Äderung - Carmen Gauger - E-Book

Äderung E-Book

Carmen Gauger

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Beschreibung

Carmen Gaugers Gedichte widmen sich charakteristischen Themen, darunter: Jahreszeiten (wobei der Mensch als Teil der Natur erscheint); Lebensabschnitte (die sich jeweils mit Erinnerungen, Hoffnungen, Irrtümern verbinden) oder unmittelbare gesellschaftliche Wirklichkeit. Dabei wird dem emotionalen Befinden des lyrischen Ichs inmitten heutiger Widersprüche ebenso nachgefragt, wie mittels Reflexion auf soziale, kulturelle und politische Ereignisse Bezug genommen ist. In der Darstellung tritt neben das schildernde Einbeziehen von Gegebenheiten (etwa der eigenen Biografie auch der historischer Persönlichkeiten, darunter vor allem Komponisten, Maler und Schriftsteller) die Bezugnahme auf mythologische Figuren als gleichnishafte Handlungsträger. Gerade durch Letzteres werden die Texte äußerst vielschichtig, weisen über den Gegenwartsstandort hinaus und schaffen ein Geflecht von zeitlichen, aber auch vor- und überzeitlichen Bezügen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 25

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Carmen Gauger, 1952 in Dornreichenbach geboren, studierte Pädagogik in Zwickau, ehe sie an verschiedenen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns als Lehrerin, Mentorin und Chorleiterin tätig wurde. Schon als junges Mädchen schrieb sie Geschichten und Gedichte. Ihr besonderes Interesse galt Märchen, Sagen, später psychologischen und biographischen Romanen und Schriften.

Wunschkästlein (Kinderbuch) veröffentlichte sie 1997. Seitdem findet man in verschiedenen Anthologien Carmen Gaugers Erzählungen und Gedichte.

Im Jahr 1999 belegte sie den 2. Platz im Literaturwettbewerb Neuland des Freien Deutschen Autorenverbandes Mecklenburg-Vorpommerns. 2011 verlieh man ihr bei der Berliner Friedenslesung den 3. Preis.

2012 erschienen Äderung (Gedichte) in erster Auflage, 2019 Windungen (Gedichte), 2020 Schwesternschere (Roman) und 2025 in zweiter Auflage Windungen.

Für Nora, Vera und Wilhelm

Inhalt

Wildapfelbaum

Linden

Cherub

Schnee

Nach dem Winter

Alles Grün

Das Urteil des Paris

Juni

Am Teich

Verbindliches Allzuverbindliches

Kindheit

Jugend

Abnabelung

Alter

Alles geschieht

Aids

Strandgut

Zeit

Rigide

Ringe

Verunsicherung

Jemand

Hure Kommerz

Kopfkino

Verderber

Nachts und tags

Es

Wind

Superstar

Alternative

November

Januar

Februar

März

Bach

Beethoven

Schumann

Chopin

Mahler

Rilke

Jazz

Celan

Fallada

Christo

Gustave Moreau

Der Poet

Die Jury

Armut

Janus

Mobile tempi

Wildapfelbaum

Schlanke Stämmchen spalieren

feldsäumend auf schmaler Allee

jenen wilden Apfelbaum

der jährlich die Vögel rief

und mit rotweißen Blüten

auf kahlen spitzen Stielen

dem Urahn Frühling verhieß

Bienenweide seine Krone

Unter schattigem Laubdach

tanzten kleine Holzäpfel

dankbar den Erntereigen

mit den Kindern des Gutes

ehe auf ihre Schürzen

die Gabe des Baumes fiel

Jegliche Wetter schlugen

schwächten den wilden Apfel

der mit knorrigen Armen

und verdornenden Fingern

die ihn vorm Wild schirmenden

Büsche und Sträucher schützte

Als seine graubraune Rinde riss

stieß er den Rumpf erdwärts

wie ein vom Wetter gegerbter

ausgedienter Tagelöhner

sich festklammernd am Leben

das er Jahrhunderte hielt

Ein Schauspiel den Gaffern

die auch den Sterbenden

im Netz leuchtend ausstellen

Auf dem geborstenen Stamm

Sprösslinge der Voyeure

triumphierend wie Sieger

Als ich gestern den Baum sah

auseinandergebrochen

wusste ich

die schmächtigen Stämmchen

werden sich seiner erinnern

mit großen Äpfeln werfend

Linden

Auf meinem Wanderweg

tret ich ins kühle Längshaus ein

besäult von Linden

dreimal so alt wie ich

Und ihre Wurzeln brüten schon am Seitenschiff

und ihre Früchte warten auf den Wind

um anderswo ein neues Haus zu gründen

Doch selten findest du die eine

die Dörflern neugierig

Dach und Podest gewesen ist

Wo man auf Brautschau ging

und seiner Liebsten eine Myrte flocht

Wo eine Obrigkeit die Säumigen zur Ordnung rief

und mit dem Schwerte richtete

Der Blütenduft der Linde hat manches Urteil mildern können

Nach Kriegen pflanzt’ man eine Friedenslinde

den Baum der Liebe und der Eintracht

Und aus der Freya Linde wurd’ lignum sacrum

im Rosenkranz Maria

des Riemenschneiders letztes Bild

zu dem wir steigen

mühselig und beladen