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Der DDR Bürger Ferdinand Stahlschmitt wird bei einem Fluchtversuch schwer verletzt und nach seiner Genesung im Stasi Gefängnis Hohenschönhausen gefoltert. Nach seiner Entlassung heiratet er und 1985 wird sein Sohn Radulf geboren. Die Familie zieht nach der Öffnung der Grenze nach Bad Herrenalb. Im Alter von 30 Jahren lernt Radulf die Vorsitzenden des Vereins Hilfe für Mali (HfM) kennen und er unternimmt mit ihnen eine Reise nach Mali, wo er ein Verhältnis mit Aayana eingeht und wo er Akbash kennen lernt. Wieder zu Hause angekommen macht er eine Therapie bei einer Psychotherapeutin, die jedoch die Therapie abbricht, nachdem sie mit Radulf geschlafen hat. Nach einem Jahr kommt Aayana nach Herrenalb und präsentiert ihm seine aus dem Verhältnis hervorgegangene Tochter Kuimba. Die beiden heiraten und bekommen eine weitere Tochter. Nach einem weiteren Jahr kommt auch Akbash nach Herrenalb und sie gründen gemeinsam den Gesprächskreis "Effata", dem sich auch Miriam anschließt. Eines Tages treffen die drei auf Chris, die Psychotherapeutin von Radulf.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Ralf Lothar Knop
Akbash
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Effata
Aayana
Akbash I
San
Vertrauen
Radulf
Therapie I
Reflexion
Therapie II
Chris I
Kaupinpuistonkatu
Kuimba
Miriam I
Miriam II
Seligpreisungen
Aminata
Vorhölle
Wangerooge
Abendmahl
Erika
Reunion
Chris II
Akbash II
Trauer
Impressum neobooks
Ralf Lothar Knop
Akbash
Roman
Für Catherina, Verena, Simon und Roman
DCLXVI
Sescenti Sexaginta Sex
Du bist würdig, das Buch zu nehmen
und seine Siegel aufzubrechen,
denn du wurdest als Opfer geschlachtet!
Offb 5,9
Nachdem Akbash am Vormittag zwei Stunden lang auf dem Polizeiposten von Bad Herrenalb vernommen worden war, saß er zunächst eine Weile im Kurpark, bevor er über den Rehteichweg und den Pfahlwaldweg nach Bernbach wanderte und dort weiter bis in die Talblickstraße, wo er eine kleine Wohnung hatte, die ihm einen wunderbaren Blick auf den Schwarzwald erlaubte. Er war froh, als er endlich wieder alleine in seinem Wohnzimmer saß.
Die Polizeibeamten waren sehr freundlich gewesen, trotzdem war Akbash vollkommen verstört, weil er noch nie mit der Polizei zu tun hatte und weil es für ihn unfassbar war, dass Radulf nicht mehr lebte und noch unfassbarer war es für ihn, dass die Polizei ihn, seinen besten Freund, für seinen Mörder hielt.
Sie waren sehr gute Freunde und sie hatten gemeinsam eine neue Gruppe gegründet, die sie Effata nannten. Sie wollten das Leben miteinander teilen und das konnte nur gelingen, wenn sie bedingungslos ehrlich zueinander waren und keinerlei Geheimnisse voreinander hatten.
Effata sollte offen sein für alle Menschen, die bereit waren, sich vollkommen zu öffnen, unabhängig ob Mann oder Frau und was noch viel wichtiger war, sowohl die religiöse als auch die politische Überzeugung sollte keinerlei Rolle spielen; genauer gesagt, jeder durfte seine religiöse und seine politische Überzeugung frei äußern, ohne dass irgendjemand versuchte, ihn in irgendeiner Weise darin zu beeinflussen. Dieses Grundprinzip des gegenseitigen Respekts, davon waren Radulf und Akbash fest überzeugt, würde nicht nur dazu führen, dass schließlich alle Mitglieder der Gruppe in bedingungsloser Liebe miteinander verbunden wären, sondern diese Liebe würde auch weit über die Gruppe hinaus fruchtbar werden.
Radulf war von Anfang an derjenige, der die geistigen Grundlagen für diese Gruppe schuf. Solange wir unser Innerstes verschlossen halten, sagte er immer wieder, werden wir allmählich immer mehr vertrocknen und das Leben geht an uns vorbei. Nur wenn wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen, können wir wirklich glücklich werden. Diese Welt ist kein Jammertal, in dem es für uns nur Not und Leid gibt. Als erstes schrieb Radulf eine Präambel für Effata:
Ich nehme mich an. Ich nehme mich in die Hand. Alles an mir darf so sein, wie es ist.
