After Death - Ein Thriller - Dean Koontz - E-Book

After Death - Ein Thriller E-Book

Dean Koontz

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Beschreibung

In einem geheimen Forschungslabor stirbt die gesamte Belegschaft innerhalb von Minuten durch einen künstlich geschaffenen Mikroorganismus – doch Michael Mace beginnt in der Leichenhalle wieder zu atmen. Als wäre dies nicht schon Wunder genug, muss er feststellen, dass er nun über besondere Fähigkeiten verfügt. Er kann mit seinen Gedanken online gehen und bekommt so Zugriff auf Smartphones, GPS-Transponder und Sicherheitssysteme. Kurz gesagt, alles Digitale ist für Michael wie eine offene Tür. Nachdem Michael aus der Leichenhalle flüchtet, setzt sich ein psychopathischer Agent auf seine Spur. Dessen einziges Ziel: Michael wieder zu töten. Hightech-Thriller mit viel Action und Nervenkitzel. Superspannend und voller haarsträubender Szenen. People Magazine: »Koontz hat ein Händchen dafür, das Bizarre und Unheimliche so alltäglich erscheinen zu lassen wie einen Sonnenaufgang.« Tampa Tribune: »Weit mehr als ein Genre-Autor. Die Seele seines Werks sind die Figuren und die Suche nach Sinn. Deshalb wird man seine Romane noch lesen, wenn die Geister und Monster der meisten Genre-Autoren längst auf dem Dachboden verstauben.«

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 462

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner

Impressum

Die amerikanische Originalausgabe After Death

erschien 2023 im Verlag Thomas & Mercer.

Copyright © 2023 by The Koontz Living Trust

Copyright © dieser Ausgabe 2025 by

Festa Verlag GmbH

Justus-von-Liebig-Straße 10

04451 Borsdorf

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:

[email protected]

Titelbild: TheArtisanPixel / 99designs

Alle Rechte vorbehalten

eISBN 978-3-98676-239-1

www.Festa-Verlag.de

Für David und Robin Gaulke

Mit Bewunderung und Zuneigung

So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

– Paulus von Tarsus

EINS

MICHAEL IN BEWEGUNG

EIN WENIG NACHTARBEIT

Die Sterne sind erloschen und der ertrunkene Mond treibt knapp unter der Oberfläche eines Sees aus durchsichtigen Wolken.

Ratten nisten in den Kronen der Dattelpalmen: von Flöhen geplagte Eindringlinge, die überwiegend in ihren hohen Nestern bleiben und sich nur selten in dieser illustren Villenkolonie zeigen, in der Größen aus Kunst und Wirtschaft auf bewachten Landsitzen leben, in denen es kein Ungeziefer gibt.

Um 3:10 Uhr morgens, als Michael Mace in flottem Tempo durch eine elegante Wohngegend unterwegs ist, erstarrt eine wohlgenährte Ratte mit langem Schwanz bei ihrem Abstieg einen Palmenstamm hinunter. Ihre Öltropfen gleichenden Augen glänzen im gelblichen Widerschein der nächsten Straßenlaterne. Er stellt keine Gefahr für das Tier dar, aber es denkt anders und verschwindet schleunigst wieder in der Kaskade aus Palmwedeln, aus der es sich vorgewagt hat.

Keine zehn Meilen südlich von hier sind Straßen, die einst stattlich wie diese waren, heute für Ratten und Menschen gleichermaßen gefährlich. Die zugemüllten Gehwege und Parks sind teilweise unpassierbar, durch die chaotischen Lager der Süchtigen und Geisteskranken blockiert, die eine kleinere Anzahl von vernünftigen, geistig gesunden echten Obdachlosen, deren Bedürfnisse die Behörden ignorieren, unverdient in Verruf bringen. In diesen Bezirken wimmelt es von wilden Katzen, die genau wissen, wo reichlich Nagetiere, Kakerlaken und andere Leckerbissen zu finden sind.

Im Gegensatz dazu toleriert diese reiche Gemeinde solche degoutanten Festmähler nicht. Als Reaktion auf den starken Anstieg von Straftaten, die aus umliegenden Bezirken herüberschwappen, deren herrschende Klasse sich für bewundernswert tolerant und aufgeklärt hält, hat der Stadtrat eine Aufstockung seiner Polizei beschlossen.

Ein Dodge Charger, ein Streifenwagen der hiesigen Polizei, biegt einen halben Block entfernt um die Ecke. Schatten werden größer, wandern und verkürzen sich wieder, als die Scheinwerfer die Avenue ausleuchten, auf der einst zu jeder Tages- und Nachtzeit reger Verkehr herrschte. Jetzt sind die Fahrspuren leer. Und auf den Gehwegen ist nur ein Fußgänger unterwegs.

In einer stinkreichen Stadt wie dieser muss ein einzelner Fußgänger nach Mitternacht unweigerlich die Aufmerksamkeit der Ordnungsmacht erregen. Trotzdem bleiben die Blinkleuchten auf dem Dach des Streifenwagens dunkel. Beim Näherkommen beschleunigt das Fahrzeug sogar.

Vielleicht ist der Mann am Steuer gegen Ende seiner Schicht abgelenkt und schläfrig. Oder vielleicht hat ein Kollege über Funk sofortige Unterstützung angefordert. Im Widerschein des Computerterminals und des digitalen Verwarnungsdruckers wirkt der vorbeiflitzende Fahrer gespenstisch, weniger Fakt als Form, sein Gesicht ein blasses Oval, spektral und ohne deutliche Züge.

Zwei Blocks weiter erreicht Michael ein Geschäftsviertel. Das aufsteigende Motorengeräusch unsichtbarer Lastwagen und anderer Fahrzeuge wird von Reihen hoher Gebäude zurückgeworfen, sodass es von einer geheimnisvollen Maschinerie tief unter der Erde zu kommen scheint.

Hier brennen keine Straßenlaternen. Die Stadt bezieht ihren Strom von einem regionalen Versorgungsunternehmen, das den Verbrauch in dieser Zeit der Engpässe durch Strafzahlungen und hohe Preise eingeschränkt hat. Um Einbrüche und Raubüberfälle einzudämmen, bleibt die Straßenbeleuchtung überwiegend für Wohngebiete reserviert. In diesen von mehrstöckigen Häusern gesäumten Straßen mit Restaurants und Luxusgeschäften sind Geschäfte, die früher die ganze Nacht hindurch glitzerten, nach Ladenschluss dunkel.

Abgestellt wurden die zu einer Plage gewordenen Diebstähle durch eingeschlagene Türen und Schaufenster mittels Einbau schussfester Scheiben mit versteckten Rollläden aus Stahl, die mit Druckluft herunterrattern, sobald das Glas bei einem Einbruchsversuch nachzugeben droht. Sie halten sogar Autos auf, die als Rammen eingesetzt werden. Potenzielle Kunden werden noch auf dem Gehweg nach Waffen gescannt – Pistolen, Messer, Hämmer, was auch immer –, bevor sie die Tür erreichen, die sich automatisch verriegelt, wenn eine Gefahr erkannt wird. Geschätzte Stammkunden und -klienten werden durch Gesichtserkennung identifiziert und eingelassen. So bleibt ihnen die Peinlichkeit erspart, sich erklären zu müssen, wenn sie zur Selbstverteidigung Schusswaffen tragen. Dank dieser Vorsichtsmaßnahmen können die teuersten Geschäfte die Illusion von zeitlosem Glamour und risikolosen Privilegien aufrechterhalten.

An einer mit Klinkersteinen gepflasterten überraschend sauberen Gasse liegen die Türen der Hintereingänge von Restaurants und Warenlagern, die sicher wie die Türen von Munitionsbunkern sind. Sie werden mit schlichter Eleganz präsentiert, die sonst in den Gassen von Geschäftsvierteln selten anzutreffen ist. Sogar die Abfallcontainer sind in gutem Zustand, frisch gestrichen und diskret.

In Düsternis, die der verschleierte Mond nur wenig aufhellt, lieber bei Licht unterwegs, aber gut ans Dunkel angepasst, geht Michael zu einem vierstöckigen Bau rechts voraus weiter. Die Haustür und das Rolltor einer Doppelgarage sind mattschwarz lackiert, tragen aber weder eine Hausnummer noch einen Firmennamen.

Hier gibt es ein elektronisches Schloss, das er öffnen muss, und eine Alarmanlage, die er deaktivieren muss, als er den schwach beleuchteten Eingangsbereich betritt und die Tür leise hinter sich schließt. Für ihn sind dieses Leben und seine Fähigkeiten so neu, dass sie ihn noch immer staunen lassen.

Die Anwaltsfirma Woodbine, Kravitz, Benedetto & Spackman besitzt dieses Gebäude, nutzt alle fünf Geschosse selbst und beschäftigt 81 Mitarbeiter. Links von Michael führt eine Tür in die zweigeschossige Tiefgarage hinunter.

Er geht durch die Schwingtür direkt vor ihm weiter und folgt dem Korridor im Erdgeschoss, der an der Registratur und den Büros bestimmter juristischer Mitarbeiter vorbeiführt. An seinem Ende geht er durch eine weitere Schwingtür.

