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Die Unternehmenswelt hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Waren bereits die Generationen Y und Z kritisch gegenüber traditionellen hierarchischen Modellen, so hat die Covid 19 - Krise die Interaktion zwischen dem Management und den Mitarbeitenden noch einmal dramatisch verändert. Führung, die menschliche Orientierung, Empathie und Vertrauen aufbringt, wird sich in diesem Säkulum auf breiter Front durchsetzen. Doch was bedeutet das für die Qualifikationen des Managements? Was bedeutet achtsame Führung, und vor allem gibt es Unterschiede achtsamen Führens in den verschiedenen kulturellen Kontexten, in denen Führung stattfindet? Das Buch umfasst Geschichte, aktuelle Führungsherausforderungen und zukünftige Managementperspektiven und lädt dazu ein, Modelle bewährter Praktiken in das tägliche Arbeitsleben umzusetzen.
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Seitenzahl: 397
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft - Steuern - Recht GmbH
[4]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.
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ISBN 978-3-7910-5099-7
Bestell-Nr. 10601-0001
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ISBN 978-3-7910-5103-1
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ISBN 978-3-7910-5104-8
Bestell-Nr. 10601-0150
Volker Schulte/Christoph Steinebach/Klaske Veth (Hrsg.)
Achtsame Führung
1. Auflage, April 2021
© 2021 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
www.schaeffer-poeschel.de
Bildnachweis (Cover): © Mike Mareen, AdobeStock
Produktmanagement: Dr. Frank Baumgärtner
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Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart
Ein Unternehmen der Haufe Group
Führung im 21. Jahrhundert
Die drei traditionellen Führungsmaximen Macht, Autorität und Einfluss haben im heutigen Führungskontext eine andere Bedeutung als vor dreißig Jahren. Damals konnte eine vorgesetzte Person noch allein über ihren sozialen Status einen Willensbildungsprozess in Gang setzen und über eine engmaschige Kontrolle die Willenssicherung überprüfen. Die Mitarbeitenden hatten schlicht den Willen des Vorgesetzten ohne Hinterfragen umzusetzen. Macht impliziert, über jemanden Macht zu haben. Dies impliziert ferner eine starke Hierarchie in einer Organisation. Es garantiert die Durchsetzungsfähigkeit des Mächtigen, indem er einseitig Umsetzungsziele definiert, ohne den Wünschen oder Ansprüchen von Mitarbeitenden gebührend entgegenzukommen. Eine solche Kultur des Führens hat heute ausgedient. Sie funktioniert nicht mehr. Macht und Autorität sind erodiert.
Führung funktioniert nur noch über die Vorbildfunktion der Führungsperson, indem sie mit gutem Beispiel vorangeht und kulturelle wie ethische Wegmarken setzt. Führung braucht Gestaltungswillen, der mittels Überzeugung, menschendienlicher Haltung und Empathie Menschen bewegen kann, kreative Arbeit zu leisten. Führung bedeutet Orientierung zu geben, Mitarbeitende in Prozesse und Zusammenhänge einzubinden und sie somit von der Sinnhaftigkeit der Handlungen und Tätigkeiten zu überzeugen.
Dieses Buch macht einen großen Fächer auf, wie achtsame Führung aussehen könnte. Es ist ein Grundlagenwerk, welches ein achtsames Wertesystem ausleuchtet und in unterschiedlichen kulturellen Kontexten vergleicht. Es bietet philosophische Reflexionen, Tipps und Handlungsanleitungen, die in unterschiedlichsten Branchen und Traditionen Anwendung finden können. Es ist zu hoffen, dass Führungskräfte von heute sich achtsame Führung aneignen, damit sie die Führungskräfte von morgen bilden, unterstützen und begleiten können. Denn Menschlichkeit und authentische Kollegialität ist in der heutigen technologisierten, komplexen und hochgradig vernetzten Arbeitswelt wichtiger als je zuvor.
Prof. Dr. Thierry Ettlin, Chefarzt und Medizinischer Direktor der Reha Rheinfelden
Binningen, im Januar 2021
Volker Schulte, Christoph Steinebach & Klaske Veth
Die Unternehmenswelt hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Waren bereits die Generationen Y und Z kritisch gegenüber traditionellen hierarchischen Modellen, so hat die Covid-19-Krise die Interaktion zwischen dem Management und den Mitarbeitenden noch einmal dramatisch verändert. In einer von den Herausgebern und Autoren dieses Buches publizierten Studie (Schulte et al., 2020) während der ersten Welle der Pandemie im April 2020 wurde nach den Voraussetzungen von Wohlbefinden im Homeoffice gefragt. Dabei zeigte sich, dass gute Führung der ausschlaggebende Faktor für ein sicheres und motivierendes Arbeiten zu Hause darstellt. Diese war wesentlich wichtiger als die Arbeitsbedingungen in den eigenen vier Wänden. Führung, die menschliche Orientierung, Empathie und Vertrauen aufbringt, wird sich in diesem Säkulum auf breiter Front durchsetzen.
In unseren konsumentenzentrierten Digitalgesellschaften vollziehen sich seit Jahren riesige Produktivitätsschritte. Repetitive Dienstleistungen sowohl bei Front- wie auch Backoffices können mittels Automatisierung wegrationalisiert werden. Mittels Algorithmen und schnellen Datenanalysen werden Unternehmensentscheidungen zunehmend von tieferen Hierarchien in immer rascherer Abfolge getroffen. Ganze Hierarchieebenen werden damit überflüssig. Welchen Sinn macht es noch, die nächste Hierarchiestufe von der Notwendigkeit einer Akquise oder Entwicklungsinvestition zu überzeugen, wenn der Projektleitende es besser weiß und kann als der Chef? Der Fokus auf selbstbestimmtes Projektmanagement schafft neue autonome Arbeitseinheiten, sich selbst organisierende Teams, in denen jede/r einzelne Mitarbeitende mehr Verantwortung trägt und einsetzt. Dieser weltweite Druck provoziert ein neues achtsames Miteinander in den Unternehmen.
Die wachsende Komplexität der Arbeitswelt lässt sich mit herkömmlichen Kontrollinstrumenten nicht mehr steuern. Ehemalige Lebenswelten, die Sicherheit und langfristige stabile Verhältnisse boten, sind einer gesellschaftlichen Fragmentierung gewichen. Oswald von Nell-Breuning nannte diese Entwicklung »Ent-Naivisierung« (Nell-Breuning, 1984, S. 27). Hingegen steigt das Bedürfnis der Mitarbeitenden wie des Managements, die eigenen Kompetenzen hinsichtlich Führung und Selbstführung zu verbessern. Wurden bisher über Weiterbildungs- wie auch über Gesundheitsmanagementprogramme vor allem die funktional- und effizienzorientierte Seite von Führung und die Aneignung von Soft Skills angesprochen, so führt der neue Fokus auf die empathische, wertschätzende Kommunikation als Teil achtsamer Führung in eine neue Dimension des menschlichen Miteinanders.