Ich versuche dankbar zu sein für mich und für mein Leben, für meine Begabung und für meine Begrenzung, für meine Fähigkeiten und für meine Schwächen. Ich bin so wie ich bin und dafür bin ich dankbar.
Des Lebens heilende Gegenwart hüllt mich ein. In ihr finde ich Frieden und Erfüllung. Ich bin voller Dankbarkeit, weil ich wertvoll bin, weil ich ein einmaliger und einzigartiger Mensch bin.
Vor jedem Gruppentreffen wurde diese Präambel verlesen, genauso wie die zwölf Weisen der Effata, die Radulf ebenfalls verfasst hatte.
Wir alle sind geschaffen durch die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst und deshalb dürfen wir geschwisterlich miteinander umgehen als Schwestern und Brüder, die sich gegenseitig den Durst des Lebens nach sich selbst stillen.
Wir dürfen einander dasselbe gütige Vertrauen schenken, das das Leben in uns hat.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir liebenswerte Menschen sind, so wie das Leben uns geschaffen hat.
Wir dürfen uns gegenseitig als Kinder annehmen, die noch nicht fertig sind, aber voller Hoffnung, die noch nicht vollkommen sind, aber doch wahr und lebendig.
Wir dürfen uns gegenseitig ein Ort der Geborgenheit sein.
Wir dürfen in unserer Seele alles gelten lassen, was leben möchte, auch dann, wenn es noch nicht fertig, klein, unausgebildet und unreif ist.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir das Recht besitzen, so zu existieren, wie das Leben uns geschaffen hat.
Wir dürfen die verborgene Größe erkennen in dem, was uns oft so klein vorkommt und wir dürfen in allem den Willen des Lebens annehmen.
Wir dürfen unser Leben als einen Weinberg betrachten, dessen Früchte zur Vollendung heranreifen und die der Verherrlichung des Lebens dienen.
Wir dürfen die Worte, die wir miteinander tauschen, so sanft sein lassen wie der Sommerwind.
Wir dürfen unsere Augen so warm und hell scheinen lassen wie die Sonne am Himmel.
Wir dürfen das Tun unserer Hände so befruchtend sein lassen wie der Morgenregen und so erfrischend wie der Tau auf den Blättern,
In jeder Woche setzte Radulf eine Einladung zu dieser Gruppe in die Zeitung, aber es kam monatelang niemand hinzu, sodass Radulf und Akbash alleine in der Wohnung von Akbash saßen. Nicht dass sie sich gelangweilt hätten, im Gegenteil, ihre Gespräche waren jede Woche spannend und aufregend und sie waren glücklich, dass sie sich gefunden hatten.
Manchmal kam jemand ein- oder zweimal, blieb dann aber wieder fort. Erst nach einem halben Jahr stieß Miriam zu ihnen und kam dann auch jede Woche wieder. Miriam war eine korpulente Frau mit langem schwarzen Haar, und sie war immer ganz in schwarz gekleidet, schwarzer Pullover, schwarze Hose und schwarze Schuhe, manchmal auch hohe schwarze Stiefel. Miriam war fünf Jahre älter als Radulf und Akbash, die beide genau gleich alt waren.
Radulf wollte einen Artikel schreiben über „1200 Jahre Dorfgeschichte – Au am Rhein“; nachdem er einige Interviews im Rathaus und mit einigen Bürgern, die er auf der Straße traf, geführt hatte, fuhr er noch zum Rhein, um dort ein wenig spazieren zu gehen. Als er Miriam das erste Mal sah, stand sie dort am Ufer des Rheins und starrte in die Ferne. Aus irgendeinem Grund fühlte sich Radulf von ihr angezogen, stellte sich neben sie und schaute ebenfalls in die Ferne. Es dauerte sehr lange bis Miriam sagte:
Was willst du?
Leben!
Miriam drehte sich zu ihm hin und schaute ihn an, Tränen liefen über ihre Wangen. Radulf legte seine Arme um sie, doch Miriam war zu schwach, diese Umarmung zu erwidern; ihre Arme hingen kraftlos herunter und ihre Tränen liefen nun, als sei ein Staudamm gebrochen. Dabei gab sie keinen Laut von sich, es herrschte vollkommene Stille, Totenstille, selbst die Zeit war gestorben. So hätte keiner von beiden sagen können, wie lange sie dort standen, bis Radulf sagte:
Es wird kalt, wollen wir nicht irgendwo einen heißen Tee trinken und uns ein wenig unterhalten?