Reichtum und Macht der Anwaltsfirma werden durch den höhlenartigen unproduktiven Raum demonstriert, den die Eingangshalle einnimmt, die zu dieser späten Stunde nur schwach indirekt beleuchtet ist. Schwarzer Granitboden. Wandpaneele aus honigfarbenem Anigré-Edelholz. Mit Weißgold abgesetzte hohe Gewölbedecke. Große, dramatische – und nach Michaels Ansicht langweilige – Gemälde von Jackson Pollock, die Millionen gekostet haben, präsentieren bedeutungslose Farbklecksereien, die von der schlichten Eleganz der makellos glatten Paneele ablenken.

Die beiden Aufzüge haben Edelstahltüren mit angedeuteten Art-déco-Motiven. Aus Sicherheitsgründen erfordert ihre Benutzung die Eingabe eines fünfstelligen Zahlencodes. Jeder Mitarbeiter hat einen persönlichen Code. Tagsüber werden Gäste und Mandanten von einer der beiden Empfangsdamen zu den Aufzügen geleitet. Obwohl Michael selbst keinen Code hat, weiß er alle und könnte mit dem eines beliebigen Mitarbeiters einen Aufzug benutzen, aber obwohl der pneumatische Lift sehr leise ist, könnte er den Mann alarmieren, den er hier aufsuchen will.

Für den Brandfall sind Notausgänge zu einem Treppenhaus vorgeschrieben. Auf den Plänen, die im Bauamt der Stadt archiviert und für Michael leicht zugänglich sind, ist eines eingezeichnet. Die Treppe verbirgt sich hinter einem Paneel, auf dem ein riesiger Pollock hängt, der das mentale Chaos von extremem Alkoholmissbrauch überzeugend abbildet und zelebriert. Eine verdeckte Taste am Bilderrahmen entriegelt das Schloss, sodass die Geheimtür nach außen schwingt.

Die in Absätze unterteilte Treppe ist aus Beton, nicht aus Stahl. Um das Risiko zu vermindern, dass jemand stürzt und auf Schadenersatz klagt, haben ihre Stufen Trittflächen aus Gummi. Die in regelmäßigen Abständen angebrachten LED-Wandleuchten brennen 365 Tage im Jahr Tag und Nacht.

Oben im vierten Stock horcht Michael auf seine Atemzüge, die so leise sind, dass er vielleicht nur interne Geräusche hört: das rhythmische An- und Abschwellen seiner Lungenflügel. Ein Beobachter könnte vielleicht glauben, dort stünde ein Toter, aber er ist nicht mehr tot.

Von dieser Seite aus ist die Tür nicht versteckt, und das elektronische Schloss lässt sich durch einen einfachen Hebel entriegeln. Er betritt einen Raum mit Anigré-Paneelen. Der Fußboden ist nicht mit billigen Fliesen, sondern mit hell glänzendem Quarzit in großen Tafeln ausgelegt. Die Empfangstheke ist ein wie geschmolzen fließendes Wunderwerk aus gebürstetem Edelstahl mit einer Platte aus Quarzit. Acht bequeme Sessel stehen für Besucher bereit, die durch langes Warten begreifen lernen, dass sie weniger bedeutend als der Mann sind, dessen Rat sie einholen möchten.

Gegenwärtig besteht die ganze Beleuchtung aus zwei Alabaster-Wandlampen auf beiden Seiten einer Tür in der Rückwand des Raums.

Links davon, hinter einer Glaswand mit eingeätzter Stadtsilhouette, liegt ein Konferenzraum im Schatten – 20 Stühle an einem langen Tisch. Rechts führt ein Fenster auf Straßen hinaus, die arm an Licht und reich an Gefahren sind.

Michael geht um die Theke herum und zu der beleuchteten Tür weiter. Hinter ihr liegt das Büro von Carter Woodbine, Gründer und Seniorpartner von Woodbine, Kravitz, Benedetto und Spackman.

Normalerweise vereinbart Woodman Termine nur zwischen zehn und 16 Uhr. Bei dieser Gelegenheit trifft er sich jedoch nicht mit gewöhnlichen Mandanten, und selbst dieser große Mann ist vor Tagesanbruch aktiv, wenn die Angelegenheit, mit der er sich befassen soll, lohnend genug ist.

Wie in den öffentlichen Bereichen dieses Gebäudes herrscht in Woodbines Büro eine glückliche Verbindung zwischen großem Drama und gutem Geschmack. Sein Schreibtisch ist eine ungewöhnlich große Arbeit von Ruhlmann, circa 1932. Die darauf stehende Lampe ist nicht von Office Depot, sondern stammt aus den längst versunkenen Werkstätten von Louis Comfort Tiffany. Ihr in Gold und Blau ausgeführtes seltenes Libellenmotiv spricht Woodbine bestimmt an, weil es Macht und Geheimnisse verkündet – die beiden Gewänder, in die er sich sein Berufsleben lang gehüllt hat.

Obwohl der Anwalt eine halbe Autostunde von der Kanzlei entfernt eine 1500 Quadratmeter große Villa auf einem Hektar Grund besitzt, unterhält er hier oben im vierten Stock eine Wohnung. Außer Wohnzimmer, Speisezimmer, großer Küche, Schlafzimmer, Bad und Fitnessraum gibt es einen versteckten Panikraum, der jedem denkbaren Angriff widerstehen kann. Seine dritte Frau, die 40-jährige Vanessa, 20 Jahre jünger als er, lebt mit ihm in der Villa, hat aber keinen Zugang zu seinem Apartment, von dem sie vermutet – oder zu vermuten vorgibt –, es sei bescheiden und werde nur genutzt, wenn er wegen eines dringenden Falls keine Zeit für die kurze Autofahrt erübrigen könne. Auf diese Weise kann Woodbine ein Parallelleben voll stiller, aber intensiver Lasterhaftigkeit führen, das seinem öffentlichen Image gewaltig widerspricht.

Der Eingang des Apartments ist in der Täfelung des Büros hinter einem großen, peinlich prätentiösen kubistischen Gemälde versteckt, das von Picasso oder Braque oder ihrem Friseur stammen könnte. Das Schloss erfordert das Signal eines elektronischen Schlüssels, der an ein blaues Dreieck auf dem Gemälde gehalten werden muss; der dahinter montierte Codeleser erkennt das Signal und entriegelt das Schloss.

Michael hat keinen Schlüssel und braucht auch keinen für den Codeleser. Die Tür öffnet sich, er betritt einen kleinen Vorraum und geht von dort aus ins Wohnzimmer weiter.

Das Sicherheitssystem des Apartments ortet alle Anwesenden durch ihre Wärmesignatur und stellt sie auf dem Grundriss dar, der im Panikraum auf einem großen Bildschirm zu sehen ist. Im Krisenfall würde Woodbine hinter Stahlplatten und Beton geschützt genau wissen, wo die Eindringlinge zu finden sind, und könnte mit einem SWAT-Team der Polizei telefonieren, damit es die Täter leichter fassen und sein Apartment sichern kann.

Michael wird jetzt durch einen blinkenden roten Punkt auf dem Bildschirm dargestellt, aber im Augenblick ist niemand im Panikraum, der ihn sehen könnte. Drei weitere Warnleuchten blinken ebenfalls.

Obwohl Michael lieber ein gewöhnlicher Mensch wäre, ist er nach allen Maßstäben einzigartig, und eine Rückkehr ins normale Leben kann es für ihn nicht geben. Er geht weiter.

Die drei Männer sind um die Kücheninsel versammelt, auf der Bündel von 100-Dollar-Scheinen hoch aufgestapelt sind. Die Dicke der Bündel lässt vermuten, dass jedes 10.000 Dollar enthält. Insgesamt müssen hier mindestens drei oder vier Millionen Dollar gestapelt sein. Carter Woodbine – groß, gut aussehend, weißhaarig – trägt einen Schlafrock aus dunkelblauer Seide über einem gleichfarbenen Pyjama. Seine Komplizen Rudy Santana und Delman Harris kommen frisch von der Straße, haben ihre Seesäcke voller Cash ausgeleert.

Sie sind zuversichtlich, dass niemand in dieses Gebäude eindringen kann, ohne die Alarmanlage auszulösen, genau wie für sie feststeht, dass niemand von dieser Zusammenkunft wissen kann.

Als Michael den Raum betritt, sind die drei Männer so verblüfft, dass sie nicht sofort reagieren können. Ihre Köpfe drehen sich perfekt synchron, und aus ihren Mienen spricht Grauen, als wäre jemand, den sie ermordet haben, aus dem Grab auferstanden, obwohl Michael ihnen natürlich völlig unbekannt ist.

Harris ist der Erste, der diesen hypnotischen Zustand überwindet. Er zieht eine Heckler & Koch Kaliber 45 aus dem Schulterholster unter seiner grauen Lederjacke. Rudy Santanas hüftlange schwarze Jeansjacke steht offen, und er zieht seine Pistole aus einem Gürtelholster.

Weil Michael keine Waffe in der Hand hält und lächelnd hereinkommt und so selbstbewusst wirkt, als wäre er nicht ganz richtig im Kopf, sind die Ganoven unsicher – hartgesotten und schmallippig, aber zugleich verwirrt und im Zweifel, ob es sich als töricht erweisen wird, dass sie ihre Waffen gezogen haben.