[14]Doch was bedeutet das nun für die Qualifikationen des Managements? Was bedeutet achtsame Führung und vor allem, gibt es Unterschiede achtsamen Führens in den verschiedenen kulturellen Kontexten, in denen sie stattfindet? Hier möchte dieses Buch erste Antworten geben. Die hier zusammengetragenen Ergebnisse beruhen unter anderem auf einem Forschungsprojekt, welche die Autoren Aeschbacher, Langer, Schulte und Steinebach während des Jahreswechsels 2019/2020 in Chile erarbeitet hatten.
In diesem einleitenden Kapitel werden wir die folgenden Fragen besprechen: Warum verlangen die Menschen eine achtsame Führung, was sind ihre Voraussetzungen? Wie kann man achtsame Führung erlernen und anwenden? Welche Organisationskulturen sind notwendig, um achtsame Führung im System zu verankern? Wie kann achtsame Führung definiert werden? Schließlich werden die einzelnen Beiträge der Autorinnen und Autoren vorgestellt und mit dem Imperativ der Authentizität kontextualisiert.
Wir finden in den westlich geprägten Gesellschaften – und hier schließen wir die süd- und ostasiatischen Gesellschaften kapitalistischer und kryptokapitalistischer Prägung mit ein – eine Ambivalenz von unterschiedlichen Haltungen und Verhalten. Während wir in den sozialen Netzwerken eine omnipräsente Selbstkultivierungsindustrie vorfinden, die sich von Selbstdarstellungsclips, einer Frivolitätskultur und einer gewissen Infantilisierung nährt, suchen nun die jüngeren und mittleren Generationen in der Arbeitswelt und im Privatleben das Wiederentdecken eines geistigen und seelischen Kompasses, welcher auf Wiederentdeckung des Lebenssinns abzielt. Der Mensch stellt sich die Sinnfrage. Die Bandbreite der Angebote ist vielfältig. Es findet sich für alle Belange und religiöse wie areligiöse Einstellungen das passende Angebot. Die Intentionen für die Bereitschaft, einen Achtsamkeits-Weiterbildungskurs zu besuchen, ist die Suche nach dem Sinn des Lebens überhaupt, in welchem der Suchende doch meistens schon einiges erreicht hat. Es stellt sich die Sinnfrage, was uns wirklich glücklich macht und was das Essenzielle im Leben ist. Fast zwangsläufig gesellt sich dazu auch die Suche nach dem Leben überhaupt, nach Fragen der Transzendenz und des ethischen Umgangs untereinander und mit unserer Schöpfung. Gerade in der zweiten Lebenshälfte wird vielen bewusst, dass mit dem Slogan immer mehr und immer abwechslungsreicher der Grenznutzen dessen, was noch sinnstiftend ist, relativ bald erreicht ist. Mit anderen Worten, wir erkennen zunehmend, dass wir in der Gesellschaft einen Weg der Entdisziplinierung gehen, einmal uns selbst gegenüber, dann aber auch im mangelnden Dienst an unserem Nächsten. Durch die Bewusstwerdung unserer einseitigen Altruismusbilanzen erkennen wir die Notwendigkeit, in Zukunft wieder stärker Zivilisierungsaufgaben uns selbst und der Gesellschaft gegenüber wahrzunehmen. Die vorherrschende und intuitiv abgelehnte Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der anderen treibt uns mit zunehmender Reife in Selbstfindungsprozesse, die sich aus einer Schnittmenge aus Achtsamkeit und Sozialität zusammensetzen.
[15]Was bewegt Menschen, sich in den Kosmos eines achtsamen Lebens zu begeben? Welche Voraussetzungen und Sensibilisierungsschritte sind nötig, um diesen Schritt zu tun? Achtsamkeit zwingt uns zu allererst dazu, tief in die Selbstreflexion einzusteigen. Der Mensch befindet sich dabei immer im Spannungsverhältnis zu dem, was er sein will, und dem, wie er ist, oder um es mit Ödön von Horváth auszudrücken: »Ich bin eigentlich ein ganz anderer, ich komme nur so selten dazu« (Horváth, 1978, S. 67). Ein unstrebsamer Mensch wird die Unvollkommenheit und Beschränkungen anderer kritisieren, obwohl ihm selbst die Neigung, der gute Wille und die Fähigkeit fehlen, seine eigenen Unvollkommenheiten und Beschränkungen einzugestehen.
Häufig sind wir in dem Alter zwischen Mitte dreißig und fünfzig stark mit dem Organisieren unserer Karriere und mit dem Bereitstellen von allem Notwendigen für die Familie und unsere Nächsten beschäftigt. Was unsere geistig-seelische Entwicklung anbelangt, sind wir nachlässig, die Prioritäten sind anders gesetzt. Hier entwickeln sich nun existenzielle Sinnfragen: Soll das nun schon alles gewesen sein? Soll ich so weitermachen, ohne die Jahre, die kommen und gehen, auseinanderhalten zu können? Wie soll der Rest meines Lebens aussehen? Soll es nach demselben Muster weitergehen wie bisher? Wir entwickeln hier Ambitionen der Selbstverwirklichung mit dem Ziel der achtsamen Selbstführung. Da biografische Festlegungen beruflicher und partnerschaftlicher Art nun verstärkt hervortreten, können sie – je nach Persönlichkeit und Lebenssituation – als Anreiz zur Veränderung empfunden werden. Etwaige in der Aufbauphase des jungen Erwachsenenalters unterdrückte Aspekte des Selbst werden zunehmend manifest und stellen für viele eine Herausforderung dar. Auf jeden Fall fordert nicht zuletzt die Tatsache, dass wir eine auf Nachhaltigkeit basierende Lebensperspektive suchen, uns dazu auf, Möglichkeiten der Neuorientierung in verschiedenen Lebensbereichen auszuloten.
Viele Menschen im Erwachsenenalter befinden sich in einer scheinbar paradoxen Situation: Einerseits haben sie viele Optionen, nur wissen sie nicht mehr, was wirklich sinnstiftend ist – sie haben den inneren Kompass verloren. Anderseits fühlen sich dieselben Menschen in dermaßen vielen Zwängen und Verantwortlichkeiten gefangen, dass sie entweder langsam ausbrennen, still vor sich hin leiden, in alten Rollen ängstlich verharren oder aber abrupt ausbrechen. Oft kommen Ereignisse, gerade auch im Beziehungsbereich, gänzlich unerwartet und stellen alles Bisherige infrage. Hiermit sind auch schmerzliche Erlebnisse des Kontrollverlustes, Unsicherheiten in der Neuorientierung und Schuldgefühle verbunden. Ob daraus eine Lebenskrise entsteht und wie gut man diese übersteht, ist primär von den verfügbaren persönlichen Ressourcen und Resilienzfaktoren abhängig, wie etwa Persönlichkeit, Bildung, Partnerschaft, soziale Einbettung oder Gesundheit. Unabhängig davon, wie krisenhaft diese Umbruchphase erlebt wird, gemeinsam ist allen Betroffenen die Suche nach dem Lebenssinn bzw. die Neudefinition desselben. Es ist ein primär nach innen gerichteter Prozess, um nicht gestillte schlummernde Bedürfnisse ans Licht zu bringen.
