Afrikanischer Mond - Rita Maria Geitner - E-Book

Afrikanischer Mond E-Book

Rita Maria Geitner

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Beschreibung

Beim Spazierengehen mit ihrem Hund stolpert Iffi über eine Leiche. Als die Polizei kommt, ist der Tote weg. Spurlos verschwunden. Nachdem Mischa, der Zwillingsbruder des Toten, aufgetaucht ist, beginnt ihr journalistisches Hirn zu arbeiten. Die Spur führt nach Slowenien, der Heimat der Brüder. Da verschwindet auch Mischa spurlos. Iffi reist trotz aller Warnungen selbst nach Slowenien. Dort bekommt sie Hilfe von Josip, einem Freund von Mischa. Er weiß, dass Schlepper Flüchtlinge über Griechenland, Italien und Slowenien nach Europa bringen. Mischa hat sich als Fahrer für die Flüchtlingstransporte anheuern lassen, um an die Hintermänner zu gelangen, die für den Tod seines Bruders verantwortlich sind. Die Lage spitzt sich zu. In Eritrea macht sich zur selben Zeit Mala mit ihrer Schwester und deren kleiner Tochter auf den Weg. Das Leben dort wird zu gefährlich für sie. Europa ist das ersehnte Ziel. Ihr Onkel stellt ihnen besorgt Bunta, den Sohn eines alten Freundes, zur Seite. Die kleine Gruppe schließt sich anderen Flüchtlingen an. Gefahr ist allgegenwärtig. In Ägypten suchen sie ein Schiff, das sie nach Kreta bringt. Die Überfahrt wird zum Horror.

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Seitenzahl: 357

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Afrikanischer Mond

Rita Maria Geitner

Afrikanischer Mond

Flucht von Eritrea nach Deutschland

© 2014 Rita Maria Geitner

Titelfoto: Rita Maria GeitnerLektorat, Satz, Umschlaggestaltung: Tamara Pirschalawa

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-7323-0752-4    PaperbackISBN: 978-3-7323-5481-8    E-Book

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

(Quelle: UN Department for General Assembly and Conference Management German Translation Service (Stand: 30.10.2009), www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger)

September 2010

Mala liegt auf ihrer Matte und horcht in die Nacht. Es ist ruhig. Neben ihr liegt ihre Schwester Mbutha mit deren kleiner Tochter. Mala hat sich entschlossen wegzugehen. Weg aus ihrem Heimatland, denn das Leben in Eritrea ist von Hunger und Not geprägt. Mbutha möchte nicht alleine hierbleiben, sie wird mitgehen.

Mala stupst ihre Schwester an. Leise stehen sie auf. Mbutha legt ihre schlafende Tochter in ein breites Tuch, das sie sich um den Körper wickelt. Muna schläft an ihren Rücken gepresst weiter.

Beide nehmen ein kleines Bündel auf, das gepackt neben ihren Schlafmatten liegt. Sie verlassen hintereinander die Hütte. Der Mond scheint vom wolkenlosen Himmel. Die Schwestern sehen sich an und lassen mit großen Schritten die armseligen Hütten ihres Dorfes hinter sich.

Asmara ist eine Stunde entfernt. Asmara – früher, viel früher, lebten die beiden Schwestern dort mit ihren Eltern. In Asmara wurden sie geboren, dort wuchsen sie auf. Ihr Vater war ein hochrangiger Offizier – bis er sich gegen die Regierung wandte. Sie wohnten in einem großen Haus, besaßen alle Annehmlichkeiten, und die Mädchen gingen auf eine höhere Schule. Dann wurde ihr Vater von Soldaten abgeholt, das Haus beschlagnahmt. Die Frauen mussten fliehen.

Das Dorf, aus dem ihre Mutter kam, wurde ihr neues Zuhause. Mala war gerade sechzehn Jahre alt, Mbutha vierzehn. Ihre Mutter starb ein Jahr später aus Kummer. Das war vor sieben Jahren.

Es gibt keine jungen Männer mehr im Dorf. Die beiden Frauen haben keinen Schutz, seit Mbuthas Mann von einem Einsatz gegen das Militär nicht zurückkam. In Eritrea herrscht das Militär. Wer sich gegen das Militär wendet, lebt sehr gefährlich. Man hört von Folterungen und Erschießungen.

Ein alter Mann bedrängt Mala ständig, Mbutha zu einer Heirat mit ihm zu überreden. Er könnte vom Alter her ihr Vater sein, und er hat Beziehungen zum Militär. Mbutha graut vor ihm. Die Frauen können ihn nicht mehr lange zurückhalten. Auch deshalb müssen sie weg.

Mala hat eine besondere Gabe. Sie kann fühlen, ob jemand gut ist oder nicht. Dazu streckt sie ihre rechte Hand in Richtung eines Menschen aus. Bei dem alten Mann hat ihre Hand schmerzhaft gezuckt. Er ist nicht gut!

Eritrea, ihr Heimatland, zu verlassen, war nie ihre Absicht. Doch die Umstände zwingen sie nun dazu. Ihr erstes Ziel ist der Sudan. Mala rechnet mit einem Monat – erst zu Fuß und nur nachts, später, wenn sie weiter weg sind, wollen sie auch tagsüber gehen und vielleicht auch fahren. Die Schwestern laufen still nebeneinander durch die Nacht.

1

Iffi lümmelt sich auf der Couch. Es ist fast halb elf Uhr abends. Um zehn war sie vom Büro nach Hause gekommen, hatte geduscht und sich in ihren alten, verbeulten Trainingsanzug geworfen.

Lea, ihr kniehoher schwarzer Hund, eine Mischung aus Hütehund und Labrador, legt seinen Kopf auf ihr rechtes Bein und sieht sie erwartungsvoll an. „Okay, gehen wir runter, Lea, dann ab ins Bett.“ Sie gähnt und streckt sich.

Lea läuft schwanzwedelnd in den Flur. Vor der Tür bleibt sie stehen, wendet Iffi den Kopf zu und sieht sie an. Lächelnd öffnet Iffi ihr die Tür, woraufhin Lea sofort ins Treppenhaus trabt, hochspringt und mit ihrer Nase auf den Knopf des Aufzugs stupst. Er öffnet sich geräuschlos. Unten angekommen, läuft sie in den Garten, der vor dem vierstöckigen, kubusförmigen Haus liegt. Iffi hört ihren Hund schnüffelnd und schnaufend hin und her laufen. Sie dehnt ihren Rücken und macht ein paar Hüpfer, um sich zu lockern.

Plötzlich erklingt ein Bellen, gefolgt von einem Jaulen.

„Was ist los, Lea?“, ruft Iffi und eilt in die Richtung, aus der das Jaulen kommt. Sie geht links ums Haus. Es ist dunkel, das Licht der Straßenlaterne erreicht gerade noch die Ecke. Schwaches Mondlicht leuchtet über dem Haus.

