, denkt Loren weiter. „Kein Problem, wir fragen einfach jemanden und bezahlen ihn dafür. Ich habe gesehen, dass hier in der Nähe, sich Männer für Geld verkaufen. Das könnte funktionieren.“, meint Liam. Überrascht wann er denn sowas gesehen hat, schauen ihn Loren und Jace entgeistert an. „Was?!“ „Ach nichts.“, meint Loren um keinen Streit anzufangen.
Gegen Abend schleichen sich die drei in die Nacht hinaus. Ein Mann fällt ihnen sofort auf. Helle Haut, helle Haare und strahlend blaue Augen. Da Liam den Mann nicht ansprechen will, schubsen Loren und Jace ihn vor die Füsse des Mannes. Der wiederum etwas fragt, worauf Liam antworten muss. Nach einer kurzen Unterhaltung und ein paar Lachern, sowie einem bemitleidenden Grinsen, schlägt der Mann ein. „Er wird Freitagmorgen um acht im Hotel sein und uns mitnehmen.“, bestätigt Liam.
Die restlichen Tage vergehen mal schnell mal weniger. Sie besuchen Museen, Spielhallen und andere Sehenswürdigkeiten.
Seit nun schon zweieinhalb Tagen liegen Loren und Liam ihrem Lehrer in den Ohren, dass Liams Onkel die Beiden am Freitagmorgen vom Hotel abholen kommt. Allerdings will dieser Lehrer kein Gehör dafür haben. Daher fahren sie nun härtere Geschütze auf. „Herr Light, wie wir Ihnen bereits seit Mittwoch versuchen verständlich zu machen, werden wir nicht mit euch an den Flughafen kommen, da wir hier abgeholt werden. Falls Sie damit ein Problem haben, was ziemlich offensichtlich ist, dann rufen sie doch bitte meine Mutter an! Sie wird es Ihnen bestätigen!“, damit streckt Loren Herrn Light sein bereits wählendes Handy entgegen. Nach einem kurzen Telefonat, reicht Light Loren sein Handy. „Von mir aus, dann bleibt halt hier!“ Jace umarmt Loren zum Abschied und wünscht ihm und Liam alles Gute.
Der Mann kommt tatsächlich pünktlich. Dabei trägt er einen Anzug, seine Haare sind zurückgelegt und ein kleiner Aktenkoffer rundet sein Erscheinungsbild ab. Der Mann klingt leicht gestresst, als Herr Light sich mit ihm unterhalten will, tut er so als ob ein Anruf ihn davon abhält. Ohne zu zögern, steigen Liam und Loren bei einem schwarzen Auto ein. Sie fahren zwei Strasse weiter, dann lässt der Mann den Wagen langsamer werden. Nachdem Liam den Mann das gewünschte Honorar gegeben hat, machen sich die Jungen zu Fuss auf den Weg zur Polizeiwache. „Der Typ hat das wirklich hervorragend gemacht.“, schwärmt Loren. „Ja hat er.“, bestätigt Liam. Gegen Mittag kommen sie bei der Wache an, da es noch zu früh ist, schlendern sie umher. An einem Imbiss machen sie halt und bestellen etwas Essbares. Um halb drei entschliessen sie sich dann zurückzugehen.
Ein grimmig aussehender Mann steht hinter dem Empfangstresen. Liam meldet sich und Loren an, woraufhin der Mann die beiden prüfend ansieht. Dann winkt er sie hinter sich her. Zusammen werden sie in eine Zelle gesperrt, neben an sind ebenfalls zwei junge Männer. Nur sehen diese Typen so aus, als würden sie hier hingehören.
Nach knapp einer Stunde kommt der Empfangsbeamte zu den Zellen. Er scheint unmotiviert zu sein, Zettel hängen aus einer Akte, welche er trägt, dann stürzt das Ganze zu Boden. Genervt seufzt der Mann, bevor er die Blätter zusammensammelt. Dann schaut er sich die Dokumente an, er stopft einige Formulare in die eine Akte und die anderen in die zweite Akte. „Wir müssen los.“, meint Liam leise, dabei werden ihnen Hand-, sowie Fussfesseln angelegt. Um ihre Hüften wird eine Metallkette geschlungen, an der die Handschellen und Fussfesseln mit einer weiteren Kette befestigt werden. Eingeschüchtert folgen die Beiden dem Beamten zum Hinterausgang, dort wartet bereits ein Transporter.
Die Stunden vergehen, die Nacht zieht vorüber. Dann endlich wird der Transporter langsamer. Den Fahrer haben sie bisher noch nicht zu Gesicht bekommen, eben so wenig sonst einen Beamten. Zitternd rutschen die Jungen näher aneinander, damit sie sich gegenseitig wärmen können. Als die Türen aufgerissen werden, peitscht ihnen eisige Luft entgegen. Misstrauisch beäugt der Fahrer die beiden aneinander gekuschelten Jungen, zuckt dann aber mit den Schultern. Er gibt einige Befehle, welche Liam übersetzt. Schnell folgen sie allen Anweisungen, damit sie möglichst schnell in das Gebäude eintreten dürfen. Zwei weitere Beamte begleiten sie bis zu einem Büro, einer der Beiden hat einen Hund bei sich, der sich die Seele aus dem Leib bellt.
Nach einer kurzen Wartezeit werden die Jungen in das Büro gebeten, wobei ihnen sofort die karge Einrichtung ins Auge fällt.
