ADHS und komorbide Erkrankungen -  - E-Book

ADHS und komorbide Erkrankungen E-Book

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Beschreibung

Mit Beiträgen von Christine M. Freitag, Alexander von Gontard, Sabine C. Herpertz, Wolfgang Retz, Aribert Rothenberger, Andreas Warnke u.a. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen. Auch im Erwachsenenalter leiden noch bis zu 50 Prozent der Betroffenen unter dem charakteristischen Symptomkomplex aus Unaufmerksamkeit, motorischer Unruhe und Impulsivität. Die differentialdiagnostische Abklärung des Krankheitsbildes ist wegen der geringen Spezifität der einzelnen Symptome und der hohen Komorbidität mit weiteren psychiatrischen Leiden oftmals schwierig. In diesem Buch nehmen namhafte Fachleute zu wichtigen Differentialdiagnosen und Begleiterkrankungen bei ADHS Stellung. Der enge Bezug von Diagnostik und Therapie macht das Werk zu einem wertvollen Hilfsmittel für alle Berufsgruppen, die an der Behandlung von ADHS-Patienten jeden Alters beteiligt sind.

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Mit Beiträgen von Christine M. Freitag, Alexander von Gontard, Sabine C. Herpertz, Wolfgang Retz, Aribert Rothenberger, Andreas Warnke u.a. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen. Auch im Erwachsenenalter leiden noch bis zu 50 Prozent der Betroffenen unter dem charakteristischen Symptomkomplex aus Unaufmerksamkeit, motorischer Unruhe und Impulsivität. Die differentialdiagnostische Abklärung des Krankheitsbildes ist wegen der geringen Spezifität der einzelnen Symptome und der hohen Komorbidität mit weiteren psychiatrischen Leiden oftmals schwierig. In diesem Buch nehmen namhafte Fachleute zu wichtigen Differentialdiagnosen und Begleiterkrankungen bei ADHS Stellung. Der enge Bezug von Diagnostik und Therapie macht das Werk zu einem wertvollen Hilfsmittel für alle Berufsgruppen, die an der Behandlung von ADHS-Patienten jeden Alters beteiligt sind.

PD Dr. Christine M. Freitag ist Oberärztin und Wissenschaftliche Assistentin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Hamburg, Prof. Dr. Wolfgang Retz ist Oberarzt, Psychiater und Psychotherapeut am Neurozentrum des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg.

Wichtiger Hinweis:

Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.

Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.

Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.

Christine M. Freitag Wolfgang Retz (Hrsg.)

ADHS und komorbide Erkrankungen

Neurobiologische Grundlagen und diagnostisch-therapeutische Praxis bei Kindern und Erwachsenen

Mit Beiträgen von Tobias Banaschewski, Andreas Becker, Katja Becker, Günter Esser, Christine M. Freitag, Alexander von Gontard, Sabine C. Herpertz, Christian P. Jacob, Monika Johann, Katrin Lampe, Rainer Laufkötter, Klaus-Peter Lesch, Wolfgang Retz, Michael Rösler, Veit Roessner, Aribert Rothenberger, Harald Scherk, Martin H. Schmidt, Jutta Schmitt, Christina Schwenck, Jürgen Staedt, Monika Vogelgesang, SusanneWalitza, Andreas Warnke, Norbert Wodarz, Anne Wyschkon

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikrofilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

1. Auflage 2007 Alle Rechte vorbehalten © 2007 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN: 978-3-17-019081-8

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-026579-0

epub:

978-3-17-027322-1

mobi:

978-3-17-027323-8

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Vorwort

I Komorbidität bei ADHS: Verlaufsuntersuchungen und neurobiologische Grundlagen

1 Neurobiologie der Komorbidität des ADHSChristian P. Jacob und Klaus-Peter Lesch

1.1 Komorbidität auf Achse-I

1.2 Komorbidität mit Achse-II-Störungen

1.3 Neurobiologische Grundlagen

1.4 Endophänotypen

2 Komorbide Störungen bei ADHS im Kindes- und Jugendalter und ihre TherapieChristina Schwenck, SusanneWalitza und AndreasWarnke