Sie hört ihren Hund rechts vor sich hinter einem Busch kurz aufbellen. Iffi geht um den Busch herum, stolpert über irgendwas und fällt mit dem Gesicht voran zu Boden. „Uffff“, die Luft wird aus ihren Lungen gedrückt. Lea läuft hechelnd um sie herum, dann jault sie leise. „Was zum Teufel!“ Iffi merkt, dass etwas unter ihr liegt, und stemmt sich hoch. Obwohl es recht dunkel ist, versucht sie zu erkennen, was es ist. „Iiiihh“, schreit sie panisch. Sie liegt auf einem Menschen, sieht in tote Augen. Schnell kämpft sie sich hoch. Iffi zittert, ihr Mund steht offen, sie atmet hektisch. Vor ihr liegt tatsächlich ein Mensch, ein Mann mit kariertem Hemd und Hosenträgern. Seltsam, seine Arme befinden sich akkurat neben dem Körper, die Beine, in Jeans, sind geschlossen. Er hat Haltung angenommen, denkt Iffi spontan. Sein Gesicht kann sie nicht erkennen, die unteren Zweige des Busches hängen darüber, aber sie sieht das Weiß der offenen Augen durch die Zweige leuchten.

Lea drückt ihren Kopf gegen Iffis Knie und bellt einmal auf. Mühsam reißt Iffi sich vom Anblick des Mannes los. Der ist auf jeden Fall tot, denkt sie. „Komm, Lea, wir müssen die Polizei anrufen.“ Beide laufen zum Eingang des Hauses, und Iffi schließt zittrig die Tür auf. Zum Glück ist der Aufzug noch unten. In der Wohnung schnappt sie sich ihr Telefon und wählt die 110. Sie erzählt einem Polizisten von der Leiche.

Während sie auf die Polizei wartet, denkt sie an ihren Freund Michael. Sie wählt seine Nummer. „Hallo“, kommt es müde aus dem Telefon.

„Michael? Hier ist was Schreckliches passiert! Ich bin über eine Leiche gestolpert. Hörst du mich? Sag doch was?“

„Gern, wenn du mich zu Wort kommen lässt! Wie spät ist es denn?“

„Hast du etwa schon geschlafen? Ich dachte, du hättest so viel zu tun, dass du keine Zeit für mich hast?“ Iffi schaut zur Uhr über dem Fernseher. „Es ist Viertel vor elf.“

„Was hast du gerade gesagt? Du hast eine Leiche gefunden?“ Jetzt ist er wach.

„Nein, ich habe gesagt, ich bin über eine Leiche gestolpert.“

„Wie, gestolpert? Geht es dir gut?“

„Ich bin wie jeden Abend mit Lea noch mal runter, da bin ich über einen toten Mann gestolpert, der Länge nach auf ihn drauf. Mir ist jetzt so richtig schlecht.“ Iffi schnauft ins Telefon.

„Ich bin gleich bei dir“, ruft Michael und legt auf.

Iffi verzieht das Gesicht. „Er kommt“, sagt sie zu ihrem Hund. Lea antwortet mit einem freudigen „Wheff“ und wedelt mit ihrem Schwanz.

Blaulicht und Sirene nähern sich. Iffi steht schon mal auf und geht zur Tür. Eine Minute später schlägt ihre Klingel an. Sie nimmt den Hörer der Sprechanlage ab und fragt: „Ja bitte?“

Nach einer Sekunde fragt jemand verwirrt: „Haben Sie die Polizei gerufen?“

„Ja, habe ich. Der Mann liegt links neben dem Haus. Bei den niederen Büschen“, antwortet Iffi.

Sie hört durch die Sprechanlage einige Kommandos und Schritte. „Bitte öffnen Sie die Tür“, sagt die Stimme.

Iffi überlegt kurz, dann drückt sie auf den Türöffner. „Vierter Stock“, informiert sie den Polizisten und hängt den Hörer wieder auf. Sie wartet mit Lea an der offenen Tür, der Fahrstuhl surrt nach oben. Er öffnet sich, und ein Polizist in Uniform kommt heraus. „Haben Sie uns angerufen?“

„Ja.“

„Kann ich hereinkommen? Ich brauche Ihre Daten.“

„Äh, kann ich Ihren Ausweis sehen?“, fragt Iffi ein wenig misstrauisch.

Der Polizist sieht sie ungläubig an. „Äh, ja natürlich.“ Er hält ihr seinen Dienstausweis entgegen.

Iffi nimmt ihn. „Marlon Gerber“, liest sie laut, „was für ein Name.“ Sie grinst.

„Ja, das bin ich. Kann ich jetzt Ihren Ausweis sehen, damit wir hier weiterkommen und uns um die Leiche kümmern können?“

„Der Mann läuft Ihnen nicht weg, er ist tot“, sagt Iffi tonlos.

„Wer ist tot?“

„Keine Ahnung, ich habe sein Gesicht nicht gut gesehen, nur die offenen Augen.“ Iffi geht in ihre Wohnung, der Polizist folgt ihr. Sie kramt ihren Personalausweis aus ihrer Handtasche und reicht ihn an Marlon Gerber.

Lea läuft schwanzwedelnd zur Wohnungstür. Ein freudiges „Wheff, Wheff“ folgt, und sie sieht zu Iffi.

„Was hat er denn?“, fragt der Polizist.

„Sie!“

„Was?“

„Der ist eine Sie.“ Iffi zeigt zu ihrem Hund. „Mein Freund kommt anscheinend gerade hoch“, merkt sie dann an.

Da stürmt Michael auch schon völlig außer Atem zur Tür herein. „Iffi? Geht’s dir gut?“ Er nimmt sie so fest in seine Arme, dass ihr zum zweiten Mal an diesem Abend die Luft aus der Lunge gepresst wird.

„Ja, mir ist nichts passiert, tot ist der da unten. Warum bist du so aus der Puste? Hast du den Aufzug nicht gefunden?“

„Doch“, er atmet tief ein und aus, „aber da unten steht auch so einer“, er zeigt auf den Polizisten, „der wollte mich nicht rauflassen, da habe ich die Treppe genommen.“

„Mein Held.“ Iffi lässt sich noch mal fest drücken. „Das ist Marlon Gerber“, stellt Iffi den Polizisten vor. In dem Moment piept das Funkgerät an dessen Hüfte und verkündet die Ankunft der Kriminalpolizei. „Vierter Stock“, informiert er sie.

Eine Minute später kommt ein großer, blonder Mann im Jogginganzug hereingetrippelt. „Wer hat den Fund der Leiche gemeldet?“, fragt er.

„Ich“, antwortet Iffi.

„Und Sie sind?“ Er mustert die mittelgroße, schlanke Frau mit den kurzen, hellblonden Haaren.

Gerber gibt den Ausweis von Iffi an ihn weiter. „Iphigenie Bernstein“, liest er ab, und sein Mundwinkel zuckt.

„Genau, und Sie sind?“ Iffi hat ihre Augenbrauen zusammengezogen und sieht ihn von unten her an.

„Mein Name ist Jochen Bund, und ich bin von der hiesigen Polizei.“ Er hält ihr seinen Ausweis unter die Nase.