Wir können zu mir gehen, ich wohne in Au in der Kapellenstraße, aber ich habe nur grünen Tee.
Gemeinsam gingen sie zurück zum Parkplatz, Miriam fuhr mit ihrem Auto voraus und Radulf fuhr hinterher. Sie hatte eine schöne kleine Einliegerwohnung in der Kapellenstraße in Au am Rhein, nur wenige Minuten vom Rhein entfernt. Miriam machte einen Tee und dann saßen sich beide einander gegenüber. Wieder herrschte vollkommene Stille bis Miriam anfing zu sprechen, leise, ganz leise, damit niemand sie hören konnte.
Ich hatte eine kleine Tochter, sie hieß Annelie und sie ist mit fünf Jahren an Leukämie gestorben. Tagelang saß ich an ihrem Bett und schließlich, an ihrem letzten Tag, schaute sie mich an und fragte: „Mama, muss ich sterben?“ und ich antwortete: „Aber nein, mein Engelchen, was redest du denn da. Du wirst nicht sterben, du wirst wieder gesund, dann kannst du wieder mit deinen Freundinnen spielen und nächstes Jahr kommst du in die Schule.“
Annelie schaute mich mit einem traurigen Blick an, sie wusste, dass ich gelogen hatte. Erst später, zu spät, begriff ich, was da in meinem kleinen Engel vor sich ging. Sie hatte keine Angst vor dem Tod, sie hatte keine Angst, weil sie nie mehr mit ihren Freundinnen spielen würde und sie war nicht traurig, dass sie nie erfahren würde, wie es ist, in die Schule zu gehen. Sie wollte sich von ihrer Mama verabschieden, aber das ging ja jetzt nicht mehr, weil sie merkte, dass sie ihrer Mama damit sehr weh getan hätte.
Annelie war ein sehr braves Mädchen, sie liebte ihre Mama und sie tat immer alles so, wie ihre Mama es wollte, damit auch ihre Mama sie lieb hatte. Aber warum log ihre Mama sie dann jetzt an, hatte sie Annelie denn nicht mehr lieb? Warum nahm sie Annelie denn nicht in die Arme und sagte, dass alle Engel in den Himmel kommen und dass es dort sehr schön sein wird? Das erste Mal in ihrem Leben konnte sie den Wunsch ihrer Mama nicht erfüllen und deshalb hatte ihre Mama sie nicht mehr lieb, weil sie kein braves Mädchen mehr war.
Aber was sollte ich denn jetzt machen, ich konnte ihr doch nicht sagen, dass sie wohl doch sterben würde. Das ging einfach über meine Kräfte. Annelie wurde immer blasser und sie schlief immer häufiger ein. Noch am selben Abend ist sie gestorben. Ich habe sie lange in meinen Armen gehalten und habe immer wieder gesagt: „Bitte verzeih mir, bitte verzeih mir, mein kleiner Engel.“
Nach Annelies Tod hat Miriam nie wieder gesprochen, in ihrer Firma hatte man zunächst Verständnis für sie, doch nach einer Weile ließ man sie einfach vollkommen unbeachtet. Ihr Mann akzeptierte ihr Verhalten am Anfang als ihre Form der Trauer, doch nach einigen Monaten bat er sie, einen Therapeuten aufzusuchen. Nach einem Jahr war diese Situation für ihn nicht länger erträglich; er suchte sich eine andere Wohnung und ließ sich scheiden. Das war vor fünf Jahren.
Niemand hätte sagen können, was es wirklich war, das Miriams Zunge bei der Begegnung mit Radulf gelöst hatte. Aber nun saßen sie sich gegenüber, Miriams Tränen waren getrocknet und in ihrem Gesicht zeigte sich ein schwaches Lächeln, das die Peinlichkeit ihrer Beichte mildern sollte.
Von Anfang an herrschte zwischen Akbash, Radulf und Miriam ein so harmonisches Verhältnis als würden sie sich seit ewigen Zeiten kennen, auch in ihren politischen und religiösen Ansichten herrschte eine Übereinstimmung, die keiner von ihnen für möglich gehalten hätte. Natürlich waren alle drei enttäuscht, dass die Gruppe einfach nicht wachsen wollte, dass niemand Interesse an dieser Gruppe hatte, obwohl Radulf inzwischen sowohl die Präambel als auch die zwölf Weisen in der Presse veröffentlicht hatte. Aber mit der Zeit waren die drei so glücklich miteinander, dass sie sich vollkommen genügten und nicht mehr das Verlangen hatten, dass noch jemand zur Gruppe hinzustoße. Im Gegenteil, Radulf veröffentlichte die Termine der Gruppentreffen nicht mehr, da er befürchtete, ihr Dreierbündnis könnte durch eine weitere Person in seinem Zusammenhalt gestört werden.