Diese neue Perspektive vollzieht sich parallel zur erwähnten Auseinandersetzung mit den ursprünglichen Lebensentwürfen bzw. ist von ihr bestimmt. Für den Arbeitskontext bedeutet dies, dass die Mitarbeitenden die Sinnhaftigkeit und Wertschätzung in den Arbeitsinhalten und im beruflichen Miteinander quer über alle Hierarchien suchen. Nicht der soziale Status des Vor[16]gesetzten bestimmt seine Akzeptanz durch die Mitarbeitenden, sondern seine sozialen und achtsamkeitsorientierten Führungskompetenzen.
Achtsamkeit ist ein Phänomen kollektiver Genetik, denn alle Kulturen und Religionen haben Techniken entwickelt, mit denen Achtsamkeit gepflegt, geübt und stabilisiert werden kann. Achtsamkeit ist Ausgangspunkt für den bewussten Umgang mit dem eigenen Bewusstsein in allen Lebensbezügen. Die westliche Forschung zur Achtsamkeit ist relativ jung. Seit der letzten Jahrtausendwende hat die Literatur zum Thema indes sprunghaft zugenommen. Im Jahre 2005 gab es zum Thema und zu seinen klinischen Anwendungen ca. 100 Publikationen. Zehn Jahre später sind es bereits über 1.500. Es existiert sogar eine wissenschaftliche Fachzeitschrift mit dem Namen Mindfulness (Kabat-Zinn, 2013, S. 23).
Die Wurzeln des Konzeptes sind jedoch sehr alt und gehen auf die kontemplativen Traditionen des Ostens zurück. Damit ist auch gleich gesagt, dass sich Achtsamkeit von Kontemplation nicht trennen lässt, obschon es viele säkulare Ansätze gibt, die auf Achtsamkeit aufbauen. Gerade im Buddhismus wurden spezifische Methoden der Achtsamkeitspraxis als Fundament der Meditation systematisch eingeübt und gepflegt. Achtsamkeit gilt dabei als Schlüsselparameter auf dem Weg zur Überwindung von Leiden und Tod.
Achtsamkeit lernt man nicht über einen kognitiven Prozess, sondern nur durch meditative und kontemplative Übungen. Diese können in den westlichen Gesellschaften praktisch flächendeckend angebotenen MBSR- und Achtsamkeitskursen eingeübt werden. Achtsamkeit ist eine geistige Grundeinstellung, eine Haltung, die maßgeblich dazu beiträgt, die geistigen Fähigkeiten zu stärken.
Die Schlüsselparameter einer achtsamen Haltung sind:
eine größtmögliche Bewusstheit und Aufmerksamkeit, Klarheit und Einsichtsfähigkeit;die Förderung einer geistigen Sammlung und Ruhe;die Konzentration auf das, was jetzt ist. Das Gegenwärtige bewusst erleben;die Achtung des anderen als zentrale ethische Maxime. Sie fordert zum einfühlsamen und maßvollen Umgang mit anderen auf und leitet zum gewissenhaften Handeln an;das harmonische Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele;die Vision des Ganzseins und der allseitigen Verbundenheit.Weitere wichtige Merkmale der persönlichen Einstellung sind folgende:
Ich nehme nicht wertend wahr. Ich stelle meine Bewertungen zurück, lasse meine Vorurteile los, bin nicht voreingenommen und verurteile nicht.Ich übe mich in Mäßigung.[17]Ich rede zur rechten Zeit, übe mich in weiser Zurückhaltung und im enthaltsamen Schweigen.Ich übe mich in Gelassenheit. Somit verliere ich nicht die Übersicht in kritischen Situationen.Die zunehmende Bedeutung eines neuen Achtsamkeitstrends wird nun auch von der Wirtschaft aufgenommen. Am besten zeigt sich dieser Sinneswandel darin, dass Unternehmen das Thema Achtsamkeit systematisch in ihren Kontext und ihre Kultur inkorporieren. Das Großunternehmen Google hat ein Programm eingeführt, »Search Inside Yourself«, das auf ein achtsamkeitsbasiertes Konzept zur Förderung emotionaler Intelligenz beruht (Siyli, 2020). Grundlage des Programms sind sieben meditative Prinzipien, welche darauf abzielen, eine bewusste, fokussierte und empathische Lebenshaltung einzuüben und beizubehalten. Unterdessen wird das Programm auch von vielen anderen Firmen eingesetzt und adaptiert. Das übergeordnete Ziel ist, das Wohlbefinden jedes Einzelnen zu verbessern und damit auch die Zufriedenheit und Motivation zu erhöhen, was automatisch mit einer geringeren Fluktuation, weniger Absenzen und einer verbesserten Produktivität einhergeht. Generell kann man hier von einer Win-win-Situation sprechen, weil die Lebensqualität mit betriebswirtschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden kann. Doch was kann sich konkret verbessern?
Eine achtsame Unternehmenskultur legt auf eine verstärkte Teamresilienz Wert. Als Teamresilienz wird die Fähigkeit eines Teams bezeichnet, kritische Situationen gemeinsam erfolgreich zu bewältigen. Auch unter Druck schafft ein solches Team speditivere lösungsorientierte Ansätze.Teamresilienz zeichnet sich durch eine ausgeprägte Bereitschaft zum Lernen aus. Diese Lernkultur entsteht durch offene Kommunikation, die Bereitschaft, auch über Fehler und Schwächen zu sprechen und diese gemeinsam anzugehen.Der Fokus liegt auf positiven Beziehungen innerhalb des Teams, die auf einem großen Empathiebedürfnis beruhen.Resiliente Teams sind fähig, pragmatisch und flexibel zu sein. Sie sind fähig, zu improvisieren und die vorhandenen Ressourcen zur Problembewältigung einzusetzen.Das Gleiche gilt für die Organisation oder das Unternehmen als Ganzes. Resiliente Organisationen sind in der Lage, mit plötzlichen Änderungen oder dauerhaftem Wandel besser umzugehen als hierarchisch und autoritär geführte. Mitarbeitende, Teams und Führungskräfte haben eine ausgeprägte »Unité de doctrine«. Der Team- und gemeinsame Unternehmergeist ist nicht nur Bestandteil eines nicht gelesenen Mission-Statements, sondern die Organisation wird als ein organisches Ganzes angesehen, in welchem jede beteiligte Person ein hohes Ansehen und höchste Wertschätzung genießt. Dieses Wertesystem bietet die Basis für das Meistern schwieriger Unternehmensphasen.