Michael sagt: »Ich bin unbewaffnet und allein. Ich möchte keinem etwas tun. Ich brauche nur Geld. Gebt mir eine halbe Million, dann könnt ihr den Rest behalten.«

EIN GESPRÄCH IN DER KÜCHE

Setzt die Definition von Mord voraus, dass der Beschuldigte einen Abzug betätigt, mit einem Messer zugestochen oder eine Machete geschwungen haben muss, hat von den drei um die Kochinsel versammelten Männern Rudy Santana die bei Weitem meisten Morde verübt. Erweitert man die Definition von Mörder, sodass sie jeden einschließt, der illegale Unternehmungen finanziert, bei denen blutige Rivalitäten und tödliche Gewalt unvermeidlich sind, geht der Preis an Carter Woodbine. Der Anwalt hat seit 30 Jahren neue Gangs finanziert, die sich von bestehenden Banden abgespalten haben, und seinen politischen Einfluss genutzt, um seine Komplizen vor Strafverfolgung zu bewahren. Er setzt sich dafür ein, die Südgrenze der Vereinigten Staaten für Drogentransporte offen zu halten und den Menschenhandel zu erleichtern, der einen stetigen Strom von überschuldeten jungen Frauen für Bordelle und zartester Kinder für Männer sicherstellt, die nach ihnen gieren.

Trotz aller Michael zur Verfügung stehender Informationsquellen kann er keinem der beiden Männer eine exakte Zahl von Morden zuordnen. Außerdem wächst ihre Zahl unaufhörlich – pro Monat bei Santana, pro Woche bei Woodbine.

Was Delman Harris geleistet hat, ist leichter einzuschätzen. Michael ist sich ziemlich sicher, dass Harris zwischen sieben und zehn Morde verübt hat, einen Bruchteil dessen, was Woodbine oder Santana auf dem Gewissen haben. Vielleicht geniert er sich wegen dieser geringen Zahl, fühlt sich den beiden anderen unterlegen, sodass nicht Santana, sondern er mit dem Finger am Abzug seiner Pistole auf Michael zielt und laut fragt: »Scheiße, wer sind Sie?«

»Ich bin niemand.«

Woodbine widerspricht ruhig. »Sie sind jemand.«

»Ich bin kein Cop«, versichert Michael ihnen.

»Sieht nicht aus wie einer der Jungs«, sagt Santana.

»Scheiße«, sagt Harris. »Er sieht wie’n Weichei aus.«

»Schlappschwanz«, bestätigt Santana.

»Sie sind einfach reingekommen«, sagt Woodbine.

Michael zuckt mit den Schultern. »Sie sollten sich bei Ihrer Sicherheitsfirma beschweren.«

»Raus geht der Scheißkerl nicht einfach wieder«, verspricht Harris.

Santana runzelt die Stirn. »Was denn? Sicherheitsfirma?«

»Schluss mit dem Gequatsche«, fordert Woodbine sie auf. »Rudy, sieh nach, ob er wirklich allein gekommen ist.«

Rudy Santana funkelt Michael an. Er ist wütend, hat sich aber unter Kontrolle. Er verlässt die Küche, geht auf die Jagd.

Harris ist nervös. Michael soll in die Mündung seiner Pistole sehen und darüber nachdenken. Die Hand mit der Waffe zittert leicht. Er atmet zu hektisch und flach.

Woodbines Gelassenheit ist nicht gespielt. Er steht mit den Händen in den Schlafrocktaschen da, mustert seinen ungebetenen Gast. Er wirkt nicht besorgt. Weil ihm nie etwas Schlimmes zugestoßen ist, setzt er voraus, dass das nie passieren wird. Die Welt, die durch die größte Machtkonzentration der Geschichte umgestaltet wird, entwickelt sich zu einer, die Narzissten mit Unsterblichkeitsfantasien hervorbringt, wie die Menschheit sie noch nie gesehen hat und die sie vermutlich nicht überleben wird.

Santanas Abwesenheit macht Harris nervös, als fürchte er, sein Partner werde vielleicht nicht zurückkommen. »Du Blödmann kommst hier rein und verlangst ’ne halbe Million. Wie viel hast du geschnupft?«

»Warte auf Rudy«, sagt Woodbine.

Drei Minuten vergehen schweigend. Santana kommt zurück. »Alles in Ordnung. Wohnung und Büro clean. Aufzüge gesperrt. Hat der Scheißkerl andere mitgebracht, sind sie nicht mehr unten und warten auf eine Einladung.«

»Durchsuch ihn«, sagt Woodbine.

Santana warnt Michael: »Gib mir keinen Grund.«

»Ich bin nicht gekommen, um jemanden zu verletzen«, betont Michael erneut, bevor er sich Santanas rascher, aber gründlicher Leibesvisitation unterzieht.

»Clean«, meldet Santana Woodbine. »Und kein Ausweis.«

Michael, der bisher an der Tür gestanden hat, tritt an die Kücheninsel. »Mr. Harris, ich wäre entspannter, wenn Sie die Hand mit der Pistole runternehmen würden. Ihr Zittern macht mich nervös.«

»Weißt du, was noch nervöser macht?«, fragt Harris. »Ein Stahlmantelgeschoss Kaliber 45 mitten in die Fresse.«

Woodbine macht Harris ein Zeichen, die Pistole runterzunehmen, und sagt zu Michael: »Dieses Gespräch findet zwischen uns beiden statt.«

»Ist wohl am besten.«

»Wer sind Sie?«

»Hab ich schon gesagt.«

»Niemand.«

»Ganz recht.«

»Ich kann Ihnen die Fingerabdrücke abnehmen und sie überprüfen lassen.«

»Würde Ihnen nichts nützen.«

»Das ist mein Ernst. Das Ergebnis vom FBI wäre binnen einer Stunde da. Außer meinem Kontaktmann und mir wüsste niemand von meiner Anfrage oder den mir übermittelten Informationen.«

»Ich weiß, dass Sie das könnten. In dem System ist vieles faul, und Sie haben eine gute Nase für Faules. Aber meine Fingerabdrücke hat niemand.«

»Sie haben eine Vergangenheit.«

»Ausradiert.«

»Nicht möglich.«

»Für Sie vielleicht.«

»Es gibt garantiert Fotos und Dateien, die Sie übersehen haben.«

»Keine.«

»Wir könnten Sie festhalten, während wir suchen.«

»Nur wenn Sie mich umbringen.«

»Wieso sollten wir das nicht tun?«

»Weil ich’s nicht zulasse.«

Harris murmelt einen Fluch, und Santana schnaubt verächtlich.

Woodbine wirkt mehr amüsiert als besorgt. Er ist überlegen selbstbewusst. »Worauf haben Sie’s abgesehen?«

»Das habe ich schon gesagt.«

»Eine halbe Million Dollar.«

»Freut mich, dass Alzheimer Sie noch nicht erwischt hat.«

»Wieso sollte ich Ihnen eine halbe Million geben?«

»Weil Sie keine andere Wahl haben.«

»Damit Sie mir nichts tun.«

»Genau.«

»Ist Ihnen klar, wie das klingt?«

»Verrückt?«

»Total.«

»Stecken Sie mein Geld einfach in einen Seesack und behalten Sie den Rest.«

»Ihr Geld?«

»Ich wäre nicht hier, wenn ich’s nicht echt bräuchte.«

Santana und Harris sind ruhelos. Sie wollen ein bisschen gewalttätig werden, um ihre Nerven zu beruhigen.

Als Woodbine seine Hände aus den Taschen zieht, sind sie weder abgearbeitet noch altersfleckig. Seine frisch manikürten Nägel sind mit farblosem Lack überzogen.

»Wie haben Sie die Wahrheit erfahren?«, fragt er.

»Über Sie? Ich bin ein Recherchen-Genie.«

»Ich bin diskret. Ich ergreife sämtliche Vorsichtsmaßnahmen.«

»Darf ich das mit einer Metapher erklären? Sagen wir mal, dass das Internet ein dichter Informationsdschungel mit Billionen Hinweisen zu Milliarden von Geheimnissen ist. Jeder von euch hinterlässt eine Fährte, selbst wenn er versucht, seine Spuren zu verwischen. Ich bin eine Figur von Kipling.«

»Rudyard Kipling.«

»Sie haben in Harvard also etwas gelernt. Sehen Sie, ich kenne den Internetdschungel besser, als Mogli den echten kennt. Für meine Augen haben Sie eine Fährte wie eine Herde Elefanten hinterlassen.«

»Lassen wir die Metapher. Nennen Sie mir ein Beispiel.«

Mit einem Blick zu Harris und Santana hinüber sagt Michael: »Sie benutzen Wegwerfhandys, um mit diesen beiden Schwachköpfen und anderen zu kommunizieren.«

»Ich kaufe jedes Jahr ein paar Hundert Wegwerfhandys. Aber ich vernichte sie alle. Und ich kaufe sie nicht selbst.«

»Ich weiß. Mr. Santanas Onkel Ignacio, der Geistliche, kauft sie für ihn, und Santana gibt Ihnen einen Teil davon ab.«

Santana ist empört. »Mein Onkel ist ein heiliger Mann Gottes. Wage nicht, Tío Ignacio zu beleidigen, du Stück Scheiße!«

Woodbine bringt ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen, dann fragt er Michael: »Wie konnten Sie das wissen?«

»Sie benutzen Wegwerfhandys mit eingeschränkten Funktionen, um miteinander zu reden. Aber für Textnachrichten verwenden Sie Ihre Smartphones.«

»Unsere Texte sind verschlüsselt. Wirkungsvoll verschlüsselt.«

»Ja, ich weiß. Die beste Verschlüsselung der Welt, in Moskau entwickelt, vom russischen Ministerpräsidenten verwendet. Nicht mal die CIA konnte sie bisher knacken.«

»Aber Sie?«

»Sagen wir einfach, dass ich eine Hintertür ins Computersystem des russischen Gegenstücks zur CIA eingebaut und ein Rootkit installiert habe, um ungesehen kommen und gehen zu können.«

»Rootkit?«

»Hacker-Jargon. Allerdings arbeite ich nicht wirklich so. Ich bin kein Hacker, aber ich wollte mich für Sie verständlich ausdrücken.«

»Sie hören also irgendwie unsere Handys ab und lesen unsere verschlüsselten Texte mit. Daher wussten Sie, dass wir uns hier treffen würden.«

Michael zuckt mit den Schultern. »Verklagen Sie mich doch.«

»Ich soll glauben, dass Sie belastendes Material bei einem Freund deponiert haben, der damit wie im Film zur Polizei geht, wenn Sie nicht zurückkommen?«

»Durchaus nicht. Was würde mir das nützen, wenn man bedenkt, dass Sie Politiker, Richter, Staatsanwälte und kritische Journalisten kaufen können?«

Woodbine starrt ihn lange an. Zuletzt sagt er: »Sie faszinieren mich.«

»Danke. Aber das ist nicht mein Lebenszweck.« Er greift nach dem leeren Seesack und macht sich daran, 100-Dollar-Bündel hineinzustopfen.