Radulfs Vater, Ferdinand, wurde im Alter von zwanzig Jahren bei einem Fluchtversuch aus der DDR so schwer angeschossen, dass es Stunden dauerte, alle Kugeln aus seinem Körper zu entfernen. Nach seiner Genesung, er war für den Rest seines Lebens gehbehindert, kam er nach Hohenschönhausen, wo er die nächsten fünf Jahre verbringen sollte. Täglich holte man ihn aus seiner Zelle zum Verhör; wenn ein anderer Gefangener ihnen entgegen kam, musste er mit dem Gesicht zur Wand stehen bleiben, bis der andere Gefangene an ihnen vorbei war.
Der SED Funktionär wollte ihm einfach nicht glauben, dass Ferdinand seinen Fluchtversuch alleine geplant hatte und dass es keine Mitwisser gab. Was Ferdinand natürlich nicht wusste, war, dass er während der Verhöre mit Röntgenstrahlen bestrahlt wurde, von einem Gerät, das hinter einem Paravent versteckt war. Bei den Verhören saß Ferdinand auf einem Stuhl, dessen „Sitzfläche“ aus lauter spitzen Holzpyramiden bestand, die sich im Laufe des Verhörs immer tiefer in sein Fleisch hineinbohrten.
Eines Tages wurden die Schmerzen, die diese Spitzen verursachten, so unerträglich, dass Ferdinand aufsprang, über den Schreibtisch langte und dem Offizier eine Ohrfeige verpasste. Ferdinand wurde sofort abgeführt, aber er kam nicht in seine Zelle zurück, sondern er verbrachte die nächsten zwei Tage in einer etwa vier Quadratmeter großen Zelle ohne jegliche Einrichtung und ohne Fenster, der Fußboden war etwa zehn Zentimeter hoch mit Wasser bedeckt, sodass Ferdinand sich nicht einmal auf den Fußboden legen konnte. Abwechselnd mit der Stirn oder dem Rücken gegen die Wand gelehnt verbrachte Ferdinand die Zeit, bis er vor Erschöpfung auf die Knie sank und für ein paar Minuten einschlief.
Nach diesen zwei Tagen war Ferdinand physisch und psychisch so am Ende, dass er im nächsten Verhör alles gestand, was man hören wollte. Er hat von sich aus keine Namen genannt, sondern lediglich die Namen als Mittäter bestätigt, die ihm von dem Funktionär genannt wurden, die meisten davon kannte er nicht einmal. Da er nun in vollem Umfang geständig war, wurde er bereits nach fünf Jahren aus Hohenschönhausen entlassen.
Nach seiner Entlassung lernte Ferdinand die spätere Mutter von Radulf, Friederike, kennen, 1985 wurde Radulf geboren und nach dem Fall der Mauer zog die Familie nach Bad Herrenalb in den Westen. Als Radulf alt genug war, erzählte sein Vater ihm von seinen Erlebnissen in Hohenschönhausen und bat ihn, das niemals zu vergessen und immer auf der Seite der Freiheit zu stehen und sich stets für die Menschen einzusetzen. 2005 starb Radulfs Vater an den Spätfolgen der Folter in Hohenschönhausen.
Durch die Erzählungen seines Vaters war Radulf so beeindruckt, dass er sich schwor, niemals einem anderen Menschen irgendeinen Schaden zuzufügen, mehr noch, er wollte einen kleinen bescheidenen Beitrag zum Wohle der Menschen leisten und er war überzeugt davon, dass man den Hass dieser Welt überlieben könnte.
Als Radulf dreißig Jahre alt war, hatte er das Glück, zwei Vertreter von HfM, Hilfe für Mali, einer kleinen Hilfsorganisation nach Mali begleiten zu dürfen. Von Frankfurt flogen sie nach Paris und von dort mit der Air France nach Bamako.
Da Radulf gelesen hatte, dass in Mali Brillen so teuer sind, dass kaum einer sich eine Brille leisten kann, hatte er vor seiner Reise nach Mali in mehreren Spendenaufrufen darum gebeten, abgelegte Brillen für die Bevölkerung in Mali zu spenden. Dieser Spendenaufruf fand eine so großartige Resonanz, dass Radulf schließlich einen sehr großen Koffer voller Brillen mit nach Mali nehmen konnte.