Was heißt dies nun für die Führung? Wie kann man heute die Mitarbeitenden mental abholen, motivieren und möglichst produktiv einbinden? Die Aufgabe des zukünftigen Führungspersonals ist es, die Mitarbeitenden zu befähigen, aufgrund eigener Kompetenzen ihre Ziele zu erreichen und dabei ihre Tätigkeiten erfolgreich selbstständig ausführen zu können. Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas bewirken zu können, ist in höchstem Maße motiviert, selbstsicher und damit produktiv. Und dies auch, wenn Überforderung droht. Es bedeutet für die Führung, den technologischen Wandel als Gefahr ernst zu nehmen und zugleich mit Zuversicht alle verfügbaren Ressourcen zu mobilisieren. Um in dieser Spannung authentisch und souverän zu bleiben, ist Achtsamkeit unverzichtbar. »Achtsame Führung« steht für eine Führungspraxis, die auf Einfühlung, Großzügigkeit und Empowerment setzt und so Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit und Resilienz auch unter hoher Belastung fördert. Der Oberbegriff für diese Faktoren wird mit »anteilnehmender Führung« oder »Compassionate Leadership« beschrieben. Damit wird ein Anspruch formuliert, der sich an die Mitarbeitenden, wie auch an die Führungskräfte richtet. Schließlich geht es um »Compassion« und »Self-Compassion«: Wertschätzung und sorgende Zuwendung für die, die mir anvertraut sind. Es geht aber auch darum, für sich selbst Sorge zu tragen. Jegliche Führungsausbildung muss heute auf diese Faktoren ausgerichtet sein, um überhaupt zeit- und systemgerecht Personal und Prozesse steuern zu können. Kompetente Handlungen und nachhaltige Interventionen ergeben sich aus einer achtsamen Haltung. Mit anderen Worten, nicht spezielle Führungstechniken stehen im Vordergrund, sondern ressourcenorientierte Einstellungen gegenüber kompetenten selbstbestimmten Individuen. Achtsame Führung fördert die kollektive Erkenntnis, dass die Menschen untereinander verbunden sind. Sie fördert ein unterstützendes, bisweilen karitatives Verhältnis zwischen Führungsperson und Mitarbeitenden. Wichtig sind in der Führung auch Eigenschaften, die bei der Selbstführung beginnen. Selbstführung setzt einen kritischen Umgang mit der eigenen Persönlichkeit voraus. Selbstwahrnehmung in jedem Augenblick und Selbstreflexion sind dabei die Schlüsselelemente. Gelassenheit als Grundkonstante persönlicher Ausstrahlung schafft Sicherheit bei denen, die man führen soll. Vertrauen und Rücksicht schaffen die Basis für die achtsame Führung, die auch immer eine dienende Führung (»Servant Leadership«) ist. Ein achtsamer Vorgesetzter liebt seine Mitarbeitenden und lebt vor, dass Arbeit wirklich Spaß machen kann, wenn man das Vertrauen und die Freiheit bekommt, kreativ und weitestgehend selbstständig in einem Expertensystem zu arbeiten. Statusbehaftete, hierarchie- und formalisierungsorientierte Führungskräfte haben in Digitalgesellschaften keinen Platz mehr. Vielmehr verortet sich die achtsame Führung in einem Wertesystem, welches über die Attribute Klugheit, Gerechtigkeit, Zivilcourage und Maß definiert ist. Die Werte werden im Beitrag von Volker Schulte und Paul Imhof »Ethische Grundpfeiler menschendienlicher Führung« detailliert ausgeführt.
Achtsame Führung konzentriert sich auf Klarheit, Kreativität, Motivation und Mitgefühl im Dienst an anderen und in der Führung von anderen. Respekt, Unterstützung und Aspekte der positiven Psychologie wie die Förderung eines positiven Selbstwertgefühls und Selbstbildes sind die Grundlage für die Führung von Menschen.
[19]Ausgehend von diesen grundsätzlichen Überlegungen werden in diesem Buch nun weitere Kernaspekte achtsamer Führung thematisiert, welche die Ubiquität des Ansatzes verdeutlichen und welches in zwei Teile gegliedert ist.
Der erste Teil befasst sich mit den Grundlagen der achtsamen Führung. Hier werden die geschichtlichen und philosophischen Wurzeln beschrieben und es wird vor allem auch die asiatische Perspektive von achtsamer Führung durchleuchtet. Im zweiten Teil geht es um die zukünftigen Perspektiven achtsamer Führung und um Lösungsansätze, wie der Ansatz von einem theoretischen Konzept in die Realität überführt werden kann.
Volker Schulte und Susanne Hübenthal beginnen den Diskurs mit den »Wirkmechanismen von Achtsamkeit als Voraussetzung achtsamer Führung«. In diesem Kapitel beschreiben sie die Hintergründe, die Methodik und den Aufbau von Achtsamkeitsprogrammen. Dabei werfen sie einen Blick auf das weitverbreitete MBSR-Programm und nehmen dann auch Bezug auf die Ausprägungen und Ansätze des ostasiatischen Zen sowie die abendländisch, christlich konnotierten ignatianischen Exerzitien. Gerade weil der Achtsamkeitsansatz noch relativ neu ist und in traditionell geführten Organisationen durchaus Vorbehalte gegen diese neue Welle von »Soft Skills« existieren, schauen die Autoren auch auf die neuesten Ergebnisse evidenzbasierter Forschung, auf aktuelle Wirksamkeitsstudien und auf die Relevanz hinter der Anwendung.
Arie Hans Verkuil, ein Theologe und Dozent für achtsame Führung, geht den religiösen Wurzeln des Konzepts der Achtsamkeit nach und fokussiert seine Analysen und Betrachtungen auf die ethische Führung. Er schält die großen Züge von Achtsamkeit in den verschiedenen Religionen heraus und kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass bestimmte Kernaussagen verblüffend ähnlich sind. Somit kann man von einem Weltethos sprechen, wenn sich Achtsamkeitsphilosophien unmittelbar aus den großen Religionen der Welt ableiten lassen.
Volker Schulte und Paul Imhof engen den Diskurs über die Achtsamkeitsethik weiter ein und fragen sich, wie Leadership heute ethisch unterfüttert werden kann. Sie entwerfen ein einfaches und überschaubares Wertesystem, basierend auf der Tugendlehre, um die ethischen Grundpfeiler menschendienlicher Führung anwendbar zu machen.
Achtsamkeit hat ihre traditionellen Wurzeln in den asiatischen Philosophien. Daher haben die Herausgebenden viel Wert darauf gelegt, auch die asiatische Perspektive von Achtsamkeit – gerade mit dem Imperativ auf ihre aktuelle Anwendbarkeit – mit in den Diskurs zu integrieren.