2.1 ADHS und Störung des Sozialverhaltens/oppositionelles Trotzverhalten

2.2 ADHS und Angststörungen

2.3 ADHS und Depression

2.4 ADHS und Sucht

2.5 ADHS und andere Störungen im Kindes- und Jugendalter

2.6 ADHS und multiple Komorbiditäten

3 Bedeutung komorbider Störungen im Kindesalter für den Langzeitverlauf der ADHSAnne Wyschkon und Günter Esser

3.1 Störungen des Sozialverhaltens

3.2 Depressive Störungen und Angststörungen

3.3 Umschriebene Entwicklungsstörungen

3.4 Ergebnisse eigener Analysen

II ADHS und Entwicklungsstörungen

4 ADHS und AusscheidungsstörungenAlexander von Gontard

4.1 Kinder mit ADHS/HKS

4.2 Kinder mit Enuresis

4.3 Mögliche Zusammenhänge

5 Tic-Störungen und ADHSVeit Roessner, Andreas Becker, Tobias Banaschewski und Aribert Rothenberger

5.1 Basisinformationen zu Tic-Störungen

5.2 Tic-Störungen als Differentialdiagnose zu ADHS

5.3 Tic-Störungen als Komorbidität von ADHS

6 ADHS und autistische Störungen – Komorbidität oder Differentialdiagnose?Christine M. Freitag

6.1 Diagnostische Kriterien und überlappende klinische Symptome

6.2 Neuropsychologische Modelle

6.3 Genetische Modelle

6.4 Differentielle Therapie

7 ADHS und Restless Legs-SyndromJürgen Staedt

7.1 Restless Legs-Syndrom

7.2 ADHS und Restless Legs-Syndrom

7.3 Therapie

III ADHS, Persönlichkeitsentwicklung und affektive Störungen

8 ADHS – Störung des Sozialverhaltens – Antisoziale PersönlichkeitsstörungMichael Rösler

8.1 Was bewirkt ADHS im sozialen Leben?

8.2 Prävalenz von ADHS in kriminologischen und forensischen Populationen

8.3 Welche Zusammenhänge sind zwischen ADHS und CD gefunden worden?

8.4 Der Verlauf der ADHS in seinen Beziehungen zur CD

8.5 ADHS und Deliktstruktur

8.6 ADHS und Psychopathy

9 Vergleichende neuropsychologische Ergebnisse zur ADHS im Erwachsenenalter und Borderline Persönlichkeitsstörung – Implikationen für komorbide StörungenKatrin Lampe und Sabine C. Herpertz

9.1 Eigene Studie

9.2 Stichprobe

9.3 Neuropsychologische Verfahren

9.4 Statistische Methoden

9.5 Ergebnisse und Interpretation

9.6 Schlussfolgerungen

10 ADHS und affektive Erkrankungen im ErwachsenenalterHarald Scherk

10.1 Prävalenz von ADHS und affektiven Störungen

10.2 Symptomatik von ADHS und affektiven Störungen

10.3 Krankheitsausbruch von ADHS und affektiven Störungen

10.4 Komorbidität bei erwachsenen Patienten

IV ADHS und Sucht

11 ADHS und AlkoholabhängigkeitNorbertWodarz, Rainer Laufkötter und Monika Johann

11.1 Frühe Befunde

11.2 ADHS und Substanzmissbrauch/-abhängigkeit

12 ADHS und Substanzmissbrauch, einschließlich NikotinKatja Becker und Martin H. Schmidt

12.1 ADHS und Rauchen

12.2 ADHS und illegale Drogen

12.3 Haben mit Stimulanzien behandelte Kinder mit ADHS ein erhöhtes Risiko, eine Suchterkrankung zu entwickeln?

13 ADHS und pathologisches GlücksspielWolfgang Retz, Jutta Schmitt, Monika Vogelgesang und Michael Rösler

13.1 Was ist „pathologisches Glücksspiel“?

13.2 Gibt es einen Zusammenhang zwischen ADHS und pathologischem Glücksspiel?

13.3 Untersuchung zur Prävalenz von ADHS bei pathologischen Spielern

13.4 Therapeutische Überlegungen

Stichwortverzeichnis

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Professor Dr. Dr. Tobias Banaschewski