Rat suchend fragt Santana: »Carter, was zum Teufel?«

Harris’ Smartphone steckt in der Innentasche seiner Lederjacke, Santana hat seines in der linken Hüfttasche seiner Jeans, und Woodbines Smartphone steckt in einer Tasche seines Schlafrocks. Obwohl keines dieser Geräte auf Vibrieren eingestellt ist, zittern sie jetzt dreimal stärker als je zuvor. Dabei lassen sie ein an- und abschwellendes Schrillen hören, das dreimal lauter als jeder zuvor erzeugte Laut ist und wie das zornige Summen eines monströsen Insekts klingt. Die Akkus sind augenblicklich überhitzt. Ihre Überraschung stürzt die drei Männer in vorübergehende Verwirrung. Santana ruft: »Was? Was? Was?«, Harris flucht und Woodbine lässt seine Pantoffeln stehen, als er von der Kochinsel zurückweicht. Alle drei versuchen loszuwerden, was sich in ihrer Kleidung manifestiert hat.

In den ersten drei Sekunden, in denen Rudy Santana sein Smartphone aus der Gesäßtasche zieht und sich daran die Finger verbrennt – »Scheiße, Scheiße, Scheiße!« –, boxt Michael ihm ins Gesicht, bricht ihm das Nasenbein. Santana klappt zusammen, und Michael stampft aufs Handgelenk seiner Hand mit der Pistole, worauf Santanas Finger sich krampfhaft öffnen, sodass Michael sich bücken und die Waffe am Lauf ergreifen kann. In den folgenden drei Sekunden dreht er sich nach Harris um, der seine Kaliber 45 auf die Kochinsel gelegt hat und mit verzweifelter Hast aus seiner Lederjacke schlüpft, die zu rauchen begonnen hat. Michael trifft seine Schläfe mit dem Griff von Santanas Pistole – gerade fest genug, um ihn für ein paar Minuten außer Gefecht zu setzen.

Carter Woodbine steht mit dem Rücken an den Kühlschrank gepresst da und saugt an Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, die er sich verbrannt hat, als er sein Smartphone aus der Tasche gezogen und quer durch die Küche geworfen hat. Im Überschwang seiner Reaktion ist er mit dem linken Arm aus dem Ärmel geschlüpft, sodass der offene Schlafrock von seiner rechten Schulter hängt. Wie er barfuß im Pyjama dasteht, wirkt er nicht imposanter als ein großes Kind, das bei einem verbotenen nächtlichen Kühlschrankbesuch ertappt worden ist.

Die rauchenden Handys sind verstummt.

Michael lässt Santanas Pistole in den Seesack fallen und sagt mit Harris’ Kaliber 45 in der rechten Hand: »Stellen Sie mich nicht auf die Probe.«

Woodbine nimmt Daumen und Zeigefinger aus dem Mund, um zu antworten: »Ich bin doch nicht dumm.«

»Aus Mangel an Beweisen muss ich auf Ihr Wort vertrauen.«

Auf dem Fußboden hält Santana sein verletztes Handgelenk mit der anderen Hand, atmet durch den Mund, während in seiner deformierten Nase Blutblasen blubbern, und stößt zwischen Atemzügen Flüche aus.

Michael stopft mit der linken Hand weiter Geldbündel in den Seesack.

»Wie haben Sie das gemacht?«, fragt Woodbine.

»Was gemacht?«

»Sie wissen schon – die Sache mit den Handys.«

»Berufsgeheimnis.«

»Sie halten sich für clever.«

»Dafür hielt mich meine Mutter, aber ich selbst nie.«

»Ich finde Sie.«

»Viel Spaß bei der Suche.«

»Sie sind tot.«

»Kenne ich schon, hat mir nicht gefallen.« Er hat ungefähr ein Zehntel des Geldes eingepackt. Der Seesack ist schwer. »Ich sollte den Rest anzünden, weil ich weiß, wie Sie zu dem Geld gekommen sind und was Sie damit machen werden.«

Angesichts des drohenden Totalverlusts hält Woodbine respektvolles Schweigen für die beste Reaktion.

Während Michael den Seesack verschnürt, fragt er: »Was ist bloß mit Leuten wie Ihnen los?«

Unterdrückter Zorn zwingt Woodbine dazu, mit zusammengebissenen Zähnen zu sprechen. »Welche Leute meinen Sie?«

»Die alle Vorteile auf ihrer Seite hatten, aber ins Böse abgedriftet sind.«

»Es gibt kein Gut oder Böse.«

»Was denn sonst?«

»Gelegenheiten. Man ergreift sie. Oder eben nicht.«

»Wie nennt man diese Philosophie in Harvard?«

»Nihilismus. Der funktioniert. Sie scheinen auch danach zu leben.«

»Ich nehme Nihilisten nur aus. Das macht mich nicht zu einem.«

»Sie fühlen sich also tugendhaft?«

»Nein. Das macht mich nur zu einer anderen Art Dieb.«

Michael verlässt die Küche rückwärtsgehend mit der Kaliber 45 in der rechten Hand und dem Seesack unter dem linken Arm.

Wegen der Heckler & Koch folgt Carter Woodbine ihm nur zögerlich. Er wird wohl versuchen, übers Festnetz zu telefonieren. Aber es wird nicht funktionieren.

Michael tritt aus dem Vorraum des Apartments ins offizielle Büro von Woodbine und schließt die mit dem kubistischen Gemälde getarnte Tür. Es trägt die Signatur Picassos. Er studiert es eine Minute lang, doppelt so lange, wie es lohnend gewesen wäre.

Er durchquert den Raum und will in den Empfangsbereich weitergehen, als er hört, wie Woodbine mit der Picasso-Tür kämpft. Das elektronische Schloss ist blockiert und wird so bleiben, bis Michael ihm wieder zu funktionieren gestattet, vielleicht in ein bis zwei Stunden.

Über die versteckte Treppe erreicht er die Eingangshalle im Erdgeschoss, folgt dem Korridor zur Rückseite des Gebäudes und gelangt durch eine Tür aufs beleuchtete obere Parkdeck der Angestellten und Mandanten vorbehaltenen zweigeschossigen Tiefgarage. Der viertürige weiße Bentley des Anwalts steht auf dem besten Platz gleich neben dem Aufzug. Ein Glaskasten dient als Station des Mitarbeiters, der tagsüber die Limousinen der vier Partner vor den Haupteingang fährt oder dort abholt, damit sie sich nicht in die Tiefgarage bemühen müssen. Gesichert ist der Glaskasten mit einem elektronischen Schloss, das in die Alarmanlage des Gebäudes integriert ist. Michael öffnet es, ohne Alarm auszulösen, tritt ein, nimmt den Schlüssel des Bentleys von seinem Haken und schließt die Tür hinter sich.

Oft geht er lieber zu Fuß. Leute, die sich ihr Leben lang in hohem Tempo, stets in Fahrzeugen eingesperrt, bewegen, sehen weder die komplexen Details der natürlichen Welt noch der Welt, die der Mensch für sich erschaffen hat. Je weniger sie sehen, desto weniger verstehen sie – und desto wahrscheinlicher leben sie in einer Blase aus Irrealität.

Diesmal hat er jedoch viele Meilen zurückzulegen und ein Versprechen gegeben, das er vor Tagesanbruch zu halten hofft.

ZEHN TAGE ZUVOR: BEAUTIFICATION RESEARCH

Das Essen in der Cafeteria schmeckt schlechter als die K-Rationen der Army, aber wenigstens ist das Ambiente besser als die mit Trümmern und Bombenkratern übersäten Straßen irgendeiner Stadt am Arsch der Welt, in der jederzeit ein Feuergefecht ausbrechen kann. Weil diese Einrichtung ein Joint Venture zwischen der Internal Security Agency und zwei privaten Technologiefirmen ist, beide an der Börse über eine Billion Dollar wert, ist es bedauerlich, dass die Kantine vom Staat und nicht von der Personalabteilung einer der Firmen betrieben wird, die mehr von Nährwert und Geschmack verstünde. Den Angestellten bleibt nichts anderes übrig, als hier zu essen, denn bevor sie das Gelände verlassen dürfen, müssen sie sich einer eineinviertelstündigen Dekontaminierung unterziehen, die niemand zweimal am Tag durchmachen will. Lunchboxen von zu Hause sind aus Gründen verboten, die nur den Bürokraten bekannt sind, die diese Regeln festgelegt haben und in einem 3000 Meilen entfernten Rattennest schuften, in dem niemand sie erreichen kann.