Iffi liest laut, was darauf steht. „Jochen Bund … Kriminalkommissar, tatsächlich.“

„Sie sind?“, will er nun von Michael wissen, nachdem er den großen, dunkelhaarigen Mann mit der sportlichen Figur ausgiebig gemustert hat.

Michael nennt seinen Namen, der von dem Polizisten aufgeschrieben wird.

„Wissen Sie schon, wer der Tote ist?“, fragt Iffi.

„Welcher Tote?“ Der Kommissar sieht sie abwartend an.

Iffi ist zunächst perplex, dann fängt sie sich wieder und antwortet: „Na, der Tote, den ich gefunden habe, unten im Garten.“

„Wir haben rund ums Haus alles abgesucht, keine Leiche – bedaure.“

Der Kommissar ist scheinbar zu Witzen aufgelegt, denkt Iffi und schaut ihn böse an.

„Was meinen Sie damit, da wäre keine Leiche? Ich bin über einen Mann gestolpert, und der war eindeutig tot.“

„Wir haben niemanden gefunden“, bekräftigt er.

Iffi kann es nicht glauben. Sie läuft zur Tür und holt den Fahrstuhl. Als er kommt, steigen alle ein und fahren wortlos ins Erdgeschoss. „Zeigen Sie uns, wo Sie angeblich eine Leiche gefunden haben“, sagt der Kommissar.

Iffi verlässt das Haus und biegt nach links ab. Lea läuft an ihr vorbei und schnüffelt bei den niederen Büschen. „Dort bin ich über ihn gestolpert und auf ihn gefallen. Sie haben ihn nicht gefunden? Aber …“

„Nein – wie sah er denn aus?“ Jetzt hat er fast Mitleid mit ihr.

Michael legt seinen Arm um ihre Hüfte. „Sollen wir nicht raufgehen? Du solltest dich hinsetzen.“

Iffi sieht ihn mit einem etwas verunglückten Lächeln an. „Es geht schon. Also, er lag hier halb unter den Büschen.“ Sie zeigt dem Kommissar die genaue Lage. „Der Kopf halb unter den Zweigen da. Die Füße hier.“

„Ist Ihnen etwas Besonderes aufgefallen? Wie war er angezogen? Wie alt war er in etwa?“

„Er hatte ein kariertes Hemd an, so ein Arbeiter hemd. Farbe kann ich nicht sagen, es war zu dunkel. Außerdem helle Jeans und Hosenträger. Äh, er lag in Habachtstellung.“

„Habachtstellung? Wie meinen Sie das?“

„Na, er hatte Haltung angenommen, so …“ Iffi macht es ihm vor. „Hände an der Hose, Füße zusammen.“

„Aha.“ Der Kommissar schaut sie intensiv an. „Was machen Sie beruflich, Frau Bernstein?“

„Ich bin bei der hiesigen Presse als Journalistin beschäftigt.“

Das verschlägt dem Kommissar erst mal die Sprache. „Ich hoffe, Sie erlauben sich keinen Scherz mit uns.“

„Glauben Sie, ich kenne die Konsequenzen nicht? Ich bin hier …“, sie zeigt mit der rechten Hand auf die Stelle, „… über eine Leiche gestolpert – Punkt“, entrüstet sich Iffi.

„Vielleicht war der Mann gar nicht tot, vielleicht ist er durch Sie aufgewacht und nach Hause gegangen.“

„Ich habe seine Augen gesehen. Er war tot.“

„Okay. Sie kommen morgen früh ins Präsidium, um neun Uhr. Heute Nacht werden wir nichts mehr erreichen. Bitte geben Sie Polizeimeister Gerber Ihre Kleidung wegen etwaiger Faserspuren mit. Können Sie bei ihr bleiben, heute Nacht?“ Die Frage ist an Michael gerichtet.

„Natürlich bleibe ich bei ihr.“ Michael schiebt Iffi Richtung Hauseingang davon. „Wieso ist der weg, ich versteh das nicht“, hört man Iffi murmeln.

Oben in ihrer Wohnung überreicht Polizeimeister Marlon Gerber ihr eine große Tüte für ihren Jogginganzug. Iffi ist etwas verlegen. „Das alte Ding zieh ich eigentlich nur an, wenn ich bestimmt keinen Besuch bekomme.“

„Ich hab auch so ein altes Ding, noch von der Bundeswehr. Wir machen mal einen bequemen Kuschelabend mit den beiden.“ Michael zeigt auf ihr Bad. „Stopf ihn in die Tüte, damit Herr Gerber nach Hause kann, es ist schon nach zwölf Uhr.“

Iffi verschwindet im Bad und kommt nach zehn Minuten in ihrem Bademantel und mit der Tüte in der Hand heraus. Polizeimeister Gerber nimmt die Tüte in Empfang und sieht hinein. „Da ist Blut am Ärmel Ihres Jogginganzugs. Sind Sie verletzt, Frau Bernstein?“

Iffi schiebt die Ärmel zurück, und Michael prüft die Arme.

„Nichts.“

Der Polizist wendet sich an Michael: „In dem Fall brauche ich auch Ihre Kleidung, damit Faserspuren von Ihrer Kleidung ausgeschlossen werden können.“ Er zückt eine neue Tüte und reicht sie ihm.

„Was?“ Michael nimmt die Tüte entgegen. „Aber ich habe dann nichts anzuziehen.“

„Ich habe noch ein T-Shirt und eine kurze Hose von dir bei mir im Schrank, mehr brauchst du heute Nacht nicht. Morgen fahr ich dich heim, bevor ich ins Präsidium fahre“, sagt Iffi.

„Ich kann doch nicht mit T-Shirt und kurzer Sommerhose im Februar durchs Haus zu meiner Wohnung“, erwidert Michael entrüstet.

„Wie auch immer, bitte beeilen Sie sich, ich möchte noch ein paar Stunden schlafen“, murrt der Polizist.

Michael schlüpft unwillig aus seiner Hose und dem Sweater und lässt beides in die Tüte gleiten. Polizeimeister Gerber schließt sie, wünscht beiden eine gute Nacht und geht aus der Tür.

Sofort lässt sich Iffi auf ihr Sofa gleiten. „Ein Himmelreich für ein Bier“, seufzt sie.

Michael nickt und schaut sie hoffnungsvoll an.

„Im Kühlschrank.“ Sie zeigt zur Küche.

„Super.“ Michael trabt davon, um sogleich mit zwei Flaschen und einem Glas wiederzukommen. Iffi trinkt gerne Bier, aber nicht aus der Flasche, im Gegensatz zu Michael.

„Ich ruf jetzt Georg an, der muss mir morgen früh was zum Anziehen bringen.“ Michael schnappt sich das Telefon.

„Es ist halb eins in der Nacht, er schläft bestimmt.“

„Ich bin auch noch auf“, resümiert Michael und wählt Georgs Nummer.