Das internationale Forscherteam um Anuradha Sathiyaseelan, Balasundaram Sathiyaseelan der Christ University Bengaluru und Michael Zirkler der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften stellen ihre kürzlich erst abgeschlossenen Ergebnisse zum »Jugaad«-Ansatz [20]vor. Jugaad ist ein geläufiges Wort in den verschiedenen Sprachen des indischen Subkontinents. Es steht für eine indische Eigenart von Innovation und Kreativität, die auch unter den oft nur spärlich vorhandenen Ressourcen zu bestmöglichen Ergebnissen kommt. Jugaad kommt zunehmend als Managementtechnik zur Anwendung. Unternehmen in Südasien übernehmen Jugaad als Praxis, um Forschungs- und Entwicklungskosten zu senken und mit unkonventionellen Ansätzen die Ressourcen für ein Unternehmen und seine Stakeholder zu maximieren.
Thomas Zimmer, der als Sinologe seit mehr als 25 Jahren in Shanghai lehrt, präsentiert ein weiteres Beispiel asiatischer Achtsamkeitstradition. In seinen Betrachtungen über den »idealen Kaiser aus chinesischer Sicht« beschreibt er die konfuzianische Achtsamkeitstradition, wobei er mit scharfem Blick die heutigen Machtstrukturen im Reich der Mitte kritisch mit dieser vergleicht.
Im zweiten, anwendungsorientierten Teil unseres Diskurses fragen Christoph Steinebach, Álvaro I. Langer und Vanessa Nowak nach den möglichen Konzepten und Angeboten von Resilienz, Achtsamkeit und Führung im unternehmerischen und organisationalen Kontext. Sie beantworten, wie eine positive Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden kann, und beschreiben Angebote für deren Umsetzung in der Arbeitswelt. Zudem führen sie in die Kernbegriffe der positiven Psychologie ein, die in Zukunft zum Werkzeugkasten einer jeden achtsamen Führungsperson gehören sollte.
Klaske Veth von der Hansehochschule in Groningen untersucht in ihrem Kapitel die Arbeit und das Umfeld, in dem sich die Mitarbeitenden entfalten sollen. Dabei analysiert sie die heutigen Belastungen, denen eine Arbeitskraft heute ausgesetzt ist und fragt, wie über achtsame Führung gesundheitsförderliches Management implementiert und gelebt werden kann. Sie führt in den Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie ein und zeigt auf, wie in einem Unternehmen Ruhe, Klarheit, Konzentration, Glück und Engagement gefunden und etabliert werden können.
Martijn de Kiewit ist Leiter der Ethik- und Compliance-Abteilung einer großen internationalen Firma und ist als internationaler Berater im Governance-, Risk- und Compliancebereich tätig. Der Autor setzt sich in seinem Beitrag mit den praktischen ethischen Bezügen im Unternehmenskontext auseinander. Dabei beschreibt er unter anderem das Problem des »organisatorischen Schweigens«. Mit seiner großen Praxiserfahrung weist er auf die Dilemmata hin, in denen Führungsleute stecken. Im tagtäglichen Management gibt es Grundkonflikte, die es zu lösen gilt. Hier gibt der Autor praktische Hilfestellungen.
Kristina Bodrožić-Brnić und Thomas Thiessen befassen sich mit dem Thema der digitalen Transformation und fragen, wie Veränderungsmanagement, Führung, Innovation und Kommunikation als Schlüssel zur erfolgreichen Digitalisierung von Unternehmen im Kontext von achtsamer Führung anzuwenden sind. Zudem zeigen sie anhand der Workshop-Reihe »SparX Digitaler Mittelstand« ein Anwendungsbeispiel, wie Achtsame Führung in der digitalen Transformation konkret als Managementinstrument eingesetzt werden kann.
[21]Marc Aeschbacher und Valeria Legena reflektieren in ihrem Beitrag ein Thema, welches langsam Eingang findet in das betriebliche und individuelle Gesundheitsmanagement – das Mentaltraining. Die Autoren sind überzeugt, dass Mentaltraining als Achtsamkeitsansatz es wert ist, stärkere Aufmerksamkeit zu finden. Zunächst beschreiben sie, aus welchen Gründen Mentaltrainingstechniken bisher nicht integraler Bestandteil betrieblicher Gesundheitsmanagementprogramme sind, und gehen dann der Frage nach, wie Mentaltraining im beruflichen Alltag eingesetzt werden kann.
Jan Willem de Graaf widmet sich in seinem spannenden Beitrag der Frage von Achtsamkeit und Technologie. Die Herausgebenden haben den auf Englisch geschriebenen Originaltext mit dem Titel »Mindfulness and Technology« gekürzt und in Form eines Essays überarbeitet. Der Beitrag steht daher am Ende des Buches. Der Autor spannt einen großen philosophischen und anthropologischen Bogen rund um das Thema Achtsamkeit im technologischen Kontext und diskutiert, wie sich die Entwicklung automatisierter Verhaltens- und Denkschemata in Verbindung mit (technologischer) Erfahrung auf den Menschen auswirkt. Schließlich wird Achtsamkeit als eine Technik beschrieben, mit der man sich sowohl von der Unmittelbarkeit der bereits eingefahrenen Verhaltens- und kognitiven Schemata (Gehirn, Psychologie) als auch vom »diktierenden« technologischen Kontext (Technologie) distanzieren kann.
In einer letzten kurzen Stellungnahme wagen die Herausgebenden einen Ausblick auf die Ansprüche an die Führung von morgen. Dabei beschreiben sie die Herausforderungen an zukünftiges Sozialkapital und die Dominanz digitalisierter humaner Netzwerke.
Horváth, Ö. von (1978). Gesammelte Werke, Bd. 3. Berlin: Suhrkamp.
Hugentobler, W., Schaufelbühl, K. & Blatter, M. (2020). Integrale Betriebswirtschaftslehre, 7., überarbeitete Auflage, Zürich: Orell Füssli.
Kabat-Zinn, J. (2013). Gesund durch Meditation: Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR. OW Barth eBook.
Nell-Breuning, O. (1984). Worauf es mir ankommt. Freiburg: Herder.
Schulte, V., Steinebach, C., Verkuil, A. H. & Hübenthal, S. (2020). Studie zur Umstellung auf Homeoffice in der Schweiz während der Covid19 Krise. https://www.fhnw.ch/de/die-fhnw/hochschulen/hsw/media-newsroom/news/die-mehrheit-fuehlt-sich-wohl-im-homeoffice/media/studie-erhebungumstellung-auf-homeoffice-17042020.pdf, letzter Abruf am 05.12.2020.
Siyli (2020). Search Inside Yourself Leadership Institute.https://siyli.org/, letzter Abruf am 21.10.2020.
Volker Schulte & Susanne Hübenthal
Will man sich eingehend mit Konzepten der achtsamen Führung befassen, kommt der sich Interessierende nicht darum herum, die Vorgeschichte und die Voraussetzung von achtsamer Führung anzuschauen. In ihr steckt die Philosophie, ja, eine ganze Lebenseinstellung, die einen theoretischen Unterbau für die achtsame Führungspraxis liefert. Verschiedene philosophische und religiöse Traditionen bieten theoretisch-hermeneutisch wie praktisch-anwendungsbezogen die Möglichkeit, sich den ethischen und salutogenetischen Dimensionen von Achtsamkeit zu nähern. In allen Religionen und Kulturen existieren lange Traditionen, durch meditative und kontemplative Übung spirituell zu wachsen, sein Bewusstsein zu erweitern und gleichzeitig in eine andere Welt einzutauchen. Dabei wird das materielle Ego des Menschen zurückgebunden, um eine Brücke zum Ewigen zu finden. Die starke Ichbezogenheit ist das Übel, welches in allen spirituellen Traditionen zu Leid führt.