Michael sitzt an einem Ecktisch mit seinem besten Freund Shelby Shrewsberry, dem vielleicht einzigen Immunologen in den Vereinigten Staaten, der auf zerebrovaskuläre Funktionen und die Blut-Gehirn-Barriere spezialisiert ist: 1,90 Meter, 105 Kilo und Afroamerikaner. Shelby, ein Genie, hat mit 22 promoviert, aber Michaels Intelligenz liegt nur wenig höher als der Durchschnitt. Shelby spielt Klavier, Geige und Saxofon; Michael hat die Mundharmonika gemeistert. Shelby hat das Gesicht eines Filmstars – Michael nicht so sehr. Sie sind seit 38 Jahren beste Freunde, seit sie sechs und ihre Familien Nachbarn in einem Wohnviertel der unteren Mittelschicht waren, in dem Michael und Shelby von den meisten anderen Kids aus unterschiedlichen Gründen für Nerds gehalten wurden.

Shelby, der leitende Biologe dieses Unternehmens, besitzt ebenso viel Autorität wie Dr. Simon Bistoury, der Technologie-Zar. Bistoury glaubt wirklich daran, was sie hier unter dem irreführenden und absurden Namen »Beautification Research«, dem »Projekt Verschönerungsforschung«, machen. Shelby ist jedoch zutiefst skeptisch, was den Zweck und die Moralität dieser Arbeit betrifft – ein Standpunkt, den er für sich behalten hat, um notfalls an die Öffentlichkeit gehen und das Projekt auffliegen lassen zu können. Tut er das, riskiert er finanziellen Ruin und Gefängnis, was auch für Michael gilt, den Shelby als Leiter des Sicherheitsteams an Bord geholt hat. In dieser Zeit, in der die Früchte von Korruption und das Streben nach Macht um jeden Preis selbst in oberen Gesellschaftsschichten allzu viele motivieren, sind Shelby und Michael wieder Außenseiter wie früher als Kids. Die meisten Angehörigen der jetzt herrschenden Elite würden sie als Nerds abtun, wenn sie nur ahnten, von welchen Prinzipien sie sich leiten lassen.

Sie diskutieren nie über ihren Status als potenzielle Hinweisgeber. In diesem Augenblick, hier in der Cafeteria, reden sie über Shelbys Verliebtsein in eine Frau namens Nina, der er nur dreimal begegnet ist und die er noch nicht um ein Date gebeten hat. Dieses Juwel hat er als Steuerberaterin bei seinem Cousin Carl kennengelernt, der drei Waschsalons besitzt. Sie hat Shelby nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch durch ihre Intelligenz, ihren Witz und ihren Fleiß bezaubert.

»Statt sie um ein Date zu bitten«, sagt Michael, »engagierst du sie als deine Steuerberaterin. Ich bin mir nicht sicher, ob das raffinierter als dämlich, dämlicher als raffiniert oder überhaupt nicht raffiniert ist.«

Shelby hat die unbewusste Angewohnheit, die Augen zu verdrehen, wenn er seine Fehler und Defizite eingesteht. »Ja, nun, ich vertrage Zurückweisung schon immer schlecht. Ich rolle mich zusammen und nuckle am Daumen.«

»Du bist groß, gut aussehend, erfolgreich, amüsant und angeblich smart. Dich weist keine Frau zurück.«

»Ich bin oft zurückgewiesen worden, bevor ich Tanya begegnet bin und sie geheiratet habe.«

»Aber damals warst du auch schon groß, gut aussehend, amüsant und angeblich smart. Nur noch nicht erfolgreich.«

»Ich war zu groß, breit wie ein Kleiderschrank, mit Pranken wie ein Auftragskiller, der Leute erwürgt, und der Neigung, finster vor mich hin zu starren. Daran hat sich nichts geändert.«

»Du brauchst nur zu lächeln, dann siehst du lieb aus wie ein Kätzchen.«

Shelby verdreht erneut die Augen wie eine Schlafpuppe. »Das ist’s gerade! Bin ich mit Nina zusammen, bin ich so bemüht, einen guten Eindruck zu machen, dass ich zu lächeln vergesse. Ich bin so ernst und nervös, dass ich bedrohlich aussehe.«

Michael schiebt seinen Teller mit dem nur halb aufgegessenen Fleischsalat-Vollkornsandwich mit Karotten und Rote-Bete-Salat weg und schüttelt den Kopf. »Mir ist’s ein Rätsel, wie du mit Tanya zwei Kinder kriegen konntest.«

»Tanya war nicht nur schön. Sie war eine unglaubliche Menschenkennerin. Nach zehnminütiger Bekanntschaft hat sie mich besser gekannt als ich mich selbst.«

»Vielleicht kennt diese Nina dich besser, als du glaubst, erkennt dich als Fürsten unter gewöhnlichen Männern.«

Shelby isst eine Gabel Fleischsalat, verzieht das Gesicht, spült ihn mit einem Schluck Eistee hinunter, verzieht erneut das Gesicht. »Findest du nicht, dass das mehr Glück wäre, als man erhoffen kann – zwei Frauen kennenzulernen, die meine inneren Werte erkennen?«

Michael tut so, als denke er darüber nach, dann fragt er: »Gibt es wirklich Auftragskiller, die Leute erwürgen?«

»Warum nicht, wo die Welt doch immer finsterer wird?«

»Benutzen sie die bloßen Hände oder eine Garrotte?«

»Hände, Draht, Seile, Schals, Gummischläuche … Sie müssen öfter wechseln, sonst wird der Job langweilig. Zu bedenken ist auch der Altersunterschied: Ich bin 44, Nina ist 30.«

»Humbert Humbert sabbert wegen Lolita. Ich nehme dich vorläufig fest, du Perverser.«

»Du findest das vielleicht witzig, aber darüber muss man ernsthaft nachdenken. Wenn Nina 65 ist, bin ich 79.«

»Ja, du hast recht. Und wenn sie 110 ist, bist du 124. Vorsicht, sonst fallen dir die Augen aus dem Kopf.«

Shelby trinkt einen Schluck Eistee. »Von den Leuten, die dieses Zeug zusammenbrauen, stammt auch das Mittel, das man vor einer Darmspiegelung schlucken muss, denke ich.«

»Weißt du, was ich denke? Obwohl Tanya vor acht Jahren an Krebs gestorben ist, hast du das Gefühl, sie zu betrügen, wenn du mit Nina anbandelst.«

»Nein, nein, so ist’s nicht.«

»Sie zu verraten.«

»Eine Tote kann man nicht verraten.«

»Ihr Andenken zu entehren.«

Shelby seufzt. »Du bist erbarmungslos. Während der spanischen Inquisition wärst du ein großartiger Untersuchungsrichter gewesen.«

»Deine Kinder sind erwachsen, und du vermisst ihre Anwesenheit in deinem Haus.«

»Was hat das mit irgendwas zu tun?«

»Du bist allein. Du bist nicht der Typ, der allein leben kann. Im Augenblick bist du ein einsamer, erbärmlicher, armseliger Säulenheiliger, der glücklich sein könnte, wenn er sich gestatten würde, sich um Nina zu bemühen.«

»›Säulenheiliger‹? Hast wohl mal mehr als deine üblichen Comics gelesen?«

»Du hast selbst gesagt, dass ihr Sohn besonders ist.«

Shelbys finsterer Gesichtsausdruck wird weich. »John. Er ist ein guter Junge. Menschen wie er sind die einzige Hoffnung der Welt.«

»Lässt Nina sich also mit dir ein, ist sie leichtsinnig genug, sich in dich zu verlieben, und töricht genug, dich zu heiraten, hast du nicht nur eine Ehefrau, sondern auch eine Kleinfamilie mit einem Adoptivsohn, den du fördern und inspirieren und so neurotisch wie dich machen kannst.«

Shelby seufzt. »Ein Traum, den zu haben es sich lohnt, nicht wahr?«

»Du hast es in der Hand, ihn Realität werden zu lassen.«

»Ich denke, ich werd’s versuchen.«

»Denk’s nicht nur. Mach’s einfach. Keiner von uns weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt, Kumpel. Vielleicht bist du nächste Woche schon nicht mehr da. Das Schicksal bevorzugt niemanden, vor allem keinen hünenhaften, finster dreinblickenden potenziellen Würger wie dich.«

Shelby, der an Michael vorbei zum Eingang der Cafeteria hinübersieht, murmelt: »Was macht unser S-O-B hier?«

Damit meint er Dr. Simon O. Bistoury, Co-Direktor des Projekts, Technologieexperte und Nervensäge. In 99 Prozent aller Fälle lässt er sich seinen Lunch ins Büro hinaufbringen. Taucht er einmal hier auf, was selten genug vorkommt, will er nicht essen, sondern sich bei jemandem, bei irgendwem über etwas beklagen, das ihm gerade zusetzt. Simon Bistoury ist kein glücklicher Mann.