„Hallo Georg“, sagt er, als sich dieser meldet, „ich hoffe, du hast nicht schon geschlafen … Doch … Das tut mir leid. Kannst du morgen früh, äh, heute früh aus meiner Wohnung eine Hose und einen Pulli bringen? … Was? … Ah, wohin? Natürlich zu Iffi, was glaubst du denn? … Warum? Na, ich kann doch nicht in Shorts und T-Shirt durchs Haus laufen … Wie ich ohne Kleider zu Iffi gekommen bin? Das erzähl ich dir morgen, äh, heute früh … Danke, Georg, um sieben Uhr? … Iffi macht Frühstück, ja ihr berühmtes Frühstück. Bring Britta mit, dann aber erst um halb acht. Gute Nacht. … Moment, wieso bist du um die Zeit eigentlich noch auf, Georg? … Hallo, Hallo …“ Keine Antwort.

„Hat einfach aufgelegt“, berichtet er Iffi.

„Ab ins Bett.“ Iffi steht auf und geht ins Bad.

Am nächsten Morgen kommt Iffi etwas blass mit einer Semmeltüte in ihre Wohnung, sie hat mit Lea ihre Morgenrunde gedreht. „Gleich halb acht, Lea, du bekommst sofort dein Fressen, es ist schon vorbereitet.“ Sie rührt noch Hundefutter unter die eingeweichten Reisflocken und stellt den Napf in den Ständer. Lea macht sich hungrig darüber her. Iffi lässt die Semmeln in einen Brotkorb auf dem bereits gedeckten Frühstückstisch fallen, dann weckt sie Michael. Er hat tief und fest geschlafen, was sie von sich nicht behaupten kann.

Während er duscht, arrangiert Iffi Schinken und Käse auf einer Platte, setzt Wasser für Eier auf den Herd und teilt geviertelte Tomaten, schwarze und grüne Oliven sowie eingelegte Peperoni in kleine chinesische Schälchen auf.

„Du hast nicht zufällig einen Rasierer?“, ruft Michael aus dem Bad.

„Nein“, ruft Iffi zurück, als sie den Wasserkocher für den Tee füllt.

Michael kommt in der kurzen Hose und dem T-Shirt aus dem Bad, als es plötzlich an der Tür klingelt. Er nimmt den Hörer der Haussprechanlage ab. „Hallo? Kommt rauf“, sagt er und betätigt den Öffner. Iffi schaltet die Kaffeemaschine und den Wasserkocher an und legt die Eier ins heiße Wasser.

Michael wartet an der Tür auf Georg und Britta.

„Fährst du in die Karibik?“, fragt Georg belustigt, als er Michael an der Tür sieht.

„Kommt rein. Guten Morgen, Britta, Morgen, Georg.“ Er nimmt die Sachen zum Anziehen entgegen und verschwindet im Schlafzimmer.

Georg ist freiberuflicher Mitarbeiter von Michael, eigentlich hauptsächlich Ermittler in Michaels Anwalts- und Notarkanzlei. Beide haben zusammen studiert, Georg ging zur Polizei, Michael wurde Anwalt. Georg ist im Aussehen das genaue Gegenteil von Michael, blond und von mittlerer Größe, während Michael groß und dunkelhaarig ist. Britta ist die Sekretärin von Michael, in der Kanzlei haben Georg und sie sich kennengelernt.

Lea kommt, sich rechts und links übers Maul schleckend, in den Flur. „Hallo Lea – hat es geschmeckt?“ Lea begrüßt die beiden überschwänglich.

„Guten Morgen, kommt in die Küche“, ruft Iffi.

Georg und Britta gehen zu ihr. Britta mustert Iffi. „Guten Morgen, Iffi. Du bist aber blass, bist du krank?“

Iffi hat normalerweise immer eine etwas gebräunte Haut, da sie sich viel draußen aufhält. „Nein, mir geht’s gut. Ich bin gestern Abend über eine Leiche gestolpert und dadurch erst spät ins Bett gekommen“, erzählt Iffi lapidar.

„WAAAS?“, rufen Georg und Britta wie aus einem Mund. „Eine Leiche?“

Michael kommt ordentlich angezogen in die Küche. „Setzt euch doch, was steht ihr hier so rum?“ Er nimmt am gedeckten Tisch Platz.

Georg und Britta starren ihn an, dann setzen sie sich zu ihm. Iffi bringt die Eier und bittet Michael, Kaffee und Tee einzuschenken.

„Greift zu“, fordert Iffi sie auf und köpft ihr Ei, „wir müssen um neun zur Polizei.“

„Bitte … WAS IST PASSIERT?“, fragt Georg, jedes Wort betonend.

Iffi berichtet: „Ich bin gestern Abend, wie immer, noch mal mit Lea runter, kurz darauf bin ich über die Füße eines toten Mannes gestolpert und der Länge nach auf ihn gefallen.“ Sie schüttelt sich. „Das war ein ganz schöner Schock, kann ich euch sagen. Ich habe dann sofort die Polizei und Michael angerufen. Aber … als die Polizei kam, war da keine Leiche. Ist einfach verschwunden. Wie steh ich denn jetzt da? Die glauben mir natürlich kein Wort“, erzählt Iffi weiter. „Ich würde mir auch nicht glauben!“, fügt sie hinzu.

Georg und Britta sehen sich entsetzt an, während Michael in aller Ruhe sein Ei isst. „Reg dich bitte nicht so auf, Iffi, du hast eine Leiche entdeckt, basta. Ich glaube dir!“

„Wer bearbeitet den Fall?“, fragt Georg blinzelnd und schaut zu Michael.

„Ein Jochen Bund“, antwortet Iffi. „Der war nicht sonderlich amüsiert darüber, dass da dann keine Leiche war.“

„Und wieso hatte Michael nichts anzuziehen?“, möchte Georg wissen.

Iffi seufzt. „Sie haben meine Kleider mitgenommen, wegen Faserspuren – ich bin ja auf den Toten gefallen. Michaels Sachen haben sie mitgenommen, weil er mich danach in den Arm genommen hat – zum Abgleich.“

Michael schaut von Georg zu Britta. „Warum esst ihr denn nicht?“

„Aha“, meint Georg, „ich verstehe.“

Jetzt lassen sich Georg und Michael das Frühstück schmecken. Britta beobachtet die blasse Iffi, die eher wenig Appetit hat.

Um halb neun muss sich Iffi zur Polizei aufmachen. Michael möchte sie begleiten, aber Iffi wehrt ab. „Ich kann da alleine hin.“

„Ich komme auf jeden Fall mit.“ Michael sieht sie von der Seite an. „Du bist sehr blass. Ich lasse dich doch nicht alleine zu einer Vernehmung.“

„Vernehmung? Ich bin doch nicht verdächtig, oder? Ich dachte, ich soll meine Aussage unterschreiben! Außerdem haben die ja keine Leiche.“

„Michael hat recht, Iffi, du musst da nicht alleine hin.“ Britta nimmt sie in den Arm. „Los jetzt, Georg, wir fahren in die Kanzlei.“ Dann wendet sie sich an Michael: „Ist was Dringendes im Büro?“

„Nein, ich komme so schnell wie möglich.“

Vor dem Haus zieht es Iffi zu der Stelle, an der sie die Leiche gefunden hat – nichts. Wo kann der Tote nur sein?