In diesem Kapitel werden die Hintergründe, die Methodik und der Aufbau von Achtsamkeitsprogrammen analysiert. Zudem schauen wir auf die evidenzbasierte Forschung, auf aktuelle Wirksamkeitsstudien und auf die Relevanz hinter der Anwendung.
In den letzten Jahren hat das Interesse an Achtsamkeit und achtsamkeitsbasierenden Interventionen und Therapien in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens zugenommen. Es gibt immer mehr Veröffentlichungen zu diesem Thema. Einige empirische Studien und Metaanalysen haben bereits die Wirkung der Achtsamkeit untersucht und auch belegen können (American Mindfulness Research Association, 2019; Lutz et al., 2004).
Im Mittelpunkt jeglicher Achtsamkeitspraxis steht nicht das rationale, kognitive Erfassen des Sachgegenstands, sondern das Erleben über die kontinuierliche meditative Übung. Der Psychologe und Neurowissenschaftler Ulrich Ott beschreibt hierzu fünf Dimensionen: Die rein körperliche, materielle Ebene (1) bezieht sich auf die richtige Körperposition und die damit verbundene stabile Haltung. Die sogenannte vitale Ebene (2) macht die Atmung bewusst und beeinflusst die biologischen Regelprozesse. Beim Einatmen wird der Herzschlag schneller und beim Ausatmen verlangsamt er sich. Bei der emotionalen Ebene (3) stehen Körperempfindungen und die damit verbundenen Gefühle im Zentrum, die hingenommen und nicht bewertet werden. Die gedankliche Ebene (4) fokussiert auf die distanzierte und neutrale Wahrnehmung des rastlosen Geistes und möchte diesen zur Ruhe bringen. Schlussendlich findet auf der Ebene [26]der Nicht-Dualität (5) der eigentliche Perspektivenwechsel statt. Das im Zentrum stehende Ego wird durch die Transzendenz von Subjekt und Objekt aufgelöst. Das uns vertraute Ich in der Form, wie wir es bisher als Zentrum unseres Erlebens und Handelns kennen, hört vorübergehend auf zu existieren (Ott, 2011).
Bereits Ende der 1970er-Jahre wurde an der Stress Reduction Clinic von Massachusetts, USA, ein kognitiver Ansatz entwickelt, der mittlerweile zu einem der bekanntesten Achtsamkeitsprogramme gehört und weltweit umgesetzt wird. MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction und wird in der Regel mit Stressbewältigung durch Achtsamkeit (Kabat-Zinn, 2013) übersetzt. Es ist das erste Stressreduktionsprogramm, das formale Mindfulness-Meditation in einem standardisierten klinischen Setting und frei von religiösen Traditionen vermittelt. Das auf der Schulung von Achtsamkeit basierende Programm verbessert den Umgang mit Stress und hat zudem eine positive Auswirkung auf das Wohlbefinden. In verschiedenen Metaanalysen konnte die positive Wirkung von MBSR auf gesundheitliche Faktoren wie Wohlbefinden, psychische und körperliche Gesundheit nachgewiesen werden, wenn auch nicht jede Studie streng evidenzbasiert ist (Baer et al., 2006).
Das Ursprungskonzept der theoretischen Grundlagen stammt aus dem Buddhismus. Genauer gesagt orientiert sich MBSR größtenteils an den grundsätzlichen Zielen, Prinzipien und Vorgehensweisen traditioneller Einsichtsmeditation (Vipassana-Meditation). Anfänglich wurde das MBSR-Kursprogramm als Hilfe für Patienten mit chronischen, nicht weiter behandelbaren Schmerzen eingesetzt. Da ein signifikanter Erfolg festgestellt wurde, erweiterte das Team um Kabat-Zinn dann sukzessive den MBSR-Ansatz auf andere Personengruppen, die zwar nicht krank waren, aber Stressindikatoren aufwiesen. Auch dort zeigten sich bemerkenswerte Erfolge. MBSR ermöglicht den Teilnehmenden eine effektivere Bewältigung von Stresssituationen und beugt psychischen Belastungen vor. Dieser Erfolg ist evidenzbasiert. In diesem Sinne ist MBSR eine nichtesoterische, konfessionell neutrale bzw. säkulare Methode der Kontemplation.
Indem Kabat-Zinn die östliche Tradition mit wissenschaftlichen Belegen stützte, hat er maßgeblich zur Popularität von Achtsamkeit in der westlichen Welt beigetragen. Im MBSR-Programm geht es darum, die Fähigkeiten des Fokussierens und des Gewahrseins zu schärfen, was dann wiederum Ablenkungen ausblenden soll. Momente, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen werden somit bewusst gemacht und die menschliche Angewohnheit, immer abzuschweifen, kann auf diese Weise wahrgenommen und unterbrochen werden.
[27]Achtsamkeitsübungen helfen, sogenannte Ruminationen, Grübeleien, aufzudecken und diese dann bewusst nicht weiter zu beschreiten, sondern in die bewusste Präsenz zurückzukehren. Rumination ist eine Form des Nachdenkens, bei dem die Gedanken um einen oder mehrere (problematische) Sachverhalte oder Einbildungen kreisen, ohne dabei eine Lösung zu generieren. Dieses Grübeln lenkt die Aufmerksamkeit von dem Augenblick ab und kann verunsichern. Die Grübeleien sind meistens mit Ängsten und Problemen befrachtet und können Zukünftiges wie Vergangenes beinhalten. Achtsamkeitsübungen bringen den Menschen in das Hier und Jetzt. Meditationen eröffnen das tiefe Empfinden für das Selbst. Wir nehmen alles um uns herum bewusst wahr und konzentrieren uns auf das, was ist, was unseren Handlungsspielraum erweitert (MBSR-Verband Schweiz, 2020).
Hölzel et al. (2011b) analysierten das emotional-physiologische Geschehen einer Achtsamkeitsübung. Während des Meditierens bewirkt ein Reiz oder Stressor eine emotionale Reaktion. Die meditierende Person kann nun bewusst dieses Gefühl und seine physiologischen Auswirkungen wahrnehmen.