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

68159 Mannheim

Andreas Becker

Zentrum für Psychosoziale Medizin

Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Von-Siebold-Straße 5

37075 Göttingen

Priv.-Doz. Dr. Katja Becker

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

68159 Mannheim

Professor Dr. Günter Esser

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Universität Potsdam

Komplex 2

Karl-Liebknecht-Straße 24–25

14476 Potsdam-Golm

Priv.-Doz. Dr. Christine M. Freitag

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Universitätsklinikum des Saarlandes

66421 Homburg

Professor Dr. Alexander von Gontard

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Universitätsklinikum des Saarlandes

66421 Homburg

Professor Dr. Sabine C. Herpertz

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock

Gehlsheimer Straße 20

18147 Rostock

Dr. Christian P. Jacob

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bayerische Julius-Maximilians-Universität

Füchsleinstraße 15

97080 Würzburg

Dr. Monika Johann

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universität Regensburg am Bezirksklinikum

Universitätsstraße 84

93042 Regensburg

Katrin Lampe

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock

Gehlsheimer Straße 20

18147 Rostock

Dr. Rainer Laufkötter

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universität Regensburg am Bezirksklinikum

Universitätsstraße 84

93042 Regensburg

Professor Dr. Klaus-Peter Lesch

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bayerische Julius-Maximilians-Universität

Füchsleinstraße 15

97080 Würzburg

Professor Dr. Wolfgang Retz

Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie

Universität des Saarlandes

66421 Homburg

Professor Dr. Michael Rösler

Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie

Universität des Saarlandes

66421 Homburg

Dr. Veit Roessner

Zentrum für Psychosoziale Medizin

Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Von-Siebold-Straße 5

37075 Göttingen

Professor Dr. Aribert Rothenberger

Zentrum für Psychosoziale Medizin

Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Von-Siebold-Straße 5

37075 Göttingen

Dr. Harald Scherk

Zentrum für Psychosoziale Medizin

Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie

Von-Siebold-Straße 5

37075 Göttingen

Professor Dr. Dr. Martin H. Schmidt

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

68159 Mannheim

Jutta Schmitt

Psychosomatische Fachklinik Münchwies

Turmstraße 50–58

66540 Neunkirchen

Christina Schwenck

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Füchsleinstraße 15

97080 Würzburg

Professor Dr. Jürgen Staedt

Vivantes-Klinikum Berlin-Spandau

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Neue Bergstraße 6

13585 Berlin

Dr. Monika Vogelgesang

Psychosomatische Fachklinik Münchwies

Turmstraße 50–58

66540 Neunkirchen

Priv.-Doz. Dr. Susanne Walitza

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Füchsleinstraße 15

97080 Würzburg

Professor Dr. Andreas Warnke

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Füchsleinstraße 15

97080 Würzburg

Priv.-Doz. Dr. Norbert Wodarz

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Regensburg am Bezirksklinikum