Auf dem Flughafen in Bamako fiel dieser große Koffer natürlich sofort den Zollbeamten auf und Radulf wurde samt Koffer in einen Nebenraum gebeten und nachdem er den Koffer geöffnet hatte, spielte sich dann ein Dialog ab, der Radulf seinen ersten Eindruck von Mali vermittelte.
Zeigen Sie mir bitte die Einfuhrgenehmigung.
Ich habe keine Einfuhrgenehmigung.
Dann müssen Sie Zoll bezahlen.
Diese Brillen sind ein Geschenk für die Menschen in Mali, da können Sie mir doch jetzt nicht auch noch Zoll dafür berechnen.
Dann möchte ich eine Brille haben.
Sie können gerne eine Brille bekommen, aber ich kenne die Dioptrie der einzelnen Brillen nicht; die soll erst hier festgestellt werden.
OK, aber nächstes Mal denken Sie bitte an die Einfuhrgenehmigung.
Selbstverständlich.
Man hatte ihnen geraten, an ihrem ersten Tag in Mali die deutsche Botschaft in Bamako aufzusuchen und mit einem Botschaftsangehörigen die Reiseroute zu besprechen, da es in bestimmten Gegenden Malis nicht ganz ungefährlich war. Die deutsche Botschaft kam Radulf vor wie eine Festung, sie war von einer hohen Mauer umgeben und man musste sich an der Pforte über eine Sprechanlage anmelden und den Grund für seinen Besuch angeben, bevor man überhaupt Zugang zu dem ersten Vorraum erhielt. Dort musste man ein Formular ausfüllen, seinen Pass, sein Handy, seine Kamera und alle Taschen abgeben, danach wurden sie in einen klimatisierten Raum in einem anderen Gebäude geleitet, wo sie auf den Botschaftsangehörigen warten mussten.
Nach der Konfrontation mit dem doch sehr strengen Sicherheitspersonal war das anschließende Gespräch mit einer recht jungen Dame, Frau Zalek, und einem jungen Herrn, Herr Bestin, dann sehr angenehm. Herr Bestin gab einen längeren Bericht über die Aufgaben der deutschen Botschaft in Bamako und danach berichtete Bogdan, der Vorsitzende von HfM, der deutschen Hilfsorganisation aus Karlsruhe, über seinen Verein, den Grund für ihre Reise nach Mali, nämlich die Überprüfung der von ihnen finanzierten Projekte, und über die geplante Reiseroute.
Tatsächlich riet Herr Bestin dringend von einem Besuch in San ab, da gelegentlich Islamisten aus dem Norden des Landes nach San kämen, um Touristen zu entführen und anschließend Lösegeld zu erpressen. Radulf hatte schon ein mulmiges Gefühl, als er erfuhr, dass Bogdan aus wichtigen Gründen nicht auf den Besuch der eigenen Projekte in San verzichten wollte. Frau Zalek führte Protokoll über das Gespräch und Herr Bestin bat darum, sich nach der Rückkehr nach Bamako kurz bei ihm zu melden und ihm später einen Reisebericht zukommen zu lassen.
Am nächsten Tag begann dann endlich Radulfs Begegnung mit Mali, sie fuhren von Bamako nach Sikasso und nach einem Antrittsbesuch bei dem Kreisdirektor des „Conseil Regional De Sikasso“ besuchten sie das Landwirtschaftszentrum Zamblara, das seit zehn Jahren von HfM gefördert wurde. In diesem Zentrum wurden Jugendliche, die keinerlei Schulbildung hatten, in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Tätigkeiten ausgebildet und am Ende der Ausbildung erhielten sie ein Startkapital in Form von landwirtschaftlichen Geräten.
Das zehnjährige Jubiläum dieses Zentrums wurde groß gefeiert, das malische Fernsehen und der Kreisdirektor waren anwesend; neben Vorträgen fand eine Führung über das Gelände des Zentrums statt und natürlich gab es ein Festessen. Während die Jugendlichen um eine Schüssel mit Reis und Fleisch auf der Erde hockten, wurden für die Gäste Stühle aufgestellt. Aber auch sie aßen alle aus einer Schüssel, mit den Fingern der rechten Hand, weil die linke Hand, wie Radulf hier erfuhr, unrein ist.