Michael klopft auf Shelbys Tablett. »Los, beeil dich, iss auf!«

»Ich will den Nachtisch. Auf den verzichte ich nicht mal, wenn ich dafür Simon zuhören muss. Der Nachtisch ist das Einzige, was sich hier zu essen lohnt.«

»Er ist wahrscheinlich stinksauer, weil er von einem großen Erfolg mit den Roboter-Killerhunden gehört hat.«

Obwohl Bistoury an dieses Projekt glaubt, dürfte es seiner Ansicht nach erst in fünf Jahren erfolgreich sein. Die Position, nach der er giert, ist die des Projektleiters in einem Labor nördlich von San Diego, in dem Milliarden dafür ausgegeben werden, einen vierbeinigen KI-Soldaten mit erheblicher Feuerkraft auf Basis der Skelettstruktur und des Rückgrats eines Hundes zu entwickeln. Sie sehen nicht wie Hunde aus. Sie sehen wie echte Höllenhunde aus, die niemand streicheln will. Bistoury ist jedoch davon überzeugt, dass sie konstruiert, hergestellt und einsatzfähig gemacht werden können, bevor uns bei Beautification Research ein Durchbruch gelingt. Dr. Bistoury ist Wissenschaftler, aber ihm ist Erfolg wichtiger als Wissenschaft. Erfolg und Ruhm.

»Verdammt«, sagt Shelby. »Er hat sich einen Kaffee geholt und ist hierher unterwegs.«

Michael seufzt. »Hab ich nicht gesagt, dass keiner von uns weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt?«

Simon Bistoury bleibt an ihrem Tisch stehen und starrt finster auf sie hinab. »Die Dreckskerle unten in Encinitas haben den Ball aus dem Stadion geschlagen.«

»Ich bin kein Baseball-Fan«, sagt Shelby.

»Sie haben jetzt Bots in Hundeform. Mit beschränkter KI-Autonomie oder ferngesteuert, im autonomen Modus zu integrierter Aktion fähig.«

Michael sagt: »Ich habe einen Freund, dessen Hund drei Tennisbälle gleichzeitig in die Schnauze nehmen kann.«

»Ihr Budget ist doppelt so hoch wie unseres. Was sollen wir mit kümmerlichen zwei Milliarden pro Jahr erreichen können?«

DAS BLAUE HAUS

Selbst um diese Zeit, wenn die Teufel der realen Welt erst seit Kurzem schlafen und nur ehrlich arbeitende Leute sich auf den Segen der Arbeit vorbereiten, kann Michael Carter Woodbines Bentley nicht vor Nina Doziers Haus parken. Dadurch würde sie noch interessanter für die Gangster, die sie im Augenblick belästigen.

Er stellt die Limousine auf dem Parkplatz eines Zahnarztes ab, wo die größere Verwahrlosung ihres Viertels auf die geringere Verwahrlosung eines anderen trifft. Unterwegs hat er kurz haltgemacht, um von der halben Million Dollar 100.000 abzuzweigen und diese zehn Geldbündel in der Kofferraummulde unter dem Reserverad zu verstecken. Dann nimmt er den Seesack so über seine rechte Schulter, dass er ihn mit der Hand zuhalten kann, und macht sich mit Santanas locker gehaltener Pistole auf den acht Blocks weiten Weg.

Obwohl dies ein Stadtteil mit hoher Kriminalität ist, glaubt er nicht, dass ein Überfall unvermeidbar oder auch nur wahrscheinlich ist. Trotz aller Gefahren ist dies kein Vorposten der Hölle. Trotzdem gibt es heutzutage keine sicheren Viertel mehr, und jeden Kumpel mit aktiver Fantasie könnte ein Seesack nicht weniger interessieren als das Aufblitzen einer Rolex aus solidem Gold.

Dies ist ein Wohnviertel, das sich trotz häufiger Stromausfälle den Luxus einer Straßenbeleuchtung leistet; die Lampenmasten sind jedoch alt und ungenügend hell, denn die Milchglaskugeln auf vielen von ihnen sind durch Schüsse oder Steinwürfe zerstört. Die Straßenbäume sind fast so alt wie die City und seit Jahrzehnten nicht mehr zurechtgestutzt worden; das komplizierte Gewirr ihrer Äste und Zweige reduziert das verschleierte Leuchten des im Westen stehenden Mondes auf Flecke aus grauem Licht auf dem ansonsten finsteren Gehweg.

Werden von hinten herankommende Autos langsamer, spannt er seine Muskeln in der Erwartung an, dass sie halten werden, dass es zu einer Konfrontation kommen wird. Alle fahren nach Osten, auf ein schmales, aschfahles Lichtband zu, das den östlichen Rand der Welt umgibt, als tauche der Kontinent Atlantis langsam aus dem nächtlichen Meer auf.

Die Häuser sind überwiegend Bungalows in Ziegel- oder Holzbauweise, alle auf kleinen Grundstücken. Manche werden mit sichtbarem Stolz gepflegt. Ebenso viele verfallen hinter lange nicht mehr gemähten Rasenflächen. Ungefähr zehn Prozent sind verlassen. Dies ist das Revier der Vigs, einer ebenso gefährlichen Gang wie die Bloods oder Crips, die ihren Namen auf das Wort »vigorous« zurückführt, um zu signalisieren, dass sie Schwung, Elan und Kraft besitzt.

Nina Doziers Bungalow ist gut erhalten, in den letzten Minuten der Nacht farblos, aber bei Tageslicht blassblau mit weißen Akzenten. Zwei kleine Schlafzimmer. Ein Bad. Ein Wohnzimmer, das auch als Homeoffice dient. Eine Wohnküche. Insgesamt ungefähr 65 Quadratmeter. Das Haus hat ihren Eltern gehört. Sie hat es mitsamt einer Hypothek geerbt, als die beiden auf einem Zebrastreifen tödlich überfahren wurden, während sie mit Einkaufstaschen voller Lebensmittel aus einem örtlichen Supermarkt heimkamen.

Der später gefasste flüchtige Autofahrer war ein Meth-Freak mit langem Vorstrafenregister, vor Kurzem nach einer Festnahme wegen Autodiebstahls gegen Kaution aus der Haft entlassen. Er fuhr einen gestohlenen Lincoln Aviator, den er später an diesem Tag schrottete, ohne dabei selbst zu Schaden zu kommen.

Weil Ninas Sohn um diese Zeit noch schläft, geht Michael wie vereinbart um den Bungalow herum nach hinten. Sie sitzt bei einer Tasse Kaffee in der Küche: schlank und munter, eine dieser Frauen, die zu zierlich zu sein scheinen, um die Stürme dieser Welt abzuwettern, die sie aber alle unversehrt durchschreitet, eine mahagonibraune Madonna.

Nina sieht auf, als er leicht an eine der vier Scheiben in der oberen Hälfte der Terrassentür klopft. Trotz aller Beweise, die er ihr präsentiert hat, ist sie sichtlich überrascht, dass er wie versprochen gekommen ist. In ihre Überraschung mischt sich jedoch keine Erleichterung; sie ist’s gewohnt, dass Menschen und das Schicksal sie stets dann enttäuschen, wenn ihre Erwartungen am höchsten sind.

Sie sperrt die beiden Sicherheitsschlösser auf und öffnet die Tür. Michael betritt das bescheidene Heim, in dem die Hoffnung der Welt lebt.

LIKE A BRIDGE OVER TROUBLED WATER

Nina füllt einen schweren weißen Porzellanbecher mit Kaffee für Michael, gießt sich selbst nach und setzt sich ihm gegenüber an den Küchentisch. Sie braucht das Koffein, weil sie in dieser Nacht kein Auge zugetan hat. Seit er vorgestern an sie herangetreten ist, befindet sie sich in einem Erwartungszustand, der es schwierig macht, sich auf ihre Arbeit oder sonst etwas zu konzentrieren.

Mit 30 befindet sie sich nach einem selbst finanzierten Studium im sechsten Berufsjahr als Steuerberaterin. Ihre Mandanten sind kleine Firmen aus der näheren Umgebung. Sie führt ihre Bücher, bereitet ihre Steuererklärungen vor und achtet darauf, dass sie ihre Angestellten regelkonform behandelt. Keiner von ihnen wird davon reich, Nina auch nicht, aber sie hält es für eine Leistung, fast für einen Triumph, dass sie davon leben, ihren Sohn ernähren und noch dazu etwas zurücklegen kann, um dem Jungen die Chance auf ein besseres Leben geben zu können, als sie selbst gehabt hat. In dieser harten und dunkler werdenden Welt ist sie stolz auf das Erreichte – und dankbar dafür, dass sie klüger geworden und von niemandem mehr abhängig ist.

Mit 16 Jahren hat sie sich eine krasse Fehleinschätzung geleistet. Sein Name war Aleem Sutter. Er war ein Charmeur, charismatisch, ein Lügner, der einem jungen Mädchen einreden konnte, er meine es ehrlich. Er machte ihr ein Kind und ließ sie sitzen. Alle drängten auf eine Abtreibung, aber sie trug das Kind aus. Sie hoffte, Aleem werde zu seinem Unterhalt beitragen, wenn er hörte, dass er einen Sohn hatte. Dazu kam es nicht. Aber der Kleine war von Geburt an keine Last, sondern eine Freude. Niemals quengelig, immer lächelnd, von Anfang an neugierig und interessiert, mit rascher Auffassungsgabe – so wurde John von Jahr zu Jahr aufgeweckter. Nun ist er 13: gutherzig und ehrlich und zuverlässig, wie es sein Vater niemals war und noch heute nicht ist.