Universitätsstraße 84

93053 Regensburg

Anne Wyschkon

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Universität Potsdam

Komplex 2

Karl-Liebknecht-Straße 24–25

14476 Potsdam-Golm

Vorwort

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige Erkrankung, mit der sich die Kinder- und Jugendpsychiatrie schon seit vielen Jahren intensiv auseinandersetzt. Es existieren daher inzwischen gut ausgearbeitete und evidenzbasierte Leitlinien zur Diagnose und Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher. Anders als dies in der Vergangenheit und bisweilen noch immer angenommen wird, persistiert die Erkrankung in vielen Fällen auch bis in das Erwachsenenalter. Die psychopathologische Kernsymptomatik besteht in allen Lebensaltern aus Aufmerksamkeitsstörungen, erhöhter Impulsivität und Hyperaktivität. Während Impulsivität und Hyperaktivität im Verlauf eine rückläufige Tendenz erkennen lassen oder einem Symptomwandel unterliegen, bleiben die Aufmerksamkeitsstörungen bei Erwachsenen oft unverändert und sind meist mit desorganisiertem Verhalten vergesellschaftet.

Die unterschiedlichen Entwicklungen in den psychiatrischen Fachdisziplinen, die sich entweder mit den Erkrankungen des Kinder- und Jugendalters oder denen des Erwachsenenalters beschäftigen, haben dazu geführt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich der ADHS bei Kindern und Jugendlichen nur teilweise von der Erwachsenenpsychiatrie wahrgenommen und für deren Patienten nutzbar gemacht wurden. Obwohl aus Längsschnittuntersuchungen die Persistenz der ADHS im Erwachsenenalter bereits seit über 20 Jahren bekannt ist, erfolgte bis in die letzten Jahre weder ein nennenswerter Austausch zwischen den Fachdisziplinen noch waren in größerem Umfang wissenschaftliche Aktivitäten im Erwachsenenbereich zu verzeichnen.

Inzwischen sind im deutschsprachigen Raum erfreuliche Entwicklungen des Austausches und der gemeinsamen Erforschung des Krankheitsbildes, seiner Ätiologie, Diagnose und Behandlung in Gang gekommen. Zum Nutzen auch erwachsener Betroffener konnten diese bereits vielerorts in Form ambulanter Hilfsangebote nutzbar gemacht werden. Auch die Erarbeitung evidenzbasierter Leitlinien für die Diagnose und Behandlung der ADHS in diesem Lebensabschnitt stellt einen großen Fortschritt dar. Gleichwohl ist noch ein erheblicher Nachholbedarf an Forschung, deren Vermittlung und Umsetzung vorhanden.

Vor diesem Hintergrund wurde vom Neurozentrum des Universitätsklinikums des Saarlandes 2003 erstmals zu einer nationalen Konferenz eingeladen, bei der unter Einbeziehung aller Berufsgruppen und der Betroffenen selbst die unterschiedlichen Aspekte der ADHS in ihrer biographischen Dimension diskutiert wurden. Die in zweijährigem Abstand stattfindende Veranstaltung will Impulse für einen anhaltenden Dialog und eine Zusammenarbeit geben. Mit Unterstützung verschiedener Fachgesellschaften der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie wurde 2005 eine zweite Veranstaltung durchgeführt, die sich intensiv mit Fragen der Differentialdiagnose und der Komorbidität der ADHS auseinandersetzte, da sich gezeigt hatte, dass sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen oftmals eine erhebliche Unsicherheit besteht, wenn es darum geht, ADHS von anderen psychischen Störungen abzugrenzen.

Tatsächlich ist der Verlauf der ADHS im Erwachsenenalter mit einer Fülle von gesundheitlichen Risiken, komorbiden Leiden und sozialen Gefährdungen belastet, die ihren Ausgang von der ADHS im Kindesalter und den Komorbiditäten in diesem Lebensabschnitt nehmen. Während bei Kindern die diagnostische Differenzierung der ADHS von anderen Entwicklungs- bzw. Sozialisierungsstörungen oft nicht einfach ist, sind es im Erwachsenenalter affektive Syndrome, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen, die den Blick auf die ADHS-Symptomatik verdecken können. Es liegt auf der Hand, dass eine sorgfältige differentialdiagnostische Abklärung und die angemessene Erfassung komorbider Störungen eine entscheidende Voraussetzung für die Wahl der adäquaten Therapie darstellen.