Michael hupt kurz. Iffi läuft die Treppe zur Straße runter und steigt zu Michael ins Auto.

Fünf Minuten vor neun betreten Iffi und Michael das Polizeipräsidium, ein großes, altehrwürdiges Gebäude. Ein Polizist führt sie zum Büro von Kommissar Bund im dritten Stock. Dort müssen sie auf Holzstühlen vor dem Büro warten.

Iffi lehnt sich seufzend zurück. Sie ist immer noch sehr blass. Michael schaut sie besorgt an.

Der Kommissar kommt heraus und bittet sie in sein Büro. „Bitte setzen Sie sich.“

„Hat man sie gefunden?“, fragt Iffi leise.

„Die Leiche?“ Der Kommissar lehnt sich in seinem Drehstuhl zurück.

Iffi und Michael sehen ihn an, antworten aber nicht. Der Kommissar räuspert sich. „Ähm, nein – keine Leiche. Auf Ihrer Kleidung wurden Blutspuren und Fasern sichergestellt. Blutgruppe A negativ. Was ist Ihre Blutgruppe, Herr Reimer?“

„0 positiv, Iffi hat auch 0 positiv.“

„Okay, das Blut ist frisch, sagt unser Labor. Außerdem haben wir Fasern von Flanell gefunden.“

„Er hatte so ein Arbeiterhemd an, kariert, das könnte aus Flanell gewesen sein, die sind doch gewöhnlich aus Flanell?“ Iffi ist fast erleichtert.

Jochen Bund schaut sie etwas mitleidig an. „Wir nehmen jetzt Ihre Aussage auf, Frau Bernstein, dann können Sie nach Hause gehen.“

Der Kommissar begleitet sie in ein anderes Büro, dort wird ihre Aussage aufgenommen. Iffi unterschreibt sie und verlässt anschließend mit Michael das Präsidium.

„Ich lege mich eine Stunde hin, dann gehe ich arbeiten“, lässt Iffi verlauten, als Michael sie zu Hause absetzt.

Michael, Georg, Iffi und Britta sitzen eine Woche später zusammen in Michaels Kanzlei. Es ist Donnerstagmittag, kurz nach ein Uhr.

Britta hat Sandwiches auf den kleinen Tisch in der Besucherecke des Büros gestellt und bringt gerade eine Kanne Tee für sich und Iffi. Die Männer haben sich mit Kaffee versorgt.

„Hast du was von der Polizei gehört?“, fragt Georg an Iffi gewandt.

„Nein, nichts! Manchmal glaube ich schon, ich hätte das alles erfunden.“

Michael entkräftet diesen Gedanken: „Aber du träumst seitdem schlecht.“

„Jaaa, ich mein ja nur. Wo ist denn die Leiche? Wieso findet man sie nicht?“

Georg schaltet sich ein. „Iffi, versuch es zu vergessen. Du hast den Toten gefunden, die Polizei angerufen, und er war danach weg. Das ist jetzt deren Sache.“

„Genau, belaste dich nicht mehr damit, Georg hat recht.“ Britta legt Iffi ihre Hand auf die Schulter.

Iffi schaut von einem zum andern. Michael und Georg nicken zustimmend.

„Okay, ich kümmere mich nicht mehr darum. Also, gehen wir am Wochenende nach München in die Oper?“

„Was ist es denn für eine?“, fragt Britta.

„Fidelio von Beethoven.“ Iffi hat vier Karten von ihrem Chef bekommen. Der ist überraschend verreist und wollte die Karten nicht verfallen lassen.

„Ich bin dabei!“, ruft Britta begeistert.

„Gut, dann ist es abgemacht“, erwidert Iffi.

„Merkst du was, Georg?“, fragt Michael. „Wir werden nicht gefragt.“

„Ihr könnt uns natürlich auch alleine gehen lassen, wir finden schon jemanden für die anderen zwei Karten“, meint Britta.

Georg und Michael sehen sich an. „Nein, nein, wir kommen mit, jemand muss ja auf euch aufpassen!“

„Also, Abfahrt am Samstag um sechs, wir brauchen etwa eine Stunde nach München. Hinterher gehen wir aber noch essen! Treffpunkt?“ Michael blickt in die Runde.

„Bei uns“, entgegnet Britta, „dann können Iffi und ich noch einen Prosecco trinken.“

„Abgemacht!“

Iffi fährt in ihr Büro in der Redaktion. Ihre Gedanken sind immer noch bei der Leiche. Wieso ist der Mann nicht mehr da gewesen? Es sind nicht mehr als zwanzig Minuten vergangen, dann war die Polizei vor Ort. Er war tot. Da bin ich mir sicher. Ich muss was unternehmen. Sonst glaub ich mir ja selbst nicht mehr.

In der Redaktion geht es drunter und drüber. Sie liebt dieses schnelle, hektische Gewusel kurz vor Redaktionsschluss.

„Abgabeschluss in fünfzehn Minuten für alle Berichte“, ruft Martin, der Redakteur, „die letzten aktuellen Sachen in einer Stunde. Haltet euch ran. Es ist jetzt Viertel vor drei.“

Iffi schaut sich in Gedanken versunken in ihrem halb gläsernen Büro um. Da macht sich eine Idee in ihr breit. Sie wippt mit ihrem Stuhl vor und zurück. Dann wird sie tätig, sie hämmert auf ihre Tastatur ein.

LEICHE VERSCHWUNDEN

Letzten Mittwoch wurde von einer Anwohnerin der Zieglerstraße 16 ein Mann tot aufgefunden. Als die Polizei kam, war er verschwunden.

Der Mann war bekleidet mit einer hellen Jeans und einem karierten Hemd aus Flanell. Er war etwa 35 Jahre alt und muskulös.

Wer hat in diesem Zeitraum Beobachtungen gemacht? Wo wird ein Mann vermisst, auf den diese Beschreibung passt? Bitte melden Sie sich bei unserer Zeitung oder der hiesigen Polizei!

Die Suchmeldung schlägt am nächsten Tag ein wie eine Bombe. Die Zeitung ist vor fünfundvierzig Minuten erschienen. Seitdem stehen die Telefone bei der Polizei und der Redaktion nicht mehr still.

Iffi sitzt bei Martin im Büro. Sie warten schweigend, in der Hoffnung auf einen brauchbaren Hinweis aus der Bevölkerung. Iffi zupft sich imaginäre Fusseln von der schwarzen Hose, Martin versucht, einen Bleistift auf der Fingerspitze zu balancieren.

Plötzlich wird die Tür des Büros aufgerissen. Jochen Bund, der Kommissar, stürmt mit der Zeitung in der Hand hinein. Sein Gesicht ist wutentbrannt. Draußen in den offenen Büros hört man die Telefone klingeln. Alle sehen zum Redaktionsbüro, keiner spricht, alles wartet gespannt.