Wie jede Mutter es tun sollte, hält Nina ihren Sohn für etwas Besonderes, obwohl sie sich nie hätte vorstellen können, dass eines Tages jemand – ein Fremder, der sie durch seine unheimlichen Fähigkeiten verblüffte – an ihre Tür klopfen würde, um ihr mitzuteilen, Shelby Shrewsberry traue einem Jungen wie John zu, die Hoffnung der Welt zu sein. Aber dann kam Michael. 13 Jahre lang hat Nina für ihr Kind gelebt, jetzt mit mehr Liebe und Hoffnung als je zuvor – trotz aller Risiken und Gefahren.

Die Fähigkeiten, die Michael demonstriert hat, erscheinen magisch, aber Nina versteht, dass er seine Talente einem seltsamen Zusammenwirken von Wissenschaft und schierem Glück verdankt. Die Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Wunder aus Schrecken und Tragödie erblühen kann, ist unermesslich gering. Sie hält alles für ein Wunder, Michael dagegen nicht. Er besteht darauf, kein Messias zu sein, kein gesalbter Erlöser, sondern nur ein Kerl, der zur unrechten Zeit am unrechten Ort war, als mitten in einer Katastrophe eine einzige Sache klappte. Ihm ist bewusst, dass Macht korrumpiert und er bescheiden bleiben muss, um kein weiteres Monster zu werden, das sich denen anschließt, deren Ziel es ist, den größten Teil der Menschheit als Sklaven zu halten.

Aus dem Seesack, der neben seinem Stuhl auf dem Fußboden liegt, zieht er ein von einem Gummiband zusammengehaltenes Bündel Hunderter und legt es auf den Tisch. »Wie versprochen. Dies ist eines von 30.«

Obwohl sie ihm glaubt, zögert sie, das Angebotene zu berühren. Weil John in einem der vorderen Zimmer schläft, spricht sie leise, was Michael ebenfalls tut. »Woher hast du das alles?«

»Ich habe es ein paar sehr bösen Männern weggenommen.«

»Wie böse?«

»Drogen- und Menschenhandel.«

»Schmutziges Geld«, sagt sie.

»Der Gebrauch, den sie davon gemacht hätten, hätte es noch schmutziger gemacht. Du wirst es gut verwenden. Du wirst es wieder sauber machen.«

»Aber so viel.«

»Ich brauche vielleicht ein Jahr oder noch länger, um zu begreifen, wie ich diese verrückte Macht am besten nutzen kann. Bis ich mich traue, zu tun, was getan werden muss. In dieser Zeit möchte ich um Shelbys willen, dass John und du gut versorgt seid. Er war mein bester Freund. Ich liebe ihn. Mehr kann ich nicht für ihn tun.«

Er will, dass sie dieses Haus verkauft und in ein Viertel zieht, in dem Schüsse aus fahrenden Autos selten, in dem keine Gangsterbanden auf den Straßen unterwegs sind. Wo sie sicher sind, weil niemand John und sie finden kann.

Vor einem Monat ist Aleem Sutter in ihr Leben zurückgekehrt. Er ist jetzt der Boss der Vigs in diesem County. Einen Sohn im Bandenalter zu haben, der ehrbar lebt, ist peinlich für ihn und suggeriert den Kumpeln, dass er sich dem Willen einer Frau fügt. Obwohl er Ninas Zorn fürchtet, schnüffelt er an den Rändern ihres Lebens herum und wird rasch kühner.

»Womit soll ich dieses Geld verdient haben, wenn ich meinen Beruf aufgebe?«

»Hör einfach auf, deine Kreditkarte zu benutzen. Zahlst du bar, ahnt niemand etwas von deinem Reichtum.«

»Manche Dinge kann man nur mit einem Scheck oder dergleichen bezahlen.«

»Du zahlst einfach jeden Monat einen bestimmten Betrag auf dein Bankkonto ein.«

»Aber das Finanzamt wird irgendwann auf die Diskrepanz aufmerksam.«

»Mit dem Finanzamt hast du nichts mehr zu tun.«

»Ein schöner Traum!«

»Ich habe dafür gesorgt, dass die Computer im Finanzamt wissen, dass du vierteljährlich zahlst und jährlich deine Steuererklärung abgibst, aber du brauchst nie mehr etwas zu zahlen.«

»Was sage ich, wenn eine Steuerprüfung kommt?«

»Ich sorge dafür, dass das nie passiert.«

»Du sorgst dafür?«

»Du hast gesehen, was ich alles kann.«

»Ja, okay, aber … Jesus!«

»Ich habe in deiner Akte ›Keine Steuerprüfung!‹ vermerkt.«

»Wie funktioniert das?«

»Ein paar Hundert Leute in der Regierung sind so mächtig, dass sie Steuerprüfungen für sich ausgeschlossen haben. Ich habe dich in diese Gruppe hineingeschmuggelt.«

»Wie kommen sie damit durch?«

»Das ist ein streng gehütetes Geheimnis. Und Leute, die ihnen sagen, dass sie etwas nicht tun dürfen – denen passieren schlimme Dinge.«

»Überall Korruption.«

»Wir spielen nur mit, damit sie ihrer gerechten Strafe nicht entgehen.«

Sie starrt in ihren Kaffeebecher. Ihre in der dunklen Flüssigkeit gespiegelten Augen scheinen bei leichten Bewegungen größer und wieder kleiner zu werden, als warnte sie irgendeine Macht, die nur durch Suggestion und Symbole spricht, dass ihr Vorhaben ihr Sehvermögen und ihre Seele deformieren wird.

Michael sagt: »Aleem war bei einem Rechtsanwalt.«

»Wie meinst du das?«

»Ich kann den GPS-Speicher seines Cadillacs Escalade auslesen. Gestern hat Aleem 47 Minuten lang vor dem Gebäude von Bucklin & Ames geparkt, einer Anwaltsfirma, die ausschließlich Gangster wie ihn verteidigt. Heute hat er dort einen weiteren Termin.«

»Was hat das mit mir zu tun?«

»Mr. Bucklin speichert Besprechungsnotizen auf seinem Laptop. In diesem Fall habe ich mich über das Anwaltsgeheimnis hinweggesetzt und mitgelesen. Aleem war dort, um zu erfahren, welche Rechte als Vater er in Bezug auf John hat.«

Ninas Herz beginnt zu jagen. »Rechte? Keine. Er hat keine Rechte. Wann hat er auch nur einen Dime für ihn gezahlt? Zu welchem Geburtstag hat er John ein Geschenk gebracht? Niemals. Er hat noch kein einziges Mal mit dem Jungen gesprochen.«

»So einfach ist die Sache nicht. Das Gesetz geht nicht immer in gerader Linie von A nach B. Tatsächlich bevorzugt es oft lange, gewundene Wege.«

Ihr Mund ist trocken. Sie befeuchtet ihn mit Kaffee. Der Becherrand klappert kurz gegen ihre Zähne.

Sie sagt: »Geht John in die Privatschule, fahre ich ihn zur Saint Anthony’s, hole ihn wieder ab, behalte ihn in meiner Nähe. Aber es wäre nicht richtig, ihn einzusperren. Er zieht los, um mit Freunden Ball zu spielen, treibt sich überall herum. Ich habe Angst, dass Aleem ihn entführt. Aber an Anwälte habe ich nicht gedacht.«

»Letztlich bezweifle ich, dass Aleem die Geduld aufbringen wird, auf die Justiz zu vertrauen. Du hast recht, wenn du fürchtest, er könnte dir John wegnehmen.«

»Seit deinem ersten Besuch fahren meine Gefühle ständig Achterbahn.«

»Nehmen wir mal an, er würde tatsächlich klagen. Weißt du, wie lange es dauern würde, bis die Justiz zu deinen Gunsten entscheidet?«

»Zu lange. Und wenn Aleem John entführt, streitet er’s einfach ab. Er versteckt ihn und behauptet, von nichts zu wissen.«

»Und du? Was wird aus dir?«

Nina erwidert seinen Blick. Sie sieht Freundlichkeit darin.

Oder vielleicht ist das nur etwas, das sie sehen will.

Seit dem Tod ihrer Eltern hat es in ihrem Leben zu wenig Freundlichkeit gegeben.

»Aleem gibt mir keine Chance, John zurückzubekommen. Werde ich an einer Überdosis gestorben aufgefunden, stellt er mich als drogensüchtig hin. Ich weiß, dass ich vor ihm flüchten muss, aber …«

Michaels Stimme sinkt zu einem mitfühlenden Flüstern herab. »Es ist immer schwierig, ein funktionierendes Leben aufzugeben.«

»Es hat funktioniert. Wie’s jetzt damit steht, weiß ich nicht.«

»Ich verstehe mehr, als du mir zutraust, Nina. Du denkst, dass Aleem deinen Jungen will und dass ich deinen Jungen will – und fragst dich, ob das vielleicht das Gleiche ist.«

»Ist es das?«

»Er will aus dem Jungen einen Gangster machen. Ich will ihm ermöglichen, sein volles Potenzial zu erreichen. Und ich will, dass er immer mit dir zusammen ist.«

»Dies alles ist etwas aus der Twilight Zone. Es ist verdammt schwierig, sich darauf einzulassen.«

»Sehr schwierig«, bestätigt er.