Bei der Führung stellte sich sehr schnell die Problematik heraus, die mit einer solchen Förderung verbunden war. Mit dem Geld von HfM waren unter anderem ein Stall mit einer Viehtränke und ein Wasserbassin gebaut worden, aber es gab kein Wasser, genauer gesagt, die nächste Wasserstelle war fünfhundert Meter entfernt und es fehlte das Geld für den Bau von Wasserleitungen und Pumpen. Bogdan verhandelte deshalb mit dem Kreisdirektor und versprach ihm, dass HfM die Kosten für die Pumpe und die notwendige Solaranlage übernehmen würde, falls der Kreis die Kosten für das Verlegen der Wasserrohre übernimmt. Allerdings war der Kreisdirektor nicht bereit, eine solche Zusage sofort zu geben, da hier wie überall natürlich die finanziellen Mittel sehr begrenzt waren
Der Bau von sanitären Anlagen, nach Geschlechtern getrennt, war außerordentlich wichtig, da für Mädchen eine große Gefahr bestand, wenn sie ihre Notdurft in der Öffentlichkeit verrichteten. Eine Jugendliche fragte Radulf, ob er sie mit nach Deutschland nehmen könne. Diese Frage kam für Radulf so überraschend, dass er nur schweigend lächeln konnte.
Nach dieser Festveranstaltung ging es noch weiter zu den „Grottes De Missirikoro“, einem riesigen Felsen mit vielen Höhlen und Gängen. Es handelte sich um einen heiligen Felsen, der in kriegerischen Zeiten als Zufluchtsort von allen akzeptiert wurde. Es spielte hier keine Rolle, ob die Menschen der islamischen oder christlichen Religion angehörten oder ob sie animistische Allbeseeltheitsvorstellungen hatten. Es gab Menschen, die ständig hier lebten und sich von den Opfertieren ernährten, die andere Menschen hierher brachten.
Obwohl Radulf keinerlei Erfahrung im Klettern hatte, bat er die Begleiter, mit ihm diesen etwa zweihundert Meter hohen Felsen zu besteigen. Diese Klettertour war so aufregend, dass Radulf sie wohl nie vergessen wird, zeitweise mussten die beiden einheimischen Begleiter Radulfs Füße führen, damit er wieder festen Halt fand. Aber schließlich kamen alle drei auf dem Gipfel an und es eröffnete sich für sie ein wunderbarer Blick über ein weites Land.
Bevor sie am Abend in ihr Hotel zurückkehrten, machten sie noch einen Besuch bei Dikembe und seiner Familie; Dikembe war die Kontaktperson, die die Hilfsprojekte in Mali organisierte und alle finanziellen Transaktionen in Mali durchführte. Dikembe hatte eine sehr große Familie, das kleinste seiner sechs Kinder war erst etwa ein Jahr alt und als dieser Junge Radulf sah, fing er sofort an zu schreien. Alle Beruhigungsversuche schlugen fehl, sodass die größere Schwester mit ihrem Bruder in ein anderes Zimmer gehen musste und Dikembe als Entschuldigung sagte:
Radulf, you are simply too white.
Nach diesem langen Tag war Radulf froh, endlich alleine in seinem Hotelzimmer zu sein; er machte die Klimaanlage an und legte sich aufs Bett. Er hatte eine ganze Weile im Halbschlaf die Ereignisse des Tages noch einmal vor seinem Auge passieren lassen, als es an der Tür klopfte. Aayana, die Mitarbeiterin von Dekembe, stand vor der Tür. Sie war eine etwa fünfundzwanzig Jahre junge sehr schlanke Frau mit großen dunklen Augen und wunderschönen großen Lippen, sie trug eine modische leuchtend blaue Kopfbedeckung und dazu ein langes blaues Kleid mit weißen Musterungen, das ihre Schultern nur teilweise bedeckte, sodass die blauen Träger ihres BHs sichtbar waren. Mit ihren goldgelben langen Ohrringen strahlte ihr schwarzes Gesicht eine unglaubliche Schönheit aus.
Radulf bat Aayana in sein Zimmer, da er vermutete, dass sie ihn über das Programm des nächsten Tages informieren wollte. Sie setzten sich einander gegenüber, Radulf auf dem einzigen Stuhl des Zimmers und Aayana auf seinem Bett Da er inzwischen die malische Gesprächskultur kannte, wunderte er sich auch nicht darüber, dass Aayana zunächst einmal nach dem Wohlbefinden aller seiner Verwandten fragte, auch Radulf bemühte sich so gut er konnte, sich an dieses Höflichkeitsritual zu halten. Als dieses Ritual beendet war, schwiegen beide eine ganze Weile und Aayana schaute nach unten auf ihre Hände, die sie auf ihrem Schoß gefaltet hatte, sodass eine gewisse Spannung im Raum entstand. Um diese Spannung zu lösen, setzte Radulf sich zu ihr aufs Bett und fragte sie, was los sei, doch anstatt eine Antwort zu geben, legte Aayana sich nach hinten aufs Bett, sodass Radulf endlich verstand, was sie wirklich wollte.