„Was zum Teufel soll dieser Aufruf!“, brüllt Jochen Bund, die Zeitung schwenkend. „Seid ihr verrückt geworden? Das ist Sache der Polizei! Damit behindern Sie die Ermittlungen! Das wird ein Nachspiel haben! Wer hat sich diesen Blödsinn überhaupt ausgedacht? Raus mit der Sprache! Sie, Frau Bernstein …“, er zeigt mit dem Finger auf Iffi, „… erwarte ich in einer Stunde in meinem Büro.“ Damit dreht er sich um und sieht alle Augen auf sich gerichtet.

„Was glotzt ihr so? Ich lasse diesen Laden zusperren!“ Er stürmt weiter schimpfend nach draußen.

Martin geht zur Bürotür und schließt sie. „Du hältst mich auf dem Laufenden, Iffi. Lass dich nicht einschüchtern. Du bist die beste Journalistin, die ich habe.“

Iffi nickt und steht auf, um in ihr kleines Büro zu gehen. An der Tür dreht sie sich noch mal um. „Danke, Martin.“

„Schon gut.“

Ihr Handy zeigt sieben entgangene Anrufe an, fünf von Michael und zwei von Georg. Seufzend ruft sie Georg zurück.

Er meldet sich beim ersten Klingeln. „Iffi? Diese Suchmeldung, da ist dein Zeichen drunter.“

„Guten Morgen, Georg. Bist du in der Kanzlei?“

„Morgen. Ich bin gerade mit dem Auto vor der Kanzlei angekommen, warum?“

„Michael hat mehrfach versucht, mich zu erreichen! Er wusste nichts von dem Artikel.“

„Du hast ihm nicht gesagt, dass du per Zeitung nach deiner Leiche suchen willst? Hat Martin was damit zu tun?“

Iffi ignoriert seine Frage. „Kannst du Michael was ausrichten?“

„Aha, du traust dich nicht, ihn anzurufen! Was soll ich ihm sagen?“

„Frag ihn, ob ich mit Martin nach Redaktionsschluss um vier Uhr in die Kanzlei kommen kann. Ich würde gerne mit euch sprechen. Bitte schreib mir dann eine SMS, ja?“

„Okay, Iffi. Ich hoffe, du weißt, auf was du dich da eingelassen hast. Martin hätte ich mehr Verstand zugetraut. Ich bin jetzt vor Michaels Büro. Bis später.“

„Danke, Georg, bis später.“ Iffi legt auf und schaltet die Stummfunktion ein.

Eine Stunde später meldet sie sich im Polizeipräsidium. Ein Polizist bringt sie zu einem Büro. Auf dem Schild neben der Tür steht ‚Oberkommissarin Brigitte Summer’. „Aber ich soll mich bei Kommissar Bund melden. Hier bin ich falsch.“

„Das hat schon seine Richtigkeit, Frau Bernstein, bitte setzen Sie sich. Ich sage Bescheid, dass Sie da sind.“

Iffi setzt sich, nun doch etwas nervös, auf die Stuhlkante. Der Polizist klopft an die Tür und geht anschließend in den Raum.

Zwei Minuten später holt er Iffi. „Setzen Sie sich, Frau Bernstein, die Frau Oberkommissarin kommt sofort.“

Iffi nimmt auf dem angebotenen Stuhl vor dem Schreibtisch Platz. Der Polizeibeamte lässt sie allein.

Eine Tür an der rechten Seite des Raumes öffnet sich. Herein kommt eine Frau um die Dreißig mit einem blonden Zopf und ernstem Gesicht. „Ich bin Brigitte Summer. Der Fall wird künftig von mir bearbeitet.“ Sie setzt sich hinter den Schreibtisch, beugt sich nach vorne und fixiert Iffi.

Iffi wird unbehaglich. „Ich sollte mich bei Herrn Bund melden, er war heute Morgen in der Redaktion.“ Verlegen sieht sie die Oberkommissarin an.

„Mit Ihrer Aktion haben Sie uns, speziell Kommissar Bund, einen schlechten Dienst erwiesen.“ Sie beugt sich noch weiter vor, ihre Stimme wird ruhig und kalt. „Ich werde mir von niemandem solche Aktionen gefallen lassen. Das hier ist kein Kasperletheater. Sollten Sie mich auf den Arm nehmen wollen, ich kann mich anpassen. Sie sind doch eine Freundin von Manu und Jo. Wir hatten doch schon mal miteinander zu tun. Ich hatte Sie für klüger gehalten.“

Manu ist eine gute Freundin von Iffi. Sie und Jo hatten durch die Entführung von Jos Nichte vor zwei Jahren mit der Oberkommissarin zu tun. Iffi war damals die Mittlerin zwischen den beiden und der Kommissarin. Iffi wird heiß, sie fühlt das Blut in den Kopf steigen. „Ähm – ja“, sie räuspert sich, „ich fand die Aktion notwendig, da die Polizei mir scheinbar nicht glaubt, dass es diese Leiche gibt.“

Die Oberkommissarin lehnt sich zurück und schaut Iffi schweigend an. Dann sagt sie: „Mein Kollege glaubt, dass es diese Leiche gar nicht gibt. Ich habe mir die Unterlagen angesehen. Aber bitte erzählen Sie mir, wie sich das Ganze zugetragen hat, damit ich mir ein eigenes Bild machen kann. Danach möchte ich zu Ihrer Wohnung fahren und mir den angeblichen Fundort ansehen.“

Iffi schildert der Oberkommissarin den Ablauf des Abends, an dem sie die Leiche fand.

Brigitte Summer sieht sie während des Erzählens durchdringend an. Als Iffi endet, meint sie: „Michael Reimer ist Ihr Freund?“

„Ja.“

Brigitte Summer nickt. „Gut, wir treffen uns in einer Stunde vor Ihrem Haus.“ Damit steht sie auf.

Iffi verlässt das Polizeipräsidium. Im Auto holt sie ihr Handy raus. Sie hat eine SMS von Georg bekommen. Sie lautet nur: Okay.

Eine Stunde später parkt sie ihren Wagen vor ihrem Haus. Sie war noch kurz in der Redaktion, um Martin den Treffpunkt um vier Uhr vor der Kanzlei mitzuteilen. Es war immer noch die Hölle los. Bürgermeister und Stadtrat haben sich bei Martin erkundigt, was es mit der Suchmeldung auf sich hat. Der Arme stand ganz schön in der Schusslinie.

Oberkommissarin Brigitte Summer steht bereits im Garten vor dem Haus. „Hallo, Frau Bernstein“, begrüßt sie Iffi, „zeigen Sie mir doch den Platz, wo die Leiche lag.“

Iffi geht voran, an die Westseite des Hauses, und zeigt auf den Platz.

Die Kommissarin mustert die Stelle und die nähere Umgebung.

„Rufen Sie sich alles noch mal ins Gedächtnis! Wie lag der Mann da?“

Spontan legt sich Iffi ins Gras. „Er lag so, die Zweige hingen teils über sein Gesicht, die Arme waren am Körper, so etwa.“

Die Oberkommissarin macht eine Skizze in ihr Notizheft.