MBSR-Kurse sind patentiert und sind nach einem festgefügten Schema strukturiert. Zunächst wird in einem vorbereitenden Gespräch über Fragen und Ziele diskutiert. Hier findet die eigentliche Sensibilisierung statt, denn dem Teilnehmenden wird einiges abverlangt. Der zukünftige Kursteilnehmende muss sich aktiv einbringen und über tägliches, regelmäßiges Üben ein Gefühl für den Sinn von Meditationen und vor allem ihrer Wirkungen erfahren. Die Kurstage werden über acht Wochen verteilt. Pro Kurstag müssen bis zu drei Stunden eingeplant werden. Ein weiterer ganzer Tag der Stille, in der Regel ein Samstag, rundet das Programm ab (Meibert et al., 2006, S. 166–187).
In den wöchentlichen Treffen werden verschiedene Achtsamkeitsübungen vorgestellt und eingeübt, zum Beispiel der Body Scan, niederschwellige Yogatrainings sowie Sitz- und Gehmeditationen, angeleitet vom MBSR-Lehrenden (Meibert et al., 2006, S. 166). Zielführend ist dann dieses Üben nur bei kontinuierlichem Weiterüben zwischen den Kurstagen. Dabei werden die Teilnehmenden eng begleitet und können ihre Erfahrungen austauschen. Neben diesen formellen Übungen soll Achtsamkeit auch informell, d. h. im Kleinen, eingeübt werden. Die Kursteilnehmenden sind angehalten, im Alltäglichen, in jedem Tun und Handeln eine achtsame Haltung einzunehmen und sich selbst zu beobachten (Meibert et al., 2006, S. 166). Empfindungen, Gefühle und andere körperliche wie psychische Reaktionen sollen bewusst wahrgenommen werden.
»Mit der Zeit und bei regelmäßiger Übung kann es dann gelingen, Phasen von tiefer innerer Ruhe und Konzentrationskraft zu erleben« (Meibert et al., 2006, S. 173). Erfahrungen werden dann nach und nach mit dem täglichen Üben anders wahrgenommen und vor allem auch [28]anders interpretiert. »Mit der Zeit können wir neue Sichtweisen über unsere automatisch ablaufenden Reaktionen entwickeln und erkennen, dass sowohl die angenehmen als auch die unangenehmen Erfahrungen gleichbedeutend sind und zum Leben gehören. Diese Erkenntnis in der Tiefe kann uns zu mehr Gleichmut, Klarheit und kreativen Handlungsmöglichkeiten führen« (Meibert et al., 2006, S. 174). Die psychischen und körperlichen Ressourcen werden nachgewiesenermaßen bereits mit einem MBSR-Kurs gestärkt. Die Teilnehmenden haben eine verbesserte Resilienz, was ihnen hilft, mit der täglichen Übungspraxis fortzufahren.
Gerade Anfänger müssen lernen, diszipliniert mit dem Training fortzufahren. Dabei müssen sie auch aufpassen, nicht in alte Muster zu fallen. »Achtsam sein heißt nichts anderes als aufmerksam auf alles zu achten und die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Es geht nicht darum, irgendetwas zu ändern« (Kabat-Zinn, 2013, S. 67).
Laut Kabat-Zinn (2013) sind folgende sieben voneinander unabhängige Faktoren wichtig für die Beschreibung der inneren Haltung, wobei ein Faktor zum nächsten führt und diese dann die Grundlage für die Achtsamkeitspraxis bilden:
Nicht-Beurteilen: Nicht-Beurteilen heißt, nicht alles und jedes gleich bewerten und beurteilen zu müssen. Man sollte eher die Rolle des Beobachters einnehmen (Kabat-Zinn, 2013, S. 69–70).Geduld: Geduld ist einübbar. Alles braucht seine Zeit und wird irgendwann einmal reif (Kabat-Zinn, 2013, S. 70). Geduld schafft Freiheit und Raum, weil man offener ist für das, was jetzt ist.Den Geist des Anfängers bewahren: Mit dem »Geist des Anfängers« bewundern wir Dinge, die wir bisher schon kannten, aber nicht mehr bewusst wahrgenommen hatten. Dieser Geist lässt uns neue Erfahrungen erschließen und hilft uns, uns erneut für Dinge zu sensibilisieren und zu begeistern (Kabat-Zinn, 2013, S. 71).Vertrauen: Es geht hierbei in erster Linie um den Aufbau von Selbstvertrauen. Nur wenn ich mir selbst vertraue, trauen mir auch andere und kann ich anderen vertrauen (Kabat-Zinn, 2013, S. 72).Nicht-Erzwingen: Alles darf seine Zeit haben. »Aktives Nichtstun«, die Schaffung von sogenannten »Empty Action Spaces« (Terminus der Verfasser dieses Beitrags), schenkt uns die Ruhe und Entspannung, nichts unbedingt bewirken zu wollen oder in schnelle Handlungen einzutreten (Kabat-Zinn, 2013, S. 73).Akzeptanz: Akzeptanz bedeutet ähnlich wie beim Vertrauen erst einmal Selbstakzeptanz. Zudem soll eingeübt werden, auch anderen gegenüber Akzeptanz zu zeigen und verschiedene Ansichten und Einstellungen zu akzeptieren (Kabat-Zinn, 2013, S. 75).Loslassen: Loslassen bedeutet, sich dessen zu gewärtigen, was ist. Es bedeutet zudem, nicht gegen Unveränderbares anzukämpfen (Kabat-Zinn, 2013, S. 76).[29]Weitere Achtsamkeitsattribute sind jene, die sich unter dem Oberbegriff der Empathie subsumieren lassen, wie Rücksichtnahme, Großzügigkeit, Versöhnlichkeit, Wohlwollen, Gelassenheit, Mitleid und Mitfreude.
Vor allem der verbreitete Egozentrismus weicht einem zurückhaltenden Selbst. Ein Meditierender stellt sich nicht mehr permanent in den Mittelpunkt. Diese Ichbezogenheit ist kein Phänomen unserer Moderne. Bereits Montesquieu ärgerte sich über seine Zeitgenossen, als er sagte: »Ich beobachte überall Leute, die unaufhörlich von sich selbst sprechen. Ihre Gespräche sind wie ein Spiegel, in denen immerzu ihre aufdringliche Gestalt erscheint. Sie reden von den geringfügigsten Dingen, die ihnen zugestoßen sind, und meinen, das Interesse, das sie daran haben, mache sie in unseren Augen bedeutender« (Montesquieu, zitiert nach Wickert, 1995, S. 698).
Eine zusätzliche Annäherung an die Achtsamkeitsdimension kann über das Zen erreicht werden. Sinn und Zweck von Zen zu beschreiben, entspricht der Quadratur des Kreises. Zen kann durch Begriffe kaum vermittelt werden. Wenn man sich überhaupt an eine hermeneutische Durchdringung des Themas wagt, geschieht dies traditionellerweise mittels Metaphorik und Erzählung. Zur Praxis und den Grenzen der hermeneutischen Durchdringung des Zen und seiner Grenzen weist der Zen-Meister und Achtsamkeitsforscher Michael von Brück darauf hin, dass Sinneseindrücke und Begriffe, welche diese beschreiben wollen, vom Bewusstsein selbst hervorgebracht werden. Das Problem besteht nun im Zen und in den verschiedenen buddhistischen Lehren darin, dass der Mensch diese Begriffsbildung für das Wirkliche hält und damit einen Zerrspiegel dessen sieht, was ist. Die Wahrnehmung ist in dem Fall dualistisch, nämlich getrennt, basierend auf Beurteilungen und verengten Sichtweisen. Es handelt sich eher um Projektionen der Wirklichkeit (Brück, 2006, 2016).