Radulf legte sich neben Aayana , schaute ihr in die Augen, streichelte ihre Stirn, die Augen, die Nase und ihre prächtigen roten Lippen, dann streifte er ihre Kopfbedeckung vorsichtig ab, beugte sich über sie und küsste ihre wunderbaren Lippen. Aayana erwiderte seinen Kuss und Radulf hatte das Gefühl, dass sie ihn vollkommen aufsaugen würde. Vorsichtig zog Radulf Aayanas Kleid nach oben und streichelte dabei ihre Oberschenkel; mit seinen Fingern spreizte er ihre großen Schamlippen und führte zwei Finger in ihre Muschi ein bis der Saft aus ihr herauslief.
Als Radulf merkte, wie erregt Aayana war, stand er auf und zog sich aus, während Aayana ihr Kleid über den Kopf streifte, ihren Büstenhalter auszog und sich wieder aufs Bett legte. Bevor Radulf sich zu ihr legte, betrachtete er zunächst ihren ganzen wunderschönen schlanken Körper mit ihren festen tennisballgroßen Brüsten. Er legte sich zu ihr, streichelte ihr Brüste und saugte sie dann fast vollständig in seinen Mund. Anschließend legte er sich auf sie und Aayana spreizte ihre Beine und winkelte sie so sehr an, dass ihre Knie fast ihre Schultern berührten, wodurch Radulf seinen Schwanz tief in ihre Muschi einführen konnte. Beide waren inzwischen so erregt, dass nach nur wenigen sanften Stößen ihre Bewegungen immer schneller und heftiger wurden bis sie schließlich gemeinsam explodierten.
Vollkommen erschöpft blieb Radulf noch eine Weile auf Aayana liegen bis er merkte, dass sie eingeschlafen war. Dann legte er sich neben sie und schlief ebenfalls nach kurzer Zeit ein. Als Radulf durch den Ruf des Muezzin geweckt wurde, war Aayana verschwunden, er hatte so tief und fest geschlafen, dass er nicht gemerkt hatte, wie sie aufgestanden war und sein Zimmer verlassen hatte.
An diesem Morgen besuchten sie die „Commune Rurale De Zanfenebougou“, wo ihnen als erstes der Dorfälteste und der Bürgermeister vorgestellt wurden. Der Unterschied, so erfuhr Radulf, zwischen den beiden besteht darin, dass der Dorfälteste ein Leben lang in Amt und Würden bleibt, während der Bürgermeister immer nur für einige Jahre gewählt wird und außerdem mussten alle den Anordnungen des Dorfältesten Folge leisten, auch der Bürgermeister.
In den Schulklassen, die sie besuchten, saßen ungefähr einhundertsechzig Schüler in einer Klasse, immer vier in einer Bank, und Radulf war erstaunt, wie fröhlich diese Kinder auf diesem beengten Raum waren; sie strahlten ihn an und alle wollten unbedingt von ihm fotografiert werden.
Danach wollte Dekembe unbedingt, dass die Gruppe noch seine Mutter kennen lernt, was für Radulf erneut eine interessante Erfahrung war, da sie in einem typischen afrikanischen Dorf lebte, dass ausschließlich aus kleinen Lehmhäusern besteht, die nur einen einzigen Raum haben, der fast nur zum Schlafen benutzt wird, da sich das meiste Leben außerhalb des Hauses abspielt. Faszinierend waren auch die runden strohbedeckten Lehmhäuser, die keine Tür hatten, sondern nur zwei kleine Öffnungen, eine oben und eine unten, die als Vorratskammer dienten.
Dekembes Mutter war schon sehr alt und sie trug eines dieser typischen bunten afrikanischen Kleider mit diesen leuchtenden Farben, wodurch immer auch eine große Lebensfreude ausgestrahlt wurde. Es war erstaunlich, wie flink sie trotz ihres Alters sich auf die Erde setzen und wieder aufstehen konnte, ohne sich abzustützen.
Bevor sie an diesem Tag zu ihrem Hotel zurück fuhren, machten sie noch einen Zwischenstopp in Dekembes Büro in Sikasso, das sogar aus zwei Räumen bestand. Als sie eintraten, sah Radulf sofort, dass Aayana im hinteren Raum am Schreibtisch saß, deshalb bat er Dekembe, dass er von ihm und seiner Mitarbeiterin ein gemeinsames Foto machen dürfe.