„Ich bin über seine Füße gestolpert und kam direkt auf ihm zu liegen.“ Iffi schüttelt es. „Es war grauselig. Mein Gesicht war über seinem, die Zweige hatte ich unter meinem Kinn und Mund. Seine Augen standen offen, ich sah das Weiß unter mir. Nachdem ich mich hochgerappelt hatte und neben ihm stand … Moment mal … Ich glaube, er hatte einen Gürtel um den Oberkörper geschlungen, da war eine Schnalle auf seiner Brust.“

„Das würde die Haltung erklären. Wie groß würden Sie ihn schätzen?“

„Ich stand ja neben ihm, ich bin 1,70 groß, er war vielleicht fünfzehn Zentimeter größer, mehr nicht.“

„Dick, dünn, Bauch oder eher knochig?“

„Ähm, knochig war er nicht, ich bin relativ weich gefallen.“

Iffi überlegt: „Korpulent, ja, breitschultrig … Hm, ungefährer Körperbau wie Martin.“

„Martin?“

„Martin, mein Redakteur!“

Brigitte Summer macht sich laufend Notizen. „Aha, der Beteiligte an der Suchmeldung!“

Iffi schaut schuldbewusst. „Martin habe ich rumgekriegt, es war meine Idee.“

„Aha. Was hatte der Mann an?“

„Er hatte eine helle Jeans an, eine alte, ausgewaschene mit Hosenträgern, und ein kariertes Hemd, so eine Art Holzfällerhemd … Hm, die Ärmel waren hochgekrempelt. Ja, er hatte Hosenträger an und einen Gürtel um die Brust.“

„Hatte er keine Jacke an? Es ist Februar!“

„Nein, da war keine Jacke … Die hat er wohl nicht mehr gebraucht, er war ja tot!“

Brigitte Summer sieht Iffi durchdringend an. „Wieso sind Sie so sicher, dass er tot war?“

Iffi überlegt genau. „Seine Augen … Ja genau, die Augen, die waren tot.“

„Als meine Kollegen eintrafen, war er weg! Wie, glauben Sie, konnte er verschwinden?“

Entgeistert schaut Iffi zur Oberkommissarin. „Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich habe die 110 gewählt, nachdem ich wieder in meiner Wohnung war, das hat höchstens fünf Minuten gedauert. Künftig nehme ich mein Handy mit, wenn ich mit Lea noch mal runtergehe.“

„Zwanzig Minuten später war die Polizei da, und er war weg!“ Die Oberkommissarin geht um den Busch herum. Fußspuren sind keine da. Es liegt kein Schnee, der Februar ist bisher trocken, das Gras noch grün.

„In Ordnung, Frau Bernstein. Das wäre es für heute. Sollten Sie eine noch so kleine interessante Reaktion auf Ihre Suchmeldung bekommen, sagen Sie mir sofort Bescheid.“ Damit reicht sie Iffi eine Karte. „Jederzeit!“, betont sie noch.

„Ja, mach ich.“

Sie verabschieden sich. Iffi fährt in die Redaktion, um zu hören, was los ist. Martin erwartet sie schon. „Komm rein, Iffi.“ Er hält ihr die Tür zu seinem Büro auf. „Erzähl, glaubt sie dir?“

„Ja, ich habe schon den Eindruck, dass sie mir glaubt.“ Sie schmeißt sich in den Besucherstuhl. „Sie wollte genau wissen, wo und wie er lag, und was er anhatte. Mir ist dabei eingefallen, dass seine Arme mit einem Gürtel an den Oberkörper gefesselt waren. Oh Mann, wie konnte der in zwanzig Minuten verschwinden?“

„Bist du sicher, dass da sonst niemand war?“

Iffi sieht ihn an, in ihrem Kopf arbeitet es. „Ich habe nicht nach jemand anderem Ausschau gehalten. Man findet ja nicht jeden Tag eine Leiche. Ich bin gleich mit Lea rein, um die Polizei anzurufen.“

„Nehmen wir einmal an, du hast den Täter bei der Beseitigung der Leiche gestört, und nachdem du weg warst, ist er damit auf und davon.“

„Aber dann muss die Leiche doch irgendwo auftauchen.“

„Wenn er begraben wurde, wird er nur durch einen Zufall gefunden oder gar nicht. Wenn er im Inn entsorgt wurde, taucht er vielleicht irgendwann wieder auf. Du weißt doch, dass in Deutschland laufend Menschen verschwinden, die nie wieder aufgefunden werden.“

„Ja natürlich weiß ich das. Komm, Martin, fahren wir in die Kanzlei und holen uns unseren Anschiss bei Michael ab. Ich fahre.“

Punkt vier Uhr nachmittags gehen sie durch den Eingang der Kanzlei. Der Aufzug bringt sie in den 3. Stock.

Britta öffnet nach ihrem Klingeln die Tür und schaut sie beruhigend an. „Kommt rein, das Vollstreckungskommando wartet schon auf euch zwei“, sie lacht, „ihr seht beide sehr schuldbewusst drein, das ist gut, bleibt so.“

Sie gehen rechts den Flur entlang, dann öffnet Britta eine Tür. „Hineinspaziert“, sagt sie und macht eine einladende Geste.

Michael sieht ihr finster entgegen, Georg lächelt leicht.

„Setzt euch.“ Michael deutet auf den Sessel neben sich. Iffi setzt sich auf die Couch neben Georg. Martin räuspert sich, er muss den Sessel neben Michael nehmen, da sonst nichts mehr frei ist. Michael blickt ihn pikiert an. Keiner sagt etwas.

„Äh, Iffi, möchtest du einen Tee?“, fragt Britta, um die aufgeladene Atmosphäre etwas zu entspannen.

„Oh, ja gerne, danke, Britta.“

„Martin?“

„Kaffee bitte.“ Martin lächelt sie an. „Wenn’s keine Umstände macht.“

Michael sieht Britta vorwurfsvoll an. Sie verschwindet, um Tee und Kaffee zu holen.

„Was zum Teufel hat euch geritten? Martin, wieso machst du dabei mit? Dass Iffi so einen Blödsinn ausheckt, bin ich ja mittlerweile gewöhnt, aber dass du sie nicht daran gehindert hast, versteh ich wirklich nicht.“ Michael hat sehr laut gesprochen. Er ist wirklich verärgert. Iffis schuldbewusstes Gesicht verwandelt sich in ein angriffslustiges. Michael kennt das von ihr.

„Blödsinn? Ja! Ich sag dir mal, was Blödsinn ist. Du sitzt da in deinem Sessel und urteilst über uns – das ist Blödsinn! Mein lieber Michael, du vergisst, wir sind die Presse. Wir dürfen so einen Blödsinn machen.“ Iffi sitzt jetzt absolut aufrecht neben Georg, der bei dem Wortgefecht der beiden den Kopf etwas eingezogen hat.