Wegen des großen Interesses an den auf unserem 2. Saarbrücker ADHS-Kongress im September 2005 diskutierten Themen entstand die Idee, den aktuellen Wissensstand über ADHS und komorbide Erkrankungen in einer Monographie zusammenzutragen. Bei der Konzeption des vorliegenden Buches ließen wir uns inhaltlich von den Vorträgen leiten, die bei der Tagung von namhaften Fachleuten referiert wurden. Durch die Bereitschaft vieler Referenten, das Thema in einem Buchbeitrag darzustellen, ist auf diese Weise ein Buch entstanden, das alle wesentlichen Aspekte der Differentialdiagnose, der Komorbiditätsproblematik sowie der Differentialtherapie abdeckt. Es stellt insofern eine Ergänzung des Angebotes von Büchern zum Thema ADHS dar, als es sich ausschließlich mit der speziellen Komorbiditätsproblematik befasst, und dabei die üblichen Altersgrenzen psychiatrischer Tätigkeit überwindet.

Zur besseren Übersichtlichkeit wurden allgemeine Fragen zur Komorbidität im ersten Teil des Buches zusammengestellt. Weitere Kapitel widmen sich der Komorbidität der ADHS mit einzelnen Störungskomplexen, die je nach ihrer Bedeutung in den verschiedenen Lebensabschnitten von namhaften Kinder- und Jugendpsychiatern und Allgemeinpsychiatern dargestellt werden. Allen Autoren, die am Gelingen dieses Buches engagiert beteiligt waren, gilt der Dank der Herausgeber. Den wissenschaftlich interessierten Leserinnen und Lesern bietet das Buch die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Forschung zu informieren, den mehr praxisorientierten Leserinnen und Lesern gibt es Hilfestellungen für die Diagnose und Behandlung der ADHS im Spannungsfeld mit komorbiden psychischen Erkrankungen in verschiedenen Lebensaltern.

Homburg, im Sommer 2007 Christine M. Freitag und Wolfgang Retz

IKomorbidität bei ADHS: Verlaufsuntersuchungen und neurobiologische Grundlagen

1 Neurobiologie der Komorbidität des ADHS

Christian P. Jacob und Klaus-Peter Lesch

Einleitung

1.1 Komorbidität auf Achse-I

1.2 Komorbidität mit Achse-II-Störungen

1.3 Neurobiologische Grundlagen

1.4 Endophänotypen

Diskussion

Literatur

Einleitung

Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien zeigen eine ausgeprägte Heritabilität des Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) (H2 0,7–0,8) (Faraone et al. 2005). Genomweite Kopplungsanalysen weisen auf verschiedene Suszeptilitätsloci, z. B. auf den Chromosomen 4q13.2, 16p13 und 17p11 (Faraone et al. 2005). Mehrere Suszeptibilitätsgene mit signifikanter Evidenz für Assoziationen mit ADHS werden in einer Metaanalyse von Faraone und Kollegen genannt (Faraone et al. 2005): diese Gene kodieren für den Dopamin-D4-Rezeptor (DRD4), Dopamin-D5-Rezeptor (DRD5), Dopamin-Transporter (DAT), Dopamin-β-Hydroxylase (DBH), Serotonin-1B-Rezeptor (5-HT1B), Serotonin-Transporter (5-HTT) und das synaptosomal-assoziierte Protein 25 (SNAP-25). Für die genetische Komponente werden multiple Gene mit jeweils kleiner bis moderater Wirkung auf die Symptome von ADHS entsprechend dem „Quantitative Trait Loci“ (QTL)-Ansatz verantwortlich gemacht. Schließlich ist anzunehmen, dass komplexe Gen x Umwelt-Interaktionen die individuelle Vulnerabilität für ADHS beeinflussen (Caspi et al. 2003).

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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