Aayana lächelte ihn an und als sie nach dem Fotografieren das Zimmer wieder verlassen wollten, stellte Aayana sich schnell neben Radulf, drückte kurz seine Hand und flüsterte ihm ins Ohr: „Bis heute Abend.“ Natürlich hatte Radulf eine wunderbare Nacht mit Aayana verbracht, trotzdem war er nun sehr irritiert, da er nicht wusste, was er von dieser vertrauten Art halten sollte.
Tatsächlich kam Aayana an diesem Abend wieder zu Radulf in sein Hotelzimmer, schon beim Eintreten gab sie ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. Dieses Mal trug sie einen langen Rock, bei dem auf blauem Hintergrund gelbe Phantasievögel zu sehen waren; dazu trug sie ein sehr enges weißes T-Shirt, wodurch ihre kleinen Brüste deutlich abgebildet waren. Das strahlende Weiß ihres T-Shirts hob die Schönheit ihres schwarzen Gesichtes noch deutlicher hervor.
Kaum hatte Radulf die Zimmertür geschlossen, zog Aayana ihr T-Shirt aus und da sie an diesem Tag keinen Büstenhalter trug, wurde Radulf durch den Anblick ihrer Brüste so erregt, dass er sie umarmte, ihren Wickelrock löste und sie aufs Bett legte. Nachdem Radulf sich ausgezogen hatte, wollte er Aayana besteigen, doch sie hielt ihn davon ab, legte ihn auf seinen Rücken, bestieg ihn mit gespreizten Beinen, beugte sich nach vorne, stütze sich auf ihren Ellenbogen ab, schaute Radulf in die Augen und brachte ihn ganz langsam mit sanften Stößen zum Orgasmus. Radulf richtete sich mit seinem Oberkörper auf, sodass Aayana mit gespreizten Beinen in seinem Schoß saß und mit ihrer pulsierenden Muschi seinen Schwanz fast zum Bersten brachte. Lange verharrten sie so mit sanften rhythmischen Bewegungen, bis auch Aayana sich mit einem lauten Stöhnen entlud und Radulf sich zum zweiten Mal in sie ergötzte.
Nachdem die beiden sich eine halbe Stunde lang mit zärtlichen Küssen überhäuft hatten, legte Aayana sich auf den Bauch und Radulf verstand ihren Wunsch sofort. Er legte sich auf ihren Rücken, führte seinen Schwanz erneut in ihre Muschi ein und legte dann seine beiden Hände um ihre Brüste. Als Aayana merkte, dass Radulf langsam zum Höhepunkt kam, ging sie auf ihre Knie, Radulf umfasste ihr schmales Becken mit beiden Händen und nach wenigen kräftigen Stößen spritzte er erneut mit lautem Stöhnen in sie hinein. In dieser Nacht blieb Aayana bis beide vom Muezzin geweckt wurden, sie gab Radulf einen Kuss, zog sich an und verschwand.
Der nächste Tag sollte für Radulf nicht nur zu einem außerordentlich spannenden und aufregenden, sondern auch zu einem schicksalhaften Tag werden. Bereits um acht Uhr wurden sie von ihrem einheimischen Fahrer mit seinem Allradwagen von ihrem Hotel abgeholt. Nach etwa einer Stunde Fahrt auf einer asphaltierten Straße hielt der Fahrer an, verschwand in einem Haus und kam mit einem anderen Mann wieder heraus, der sich auf sein Moped setzte und vor ihnen herfuhr.
Radulf verstand sehr schnell, warum sie nun einen Führer brauchten, denn nach wenigen Minuten bogen sie von der asphaltierten Straße ab auf einen Feldweg, der sie in den „Busch“, wie Europäer ihn sich vorstellen, führen sollte. Selbst Einheimische würden das Dorf Kotamani, zu dem sie nun hinfuhren, niemals ohne ortskundige Führer finden. Auch das Wort “Feldweg“ vermittelt hier einen falschen Eindruck, denn zeitweise war der Weg so, dass sich alle vier Räder des Wagens auf unterschiedlicher Höhe befanden, sodass sie sich nicht einmal mit Schrittgeschwindigkeit fortbewegen konnten.
Nachdem sie etwa zwei Stunden lang ihre Wirbelsäule auf diese Weise strapaziert hatten, versperrten plötzlich Bäume ihren Weg und es ertönten laute Schüsse aus einigen Vorderladern, sodass Radulf glaubte, nun endgültig Opfer eines Überfalls zu werden. Doch es stellte sich heraus, dass es sich um das Begrüßungskomitee aus Kotamani handelte, durch deren Schüsse den Dorfbewohnern ihr Kommen angekündigt wurde.