»Aber ich muss immer wieder daran denken, wie du mir die Wahrheit über die Herkunft des Geldes gesagt hast. Du hast keine nette, saubere Geschichte erfunden.«

»Ich lüge nie. Seit meinem Tod kein einziges Mal mehr. Früher manchmal, seither nicht mehr.«

»Bist du meine Brücke? My Bridge over troubled water?«

»Die bin ich, wenn du’s zulässt.«

»Wegen Shelby Shrewsberry.«

»Ja. Und wegen deines Sohnes.«

»Ich wollte, Shelby hätte gesagt, was er für mich empfunden hat. Er ist mir wie … wie ein wirklich guter Mann vorgekommen.«

»Er war das, was einem Heiligen am nächsten kommt. Nicht nur mein bester Freund … sondern vielleicht mein einziger.«

»Gute Männer sind mir bisher nicht oft über den Weg gelaufen.«

»Schlag diesen neuen Weg ein. Vielleicht macht er einen gewaltigen Unterschied.«

DER JUNGE

Der Himmel ist wolkenverhangen und das Morgenlicht trübe, aber nach Ninas Entschluss ist die Küche mit einem Gefühl stiller Hoffnung erfüllt, als hätte hier die Heilung einer auf Abwege geratenen Welt begonnen, zu der es tatsächlich kommen könnte, wenn Michael seine Vorstellungen verwirklichen kann.

Sie stellt den Seesack voller Geld in die Speisekammer und gibt ihm einen undurchsichtigen Plastikbeutel mit Zugschnur, den sie zum Einkaufen benutzt. Er legt die beiden Pistolen in den Beutel, weil er weniger darauf angewiesen sein wird, eine Waffe zur Hand zu haben, wenn er die acht Blocks tagsüber zurücklegt.

»Ich könnte dich fahren«, sagt sie.

»Danke, aber ich gehe lieber zu Fuß.« Als Fußgänger kann er leichter an zwei Orten zugleich sein.

»Mit dem Hausverkauf beauftrage ich gleich heute einen Makler, der es möbliert verkaufen soll. Meinen Mandanten teile ich mit, dass ich aufhöre, und schicke ihnen alle Unterlagen zurück. Außer Kleidung und Erinnerungsstücken habe ich nicht viel zu packen. Wir können in drei bis vier Tagen aus dem Haus sein.«

»Früher wäre besser. Was machst du, wenn irgendwas schiefgeht und du Hilfe brauchst?«

»Ich halte mich genau an deine Anweisungen.«

»Erzähl mir, was du tun sollst.«

»Die Webseite meiner Firma bleibt in Betrieb. Brauche ich dich, stelle ich die Nachricht ›Die neunte Stunde‹ ein. Aber wie oft kontrollierst du die Seite?«

»Ich weiß im selben Augenblick Bescheid.«

»Oh. Ja, natürlich. Das verstehe ich noch immer nicht.«

»An manchen Tagen geht’s mir genauso.«

Die Schwingtür wird aufgestoßen. Der Junge kommt barfuß vom Flur herein, steht in seinem verknitterten Schlafanzug da und reibt sich den Schlaf aus den Augen. Er ist schlagartig hellwach, als er Michael sieht. »Du bist er.«

Bei seinem ersten Besuch hier im Haus hat Michael sich als potenzieller Mandant der Steuerberaterin Nina Dozier ausgegeben. John war zu diesem Zeitpunkt in der Saint Anthony’s School.

»Freut mich, dich kennenzulernen, John.«

»Mom hat mir von dir erzählt, aber nicht alles.«

»Sie wollte abwarten, ob ich mein Versprechen ihr gegenüber halte. Jetzt erzählt sie dir den Rest, denke ich.«

John ist ein hübscher Junge mit großen braunen Augen, die von innen heraus zu leuchten scheinen. Michael kann keine Gedanken lesen oder Charaktereigenschaften mit einer Wünschelrute feststellen, aber nach allem, was Nina sagt und die Lehrer in der Saint Anthony’s School in seine Zeugnisse geschrieben haben, ist er ein intelligenter, ausgeglichener Junge, der zu einem guten Mann heranwachsen wird. Johns Haltung, sein etwas schief gelegter Kopf, seine ruhige Stimme und seine leicht reservierte Art suggerieren eine gesunde Empfindsamkeit, die ihn vor der psychotischen Selbstüberschätzung bewahren wird, die andere Jungen zu Gangstern wie Aleem macht.

Er erinnert Michael an Shelby.

»Du bist jünger, als ich dachte«, sagt John.

Nach einer Rechnung ist Michael 44, aber nach einer anderen erst vier Tage alt. Zu dem Jungen sagt er: »Und du bist vermutlich reifer als Gleichaltrige.«

»Ja, das ist er«, bestätigt Nina, und der Junge senkt den Kopf, wie um diesem Lob auszuweichen.

»Es wird nicht leicht sein, deine Freunde zu verlassen.«

»Welche Freunde?«, fragt der Junge.

»Ich weiß, dass du welche hast.«

»Du meinst Schulfreunde.«

»Den meisten Kindern fällt das schwer.«

»Schulfreunde sind nicht für immer. Jeder wird erwachsen und geht seinen Weg. So ist’s eben.«

Beeindruckt sagt Michael: »Ich weiß, dass du deiner Mutter eine große Hilfe sein wirst.«

Sollte John jemals imstande sein, seine Mutter anzusehen, ohne sich seine tiefe Liebe anmerken zu lassen, ist dies nicht einer dieser Augenblicke. Er betet sie offensichtlich an. »Wir kommen immer zurecht.«

»Immer«, sagt sie.

»Geh nicht mehr in die Schule«, rät Michael ihm.

»Ich habe keine Angst«, sagt der Junge.

»Hier geht’s nicht um Angst. Hier geht’s darum, clever zu sein.«

Seine Mutter sagt: »Du kannst mir beim Packen helfen, Schatz.«

»Wir gehen also fort.«

»Wenn wir uns wirklich beeilen«, sagt sie, »können wir morgen Nachmittag weg sein.«

»Je früher, desto besser«, erinnert Michael sie.

Er lächelt John zu, und der Junge reagiert auf dieses Lächeln mit ernstem Gesichtsausdruck, der besagt, dass ihm die meiste Zeit seines Lebens bewusst gewesen ist, was auf dem Spiel steht.

DER LANGE ARM DES STAATES

Erklärter Zweck der weit ausgreifenden Internal Security Agency ist es, jegliche Gefahr für die Nation, die innerhalb ihrer Grenzen entstehen könnte, aufzuspüren, zu entdecken, zu überwachen und zu eliminieren, was die ISA teilweise wirklich tut. Die Entwicklung der Agency hat jedoch dazu geführt, dass ihre Hauptaufgaben heute sind, die Fortführung der undurchsichtigen, durch keine Wahl legitimierten Bürokratie zu garantieren, die das Land tatsächlich regiert, die Privilegien der herrschenden Klasse zu sichern und dafür zu sorgen, dass nur die richtige Art Leute sich die Taschen mit öffentlichen Geldern füllt. Mit einem Budget von Dutzenden Milliarden Dollar ist die ISA ein riesiges Wespennest, das bei jeder realen, erfundenen oder imaginierten Krise Schwärme von Agenten entsenden kann.

Unter diesen geschäftigen Hornissen des Gesetzes ist Durand Calaphas einzigartig. Wo manche anderen Agenten sich vielleicht für ihre Arbeit engagieren, ist Calaphas von ihr besessen. Er hat keine Frau, keine Kinder, keine wichtigen Verwandten. Seine Eltern leben noch, aber er findet den Umgang mit ihnen nicht der Mühe wert. Sein IQ beträgt 178, weit über der Grenze, die ihn als Genie definieren würde. James Bond hat eine Lizenz zum Töten, aber wegen der Wichtigkeit der Calaphas zugewiesenen Fälle darf er nicht nur, sondern muss sogar ziemlich häufig töten. Morde, ob gerechtfertigt oder nicht, machen ihm kein schlechtes Gewissen. Die Leichtigkeit, mit der er tödliche Gewalt anwendet, hat ihm die höchste Erfolgsquote innerhalb der Organisation eingetragen. Während andere Agenten paarweise oder in Kleingruppen zusammenarbeiten, wird Calaphas’ Wunsch, allein zu arbeiten, daher respektiert – sehr zur Erleichterung vieler Kollegen, die Angst davor hätten, mit ihm zusammenarbeiten zu müssen.

Sechs Tage nach der Katastrophe nördlich der City hat Calaphas das Büro des verstorbenen Simon Bistoury okkupiert – des Co-Direktors der Einrichtung, in der es 54 Tote und einen Vermissten gegeben hat. Die vergangenen sechs Stunden hat er damit verbracht, sechs Flaschen grünen Tee mit Honig zu trinken, während er sich auf einem riesigen LED-Bildschirm HD-Überwachungsvideos angesehen hat. Ihn faszinieren die von den Kameras eingefangenen 46 Sekunden Gewalt in der provisorischen Leichenhalle, die nach der Katastrophe in diesem Gebäude eingerichtet wurde.

Nach außen hin ist diese Einrichtung ein Privatunternehmen, die Forschungsabteilung einer Kosmetikfirma, die Rezepte für Feuchtigkeitscremes, Faltencremes, Epilationscremes, Make-up, Lippenstifte und weitere Produkte entwickeln soll. Tatsächlich hat sie an einem streng geheimen Projekt gearbeitet, das von der US-Regierung und zwei Hightechkonzernen finanziert wurde, deren Namen die Amerikaner besser kennen als die ihrer Senatoren.