In dem Moment kommt Britta mit den Tassen durch die Tür. „Nicht so laut“, sagt sie, „draußen spitzen sie schon die Ohren, weil ihr so schreit. Wir sind doch hier, um darüber zu reden, Vorwürfe bringen gar nichts.“

„Michael, du kennst mich nun schon zwei Jahre, wir sind relativ viel zusammen“, mischt sich Martin ein, „ich glaube also, du kennst mich ganz gut. Als Iffi mir die Suchmeldung brachte, fand ich sie auch unmöglich. Aber dann begann ich darüber nachzudenken – was passiert eigentlich, wenn sie erscheint?“

„Was soll schon passieren?“, fragt Michael immer noch aufgebracht.

„Na überleg doch mal!“

Michael schaut von einem zum andern.

Iffi und Martin lehnen sich zurück, jeder überlegt.

Britta murmelt: „Wenn ich jemanden umgebracht und die Leiche beseitigt hätte und dann diese Anzeige lesen würde, wie würde ich reagieren?“ Sie blickt in die Runde.

Georg antwortet: „Ich weiß, dass die ganze Stadt überlegt, wer der Tote sein könnte und wer der Mörder ist.“ Er pfeift durch die Zähne. „Der Täter wird durch die Anzeige sicherlich aufgeschreckt sein. Er muss damit rechnen, dass ihn jemand mit dem Mord in Verbindung bringt. Also muss er sich jetzt sehr vorsichtig verhalten, um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen. Vielleicht macht er dabei irgendeinen Fehler.“

Martin ergänzt: „Der Ball liegt jetzt beim Mörder, wir lehnen uns zurück und warten.“

Sie sprechen noch einige Beispiele durch, dann meint Britta: „Gut, gehen wir was essen, es ist mittlerweile fast halb sieben.“

„Ja, ich habe richtig Kohldampf. In der Aufregung habe ich mittags nichts gegessen. Ich muss aber erst nach Hause, mich umziehen. Vorher muss ich Lea in der Redaktion abholen. Wo gehen wir hin?“, sagt Iffi.

„Wie wäre es mit Indisch?“, fragt Britta hoffnungsvoll.

Georg sieht sie an. „Ich mag kein indisches Essen, das weißt du doch.“

„Eben.“

„Treffpunkt in einer Stunde bei Giovanni“, bestimmt Martin.

Am Abend fallen alle fünf über das Essen her. Danach unterhalten sie sich. Das Thema Leiche, überhaupt alles, an das Iffi sich erinnert, wird ausgiebig besprochen.

Beim Nachtisch, Grappa, Limoncello und Mandelgebäck, fragt Georg: „Habt ihr eigentlich schon einen neuen Hausmeister, Iffi?“

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist, einen Hausmeister zu finden“, meint Britta.

„Wir haben uns an einen Hausmeisterservice gewandt, die wollten eigentlich gestern jemanden schicken.“ Iffi lacht. „Vielleicht ist der Tote der Hausmeister.“

„Ich bin pappsatt“, meint Britta, ohne auf Iffis Worte einzugehen. „Wer fährt mich nach Hause und bringt mich zu Bett?“

„Na, da werde ich mich wohl opfern müssen. Komm mit, die Waage wartet zu Hause“, meint Georg und duckt sich, als Britta mit dem Arm ausholt.

Oktober 2010

Mbutha hat es sich nicht so anstrengend vorgestellt. Sie gehen nach Möglichkeit ein stetiges Tempo. Ab und zu können sie auf einem Lastwagen mitfahren. Ein paar Tage haben sie auch gerastet.

Ein Monat ist bald verstrichen. Der Mond wird wieder voll, so wie am Abend, als sie losgingen. Sie wollen nach Suahin nahe Port Sudan, dort haben sie Verwandte.

Sie machen sich inzwischen stets spät am Morgen auf den Weg und laufen bis spät in die Nacht. Nur nachts gehen ist nicht möglich. Sie haben es versucht. Muna, Mbuthas Tochter, hält die beiden Frauen am Tag wach. Den Rhythmus eines Kindes kann man nicht so einfach umkehren.

Tagsüber zu laufen ist allerdings gefährlicher. Die Grenze in den Sudan wollen sie heute Nacht überschreiten. Wie, wissen sie noch nicht. Mala lässt es auf sich zukommen.

Die Grenze kommt in Sicht. Muna plappert fröhlich vor sich hin. Die beiden Frauen beschließen, etwas zu warten, bis Muna müde wird. Sie setzen sich und lehnen sich an einen Baum. Es ist fast dunkel. Mbutha holt den letzten Rest Essen, das sie in einem Dorf erbettelt hat, hervor. Ihre Tochter erhält eine Kugel Reis. Danach ist sie müde. Mbutha schlägt sie in ihr Tuch ein.

Mala und ihre Schwester bereden den Weg. Sie wollen getrennt über die Grenze. Mala meint, wenn sie eine von ihnen erwischen, kann die andere weiter zu ihrer Tante in den Sudan gehen und dort warten, bis die andere nachkommen kann. Dass Vergewaltigung und Folter drohen, wenn sie erwischt werden, sprechen sie nicht aus.

Sie gehen los. Mbutha bindet das Tuch mit ihrer Tochter wieder auf ihren Rücken. Nach einer Stunde haben sie die Grenze vor sich. Sie trennen sich. Mala geht nach rechts, Mbutha nach links.

Mala schleicht sich näher an die Grenze. Kein Zaun, aber Fahrzeuge patrouillieren. Sie beobachtet den Rhythmus der Wagen. Sobald der nächste vorbei ist, läuft sie geduckt los. Der Mond ist hell. Eigentlich wollten sie bei Neumond über die Grenze, doch sie haben die Wegstrecke unterschätzt. Ein Geräusch von rechts lässt sie zusammenfahren. Beinahe hätte sie aufgeschrien. Jemand rennt an ihr vorbei. Ein junger Mann. Er sieht sie nicht an. Mala läuft mit klopfendem Herzen hinter ihm her. Erst nach mehreren Minuten wird sie langsamer. Der Mann ist schneller. Dann ist er weg. Mala geht zügig weiter.

Mbutha ist mit einer kleinen Gruppe über die Grenze gelangt.

Als sie loslaufen wollte, hat eine junge Frau sie am Arm zurückgehalten. Mbutha hat sie vorher nicht gesehen. Die drei Menschen hinter ihr hat sie nicht registriert. Ihr Blick war auf die Grenze gerichtet. Jetzt sieht sie etwa fünfzig Meter vor sich einen bewaffneten Mann. Er hat dort zunächst absolut still gestanden. Jetzt bewegt er sich, nun nimmt sie ihn wahr. Er steigt in einen Wagen und fährt weg. Unmittelbar danach laufen die drei los. Mbutha mit Muna auf dem Rücken hinterher. Muna beginnt, leise zu weinen. Die junge Frau wird langsamer. Sie hilft Mbutha. Ihre Hand treibt sie vorwärts. Als Mbutha nicht mehr weiterkann, nimmt sie ihr Muna ab, etwas langsamer hetzen sie weiter.

Die junge Frau gibt ihr nach weiteren fünfzig Metern Muna zurück und läuft zu ihrer Gruppe. Schnell sind die drei nicht mehr zu sehen. Mbutha konnte ihr nicht einmal danken.