Zen ist, wissenschaftlich betrachtet, zunächst einmal ein Teil der asiatisch-buddhistischen Religionsgeschichte. Für unsere Analyse ist das allerdings sekundär, weshalb wir dem religionsgeschichtlichen Teil nur eine Randnote einräumen. Für uns ist die Synkretisierung von Buddhismus und Konfuzianismus sowie Taoismus aufgrund der ethischen Implikationen wichtiger. Vor allem Letzterer mit seinem Ideal des Handelns im Nichthandeln (chin.: wu-wei) sowie seiner Lehre, dass sich das Sein auf das Nicht-Sein zurückführen lasse, ist für das Verstehen von Zen relevant. Das Gleiche gilt für den Konfuzianismus, der sowohl moralische wie ethische Standards und Wegmarken setzte. Die Überformung und Durchdringung aller drei Ansätze führte zu einem taoistisch beeinflussten Buddhismus, indem der Fokus des Glaubens an die Reinkarnation auf das Diesseits mit einer Freiheit des Bewusstseins verlegt wurde, wie es im [30]Zen deutlich zutage tritt. Zen ist heute und in unserem Kontext an erster Stelle eine Übungspraxis, die nur bedingt als spirituell angesehen werden kann, da kein Gott verehrt wird. Andererseits wird eine Transzendenzerfahrung durch die Zen-Meditation nicht ausgeschlossen. Zen beansprucht, durch unmittelbare Einsicht in die Wirklichkeit das Geheimnis von Leben und Tod im zeitfreien Augenblick einer Erfahrung lösen zu können. Diese Erfahrung wird Erwachen oder Erleuchtung genannt (jap.: kensho). Das Erwachen ändert die Wahrnehmung der Welt vollständig. Zen lehrt keine Askese, sondern vermittelt, wie der Mensch sinnlich und sinnvoll in der Welt leben kann. Mit Zen kommen wir ganz nah an die Übungspraxis von MBSR, die sich wiederum direkt aus den Traditionen des Zen ableitet. Selbstdisziplin und achtsamer Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld sind die Voraussetzung für die Zen-Praxis. Die Meditation ist dabei nur eine Übung unter vielen. Es geht vielmehr darum, dass jedes Verhalten und jede Aktivität des Menschen zu einer konkreten Übung der Achtsamkeit wird (Brück, 2016).
Die Praxis des Zen vollzieht sich in mehreren Schritten:
Durch die Konzentration auf eine unabdingbar korrekte Sitzhaltung und das Fokussieren auf den Atem werden psychosomatische Energien freigesetzt und gebündelt.Damit wird eine Achtsamkeit aufgebaut, die sich nicht auf bestimmte Sinneswahrnehmungen oder Dinge konzentriert, sondern eine Wahrnehmung des räumlichen Umfelds, der Umgebung aufbaut.Mit den vollzogenen Schritten 1 und 2 wird durch Meditation eine Wachsamkeit erzielt, die eine Erkenntnis schafft, indem sie die Dinge vermittelt, wie sie sind, und nicht, wie wir sie interpretieren.Mit dieser Übungspraxis werden in einem meist unerwartet und plötzlich erlebten Durchbruch (kensho) alle Dualitäten und Widersprüche aufgelöst, die das rationale Bewusstsein kennzeichnen. Die Vielfalt der Dinge und Gegebenheiten erscheint als ein stimmiges Ganzes. All dies wird mit einer überdeutlichen Klarheit und als tiefstes Glück wahrgenommen. Zen lehrt, dass sich damit das Wesen der Wirklichkeit jenseits von Leben und Sterben in genau diesem Augenblick eröffnet.
Die »Ich«-Identität geht in ein überindividuelles »Selbst« über, welches sich dann uneigennützig in einem achtsamen Leben darstellt.
Wenn es um Gedanken geht, wird uns die Schwierigkeit bewusst, grundtragende Elemente des Zen mittels Worten zu beschreiben. Hermeneutik und Begrifflichkeit sind Schatten dessen, was Zen uns beibringen (nicht sagen) will. Beim Zen kommt es darauf an, die auf uns einprasselnden Gedanken loszuwerden. Dabei soll weder in Meditation ein Trancezustand erreicht noch eine [31]Gedankenleere, ein gedankliches Vakuum erzielt werden. Vielmehr geht es darum, Gedanken weiterziehen zu lassen, die uns eine Wirklichkeit vorspiegeln, die keine ist. Das als nicht weiter anzweifelbare Prinzip des Descartes’schen Satzes »Cogito, ergo sum« (Descartes, 1996, S. 55) ist nach Vorstellungen des Zen falsch und irreführend, denn es handelt sich nur um Begriffsbilder, die durch Sinneseindrücke geclustert und dann von uns interpretiert werden. Sie repräsentieren Teilbereiche von etwas Wahrgenommenem, also Begriffe, die von uns als das Wirkliche, Echte interpretiert werden. Buddhistische Schulen, so auch das Zen, lehren uns, dass genau hier der Fehler begangen wird, weil unsere Sinneseindrücke als Wirklichkeit wahrgenommen werden, mit Beurteilungen und Festlegungen, die einen Dualismus, eine Trennung des »Ich« von der Umwelt schaffen. Die Zen-Übungen sollen nun bewirken, dass das Bewusstsein frei werden kann, indem das Aufnehmen, Verarbeiten und Interpretieren der ständig auf uns einprasselnden Sinneseindrücke unterbrochen wird. Stattdessen konzentriert sich das Bewusstsein auf sich selbst, auf ein achtsames Gewahrsein seiner Umgebung, ohne alles vom »Ich« her beurteilen und interpretieren zu wollen. Wenn ein Gedankengang festgehalten wird, haften sich andere Gedanken an und schon produziert sich wie bei einer Koagulation eine (Gedanken-)Kette. Das Nicht-Anhaften der Gedanken ist die Grundlage für das Erkennen dessen, was wirklich ist.
Die Übung selbst besteht in stundenlangem, von kurzen Pausen durchbrochenem reglosem Sitzen mit aufrechter Wirbelsäule (Zazen), bei dem der Atem völlig beruhigt wird. Wohlgemerkt handelt es sich hier nicht um ein Untätigsein, sondern es ist die Leibarbeit, die sich in korrekter Körperhaltung ausdrückt. Nur im reglosen Sitzen kann sich das Göttliche im Menschen entwickeln, wobei das richtige Sitzen den Menschen in seinem Weltbezug erfassen und harmonisieren soll.
